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Weigand 

Deutsches Wörterbuch 



Erster Band 
A bis K 



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Deutsches Wörterbuch 



von 






Fr. L. K Weigand 



Fünfte Auflage 

in der neusten für Deutschland, Österreicli und die Schweiz 
gültigen amtUchen Rechtschreibung 



Nach des Yerfassers Tode vollständig neu bearbeitet von 
Karl von Bahder Herman Hirt Karl Kant 

a. 0. Prof. a. d. (iiiv. Leipzig a. o. Prof. a. d. Univ. Leipzig Privatgelehrtem in Leipzig 

Herausgegeben von Herman Hirt 



Erster Band 
A bis K 









Ter lag von Alfred Töpelmann 
(vormals J. Rick er) Gießen 1909 



Druck von C. G. Röiler G.m.b.H., Leipzig; 



Vorwort zur fünften Auflage. 

F. L. K. Weigands Wörterbuch hat eine lange Geschichte. Es ist ur- 
sprünglich eine Bearbeitung des „Kurzen deutschen Wörterbuchs für Etymologie. 
Synonymik und Orthographie'' von Friedrich Schmitthenner, 1834, 2. Aufl. 
1837 gewesen. Aber wie schon Jacob Grimm dem Verfasser schrieb: ..In 
Ihrem -Wörterbuch ist nicht mehr Schmitthenner, sondern bloß Weigand", so 
war es in der Tat, und so durfte und mußte mit Recht dieser Name auf dem 
Titel stehen. Das Werk hat dann zu Lebzeiten des Verfassers, dank dem aus- 
gezeichneten Inhalt, drei Auflagen erlebt; während des Druckes der vierten 
starb der Verfasser, es konnten aber noch die zahlreichen in seinem Xachlaß 
vorgefundenen Notizen für die neue Auflage benutzt werden. 

Daß es sich bei einer weitern Auflage nicht nur um einen etwas ver- 
besserten Abdruck handeln konnte, sondern, daß den Fortschritten der Wissen- 
schaft entsprechend eine gründliche Umarbeitung stattfinden mußte, war dem 
Verleger klar. Leider hat diese manche Schwierigkeiten gehabt. Zunächst 
hatte sie Prof. v. Bah der übernommen. Er hat nach mehrjährigen Vorarbeiten, 
die in umfangreichen Sammlungen bestanden, A bis Fleckeil geliefert und diesen 
Teil auch später bei der Drucklegung noch einmal durchgearbeitet. Dann ist, da 
er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheitsrücksichten aufgeben mußte, Dr. Kant, 
der längere Zeit neben Hildebrand am Deutschen Wörterbuche gewirkt hatte, 
eingetreten, und dieser hat die weitern Teile bis stark im Manuskript fertig- 
gestellt (init Ausnahme des Buchstaben P). Leider hat Dr. Kant das Werk nicht so 
fördern können, wie man wohl hätte wünschen müssen. War doch das Buch schon 
seit langem vergriffen, und der Wunsch nach einer neuen Auflage dringend. 

Meine eigene Tätigkeit hat »lamit begonnen, daß ich mich auf Wunsch 
von Prof, v. Bahder und auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 
verpflichtete, den etymologischen Teil des Werkes durchzusehen und zu er- 
gänzen. Es war dies um so mehr unbedingt nötig, als Dr. Kant auf dem 
Gebiete der indogermanischen Etymologie kein Fachmann war. 

Unter diesen L^m.ständen hat der Satz begonnen. Bald darauf mußte aber 
auch Dr. Kant von der Überwachung der Herau.sgabe und der weitern 
Bearbeitung zurücktreten. Da ich bei der Bearbeitung der Etymologie und 
der Durchsicht des fertigen Manuskriptes den hohen Wert des bisher Geleisteten 
kennen gelernt hatte, so habe ich mich unter diesen Verhältnissen, namentlicli 



VI 



Vorwort. 



um das Neuerscheinen des Weigand nicht wieder auf unabsehbare Zeiten zu 
verschieben, und um das bisher Geleistete bald zugänglich zu maclieu, ent- 
schlossen, im Einverständnis mit Prof. v. Bahder in die Bresche zu treten, und 
meinerseits die Herausgabe und Fertigstellung des Werkes zu übernehmen. 
Ich war mir sehr wohl bewußt, daß ich dadurch auf Jahre hindurch von mir 
lieb gewordenen Ar])eiten Abschied nehmen mußte, aber ich habe das gern 
getan, weil ich auch der Wissenschaft einen Dienst zu leisten glaubte, wenn 
ich den Weigand wieder allgemein zugänglich machte. 

Durch diese verschiedenen Hände, die an dem Werke beteiligt sind, 
mögen namentlich im Anfang einige Ungleichmäßigkeiten in das Werk ge- 
kommen sein, die indessen, wie ich bestimmt glaube, seinem Wert keinen Ab- 
l)ruch tun. Im übrigen ist meine Arbeit an dem fertigen Manuskript im Laufe 
der Zeit immer stärker geworden. Ich habe es, namentlich in den Teilen, die 
Dr. Kant bearbeitet hat, noch einmal gründlich durchgearbeitet, Artikel ver- 
ändert und nach bestem Ermessen gestrichen und zugesetzt, und diese Arbeit 
wird vermutlich in den spätem Teilen immer noch zunehmen. Trotzdem wird 
vielleicht doch manches stehen bleiben, was, wenn ich es selbständig gemacht 
hätte, anders ausgefallen wäre. 

Während anfangs die Xeuausgabe in einem Bande geplant war, hat es 
sich jetzt doch als wünschenswert herausgestellt, sie in zwei Bände zu teilen, 
namentlich da dies bei künftigen Auflagen, wo der Umfang wohl noch wachsen 
wird, doch nötig geworden wäre. Außerdem ist es dadurch möglich geworden, 
schon jetzt das Verzeichnis der Abkürzungen und die Angaben über die Ein- 
richtung des Werkes zu geben. Auch die Benutzung des nunmehr abgeschlos- 
senen bis zum Schluß von K reichenden ersten Bandes wird in gebundenem 
Zustand angenehmer sein als in den Lieferungen. 

Nach Erscheinen der einzelnen Ijieferungen sind mir von den verschieden- 
sten Seiten Ergänzungen und AVünsche mitgeteilt Avorden. Sie sind, soweit es 
möglich war, benutzt worden, und ich kann den Schreibern hier nur meinen 
besten Dank aussprechen und die Bitte hinzufügen, mich durch weitere Mit- 
arbeit zu unterstützen. 

Über die Ziele und Einrichtung des Buches sei nun noch zum Teil unter 
Wiederholung des im Vorwort früherer Auflagen ausgeführten, folgendes bemerkt; 

1. Weigands Werk war das erste, das die Etymologie genügend berück- 
sichtigte, und es hat sich dadurch hauptsächlich sein Ansehen erworben. Dieser 
Teil mußte natürlich besonders gründlich erneuert werden, um den Anforde- 
rungen der Zeit zu entsprechen. Man kann das sagen, ohne Weigand zu nahe 
zu treten, dessen etymologischen Scharfsinn und Takt man nur bewundern kann. 
Die Bearbeitung der Etymologie rührt, soweit andre indogermanisclie Sprachen 
heranzuziehen waren, von mir her. Mir schien es nun ein unabw^endbares Be- 
dürfnis zu sein, auch die Literatur der etymologischen Forschung anzuführen. 
Die Rücksicht auf den verfügbaren Raum gebot mir aber, mich kurz zu fassen, 
und so habe ich mich bemüht, solche Stelleu zu geb^n, wo Aveitere Literatur 
über die betreffenden Fragen zu finden oder wo ausführlich über die betreffende 
Etymologie gehandelt ist. Insbesondere genügten oft die Hinweise auf Waldes 



l 



Vorwort. VII 

vortreffliches lateinisches etymologisches Wörterbuch. Vollständigkeit konnte 
schon wegen des Raummangels nicht durchgeführt werden. Die Etymologie 
wird freilich immer ein Feld bleiben, auf dem man oft nicht zur Sicherheit 
kommen kann. Bei der Aufklärung der aus dem Orient entlehnten Wörter hat 
mich mein Kollege Prof. Stumme auf das dankenswerteste unterstützt. 

2. Was die aufgenommenen Wörter betrifft, so enthält das Werk die gegen- 
wärtigen gangbaren Wörter des neuhochdeutschen Sprachschatzes mit 
der durch den Umfang des Buches gebotenen Beschränkung, besonders in Hin- 
sicht der Ableitungen und Zusammensetzungen. Neben diesen gangbaren AVörtern 
aber hat Weigand eine große Zahl von weniger üblichen und seitnern, die in 
Luthers Bibelübersetzung und bei den mustergiltigen Schriftstellern aus der 
Blütezeit der neuhochdeutschen Literatur, namentlich bei Schiller und Goethe, 
sich finden, aufgenommen, auch bezeichnende, und zumal hier und da in Schriften 
vorkommende mundartliche Wörter. In dieser Beziehung kann man, glaulje 
ich, in einem solchen Werke gar nicht weit genug gehen. Schon Prof. v. Bahder 
und Dr. Kaut haben sehr viel nach dieser Richtung hin getan. Ich selbst habe, 
namentlich in den spätem Lieferungen, noch manchen in der norddeutschen 
Umgangssprache üblichen Ausdruck hinzugefügt, wobei das reichhaltige Wörter- 
verzeichnis im Buchdrucker-Duden dankbar benutzt wurde. Das Verbreitungs- 
gebiet derartiger landschaftlicher Wörter ist nach ^Möglichkeit mit Heranziehung 
der Idiotika gegeben worden, ohne daß freilich Vollständigkeit erzielt werden 
konnte. Auf eine Angabe der Werke, aus denen geschcipft wurde, ist meist ver- 
zichtet worden, da die unten gebotene Liste (S. XI) die Quellen angibt. 

Die Aufnahme der Fremdwörter wird stets eine Schwierigkeit bleiben, 
da man dem einen zuviel, dem andern zu wenig bietet. Immerhin wird man 
Ijemerken, daß je länger, je mehr Fremdwörter aufgenommen sind, und es wird 
das Buch auch nach dieser Richtung hin nicht im Sticli lassen. Die Zeiten sind 
ja glücklicherweise vorüber, in denen man die Fremdwörter in der Geschichte 
der deutschen Sprache ungestraft vernachlässigen zu können glaubte. 

Weigand hat auch die Vornamen berücksichtigt und auch oft eine Er- 
klärung versucht. Da es meine feste Überzeugung ist, daß die alten Namen 
keine bestimmte Bedeutung gehabt haben, so habe ich diese Erklärungen ge- 
strichen, und hätte am liebsten die Namen überhaupt fortgelassen. Da dies 
aber nicht mehr angängig war, so sind wenigstens keine neuen melir aufge- 
nommen worden, und man hat infolgedessen einige vermißt. 

„Übrigens herrecht bei allen verzeichneten Wörtern alphabetische Ord- 
nung, und dieselbe wird selbst in den den Wurzel- und Stammwörtern gleich 
beigefügten abgeleiteten und zusammengefügten Wörtern nicht gestört, ausge- 
nommen, daß die abgeleiteten zuerst stehen und dann die zusammengesetzten." 
Man suche also Ableitungen und Zusammensetzungen unter dem Grundwort. Doch 
ist durch häufige Verweise an der richtigen alphabetischen Stelle dafür gesorgt, daß 
man ein Wort auch dann findet, wenn man den obigen Grundsatz nicht beachtet. 

3. Weigand hatte die Bezeichnung der Betonung durch den Akzent {/), 
in Wörtern, die den Ton nicht nach deutscher Weise auf der Stammsilbe tragen, 
durchgeführt. Ich habe es gleichfalls getan. Da dies aber anfangs nicht be- 



YJJJ Vorwort. 

absichtigt war, so fehlt es im Buchstaben A und im Anfang von B. Die Wörter 
auf -ieren haben, da sie stets auf dem i betont sind, keinen Akzent bekommen. 

Ebenso habe ich die Länge der Vokale in deutschen Wörtern, wo diese 
nicht durch die Regeln der Rechtschreibung von selbst gegeben ist, nach den 
Vorschriften der deutschen Bühnenaussprache, vgl. Siebs Deutsche Bühnen- 
aussprache, 2. Aufl. 1901, durch einen - bezeichnet, allerdings auch nicht gleich 
vom Anfang an. Eingeklammerte Buchstaben bedeuten, daß die Schreibung 
mit ihnen und ohne sie erlaubt ist, z. B. Kram(me)tsvogel heißt, man kann 
Kramtsvogel und Kramnietsvogel verwenden. 

Was die sonstige Umschreibung der fremden Sprachen betrifft, so habe 
ich für das Indische, Awestische, Altbulgarische, Russische, Litauische, Lettische, 
Armenische und Albanesische die einheitliche L^mschreil)ung der fremden 
Alphabete durchgeführt, wie ich sie Lidogermanische Forschungen 21, 145 ff. 
schon im Hinblick auf dieses Werk vorgeschlagen habe. Es bedeutet also: 

1. ~ die Länge des Vokals. Nur in althochdeutschen und mittelhochdeutschen 
Worten ist ^ beibehalten worden. 

2. ' und ^ auf einem Vokal bezeichnen die Stelle des Haupttons. 

3. ' hinter einem Konsonanten drückt die PalataHsation (Erweichung) aus. 

4. Abgesehen von den deutschen Dialekten bezeichnet s den stimmlosen Zischlaut 
(deutsch SS, ß), z den stimmhaften (deutsch s), s den scha-, z den entsprechenden stimm- 
haften Laut (franz. §), c ist gleich ts, c = tsch, j == dsch. 

5. Die sonstigen Sph-anten sind durch ß (engl, stimmloses th), ä (der entsprechende 
stimmhafte Laut), / und b (deutseh iv), x und y (deutsch cli und ndd. gr) bezeichnet worden. 

6. )d = dem gutturalen Nasal, deutsch ng. 

7. ^ unter einem Vokal z. B. a^ drückt die 'Nasalierung aus, franz. on. 

8. d ist ein unbestimmter Vokal (sog. schwa). 

9. Im Litauischen bezeichnet ' den Stoßton: * auf Diphthongen, ' auf einfachen 
Längen den Schleifton. 

10. Im Indischen bezeichnet ein . unter dem Konsonanten, z. B t die Zerebrali- 
sierung; g ist ein palataler Zischlaut, der etymologisch einem k entspi'icht. 

4. Die Biegung der Wörter ist angegeben worden, bei den männlichen 
und sächlichen Substantiven mit Angabe der Endung des Genitivs im Singular 
und des Nominativs im Plural, bei den weiblichen bloß des letzten, bei dem 
Pronomen, wo es nötig schien, durch alle Kasus des Singulars oder des Plurals, 
bei den starken Verben mit Anführung der Hauptformen, sowie des Präteri- 
tums im Konjunktiv oder des Imperativs, und bei den schwachbiegenden nur 
dann, wenn ihre Unterscheidung von gleichlautenden starkbiegenden hervorzu- 
heben war. Die Steigerung der Adjektive und Adverbien ist stets angegel)en, 
wo sie in derselben den Umlaut bekommen, aber auch sonst gelegentlich angeführt. 
Wie schon in den frühern Auflagen ist auch in dieser auf die Entwicklung der 
neuhochdeutschen Wortbiegungen hingewiesen; diese Beiträge zu der immer noch 
fehlenden historischen neuhochdeutschen Grammatik werden willkommen sein. 

5. Die Rechtschreibung ist natürlich die heute durchgeführte einheit- 
liche, und zwar geben die fettgedruckten Wörter diese wieder. Doch sind am 



Vorwort. J5[ 

Anfang die Abweichungen der bayrischen und österreichischen Schreibung, so- 
wie erlaubte Doppeischreibungen noch nicht regelmäßig mit angeführt worden. 
Später ist dies unter ausdrücklicher Hervorhebung der amtlichen Schreibung 
nach Dudens Orthographischem Wörterbuch geschehen. 

6. Weigand hat außer auf die Etymologie besonderes Gewicht darauf 
gelegt, das erste Auftreten eines Wortes nachzuweisen. In diesem Punkt ist 
die neue Auflage dank den umfassenden Vorarbeiten Prof. v. Bahders, die sich 
auf das ganze Werk erstrecken, dank der Belesenheit Dr. Kants und infolge der 
Fortschritte, die das Grimmsche Wörterbuch in den letzten 30 Jahren ge- 
macht hat, über das von Weigaud geleistete hinausgekommen. Xatürlich werden 
eine Anzahl der angeführten Belegstellen mit der Zeit noch durch ältre ersetzt 
werden können, weil eben hier das Wort gilt: dies diem docet. Ich selbst habe, 
da ich eine Reihe bisher unbenutzter Werke einsehen konnte, manchen Beleg, der 
früher war als die bisher bekannten, anführen können. Die Weiland sehen 
Zitate sind natürlich, soweit sie wichtig waren, bewahrt worden. Bei der Um- 
schreibung dieser auf die neuern, jetzt maßgebenden Ausgaben — eine müh- 
same und zeitraubende Arbeit, die ich z. T. erst durchgeführt habe, — hat sich 
aber herausgestellt, daß sie nicht in allen Fällen zuverlässig waren, z. T. haben 
sich bei der Drucklegung der vierten Auflage Druckfehler gegenüber der dritten 
eingeschlichen, z. T. aber müssen direkte Versehen vorliegen. So waren einige 
Zitate bei H. Sachs nach den alten Ausgaben nicht auffindbar. Ich habe sie 
aber in [] stehen lassen, weil vielleicht ein andrer den Fehler ermittelt, der 
hier vorliegt. Ebenso ergaben sich bei dem Xachschlagen der Zitate, die 
Kant vielfach ohne Nachprüfen dem Grimmschen AVörterbuch entnommen hat, 
nicht nur unauffindbare Angaben, sondern auch direkt falsches, was natür- 
lich beseitigt wurde. Seitdem ich dieses bemerkt habe, ist der Nachprüfung 
der Zitate eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet Avorden, so daß nunmehr 
alles, was nur irgend zugänglich ist, nachgesehen werden wird. Nachträglich 
wird dies auch noch für die frühern Lieferungen geschehen, und es werden 
etwaige Fehler am Schluß berichtigt werden. Für den Nachweis irgendwelcher 
Versehen bin ich sehr dankbar. Im übrigen hat sich natürlich die überwiegende 
iSfcnge der Anführungen als richtig ergeben. 

7. Ein weitrer Vorzug des Weigand bestand in der genauen Angabe der 
Bedeutungen des Wortes. Hierbei hat Weigand meist auch die der gewöhn- 
lichsten Wörter angegeben, was nur durch etwas schwerfällige Umschreibungen 
möglich war. Man kann zweifeln, ob eine Erklärung des Auges als ^ Seh Werk- 
zeug des menschlichen und tierischen Körpers" nötig ist; da aber die Bearbeiter 
diese Eigentihnlichkeit Weigands beibehalten haben, so konnte ich nicht davon 
abgehen. Mancher wird vielleicht auch eine eingehendere Darstellung der Be- 
deutungsentwicklung vermissen. Da aber die meisten heutigen Bedeutungen, 
die selbständigen durch ; getrennt, außerdem die mittel- und althochdeutschen 
genau angeführt sind, so wird man sich bei einigem Nachdenken die Be- 
deutungsentwicklung leicht klar machen können. — In den Ansichten über die 
Bedeutungsentwicklung scheint sich indessen gerade heute ein prinzipieller Fort- 
schritt zu vollziehen, und daher ist es vielleicht ganz gut gewesen, daß mit einer 



y Vorwort. 

gänzlichen Umarbeitung dieses Punktes noch gewartet wurde. Der Kundige 
wird erkennen, daß bei der Zurückführung auf die vorgeschichtlichen Sprach- 
stufen nur selten die früher so beliebten allgemeinen Bedeutungen der Wurzeln 
angenommen sind, j 

Das Nacharbeiten und Durcharbeiten des fertigen Manuskriptes ist jedenfalls 
mühsamer und undankbarer gewesen, als die eigne Arbeit sein wird. Vorläufig 
muß ich es mir gefallen lassen, daß das Lob für den Weigand den beiden 
andern Bearbeitern dieses Bandes zuteil wird, der Tadel aber auf meine 
Schultern fällt. Ich werde das im Bewußtsein dessen, was ich an dem Werke 
getan habe, zu ertragen wissen. 

In Druck und Format hat sich die neue Ausgabe dem heute üblichen 
angeschlossen. 

Trotz allem, was bisher angeführt worden, ist die neue Auflage des 
Weigand eben doch der Weigand geblieben. Möge sie sich in der neuen Form 
die alten Freunde bewahren und viele neue gewinnen. 

Die weitern Lieferungen werden, wie ich bestimmt glaube, in demselben 
Zeitmaß wie bisher erscheinen können, so daß der zweite Band am Schluß des 
nächsten Jahres fertig vorliegen wird. 

Leipzig, im Fel)ruar 1 909. 

H. Hirt. 



Angeführte ünelleii. 

Das Yei-zeichnis i-utliält dit- wichtigsten Quellen, soweit sie nicht im Text selbst ausführlich bezeichnet sind. 
Bei vielen altem Werken, die kurz angeführt sind, gibt Goedekes Grundriß (s. n.i genauere Auskunft. Das 
Weigandsehe Verzeichnis zur 4. Auflage ist im •wesentlichen wieder abgedruckt. Was Prof. v. Bahder benutzt hat, 
hat er mir kurz angegeben. In bezug auf die Kantischen Angaben war der Herausgeber auf die Sammlung 
aus dem Manoski-ipt angewiesen. Es kann daher einiges übersehen sein, was am Schluß des 2. Bandes leicht 
nachgeholt werden kann. Dr. Kant hatte aber die Güte, die Korrektur durchzusehen und seine Ausgaben genau 

festztistellen. H. Hirt. 



Abraham a Santa Clara Sämmtliclie Werke. 
Passau 1835 ff. Auch nach den ersten Drucken. 

Adelung Versuch eines vollständigen gram- 
matisch-kritischen 'Wörterbuches der hoch- 
deutsciien Mundart. Leipzig 1775 — Sd Zweite 
Auflage 1793—1801. 

Adrian ilitteilungen aus Handschriften und 
seltenen Druckwerken. Frankfurt 1846. 

AfdA. = Anzeiger für deutsches Altertum. 

Agricola oder Georg Agricola, Beschrei- 
bung des Bei-gwerks. Basel 1557. Bermannus 
sive de re metallica dialogiis. Basileae 1530. 
1546. 

Ahd. Gl. = Althochdeutsche Glossen, hrsg. von 
Steinmeyer und Sievers. Berlin 1879 fg. 

Albertinus Der Kriegßleut Weckuhr. Mün- 
chen 1601. Landstörzer. München 1615, 
1616. W^eiblicher Lustgarten. München 1605. 
Lucifers Königreich und Seelenge jaidt. Her- 
-ausg. von Liliencron ^Kürschner). Landleben, 
Contemptus vitae aulicae et laus ruris. Mün- 
chen 1610. 

Alberus, Erasmus, dict. = novtim dictionarii 
genus 1540. Fabeln. Frankf. a. M. 1550. Neu- 
druck bei Braune. Widder Jörg Witzeln. 1539. 

Aler. Paul, dictionarium germanico-latinum. 
Köln 1727. 

Alsfelder Passions spiel, aus der Hand- 
schrift, die Weigand 1847 auszog. Ausgabe 
von Grein, Cassel 1874. 

Altd. Blätter. Altdeutsche Blätter von Moriz 
Haupt u. Heiniich Hoffmann. 2 Bde. Leipzig 
1836. 1840. 

Altdeutsche Predigten und Gebete aus 
Handschriften. Gesammelt und zur Her- 
ausgabe voi'bereitet von W. Wackernagel. 
Basel 1876. 

Altenstaig vocabularius, Basileae 1508. 1514. 

Amadis, hrsg. von Keller, Stuttgart 1857. 

Amaranthes nutzbares, galantes und curiöses 
Frauenzimmerlexicon. 1. Aufl. Leipzig 1715. 
2. Aufl. 1739. 3. Aufl. 1773. 

Anzeiger des Germanischen Museums. Nürn- 
berg 18.54 ff. 

Apherdianus tirocinium. 1581. 

Apiniis Glossarium novum. Nürnberg 1728. 

Archenholtz Geschichte des siebenjährigen 
Krieges. Berlin 1793. 



Arndt, E. M., Gedichte. Leipzig 1843. 1860. 

Arnim, Achim von, Sämmtliche Werke. Ber- 
lin 1839 ff. 

Augustin Lexikon der Studentensprache 1795. 
Neudruck Halle 1894. 

Aventinus grammatica. Norinberge 1513. 
Sämmtliche Werke. München 1881—1908. 

Ayrer, Opus theatricum, hrsg. von Keller, 
Stuttgart 1865. Ein paar mal nach den Seiten- 
zahlen des alten Druckes, die bei Keller ver- 
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Barlaam, Ausg. von Fr. Pfeiffer. Leipzig 1843. 

Basler Chroniken, hrsg. von der histor. Ge- 
sellschaft in Basel. Leipzig 1872 ff. 

B a u r Arnsb. Lrk. = Urkundenbuch des Klo- 
sters Arnsburg in derWetterau; hess. Urk. 
= hessische Urkunden , 5 Bde. Darmstadt 
1860—1873. 

Bechstein Deutsches Mu.seum für Geschichte 
usw. Jena 1842 ff. 

Beheim Wiener = Mich. Beheims Buch von 
den AVienern. hrsg. von Karajan. Wien 1843. 

B ellin, Job.. Hochdeutsche Rechtschreibung. 
Lübeck 1657. 

Benecke mittelhochdeudsches Wörterbuch, 
mit Benutzung des Nachlasses von G. Fr. 
Benecke ausgearbeitet von W. Müller und 
F. Zarncke. Leipzig 1854—1866. 

Ber. d. sächs. Ges. d. W. (BSGW.) = Berichte 
der Kgl. sächsischen Gesellschaft der Wissen- 
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Berneker Die preußische Sprache. Texte. 
Grammatik. Et3'mologisches Wörterbuch. 
1896. 

Berthold = Berthnld von Eegensburg. voll- 
ständige Ausgabe seiner Predigten hrsg. von 
Fr. Pfeiffer. Wien 1862—80. 

Besold Thesaurus practicus. Nürnberg 1697. 

Bezz. Beitr. = Bezzenberger Beiträge zur 
Kunde der indogermanisch enSprachen. 1877 ff. 

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Birlinger, Anton, schwäbisch-augsburgisches 
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burg i. Br. 1862. 

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XII 



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Böschenstcyn Rechenbuch 1514. 

Brack voc. rer. ^ vocabularius rerum. 1487. 
1489. 1491. 1495. 

Brant Layenspiegel = Der neu Layenspiegel. 
Augsburg 1509. Narrenschiff Z. = Ausgabe 
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niedersächsischen Wörterbvichs. 6 Teile. 
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Btr. = Beiträge zur Geschichte der deutschen. 
Sprache und Litteratur, hrsg. von Paul und 
Braune. Halle 1874 ff. 

Bürger, Gottfr. Aug., Gedichte, hrsg. von 
A. Sauer bei Spemann. (Bohtz) = Sämmt- 
liche Werke, hrsg. von Bohtz. Göttingen 
1835. Gelegentlich auch nach den Original- 
ausgaben unter Anführung des Jahres. 

Bürster, Sebastian, Beschreibixng des schwe- 
dischen Krieges. Leipzig 1875. 

Calepinus Dictionarium linguarum septem. 
Basel 1579. Dictionarium undecim lingua- 
rum. Basel o. .1. 

Campe 1801 ='VVörterbuch zur Erklärung und 
Verdeutschung der unserer Sprache aufge- 
drungenen fremden Avxsdrücke. Braunschweig 
1801. 1813 = 2. Aufl. 1813. Die übrigen 
Zahlen beziehen sich auf das AVörterbuch 
der deutschen Sprache. Braunschweig 
1807—1811. 

Castelli italiänisch-teutsch- und tevitsch-ital. 
Wörterbuch. Leipzig 1700. 1709. 

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Chemnitz (Kemnitz), B. Ph. v.. Königlichen 
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Chron. d. d. St. = Chroniken der deutschen 
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Corvinus Föns Latinitatis Bicornis . . . Opus 
ab Andrea Corvino Oratoriae et Linguae 
Latinae quondam in Academia Lipsiensi 
P. P. inchoatum; Nunc verö ä Joanne 
Georgio Schledero Eatisbonensi, priori 
parte auctius reddita et posteriori noviter 
adjecta, in hanc formam digestum, ac publicae 
utilitatis gratia t3^pis exscriptum. Franco- 
furti 1653. 1660. 

Crecelius Oberhessisches Wörterbuch. Darm- 
stadt 1890 — 1899. 

Dähnert, Johann Karl, plattdeutsches Wörter- 
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Dictionarium, s. Neues usw. 

Diefenbach, Laurentius, gl(oss.) = glossarium 
latino-germanicum mediae et infimae aetatis. 
Francofurti a. M. 1857. — nov. gl(oss). = 
Novum glossarium latino-germaniciim mediae 
et infimae aetatis. Frankfurt a. M. 1867. — 
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Quellen. 



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sterdam 1664. 

DW(B). = Deutsches Wörterbuch der Brüder 
Grimm. 

Eber-Peucer = Vocabula rei numariae, pon- 

derum et mensurarum graeca usw.. ex Budaei, 

Camerarü etMelanthonis annotationibus. Ad- 

ditae sunt appeliationes quadrupedum u. s.w.. 

collectae a Paulo Ebero et Caspero Peucero. 

Recognitae et auctae. "Witteb. 1558. 
E c k h a r t , Meister Eckhart, hrsg. von Fr. Pfeiffer j 

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Elisabeth, Das Leben der heiligen Elisabeth 

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Elis. Charl. v. Orleans Briefe, hrsg. von 

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Erec. Die 2. Ausg. von M. Haitpt. Lpzg. 1871. 
Erlösung, die, hrsg. von E. Bartsch. Qued- 
linburg u. Leipzig 1858. 
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Eyb. Alb recht von, Spiegel der Sitten. Co- 

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Ej-chman, Jodocus, vocabularius predican- 

tium. Nürnberg 1482. 1483. S. Melber. 
Eyering Proverbiorum Copia. 1601. 

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danske Sprog. Kristiania 1903. Auch deutsch 
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Garg(antua), hrsg. von Alsleben, Halle 1891. 
Pract. = Aller Practick Großmutter. 1572, 
hrsg. von Braune; sonst Original Drucke. 
Binenkorb. Christiingen I58i. Auch 1588 
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1586. Onomastica 1574. 

Fischer, H., Schwäbisches Wörterbuch. Tü- 
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Fleming, H. Fr. v.. Der vollkommene Teut- 
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Frey er. Hieronymus, Anweisung zur Teut- 
schen Orthographie. Halle 1722. 

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Friedberger Passionsspiel, aus der Hand- 
schrift (s. ZfdA. 7. 545—556). 

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Wörterbuch. 1712. Teutsch- Französisches 
AVörterbuch 1714. Teutsch-Lateinisches Wör- 
terbuch. 1741. 

Frischlin Xomenclator trilinguis, graecola- 
tinogermanicus. Frankfurt 1594. 1616. 

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nicum. Tiguri 1541. 2. Ausgabe 1556. S. a. 
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Frommann, G. Karl. Die deutschen Mund- 
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Fulda Sammlung und Abstammung Germa- 
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Fundgr. = Fundgruben für Geschichte deut- 
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H. Hoffmann. 2 Teüe. 1830. 1837. 

Galmy ein schöne und liebliche History 1588. 

Garg. s. Fischart. 

Geliert Fabeln und Erzählungen I. Leipzig 
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1784. W. = sämmtliche Schriften. Berlin 
1867. Weidmann. 

Gemma, Kölner von 1495. Straßburger von 
1505. 1508. Hagenauer von 1510. Siehe 
voc. gemma gemmarum. 

Genesis, in Hoff manns -Fundgruben . Teil 2 
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Germania. Hrsg. von Fr. Pfeiffer. Stuttgart 
1856 ff. — Jahrbuch der Berlinischen Gesell- 
schaft für deutsche Sprache und Alterthums- 
kunde. Hrsg. von F. H. von der Hagen. 
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Geßner, Salomon. Schriften. 4 Teile. Zürich 
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Gisander s. Schnabel. 



XIV 



Quellen. 



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literaturam teutonicam antiquiorem, Havniae 
1787, S. 17.3—416. 

Göckingk, L. F. Günther, Lieder zweier Lie- 
benden. Leipzig 1779 (verglichen mit der 
Ausg. 1777). Gedichte. 3 Teile. Ebd. 1780 
— 1782. 

Goedeke, Karl, Grundriß zur Geschichte der 
deutschen Dichtung. 2. Aufl. Dresden 1884 ff. 

Golius. Theophilus. onomasticum latino-ger- 
manicum. in usum scholae Argentorensis 
collectum. 1571. 1579. 1582. 1588. 

Gombert Bemerkungen und Ergänzungen 
zu Weigands deutschem Wörterbuche u. a. 
9 Schulprogram_me. nach der Eeihenfolge des 
Erscheinens mit 1 usw. bezeichnet. 1. Gymn. 
Groß-Strehlitz in Oberschi. 1875/76. 2. Ebd. 
1876/77. 3. Ebd. 1877/78. 4. Ebd. 1879/80. 
5. Ebd. 1881/82. 6. Ebd. 1888/89. 7. Ebd. 
1892/93. 8. Ebd. 1896,7. 9. Breslau 1898/99. 

Der j. Goethe ^ S. Hirzel Der junge Goethe. 
Leipzig 1887. 

Goethe. Zitiert nach der Weimarer Sophien- 
ausgabe. Ein paarmal (1. H.) = Aiisgabe 
letzter Hand, 60 Bände in 16". Stuttgart 
1828 — 42. Der junge Goethe, s. o. Naturw. 
Sehr.. 2. Abteilung der Weimarer Ausgabe. 
Tagebücher 3. Abteiliuig. Briefe 4. Ab- 
teilung. Zuweilen nach dem Datum an- 
geführt. 

Gott er Gedichte 1787. 

Gottsched, Johann Christoph, Grundlegung 
der deutschen Si^rachkunst. Leipzig 1748. 
Vollständigere und neuerläuterte deutsche 
Sprachkunst. (5. Aufl. jenes Werkes.) Ebd. 
1762. Beobachtungen über den Gebrauch 
und Misbrauch vieler deutscher Wörter und 
Redensarten. Straßburg und Leipzig 1755. 
1758. Critische Dichtkunst 1730. 

Graff Althochdeutscher Sprachschatz. 1834. 

Grand dict. s. Pomey. (1709.) 

Grein. C. W. M., Sprachschatz der angelsäch- 
sischen Dichter. 2 Bde. Cassel u. Göttingen 
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K(elle)r = hrsg. von Keller. Simpl. von 1669. 
Neudruck. Halle 1880. 

Grolman, F. L. A. v., Wörterbuch der in 
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Gießen 1822. Benutzt ist v.Grolmanns durch- 
schossenes Handexemplar mit reichen Ein- 
trägen (Weigand). 

Grüwel, Johann, Eicht-Schnnr der hochteut- 
schen Orthographie, Neu-Euppin 1707. 

Gryphius, Andreas. Trauer-Spiele, auch Oden 
und Sonnette. Breßlau 1663. Horribilicribri- 
fax. Neudruck Halle 1876. 

Gueintz. Gh., Die deutsche Kechtschreibung. 
Halle 1645. 

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Neben-Stunden. Hamburg 1729. Versuch in 
poetischen Fabeln und Erzehlungen. Ebd. 
1738. Oden und Lieder in fünf Büchern. 
Ebd. 1747. Neue Fabeln und Erzehlungen 
in gebundener Schreibart. Ebd. 1749. Mo- 
ralische Gedichte. Ebd. 1750. Sämmtliche 
Poetische Werke. 3 Teile. Ebd. 1764. 1771. 

Hahns Passional. Das alte Passional (das 1. 
und das 2. Buch), hrsg. v. K. A. Hahn. Frank- 
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Haller Gedichte. 1753. Bern 1828. 

Halt aus Glossarium germanicum medii aevi. 
Leipzig 1758. 

Halt rieh Plan zu Vorarbeiten für ein Idio- 
tikon der siebenbürgisch-sächsischen Volks- 
sprache. Kronstadt 1865. 

Hans. Bruder Hansens Marienlieder aus dem 
14. Jahrhundert, herausg. von E. Minzloff. 
Hannover 1863. 

Happel, E. Werner, academischer Eoman. 
Ulm 1690. 

Harsdörffer, G.Ph.. Frauenzimmer-Gesprechs- 
spiele. 1. 1644. 2. 1657. 3. 1643. 4. 1644. 
5. 1645. 6. 1646. 7. 1647. 8. 1649. Mathe- 
matische und philosophische Erquickstunden. 
1636—53. 

Hatzfeld-Darmesteter -Thomas diction- 
naire general de lalanguefrancaise. Paris o. J. 

Hätzlerin Liederbuch = Liederbuch der Clara 
Hätzlerin, hrsg. von Haltaus. Quedlinb. 1840. 

Hechtenberg. Clara, Fremdwörterbuch des 
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Hederich, Benj.. Teutsch-Lateinisches Lexi- 
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Heppe, Chr. W\ v., Wohlredender Jäger. 
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Herder, Joh. Gotfried v. , Fragmente über 
die neuere deutsche Literatur. 1767. Kri- 
tische Wälder 1769. Älteste Urkunde des 
Menschengeschlechts. Eiga 1774—76. 1776. 
Plastik. Ebd. 1778. Lieder der Liebe. Leip- 
zig 1778. Das Buch von der Zukunft des 
Herrn, des Nehen Testaments Siegel. Eiga 
1779. Vom Geist der Elsässischen Poesie. 
2 Teile. Dessau 17S2— 1783. Zerstreute 



Quellen. 



XY 



Blätter. Gotha 1791 — 1797. Ideen zun 
Philosophie der Geschichte der Menschheit, j 
4 Teile. Riga und Leipzig 1784—91. Briefe 
zur Beförderung der Humanität. 10 Teile. ■ 
'Riga. 1793—97. Terpsichore. 3 Teile. Lü- 
beck 1795—96. Kalligone. 3 Teile. Leipzig 
1 800. Adrastea. Ebd. 1801—4. Der Cid. 
Tübingen 1805. Gedichte. 2 Teile. Stutt- ' 
gart und Tübingen 1817. Sämmtliche Werke. 
Tübingen 1805 — 20. Sämmtliche Werke, hrsg. 
von Suphan iS) 1877 ff. 

Hermes. Joh. Timotheus) Sophiens Reise 
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Leipzig 1778. Zween litterarische Märtyrer 
und deren Frauen. 2 Bde. Ebd. 1789. 

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sches Wörterbuch, von Moriz Heine. Leipzig 
1890, 2. Auflage 1905/6. 

Heyse Deutsches Wprterbuch. Magdebg. 1833. 

Hildebrand. R. Tom deutschen Sprach- 
unterricht. Leipzig und Berlin. 1890. Gesam- 
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Hirt Der indogermanische Ablaut. Straß- 
burg 1900. Die Indogermanen. Ebd. 1905 f. 

Höfer, Matthias, etymologisches Wörterbuch 
der in Oberdeutschland, vorzüglich in Öster- 
reich üblichen Mundart. 3 Teile. Linz 1815. 

Höf er Urk. = Auswahl der ältesten Urkunden 
deutscher Sprache im Königl. Geheimen Staats- 
und Kabinets-Archiv zu Berlin . hrsg. von 
Ludwig Franz Höfer. 

Hoffmanns waldau Vermischte Gedichte. 
1680. Heldenrufe 1680. Getr. Schäfer 1678. 

Hohberg, Georgica curiosa. Nürnberg 1687. 

Hölty Gedichte, hrsg. von Halm. 1869. 

Höniger, Xic. Weltspiegel oder Narrenschiff. 
Basel 1574. 

hör. belg. = horae belgicae 1830 — 1862. 

Hübner 1709 usw. Von Joh. Hübner gibt es 
zwei enzyklopädische Handbücher : das Staats- 
Zeitungs- und Konversationslexicon Merse- 
burg 1709 und Curieuses und reales Xatur- 
Kunst-, Berg-, Gewerck- und Handlungs- 
Lexicon. 1712. Benutzt sind außerdem Aus- 
gaben dieser Werke von 1727. 1741. 1745. 
1760. 1776 u. a. 

J. Hübner 1731 = .1. Hübners neu vermehrtes 
Poetisches Handbuch. Leipzig 1731. 

Hug Rhetorica. Tübingen 1540. 

HugSchapler. Straßburg 1500. 1508. 1537. 
Auch Ausgabe von H. Urtel. Hamburg 1905. 

Hugo von Trimberg der Renner. Hrsg. vom 
Histor. Vereine zu Bamberg 1833 (Facsimile 
Neudruck Berlin 1904;. Ausgabe des Literar. 
Vereins in Stuttgart 1908. 

Hulsius teutsch-ital. und ital.-teutsches Dic- 
tionarium. Fraucf. a. M. 1596. 1605. Schiff- 
fahrt 1595 ff. 

Hupel Livländisches Idiotikon 1795. 

Hutterus Lexicon harmonicum 1598. 



Ickelsamer. „Ein Teütsche Grammatica" von 
Yalentinusickelsamer. Neudruck von Kohler. 
3. durchgesehene Auflage. Freiburg 1881. 

Idg. Forsch.^ Indogermanische Forschungen, 
hrsg. von Brugmann und Streitberg. Straß- 
burg 1891 ff. 

Immermann Münchhausen. 2. Ausg. Düssel- 
dorf 1841. 

Insel Felsenburg. s. Schnabel. 

Jablonski Versuch zu einer ordentlichen und 
beständigen Richtigkeit der Hochteutschen 
Sprache im Reden usw. 1721 u. ö. 

Jacobsson Technologisches Wörterbuch. 
8 Bde. Berlin 1781 ff. 

.Janssen Frankfurts Reichscorrespondenz. 
Freiburg 1863—72. 

Jeroschin. hrsg. von Ernst Strehlke. Aber 
auch nach den Seitenzahlen zitiert. Die 
Deutschordenschronik des Nicolaus von Je- 
roschin, von Franz Pfeiffer. 

Junius nomenclator. omnium rerum propria 
nomina variis Unguis explicata. Antwerpen 
1567. 1577 u. ö. 

Kant ('H . = Kants Werke, hrsg. von Harten- 
stein. 10 Bände. Leipzig 1838 ff. 

Karschin, Anna Louisa, auserlesene Gedichte. 
Berlin 1764. Neue Gedichte. Mitau u. Leip- 
zig 1774. Gedichte. Berlin 1792. 

K e h r e i n , Joseph, Volkssprache im Herzogthum 
Nassau. W^eilburg 1862. 

Keisersberg^= Geiler von Keisersberg Arbor 
humana 1521. Christlich Bilgerschafft 1512. 
Brösamlin 1512. Evangelibuch 1512. Granat- 
apfel 1510. Narrenschiff 1520. Postill 1522. 
Predigen 1508. Schiff der Penitentz 1514. 
Seelen Paradiß 1510. Sünden des Munds 1518. 

Keller, Johann Heinrich. Beyträge zu einem 
Idiotikon des Thüringer Waldgebirges. Jena 
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Keller, Ad. von, Erzählungen aus altdeutschen 
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Kiechel, Die Reisen des Samuel Kiechel. 
hrsg. von Haßler. Stuttgart 1866. 

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mologicum teutonicae linguae. 1598. 1599. 
1632 u. ö. 

Kindleben, Chr.W., Studentenlexikon. Halle 
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Kirchenordnungen, sächsische. 

Kirchhoff Wendunmuth, hrsg. von Österlej-, 
Litterar. Verein in Stuttgart 1869 — 70. Mili- 
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Kirsch. Kirschii abundantissimum cornu co- 
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Noribergae 1718. 1723. 

Klein, Anton v.. Deutsches Provinzialwörter- 
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Klop stock, Friedr.Gottlieb.sämmtlicheWerke. 
Leipzig 1823 ff. Der Messias. Halle. 4 Bde. 
(I 1760. II 1756. III 1769. IV 1773). Oden. 
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XYI 



Quellen. 



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schen Sprache. 6. Aufl. Deutsche Studenten- 
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verwandten Geheinisprachen. I. Eotwelsches 
Quellenbuch. Straßburg 1901. Die zeitlichen 
Belege für Worte der Gaunersprache stammen 
aus diesem Werk und sind dort unter dem 
angegebenen Jahr zu finden. 

Ködiz Das Leben des heiligen Ludwig, hrsg. 
von H. Rückert. Leipzig 1851. 

Konrad troj. Kr. Der trojanische Krieg von 
Konrad von Würzburg, nach den Vorarbeiten 
K. Frommanns und F. Roths herausg. durch 
Adelbert v. Keller. Stuttgart 1858. 

Köpkes Passional. Das Passional (drittes 
Buch), hrsg. von Köpke. Quedlinburg 1852. 

Kr am er (Krämer), Matthias, das neue Dic- 
tionarium oder Wort-Buch in Teutsch-Italiä- 
nischer Spraach. Nürnberg 1678. Allge- 
meiner Schau-Platz, auf welchem vermittelst 
einer kurtzenFrag-Ordnung vorgestellet wird 
die Teutsche und Italienische Benennung 
aller Haupt-Dinge der Welt. Ebenda 1679. 
Das Königliche Nider-Hoch-Teutsch usw. 
Dictionarium. Nürnberg 1719. 3te Auflage 
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Leipziger Ordn. = der Stadt Leipzig allerley 
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Franz Pfeiffer, Stuttgart 1844: von L. Mever, 
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Logau Sinn-Getichte 1654, hrsg. von Gustav 
Eitner. Nach Tavasenden, Hunderten usw. 
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Lohenstein Hyacinthen. Breslau 1680. Sopho- 
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Ibrahim Sultan 1673. Cleopatra 1661. 

Londorp Acta publica des Teutschen Krieges. 
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Luther. Luthers Bibelübersetzung, im ur- 
sprünglichen Texte, nach Bindseils und Nie- 
meyers Abdruck. Luther mit Zahl zeigt 
Luthers Bücher und Schriften nach den 
einzelnen Teilen der Jenaer Ausgabe an: 
1 1575 usw. Auch mit dem Zusatz J. oder Jen. 
Auch nach der Eisleber (Eisl.), Erlanger (Erl.) 
und Weimarer (W.) Ausgabe. Die Briefe 
nach de Wette, Berlin 1825—28; Tischreden, 
Frankfurt 1578, auch nach Förstemann und 
Bindseil. Berlin 1845 ff. An den christlichen 
Adel. Neudruck, hrsg. von Braune. 

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! Sarepta oder Bergpostill. Ebd. 1562. 1571 u. ö. 
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hrsg. von Pfeiffer. Stuttgart 1861. 
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sive variloquus. Argentinae 1482. 1486. Eine 
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Melissus g. Schede. 

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und Galanten Poesie. 1706. 



Quellen. 



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Meurer, Hermann, lexikalische Sammlungen 

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merlande. Stettin 1639. 
Miller, J. M.. Siegwart. Leipzig 1777. Bey- 

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1776. 2. Aufl.1780. Die Geschichte Gottfried 

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Genesis und Exodus nach der Milstäter 

Handschrift herausg. von Joseph Diemer. 

Wien 1862. 
]Mone Anz. Anzeiger für Kunde der deutschen 

Vorzeit, herausg. von Mone. 1835 ff. 
Mone Zeitschr. Zeitschrift für die Geschichte 

des Oberrheins. Herausg. von Mone. 1850fg. 
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von F.Bolte. Tübingen 1899. 
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und wahrhafftige Geschichte Philanders von 

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Lindenberg. 4 Teile. Leipzig 1790. Strauß- 

fedem 1790. 
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einzelnen Schriften mit A'ergleichung der 

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Murner, Geuchmatt, hrsg. von Uhl. Luthe- 
rischer Narr. hrsg. von Kurz. Schelmenzunft. 

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M usäus, .Johann Karl August, Volksmährcheu 

der Deutschen. 5 Teile. Gotha 1787. 1804. 

1826. Moralische Kinderklapper. Ebd. 1788. 

Der deutsche Grandison 2 Teile. Eisenach 

1781 f. Physiognomische Eeisen. 4 Hefte. 

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Cöln 1852. 
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Hamburg 1798. Polyglottenlexikon. 1793—95. 

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legung Wiederhol ds 1669. Auch Wieder- 
holds Dicionarium genannt. 

Neues Dictionarium oder Wörter -Buch Für 
einen Reisenden. Teutsch-Frantzösisch- und 
Lateinisch. Genf 1683. Eine neue mit erst 
aufgekommenen Wörtern vermehrte Auflage 
erschien ebd. 1695. 

Neukirchs Sammlung = Herrn von Hoff- 
mannswaldau und anderer Deutschen auser- 
lesener . . . Gedichte erster Teil. Leipzig 1697. 
Dann noch 5 Teile 1703—27. 

Nib. oder Nibel. Nibelungenlied. Ausg. von 
Karl Lachmann. 

Nicl. V. Wyle s. Wyle. 

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Noreen, Urgermanische Lautlehre. 1894. 

Notariat und teutsche Khetorik. 1565. 

Notker, Ps. = Notker Psalmen. 

Notker Boethius, Martianus Capella, aristo- 
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Oheims Chronik von Keichenau. hrsg. von 
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mit eigner Seitenzahl ,.Ein Schreiben des 
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Albrecht von Mandelslow". Schleßwig 1645. 
Moskowitische und Persianische Keisebe- 
schreibung, Hamburg 1696, darin: Persiani- 
sches Eosenthai. Persianischer Baumgarten. 

Ölinger. Albert. Vnderricht der Hoch-Teut- 
schen Spraach (Grammatica). Argento- 
rati 1574 am Ende 1573), zitiert nach dem 
alten Druck, dessen Seitenzahlen im Neu- 
druck von W. Scheel Halle a. iS. 1897 ange- 
geben sind, z. T. auch übertragen. 

Opel und Cohn. Der dreißigjährige Krieg. 
Eine Sammlung von historischen Gedichten. 
Halle 1862. 

Opitz, Martin, opera poetica 1629. Amst. = 
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Das Buch von der teutschen Poeterey. Nach 
dem Neudruck bei Braune. Ein paar Mal 
nach Witkowski. 

Ordnungen, s. Eeichsordnungeu. 

b 



XYIII 



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PBrBtr. s. Btr. 

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Platen, Aug. von, gesammelte Werke. Stutt- 
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Platter, hrsg. von Boos. Leipzig 1878. 

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Raben er, Gottlieb Wilh., Satiren. 4 Teile. 
Leipzig 1755. 1766. 

Rabenschlacht, im deutschen Helden- 
buch III. 

Rachel Sat. = Joachim Rachels Satyrische 
Gedichte hrsg. von K. Drescher. Halle 1903. 

Rädlein, europäischer Sprachschatz. Erster 
Teil. Leipzig 1711. 

Ramler, Karl Wilhelm, poetische Werke. 
Berlin 1800 u. 1801. Gedichte. Berlin 1779. 

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Rebhun,P. Susanna. Zwickau 153G. Dramen, 
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Reichsordnungen = des Heyligen Römi- 
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Reinwald, hennebergisches Idiotikon. Berlin 
1793—1801. 

Renner, s. Hugo von Trimberg. 

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Braune, 1696 erste Fassung, 21696 oder 1697 
zweite Fassung des Schelmufsky. 

Richey , Idioticon Hamburgense. Hamb. 1743, 
1755. 

Richthofen, Karl v., altfriesisches Wörter- 
buch. 

Ringwald t. Christliche Warnung des Trewen 
Eckharts. 1590. Die lauter Wahrheit. 1586. 
1598. Evangelia 1581. 

Robinson Crusoe, Leben und Begebenheiten 
des. Leipzig 1720. Vgl. Goedeke^ 3, 263. 

Röding, J. H., Allgemeines Wörterbuch der 
Marine. Hamburg 1793 ff. 

Rolle nhagen Froschmeuseler. Ein paarmal 
nach der alten Ausgabe von 1599 auf der 
Leipziger l'niversitätsbibliothek, dann nach 
Buch, Teil, Kapitel (Vers). 

Romanische Forschungen. 

R o n d e a u Neues Teutsch-FranzösischesWörter- 
buch. Verbesserte Auflage. Leipzig 1765. 

Rößlin Kräuterbuch 1533. 

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erzählungen 1744, Als vermehrte Aiiflage: 
Versuch von Schäfergedichten 1768. Das 
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Rot, Simon, Ein Teutscher Dictionariiis, 
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Roth, J, F, , gemeinnütziges Lexikon, Neue 
Auflage. iSTürnberg 1791. 

Rothe Düringische Chronik, hrsg. von Lilien- 
cron 1859. 

rot\^elsch, s. Kluge. 

Rückert Poetische Werke. Frankf. a.M. 1868. 
Gesammelte Gedichte. 6 Bde. Erlangen 1834. 

Rüdiger Neuester Zuwachs der teutschen 
Sprachkunde. Leipzig 1782 — 93, 

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Ein paarmal sind alte Zitate AVeigands, weil 
nicht auffindbar, stehen geblieben. W. be- 
nutzte I, Nürnberg 1590, U. 1591. JIl. 1588. 
IV. 1578. V. 1579. Die Fastnachtsspiele und 
Fabeln und Schwanke auch nach den Goetze- 
schen Neudrucken (Halle, Niemeyer), zit, 
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S a c h s e n s p i e g e 1 . nd. hrsg. von Horae3'er, md. 
von Hildebrand. 

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tingen lind Grubenhagen. Hannover 1858. 

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Quellen, 



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Schaltjahr. Stuttgart 1846. 

Scheibner Galant interprete. 1685. 

Seh ei dt Grobianus. Neudruck. Halle 1882. 

Schelmufsky s, Eeuter, Chr. 

Scherff er,W. Gedichte. 1652. Der Grobianer. 
Brieg 1640. 

Schiller, Friedrich von. Es sind die ein- 
zelnen Werke und Gedichte zitiert und die 
Stellen den ältesten Drucken oder Karl 
Goedekes kritischer Ausgabe entnommen. 
Die Braut von Messina wurde, weil ohne 
Abteilung in Aufzug und Auftritt, nach der 
Seitenzahl des ersten Druckes (Tübingen 1803) 
zitiert. 

Schiller Karl, zum Thier- und Kräuterbuche 
des mecklenburgischen Volkes. 3 Hefte (Pro- 
gramme). Schwerin 1861 — 1864. Beyträge 
zu einem mittelniederdeutschen Glossar. 
Schwerin 1867. 

Schiller undLübben, Mittelniederdeutsches 
Wörterbuch. Bremen 1875 — 81. 

Schiltberger. Hans, Beisetagebuch. Heraus- 
gegeben von Langmantel. Tübingen 1885. 

S chiltb ergers Keisen von 1394 — 1427. Hrsg. 
von Neuniann. München 1859. 

Schmeller* = Schmeller - Frommann, Bay- 
risches Wörtei'buch. 2. Ausgabe. München 
1872. 

Schmid, J. Chr. v., schwäbisches Wörterbuch. 
Stuttgart 1831. 

Schmidel Reise nach Südamerika (1534 — 54). 
hrsg. von Langmantel. Tübingen 1889. 

Schmidt (Prediger zu Werneuchen), Friedrich 
Wilhelm August, Gedichte. Berlin 1797. 
Almanach romantisch -ländlicher Gemähide. 
Ebenda 1798. Almanach der Musen und 
Grazien für das Jahr 1802. Ebenda 1802. 

Schmidt Klamer Eberhard Karl, poetische 
Briefe. Dessau 1782. Neue poetisch. Briefe. 
Berlin 1790. Ohne Beisetzung des Namens 
erschienene Erzählungen aus der Geschichte 
der Actäontischen Nachkommen. Berlin 1789. 
Komische und Humoristische Dichtungen. 
Berlin 1802. 

Schmidt wQsterwäldisches Idiotikon. Hada- 
mar 1800. 

Schnabel, Ludwig, Wunderliche Fata einiger 
Seefahrer. I. Noi'dhausen 1731. IL Halber- 
stadt 1772. IIL Nordhausen 1739. IV.Ebd.l743. 
Soweit der Neudruck, die Insel Felsenburg, 
hrsg. von H. Ullrich vorliegt, danach ange- 
führt. 

Schönsleder , Wolfgang, promptuarium ger- 
manico-latinum. Augustae Vindelicoriun 1618. 
Monachii 1647. Dillingen 1663. 

Schöpf, tirolisches Idiotikon. Innsbruck 1866. 

Schottelius, Justus Georg, Teutsche Sprach- 
kunst. Braunschweig 1641. Die 1663 er- 
schienene dritte Auflage, auch bloß Schotte- 
lius zitiert, unter besonderem Titel, ,,aus- 
führliche Arbeit von der Teatschen Haubt- 
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Schrader, Otto, Eeallexikon der indogerma- 
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gogisches Jahrhundei't. Leipzig 1779. 

Schupp (ins), Balthasar, Schrifften. Hanau 1663. 

Schütz, Siegerländer Idiotismen, in den Jahres- 
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schule zu Siegen 1845 u. 1848. 

Schütze, Johann Friedr., holsteinisches Idio- 
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Schweinichen. Hans. Leben und Abenteuer, 
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von F. Staub u. L. Tobler. Frauenfeld 1881 ff. 

Scriptores rerum Silesiacarum, herausg. von 
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Sebiz, Melch.. Siben Bücher von dem Feld- 
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Serapeum, Zeitschrift für Bibliothekswissen- 
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Serränus, dictionarium latino-germanicum, 
Norimbergae 1539. Synon3anorum libellus, 
Norimbergae 1552. 

Sleidanus, übersetzt von Stamler 1557. 

Soltau, Ein Hundert deutsche Volkslieder. 
Zweite Ausgabe. Leipzig 1845. Zweites 
Hundert. Hrsg. von Hildebrand. Lpzg. 1856. 

Soranus epitome quatuor librorum Conr. 
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Spee Trutz -Nachtigal, hrsg. von G. Balke. 
Leipzig 1879. 

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(Fremdwörterbuch). Nürnberg 1727, 1728, 
Der eigentliche Name des Verfassers ist 
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tikon. Aarau 1812. 

Steinbach, Deutsches Wörterbuch 1725. Voll- 
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Steinmej'er-Sievers Althochdeutsche Glos- 
sen. 4 "Bde. Berlin 1879 ff. 

Stiel er, C. Der Teutschen Sprache Stamm- 
baum und Fortwachs, Nürnberg 1691, 

Stolberg, Christian und Friedrich Leopold, 
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Leipzig 1821. 

Stoppe, Neue Fabeln. Gedichte 1728. Parnaß 
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b* 



k 



XX 



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lind auch zuweilen nach der Verszahl von 
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Taberuä montan US Kräuterbuch. 1588. 

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Teuerdank, herausg. von Haltaus. Quedlin- 
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Teuthonista, G. von der Schueren"s Teu- 
thonista of Duytschlender. 1477. Leiden 1804. 
In eene nieuwe bewerking uitgegeven door 
J. Verdam. Leiden 1896. 

Teutscher Michel. Ein ue-n- Klaglied, Teutsche 
Michel genannt, o. O. 1617. 

Theatrum diabolorum, Frankf. 1575. 1587. 

Thomas(ius), Einleitung, Sittenlehre u. a. 
Schriften. 

Thümmel, Moritz August von, Wilhelmine, i 
Leipzig 1769, auch mit Berücksichtigung der j 
ersten Ausg. von 1764. Reise in die mittäg- 
lichen Provinzen von Frankreich im Jahr | 
1785—1786. 10 Teile. Ebd. 1791—1805. 

Thurneysser Onomasticon. 1588. 

Tieck gesammelte Novellen. Breslau 1847. 
Schriften. Berlin 1828—54. 

Tob 1er, appenzellischer Sprachschatz. Zürich 

1837. ; 

Tristan, Ausg. von Maßmann. Leipzig 1843. ■ 
TrochuSj Baidassar, vocabulorum rerum [ 

promptuarium. Lipsiae 1517. i 

Tscher ning Deutscher Gedichte Fi'ühling. ' 

Breslau 1642. 

Uhland, Ludwig, Gedichte. Stuttgart und 
Tübingen 1839. Volkslieder. Stuttgart 1844. 

Uhlenbeck, kurzgefaßtes Etymologisches 
Wörterbuch der gotischen Sprache. 2. Aufl. 
Amsterdam 1900. 

Der L^nartige teutsche Sprach verderber. 1643. 

Veith Deutsches Bergwörterbuch. Breslau 
1871. 

Vilmar Idiotikon von Kurhessen. Marburg 
1868. 

Vintler Die pluenien der tugend. Herausg. 
von Zingerle. Innsbruck 1874. 

Virginal, Im deutschen Heldenbuch. V. 

voc. oder vocab. vocabularius, vocabularium. 

voo. ex quo, Eltuil 1469. 

voc. gemma gemmarum. Köln 1495. Straß- 
burg 1505. 1508. Hagenau 1610. Vgl. Gemma. 

voc. incip. teut., vocabularius incipiens teu- 
tonicum ante latinuni. Gegen oder um 1500. 

voc. opt. = vocabularius optimus, aus dem 
14. Jh., hrsg. von W.Wackei-nagel. Basel 1847. 



vocabularius optimus. Liptzk 1501. 

voc. praed. = Melber. 

vocabula pro juventute scholastica 1517. 

voc. rerum s. Brack. 

voc. theut. = vocabularius theutonicus. Nürn- 
berg 1482. 

Voß, .Johann Heinrich. Luise, Königsberg 
1823. Idyllen, Leipzig. Gedichte, Königsberg 
1802. Die tausend und eine Nacht, arabische 
Erzählungen. Aus dem Französischen (des 
Herrn Anton Galland) übersetzt. 6 Bände. 
Bremen, 1781—1785. Briefe. 1829-38. 

Wächter, Georg, Glossarium germanicum. 
Leipzig 1737. 

Wächtler Commodes Maniial oder Handbuch 
1711. 1714. (Soeben wird mir eine ältere 
Ausgabe von 1703 zugänglich, die fast den 
gleichen Stoff zu enthalten scheint, so daß die 
meisten Belege auf dieses Jahr zu setzen sind). 

Wackernagel, Wilhelm, altdeutsches Lese- 
buch. Fünfte Aufl. (1873), auch die vierte Aus- 
gabe (1861). Wörterbuch zum altdeutschen 
Lesebuch. Die Umdeutschung fremder Wör- 
ter. Basel 1863. Altdeutsche Predigten, s. 
Altdeutsche Predigten und Gebete. 

Wagner, Heinrich Leopold, die Kindermör- 
derin. Neudruck Heilbronn 1883, in dem 
die Seitenzahlen des ersten Druckes ange- 
geben sind. 

Walde, Lateinisches etymologisches Wörter- 
buch. Heidelberg 1906. 

Waldis, Burkhard, Esopus, nach Buch und 
Nummer der Ausgabe von H. Kurz. Leip- 
zig 1862. Streitged. = Streitgedichte gegen 
Herzog Heinrich den Jüngern von Braun- 
schweig. Hrsg. von Koldewey. Halle 1883. 

Wallhausen, Corpus militare. 1617, Kriegs- 
kunst zu Pferde 1616. Kriegß Manual 1616. 

Walther, Walther von der Vogelweide, hrsg. 
von Karl Lachmann. 

Weber, Johann Adam, Teutsch-Lateinisches 
Universal -Wörter -Buch (Zweiter Teil des 
kurz gefaßten Lateinisch - Teutschen und 
Teutsch - Lateinischen Universal - Wörter- 
buches). Chemnitz 1734. Die Seitenzahlen 
sind nach dem deutsch -lateinischen Teil 
zitiert. Verglichen ist die dritte von Johann 
Daniel Heyde besorgte Ausgabe in 3 Teilen 
(Dresden 1770), deren dritter das deutsch- 
lateinische Universal -Wörterbuch enthält. 

Weckherlin, G. E., Gedichte, herausg. von 
Fischer. Tübingen 1894—1907. 

Wedels Hausbuch. Tübingen 1882. 

Weim. Jahrb. = Weimarisches Jahrbuch für 
deutsche Sprache. Hannover 1854. 

Weinhold, Karl, Die Deutschen Monats- 
namen. Halle 1869. Beiträge zu einem schle- 
sischen Wörterbuch. Gießen 1857. 

Weise, Chr., Die drei ärgsten Erznarren in 
der ganzen Welt. Abdruck der Ausgabe von 
1673. Halle 1878. Politischer Näscher. 
Catharina bei Kürschner. Der betrogne 
Betrug. 1678. 

"Weis m a n n , Erycus, lexicon bipartitum, latino- 
gennanicum et germanico-latinum. Stutt- 
grardiao 1715. Auch 1703 in der ersten Aus- 



Quellen. 



XXI 



gäbe des deutsch-lateinischen Teiles zitiert, 
mit welcher ganz der von 1713 stimmt. 

Weisth. = Weisthümer , gesammelt von 
J. Grimm. Göttingen 1840fg. 

Weiße, Christian Felix, Gedichte. 3 Bände. 
Leipzig 1772. Trauerspiele. 5 Teile. Ebd. 
177B_1780. Lustspiele. 3 Bände. Ebd. 1783. 
Komische Opern. 3 Teile. Ebd. 1777 (ver- 
glichen die Ausg. 1768 — 1772;. Der Kinder- 
freund. 12 Teile. Ebd. 1780—1782. Jagd. 

Well er Dichtungen des 16. Jh. Tübingen 1874. 

W e 1 s e r - Werlichius Augsburgische Chronica. 
Frankf. 1595. 

Werlhof. Paul Gottlieb. Gedichte. Han- 
nover 1749. 

Werner, Eechtschreibung 1629. 

Wickram, Eollwagenbüchlein, hrsg. von Kurz. 
Werke, hrsg. von J. Bolte. 8 Bände. Tübingen 
1901—6. 

Wiedemann, Mich., bist, poetische Gefangen- 
schaften. Leipzig 1690. Monatsweise zitiert. 

Wieland, Christoph Martin. Comische Er- 
zählungen. 1768. Dieselben sind einzeln mit 
der Yerszahl zitiert. Idris. Leipzig 1768. 

- Der neue Amadis. 2 Bände. Ebd. 1771. Die 
Abderiten. 2 Teile. Ebd. 1781. Oberon. 
Ebd. 1792. Nach Gesang und Strophenzahl 
zitiei-t. Horazens Briefe. Übersetzt. 2 Teile. 
Dessau 1782. Horazens Satyren, aus dem 
Lat. übersetzt. 2 Teile. Leipzig 1786. Ge- 
heime Geschichten des Philosophen Pere- 
grinus Proteus. 2 Teile. Ebd. 1791. Sämmt- 
liche Werke. Leipzig 1794 ff. Dazu 6 Supple- 
mentbände 1797—98. 

Wiener S. B. = Sitzungsberichte der K. 
Akademie der Wissenschaften in Wien. Phil.- 
hist. Klasse. 

Wierstraat = des Stadt-Secretarius Christia- 
nus Wierstraat Eeimchronik der Stadt Xeuss. 
Herausg. von G^rote. Köln 185.5. Auch in 
den Chroniken der deutschen Städte XX, 479 ff. 

Wigalois, Ausg. v. Franz Pfeiffer. Leipzig 
1847. 

Wilhelmi, .Joh. Gerlacus, Lexicon Germanico- 
Latinum, als zweiter Teil seines Lexicon 
proso-metricum Latino-Graeco-Germanicum. 
Francofurti ad Moenum 1706. 

Williram. Ausg. v. H. Hofimann. Breslau 
1827; von J. Seemüller, Straßburg 1878. 

Wilwolt von Schaumburg. 1507. Hrsg. von 
Keller. Stuttgart 1859. 

Withof, Johann Philipp Lorenz, academische 
Gedichte. 2 Teile. Cleve und Leipziir 1782 
und 1783. 



Wolf dietrich, im deutschen Heldenbuch LQ. 
'Wolff. Christian. Vollständiges mathemati- 
sches Lexicon. Leipzig 1716. 1734. 1746. 
: Wolff. Pius Alexander. Dramatische Spiele. 

I (worin 59—200 Preciosa). Berlin 1823. 
W^olfram v. Eschenbach Parzival. hrsg. von 

Lachmann. Berlin 1854. 
\ Wtbch. d. d. Syn. Weigands Wörterbuch der 
deutschen Synonymen. Mainz 1852. 
Württembergische Zollordnung von 1661. 
jWyle, Translationen von Niclas von Wyle, 
! hrsg. von Keller. Stuttgart 1861. 
I 

Zachariä, Friedrich Wilhelm. Scherzhafte 
Epische und Lyrische Gedichte. 2 Bände. 
Braunschweig und Hildesheim 1761. Die 
einzelnen epischen Gedichte sind mit Na- 
I men und Verszahl zitiert. Die Tageszeiten. 
I Zweyte Aufl. Eostock 1757. Die vier Stufen 
des weiblichen Alters. Ebd. 1757. Eenommist. 
Poetische Schriften. Braunschweig 1772. 
Zauber -Lex. = Onomatologia curiosa artifi- 
ciosa oder ganz natürliches Zauber-Lexicon. 
2. Aiifl. Xürnberg 1764. 
Zehner Xomenclator 1622. 
Zeiller Episteln 1644. 

Zeit. -Lex. = Christian Weisens Curieuse Ge- 
danken von den Xouvellen oder Zeitungen 
. , . und dann Ein . . . Zeitungs- Lexikon. 
Frankfurth u. Leipzig 1703. 
Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 
Z e r n i t z , Christian Friedrich . Versuch in mora- 
lischen und Schäfer-Gedichten. Hamburg u. 
Leipzig 1748. Zeruitz stai'b am 1. Febr. 1745. 
Zesen. Deutscher Helikon 1641. 1649. Adria- 
tische Eosemund 1645. Xeudruck von .Jelli- 
nek. Halle 1897. Eosenmänd. 1651. Ibrahim. 
1645. Dögens Kriges Baukunst 1648. 
ZfdA. = Zeitschrift für deutsches Altertum. 
Z f h d M a. = Zeitschrift für hochdeutsche Mund- 
arten. 
ZfdPh. ^ Zeitschrift für deutsche Philologie, 
hrsg. von Ernst Höpfner und Julius Zacher. 
Halle 1869 ff. 
ZfdW. = Zeitschrift für deutsche Wort- 
' forschung. 
Zimmerische Chronik, hrsg. von Barack. 
2. Aufl. Freiburg 1881. 
i Zincgref Apophthegmata 1626. 1631. 1639. 

Auch Amsteldam 1653, fünf Teile. 
j Zupitza, Ernst, Die germanischen Guttvirale. 
i Berlin 1896. 
Bei Anführung von Schauspielen deuten die 
beigesetzten Zahlen Aufzug und Auftritt an. 



Verzeichnis Yorkoininender Abkürzungen. 



a. . . = alt . . . 

a. a. O. = am angefülirten Ort. 

ABL. = Ableitung;. 

ab(uljg. = altbulgarisch (auch 
altkirchenslavisch genannt). 

adj. = adjektiv(isch). 

adv. = adverb(ial). 

afr(än)k. = altfränkisch 

afr(an)z. = altfranzösiscli. 

afr(ie)s. = altfriesisch. 

agerm. = altgermanisch. 

ags. = angelsächsisch. 

ahd. = althochdeutsch (hoch- 
deutsch Yom 7. bis ins 1 2. .Jh.) 

ai(ud). = altindisch. 

a(lt)ir. = altirisch. 

aisl. = altisländisch. 

ai'lt)kelt. = altkeltisch. 

Akk. = Akkusativ. 

akymr. = altkj^mrisch. 

alb. == albanesisch. 

alem. = alemannisch. 

älternhd. = älterneuhoch- 
deutsch. 

an. = altnordisch. 

a(lt)rom. = altromanisch. 

an. s. anord. 

and(d). = altniederdeutsch (die 
kleinern altniederdeutschen 
Sprachdenkmäler bezeich- 
nend). 

andfr(än)k. = altniedei'fräu- 
kisch. 

andl. = altniederländiscli 

an(ord). = altnordisch. 

Anm. = Anmerkung. 

apers. = altpersisch (Sprache 
der pers. Keilinschriftenj. 

apreuß. = altpreuBisch (die 
Sprache der alten Preußen, 
s. o. Berneker). 

arab. = arabisch. 

aram. = aramäisch. 

arm. = armenisch. 

Art. = Artikel. 

asächs. = altsächsisch 
fSprache des Heliand). 

aw(est). ^ awestisch. 



bayr. = bayerisch. 

Bch. = Buch. 

bed. =- bedeutet, bedeuten. 

Bed. = Bedeutung. 

Bedd. = Bedeutungen. 

bes. = besonders. 

Bez. = Beziehung, Bezug. 

bildl. = bildlich, 

Bl. = Blatt. 

bret. = bretonisch. 

chin. = chinesisch, 
czech. = tschechisch. 

d. vgl. s. d. 

d. i. = das ist. 

dän. = dänisch. 

Dat. = Dativ. 

dial. = dialektisch. • 

dim. = diminutiv. 

ebd. = ebenda, 
eig. = eigentlich. 
els(äss.) = elsässisch. 
engl. = englisch. 
entl. = entlehnt. 

f., F(em). = Femininum. 
Fakt. = Faktitivum. 
ff. = folgende, 
flekt. = flektiert, 
flg. = folgend. 
fr(än)k. = fränkisch. 
fr(an)z. = französisch, 
fries. = friesisch, 
frühnhd. ^= frühneuhoch- 
deutsch. 

gall. = gallisch. 
Gen. == Genitiv, 
germ. = germanisch, 
gew. = gewöhnlich. 
gl(eich)bd. = gleichbedeutend, 
got. = gotisch. 
gr. = griechisch. 
Gramm. = Grammatik. 
Grdbed. = Grundbedeutung. 



H. = Hälfte, z. B. 1. H. = 
erste Hälfte. 

hd. = hochdeutsch. 
' hebr. = hebräisch. 

hess. = hessisch. 
I hochd. = hochdeutsch. 

holst. = holsteinisch. 

Hs. = Handschrift. 

Id. = Idiotikon. 
Imp. = Imperativ, 
impers. = impersonal. 
Inf. = Infinitiv, 
insbes. = insbesondere. 
Interj. = Interjektion, 
intrans. = intransitiv. 
ion. = ionisch. 
ir. = irisch, 
isl. = isländisch. 
I ital. = italienisch. 

! Jh. = Jahrhundert. 

I 

I Kaj). = Kapitel. 
j kämt. = kämtisch. 

kelt. = keltisch. 

Komp(ar). = Komparativ. 

Konj. = Konjunktion. 

Konj. = Konjunktiv. 

körn. = kornisch. 

kurhess. = kurhessisch. 

kymr. = kymrisch. 

lad. = ladinisch. 
laus. = lausitzisch, 
lat. = lateinisch, 
leipzig. = leipzigerisch. 
lett. = lettisch. 
Lex. = Lexikon, 
lit. = litauisch. 

m. . . == mittel . . . 
m. :^ Maskulinum. 
M(ask). = Maskulinum. 
Ma. = Mundarten, 
md. = mitteldeutsch (Sprache 
I Mitteldeutschlands vom 12. 

bis ins 15. Jahrhundert), 
mengl. = mittelenglisch. 



Abkürztmo:en. 



XXIJJ 



mhd. = mittelhochdeutsch 

(hochdeutsch von 1150 bis 

gegen 15Ö0). 
mlat. = mittellateinisch. 
mnd(dj. = mittelniederdeutsch 

(s. Schiller und Lübben, und 

Lübben). 
mndfrk. = mittelniederfrän- 

kisch. 
mndl. = mittelniederländisch, 
mrhein. = mittelrheinisch, 
mundaitl. = mundartlich. 

n. . . == neu . . . 

n. N. = Xeutrum. 

nass. = nassauisch. 

nd. . . ^ nieder . . . 

nd(d). = niederdeutsch ('platt- 
deutsch). 

ndfränk. = niederfränkisch. 

ndh = niederländisch. 

nengl. = neuenglisch. 

nfr(an;z. neufranzösisch. 

nhd. = neuhochdeutsch. 

nlat. u. (;^neul.;:^ neulateiniscli. 

nnd. = neuniederdeutsch. 

nndl. = neuniederländisch. 

Nom. = Xominativ. 

nordd. = norddeutsch. 

Xorddtschld. = Xordeutsch- 
land. 

norw. = norwegisch. 

npers. = neupersisch. 

n(eu)prov. = neuprovenzalisch. 

n('d)rhein. = niederrheinisch. 

Xtr. = Neutrum. 

ob(er)d. = oberdeutsch. 
ob(er)hess. = oberhessisch, 
obsäclis. = obersächsisch, 
od. = oder, 

omd. = ostmitteldeutsch, 
osk. == oskisch. 
oss. = ossetisch. 
Ost. = östen-eichisch. 
ostfrfänlk. = ostfränkisch. 



Part. = Partizipium. 
Pass. = Passiv. 
Perf. = Perfektum. 
Pers. = Person. 
PKttr,. = Plural, 
polab. == polabisch. 
poln. = polnisch, 
pomm. = pommerisch. 
portfug). = portugiesisch. 
Präp. = Präposition. 
Präs. = Präsens. 
Prät. = Präteritum, 
preuß.^ preußischi'die Sprache 

der Provinz Preußen), 
provienz). = provenzalisch. 

RA. = Redensart, 
rätorom. = rätoromanisch, 
refl = reflexiv, 
rhein. = rheinisch, 
rom. = romanisch, 
russ. = russisch. 

S. = Seite, auch sieh. 

s. == siehe. 

Sachs. = sächsisch. 

SB. = Sitzungsberichte. 

schles. = schlesisch. 

schw. = schwachbiegend. 

Schwab. = schwäbiscli. 

schwed. = schwedisch. 

Schweiz. = schweizerisch. 

s. d. = siehe dieses. 

seit. = selten. 

sem. = semitisch. 

serb. = serbisch. 

Sg. = Singular. 

skr. == sanskrit. 

slav. ^ slavisch. 

slov. = slovenisch. 

sorb. = sorbisch. 

span. = spanisch. 

spätahd. = spätahd. 

spr. = sprich. 

st. = statt. 

stk = starkbiegend. 



I Subst. = Substantiv. 

I südd. == süddeutsch. 

1 Süddtschld.= Süddeutschland. 

Sup. = Superlativ. 
! s. V. = sub V. ce 'unter dem 
i Wort). 
'■ s. V. a. = soviel als. 

s. V. w. = soviel wie. 

thür. ^ thüringisch, 
thrak. = thrakisch. 
tirol. =^ tirolisch. 
, trans. = transitiv, 
tschech. = tschechisch, 
türk. = türkisch. 

I u. = und. 

übertr. = übertragen. 

umbr. = iimbrisch. 

u. o., u. ö. = und oft, und öfter, 
i unpers. = unpersönlich. 
1 urspr. = ursprünglich. 

urverw. ^ urverwandt. 
. usw. = und so weiter. 

V. = Verb. 

I V. = Vers. 
Vb. = Verbum. 
verw. ^ verwandt, 
vgl. = vergleiche. 

wend. = wendisch, 
westfl. = westfälisch, 
wetterau. = wetterauisch. 
Wtbch. == Wörterbuch. 
Wz. = Wurzel. 

zgs. = zusammengesetzt. 
ZUS. = Zusammensetzung. 
Zss. = Zusammensetzungen, 
zuw. = zuweilen. 

* = erschlossene, nicht be- 
legte Form. 

— = bis, z. B. 1.5.— 18. Jh. 

( ) in Wörtern, z. B. ahd. 
(h)linen bedeutet, daß Minen 
und liiicit vorkommt. 



Notiz der Verlagsbuchhandlung. 

Diese Lieferung kann zur Einsichtnahme aufgeschnitten werden. 
Das Vorwort wird zusammen mit Titel, Quellenverzeichnis, usw. 
der Schlußlieferung nochmals beigelegt. 



Vorwort des Herausorebers. 



Die Neubearbeitung des Weigandschen AVörterbuches hat manche Schwierig- 
keiten gehabt. Da es von mehreren Gelehrten Ijearbeitet ist, so muß ich hier 
über diese Tätigkeit Bericht erstatten. Herr Prof. von Bahder hat A bis 
Flecken geliefert. Dann ist, da er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheits- 
rücksichten aufgeben mußte, Herr Dr. Kant eingetreten, und dieser hat die 
weiteren Teile bis stark ausgearbeitet (mit Ausnahme des Buchstabens P). Den 
Rest hat der Herausgeber übernommen, nachdem auch Herr Dr. Kant die Be- 
arbeitung nicht weiter fortführen konnte. Meine Tätigkeit hat damit begonnen, 
daß ich mich auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 verpflichtete, den 
etymologisxihen Teil des Werkes durchzusehen und zu ergänzen. Da Weigands 
Werk das erste war, das die Etymologie genügend berücksichtigte und sich 
dadurch hauptsächlich sein Ansehen erwarb, so mußte dieser Teil natürlich 
besonders gründlich erneuert werden, um den Anforderungen unsrer Zeit zu ent- 
sprechen. Es schien mir dabei ein unabwendbares Bedürfnis, auch die Literatur 
der etymologischen Forschung anzuführen. Um aber den Umfang nicht durch 
zahlreiche Zitate noch mehr anzuschwellen, habe ich mich bemüht, solche Stellen 
zu geben, wo weitere Literatur über die betreffenden Fragen zu finden ist oder 
wo ausführlich über die betreffende Etymologie gehandelt ist. Bei dieser Arbeit 
an der Etymologie habe ich den hohen Wert des bisher Geleisteten schätzen 
gelernt und bin daher gern bereit gewesen, nach Dr. Kants Rücktritt, meiner- 
seits auch den Rest der Neubearbeitung sowie die Durchsicht der bereits 
abgeschlossenen Teile auf mich zu nehmen, wobei ich mich des Rates nnd 
der Beihilfe Prof. von Bahders erfreuen konnte. 



Vorwort zu Weigand. Deutsches Wörterbuch. 

Weigand hat außer auf die Etymologie besonderes Gewicht darauf gelegt, 
das erste Auftreten eines Wortes nachzuweisen. In diesem Punkt ist die neue 
Auflage dank den umfassenden Vorarbeiten Prof. von Bahders, die sich auf das 
ganze Werk erstrecken, und der reichen Kenntnis und Belesenheit Dr. Kants 
weit über das von Weigand Geleistete hinausgekommen. Natürlich werden eine 
Anzahl der angeführten Belegstellen mit der Zeit noch durch ältere ersetzt 
werden können, weil eben hier das Wort gilt: dies diem docet. 

Ein weiterer Vorzug des Weigandschen Werkes, den kein anderes Werk 
hat, bestand darin, daß es auch die Fremdwörter mit heranzog. Dieser 
Vorzug war natürlich beizubehalten. Freilich konnte nicht die ganze Flut 
der Fremdwörter angeführt werden, und eine Auswahl muß immer subjektiv 
bleiben, aber ich hoffe, daß man nicht allzuviel wichtige Fremdwörter ver- 
missen wird. Für unsere Kulturgeschichte sind die Fremdwörter und ihre 
Aufnahme in den Sprachschatz von ganz hervorragender Bedeutung, und des- 
halb erhalten sie mit Recht einen Platz in einem deutschen Wörterbuch. 

Außerdem hat Weigand zahlrsiche seltene und landschaftliche Wörter auf- 
genommen, was in keinem andern kurzen Wörterbuch der Fall ist. Die Be- 
arbeiter haben sich bemüht, die reichen Ergebnisse der mundartlichen Forschung 
in den letzten Jahren in dieser Beziehung zu verwerten. Auch die Ab- 
weichungen in dem Sprachgebrauch von Luthers Bibelübersetzung sowie der 
Schriftsteller aus der Blütezeit unserer Literatur hatte Weigand berücksichtigt 
und dadurch ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel für das Verständnis der 
altern Sprache geschaffen. Auch das ist beibehalten und nach KJräften ver- 
mehrt worden. Zum Schluß aber muß ich betonen, daß das Werk eben doch, 
wenn auch die Anordnung des Stoffes innerhalb der einzelnen Artikel eine 
andere ist als in den frühern Auflagen, in den Grundlagen doch Weigands 
Werk bleibt. Insbesondere ist darum auch die genaue Bestimmung der Be- 
deutungen, wie sie Weigand gegeben hatte, beibehalten worden. 

Soviel diene zur Vorbemerkung. Weiteres auszusprechen, das Quellen- 
verzeichnis anzuführen, wird sich am Schluß des Werkes Gelegenheit finden. 

Leipzig-Gohlis, Sommer 1907. 

H. Hirt. 



Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen. 



a. . . = alt . . . 
adj. = Adjektiv. 
ABL. = Ableitung. 
ab(l)g. = altbulgarisch. 
adv. = Adverb. 
AfdA. = Anzeiger für deut- 
sches Altertum, 
afranz. = altfranzösiscb. 
afr(ies). = altfriesisch, 
ags. = angelsächsisch, 
ahd. = althochdeutsch. 
ai(nd). =* altindisch. 
air. = altirisch. 
alb. = albanesisch. 
alem. = alemannisch, 
anord. = altnordisch, 
apers. = altpersisch, 
apreuß. = altpreußisch, 
arab. = arabisch, 
arm. = armenisch, 
aw. = awestisch. 

Bezz.Beitr. = Bezzenbergers 
Beiträge zur Kunde d. indo- 
germanischen Sprachen. 

bret. = bretonisch. 

Btr. =^ Beiträge zur Geschichte 
der deutschen Sprache und 
Literatur. 

czech. = czechisch. 

dän. = dänisch, 
dim. = diminutiv. 
DWB. = Deutsches Wörter- 
buch der Brüder Grimm. 

elsäss. --= elsässisch. 



engl. = englisch. 

f. = Femininum, 
fränk. = fi-änkisch. 
franz. = französisch, 
fries. = friesisch. 

Gen. = Genitiv, 
germ. = germanisch, 
got. = gotisch, 
gr. = gi-iechisch. 

hd. = hochdeutsch. 

hess. = hessisch. 

Id. = Idiotikon. 
Idg. Forsch. = Indogermani- 
sche Forschungen, 
ital. = italienisch, 
ir. = irisch. 

Komp. = Komparativ, 
kymi-. = kymrisch. 

lat. = lateinisch, 
lett. = lettisch/ 
lit. = litauisch. 

m. . . = mittel . . . 
m. ^ Maskulinum, 
md. = mitteldeutsch, 
mhd. = mittelhochdeutsch, 
mlat. = mittellateinisch. 
nmd. = mittelniederdeutsch. 

n. . . = neu . . . 

n. = Neuti-um. 

nass. = nassauisch. 

nd. ndd. = niederdeutsch. 



ndl. = niederländisch. 

ndr.- = nieder-. 

nhd. = neuhochdeutsch. 

obd. = oberdeutsch, 
oss. = ossetisch. 

Part. = Partizipium. 

PI. = Plural. 

poLn. = polnisch. 

portug. = portugiesisch. 
! Prät. = Präteritum. 
j prenß. = preußisch. 
! provenz. = provenzahsch. 

russ. = nissisch. 

s. = siehe. 

SB. = Sitzungsberichte. 
Schwab. = schwäbisch, 
schwed. ^ schwedisch. 
Schweiz. = schweizerisch, 
serb. = serbisch, 
skr. = Sanskrit, 
slaw. = slawisch, 
slov. = slowenisch. 
Span. = spanisch, 
südd. = süddeutsch. 
Sup. = Supei'lativ. 

V. = Verb. 

ZfdA. = Zeitschrift für deut- 

I sches Altertum. 
ZfdPh. = Zeitschrift für deut- 
sche Philologie. 
ZfdW. = Zeitschrift für deut- 
sche Wortforschung. 
ZUS. = Zusammensetzung. 



Zur Umsclireibuiig der fremden Alphabete. 



In diesem Werke, das sich an weitere Kreise wendet, ist im allgemeinen die 
einheitliche Umschreibung der fremden Alphabete durchgeführt worden, wie ich sie Idg. 
Forsch. 21, 145 ff. schon im Hinblick auf dieses Werk vorgeschlagen habe. Es bedeutet also: 

1. "die Länge des Vokals. Nur in althochdeutschen und mittelhochdeutschen 
Worten ist ^ beibehalten worden. 

2. ' und ^ auf einem Vokal bezeichnen die Stelle des Haupttons. 

3. ' hinter einem Konsonanten drückt die Palatahsation (Erweichung) aus. 

4. Abgesehen von den deutschen Dialekten bezeichnet s den stimmlosen Zischlaut, 
z den stimmhaften, s den scha-, z den entsprechenden stimmhaften Laut (franz. j), 
c ist gleich ts, c == tsch, j = dsch. 

5. Die sonstigen Spiranten sind durch p (engl, stimmloses th), d (der entsprechende 
stimmhafte Laut), f und 8 (deutsch w), x und y (deutsch cli und ndd. g) bezeichnet worden. 

6. 19 = dem gutturalen Nasal, deutsch ng. 

7. unter einem Vokal z. B. (j drückt die Nasalierung aus, franz. on. 

8. 9 ist ein unbestimmter Vokal (sog. scivwa). 

9. Im Litauischen bezeichnet ' den Stoßton; '*' auf Diphthongen, '^ auf einfachen 
Längen den Schleifton. 

10. Im Indischen bezeichnet ein . unter dem Konsonanten, z. B. t die Zerebrali- 
sieining; g ist ein palataler Zischlaut, der etymologisch einem k entspricht. 



Aas 



a, der erste Buchstabe des Alphabets. Re- 
densart: das Ä und das 0, «das Erste und 
das Letzte» (Offenb. Joh. 1, 8), denn Ä ist der 
erste und das lange der letzte Buchstabe 
des griechischen Alphabets. 

-a, -ach, Endung bei Fluß- und danach bei 
Ortsnamen, z. B. Fulda, Salzach. Mhd. -ä und 
-ahe, ahd. -ä und -aha. Urspr. ein selbständiges 
Wort (als Flußname Äa, Achet noch erhalten), 
inder Bedeutung «fließen des Quellwasser», mhd. 
ahe, ahd. aha f. «Wasser, Fluß » ; dazu asächs. aha, 
ags. ea, anord. ä, schwed. ä, dän. aa, got. aha f. 
«Fluß». Verwandt ist lat.a^itaf. «Wasser»; viel- 
leicht aind. agva- in ägvävant- «wässerig» und 
kam «Wasser». Vgl. Zupitza Gntt. 60, Walde 
s. V. aqua, dagegen Uhlenbeck Btr. 30, 257. 
Eine Nebenform ist -äff, z. B. in Aschaff (ndd. 
-ep, z.B. in Lennep), ahd. -aff'a, die auf ein kelti- 
sches apa (p für qic eingetreten) zurückgehen 
soll. Doch vgl. Bremer Pauls Grd. ^ i, 774. 801 f. 

ä, Interj. des Verabscheuens (pfui! was 
ist das ein ä Geschmack, Goethe Satyros 1), 
Schon 1573 bei Ölinger Gramm. 165 äh als 
Adv. (Interj.) des Spottens, Höhnens neben 
pftty, pfudich und häh: ä als Interj. des 
Scheltens 1541 bei Frisius 399% auch des 
Nachrufens und Klagens bei Maaler 11^. 

Aal, m. (-S, PI. -e), schon bei Dasypodius 
1537 Aal. Aus mhd. ahd. älm.; dazu ndl. aal, 
ags. ^l, engl, eel, anord. all, schwed. äl, dän. 
aal m. Kaum nach E. Schröder Zf d A. 42, 63 aus 
*edlos «der eßbare Fisch» oder «der Fresser», 
vielmehi* besteht wohl Verwandtschaft zu dem 
2. Teil von lat. angu-illa f. gr. ^Yx-e^uc f. «Aal». 
Der PI. lautet älternhd. wie im mhd. gewöhn- 
lich Äle (so noch 1773 Goethe im Götz, d. j. 
Goethe 2, 344), doch Aale schon bei Henisch 
1616, seit Adelung (der Äle nur aus der j 
Schweiz kennt) Regel. | 

Aalbauni, -beere, s. Albaum, -beere. | 

Aalraupe, f. (PI. -n): breitmäuliger und | 
breitköpfiger aalähnlicher Fisch, gadus Iota. 
Mhd. bloß rupe (rüpe?), ruppe, ahd. ruppa, da- ! 
neben mhd. rutte f., entlehnt aus lat. rubeta f. 
«Frosch, Kröte», wohl wegen Ähnlichkeit in der 

Weigand, Deutsches Wörterbuch, ö. Aufl. 



Kopfgestalt mit der Froschbrut. Zusammenges. 
Alrup bei Alberus Fab. 19, 144, Aalrupp 1563 
in Forers Fischbuch 172 neben Bup, Raup, 
später wird Aalraupe herrschend (doch Aal- 
ruppe noch bei Adelung 1793). Im Ndd. gleich- 
bedeutend Aalquappe, s. Quappe. 

Aar, m. (-S, PI. -e): (dichterisch) Adler. 
Aus mhd. ar, ahd. aro m. ; dazu anord. are, got. 
ara, daneben (mit andrer Suffixbildung) mhd. 
ahd. am, ndl. arend, ags. earn, anord. schwed. 
örn, dän. örn. Verwandt sind abg. orilü, lit, 
erelis, preuss. arelis, kymr. eryr, bret. er 
«Adler»; das griech. öpvic m. f. scheint als 
Grundbedeutung «Vogel» zu erweisen (vgl. 
auch mnd. duf-arne m. «Täuber»). Luther ge- 
braucht das sonst im 16. Jh. häufige Wort 
(z. B. bei Hans Sachs, Aventin, Mathesius, 
Fischart, Arn bei Waldis, Ringwald, Rollen- 
hagen) nicht (nur das Komp. Fischar), daher 
wird es später ungebräuchlich (Schottel, Stieler, 
Dentzler, Rädlein, Steinbach verzeichnen es 
nur in der schon im 15. und 16. Jh. auftre- 
tenden Bed. «Falke, Habicht, Sperber», oder 
«Geier», Frisch 1741 «jeder große Raubvogel, 
besonders Adler»), in der zweiten Hälfte des 
18. Jh. lebt es (im Anschluß an das im Ndd. 
erhalten gebliebene Arn) als poetisches Wort 
wieder auf, von Bürger, Voß u. a. gebi'aucht, 
während es Schiller nm- 11, 295, Goethe im 
Faust 5462 verwendet. Vgl. v. Bahder Btr. 
22, 520 f. Die ursprüngliche schwache Flexion 
ist fast ganz der starken gewichen (Adelung 
1793 verlangt noch den PI. Aaren). 

"'Aas, n. (^Gcen. Aases, PI. Äser) : verwesendes 
Fleisch; Schimpfwort. Aus ahd. mhd. äs n., 
dazu mnd. äs, ndl. aas, ags. ces n., altes ^Parti- 
zipium {*etto-) von essen, also eigentl. «Speise 
der Raubtiere und Vögel». Bei Luther aß mit 
gleichlautendem PL, bei Dasj^podius 1537 aaß, 
bei Gueintz 1645 Aas. ABL. aasen, v.: das 
Fleisch von dem FeUe schaben beim Gerben 
(bei Frisch 1741); (in etwas a.) in unrein- 
licher Weise in etwas, z.B. einer Speise, herum- 
wühlen, es vergeuden (norddeutscher, von 
Heynatz 1775 verzeichneter Ausdruck). 



Aas 



Abele 



-Aas, n. (Gen. Aases; besser Aß zu schrei- 
ben): Viehfutter. Mhd. ahd. «5 n. ist allge- 
meiner «Speise». Dazuasächs.auord. äf D., ags. 
^f m. «Speise» Dehnstufige Bildung von essen, 
entspricht abg. jadi f., lit. edis m. «Speise». 
Vgl. auch Walde s. v. jejunm. ABL. aaßeu, 
V. : fressen (vom Wilde). Als weidmänn. Aus- 
druck bei Jablonski 1721. S. äsen. 

ab: weg von, nieder von. 1) Präp. mit 
Dat., veraltet und nur noch obd. (bei Hebel, 
Gotthelf) z. B. ah den Bergen «nieder von 
den Bergen». Das kaufmännische ah Hamhurg 
ist verkürzte Ausdrucksweise füi* von H. ah. 
In Zusammensetzungen: abhanden, abseifen 
(s. d.). 2) Raumadv. In der verbalen Zu- 
sammensetzung bezeichnet es auch bloß die 
Vollendung der Tätigkeit, z. B. ablaufen, 
ablehen, ahscMießen, die Erschöpfung der 
Tätigkeit in bezug auf ein Objekt, z. B. ah- 
ängstigen, ah füttern, ahprUgeln, sowie die 
Üljertragung auf ein anderes, z. B. abbilden, 
abdrucken. In der nominalen Zusammen- 
setzung kann Ab- zur- Bezeichnung des Ver- 
kehrten, Minderwertigen, Negativen stehen, so 
schon ahd. in abgot und weiter ausgebreitet im 
Mhd., indem es vielfach an Stelle eines altern n- 
tritt, so mhd. abegunst f. «Mißgunst» neben 
ägunst, abekust f. «Schlechtigkeit» neben 
dkiist, abeicitze f. «Torheit» neben äwifze 
(vgl. aber-, after-). Viele Zusammensetzungen 
wie Abbild, Abdruck haben sich von den 
verbalen aus entwickelt. 'Mhd. abe, ah, ahd. 
aha; dazu asächs. ndl. af, ags. engl, of, anord. 
schwed. dän. af, got. af «von», verwandt mit 
ski-. dpa «ab, hinweg», gr. dirö «von», lat. ab, 
a\h. 2}rapd «wieder, zurück» (ans *2iera2)9'), lit. 
in apaba «der untere Teil». Bei Luther und 
sonst im altern Nhd. kommt auch noch die 
Form ahe vor, die archaisierend auch Goethe, 
Faust 11191 (abestürzf), Pandora 762 (mit 
ahegewendetem Blick) braucht faber ahe als 
Ausruf bei Schiller Räuber 4, 3 ist dialektisch 
für abhin = hinab). 

Abart, f. (PI. -en): (veraltet) herunterge- 
kommene Art (so noch Schiller Räuber 1, 1); 
Nebenart, Spielart (von Adelung 1774 als 
naturwissenschaftlicher Ausdruck angeführt). 
Von abarten, v.: aus der Art schlagen. Bei 
Comenius 1640. 

abäscheru, v.: sich abmüden. Eig. sich 
beim Äschern (s. d.), «beizen mit Asche» müde 
machen. Bei Adelung 1774 aheschern. 

Abbild, n. [-es, PL -er) : Wiedergabe eines 
Bildes. Schon frühnhd. vorkommend (1515 



Sallust N 6 abpild), aber erst in der neuem 
Dichtersprache üblicher geworden. Von ab- 
bilden, V.: frühnhd. fauch bei Luther). 

Abbiß, m. (Gen. Abhisses): die Pflanze 
scabiösa succTsa. Eig. Teufels A. Der Name, 
weil die unten wie abgebissen aussehende 
stumpfe Wurzel nach dem Volksglauben vom 
Teufel abgebissen ist. In frühnhd. Glossaren 
( Dief.- Wülcker 4). 

abblitzen, v.: ohne Erfolg abziehen, mit 
einem Anliegen schroff abgewiesen werden. 
Erst in der neuem Spi-ache. Bildlich aus der 
bei altern Schießgewehren vorkommenden 
Bed. «aufblitzend ohne Erfolg veiüiegen» (das 
Pulver auf der Pfanne, das Gewehr blitzte ab). 

abbrCTÜeren, v. : Wörter in der Schrift 
abkürzen. Aus mlat. abbreviäre «abküi'zen». 
In der frühnhd. Kanzleisprache. ABL. Ab- 
breviatur, f. : Abkürzung (Reichsordnungen 
82 '^ vom J. 1512), aus mlat. ahbreviatüra. 

Abbruch, m. (-es, PI. Abbruche): das Ab- 
brechen ; Schädigung, Beeinträchtigung. Spät- 
mhd. äbehruch m. Die 2. Bedeutung (jetzt 
nur noch in A. tun) schließt sich an mhd, 
abebrechen, älternhd. abbrechen (mit Dat.) 
«wegnehmen, entziehen, schädigen» an. 

Abc, n. (-S, PI. -e): die (nach den drei ersten 
benannten) Buchstaben in ihrer Reihenfolge 
(1452 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 118); 
die Anfangsgiiinde einer Wissenschaft. ZUS. 
Abcbucll, n. (in frühnhd. Glossaren). Abc- 
schütz, m. {-en, PI. -en): Anfänger im Lesen- 
lernen (bei Stieler 1691). Im 15./16. Jh. wurden 
die Jüngern Schüler, die von den altem unter- 
richtet wm'den, Schützen genannt fSchmeller- 
2, 493 von 1418.) 

Abdachung, f. (PI. -en) : allmähliche Nei- 
gung einer Fläche wie bei einem Dache. 1616 
bei Londoii? Acta publica 1, 153^. 

abdanken, v. : 1) intrans. (veraltet) eine 
Dankrede halten, bes. bei einem Leichenbe- 
gängnis; sein Amt (eig. dankend) niederlegen. 
2) trans. jemand (eig. mit Dank) verabschie- 
den. Das ältere Nhd. kennt dies a. nur mit 
dem Dativ, der trans. Gebrauch tritt zuerst 
bei Comenius 1640 auf; a. «sein Amt nieder- 
legen» bei Stieler 1691. 

Abdecker, m. (-s, PI. wie Sg.) : Schinder. 
Eig. der dem gefallenen Vieh die Decke d. i. 
Haut abzieht. Im 16. Jh. Von dem veralteten 
abdecken «die Haut abziehen, schinden» (Lilien- 
cron 4, 56, v, J. 1532). 

abdrieselu, s. ahtröseln. 

Abele, f. (PI. -n): Pappel. Von Voß aus 



I 



Abend 



abermal 



dem Ndd. (schon mnd. abele) aufgenommen. 
Verkürzt rheinfränk. Belle f. Mit ndl. abeel 
m., engl, abele aus afranz. mibel (auf lat. 
(übellus füi- alhulus <i^^'eiQ» zurückgehend) ent- 
lehnt. Vgl. Alher. 

Abend, m. (-s, PI. e i : Zeit, dann auch Ge- 
gend des Sonnenunterganges. Aus mhd. äbent, 
ahd. äbant m. ; dazu asächs. ätand, ndl. avond, 
ags.cefen und cefning, wovon engl.evening. Das 
Wort enthielt urspiiinglich ein t hinter dem 
Labial, wie anord. aptmm, schwed. afton, dän. 
äffen m. zeigen. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 
5, 376 f. Vielleicht zu gr. ö\\il «nachher, spät», 
ÖTrdipa «Nachsommer». Davon abends, genetivi- 
sches Adv. (bei Lutherj. ABL. abendlich, 
adj., mhd. äbentlich, ahd. äbanfWi. ZUS. 
Abendbrot, n.: Abendessen, in der nordd. 
Umgangssprache (schon spätmhd. äbentbrotn.). 
Abendland, n.: Okzident, im altern Nhd. 
nur im Pk Abendländer (noch Adelung be- 
zeichnet den Sg. als ungel^räuchlich). Abend- 
mahl, n., mhd. äbentmäl «Abendessen», seit 
Luther Bezeichnung des am Abend eingesetzten 
Saki'aments des Altars und im urspr. Sinn 
wenig mehr gebräuchlich. Abendrot, n., mhd. 
äbentrot m. und n., mit Anlehnung an rot, nach 
dem bereits ahd. abgeleiteten tagaröt m., ags. 
dcegredn. «Morgenrot» gebildet. Abendstern, 
m., mhd. äbenfsferne, ahd. abantsterno. 

Abenteuer, n. (s, PI. wie Sg.): wunder- 
bares Erlebnis: ritterliches Wagnis; dessen 
Erzählung; (erst fiühnhd.) seltsame Gestalt, 
Mißgestalt. Aus mhd. äventiure f., entlehnt 
aus frz. avenfure, mlat. advenfura f. (von ad- 
venlre «zukommen, sich ereignen»). Das ur- 
sprünghche f. nur vereinzelt im altern Nhd. 
(z.B. bei Gryphius, Grimmeishausen) erhalten. 
Ältere nhd. Nebenformen sind Ebenteuer (so 
bei Luther und bei einigen noch im 18. Jh.) 
und (ausdeutend) Abendteuer. ABL. aben- 
teuerlich, adj., 'i]idXmhd..äventiurlich. aben- 
teuern, V., mhd.dventiuren. Abenteurer, 
m., mhd. äventiurcere m. 

aber, l) Zeitadv. wiederum (veraltend), 
a. und a. tausend, 2) stärkern oder gelindem 
Gegensatz, auch bloß Fortführung der Rede 
bezeichnende Konjunktion. Diese als Subst. 
das Aber «entgegenstehendes Bedenken, zu 
bedenkende Schwierigkeit». ^Ihd. aber, aver 
(auch verkürzt abe, ave), ahd. ahur, avar; 
dazu gehört got. afar Präp. «nach», Adv. 
«nachher», das als komparativische Bildung 
zu got. af «von» zu betrachten ist. Als 
Grundbed, ist «weiter weg», dann «später» 



anzusehen, vgl. aind. dparas «der Spätere» 
und asächs. abaro, ags. eaf'ora m. «Nachkomme». 
Vgl. äfern. In der nominalen Zusammenset- 
zung mit Aber- sind aus der Bed. «wiederum, 
wiederholt» folgende andere hei-vorgegangen: 
l) «nach hinten, zuiiick» in Aöerraferm.« Groß- 
vater» (bei Luther), Aberwamlel m. «Rück- 
gang», Aberklaue f. (s. Afterklaue), mhd. aber- 
loette n. f. «hinterlegtes Pfand»; 2 ) die Bed. des 
Verkehrten, Minderwertigen, Negativen (vgl. 
Aberglaube, Aberwitz, älternhd. Abergunst 
<<Mißg\mst»,Abername «Beiname», ievner Aber- 
glaube, Aberwitz), in dieser Bed. tritt abey-- seit 
Mitte des 15. Jh. an SteDe von ab- (s. d., so- 
wie After-). Detter ZfdA. 42, 53 verbindet 
dies aber mit anord. aur- «miß-». 

aber, aber, äper, adj.: schneefrei. In 
obd. Mundarten (auch ostfrk. äfer, elsäss. a/er). 
Aus mhd. aber, ceber, ahd. dpiri. Das Wort, 
das auch «leer, trocken, mild (vom Wetter), 
sicher» bedeutet, kann nicht aus lat. apricus 
< sonnig» entlehnt sem, auch Urverwandtschaft 
damit ist unwahrscheinlich. Vgl. Ebbe. 

Aberacht, f.: die über andi-er Acht ste- 
hende kaiserhche, als vogelfrei erklärende Acht. 
Spätmhd. aberähte, (unter Anlehnung an aber 
«wiederum») hervorgegangen aus oberähtet, 
mndd. over ächte (Sachsenspiegel 3, 34, in der 
md. Fassung diu iibere ächte), 1437 mä.obiracht 
(Janssen Frankf. Reichscorr. 1, 419)f. S. -Acht. 

Aberglaube, m. (-ns, PI. -n) -. verkehrter 
Glaube. 1482 erscheint aberglaub im voc. 
praed. Co 7% femer bei Brant (Narrenschiff 
38, 37. Layenspiegel J 1 ^) und Luther (neben 
Äbglaube), wie es auch 1540 bei AlbenisDict. 
und 1541 bei Frisius auftritt. Aber- ist hier 
nicht entstellt aus ober- wie man nach lat. 
superstitio f., ndl. overgeloof n., dän. overtro 
«Aberglaube», denken könnte, darf auch nicht 
mit dem anord. in Zusammensetzungen erschei- 
nenden afar- «sehr» zusammengebracht wer- 
den (etwa duixh übermäßiges Glauben ver- 
kehrter Glaube j, sondern bedeutet «vom rech- 
ten Glauben abweichender Glaube» (s. aber). 
ABL. abergläubisch, adj., bei Luther, 1541 
bei Frisius abergläubisch, mit andrer Endung 
1482 im voc. praed. abergloubig, noch bei Hage- 
dorn und Herder abergläubig. 

Aberklaue, s. Afterklaue. 

abermal, abermals, adv.: wiederum, 
beide bei Luther. Verbindung von aber mit 
dem Akk. Mal, woran weiter das adverbiali- 
sche -s antreten konnte. ABL. abermalig, 
adj., in der fmhnhd. Kanzleisprache. 

1* 



Aberraute 



abgeführt 



8 



Aberraute, f.: die Stabwm-z, artemisia 
abrötanum. Mit Anlehniing an Baute aus dem 
gr.-lat. abrötanum n. gebildet. Urspr, niederd. 
Form (im 15. Jh. averrüte). Dagegen mit Ver- 
schiebung des t zu. g ahd. avaru^a, woraus 
mundartf. Äfrusch m. (1538 bei Rößlin 131° 
Äbrausch). Vgl. auch Eheritz. 

aberweise, adj.: verkehi-t weise (Goethe 
38, 21). Wie aberklug u. a. Neubildung nach 
Aberglaube, Aberwitz (s. d.). 

Aberwitz, m.: Verkehrtheit des Geistes. 
Mhd. abenvitze neben früherm abewitze f. «Un- 
verstand, Wahnsinn». (Vgl. aber und Aber- 
glaube.) Das ui'sprüngliche fem. erhält sich 
im altem Nhd., z. B. Lohenstein Hyac. 46. 
ABL. aberwitzig, adj., frühnhd. (Dief.- 
Wülcker 26). 

abescliern, s. abäschem. 

abfahren, v.: l) intr. eine Fahrt antreten, 
weggehen; sterben (Ludwig 1716, als bui'schi- 
kos bei Kindleben 1781 und Augustin 1795 an- 
geführt); abgleiten, mit seinem Anliegen ab- 
gewiesen werden (Goethe 41, 153) vgl. ab- 
fertigen. 2) trans. durch Fahren wegschaffen 
oder lostrennen. Mhd. abevarn\%t «weggehen, 
sein Besitztum abtreten, abfallen», ahd. aba- 
varan «verschwinden». 

Abfall, m. (-es, PI. Abfälle): das Meder- 
und Wegfallen wovon, mhd. abeval; jähe 
Neigung, abschüssige Lage (1711 beiRädlem); 
geiingwertiges Abgefallenes wovon (1716 bei 
Lud^vig); Sich-Lossagen und Trennung von 
einem Verbände (Esra 4, 19); Übergang aus 
gutem in schlechten Zustand (bei Luther); 
Geringersein in Vergleich zum rechten Maß 
(1711 bei Rädlein); übeiTaschende Verschie- 
denheit (Schiller Räuber 2, 3); Abstufung 
(Moser Verm. Schi-. 1, 105); ungünstige Be- 
ui'teilung im Gegensatz zu Beifall (1663 bei 
Schotteis); Mißerfolg. ABL. abfällig, adj. 
und adv. (jetzt nur in der Bed. «ungünstig 
beurteilend», die Adelung 1793 und Heynatz 
1796 noch nicht kennen; bei Luther in der 
Bed. «abtrünnig»). 

abfeimen, v. : den Feim (Schaum) wovon 
abnehmen, klären (Goethe 7, 125), wie raffi- 
nieren (s. d.). Das Part. Prät. abgefeimt, wie 
raffiniert: abgeschäumt; geklärt; gewandt in 
schlimmen Streichen. Schon 1463 den abge- 
vaimpten schalk (Beheim Wiener 285, 10), da- 
neben auch dbgefamnt (Fastnachtsp. 202, 19), 
ahgefeunipt (Montanus 291, 15), wie noch Les- 
sing 7, 154 eine abgefäumte Buhlerin schreibt. 

abfertigen, v.: zum Abgehen fertig ma- 



chen ffiühnhd. z. B. Rhetorica 52*'); auf eine 
Fahrt entsenden (Sattler 1607 j; schroff zurück- 
weisen (Opitz 1, 187), vgl. abfahren. 

abfinden, v.: durch eüi Abkommen be- 
friedigen. Eig. den Weg zur Seite jemandes 
finden, vgl. ein Abkommen treffen und mnd. 
afdrepen « sich vergleichen ». Refl. sich a. « über- 
einkommen, befriedigt sein». Als Rechtsaus- 
druck bei Sattler 1607. Davon Abfindung, 
f., zu Anfang des 17. Jh. in Wedels Hausbuch 226. 

abfolgeu, s. verabfolgen. 

abführen, v.: l) intr. zur Seite führen. 
2) trans. wegführen, mhd. abeviieren, ahd. äba- 
vuoren : (Gelder) einer Kasse zuführen, eig. wohl 
als Zins usw. gegebene Tiere wegführen (im 
17. Jh. z. B. Logau 3, 127); einem eine Nie- 
derlage beibringen, ihn ablaufen lassen (Les- 
sing 1, 416, als studentisch bei Kindleben 1781), 
vgl. abfertigen:, abrichten, nur im Part. a&- 
gre/iV/iri «verschlagen» (1531 bei Franck Chron. 
304^), hier entstellt aus abgeviert (a. wie ein 
Würfel), eig. «viereckig». Refl. sich a. (in ver- 
ächtlichem Sinn) «weggehen»' (1711 bei Räd- 
lein, Günther 530, Schiller Fiesko 1, 9). 

Abgang, m. [-s, PI. Abgänge): das Weg- 
gehen wovon; was abgeht, AbfaU; Abnahme, 
Verminderung; Mangel, Gebrechen; Absatz 
(von Waren). Mhd. abeganc m. ABL. ab- 
gängig, adj. (nach den drei letzten Bedd. 
von Abgang). 

abgeben, v.: weggeben, von sich geben; 
(etwas a.) darstellen, sich zeigen als (im 17. Jh.). 
Refl. sich a. «sich beschäftigen mit» (1755 von 
Gottsched Beob. 3 als ein seit weniger Zeit 
etncrerissener Mißbrauch bezeichnet, von Ade- 
lung 1774 verteidigt). 

abgebrannt, adj.: aller Mittel beraubt. 
Eig. dui'ch Brand um seine Habe gekommen. 
Nach Moscherosch Phil. 2, 685 zui* Zeit des 
30jährigen Krieges aufgekommen. 

abgebrüht, adj.: sittlich abgestumpft 
(priapische abgebrüete Ammen, Fischart Garg. 
201). brühen geht hier auf das ndd. brüden, 
brüen «coire» zurück, vgl. DW 4, 1, 2342, doch 
wird jetzt an brühen «sieden» gedacht, vgl. 
hartgesotten. 

abgedroschen, adj.: (von Erzählungen 
usw.) oft vorgebracht und daher für niemand 
von Wert (bei Rädlein 1711). Ursprünglich 
Part. Prät. von abdreschen «ganz ausdreschen, 
durch Dreschen der Kerne (des Inhalts) be- 
nehmen». Wohl nach lat. verba trita. 

abgefeimt, s. abfeimen. 

abgeführt, s. abführen. 



abs'eschmackt 



ablassen 



10 



abgeschmackt, adj.: reizlos widrig für 
den Geschmacksinn. Mit angetretenem t statt 
des altern dbgeschmack und so gleichsam in 
das Part. Prät. eines Verbums abschmecken 
«den Geschmack verlieren» umgebildet. Bei 
Duez 1664. 

Abgott, m. i-es, FLAbgötte)-) : Abbild eines 
Gottes, nachgemachter Gott; falscher Gott im 
Gegensatz des wahi'en. Mhd. ahd. ahgot n. 
(selten m.). Zu dem got. Adj. afgitps «von 
Gott abgewichen, gottlos >. ABL. abgöt- 
tisch, adj., spätmhd. abgötisck. Abgötterei, 
f., spätmhd. abgöten. 

Abgrund, m. (-s, PI. Abgründe): in die 
Tiefe hinabgehender Grund. Spätmhd. ab- 
grunt m. neben häufigenn abgründe n., ahd. 
äbgrunti n., ndl. afgrond. Got. afgnmdipa f. 
«Abgrund» mit andrer Ableitung. 

Abgunst, f.: die von jemand abgewandte 
freundliche Gesinnung. Mhd. abegunst, ge- 
wöhnlich abegimste f. ABL. abgünstig, adj., 
1482 abgunstig (voc. theut. a 3^). 

abhanden, adv. : nicht zu Händen, weg, 
verloren. 'Mhd. abe lianden, ahd. aba liantum. 
Aus der Präp. ab mit dem Dat. PL von Hand 
(s. d.). Ältemhd. bei Mitteldeutschen selten 
und noch von Adelung und Hejnatz Antib. 
1, 30 als oberd. Redensart bezeichnet. 

Abhandlung, f. (PI. -en), im 17. Jh. von 
Schottel gebildet für lat. tractatus. 

Abhang, m. (-s, PI. Abhänge): nieder- 
wärts gehende Seite einer Fläche. Wohl von 
Zesen (inDögens Kriegsbaukunst) gebildet. Von 
abhängen, durch Vermischung mit dem tran- 
sitiven Verbum auch abhängen, v.: nieder- 
wärts hangen (frühnhd.); wodurch bestimmt 
werden, etwas zur Voraussetzung haben (nach 
frz. dependre in der 1. Hälfte des 18. Jh. ent- 
wickelt, bei Xieremberger 1753 verzeichnet). 
ABL. abhängig, adj. Tum 1480 im voc. ine. 
teut. a 2^ abhängig, «acclivus», in der über- 
tragenen Bed. bei Adelung). 

abhold, adj.: abgeneigt. Spätmhd. abholt. 
ürspr. oberd. Wort, aber seit 1700 allgemein 
in den Wörterbüchern, doch noch bei Hey- 
natz Antib. 1, 33 beanstandet. 

Abhub, m. {-es, PI. Abhübe) : was wovon 
aufgenommen und weggetan wii-d. Von ab- 
heben. Im 18. Jh. erscheinende Neubildung 
(Jablonskil721, übertragen bei Goethe 21, 259). 

äbicht, adj.: verkehrt. Nur mundartlich 
(auch äbisch, äbsch, entsprechend ndl. aafsch). 
Mit angetretenem t aus mhd. ebich, ahd. abuh ; 
dazu asächs. abuh, anord. öfngr, auch engl. 



awk- in aiükward «ungeschickt». Von ab 
abgeleitet, also eig. «abgewendet». 

Abiturient, m. {-en, PI. -en): der nach 
vollendeter Schulzeit von der Schule Ab- 
gehende. Aus abiturieyis (Gen. abittirientis), 
Part. Präs. von neulat. äbiturire «abzugehen 
verlangen». 

abkauzeln, v. : tüchtig ausschelten. Eig, 
von der Kanzel herab eine Strafpredigt hal- 
ten. Als Wort der Umgangssprache bei Ade- 
lung erwähnt vxnd von Voß 1, 67 gebraucht. 

abkapitelu, s. kapiteln. 

abkappen, v.: zui-echtweisen (Schiller 
Räuber 4, 3). Eig. tüchtig mit Kappen d. i. 
Ohrfeigen (s. DW 5, 193) versehen. Schon 
im 16. Jh. (Fischart Nacht Rab 8641). 

abkarten, v.: heimlich verabreden. Eig. 
die Karten nach heimlicher Verabredung 
mischen oder geben. Bei Rädlein 1711. 

Abklatsch, m. {-es, PI. -e) : genaue Nach- 
bildung ohne eigenen Wert. Moderne Bil- 
dung. Von abklatschen, v.: (bei den Buch- 
druckern usw.) eine Nachbildung durch Auf- 
klopfen herstellen. 

Abkomme, m. (-», PI. -n): Nachkomme. 
Zuerst bei Campe 1807 verzeichnet, von älter- 
nhd. abkommen «abstammen». — Abkömm- 
ling, m. (-.s, PI. -e). Bei Schottel 370 ab- 
kömling. Im Mhd. erscheint nächkomelinc. 

Abkommen, n.: Übereinkommen. Zuerst 
bei Steinbach 1734. Urspr. subst. Inf. des V. 
abkommen i^mit einem a. «übereinkommen»). 

abkonterfeien, s. Konterfei. 

abkratzen, v. : durch Kratzen wegbringen 
oder von etwas befreien; sich entfernen, ster- 
ben. In der 2. Bed., die der neuem Um- 
gangssprache eigen ist, geht kratzen auf das 
Scharren mit den Füßen beim Weggehen, 
vgl. abschurren. 

Abkunft, f.: Abstammung (bei Stieler 
1691); Übereinkommen ferst bei Adelung 1774). 

abküpsen, v. : (der Feder) die Spitze ab- 
schneiden (Lessing 3, 308); küpsen ist eine 
Weiterbildung von kuppen «die Kuppe, Spitze 
abhauen», obersächs. die Feder abkippen. 

Ablaß, m. (-sses, PI. Ablässe): Erlassung 
der Sünden; Lossprechung von Kirchenstrafe. 
!Mhd. abeläß, abläß m., seltener n. (auch bei 
Luther n.), ahd. ablag m. neben ablägi n.; 
dazu mnd. aflät n. und got. aflets m. «Erlaß, 
Vergebung» neben afletan v. «erlassen», ags. 
oflöetan, ahd. oblä^^an «entlassen». 

ablassen, v. : l ) intrans. sich von der Fort- 
setzung einer Tätigkeit abwenden. 2j trans. 



11 



Ablativ 



Abriß 



12 



weglassen, gehen lassen; (Flüssigkeit) weiter 
laufen machen; (einem a.) überlassen. Mhd. 
äbeläßen, abelän. 

Ablativ, m. ('S, PI. -e), der im Deutschen 
durch Präposition mit Dativ ersetzte Kasus 
der lat. Deklination, Aus lat. ablativus (näm- 
lich casus), zu auferre «wegnehmen». 

Ablaut, m. {-es, PI. -e): gesetzmäßiger 
Wechsel des Wurzelvokals bei Verben und 
Nominibus, z, B. hinäe band gebunden, Binde 
Band Bund. ABL. ablauten, v.: diesen 
Wechsel des Wurzelvokals an sich haben. 
1819 von Jac. Grimm eingeführte gramma- 
tische Kunstausdiücke. 

ablegen, v.: l) trans. weg-, beiseitelegen, 
mhd. abelegen; (eine Pflicht usw.) erfüllen 
(mhd. «Geld erstatten», also wohl eig. vom 
Niederlegen der überbrachten Zinse usw.); 
(Arbeiter) entlassen (mhd. und ällernhd. mit 
Dativ, vgl. das Handtcerk legen). 2) intr. 
schwach werden, versagen (aus älternhd. einem 
a. «im Stiche lassen», nach Rüdiger 2, 63 ein ober- 
sächsischer Ausdi'uck, Adelung «im gemeinen 
Leben», Goethe 25, 165 1. H.). ABL. Ab- 
leger, m. (-s) : durch Niederlegen in die Erde 
gebildeter neuer Pflanzentrieb. BeiFrischl741. 

ablehnen, v.: etwas von sich wegwenden, 
entfernt halten, zurückweisen ; auf einen Vor- 
schlag nicht eingehen, ausschlagen (diese ab- 
geblaßte Bed. erst um die Mitte des 18. Jh., 
z. B. bei Nieremberger 1753). Das Wort, noch 
nicht mhd., erscheint in der frühnhd. Kanzlei- 
sprache, z. B. Reichsordnungen 68 als ableinen 
(mhd. leinen neben lenen, s. leimen), daneben 
auch ablehnen, z. B. bei Luther; ableinen auch 
später bei Oberdeutschen (noch von Heynatz 
1796 erwähnt und von Wieland gebraucht). 

abluchsen, v.: einem etwas listig (mit 
Luchsaugen) abspähen; einem etwas listig ab- 
und sich zuwenden. Von Luchs, vgl. beluchsen. 
Bei Adelung 1774 fälschlich ablugsen (mit 
Anlehnung an kujen) geschrieben. 

abmachen, v.: wegmachen; fertigmachen, 
festsetzen. Schon mnd. afinaken «fertig ma- 
chen», aber im Hochd. zuerst bei Dentzler 1709 
angeführt (mit einem a.) und noch von Hey- 
natz 1796 als nicht edel bezeichnet. 

abmarachen, v. : abmatten. In der nordd. 
Umgangssprache (im bremisch -nieders. Wör- 
terbuch 3, 129 wii'd marakken «ermüden», bei 
Rüdiger 2, 116 als obersächsisch Schmarach m. 
«schmutzige, beschwerliche Arbeit» und da- 
von schmarachen aufgeführt), aus. dem Rot- 
welschen aufgenommen. 1801 beiReinwald2, 19. 



abmeiern, v.: den Meier (s. d.) d. i. Bauer 
von seinem Hof vertreiben. 1768 bei Moser 
(patr. Phant. 1, 145). 

abmergeln,v.: ki-aftlos machen. Frühnhd. 
(Franck teutsche Chronik 270 a). S. mergeln. 
Vgl. Liebich Btr. 23, 223. 

abmurksen, v.: heimlich umbringen. Aus 
der Studentensprache bei Heine 2, 324. Das 
md. murksen l^edeutet «schlecht arbeiten, an 
etwas heiTimschneiden, würgen». Anklingend 
abmucken, elsäss. abmuckse, s. mucken. 

abmüßigen, v. : von einer Beschäftigung 
frei (zur Muße bestimmt) machen. Im 17. Jh. 
Wohl in der Kanzleisprache entwickelt, vgl. 
mhd. müe^egen «befreien». 

abnehmen, v.: l) intrans. mehr und mehr 
schwinden, 2) trans. wovon tun; wovon her- 
unter tun; von jemand sich dargeben lassen, 
z. B. eine Rechnung; wovon als Erkenntnis 
ziehen, z. B. aus jemandes Worten abnehmen 
(in der frühnhd. Kanzleisprache, z. B. Janssen 
Frankf. Reichscorr. 2, 448 von 1486). Mhd. 
abenemen ist «geringer werden, abschaffen 
usw.», ahd. abaneman «wegnehmen». 

abnorm, adj.: von der Regel abweichend. 
Aus lat. abnormis (s. Norm). Wohl erst im 
18. Jh. entlehnt. ABL. Abnormität, f. (PI. 
-en) : Regelwidrigkeit. Aus neulat. äbnormitas 
f. (Gen. abnormitatis). 

abonnieren, v. : worauf voraus bezahlend 
unterzeichnen. Aus dem gleichbed. franz. a&ow- 
ner, ital. abbon'are (aus ad und bonne, einer 
Nebenform von hörne «Grenze»). Kaum vor 
1770—80 entlehnt, bei Adelung 1793 — Abon- 
nent, m. {-en, PI. -en) : der mit Vorausbezah- 
lung Unterzeichnende. Nach franz. aboiinant, 
Part. Praes. von abonner, aber mit der sonst 
bei lat. Bildungen üblichen Endung -ent. 

Abort, m. {-es, PI. -e): abgelegener Ort 
(Ludwig 1716), heimliches Gemach (erst Campe 
1807, vielleicht aus dem Ndd., wo es 1755 
Richey für Hamburg als Af-Ort verzeichnet). 

abrackern, refl. v. : sich abschmden (s. 
Backer). Aus der nordd. Umgangssprache bei 
Campe 1807. 

Abrede, f. (PI. -n) -. Festsetzung durch Be- 
sprechung; Entgegensetzung durch Rede (na- 
mentl. in A. stellen). Mhd. aberede f 

abrichten, v. : völlig gerade machen ; eine 
Fertigkeit wozu beibringen. In der altern 
Sprache überhaupt «unterrichten»; mhd. abe- 
rihten «gut, recht machen, abschaffen». 

Abriß, m. (Gen. Abrisses, PI. Abrisse): 
nur in den Hauptlinien gemachtes Bild wovon 



13 



Absage 



abseiten 



14 



(1562 bei Mathesius Sar. 60**). Von abreißen, 
V. in der Bed. «ein Bild im Umriß entwerfen > 
(bei Luther). Vgl. reißen, Biß. 

Absage, f. (PI. -n): Aufkündigung der 
Freundschaft und Ankündigung von Feind- 
seligkeit. Spätmhd. absag, aber erst neuerdings 
wieder in die Sprache aufgenommen (nach 
Heynatz Antib. 1, 46 ungebräuchlich). Von 
absagen, v. : Gesagtes wideniifen ; {einem a.) 
die Freundschaft auf- imd Fehde ansagen; 
(bildlich) sich wovon lossagen. Mhd. ahesagen. 
Daher ein abgesagter Feind: einer der sich als 
Feind erklärt hat». 

Absatz, m. (-es, PI. Absätze): Aufhören 
und Wiederanfang wovon, dann das soWieder- 
anfangende selbst (bei Luther ) ; Zufernsein des 
einen vom andern bei Vergleichung (Wieland 
Idris 7); Abgeben von Ware gegen Bezahlung 
(bei Frisch 1741). ^Mhd. ahesaz m. ist «Ver- 
ringerung^). 

äbsch, s. abteilt. 

Abschach, n. {-s): Schach, das den König 
beim Wegziehen eines Steines durch eine hinter 
diesem stehende Figur angreift (1616 bei Sele- 
nus Schach- oder Königspiel 111). Auch Aber- 
schach (vgl. ab- und aber-). Schon mhd. ab- 
scMch, Yü,r. aberschäch n., und dann bei Lessing 
Nathan 2, 1. Vgl. v. Bahder Btr. 22, 522. 

abschätzig, adj. u. adv. : geringwertig; ge- 
ringschätzig. Frühnhd. (Wickram Rollw. 128) 
und auch später in oberd. Quellen ; von Wie- 
land gebraucht (als erklärungsbedürftig bei 
Lessing 6, 32 erwähnt). 

Abschaum, m. (-s, ohne PI.) : von wallender 
Flüssigkeit ausgestoßene, oben wegzuräumende 
ünreinigkeit ; als zu schlecht und verächtlich 
ausgestoßener Mensch. Bildlich bei BrantXarr. 
o4,19 abschürn, wie schuni^l-amev Genchm.Bl'i. 

Abscheu, m. (-es, ohne PI.); das Zurück- 
schrecken vor etwas ; Gegenstand, vor dem man 
zurückschreckt; heftige Abneigung, Wider- 
wille. Frühnhd. abschew (Keichsordnungen 
180 von 1531), abscheueh m., seltener f. (z. B. 
Harsdörfer Gesprächspiele 1, 2), daneben ab- 
schewen, n., vgl. Scheu. ABL. abscheulich, 
adj. u. adv.: abschreckend (frähnhd., z. B. 
Fischart Barfüßermönche 4557, zum abscheu- 
lichen Exempel Carolina), Wider\^alIen erre- 
gend (bei Maaler 1561 abscheüchlich). 

Abschied, m. (-es, PI. -e) : das Weggehen 
aus der Mitte eines Kreises; die Beurlaubung 
bei diesem Anlaß; Dienstentlassung; richter- 
licher Ausspruch als Endurteil in einer Rechts- 
angelegenheit ; Willenserklärung des Staats- 



oberhauptes zum Schlüsse einer in öffentlichen 
Landesangelegenheiten gehaltenen Versamm- 
lung, z. B. Landtagsa. Spätmhd. abeschif, 
häufiger abescheit m. «Abschied, Tod, Ent- 
scheidung, Bescheid, Beschluß eines Reichs-, 
Städtetags», auch im altem Nhd. oft Äb- 
scheicl m. 

Abschlag, m. (-es, PI. Abschläge): abge- 
hauenes Holz, mhd. abeslac: Zurückweisimg 
eines Angriffs (im Teuerdank 82, 6 «Zurück- 
weisung, abschlägige Antwort»); Geringer- 
werden des Preises wovon (mhd. abeslac «Er- 
niedrigung der Fordening»); vorläufige Min- 
derung der Schuld (im 16. Jh., zu spätmhd. 
dbsiahen «abbezahlen»), z. B. auf A. zahlen. 
ABL. abschlägig, adj: entschieden von 
sich weisend (1562 bei Mathesius Sarepta 192^). 
abschläglich, adj.: wie abschlägig: zahlend 
zu vorläufiger Mindening der Schuld (1509 
bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 767). — 
abschlagen, v.: l) trans. durch Schlagen 
wovon trennen; an einer Rechnimg abziehen; 
zum Entfernen nötigen; entschieden von 
sich weisen, verweigern. 2) intrans. im 
Preise geringer werden. ^Ihd. abeslahen, abe- 
slän in allen Bedd., ahd. abaslahan «weg- 
schlagen». 

abschmiereu, v.: tüchtig pi-ügeln, eig. 
mit Schlägen salben. Bei Duez 1642. 

abschrecken, v.: einen durch eingeflößte 
Furcht von etwas abbringen, m\i(\.abesclir ecken; 
Warmes oder Kaltes durch Hinzutun von Kal- 
tem oder Warmen in der Temperatur um- 
springen machen (schon frühnhd.). Vgl. wegen 
dieser Bed. schrecken. 

abschurren, v.: hinweggleiten; abfahren, 
sterben (s. schurren). Aus der nordd. Um- 
gangssprache bei Voß 2,81. Vgl. abkratzen. 

abschüssig, adj.: stark abhängig. Erst 
beiDentzler 1709 verzeichnet (doch früher «&- 
schießig, Opitz Poeterey 181). Von Abschuß 
m. in der Bed. jähe Neigung einer Erdfläche, 
daß sich darauf ein Körper schnell und heftig 
niederbewegt (bei Ludwig 1716). 

Abseite, f. (PI. -n): überwölbter Neben- 
raum des Schiffes der Kirche; Nebengebäude 
(Flügel) am Hauptgebäude. Aus mhd. absite 
(mit Anlehnung an ab und Seite ), ahd. absita, 
absida f., entlehnt aus gr.-mittellat. absida, gr. 
ävpic. Gen. ötnjiboc f. «Verbindung, Rundung, 
Gewölbe». 

abseiten, adv.: (veraltet) abseits, von selten 
(mit Gen.). Spätmhd. absiten, Verbindung der 
Präp. ab mit dem Dat. PI. siten. 



15 



abseits 



abstoßen 



16 



abseits, adv,: weg zur Seite, auch mit Gen. ; 
verbunden. Erst bei Stieler 1691 verzeichnet, 
mit angetretenem genet. -s, früher äbseit, vgl. j 
diesseits, jenseits. \ 

Absicht, f. (PL -en): (veraltet) abrei- ! 
chende Richtung der Augen worauf, z. B. j 
beim Zielen; Richtung des Geistes worauf,! 
z. B. in Absicht (mit Gen. oder auf) in Be- \ 
tracht; die als ein zu Erstrebendes gesetzte 
Vorstellung. Absicht (verzeichnet bei Frisch 
1712, noch nicht bei Stieler 1691 und Rädlein 
1711) ist in der 2. Hälfte des 17. Jh. für den 
subst. Inf. Absehen eingetreten; dies Wort 
bezeichnet auch konkret das Visier an Meßwerk- 
zeugen (bei Goethe 50, 107 1. H.) und Gewehren 
(daher sein Ä. auf etwas richten). ABL. ab- 
sichtlich, adj. u. adv., erst bei Adelung 1793. 

Absinth, m. (-es, Pl.-e) : Wermut; Brannt- 
wein daraus. Ans franz. absinthe m., aufgr.-lat. 
apsinthium, gr.dnJiv6iovn.«Wermut» beruhend. 

absolut, adj. u. adv.: unbedingt; unum- 
schränkt. Aus lat. absolütus, Part. Perf. Pass. 
von äbsolvere s. u. Um 1700 in der phi- 
losophischen Sprache (Thomas Einleitung 
195). — Absolution, f. (PI. -en): Losspre- 
chung von Sünden. Spätmhd. (Liliencron 2, 
205). Aus lat. absolutio, Gen. absolrdiönis. 
— absolvieren, v.: lossprechen von Sünden, 
beendigen. Mhd. absolvieren. Aus lat. äb- 
solvere «ablösen, losmachen». 

absonderlich, adj.: getrennt von andern 
(frühnhd.); eigentümlich (Ludwig 1716), selt- 
sam (Eichendorff Taugenichts 74). Als Adv. : 
vor allem (1664 bei Duez). 

•'abspannen, v. : der Spannung benehmen, 
mhd. abespannen: schlaff machen; von Fort- 
zuziehendem losmachen. S. spannen. 

^abspannen, v. : Gesinde durch Verlockung 
von jemand abziehen. Bei Luther. Vermischt 
mit dem vorigen Worte, während es spätmhd. 
abspenen, bei Hans Sachs abspennen heißt. 
S. Spänen. 

abspenstig, adj.: durch Verlockung eine 
Verbindung verlassend. 1566 bei Hans v. 
Schweinichen (Script, rer. Sil. 4, 74), häufiger 
erst im 18. Jh. (bei Frisch 1712 erwähnt). Zu- 
sammengesetzt mit dem ahd. Kdi}.spenstig «ver- 
lockend», abgeleitet von spans^ f. «Verlockimg». 

absprechen, v.: jemand etwas durch 
entschiedene Erklärung entziehen, mhd. abe- 
sprechen; womber sich entschieden erkläi'en, 
daß es nicht so sei; womber bis zu Ende 
und zu gegenseitiger Zustimmung sprechen 
(erst bei Adelung «besonders in Nieder- 



sachsen üblich», von Heynatz 1796 empfohlen). 
— Absprache, f. (nach der 3. Bed. von ab- 
sprechen). Bei Ludwig 1716 Absprach, aber 
nicht bei Adelung und Campe. 

Abstamm, m. (-es, ohne PL): Abstam- 
mung; Nachkommenschaft, Abkömmling (Her- 
der Cid 33). Jägerwort des 18. Jh. 

Abstand, m. (-es, PI. Abstände): Weg- 
treten, Verzichtleistung auf ein Recht (früh- 
nhd., erhalten in A. nehmen); Entfemtstehen 
wovon (Zesen in Dögens Kriegsbaukunst). 

abstatten, v.: an der dazu bestimmten 
Stelle anbiingen. Frühnhd. Kanzleisprache. 

abstechen, v.: l) trans. durch Stechen 
wovon entfernen oder trennen, mhd. abe- 
stechen; (Tiere) tot stechen, schlachten; über- 
treffen, eig. im Tui'nier beim Gegenrennen 
vom Pferde stechen; im Kartenspiel durch 
eine höhere Karte zum Untern machen; 
durch Stechen nachbilden. 2) intrans. in die 
See stechen (eig. mit der Schifferstange), fort- 
fahren (Fischart Garg. 117); sich merkbar 
unterscheiden (bei Ludwig 1716, gleichzeitig 
auch sich a. : diese Bed. scheint von der von 
a. oder abstecken «abgrenzen» aus entwickelt). 

Abstecher, m. (-s, PI. wie Sing.) : kurze 
Nebenreise. Nach Heynatz Antib. 1,35 zuerst von 
Bode und Mylius gebraucht und aus dem Nie- 
dersächs. aufgenommen, wo es als dialektischer 
Ausdrack 1781 bei Dähnert verzeichnet ist. 

abstehen, v.: l) intrans. (veraltet) wo- 
von niederstehen, z. B. vom Pferde, mhd. 
abestän, -sten: wovon entfernt stehen; aUzu 
lange stehen und dadm'ch schwächer werden, 
alle innere Kraft, die Lebenskraft verlieren, 
sterben, z. B. der Essig, Baum, Fisch ist 
abgestanden (bei Maaler 1561, mhd. mit dem 
töde abesfen); (von etwas a.) von etwas ab- 
lassen, darauf verzichten (mhd. eines ding es 
abesten). 2) trans. einem andern überlassen 
(nach Adelung 1774 besonders m Nieder- 
sachsen häufig). 

Abstich, m. {-es, PI. -e): Abgestochenes, 
z. B. von Torf, eines Budes; Sich -Hervor- 
heben gegen anderes im Widerstreit mit die- 
, sem, Kontrast (Wieland 9, 21, Schiller 10, lOl). 

abstimmen, V.: l)trans.gründlich stimmen, 

1 z. B. ein Instrument. 2) intrans. abweichend 

stimmen, eine andere Meinung haben (bei 

Luther, noch bei Adelung 1793): seine Stimme 

abgeben (nach Heynatz 1796 obd. Ausdruck). 

abstoßen, v. : l) trans. weg- oder herunter- 
stoßen, m\\d..abestd^en\ (Verpflichtungen usw.) 
beseitigen durch Erfüllmig (erst bei Adelung 



17 



abstrakt 



Al)wesen 



18 



«im gemeinen Leben»): einen unangenehmen 
Eindruck auf jemand machen (Gegensatz an- 
ziehen, also übertr. von den Wirkungen des 
Magnets); Redensart: das Herz a. d. i. 
brechen, eig. vom Henker durch das Rad 
(schon spätmhd.). 2) intrans. (vom Schiff) ab- 
fahren, eig. durch Stoßen mit der Schiffer- 
Stange (schon mhd.). 

abstrakt, adj.: abgezogen in Gedanken, 
für sich allein betrachtet; nicht wh'klich, 
bloß gedacht. In der 1. Hälfte des 18. Jh. 
aufgenommen. Aus lat. ahstradus, Part. 
Perf. Pass. von abstr allere «weg-, abziehen». 

Abstreich, m. [-es, PI. -e): öffentlicher 
Zuschlag auf Mindergebot (Schiller Räuber 
1, 2). Gegensatz Aufstreich (s. d.). 

abstufen, y. : in Stufen abbauen (beim j 
Bergbau) ; bestimmte Unterscliiede festsetzen | 
(nach Adelung 1793 neues Wort, von Heynatz ' 
1796 empfohlen). 

Absud, m. {-es, PI. -e): Handlung des 
Absiedens; die durch Absieden gewoimene 
Flüssigkeit, s. Sud. Xeues, von Adelung 1793 
verzeichnetes Wort. ■ 

absurd, adj.: lächerlich- widersinnig. Aus | 
lat. dbsurdus. Um 1700 in der philosophi- 
schen Sprache (Thomas Einleitung 127). 

Abt, m. {-es, PI. Äbte): Vorsteher einer 
Abtei. Mhd. abt, abbet, ahd. abbat von dem 
aus syrisch dbba «Vater» in die kirchhch-lat. 
Sprache aufgenommenen abbas, Gen.ahbatism. 
ABL. Abtei, f. (PI. -en) : höheres klösterliches 
Stift; Gebiet desselben; Wohnung und Pfründe 
eines Abtes, mhd. abtei, abbeteie, ahd. abba- 
teia von mJat. abbatia f. Äbtissin, f. (PI. 
-nen) : Vorsteherin emer Abtei, mhd. abtissin, 
eppetissin, ahd. abbatissa aus mlat. abbatissa f. 

abtakeln, v.: die gehörigen Taue, Segel, 
Blöcke, Rahen etc. vom Schiffe abnehmen 
(nach ndl. aftakelen bei Stieler 1691); (bild- 
lich) seiner Stellung entkleiden. 

Abtrag, m. {-es, PI. Abträge): was als 
übrig geblieben wovon hinweggetragen wird; 
Beeinträchtigung, Schmälerung; Beseitigung 
einer Verpflichtung durch Erfüllung, Ersatz, 
Genugtuung. Spätmhd. abctrac in der 2. und 
3. Bed. Von abtragen, v.: wovon hinweg- 
tragen, mhd. abetragen: durch Ansichtragen 
abnutzen; etwas durch Wegtragen davon 
gleichmachen; durch Leistung einer Obliegen- 
heit genugtun (spätmhd. abetrage)i). 

abtreten, v.: l) intrans. beiseite gehen, 
mhd. abetreten; weggehen; {von einem a.) 
abfallen (bei Luther, mhd. mit Dativ); vom 
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



Pferde niedersteigend einkehren. 2) trans. 
durch Treten beseitigen, abnutzen oder wo- 
von trennen; {einem etwas a.) überlassen (mhd. 
eines dinges abetreten). 

Abtritt, m. (-es, PI. -e): das Weggehen 
wovon nach ausdmcklicher Erklärung (fi-üh- 
nhd.); Hinscheiden durch den Tod; einstwei- 
liges Weggehen wovon zur Seite; geheimer 
Ort zur Verrichtung natürlicher Bedürfnisse 
(schon beiKrämer 1678) : dasXiedersteigen vom 
Pferde zur Einkehr; Vorrichtung daß etwas 
tiefer aufgetreten wei'den muß ; Getrenntsein, 
bedeutsamer Unterschied (Haller Ged, 122). 

abtröseln, v. : faserartig abwinden (Thüm- 
mel Reise 4, 300). S. auftröseln. 

abtrumpfen, v.: mit Überlegenheit zu- 
rückweisen, eig. beim Kartenspiel eine Karte 
nait Trumpf stechen; {einem etivas a.) mit 
Gewaltsamkeit entziehen. Erst in der neuern 
Sprache. Vgl. auftrumpfen. 

abtrünnig, adj.: sich von einer Verbin- 
dung lossagend. Mhd. abetrünnec, ahd. aba- 
trunnig, mit mhd. trünne f. «abgesonderter 
Haufe, Schar» zu einem verlorenen starken V, 
trinnan, wovon auch trennen (s. d,), vgl. ent- 
rinnen. 

abwägen, s. abwiegen. 

abwamsen, v. : ein tüchtige Tracht Schläge 
geben, eig. das Wams (s. d.) vollschlagen. 
Bei Campe 1807. 

abwandeln, V.: verändern; abbüßen (nach 
der altern Rechtssprache bei Wieland, zu mhd. 
icandel «Buße, Strafgeld»); (in der Grammatik) 
flektieren. In dieser Bed. zuerst von Schottel 
(für deklinieren) gebraucht. ABL. Abwand- 
lung, f , 1748 bei Gottsched füi- Konjugation, 
1672 bei Pudor (^DerTeutschen Sprache Gx'und- 
richtigkeit) für Deklination. 

abwärts, adv. : nach unten geiüchtet ; zur 
Seite. Spätmhd. abiverts. 

Abweg, ni. {-es, PI. -e) : vom rechten ab- 
führender Weg. jSIhd. abetoec m. 

Abwehr, f.: Fernhaltung durch Vertei- 
digung. Jung, noch nicht bei Adelung 1793 
(gebraucht von Voß 2, 255); von abwehren. 

abwendig, adj.: sich abwendend, abfal- 
lend (nur noch in a. machen). Frühnhd. 
(Diefenbach gloss. 60^). 

abwerfen, v. : nieder- oder zur Seite wer- 
fen, mhd. abewei'fen; Ertrag bringen, eig. wohl 
von dem Früchte tragenden und herabwer- 
fenden Baum (Weise Erzn. 52). 

Abwesen, n. {-s) -. das Nichtdasein. Spät- 
mhd. abeu'esen, eig. subst. Inf. zu abetvesen 

2 



19 



abwiegen 



Acht 



20 



«fehlen, mangeln», ahd. abaicesan. — abwe- 
send, Part. Praes. zu diesem Verbum. ABL. 
Abwesenheit (für Ahu-esendheit), f.: wie 
Älmesen. Zuerst bei Hulsius 1596. 

abwiegen, v.: die Schwere wovon prüfen 
und bestimmen. Jüngere Bildung (Stieler 
1691) neben abicägen, mhd. ahewegen, bei 
Luther Sir. 42, 7 abivegen. 

abzirkeln, v.: genau abmessen, eig. mit 
dem Zirkel. Bei Luther. 

Abzucht, f. (PI. -en): Ableitung für un- 
reine Wasser (1562 bei Mathesius Sar. 211a). 
Auch Abzug m. (-es, PI. Abzüge). Durch 
Umdeutschung (Anlehnung an abziehen) aus 
lat. aquaeductus m. «Wasserleitung» hervor- 
gegangen, vgl. Anäauche. 

abzwacken, v.: kleinlich entziehen. Mhd. 
abezwacken, auch bei Luther. S. zivacken. 

Acc-, s. Akk- u. Akz-. 

ach! Äußerung der Schmerzempfindung, 
Anstrengung, Rührung, seltener der Freude. 
Mhd. ach, ahd. ah: nach Grienberger Unter- 
such, z. got. Wortkonde 17 mit got. ak «aber» 
zu verblöden. Vgl. aber auch lat., ital., span., 
portug. a/t. Substantiviert: Ach n., wie schon 
mhd. Redensart: mit Ach und Krach, d.i. mit 
Stöhnen aus gi'oßer Anstrengung, mit genauer 
Not, kaum. 

-ach, s. -a. 

Achat, m. (-es, PI. -f) : ein Halbedelstein. 
Mhd. achat oder achates. Aus dem gleichbed. 
gr.-lat. achates, gr. dxdxric m., von dem Fluß 
Achates in Sizilien benannt, an dessen Ufern 
dieser Stein nach Plinius bist. nat. 37, 54 zu- 
erst gefunden wurde. 

Achel, f. (PI. -n): Ähi-enstachel (Voß 2, 
255); abgefallener Ähren stachelsphtter; Sten- 
gelsplitter bearbeiteten Flachses oder Hanfes. 
Aus dem Ndd., wo aggel mit (spirantischem 
g) gesprochen wird. Adelmig verzeichnet 
Achel als ndrsächs, neben dem hd. Agel, das 
friihnhd. (z. B. 1537 bei Dasypodius agel oder 
egel «festuca») erscheint, auch noch bei Schu- 
bart 2, 211 die Ageln (in der 3. Bed. von Achel). 
Dazu ahd. ahil f. «Ähre», vgl. auch ags. egle PI. 
«Ährenspitzen», engl. a?7 «Granne». S.Akne 
und Ähre. 

acheln, v.: essen. Li der Juden- und 
Gaunersprache. Aus hebr. äkhäl «essen». Schon 
bei Fischart (Pract. Großm. 50), als rotwelsch 
1510 im Liber Vagatorum (Kluge 53). 

Achse, f. (PI. -n) : Stange, dann Linie, um 
die sich etwas im Kreise bewegt. Mhd.ahse, 
ahd. ahsa f. ; dazu ndl. as, ags. eax f. und mit 



Weiterableitung anord. öxidl, schwed. dän. 
axel m. «Achse». Urverwandt mit lat. axis m,, 
gr. äSuuv m., abg. osi f., lit. asls f., prenß. 
assis, kymr. echel, aind. ciksas m. «Achse». Ob 
das Wort weiter auf die Wurzel ag (in lat. 
agere, gr. äyeiv «bewegen», anord. afca «fahren, 
führen») zumckgeht, ist unsicher. 

Achsel, f. (PI. -n) : der Körperteil, der die 
bewegliche Verbindung des Armes mit dem 
Rumpf ausmacht. Mhd. ahsel, ahd. ahsala f.; 
dazu asächs. ahsla, ags. eaxl, anord. öxl, schwed. 
dän. axel f. «Achsel», abgeleitet von Achse. Lat. 
axilla «Achselhöhle» (auch äla «Flügel» aus 
*axla) ist urverwandt. Aus dem Germ, gehört 
noch (mit Ablaut) ahd. nohsana, mhd. uohse, 
üehse f., Schweiz, uechs «Achselhöhle» (dazu 
ndl. oksel m, «Achsel») hierher. Redensarten: 
über die A. ansehen, d. i. geringschätzig, stolz 
oder mit Hohn; auf beiden Achseln tragen 
«sich zweideutig benehmen, um es mit keinem 
zu verderben»; die Achseln zucken «unent- 
schlossen sein». ZUS. Achselbein, n. : Schul- 
terknochen, mhd. ahselbein, ahd. ahsalbein n. 

acht, Zahlwort. Aus mhd. o/«fe, ahd. a/«to; 
dazu asächs. ahto, ndl. acht^ afries. achta, ags. 
eahta, engl, eight, anord. ätta, schwed. ätta, 
dän. otte. Urverwandt mit lat. octo, gr. oktüj, 
altir. ochtn, ht. astuoni, abulg. osmt, arm. uth, 
aind. astau (ein alter Dual). Substantivisch: 
Acht f. "(1556 bei Frisius 913^ eyn achte). — 
ABL. achte, Ordnungszahl. Mhd. ahte, 
früher ahtocle, ahd. ahtodo; dazu asächs. ahtodo, 
ndl. achtsfe, afries. achtunda, ags. eahtoda, 
anord. ätti, schwed. ättonde, dän. ottende: 1540 
bei AlbenisDict.rr 1^ der achtest. — Achter, 
m.: die Zahl 8, Münze von 8 guten Groschen, 
von 8 Pfennigen, bei Stieler 1691. ZUS. 
Achtel, n. (-S, PI. wie Sg.), geschwächt aus 
Achtteil: der achte Teil; ein aus 8 Teilen 
bestehendes Trockenmaß, mhd. ahtteil, ahtel. 
achtzig, s. -zig. 

•^Acht, f.: Richtung des Geistes worauf; 
Aufmerksamkeit, Füi-sorge. Mhd. aht, ahte, 
ahd. ahta f.; dazu ags. eaht f.; got. anord, 
nicht vorhanden, doch erscheint hier die Ab- 
leitung cefla (aus *ahtilön) «meinen». Die 
gleiche Wurzel (Grundbed. wohl «sinnen»), 
zeigen got. aha m. «Verstand», rt/y'a» «meinen» 
(zu gr. öcco|uai «im Geiste sehen»), ahnia m. 
«Geist». Die Verwandtschaft der germ. Worte 
mit lat. oculus, gi". öiruuTra, wird von Uhlen- 
beck, Btr. 17, 115 bestritten, aber sein eigener 
Vergleich der Worte nüt gr. ökv^u) «zaudern» 
ist kaum richtig. — achten, v.: den Geist 



I 



21 



Acht 



Adel 



22 



worauf richten; eine daraus hei*vorgehende 
Meinung wovon haben; in seiner Meinung 
höher oder tiefer stellen (ohne Adv. = hoch- 
achten erst bei Adelung 1774); Aufmerksam- 
keit und Fürsorge schenken. Mhd. ahten, ahd. 
dlltön; dazu ndl. achten, ags. eahtian. ABL. 
achtbar, adj. und adv.: höhere Meinung ver- 
dienend, mhd. ahtbmre. — achtlos, adj. und 
adv.: ohne Aufmerksamkeit, bei Stieler 1691. 
— achtsam, adj. und adv.: Aufmerksam- 
keit und Fürsorge zeigeiad, mhd. nur in iin- 
ahtsam. — Achtung, f.: Wendung der Auf- 
merksamkeit und Fürsorge worauf; aner- 
kennende Memung wofür, spätmhd. ahhmge, 
ahd. ahtunga f. 

"Acht, f. : Ausschließung vom Rechtsschutz. 
Mit Kürzung des Vokals (doch Aacht noch 
Oelinger S. 34) aus mhd. ähte, ahd. dhta f. 
«Verfolgung» : dazu ags. öht. Als germ. Gnind- 
form ist *cmlitö anzusehen, die kaum zu eng 
(s. d.), also eig. «Bedrängung», eher zu gr. 
ävÖTKri, altir. ecen «Zwang», kymr. angen 
«Notwendigkeit, Zwang», lat. necäre «töten», 
nocere «schädigen» usw. (vgl. Walde s.v. neco) 
gehört.. ABL. ächten, v. : außer Recht und 
Heimat setzen: der Verfolgung preisgeben. 
Mhd. cehten, ahd. ähten «verfolgen»; dazuasächs. 
ähtian, ags. ehtan «verfolgen». — Achter, m. 
(-S, PI. wie Sg.l: der in der Acht steht (üh- 
land Ernst von Schwaben 2, 1 ). Mhd. cehtcere, 
aber auch in der Bed. «Verfolger», ahd. ähtäri 
«Verfolger». 

Achterdeck, n. {-s, PI. -e|: Hinterdeck 
des Schiffes. In der niederd. Seemannssprache ; 
achter ist ndd. Form für after (s. d.). 

achtsam, Achtung, s. ^Acht 

ächzen, v.: ach schreien; tief aus der 
Brust gepreßte Schmerzenslaute ausstoßen. 
Mhd. ächzen, echzen. Von ach. 

Acker, m.[-s, Vl.Äcke^-}: Pflugland; einem 
Eigentümer angehöriges abgegi'enztes Stück 
Pflugland; ein gewisses Landmaß. 'Mhd. acker, 
ahd. acchar, ackar m.; dazu asächs. accar,\ 
ndl. akker, ags. cecer, engl, acre, anord. akr, 
schwed. äker, dän.ager m. «Acker». Es stimmt 
der Lautverschiebung gemäß mit den gleich- 
bed. lat. ager, gr. dfpöc m. und skr. djras 
«Flur, Ebene» und wird gewöhnlich zu der 
Wurzel gestellt, die sich in lat. ago, gr. afü), 
ai. äjämi «treibe, tue», anord. aka «fahren», 
zeigt, unter Annahme einer Entwicklung, wie 
in Trift zu treiben. Doch ist dies durchaus 
unsicher. Vgl. Hirt Idg. Forsch. Anz. 13, 9 f. 
ABL. ackern, v. : mittelst des Pfluges Land 



bauen, spätmhd. ackern (dafür früher ern^ 
s. Ernte). ZUS. Ackerbau, m., frühnhd. 
(bei Luther ). — Ackermann, m., mhd. acker- 
man, ahd. accharman, ags. mcermon. Dazu das 
Dim. Ackermännchen n., in vielen Gegen- 
den Benennung der Bachstelze, weil sie sich 
imFiühling ihrer Nahrung wegen beim Pflügen 
i Ackern) regelmäßig einfindet. 1517 bei Tro- 
chus H 4^ ackermenchen. 

Ackermennig, s. Odermennig. 

Acker würz, f.: der Kalmus, dessen Wurzel 
als Gewürz und Heilmittel dient. IMhd. acker- 
ivurz. Acker- geht hier auf den gr.-lat. Namen 
dieser Pflanze zurück: acorus, gr. oKopoc f. 

Adam, Eigenname, hebr. adam «Mensch», 
Redensart: der alte A. d.i.: der alte sündige 
Mensch, die angeborne sündhafte Natur (häufig 
bei Luther). ZUS. Adamsapfel, m.: der 
vorstehende Teil der Luftröhre (bei Jablonski 
1721). Früher dafür Adamshiß; nach einem 
verbreiteten Volksglauben ist Adam beim Ge- 
nuß des verbotenen Apfels im Paradies ein 
Stück davon (meist wird an den Apfelbutzen 
gedacht) im Halse stecken geblieben. 

addieren, v. : zusammenzählen. Von lat. 
addere (aus ad «zu» und dare «geben» ge- 
bildet) «hinzutun». Schon 1514 bei Böschen- 
steyn A 3^^. 

ade, Interj.: lebe wohl! Substantiviert: 
Ade n.: das Lebewohl. Mhd. ade, verkürzt 
aus franz. adieu (eig. ä dieu «zu Gott! Gott 
befohlen»!). Diese franz. Form selbst wui-de 
wieder seit 1600 üblich (volkstümlich in adjes 
entstellt), während ade der poetischen Sprache 
verblieb. 

Adebar, Adebär (Claudius 3, 66;, m. 
(-n, PI. -en): in Niederdeutschland verbreitete 
(fiüher allgemeinere) Benennung des Storches. 
Aus mhd. odehar, odeher, ahd. odohero, dazu 
mnd. odevare, ndl. ooievaar m. Gewöhnlich 
als Glückbringer (od «Glück», s. Allod, hero 
«Träger, Bringer», s. gebären) erklärt. 

Adel, m. (-S, ohne PI.): Geschlechts- und 
Standesvorzug; Gesamtheit der so Bevorzug- 
ten: Erhabenheit über das Gemeine als sitt- 
licher Vorzug. Aus mhd. adel n., seltener m., 
ahd, adal n. «Geschlecht, von dem man her- 
stammt, besonders ausgezeichnetes»; dazu 
asächs. aäali n. «Geschlecht, Gesamtheit der 
Edeln», ndl. adel m., ags. ceäelu n. PI. «natür- 
hche Anlage, vornehme Geburt», anord. aäal n, 
«natürliche Beschaffenheit, natürhche Anlage». 
Grundbed. «Geschlecht» als Vorzug der im 
Stande höher Stehenden. Dazu noch (mit Ab- 

2* 



23 



Adept 



adoptieren 



24 



laut) ahd. uodil nodal, asächs. ödü, ags. edel, 
anord. ödal n., «Erbgut, Heimat». ABL. 
adlig (eigentlich adlich zu schreiben, vgl. 
hülig), adj., mhd. adeUich, ahd. adallih. adeln, 
V.: in den Adelstand erheben; über das Ge- 
meineerheben. Bei Dasypodius 1537, während 
mhd. dafür edehi erscheint. Mit Adel- zus.- 
gesetzt sind viele Eigennamen: Adall)ert, ge- 
kürzt Albert, Albrecht, ahd. Adalbert, ur- 
sprünghch Adalperaht (ahd. peraht, «glän- 
zend»); Alfons, ahd. Adalfims (urspiüng- 
lich wohl Hadnfuns, ahd. liadu, «Kampf», 
funs «bereit», vgl. H. Kern ZfdW. 9, If.); 
Adelheid , ahd. Adalheit, franz. Adelaide 
(ahd. heit «Gestalt», s. heit); Adele, franz. 
Adele, geht zurück auf ahd. Adala «die aus- 
gezeichneten Geschlechtes ist»; abgeleitet ist 
der Familienname Adelung, ahd. Adahinc. 
S. edel. 

Adept, m. (-en, PI. -en): der in die ge- 
heime Kunst des Gohlmachens, der Bereitung 
des Lebenswassers usw. Eingeweihte. Von 
lat. adeptus «wer etwas erlangt hab>, Part. Perf. 
von adipisci «erlangen». Bei Sperander noch 
in lat. Form adepti (PI.). 

Ader, f. (PI. -n): den tierischen KöqDer 
durchziehender Gang, Sehne, Blutgang; sonst 
innerer Gang, z. B. des Erzes, im Holze; be- 
sondere Begabung wofür, z. B. dichterisclie A. 
(die Adern galten fiüher als Organe des Seelen- 
und Gemütslebens). ^Ihd. äder, ahd. ädara 
f.; dazu ndl. ader, aar, ags. ädre, schwed. 
äder, ädra, dän. aare f.; anord. cedr (r ist 
Nominativendung) entbehi-t des ableitenden r. 
Das Wori, das im Got. *ej>ra lauten wüi'de, 
gehört mit gr. rirop n. «Herz», firpov n. «Bauch» 
zusammen, also Grundbed. «Eingeweide» (diese 
Bed. hat das mhd. incedere n. noch). ABL. 
äderig, adj., spätmhd. ce(?enc. — ädern, v.: 
der Adern durch Herauslösen benehmen, mit 
Adeni künstlich versehen, mhd. cedern. ZüS. 
Aderlaß, m., seltener n., (Gen. Aderlasses, 
PI. Aderlässe und -lasse) : Ablassen von Blut 
dui'ch Einschnitt in eine Ader, spätmhd. dder- 
läg f. (?), gewöhnlich dderlce^e f. (wie auch 
einfach Ice^e f., alem. Ice^i); auch nhd. er- 
scheint ein fem. Aderlässe (bei Frisius 270% 
Maaler, Henisch, Frisch, sogar noch bei Schu- 
bai-t 2, 78, Schiller 9, 377 u. andern Schwaben) 
oder Aderlasse, -laß (noch bei Ludwig 1716), 
während Adelung für das Mask. eintritt (nach 
Analogie von Durch-, Einlaß usw.). — Ader- 
SChlag, m.: Schlag der Pulsader (Schiller 
Kab. u. L. 5, 2), mhd. äderslac. 



Adjektiv, n. (-es, PI. -e): aus niat. ad- 
jectivuni «was sich wozu setzen läßt», von 
adjicere «hinzutun». VonHelvicus durch «zu- 
ständiges Nennwort», von Zesen Helikon 1649 
durch «beiständiges Wort», von Schottel durch 
«beiständiges Nennwort», von Gottsched durch 
«Beiwort» verdeutscht; in neuerer Zeit ist 
«Eigenschaftswort» beliebter. 

adj es, s. ade. 

Adjunkt, m. {-en, PI. -en): der beige- 
gebene Amtsgehilfe. Aus lat. adjunctus, Part. 
Perf. Pass. von adjungere «zu-, beifügen». Bei 
Frisch 1741 Adjuncte. 

Adjutant, m. (-en, PI. -en): Hilfsoffizier 
zur Befördening der Befehle. Aus lat. ad- 
jutans, Gen. adjufantis, Part. Praes. von ad- 
jutare «.helien». Schon 1617imteutschenMichel. 
I Adler, m. (-s, PI. wie Sg.): aus mhd. 
adelar, adlar, adler (Gen. adelarn etc.), auch 
adelarn m., wie ndl. adelaar, zusammengesetzt 
aus ahd.öw^aZi «edel» und aro «Aar» (s. d.). Bei 
Luther auch adeler, was sich in der poeti- 
schen Sprache bis ins 18. Jh. erhält (bei Voß). 
Die urspr. schwache Flexion ist schon bei Lu- 
ther der starken gewichen, der Akk. Adlern je- 
doch noch bei Hoffmannswaldau Verm. Ged. 3. 
ZUS. Adlerblick, m. : ausgezeichnet scharfer 
Blick (Gotter 1, 398). — Adlernase, f.: stark 
gebogene Nase (bei Henisch 1616 adler s nas). 

administrieren, v. : ein Amt verwalten. 
Von lat. administrare «hilfreich an die Hand 
gehen, besorgen, verwalten» (von ad und 
niinistrare «bedienen, besorgen»). Li der früh- 
nhd. Kanzleisprache. ABL. Administration, 
f. (Fl.-en): Verwaltung (Ordnungen SO^j. Von 
lat. administratio. Gen. -önis. 
\ Admiral, m. {-s, PI. -e): Flottenführer. 
Aus afi-anz. admiral, das auf arab. 'amir-almä 
«Befehlshaber des Wassers» beruht. Schon 
mhd. findet sich amiral, admirät als Titel des 
morgenländischen Kalifen, um 1500 erfolgte 
Neuentlehnung in der Bed. «Flottenbefehls- 
haber» (1507 bei Wilwolt von Schaumburg 
118 fg. amirall. amerall, bei Fronsperger 
Ki-iegsbuch 1,109^ Admiral). ABL. Admi- 
ralität, f.: die Gesamtheit derer, die die 
Oberaufsicht über das Seewesen haben. Im 
, 17. Jh. 

Adolf, Mannsname, aus einem got. Namen, 
der latinisiert Ataulfus lautet und dessen ulfiis 
got. wulfs «Wolf» (s. d.) ist. 

adoptieren, v. : an Kindesstatt annehmen. 
Von lat. adoptare «annehmen, bes. an Kindes- 
statt» (von ad und optare «sich ausersehen»). 



25 



Adresse 



after 



26 



Fiühnhd. (Franck teutsche Chronik 26^). — 
Adoption, f. (PI. -en) : Annakme an Kindes- 
statt, fiühnhd. (Sallust 4). Von lat. adoptio, 
Gen. -onis. 

Adresse, f. (PI. -n j : Aufschrift auf einem 
Brief; feierhches Schreiben. Aus franz. adresse 
im 17. Jh. entlehnt (Weise pol. Näscher 34), 
in der 2. Bed. zugleich unter Einfluß des engl. 
address «Schreiben des Parlaments an den 
König». — adressieren, v.: wohin zum Emp- 
fang überschreiben. Aus franz. adresser, das 
auf dem mlat. directiare «wohin richten» (von 
directus, s. direkt) beruht. 

Advent, m. {-es, ohne Pl.i: die Zeit vom 
vierten Sonntag vor Weihnachten bis zu diesem 
als dem Feste der Ankunft Christi im Fleische 
d. i. seiner Geburt, iihd. ad.vent, advenfe m. 
von lat. adventus m. «Ankunft». 

Adyerb, n. (s, PI. Adverhien)-. das Be- 
stimmungswort des Verbums und des Adjek- 
tivs. Aus lat. adverhium, das nach ad verlyum 
«zumVerbimi (Zeitwort) gehörig» gebüdetist. 
Von Helvicus durch «Beiwort», von Schott el 
durch «Zuwort», von Gottsched durch «Xeben- 
wort» verdeutscht, in neuerer Zeit dm-ch «Um- 
standswort» (schon 1619 bei Helvicus allgem. 
Sprachkunde 10 üinhstandwort). 

AdTOkat, m. (-ew, PI. -en) -. wer als Eechts- 
gelehrter jemandes Sache vor Gericht zu führen 
hat, der Sachwalter, Anwalt, (schweizerisch) 
Fürsprech. Aus lat. advocatiis m. «"der zur 
Rechtshilfe Herbeigerufene», Part. Praet. Pass. 
von a<ii;oca?"e «herbeirufen». Im 15. Jh. entlehnt 
(Eyb 2, 98, Fastnachtspiele 821, Lüiencron 
2,5.31). ABL. AdTOkatur, f.: das Advo- 
katenamt. Aus nlat. advocatura f. Bei Spe- 
rander 1728. 

äfern, v.: wiederholen. Bei Luther Spr. 
Sal. 17, 9 evern, wobei am Rande «widerholen, 
wider anziehen, wider regen etc.». Mhd. äveren, 
ahd. avarön von avar, s. aber. Noch jetzt bayr. 
Schwab. Schweiz, äfern «wiederholt in Worten 
vorhalten, tadeln», dafür oberhess. äftern. 

afF, s. -a. 

Altäre, f. (PI. -n): Angelegenheit, Sache: 
kriegerisches Treffen. Aus dem gleichbed. 
franz. af faire f., entstanden aus ä faire «zu 
tun». In der 1. Bed. im 17. Jh. entlehnt (Weise 
Cath. 110); in der 2. z. B. bei Lessing (Minna 
V. Barnhelm 1, 12). 

Affe, m. (-n, PI. -n): das Tier; wer etwas 
lächerücherweise nachmacht; eitler, törichter 
Mensch. Mh. äffe, ahd. a/fo m.; dazu ndl. cwp, 
ags. apa, engl, ape, anord. ajji, schwed. apa. 



dän. abe m. Aus dem Germ, stammt slav. opica. 

Zusammenhang mit gr. Krj-rroc, skr. kapis m. 
«Affe» ist sehr unsicher. Vgl. 0. Schrader Real- 
lex. 19. ABL. äffen, v. : zum Toren machen, 
zum besten haben, mhd. effen. Davon Afferei, 
f. (bei Luther). Affin, f. (PI. -nen), mhd. 
äffinne, effinne, effin: ahd. affinna: anord. 
apynja. äffisch, adj., bei Luther 1, 514^ ef- 
fisch. ZUS. Aifenliebe, f.: blinde, verzär- 
telnde Elternliebe (Grimmeishausen Simpl.347). 
Affenspiel, n. : Narrenpossen, mhd. affenspil. 

Affekt, m. (-es, PI. -e): Gemütsbewegung. 
Von lat. affediis m, «Gemütsstimmung, -er- 
regung/> von afficere (s. affizieren). Fmhnhd. 
(15.34 bei Franck Weltbuch a 4^j. ABL. af- 
fektieren, V.: zum Schein annehmen, be- 
sonders auf gezierte Weise, erkünsteln. Aus 
fi-anz. affecter, das auf lat. affedare beruht. 
Im 17. Jh. entlehnt, das Part. Praet. bei 
Günther 429 affediert, während bei Schupp 
2, 183, der lat. Form näher, affedat. 

äffen, Äifiu usw., s. Affe. 

affizieren, v.: angi-eifend erregen, Ein- 
di'uck machend berühren. Aus lat. afficei-e 
(von ad und facere «tun, machen» gebildet) 
«hinzutun, Eindruck machen, in eine gewisse 
Stimmung versetzen». Schon bei Rot 1571 
affidrn. 

Affodill, m. (-S, PI. -e) -. lilienartiges Gar- 
tengewächs mit vielen kleinen Wurzelknollen. 
Spätmhd. affodiUe m. Mit Anlehnung an Affe 
und Dill aus gleichbed. gr.-lat. asphodüus, 
gr. äcqpöbeXoc m. 

Affolter, m. (-5, PI. wie Sg.) : Apfelbaum 
(fast nur noch in Ortsnamen wie Ajfolterhadi 
erhalten). Von mhd. äff alter, ahd. affoltra, 
apholtra (ZfdWf. 2, 210) f.; dazu ags. apulder 
m. und apuldre, cepiddre f., anord. apaldr m., 
schwed. apel (früher apald), dän. ahild. Ab- 
geleitet von Apfel (s. d.); wegen der ange- 
tretenen Ableitung vgl. Hollunder, Maßhol- 
der, Wachholder. 

Afrusch, s. Äbeyraute. 

After, m. (-S, PI. wie Sg.): der Ausgang 
des Mastdarms. Mhd. after (Gen. aftern), 
ahd. aftaro, substant. gebrauchtes M. des ahd. 
Adj. aftaro, mhd. (selten) after «der hintere, 
nachfolgende, andere» von after (s. d.). Vgl. 
Hintere. Die ui'spr. schwache Flexion (noch 
bei Ludwig 1716) ist jetzt ganz der stai-ken 
gewichen. 

after (veraltet), Adv. und Präp. mit Dat., 
seltener Akk. : hinter, nach. Mhd. after, ahd. 
aftar «hinter, nach»; dazu nd. und ndl. achter 



27 



Agel 



ah! 



28 



(s. Ächterdeck), ags. ceßer, engl, after «nach», 
got.aftra «zurück, wiederum». Weiterbildung 
von got. af, s. ah und aber. In Zusammen- 
setzungen nimmt after- gern den Begi-ift' des 
Scheinrechten und Schlechten an; es kommt 
in dieser Bed. des Negativen, Verkehrten schon 
mhd. neben den gleiehbed. Präfixen ah- und 
aber- (s. d.) vor und verdrängt diese im nhd. 
bis auf einzelne Reste. ZUS. Afterbürde 
{b.Mos. 28, bl Äffterhihi) f.: die Xachgebui-t. 
Aftergröße, f. (Schiller 11, 323): Schein- 
größe, falsche Größe. Afterklaue, f. (auch 
Äberklaue): die kleine Hornspitze über dem 
Ballen an den Läufen des Wildes (bei Duez 
1664). Afterkönigill, f. (vgl. Afterkönig 
bei Nieremberger 1753): unrechtmäßige und 
Scheinkönigin (Schiller Maria Stuart 1, 6). 
Afterlehen, n. (bei Henisch 1616): das von 
einem Lehnsträger an einen Dritten vergebene 
Lehen. Aftermiete, f. (erst bei Campe 1807) : 
Vermietung durch den zur Miete Wohnenden 
an einen Dritten. Aftermontag, m.; (im 
östl. Schwaben) der Tag nach dem Montag, 
der Dienstag, mhd. aftermäntac. afterredeil, 
V. (vgl. mhd. afterrede f.): verleumderisch 
nachreden (bei Luther). Aftersal)bath, m. 
(Luk. 6, 1) : der Tag nach dem Sabbath. After- 
TVeise, m. (bei Aventin afterweis): Schein- 
weiser. Afterwelt, f. : Nachwelt (Hoffmamis- 
waldau Heldenbr. .51). 

Agel, s. Acliel.- 

Agende, f. (PI. -n): Formularbuch für 
das, was der Geistliche bei seinen Amtshand- 
lungen vorschriftsmäßig zu reden hat. Aus 
lat. agenda, eig. «die vorzunehmenden Hand- 
lungen», N. PI, von dem Part. Fut. Pass. von 
agere «tun». In den Kii'chenordnungen von 
1582 agend. 

Agent, m. (-en, PI. -en) : Geschäftsbesorger. 
Aus dem gleiehbed. ita\. agente, franz. agentva.., 
das auf lat. agens. Gen. agentis «tuend, aus- 
führend», Part. Praes. von agere «tun, aus- 
führen» beruht. 1586 bei Fischaxt Bodinus 336. 
ABL. Agentur, f. (PI. -en): die Geschäfts- 
besorgung als Gewerbe. Aus einem nlat. 
agentvra. 

Ägide, f.: kräftiger Schutz. Eig. der (mit 
einem Ziegenfell überzogene? oder aus Eichen- 
holz bestehende) schreckende SchUd des Zeus. 
Nach fi-anz.e'gfiJef.aus gr. lat. «e^/s, Gen.aegidis, 
gr. ai-fic, Gen. aiYiboc. Junge Entlehnung. 

agieren, v. : handeln, wh-ken; mit Ab- 
sicht sich benehmen als — . Aus lat. agere 
(s. Agent). Schon bei Bot 1571 agirn. 



Agio, n. (spr. äschjo): das Aufgeld beim 
Umtausche von Münzsorten oder Wechsel- 
briefen gegen bares Geld. Aus piemontesisch 
agio, ital. aggio m. eig. «Gemächlichkeit, gute 
Gelegenheit», dann «Erkenntlichkeit», die man 
dem Wechsler für den Umtausch gibt. Bei 
Nehring 1694 mit den Nebenformen lagio (mit 
dem Artikel l'), lazo, von denen die letzte 
schon van. die Mitte des 17. Jh. vorkommt, 
bei Krämer 1678 Lasch i. 

agitieren, v.: en-egend auf die Menge 
einwirken, bes. in politischer Absicht. Aus 
franz. agifer «eiTegen, (politisch) aufwiegeln», 
entlehnt aus \at.agitare, «in Bewegung setzen», 
abgeleitet von agere (s. Agent). Erst in der 
neuern Sprache. ABL. Agitator, m. (-s, 
PI. -en). Mit der lat. Endung -ator nach fi-anz. 
agitateur m. 

Aglei, f.: eine glockenblumenartig blühende 
Gartenzierpflanze. Mhd. agleie, ageleie, ahd. 
agaleia, agleia f., aus ital. aquilegia d. i. die 
wassei'ziehende (?). S. Akelei. 

Agnat, m. (-en, PI. -en) : Blutsvei-wandter 
von väterlicher Seite. Aus dem gleiehbed. 
lat. agnatus m. d. i. ad-gnatus. In der früh- 
nhd. Rechtssprache (Liliencron 2, 531). !Mhd. 
sagte man sicertmäc. 

Agnes, Fraueimame. Aus mlat. Agnes, dem 
Namen einer um 300 zu Rom enthaupteten 
jungfräulichen Heiligen, frtiher von lat. ag- 
nus m., agna f. «Lamm» abgeleitet, vielleicht 
zu gr. äfvii, Fem. des Adj. öiyvöc, ötvöc «rein, 
keusch, heilig». 

Agralfe, f. (PI. -n): die Hakenspange; 
Hutschleife. Aus dem gleiehbed. franz. agraffe, 
agrafef. von a^ra/er «zuhäkeln», gebildet aus 
ad und einem v. *grafer aus ahd. kräphön von 
krdplw «Haken», s. Krapfen. Im 17. Jh. ent- 
lehnt (1710 bei Nehring). 

Agrarier, (-.s-, PI. wie Sg.): Mitglied einer 
auf Begünstigung der Landwirtschaft ab- 
zielenden Partei. Neues seit 1874 aufkom- 
mendes Wort von lat. agrarius adj. «zum 
Acker (ciger) gehörig». 

Agtstein, m. {-s, PI. -e): Bernstein. Aus 
mhd. agestein. agetstein «Bernstein, Magnet»; 
aget- geht wohl auf rom. (ital. span.) agata f. 
«Achat» zuiiick, da Achat, Bernstein, Magnet 
hinsichtlich der großem oder geringem An- 
ziehungskraft venvechselt wm'den. Bei Agri- 
cola de re metalhca 1546 gagates, schwartzer 
agatstein oder aidstein. 

. ah! Ausmf des Staunens und Wohlge- 
I fallens. Mhd. a. Vgl. franz. ital. span. ah. 



29 



äh 



ähuelu 



30 



äh! Interj., s. ä. 

aha! Ausruf der Üben'aschung, mhd. aha. 
Das an a (hier kurz) angehängte ha ist wohl 
Ausdruck des Lachens. 

ahl! Ausruf der lebhaften Freude und 
der freudevollen YerwTinderung. Dichterisch 
(bei Goethe, Bürger, Hölty). Mhd. ahi, Aus- 
ruf des Schmerzes, des Vei-langens, der Ver- 
wunderung. Aus fi'anz. ital. ahi. 

Ahle, f. (PI. -n): an ein Heft befestigter 
stählerner Stachel zum Vorstechen bei Leder- 
arbeit. Aus mhd. ale, ahd. äla f.; dazu ndl. 
aal, ags, ml f. (daneben äicel, engl, awl), anord. 
alr m. «Ahle». Eine "Weiterbildung zeigt ahd. 
alansa (daher Schweiz.- schwäb. Alse), vgl. 
franz. alene aus alesne und ndl. eis f. «Ahle». 
Verglichen wird aind. ärä f. «Pfiiem, Ahle», 
lit. ila, preuß. ylo, lett. tletis «Ahle». Vgl. 
noch Liden Idg. Forsch. 18, 492. Die Schrei- 
bung AJil "bei Gueintz 1645, sonst im 17. Jh. 
auch oft Aal; AJiIe erst bei Xieremberger 17-53. 
Neben dem F. auch ein M. AJil (noch bei 
Heynatz 1775 imd Adelung, daneben nochX.). 

Ahm, f., s. Ohm. 

ahmen, s. nachahmen. 

Ahn, Ahne, m. (-n, PI. -n): (veraltet) 
Großvater; Vorvater eines Geschlechts (1626 
bei Zinkgref Apophth. 1, 339). Ahne, f.: 
Großmutter, Vormutter eines Geschlechts. 
Der PI. AJmen : Voreltern. Mhd. an, ane, ahd. 
ayio m. «Großvater»: mhd. ane, ahd-. ana f. 
«Großmutter». Nicht in den andern germ. 
Sprachen, vgl. Enkel. Verwandt ist lat. 
anns «alte Frau», apreuß. rt«e«Altmutter/>, lit. 
a«i^a «Schwiegermutter», arm. han «avia», gr. 
dvvic «Schwester des Vaters oder der Mutter» 
Hesych. Die urspr. schwache Flexion des M. 
weicht jetzt im Sg. z. T. der starken (Gen. 
Alins, Platen 2, 246 : Dat. Ahn Schiller Teil 2, 2, 
LTiland 254; Akk. Ahn Goethe 2, 249, Heine 
1, 33). Davon abgel. das Schweiz. Dim, Ähni 
{Ehni Schiller Teil 3,1, schon 1384 eni, 1448 
äny «Großvater», 1541 bei Frisius 697 der äne, 
des großvatters vatter). ZUS. Ahnherr, 
mhd. anherre m. « Großvater, Voi^ater ». Ahn- 
fran, mhd. anvrouwe f. «Großmutter, Vor- 
mutter». Dafür bei Voß Luise 3, 1, 636 Ahnin f. 

^ahnden, v.: (veraltet) seinen Unmut über 
ein zugefügtes tJbel äußern, rügen; rächend 
bestrafen. Mhd, anden, ahd. andön, anadön 
«strafen, rügen», mnd. anden auch «andeuten»: 
dazu ags. andian «zornig sein». Abgeleitet von 
mhd. a« de m. «erbitternde Kränkung», ahd. ando, 
anado m. «heftige Erbitterung, Aufwallung über 



Kränkung, Eifer»; asächs. ando m. «Aufgeregt- 
heit, Zorn ;, ags.anda m. «Haß, Arger, Eifei*», alle 
zurückgehend auf got. anan «hauchen, atmen» 
in usanan «sterben» vgl. anord. a«*^^' m., öndi. 
«Atem, Geist» (verwandt mit lat. animus 
«Geist», anima f. «Seele», gr. aveuoc m. «Wind»). 
Doch vgl. Brugmann Ber. d. sächs. Ges. d. W. 
1897, 30, der gr. vöcoc «Krankheit» mit dem germ. 
Wort verbindet, auch lat. nota, noiäre «kenn- 
zeichnen, tadeln, rügen ^. läßt sich vergleichen. 
Das Wort lautet ältemhd. meist anden (so 
noch Frisch 1741, wähi-end Xieremberger 1753 
ahnden hat) vmd entstammt dem Obd., wo 
es auch noch in der altem Bed. «sich über 
etwas beklagen»(Schönsleder 1618), «seinenUn- 
mut über etwas äußern» (Dentzler 1709) vor- 
kommt (vgl. auch das in md. und obd. Mund- 
arten verbreitete es ist mir and «es ist krän- 
kend für mich, tut mir leid», in Leipzig es tut 
mir ände): in der 2. Bed. ist es aus der Kanz- 
leisprache in die Schiiftsprache übergegangen 
(z. B. bei Moscherosch Phil. 2, 917j. ABL. 
Ahndung, f.: (veraltet) Äußerung des Un- 
muts, Zorn: Bestrafung. Frühnhd. (bei Franck 
Chron. 176^). 

-ahnden, v.: wie ahnen (s. d.). Dazu 
ahndeTOll, adj.undadv.: voll einer dunklen 
Vorempfindung wovon (Goethe 2, 65 u. ö.). 

^Ahne, f.: Groß-, Vormutter, s. Ahn. 

-Ahne, f. (PI -n)-. StengelspHtter von 
Flachs oder Hanf: StachelspHtter vom Barte 
des Getreides. Zusammengezogen (bei Alberus 
Dict. Qq l'' und tt 1^ unrichtig aus der 
wetterauischen Mundart verhochdeutscht aun 
statt an) aus mhd. agene. agen, md. auch 
äne, aine, ahd, agana f. «Spreu»; dazu ags. 
egenu, anord. ögn «Spreu», schwed. agn f, 
«Granne», dän. avne «Spreu», engl, (entlehnt) 
aicn «Abfall von Ährenspitzen», got. ahana f. 
«Spreu». Aus der gleichen Wurzel yde Agel 
oder J.cÄeZ(s.d.)und.4Äre(s.d.). Verwandt sind 
lat. agna f. aus *acna «Ährenstachel», gr. a.-%yr\ 
f. «Spreu», preuss. ackons «Granne» und mit 
andrer Ableitung auch lit. aknotas «Granne». 
Ahne ist erst neuerdings schriftsprachlich; 
Stieler 1691 setzt Agen (daneben Aunen) an, 
Adelung Age f. und bezeichnet AJine als 
mundartlich. 

ähneln, v. : nur etwas ähnlich sein: einiger- 
maßen ähnlich machen (Goethe Faust 5079). 
Zuerst 1652 bei W. Scherffer Ged. 197, 1775 
bei Heynatz als ein Wort aus dem gemeinen 
Leben angeführt, im altem Nhd. dafiü' ähn- 
lichen. 



31 



ahnen 



Akkord 



32 



ahnen, v.: dunkel vorempfinden. Auch 
unpersönlich mit Dat. oder Akk. (oft bei 
Klopstock) verbunden. Mhd, (in md. Quellen) 
mir anet und mich anet, daneben auch andet, 
aus dem aber anet nicht hei-vorgegangen sein 
kann, vielmehr Ableitung von der Pi-aep. ane 
also eig. «es kommt mich etwas an»; später 
mit anden (s. ahnden) vermischt. Im 16. Jh. bei 
Luther mir (mich) ahnt, bei Alberus Dict. V 2^ 
es anet mir, daneben wird anden (Formen 
wie ant, andt als 3. Sing, sind zweifelhaft) 
auch in der Bed. «vorempfinden» gebraucht, 
z. B. bei Hans Sachs. Im 17. Jh. tritt ahnen 
ganz hinter ahnden zurtick (in der Bed. «dunkel 
vorempfinden» bei Duez, Krämer; Stieler hat 
ahnen und anden). Im 18. Jh. stehen lange 
ahnen und ahnden nebeneinander, Heynatz 1775 
im Handbuch und noch 1796 im Antibarbarus 
zieht ahnden vor, Adelung verwirft noch 1793 
ahnen (in ndd. Dialektwörterbüchern mehr- 
fach verzeichnet) als niedersächsisch, während 
Campe 1807 in der jetzt üblichen Weise 
zwischen ahnen und ahnden unterscheidet. 
Goethe gebraucht ahnden (s. ahndevoll), doch 
in der Ausgabe letzter Hand meist ahnen. 
Aus dem Deutschen schwed. ana, dän. ane. 
ABL. Ahnung, f., bei Stieler 1691. 

ähnlich, adj. und adv.: der Überein- 
stimmung annähernd. Aus mhd. änelich, 
anelich, ahd. analih, gew. anagüih, abgeleitet 
von ana «an»; dazu got. analeikö adv. «ähn- 
lich». Mit diesem Adj. (bei Luther enlich, 
bei Frisius 129^, Maaler 12^ änlich, bei 
Dasypodius 296 Äenlichheijt) scheint ein md. 
einlich (z. B. voc. praed. x 8^ einlich vel 
glich machen «similare», einlicher Waldis 2, 
22, 6, eynligkeyt Alberus Dict. o 2^^) ver- 
mischt zu sein, abgeleitet von oder angelehnt 
an ein. Vergl. Z. f. hd. Ma. 1, 299, ZfdW. 6, 
100, ABL. ähnlichen, v.: ähnlich sein oder 
werden, mhd. anelichen. 

Ahorn, m. {-es, PI. -e): Platane. Mhd. 
ahd. ahorn (die Quantität des a ist unsicher) 
m., eigentlich ein Stoffadjektiv, vgl. Osthoff 
Parerga 188. Verwandt mit lat. acern. «Ahorn», 
gr. cxKacToc- y] c(p^vbaf.ivoc («Rüster, Ahorn») 
Hesych. ABL. ahornen, adj., mhd. ahornin. 
ZUS. Ahornbaum, m.: spätmhd. ahorn- 
houni, früher ahornenhoum. 

Ähre, f. (PI. -n): der oberste Blüte- und 
Fruchtteil der Gras- und Getreidearten. Aus 
dem PI. von mhd. äher, eher, ahd. ehir, ahir n. 
«Ähre»; dazu ndl. aar, ags. ear und cehher, 
engl, ear, ferner mit erhaltenem s der Ab- 



leitung, das sonst in r übergegangen ist, 
anord. schwed. dän. ax, got. ahs n. «Ähre». 
Verwandt ist lat. acus f.. Gen. aceris «Ge- 
treidestachel», lit. aküotas m. «Granne», und da 
als Grundbed. der Wurzel der Begiiff des 
Spitzigen anzusehen ist, auch lat. acies f. 
«Schärfe», acuere «schärfen», gr. ölkvjv m. 
«Wurfspieß» usw., s. Walde s. v. acus, vgl. 
Ecke. S. auch Achel und Ahne. Bei Luther 
ist das Wort schon Fem. (die Ehr, Eher), 
ebenso bei Henisch (die Ar, Ähr) und Gueintz 
(die Ähre), während z. B. Dasj^podius noch 
das N. (Äher) hat. 

Aiche, aichen, s. Eiche. 

Akademie, f.: Hochschule, Gelehrten-, 
Künstlervereinigung. Aus gr.-lat. Academia, 
gr. ÄKabriiLiia f., der angeblich nach einem 
Heros Akademos benannte, zu Leibesübungen 
bestimmte Platz zu Athen, auf dem Plato 
lehrte; dann die von Plato gestiftete Schule. 
Im 16. Jh. entlehnt (Mathesius Luther 70 
Academie). ABL. akademisch, adj., 1586 
bei Fischart Bodinus 39, nach lat. academicus, 
gr. dKabrmiKÖc. 

Akazie, f.: der Schotendorn. Aus gr.-lat. 
acacia, gr. dKOKia f. 

Akelei, f.: wie Aglei (s. d.). Spätmhd. 
ackeley, ahd. ackeleia und acoleia (Stein- 
meyer-Sievers ahd. Glossen 3, 402, 53), dazu 
mnd. acoleie, nid. akelei. Aus spätlat. aculegia 
stait aquilegia. 

Akklamation, f. (Pl.-en): Beistimmung 
durch Zuruf. Aus lat. acclamatio. Gen. accla- 
mationis f. «Zuruf», von acclamare (d. i. ad- 
claniare) «zurufen». Bei Sperander 1728. 

akkomodieren, v. : anbequemen. Aus lat. 
accomodare (d. i. ad-comodare) «anbequemen». 
Schon bei Rot 1571 acconiodirn. 

akkompagnieren, v.: in der Musik mit- 
spielend begleiten. Aus franz. accompagner 
«begleiten», s. Kompagnie. Um 1600 entlehnt 
(Albei'tinus Kriegsleut Weckuhr 48^). 

Akkord, m. (-es, PI. -e): Übereinkunft, 
abgeredeter Vertrag, im besondern der Lohn- 
vertrag; der stimmende Zusammenklang m der 
Musik. Aus dem gleichbed. franz. accord m. 
von mlat. accordum (d. i. ad-cordum) oder ac- 
cordium n., das auf lat. cor. Gen. cordis, «Herz» 
zurückgeht. Im 16. Jh. entlehnt. ABL. ak- 
kordieren,v.: vertragsweise übereinkommen; 
auf den Preis imterhandehi ; in Lohnvertrag 
übernehmen., Aus dem gleichbed. franz. ac- 
corder. Im teutschen Michel 1617 erwähnt, 
auch bei Moscherosch Phil. 1, 322. 



33 



akkurat 



Akzise 



34 



akkurat, adj. und adv.: sorgfältig, ganz 
genau. Aus lat. accuratus, eig. Part. Perf. 
Pass. von accurare (d. i. ad-curare) «Sorgfalt 
worauf verwenden, pünktlich besorgen». Im 
17. Jah. entlehnt (Weise Erzu. 7). ABL. 
Akkuratesse, f.: Sorgfalt, völlige Genauig- 
keit im Tun, Pünktlichkeit. Mit der franz. 
Endung -esse nach ital. accuratezza f. ge- 
bildet, das lat. acciiratitia lauten würde. Bei 
Sperander 1728. 

Akkusativ, m. {-es, PI. -e): der auf die 
Frage wen? oder was? stehende Fall. Aus 
lat, accusativus «anklägerischer (Kasus)», von 
accusare «anklagen», eine Übersetzung des 
griechischen Grammatikerwortes airiaTiKr) f. 
(nämlich tttujcic). 

akquirieren, v.: erwerben. Von lat. 
acquirere (aus ad und ^waerere gebildet) «dazu 
erwerben, erwerben». Schon bei Rot 1571 
aequirirn. . 

Akt, m. (-es, PI. -e): Handlung, Ver- 
handlung; Verhandlungsschrift (daher von 
einer Sache Ä. nehmen, d. i. zur Kenntnis 
nehmen, eig. schriftlich) ; Aufzug im Bühnen- 
spiel. Aus lat. actus, Part. Perf. Pass. von 
agere «handeln, tun». In der 1. Bed. bei Al- 
bertinus Lustg. 61, in der 3. Bed. schon im 
16. Jh. in lat. Form actus, bei Opitz Akt. — 
Akte, f.: Verhandlung, Verhandlungsschrift, 
namentl. eines Parlaments. Bei Wächtler 1711. 
Aus lat. acta, Neutr. PI. von actus. — Akten, 
PI.: Verhandlungsschriften, Gerichtsschriften. 
Aus lat. acta. In der frühnhd. Kanzleisprache 
(Eeichs-Ordnungen 42^ von 1500 neben acta). 

Aktie, f. (PI. -n): Anteilschein als Ver- 
sicherungsurkunde bei einem auf Gewinn 
gegründeten gesellschaftlichen Unternehmen. 
Aus ndl. actie, das auf lat. actio «Handlung» 
beruht, zu agere. Bei Ludwig 1716. ABL. 
Aktionär, m {-s, PI. -e): Inhaber eines 
solchen Anteilscheins. Aus franz. actionnaire, 
das auf mlat. actionarius beruht, von actio, 
Gen. actionis «Handlung». Erst im Beginn 
des 19. Jh. 

aktiv, adj. und adv.: tätig, wirkend. Aus 
lat. activus «tätig», von actus, s. Akt. Bei 
Wächtler 1711 actif. Dazu Aktivum, n.: 
die Form des Verbums, in der es eine Tätig- 
keit ausdrückt, Tätigkeitsform. — Aktiva, 
PI.: tatsächliches Vermögen, ausstehende 
Schulden. Im 18. Jh. 

Aktuar, m. {-s, PI. -e)-. der zum Auf- 
schreiben amtlicher Verhandlungen oder Aus- 
sagen Angestellte. Aus lat. actuarius m. «Ge- 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



Schwindschreiber, Rechnungsführer», von actus, 
s. Akt. In dieser lat. Form schon bei Rot 1571, 

Akustik, f. : Wissenschaft von Schall und 
Ton, Klang- und Gehörlehre. Aus gr. cikou- 
cTiKr) «die zum Hören gehörige» (nämlich x^x^n 
«Wissenschaft»), F. des Adj. dKoucxiKöc von 
diKoüeiv «hören». Im 18. Jh. entlehnt. — 
akustisch, adj.: der Akustik gemäß. 

Akzent, m. {-es, PI. -e)-. hervorhebender 
Silben- oder Wortton; Redeton; Tonzeichen 
z. B. a a a. Aus lat. accentus m. von acci- 
nere (d.i. at^-dwere) «wozu singen». Um 1500 
entlehnt (Luther 3, 58* Jen.). J.5Z/. akzen- 
tuieren, V., aus mlat. accentuare, im 18. Jh. 
entlehnt (Lessing 7, 37). 

akzeptieren, v.: anerkennend annehmen. 
Wie franz. accepter aus gleichbed. lat. accep- 
tare (d. i. ad-ceptare). 1403 acceptiren (Frankf. 
Reichscorresp. 1, 739). 

Akzeß, m. {-sses, PI. -esse): Zutritt zu 
einem Amt, um sich in Ausübung desselben 
vorzubereiten. Aus lat. accessus m. «Zugransf» 
von accedere (d. i. ad-cedere) «herzutreten, 
-kommen». Bei Rot 1571 in der allgemeinen 
Bed. «Zugang», unsre spez. Bed. erst im 18. Jh. 
ABL. Akzessist, m. {-en, V\.-en): der sich 
einem Akzeß Unterziehende (GotterGed. 1, 100). 
— Akzessit, n.: dem Hauptpreise für eine 
Leistung fast gleichgeltender Nebenpreis. Aus 
I franz. accessit «Nebenpreis», d. i. lat. accessit, 
I «es ist hinzugekommen», der 3.Pers. Sing. Perf, 
von accedere (d. i. ad-cedere) «her zutreten». 

Akzidenzien, PI.: Nebeneinnahmen in 
einem Amte. Aus lat. accidentia PI. «zufällig 
Zukommendes», eig. «Zufall», von accidens, 
Part. Praes. von accidere (d. i. ad-cidere) 
«zufallen». Bei Krämer 1678 verzeichnet. 

Akzise, f. (PI. -n)-. Zehr- und Waren- 
steuer; SteUe, wo sie in Empfang genommen 
wird. Aus dem gleichbed. franz. accise f., das 
auf mlat. accisia von accisum, Part. Perf. 
Pass. von accidere «an-, einschneiden» zui'ück- 
geht, also eig. «Einschnitt, nämlich in die Kerb- 
stöcke, auf denen der Steuerbetrag des Pflich- 
tigen eingeschnitten war» (diese Stöcke wurden 
gespalten und dienten, indem die eine Hälfte 
in der Hand des Steuerpflichtigen, die andere 
in der des Erhebers blieb, auch zur Quittung 
und Kontrolle). Schon seit 1300 nrhein. 
assise, accise, accinse u. dgl., allgemeiner 
im 16. Jh. (Schupp 1, 512 hat Accis als m., 
Schottel 1663 dagegen Accis f., bei Fischart 
Pract. Großm. 1607 C 6^ Acciser m. «Steuer- 
einnehmer)». 

3 



35 



Alabaster 



Aldermann 



36 



Alabaster, m. (s, PI. wie Sg.): fein- 
körniger, harter, polierbarer Gipsstein. Mlid. ^ 
alabaster n. aus lat. alabastrum, gr. äXäßacrpov j 
n. (daher got. alabalstrawi), früher dXcißacTpoc 
m. «sinteriger faseriger Kalkstein, daraus ge- : 
arbeitetes Gefäß». Dies stammt vielleicht aus 
dem Orient. Ygl. Levy Sem. Fremdwörter 55. 
J.J5I/. alabastern, adj.: aus Alabaster; (bild- 
hch) blendend weiß. 

^Alant, m. {-es, PI. -e): in schnellfließen- 
dem Wasser lebender, dickköpfiger, wohl- 
schmeckender Fisch vom Karpfengeschlecht, j 
cyprinus cephalus. Mhd. alant, ahd. alant, \ 
ahmt; dazu asächs. alund m. Dunkler Her- 
kunft, A-i eileicht mit Aal zusammenhängend. 

'Alant, m. {-es, PI. -e): bei uns wild- 
wachsende Pflanze mit gewürzhafter, bitter i 
schmeckender Wurzel, die als magenstärkendes i 
Arzneimittel dient, inula helenium. Mhd. ahd. 
alant m. Wahrscheinlich von dem \'xilgär- 
lat. und span. port. ala (Isidorus orig. 17, 11, 9), ' 
vgl. Älbeere; die Pflanze (lat. inula f., gr. ^ 
^\^viov n.) hat im Mlat. schwankende Be- 
nennung, z. B. anula, elna. ellenius. \ 

Alarm, m. {-es): aufregendes Geschrei i 
und Getöse. Aus dem gleichbed. franz. i 
alarme f., span. allarma f., ital. allarme m. 
«zu den Waffen!» Seit dem 15. -Jh. als Älerni, ' 
Älann, Alarmen, s. Lärm. ABL. alar- 1 
mieren, v. : dm-ch Lärm beunruhigen oder i 
aufschi-ecken. Aus fi-anz. alarme^- . Im 17. Jh. 

Alaun, m. und n. {-es, PI. -e): weißes,] 
halbdurchsichtiges, zusammenziehendes Erd- 
salz. Mhd. alün m., aus dem gleichbed. lat. 
almnen n. (vgl. darüber Walde s. v.), woher 
auch franz. ahm, ital. alume m. ABL. alail- \ 
neu, V.: mittelst Alaun bearbeiten, mhd. 
alunen. ' 

Alb, s. Alp. ! 

AI bäum, m. {-s, Vl.Albäume): der Hecken- 
kirschbaum, die Hundsbeerstaude, lonicera 1 
xylosteum. Frisch 1741 hat als schlesisch 
Aalkirsche-, die Frucht ist nach der Ähn- 
lichkeit mit der Albeere (s. d.) benannt, 

^Albe, f. (PI. -n): das weiße Chorhemd | 
des Geistlichen. Mhd. albe, ahd. alba aus I 
dem gleichbed. kirchlich-lat. alba f., zu lat. 
albus «weiß». 

-Albe, f. (PI. -n): fi-üher Albel, f. (PI. -n): ^ 
der kleine Weißfisch, cyprinus alburnus. Mhd. i 
albel m. aus dem lat. albula, f. von albulus, 
Dem. von albus «weiß». 

Albeere, f.: die schwarze Johannisbeere. 
In Niederdeutschland (schon mnd. albere, 



ndl. aalbes f.). Auch Alantbeere; der Name 
wegen der Ähnlichkeit im Geschmack mit 
der Alantivurzel. 

Alber, f. (PI. -n)-. die Weißpappel, poprdus 
alba. Mhd. alber, ahd. albari m. «Pappel», 
entlehnt aus ital. albero (aus lat. albulus) 
«Weißpappel». Vgl. Abele. 

albern, adj.und adv.: (veraltet) natürlich- 
einfach und ohne verfeinernde Ausbildung; 
geistig unfähig, ungeschickt. Mit Antritt 
eines n aus mhd. alwcere «einfältig», ahd. 
alawäri aber «gütig, freundlich zugeneigt», 
im got. alawerei f. «volle Aufrichtigkeit» 
(dui'ch Konjektm- hergestellt), zusamraenges. 
aus einem verstärkenden ala- und -wärt 
«freundlich», auf welche Bedeutung auch das 
got. unwerjan «unfreundlich werden, unwillig 
sein», schließen läßt. Vgl. DWB. 13, 689. Die 
älternhd. Form (auch bei Luther) ist alber (so 
noch bei Krämer 1678 und Stieler 1691, hier 
aber daneben albern, und selbst bei Frisch 
1741), das auch im 18. Jh. noch vorkommt 
{albre Haller Ged. 71, Akk. albern Lessing 2, 
231). ABL. albern, v.: sich albern benehmen 
(bei Stieler 1691). Dazu Alberei, f. (bei 
Lessing). Albernheit, f (dafür Alberheit 
bei Krämer 1678). 

Albert, Albreelit, s. Adel. 

Album, n. {-s, PI. -s oder Alben): Stamm-, 
Gedenkbuch. Aus lat. album n. «das Weiße», 
biet das zu Beschreibende, subst. Neutr. des 
Adj. albus «weiß». Im 17. Jh. aufkommend, 
bei Nehring 1710 verzeichnet. 

Albus, m. (Gen. u. PI. ebenso): Weiß- 
pfennig, seit 1360 geschlagene Münze in 
Westdeutschland, zuletzt im Kurfürstentum 
Hessen im AVerte von 9 Pfennigen. Aus 
mlat. albus (näml, nummus) «weiße Münze, 
Silberscheidemünze ». 

Alchimie, f.: die Goldmacherkunst. 1512 
bei Murner Narrenbeschw. 6, 39 alchimey, 
mhd. alchemie, alchamie aus mlat. alchimia f., 
dieses aus gr. xnM^ia (mit Aussprache des 
T] = i) «die Chemie» (von xvpiöc m. «Saft, 
Flüssigkeit» gebüdet, von x^eiv «gießen») durch 
Vermittlung der Araber und daher mit dem 
arab. Artikel al, arab. alkimijä, woraus auch 
span. alquimia. ABL. Alchimist, m.: der 
die Goldmaclierkunst beti'eibt, mhd. alchiniiste 
von mlat. alchimista m. 

Aldermann, m. {-s, PI. -männer): Älte- 
ster in seiner Würde als Ratsherr oder über- 
haupt als Vorstand. Schon mhd. (in mitteld. 
Quellen) aldirman, aber erst wieder in den 



37 



Ale 



Alkoven 



38 



70 er Jahren des 18. Jh. auftauchend, und zwar 
entlehnt aus engl, alderman «RatsheiT», ags. 
ealdorman «Fürst, Vornehmer», zusammenges. 
aus ags. ealdor «Ältester, Herr» und man 
«Mann». 

Ale, n. (spr. el) : das englische ungehopfte, 
süße Weizenbier. Das engüsche ale, ags. ealu n., 
asächs. alo (in alo-fat n. «Biergefäß»), anord. 
schwed. dän. öl «Bier» gehört zu abg. olü 
«sicera» lit. alüs, lett. alus «Bier», Stamm 
alu-, von dem auch wohl lat. cdUmen «Alaun» 
(s. d.) abgeleitet ist, vgl. Walde s. v. 

Alemanne, m. (-w, PI. -n): Name der 
am Oberrhein wohnenden Völkerschaft, die 
zuerst im Anfange des 3. Jh. n. Chr. genannt 
wird. Lat. Alemannus aus ahd. Alaman, zu- 
sammenges. aus ala- (in Zusammensetzungen) 
«all, ganz» und man «Mann», vgl. got. alamans, 
PI. «alle Menschen, Menschheit». Daraus 
franz. Ällemand, ital. Älamanno, span. Aleman 
(mit erweitertem Begrüf) «Deutscher», danach 
auch mhd. Ahnan. Das Adj. alemanniscll 
als Bezeichnung des am Oberrhein gespro- 
chenen Dialekts erst im Anfang des 19. Jahrh. 
(durch Hebel). 

alert, adj.: flink, munter. Aus franz. 
alerte, span. alerto «muntei*, wachsam», zu- 
sammengerückt aus franz. ä Verte, span. al 
erta «auf der Hut», eig. auf der Höhe, wo 
man von nahenden Feinden nicht überrascht 
werden kann. Im 17. Jh. entlehnt., 

Alexandriner, m. {-s, PI. wie Sg.): aus 
6 Jamben bestehender Vers mit einem Ein- 
schnitt in der Mitte. Nach franz. {vers) 
alexandrin, zuerst angewandt in dem franz. 
Heldengedicht Alexander der Große (roman 
d'Alixandre) und danach benannt (im 12. Jh.). 

Alfanz, m. (-es, PI. -e): Possenreißerei; 
falsche Vorspiegelung, Betrug. Mhd. alefanz 
«Betrug, Schalkheit»; auch persönlich «Schalk». 
— alfanzen, v.: Possen reißen. Betrug 
üben (bei Luther). Man vergleicht ahd. giana- 
venzön «Gespött treiben», ganavenzöd «Spöt- 
terei» (vgl. hess.-thür. fanzen «Possen treiben», 
bayr. fenzeln «zum besten haben», gefenz 
«Spott»), mhd. anvanz «Betrug», die zurück- 
gehen auf ein Masc. vanz «Schalk» (mhd. 
Dem. vänzelin «junger Schalk», vgl. auch 
Fant), dazu anord. fantr «Vagabund, Gaukler». 
Alfanz erscheint aber zunächst in der Bed. 
«Betrug» (bes. in der Redensart den alefanz 
slahen) und geht daher wohl auf ital. alV 
avanzo «zum Vorteil, zum Gewinn» zurück, 
indem es zunächst ein betrügferisches Ver- 



fahi-en beim Handel bezeichnet, erst später 
erfolgte Anlehnung an Fanz. Vgl. Firlefanz. 
ABL. Alfanzerei, f. (bei Luther). 

Alfons, s. Adel. 

Alfred, Mannesname. Aus ags. Alfred 
(ahd. Albrät), zusammenges. aus ags. (elf m. 
«Alp» (s. d.) und red, rced «Rat». 

Algebra, f.: die Buchstabenrechnung. 
Nach span. ital. algehra, franz. algebre f. aus 
arab. (mit dem Artikel al) al-jahr (bei den 
arab. Mathematikern) « Zurückführung gebro- 
chener Zahlen aufs Ganze», eig. «Verbindung 
getrennter Teile zu einem Ganzen», von arab. 
jabara «Getrenntes an einander befestigen, 
verbinden». 

Alizarintinte, f.: schwarze Tinte mit 
anfangs blaugiliner ^Färbung, imter Zusatz 
von Krapprot zuerst 1855 durch Leonhardi 
in Dresden hergestellt. Zusammenges. mit 
Alizarin n. «Krapprot», von span. alizari ni. 
«levantischer Krapp», einem aus dem Morgen- 
land stammenden Worte (arab. 'osära «aus- 
gepreßter Saft» von \isara «auspressen»). 

Alkali, n. (-S, V\. Alkalien): das (aus der 
Pflanzenasche gezogene) Laugensalz. Im 16. Jh. 
bei Paracelsus (Opera 1, 697) Alkali, 1594 bei 
Fischart Onomast. 389 Aleali. Nach franz. 
alcali, span. alcali m. aus arab. (mit dem Ar- 
tikel aT) al-qäli «die salzhaltige Asche aus der 
bes. in Südspanien wachsenden Pflanze Glas- 
schmalz (salicornia)», von arab. (j'fl^ä «im Tiegel 
kochen, rösten». 

Alkohol, n, und m. (s, PI. -e) : der reinste 

Weingeist. Aus span. alcohol von arab. (mit 

dem Artikel al) alkuhl «feines Spießglanzpulver 

zum Färben der Augen» (daher engl, alkool 

«Antimonschminke» und frühnhd. bei Thur- 

neysser Onomast. 1583 alcofol Puder, 1574 in 

Fischarts Onomastica 388 Alcohol est pulvis 

' suhtilissimus), dann auf den feinsten Wein- 

j geist übertragen (bei Fischart a. a. 0. Alcohol 

; vini). Vgl. Mahn Etymol. Unters. S. 107. 

Alkorau, m. {-s, PI. -e): der Koran, die 
heilige Schiift der Mohammedaner. Nach span. 
I franz. alcoran, ital. alcorano aus arab. (mit 
dem Artikel al) alquränu «Lesung, Buch», 
von arab. garaa «lesen». 1562 bei Mathesius 
Sarepta 94'' Alcoran. S. Koran. 

Alkoven, m. {-s, PI. wie Sg.) : zum Schlaf- 
cremach bestimmte Seitenvertiefung eines Zim- 
mers. Aus franz. engl, alcove, ital, alcova, span. 
alcoha f. «Schlafgemach», entlehnt aus arab. 
(mit dem Artikel al) al-qohha «Wölbung, ge- 
wölbtes Gemach, Zelt» (daher atVanz. aucuhe 

3* 



39 



all 



allerhand 



40 



und daraus mhd. bei Wolfram Willeh. ekub 
«Zelt») von arab. qabba «abschneiden, aus- 
höhlen». 1711 bei Wächtler als Älcove, Al- 
coven und 1716 bei Ludwig als Alcove m. ; diese 
Form findet sich auch noch später, z. B. bei 
Uhland 78 (bei Voß Luise 2 zu ÄlJcov verkürzt). 

all, adj.: die einzelnen zusammengenom- 
men, so daß nichts fehlt; zuweilen auch wie 
ganz (alle Gegend Goethe 16, 47) und jeder 
(mid so schläft nun aller Vogel Goethe 6, 220, 
allen Augenblick Goethe Egm. 1). Mhd. ahd. 
al (Gen. alles); dazu asächs. ndl. al, ags. eall, 
engl, all, anord. allr, schwed. dän. all, got. 
alls. Verwandt ist altir. uile «ganz, jeder, all», 
lit. al- in alvienas «ein jeder» (Mikkola, Bezz. 
Btr. 25, 73). Da neben all auch ein ahd. ala- 
in Zusammensetzungen (s. albern) steht, wird 
das zweite / in all durch Assimilation eines 
suffixalen n erklärt, vgl. Bnigmann Die Aus- 
drücke für den Begriff der Totalität 66 ft'. all 
flektiert stark, daneben kann wie mhd. ein un- 
flektiertes all in allen Kasus stehen. Außerdem 
gibt es (schon bei Luther) ein unflektiertes alle 
(auf das auch all z. T. zurückgeführt werden 
kann), dies ist aus dem urspr. nur nach Präp. 
gesetzten alten mask.und neutr. Instrumentalis 
mhd. alle, ahd. allu hervorgegangen, z. B. nach 
alle dem, mit alle dem Heere (l.Mos. 33, 8), 
der dann auch adverbiell (wie mhd. mit alle, 
bei alle «vollständig») verwendet worden ist, 
z. B. alle dis volck (2. Mos. 18, 23) d. i. «voll- 
ständig, ohne Ausnahme dies Volk», dann ganz 
entsprechend dem unflekt. all verwendet. Auch 
in alle machen, alle sein, alle werden (seit 
Luther vorzugsweise bei Mitteldeutschen) geht 
alle auf den advei'biell gewordenen Instnimen- 
talis zurück, also eig. «vollständig», dann «ab- 
geschlossen, vorbei, nicht mehr vorhanden». 
Subst. All, n. (-s): die gesamte Schöpfung. 
Im 17. Jh. In Zusammensetzungen steht all- 
(mhd. al-, ahd. ala-) höchst verstärkend, z. B. 
allgegenwärtig, allwissend, s. auch albern. 

allaf! es lebe hoch! Niederrheinisch, z.B. 
Allaf Köln! Eig. «alles ab», wie mhd. ivol ab, 
das in der Bedeutung «Hurra hoch» um 1280 
bei einem schwäb. Spruchdichter in einem 
gegen Rudolf von Habsburg gerichteten Spruch 
begegnet (Kluge ZfdWf. 2, 71). 

allda, adv.: das demonstrative räumliche 
da, verstärkt durch all. Mhd. aldä. 

alldieweil, s. dieweil. 
alle sein, werden, s. all. 
Allee, f. (PI. -n): Baumgang. Aus franz. 
allee f. «Lustgang zwischen zwei dazu ange- 



legten Baumreihen», urspr. allata, von franz. 
aller «gehen». 1644 bei Zeiller Episteln 4, 261. 

Allegorie, f. (PI. -n)-. sinnbildliche Dar- 
stellung. Mit gleichbed. franz. allegorie aus 
gr.-lat. allegoria, gr. äWriTopia f. eig. «was 
anders gesagt ist, als es verstanden werden solb 
(äWoc «andrer» und dYopeiv «reden»). Schon 
frühnhd. (Luther 3, 76^ Jen.), allegorisch, 
adj., 1586 Fischart Bodinus Vorr. 13. 

allein, alleine (dichterisch, z. B. bei 
Goethe, ühland), adj. (nur prädikativ): ohne 
ein anderes. Aus mhd. aleine (mit schwacher 
Flexion) «ganz für sich seiend» (auch das un- 
verstärkte schwache eine, ahd. eino hat die 
Bed. «allein»); entsprechend ndl. alleen, engl. 
alone. allein, adv.: ausschließlich, nur; auch 
in allein daß = «nur daß» und (dem sondern 
auch voraufgehend) nicht allein = «nicht nur». 
Als satzeinleitende Partikel bezeichnet allein 
Entgegensetzung und Beschränkung = « doch, 
aber» (von Luther gebraucht, aber später nicht 
allgemein, noch 1755 vonDomblüth bekämpft). 

allemal, adv.: jedesmal ohne Ausnahme; 
so und nicht anders, gewiß ; doch wohl, gleich- 
wohl (Geliert Fab. 1, 51). Gebildet aus den 
aneinandergefügten Akk. PI. mhd. alliu mal. 

allenfalls, adv.: eintretendenfalls, mög- 
licherweise. Mit angetretenem adverbialischen 
-s gebildet aus den aneinandergefügten Akk. 
Sg^ allen Fall, also eig. «auf jeden Fall, ohne 
Ausnahme, alle möglichen Fälle ins Auge ge- 
faßt»; bei Stieler 1691. A-BL.allenfalsig,adj.: 
nur in der Kanzleisprache; 1775 bei Heynatz. 

allenthalben, adv.: auf allen Seiten. 
Mhd. allenthalben, aneinandergerückte Dat. 
PI. mit eingeschobenem t, ahd. allenhalbon. 
zu mhd. halbe, ahd. halba f. «Seite, Richtung», 

aller-, der zur Verstärkung vor den Super- 
lativ eines Adj. oder Adv. tretende Gen. PI. 
von all, z. B. allererst, allerliebst, wie mhd. 
aller, das aber noch nicht mit dem folgen- 
den Wort fest verbunden ist. 

allerdings, adv.: (veraltet) in allen 
Stücken, gänzlich; gewiß und wahrhaftig, 
(konzessiv gebraucht) freilich. IVIit angetre- 
tretenem adv. -s aus den aneiniuidergemckten 
Gen. PI. aller dinge (so bei Luther und noch 
im 17. Jh.); tritt um 1600 auf (Albertinus 
weibl. Lustgarte 179). 

allerhand, adv., auch attributiv mit einem 
Subst. verbUiiiden: von jeder Art, mancherlei. 
Aneinandergei-ückte Gen. PI. mhd. aller hande, 
aller hende, worin hende s. v. a. Art, eig. die 



41 



Allerheiligen 



Allotria 



42 



durch die Hand bestimmte Richtung (mhd. 
z. B. auch dner hande «dreierlei»). 

Allerheiligen (unverändert, weil eig. 
Gen, PL): das allen Heiligen gewidmete, hohe 
Fest der römisch-kath. Kirche am 1. Nov. 
Mhd. aller heiligen tac. 

allerlei, adv., auch attributiv mit einem 
Subst.: in Vielheit verschiedenartig. An- 
einandergerückte Gen. PI., mhd. edler leige, 
aller lei. s. lei. Substantiviert: Allerlei, n. 

Allermanusharnisch, m. [-es): die 
Pflanzen allium victorialis und andrösaces. 
Benannt, weil sie nach dem Volksglauben 
unverwundbar machen. Schon bei Rößlin 
1538 S. 292 d Allermannharnisch. 

allerorten, allerorts, adv.: an allen 
Orten. Die 1. Form (z. B. bei Albertinus 
weibl. Lustgarte 59^) geht auf die aneinander- i 
gerückten Gen. PI. aller ort mit angetretenem 
adverb. -eu, die 2. (erst junge) Form auf 
dieselbe Grundform mit angetretenem adv. 
-.s zurück. i 

Allerseelen (unverändert, weil eig. Gen. j 
PI.) : in der römisch-katholischen Kirche der 
Gedächtnistag der Verstorbenen (2. Nov.). 
Urspr. Aller Seelen Tag. 

allerseits, adv.: auf, nach, von allen 
Seiten oder Richtungen. Auf die aneinander- 
gerückten Gen. PI. aller seifen (daher das 
veraltete Adv. allerseiten) zurückgehend, mit 
angetretenem adverb. -s. Um 1600., ABL. 
allerseitig, adj., 1663 bei Schottel 347 ä. 

allerwärts, adv.: nach, in allen Rich- 
tungen. Verbindung des Gen. PI. aller mit 
wärts (s. d.). Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh. 
von Niederdeutschen, z. B. Klopstock ge- 
braucht, aber von Hejnatz 1775 beanstandet. 

allerwegen, adv, : an allen Orten. jVIhd. 
(in md. Qaellen) aller wegen. Aus den an- 
einandergerückten Gen. PI. aller wege mit 
angetretenem adverbialen -n. 

allewege, adv.: stets fort, immer. Die 
aneinandergerückten Akk. PI. mhd. alle icege, 
von räumlicher Bezeichnung in zeitliche über- 
gegangen. ^ 

alleweile, adv. : zu jedem Zeitpunkt, eben. 
Nur mundartlich (ober- und mitteld.). Aus 
dem Akk. Sg. mhd. alle teile, s. Weile. 

allezeit, allzeit, adv.: zu jeder Zeit. 
Aneinandergerückte Akk, PI, mhd. alle zite, 
ahd. allo ziti. 

allgemein, adj. und adv.: Allen gemein- 
schaftlich. Mhd. findet sich nur das adv. 
algemeine «insgesamt, auf gemeinsame Weise». 



Das Adj. fi-ühnhd. (1541 bei Frisius 180'', 
1561 bei Maaler). 

alliieren, refl. v.: sich vereinigen. Aus 
dem gleichbed. franz. s'aUier, dessen allier 
aus lat. alligare d. i. ad-ligare «an-, festbinden, 
verpflichten». Bei Krämer 1678. — Allianz, 
f. (PI. -en): Bündnis. Aus franz. alliance f., 
das auf ein mlat. alligantia (vom Part. Praes. 
alligans, Gen. alligantis gebildet) zurückgeht. 
Schon 1617 im teutschen Michel. 

Alligator, m. (-.9. PI. -s): das amerika- 
nische Krokodil. 1594 bei Frischlin Nomencl. 
Cap. 45 Allegarden, Crocodil. Aus franz. engl. 
alligator, entstellt aus span. el lagctrto (eig. 
el lagarto de Indias), vom lat. lacerfus m,, 
lacerta f. «Eidechse». 

Alliteration, f. (PI. -en) : der gleiche An- 
laut verschiedener Wörter. Nach dem gleich- 
bed. franz. alliferation aus einem neulat. allite- 
ratio (aus ad-liferafio), von litera «Buchstabe». 

Allmacht, f: Macht über alles. Ahd. 
alamahf f., aber mhd, nicht belegt, erst wieder 
bei Henisch 1616 (nicht bei Luther), Wohl 
neu gebildet von dem Adj, allmächtig, mhd. 
almähtec. almehtec, ahd. alamaht ig; dazuasächs, 
alamahf ig. ags. celmihtig, engl, almighty, anord. 
almätfigr. 

allmählich, adv.: ganz bequem, ohne alle 
Geschwindigkeit. Aus mhd. (in einer mitteld. 
Quelle) ahnechlich, später auch algemechlich, 
aus al und gemechlich, woraus mit Anlehnung 
an Mal, die auch bei gemechlich vorkommt 
(gemählig Moscherosch Phil. 1, 225), aUgemäh- 
lich und allmählich (allmählig) wurde. Beide 
bei Stieler 1691 verzeichnet. Vgl. mählich. 

Allmende, f. (PI. -n): gemeinheithcher 
Grund imd Boden zu Nutzung, besonders 
Gemeinweide, Gemeindebezirk (Goethe 16, 47). 
In Südwestdeutschland noch übHch. Aus mhd. 
almende, almeinde (daneben auch almeine, 
algemeine), hervorgegangen aus algemeinde f., 
zu gemeine «gemeinschaftlich» (vgl, bayr, die 
Gemein « Gemeinweide »). 

AUod, n, {-es, PI, -e): das Ganzeigeu, das 
echte (vererbhche) Eigentum, im Gegensatz 
zu Lehngut, Aus gleichbed. mlat. allodium, 
das auf ahd. alöt, afränk. alödis zurückgeht, 
dies aus al «ganz» und 6t n, «Besitz» (davon 
ahd, ötag «reich», vgl. asächs. öd, ags. eaä n., 
anord. audr m. «Reichtum, Besitz» got. auda- 
haffs «beglückt»). ABL. allodial, adj.: frei 
erb- und eigentümlich, aus mlat. allodialis. 

Allotria, PI.: ungehörige Dinge. Aus gr. 
dXXöxpia, N. PI. von äXXÖTpioc «fremdartig, 



43 



alls 



Alphabet 



44 



nicht zur Sache gehörig», abgeleitet von äXXoc 
•;;der andere». Im 18. Jh. aufgenommen (der 
j. Goethe 2, 449). 

alls, adv.: in einem fort, immer; wieder- 
holt. Nur noch mundartlich (in Südwest- 
Deutschland, Hessen, Thüringen, auch bei 
Schiller in Kab. u. Liebe 1, l). Aus mhd. 
alle^ «immer», dem adverbiell gebrauchten 
Akk. Ntr. von aJ. 

Alltag, m. (s, PI. -e): der gewöhnliche 
Werktag, den Feiei-tagen entgegengesetzt. 
In der altem Sprache nur das Adv. alitag, 
alltags «täglich» (vgl. mnd. aldages) aus den 
aneinandergerückten Akk. PI. alle tage mit 
angetretenem adv. -s entstanden, das dann in 
Zusammensetzungen wie AlltagsM eider (Stieler 
1691) erscheint, daraus erst das Subst. Alltag. 
ABL. alltäglich, adj. : werktäglich (aber all- 
tä^glich ist das durch all verstärkte täglich). 

Allvater, m. (s): Vater des Weltalls, 
Gott. Nach anord. alfaäir (der Bezeichnung 
Odins) von Klopstock gebildet. 

allzumal, adv.: allinsgesamt. ^l\idi.aXzemal. 

Alm, f. (PI. -en): Gebirgsweide. Neben- 
form von Alpe (s. d.), mhd. alhe, Gen. alhen, 
woraus im Bayrischen der Nom. alm, der 
schon in frühnhd. Quellen des 15./16. Jh. 
erscheint. ZTJS. Almrausch, m. {-es): 
Alpenrose. Bayrisch. 

Almauach, m. (-es, PI. -e): Jahrbuch. 
Aus franz. ahnanacli, das auf griech.<iA,|uevixiaKd 
zurückgeht, wie nach Eusebius (f 340) prae- 
paratio evangelica 3, 4 mit Beziehung auf 
den Syrer Porphyrius (f 304) die ägyptischen 
Kalender genannt worden sind. Dies stammt 
vielleicht aus dem Koptischen. Almanach 
erscheint bei dem Astronomen Georg von 
Peurbach (f 1461) zu Wien in einer lat. 
Schrift für astronomische Beobachtungen 
und Jahresberechnungen und büi-gerte sich 
im 16. Jh. in Deutschland ein. 

Almer, f. (-s, PI. wie Sg.): Kasten, Wand- 
schrank in oberd. und md. Mundarten. Im 
15. Jh. almerl, armer, meist weitergebildet 
almerei, vgl. Heyne Hausalt. 1, 262. Aus 
mlat. ahnaria f. «Geräteschrank», hervorge- 
gangen aus dem Plur. des gleichbed. mlat. 
almarium, armarium n., von lat. nrnia pl. 
«Gerät, Waffen». 

Almosen, n. (-s, PI. wie Sg.): Armen- 
gabe. Aus mhd. almuosen, ahd. alamuosan, 
ahrwsan n. (daneben auch elemosyna, elimuo- 
sina, alamuasa f.); dazu ndl. aalmoes, ags. 
(elmesse, engl, ahns (PL), anord. ölmusa, 



schwed. abnosa, dän. nlmisse f. Aufgenommen 
aus dem in der Kirchensprache üblichen gr.- 
lat. eleemosyna, gi\ ^XeriMoc'J'vn durch Ver- 
mittlung des Romanischen, wo es afranz. 
almosne, nfranz. aumöne, prov. span. almosna, 
ital. limosina f. lautet. Die Form Almosen 
(bei Luther, aber sonst im 16. Jh. oft Al- 
müsen, Älmusen, Hulsius 1596 hat Allemosen) 
erklärt sich durch Einwirkung des Grund- 
wortes. Altemhd. auch an arm angelehnt 
Armüsen n. (Hug Rhetorica 1540). ABL. 
Almosenier, m. (-s, PI. -e): Almosenpfleger. 
Nach franz. aumonier gebildet, das auf mlat. 

' eleemosynarius zm-ückgeht. 

Aloe, f. (PI. -s, -n), Name mehrerer aus- 
ländischer Pflanzen. Mhd. ahd. aide, aus gr.- 
lat. aloe, gr. ä\6r] f., das auf hebr. 'ahäUm 
PI. «Aloeholz», npers. älwä zuiückgeht. 

Alose, gekürzt Alse, f. (PI. -n): der Mai-, 
Gangfisch. Aus franz. alose, und dies aus 
altkeit. lat. alausa f. (Ausonius Mosella 127). 
Alse schon 1563 in Forers Fischbuch 179^. 
Alp, m. (-es, PI. -e): lastend aufliegende, 
brustbeklemmende Traumgestalt. Mhd. alp 
(Pl.elbe) bedeutet «gespenstiges Wesen, Nacht- 
gespenst», ebenso nmd.aZ/'m., übereinstimmend 

; mit ags. celf, anord. dlfr m. «Elfe«, das man zu 
skr. fbhüs- «kunstreich, Bildner», auch Name 
von drei kunstreichen Elfen, gestellt hat. 
Vgl. Mogk Pauls Grd. ^ 3, 268. Alp ist md. 

j und* findet sich bei Luther und Alberus in 
der Bed. «Kobold, Dämon», die sich später 

[auch in der Anwendung auf Menschen zeigt; 

[jetzt hat sich nur die auch schon mhd. Bed. 
«aufliegendes Nachtgespenst» erhalten. 

Alpe, f. (PI. -n): Bergweide auf den 
Alpen. Mhd. alhe, Gen. alhen (s. Alm), ahd. 
alpa f. (PI. alpim «Alpen») «hoher Berg», hängt 

I mit lat. Alpes, gr.-gall. "AXireic zusammen. 
Diese sind kaum zu lat. albus «weiß» zu 

' stellen, sondern gehören zu einem wahr- 
scheinlich vorindogeiTD. Worte alh «Berg, 

i Höhe», das in zahh-eichen Örtlichkeitsnamen 

i wie Albion, ir. Alba «Schottland», ital. Alba 

I longa, Alburnus «ein Gebirge in Lukanien» 

i über Westeui'opa verbreitet ist. Vgl. Walde 
s. V. albus. Im Nhd. erhielt sich die Bed. 

i «Gebirge» nur in den Namen {die rauhe 

; Alb auch mit der ui'sprünglichen Lautfonn). 

I ABL. Alpiier, m. (-s) : Alpenbewohner, uin 

\ 1480 im voc, ine. teut. a 5* alhner. Daneben 
Älpler, Älpler m. 

Alphabet, n. {-s, PI. -e)-. das Abc. Mhd. 

: alfabete aus dem urspr. von Kirchenschrift- 



45 



Alpranke 



Alter 



46 



steilem gebrauchten gr.-lat. alphahetum n., 
gr. äXqpctßnToc m. f., nach den !Samen der 
beiden ersten griech. Buchstaben äXqpa = a 
und ßfixa = h. ABL. alphabetisch, adj. 

Alprauke, f. tPl. -/n: der strauchartig 
kletternde Nachtschatten (solanum dulca- 
maraj, der als^Iittel gegen das Alpdrücken gilt. 
Bei Frisch 1741. In Schlesien Alpkraut p.. 

Alraun, f. i^Pl. -en) und m. i -s, PI. -e, -en): 
Pflanze mit rettigartiger, in Form verschi-änk- 
t«r Beine gespaltener Wui-zel, mandragora. 
Aus mhd. alrüne, ahd. alruna f. eig. Be- 
nennung des weissagenden teuflischen Geistes, 
der nach dem Aberglauben aus der AYurzel 
geschnitten wird. Zusammenges. mit ahd. rü)ia 
f. «Geheimnis, geheimnisvolles Zuflüstern» ('s. 
raunen). 

'als, adv.: in einem fort, ?>. alls. 

"als, adv.: 1. vergleichend. So noch oft 
bei Luther und im älteren Nhd., jetzt aber 
diu"ch wie (daneben als icie ) zurück gedrängt : 
erhalten hat sich als in Bez. auf ein voraus- 
gehendes so (so tinscJmldig als ein Lamm), 
auf ein vorausgehendes negierendes Wort 
{nietyiand als du, nichts als Kleinigkeiten), 
femer wird es nach Komparativen (dafür 
ältemhd. denn) und zui* Einleitung von Ver- 
gleichssätzen (als icenn, als ob) gebraucht. 
2. demonstrativ, bei Aufzählungen (die edeln 
Metalle als Gold, Silber usw.) und beim 
prädikaten Attribut (er kam als ein Bote, 
ich achte dich als einen Freund). 3. zeit- 
bestimmend, eig. vergleichend in der Zeit, 
als Satzeinleitung {als er kam, war es zwölf 
Uhr). Mhd. als, alse, geschwächt aus also, 
das durch al verstärkte $ö. 

alsbald, adv.: gleich nach dem Augen- 
blicke. Das Mhd. verwendet also balde, also 
oder so als Konj. = sobald als, bei Luther 
findet sich alsbald in gleicher Verwendung, 
aber gewöhnlich als Adv. 

alsdann, adv. : verstärktes dann, aus also 
dann. Frühnhd. (als dann in den Ordnungen 
S. 73 V. J. 1512, als denn bei Luther). 

Alse, s. Alose. 

also, adv.: 1. hinweisend, z. B. sprich zu 
ihm also. 2. folgernd, z. B. also ist er tot? 
Mhd. also, durch al verstärktes so: dazii ndl. 
alzoo, ags. ealsivä, engl. also. 

Alt, m. (-es, PI. -e): die tiefe Frauen- 
stimme. Spätmhd. Aus ital. gleichbed. alto 
vmd dies aus lat. altus «hoch». 

alt, adj. (Komp. älter, Sup. ältest): hoch 
an Jahren; länger der Zeit nach da als an- 



' deres; an Jahren zählend: vor langen Jahren: 
vorhergewesen (nach dieser Bed. z. B. auch 
I in der Schweiz Altammann «gewesener Am- 
mann», in Baden Altbürger meis f er usw.). Ahd. 
mhd. alt: dazu asächs. ald, ndl. oud, ags. eald. 
; engl, old, anord. im Komp. ellri "älter» (sonst 
für «alt» gamall), got. aljjeis. Eig. «durch 
Xahrung groß geworden, aufgewachsen» von 
dem starken V. got. alan «aufgenäkrt werden , 
anord. ala «nähren, hervorbringen» (das mit 
lat. alo, altii'. alim < ernähre ;> übereinstimmt), 
von dem es (wie lat. altus «hoch»j vermittelst 
des partizip. Suffixes -to- gebildet ist. Weiter 
sind verwandt gr. ävaXxoc «unersättlich», ir. 
alt «Höhe: Ufer, Küste >;, kymr. allt .rupes», 
ir. altram «nutritio:. Vgl. Eltern. 

Altan und Altan (^Schiller 11, 228j m. [^s, 
PL -e), Altane, f. (PI. -n): Austi-itt ins Freie 
hoch an einem Gebäude. Aus dem gleich- 
bed. ital. altana, von altus «hoch». Das Fem. 
oltan um 1-170 in Österreich von Beheim ge- 
braucht, später z. B. von Hans Sachs (Fab. 8, 
280); das Mask. erscheint im 16. Jh., bei Pe- 
gius Dienstbarkhaiten (Ingolstadt 1557) 60^, 
1598 bei Hutteras Lexic. harmonicum 533 
ein AJfhan. 

Altar, m., selten n. i-s, PI. Altäre): der 
Kirchentisch. Mhd. altäre, gewöhnlich aber 
mit deutscher Betonung älter, ahd. altari, 
alter i, aus lat. altare n. «Opfertisch». ImNhd. 
überwiegt die mit dem Lat. übereinstimmende 
Betonung Altar (so auch 'üe Bühne), doch 
kommt auch (dichterisch und in der nordd. 
Umgangssprache^ Mtar vor. 

altbacken, adj.: trocken als Backwerk. 
backen ist hier das Part. Praet. (statt ge- 
backen). Mhd. zufällig nicht belegt (erst 1593 
bei Colerus Hausbuch 1, 153), doch nach dem 
Gegensatz niubachen «neubacken» als alfbarhen 
anzusetzen. S. backen. 

altdeutsch, adj.: den alten Deutschen 
eigen, nach Art der alten Deutschen. Erst 
nhd. (alt-teutsch 1648 bei Weckherhn 2, 261. 
437 Fischer, alt teutsch 1588 bei Fischart 
Peter v. Stauffenberg V. 79). 

Altenteil, m. n. (-s, PI. -e): der den 
Eltern nach Abtretung des Gutes verbleibende 
Teil, der Auszug. Norddeutscher, von Voß 
gebrauchter Ausdruck. ABL. Alteuteiler, 
m. (s): der Auszügler, Altsitzer. 

Alter, n. (-5, PI. wie Sg.): höhere Lebens- 
zeit; Zeit des Daseins; Zeitabschnitt, Zeit- 
alter; vergangenes Zeitalter (in der Redens- 
art vor Alters). Aus rnhd. alter, ahd. altar 



47 



alterieren 



Amberg 



48 



n.; dazu asächs. aldar «Lebenszeit, Leben», 
aCTs. ealdor «Leben», anord. aldr m. «Lebens- 
zeit, hohe Lebenszeit», schwed. älder, dän. 
alder m., got. in framaldrs «in Jahren vor- 
gerückt» enthalten. Wie alt (s. d.) von got. 
alan abgeleitet. ABL. altern, v.: alt werden. 
Erst bei Steinbach 1734, während älternhd. 
mhd. alten, ahd. alten gesagi wird. 

alterieren, v.: in schädigender Weise 
beeinflussen. Refl. sich a. «sich in Unruhe 
des Gemütes versetzen». Aus franz. alterer 
«schädigen, eine Gemütsbewegunghervorrufen >> 
usw., von lat. alterare «anders machen», von 
aZfer «der andere». Im 17. Jh. entlehnt (Schupp 
Schriften 1, 567). 

Ältermiltter, f. (PL -matter): Groß- 
mutter, Urahne. Mhd. (in md. Quellen) 
eltermüter f. Älteryater, m. {-s): Groß-, 
Yorvater. Mhd. eltervater m. Beide zu- 
sammenges. mit dem Kompar. ■ elter. 

Altertum, n. (-.9, PI. Altertümer): (im 
17. Jh., bei Krämer 1678, jetzt veraltet, doch 
z. B. noch bei Klopstock Oden 75) Hoch- 
sein in Jahren; (seit etwa 1700, z. B. bei 
Günther Ged. 312) längst vergangenes, fernes 
Zeitalter; aus alter Zeit Herrührendes, mit 
dem PI. Altertümer «Denkmäler jenes fernen 
Zeitalters» (bei Steinbach 1734). ABL. alter- 
tümeln, v.: die Art des Altertums haben 
oder diese zu geben suchen (Goethe 41,1,109). 
altertümlich, adj., erst am Ende des 18. Jh. 
gebildet (bei Kl. Schmidt und Yoß). 

Altervater, s. Ältermutter. 

altfränkisch, adj.: veraltet u. der Gegen- 
wart nicht angemessen. Mhd. altfremch d. i. 
altfrenkisch. Wahrscheinlich zur Ritterzeit in 
rheinischen Landen aufgekommen, wo man 
die an der einfachen Sitte der Vorfahren fest- 
haltenden Franken in Gegensatz stellte zu den 
durch die neumodischen, aus Frankreich kom- 
menden Sitten Beeinflußten, vgl. Hugos von 
Trimberg Renner 22267. Vgl. ZfdWf. 7, 15. 
Anders bei Leibniz Unvorgreifl. Gedanken § 32 
das Alt-Fränckische und das Alt- Säcksische, 
ohne tadelnden Beisinn, von der Sprache. 

Althee, f., auch m. {-s, nach Tee) : das Ei- 
bischkraut, eine Malvenart. Aus gr. -lat. althaea, 
gr. d\eaia, eig.«Heükraut», von äXöeiv «heilen». 

altklug, adj.: (veraltet) durch Alter klug; 
für finihes Alter zu klug. Ei-st 1711 bei 
Rädlein verzeichnet. 

ältlich, adj.: ein wenig alt. Mhd. altlich. 

Altmeister, m. (-s, PI. wie Sg.): hervor- 
ragender Meister (1807 bei Campe, auchGoethe 



47, 98 LH.). Eig. der unter den Meistern (einer 
Zunft) der älteste und deshalb erste ist. 

Altreiß, m. (-en, PI. -en) : der alte Schuhe 
flickt; Ti'ödler. Mit Übergang von eu in ei 
aus mhd. altriii^e. Vgl. Biester. 

Altyater, m. (-.§. PI. -väter): ehrwürdiger, 
alter Vater, Patriarch. Mhd. altvater m. 
ABL. altvaterisch, adj.: nach Art der 
Vorfahren, altfränkisch. Frühnhd. 

altvettelisch, adj.: nach Art der alten 
Weiber. Bei Luther. S. Vettel. 

Altvordern, PI.: die Urväter. Mhd. alt- 
vordern, ahd. altfardoron, PI. zu fordoro adj. 
«der frähere», mit alt verstärkt. Der später 
veraltete Ausdruck ist in der 1. Hälfte des 
18. Jh. durch die" Schweizer Schriftsteller 
wieder aufgebracht worden (Schönaich ver- 
spottet ihn, Adelung 1793 führt ihn noch 
nicht an, Heynatz 1796 kennt ihn nur aus 
«einigen Gegenden»). 

Altweihersommer, m. (-s, PI. wie 
Sg): die zur Herbstzeit im Freien fliegenden 
Spinnenfäden; schöne späte Herbsttage. Erst 
bei Campe 1807. Eig. Sommer, der den alten 
Frauen zufällt (ebenso bayi*. änlsumnier), der 
für die Jugend nicht srut genug ist. 

am vor einem Subst., aus an dem zusam- 
mengezogen. Mhd. ame, aus an deme. 

Amalgam, n. (-es, PI. -e): die chemische 
Verbindung von Metall mit Quecksilber zu 
eineV weichern Metallmasse (1594 bei Fisch- 
art Onomast. 390 Amalgama): (bildlich) Ge- 
menge durch Verbindimg. Aus gleichbed. 
span. ital. amalgama f., von gi\ ^dXaYMa «Er- 
weichungsmittel, weicher Körper». 

Amarant, m. {-es, PI. -e): der Garten- 
fuchsschwanz. Aus gr.-lat. amarantiis, gr. 
ä|udpavToc m. «nicht welkende Blume, Papier- 
blume», dem als Subst. gesetzten Masc. desgr. 
Adj. d)ndpavToc «unverwelklich», dann wegen 
der Dauer der Blüten auf den Gai-tenfuchs- 
schwanzübertragen. BeiMaaler IbQl Amaranth. 

Amarelle, f. (PI. -«): die Weinkirsche. 
Spätmhd. von dem gleichbed. mlat. amarel- 
lum n., dem Neutr. des mlat. Adj. amarellus, 
das, von lat. amanis «bitter» abgeleitet, zuerst 
«bitter» und dann etwa «weinsäuerlich» be- 
deutet. 

Amazone, f. (PI. -n): Helden weib eines 
fabelhaften Weiberstaates in Skythien; über- 
haupt kriegerisches Heldenweib. Nach franz. 
amazone aus gr.-lat. Amazon, gr. 'A,uaZ;iüv f. 
Schon mhd. amazone f. 

Amberg, s. Anhöhe. 



49 



Amboß 



Ammer 



50 



Amboß, m. (-es, PI. -e) : der eiserne Häm- 
merblock einer Schmiede. Aus mlid. amhö^, 
aribö^. anebo^, ahd. andbo^ m., zusammenges. 
aus ana und mhd. ho^ m., «Schlag» von hö^en. 
ahd. hö^an ^schlagen, stoßen», wozu auch ags. 
heatan. engLbeaf. aisl. &a?(/a c< schlagen, stoßen». 
Letzteres ist wurzelverwandt mit fu in lat. con- 
fufäre «niederschlagen , refutäre «widerlegen , 
fustis «Knüttel», s. Walde s. v. s. v. Die Länge 
des ö in der 2. Silbe nur noch landschaftlich. 

Ambra, m. (-.si, Aniber, m. (s): ein 
wohlriechendes Erdharz. ^Ihd. amber. ämer m. 
aas mlat. ital. ambra f., das auf gleichbed. 
arab. 'amhar zuiückgeht. 

Ambrosia, f.: Götterkost. Aus gr.-lat. 
amhrosia, gi-. öiußpocia, eig. die unsterblich 
machende Götterspeise, Fem.desAdj.äußpöcioc 
«unsterblich». ABL. ambrosisch, adj.: 
himmlisch süß. 

Ameise, f. (PI. -ny. Älit Entwicklung eines 
s aus ß in zweiter Silbe aus mhd. ämei^e, 
ahd. ämeiyi, dazu ags. öemette f., engl, emmef 
und ant. Dunkler Herkunft; wird gewöhn- 
lich zu ahd. ema^ig «emsig», Grundbed. also 
«das geschäftige Tier» gestellt, was aber kaum 
das richtige trifft. Eher als Zusammensetzung 
zu ahd. ))iei^an, got. maifan «hauen, schneiden» 
(s. Meißel) zu stellen (wegen des Präfixes o- 
s. Ohnmacht, vgl. auch mhd. äschröt «Abge- 
schnittenes», äsirinc «Abfall von Flachs»), so 
daß auf eine Bezeichnung des aus kleinen Holz- 
tt'ilchen bestehenden Waldameisenhaufens zu- 
rückzugehen wäre. ImFrühnhd. erscheint ebd. 
(mit Übergang des a in 6 vor Nasal) Omeis 
(noch im 17. Jh. z. B. bei Harsdörfer Ge- 
sprächsp. 1, 25 vorkommend), im Md. gewöhn- 
lich mit Umlaut (_wie in Erheit] Emeis und 
Emmeis, bei Luther (wahrscheinlich mit An- 
lehnung an ein, dessen n als assimiliert be- 
trachtet wurde) Eimmeis, worauf die Formen 
Ämse (Wieland 18, 94 1, Emse und (mit dialekt. 
Verwandlung des umlautenden (p in f) Imse 
(Goethe Faust 7585) zurückgehen. In den 
mundartlichen Formen (die z. T. auf a- in 
der 1. Sübe' führen) vielfach durch Volks- 
etymologie umgestaltet. 

Amelmehl, n. {-s, PL -e)-. Kraftmehl. 
Mit Wandlung des r zu l aus mhd. amer 
(auch schon amel), ahd. amar n. «Sommer- 
dinkel», 1546 bei Bock 245 *> Ammeikorn. Engl, 
amelcorn «Dinkel» ist rein gelehrt, vgl. MuiTay 
New Engl. Dict. s. v. 

amen, als gewöhnUcher Gebetsschluß: 
wahrhaftig I so soll es sein I Subst.: Amen, n. 
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



Mhd. amen, nach lat. amen, dies aus gr. duriv 
aus dem gleichbed. hebr. Adv. amen. 

Amethyst, m. (-es, PI. -e): ein violett- 
farbener Edelstein. Mhd. ametiste m. nach 
franz. amethyste f. aus gr.-lat. amethystus, gr. 
äueOucToc f., eig. Adj. in der Bed. icnicht trun- 
ken, den Rausch stillend», da diese Eigenschaft 
dem Edelstein beigelegt wurde. 

Amiant, m. (-e.s, PI. -e): der feinfaserige, 
biegsame, weiße Asbest. Aus gi'.-lat. amianhis, 
gr. d.uiavToc m., eig. Adj. in der Bed. «unbe- 
fleckt, rein» und als Subst. Name des Steines 
wegen seiner schimmernden Weiße. 

Ammann, m. (-es, PI. Ammänner): (in 
der Schweiz i höchste obrigkeitüche Person 
einer Gemeinde oder eines Landes. Mhd, (in 
alem. Quellen) animan «Diener, niederer Be- 
amter, urteilsprechende Gerichtsperson», zu- 
sammengezogen aus mhd. amhetman . ahd. 
amhahtnmnn, s. Amtmann. 

Amme, f. (PI. -?n: Aufnährerin und Mut- 
terstelle einnehmende Pflegerin eines Kindes. 
Mhd. amme, ahd. amma. Eig. wohl Mutter, 
^vie noch jetzt schwäbisch fdamach Wieland 
18, 127 ), vgl. auch anord. amma «Großmutter»; 
weitverbreitetes Lallwort der Kindersprache 
wie Mamu (s. d.), vgl. gr. ctinudc, äjniaia, 
d^^la (bei Hesych) «Mutter, Amme», bask. 
amu «Mutter», altrom. amma, span. port. aina 
«Amme» und mit Ableitung lat. annta «Vaters 
Schwester :. 

Ammeister, m. (-.s, PI. wie Sg.): (noch 
im 18. Jh. in Straßburg) der bürgerliche 
Obervorstand der Stadt. Mhd. (in elsäs- 
sischen Quellen) ammeister. ammemeister. 
ammanmeister, eig. der Meister, der Am- 
mann (s. d.) ist, der Obermeister (Vorsteher 
der Zünfte). 

^Ammer, f. (PI. -n): ein Singvogel, embe- 
nza citrinella. Mhd. amer, ahd. amaro m. 
Vielleicht von amer «Sommerdinkel», also 
Vogel, der gern Sommerdinkel frißt [wieHänf- 
ling eig. Hanfsamenfresser, von Hanf) vgl. 
Liebich PBr. Btr, 23, 223. Mlat, amarellm 
stammt entweder aus dem Deutschen oder ge- 
hört zu span. aniariUo, port. amarello «gelb ■. 
ABL. Ammerliug, m. wie Ammer. Mhd. 
(mit einfachererAbleitung) amerinc m. 

"Ammer, f. (PI. -«) : die große säuerliche 
Kirsche, die schwärzliche wie die hellrote 
oder Amarelle (s. d.). Scheint geküi-zt aus 
ital. amarisca f. «Weichselkirsche» von ital. 
amaro dat. amdnis) «bitter, herb», hier «säuer- 
Uch . Vgl. Liebich PBr. Btr. 23, 223. Schon 

i 



51 



Ammer 



Amt 



52 



im 14. Jh. amerhoum, mlat. amarillus «Ama- 
rellenbaum». 

^Ammer, f. (PI. -n): Punkenasche; in der 
Asche erhaltener Funke, Bei Luther, jetzt 
noch mundartlich. 1482 im voc. theut. f 7^ 
der Plur. eymeren «lieisze asche», mhd. einiere, 
ahd. eimurja f., dazu ags. cemyrje f., engl. 
enibers, anord. eimyrja f., dän. emmer, zu 
anord. eimr m. «Rauch, Dampf» und an. ysja f. 
«Feuer». 

Ammonshorn, n. {-es, V\.Ammonshörner) : 
das gleich einem (dem Jupiter Ammon bei- 
gelegten) Widderhorne gewundene, verstei- 
nerte, vorweltliche Schneckengehäuse (Schiller 
Teil 4, 3). 

Amnestie, f. (PI. -n): (öflfentlich erklär- 
tes) Vergeben und Vergessen eines Vergehens. 
Aus gr.-mlat. anmestia, gv. dinvricreia f. «das 
Nichteingedenksein, besonders eines erlittenen 
Unrechts« (d «un-, nicht»; juväcGai «einer Sache 
gedenken»). Schon 1643 im unartigen teut- 
schen Sprachverderber. In der altern Sprache 
dafür ündacht 

Ampel, f. (PI. -n): Hängelampe. Ober- 
deutsch. Mhd. ampel, ampulle, ahd. ampla, 
ampulla, mit ags. ampelle f., anord. ampli m. 
«Gefäß» aus lat. ampulla f. «Flasche, Gefäß», 
vgl. Pulle. 

ampeln, v.: wonach strebend zappeln; 
überhaupt wonach streben. Ein ndd. Wort, 
schon mnd., im 18. Jh. mehrfach als dialektisch 
aufgeführt, auch von ndd. Schriftstellern wie 
Voß Briefe 2, 105 und Göckingk Ged. 2, 128 
gebraucht. Vgl. Hampelmann. 

Ampfer, m. (s, PI. wie Sg.): eine sauer 
schmeckende Pflanze, lat. rumex. M.h.d.ampfer, 
ahd. ampharo m., dazu ags. ampre, ompre f. 
«Ampfer». Eig. subst. Mask. eines Adj., das ndl. 
amper «scharf, bitter, unreif», anord. apr (für 
*awtpr) «scharf, kalt», schwed. amj)er «scharf», 
lautet. Wenn das p als eingeschoben zu gelten 
hat, so kann man lat. amärus «bitter» (s. Walde 
s.v.), skr. aw?as «sauer» (als subst. Mask. «Säure, 
Sauerklee»), alh. 9nibl' 9 «süß», tdmWd Galle ver- 
gleichen. Anders Johansson Idg. Forsch, 3, 240. 

Amphibie, f. (PI. -n)-. beidlebiges (im 
Wasser wie auf dem Lande lebendes) Tier. 
Aus dem gleichbed. gr.-lat. anipJiibium, gr. 
d|uq)ißiov, dem Neutr. des Adj. di|uqp{ßioc «beid- 
lebig» (gr, ä|uq)i- «rundherum, von beiden Sei- 
ten», ßioc m. «Leben»), Im 18, Jh. entlehnt. 

Amphitheater, n. {-s, PI. wieSg.): halb- 
runde Schaubühne. Aus dem gleichbed. gr.- 
lat, amphitheatrum , gr, diucpie^aTpov n., zu- 



sammenges,ausc(|uq)i «rundherum» und G^axpov 
n, «Schauspielhaus». Im 18, Jh, entlehnt, 

amputieren, v.: ein Glied des Körpers 
abschneiden. Aus dem gleichbed. franz. am- 
puter von lat. amputare «abschneiden», aus 
am(hi) «herum» \mdi putäre «schneiden». Erst 
bei Pampe 1801. 

Amse, s. Ameise. 

Amsel, f. (PI, -n)\ die Schwarzdrossel, 
lat. mex'ula. Mhd. amsel, ahd. amsala, amsila, 
amsla, auch amfsla (daher jetzt mundartlich 
anspel, wie wespe aus ivefse) f.; dazu ags. 
(mit ausgefallenem Nasal) ösle f., engl, ousel 
«Amsel», Verwandt ist vielleicht das gleichbed, 
lat, merula (für *mesula) f, Fick I* 515, Hirt 
Ablaut 132 (Bedenken dagegen bei Kluge**, 
Walde s. v. merula). Im altern Nhd. und 
mundartlich erscheint auch die Form Amschel 
(vgl. Geischel neben Geisel). 

Amt, n. {-es, PI. Ämter): Inbegriff der 
Obliegenheiten, die eine Stellung mit sich 
führt; Gebäude zur Ausübung dieser Obliegen- 
heiten; Behörde zur Verwaltung und Recht- 
sprechung; gottesdienstliche Verrichtung des 
Geistlichen. Aus mhd. ampt, amhet, amheht, 
ahd. amhahf. amhahti n. «Dienst, Amt», dazu 
ein persönliches ahd. amhahtm. «Diener»; aus 
den verwandten Dialekten gehört hierher 
asächs. amhaht «Dienst» (in amhahtman m. 
«Diener», amhahtskepi m, «Dienst»), ndl, am- 
bacJit n. «Handwerk», amht n. «Amt», ags. 
amhiht, ombilit n. «Dienst» (dazu omhilit m. 
«Diener»), got, andhahti n. «Dienst» (dazu 
andhahts m. «Diener»), vgl. auch anord, am- 
bätt f. «Sklavin», Das persönliche Mask, geht 
zurück auf keltisch-lat. amhactus (Cäsar bell, 
gall. 6, 15, 2) eig. «Herumgesandter, Bote», ge- 
bildet von gall. amb- «herum» und einer Bil- 
dung von der Wurzel ag (s. Acker) «treiben», 
hier «senden» (mlat. ambactia ambactiata «Auf- 
trag», ital. ambasciata, franz. ambassade f. 
gehen erst wieder auf das germanische zu- 
i-ück). Vgl. Baist ZfdWf. 9, 33. Das Lehn- 
wort ist im Got. an die Bildungen mit der 
Vorsilbe and- angelehnt worden (nicht etwa 
selbständige Bildung mit einer Ableitung 
von germ. bak «Rücken», also der im Rücken 
stehende). ABL. amtieren, v. (dafür in der 
älteren Sprache amten): ein Amt verwalten. 
Junge, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnete 
Bildung mit der fremden Ableitungsendung 
-ieren. amtlich, adj., spätmhd. ambetlich. 
ZUS. Amthaus, n., mhd. ambethüs, ahd. 
ambahthüs n. Amtmann, m.: Vorsteher 



53 



Amulett 



Anarchie 



54 



eines landesherrlichen Amtes (PI. amtleute 
bei Luther, aber 1532 bei Birck Öusanna 
474fg. amptlüte «Gerichtsknechte»); (in Nord- 
deutschland auch) Vorsteher eines Gutes. ^Ihd. 
amhefman, ahd. amhahtman m. -^^ Beamter, Auf- 
seher». S. SLXich Ärmttann, Ammeister. Amts- 
genOSSe, m.-. Verdeutschung des lat. coUega 
m., 1579 bei Calepinus amptgenossen. 

Amulett, n. (-es, PI. -e): am Kör]oer ge- 
tragener Schutzgegenstand gegen Zauberei 
oder zukommendes Übel. Mit franz. armdette, 
ital, amulefo m. aus dem gleichbed. lat. amu- 
letum, auch amoletum und amolimentum n., 
als Nachbildung des gr. cpuXaKxripiov von lat. 
amoliri «abwenden, entfernen, beseitigen», also 
eig. Abwendungsmittel, Präservativ gegen das 
Böse. Vgl. Schrader Reallexikon 729, Walde 
s. V. Die deutsche Form ÄiHulet wird erst 
im 18. Jh. üblich. 

amüsieren, v.: unterhalten, belustigen. 
Aus franz. amuser «miterhalten, aufhalten, 
hinhalten», eig. «die Zeit vertrödeln lassen», 
gebüdet aus a-, lat. ad und muser «gaifen», 
eig. «das Maul aufspeiTen», zu ital. miiso, franz. 
niuseau «Maul, Schnauze», das noch unaufge- 
klärt ist imd von Sainean im 1. Beiheft der 
Zeitschr. f. rom. Phil. 75 zu nmse, einem Namen 
der Katze, gezogen wird. Das Wort erscheint 
schon im 17. Jh. in der Bed. «aufhalten», die 
auch im 18. Jh. anfangs herrscht (noch bei 
Nieremberger 1753 erscheint sie aiosschüeß- 
lich); später wird die Bed. «unterhalten» die 
gewöhnliche (Lessing 6, 15, Wieland Amadis 
136, auch 1775 bei Heynatz). 

an: nahe zu oder bis zur Berührang 
mit — ; (abstrakt) was betrifft. 1. Präp. 
mit Dat. (auf die Frage wo?) und mit Akk. 
(auf die Frage wohin?). 2. Raumadv. Li 
der verbalen Zusammensetzung bezeichnet an 
auch den Anfang einer Tätigkeit, z. B. an- 
bohren, anbrennen, anreißen, oder eine nur 
geringe Tätigkeit, z, B. anfeuchten, ferner 
auch eine anhaltende Tätigkeit, z, B. anfüllen, 
anbauen, andauern oder eine erfolgi'eiche 
Tätigkeit, z, B, anblasen; vielfach ist es (na- 
mentlich in der Kanzleisprache) vor schon zu- 
sammengesetzte Verba verstärkend getreten, 
z, B, anbelangen, anempfehlen, angehören. 
Li der nominalen Zusammensetzung kann an 
den Anfang oder einen geringern Grad be- 
zeichnen, z, B, Anbeginn, Anhöhe, viele Zu- 
sammensetzungen wie Anfall, Anklang haben 
sich von der verbalen aus entwickelt. Mhd. 
ane, ahd. ana: dazu asächs. an, ndl. aan. 



ags. engl, on, anord. (mit Tilgung des n) ä, 
schwed. a, dän, aa. Verwandt ist gr. ävd 
«auf, an», avest. ana «über-hin», lat, an in an- 
heläre «aufatmen», abulg, fj-, vü- «auf, an». 
Vgl. Walde s. v. Neben der jetzt herrschen- 
den Aussprache mit Kürze findet sich auch 
gedehntes an (Zesen im Reimverzeichnis zum 
Hehkon reimt an auf Wörter mit langem a). 

Anabaptist, m. (-en, PI. -en): Wieder- 
täufer. Aus dem gleichbed. lat. gr. anabap- 
tista, gr. ävaßaiTTicTric m. zu ctvaßaTTTiZuu «wie- 
derholt untertauchen». Daneben auch Anti- 
baptist (Schiller Wallensteins Lager 485), da 
die Wiedertäufer Gegner der Kindertaufe sind 
(gr. dvTi «gegen»). 

Anagramm, n. (-es, PI. -e): Buchstaben- 
versetzung als W^ortspiel, z. B. Regen in 
Neger, Dame in Made usw. Aus dem gleich- 
bed. gr.-mlat. anagraninia, gr, ävd-fpauiua n., 
zusammenges. aus ävd, in Zusammensetzungen 
«auf, aufwärts, wieder, zuiiick» und Ypäiu|Lian, 
«Buchstabe». Im 18. Jh. aufgenommen, bei 
Jablonski 1721 noch Anagramma. 

analog, adj.: gleichförmig, wie ein an- 
deres sich verhaltend. Aus gr. dvdXoYoc «der 
Vernunft (gr. Xöyoc m.) entsprechend, über- 
einstimmend.» Im 18, Jh. erscheint dafür 
analogisch (Lessing 4, 117, noch bei Adelung 
1793), Analogie, f. (PI. -n): Übereinstim- 
mung, Gleichförmigkeit. Aus gr,-lat. ana' 
logia, gr. dva\o-fia f. vom Adj. dvdXoYoc. Bei 
Ludwig 1716. 

analysieren, v. : auflösend zergliedern. 
Aus dem gleichbed. franz. analyser v., ge- 
büdet von analyse f. «Auflösung», das auf 
gr. dvdXucic f. (von dvaXüeiv «wieder lösen, 
auflösen») beruht. Bei Wächtler 1711. 

Ananas f. Aus span. port. ananas, das 
aus dem Peruanischen stammt. Das Wort 
erscheint um 1600 in deutschen Schriften 
(z. B. bei Hulsius Schiffahrten 7, 155, neben 
Ananasos 7, 85, 1628 bei Münster Cosmogr. 
S. 1724 Ananas). 

Anapäst, m. {-es, PI. -e): der Versfuß 
^ ^ — Aus lat. anapaestus, gr. avdxraicToc 
zuiückgeschlagener d, i, umgekehrter Dak- 
tylus, dem als Sahst, gesetzten Mask. des gr. 
Adj. dvdTTaicToc «zuiückgeschlagen» von dva- 
Traieiv « zurückschlagen ». 

Anarchie, f, (PI. -n) : Regierungslosigkeit, 
Nach franz. anarchie von gr.-mlat. anärchia, 
gr.dvapxiaf «Herrschaftslosigkeit» vonävapxoc 
adj. «ohne Oberhaupt» (dv- «un-, ohne», dpxöc 
m. «Führer, Oberhaupt»). Bei Wächtler 1711, 

4* 



55 



Anatomie 



Andauche 



56 



ABL. anarchisch, adj. Anarehist, m. 

(-en, PI. -en) schon im 18. Jh. 

Anatomie, f. (PI. -n): die Kunst Leichen 
zu zergliedern; das zur Leichenzergliederung 
bestimmte Gebäude. Aus lat. anatomia l, dies 
aus gr. ävaTOian f. (äva- und TO|uri «Schnitt») 
«Aufschneiden, Zergliedening». Schon im 
16. Jh. (1565 bei Paraeelsus Op. chirui'g. 611 
Anatomey). ABL. anatomieren, \., 1551 
bei Scheidt Grobiauus 4270. anatomisch, 
adj., bei Krämer 1678. 

anbahnen, v. : einer Sache den Weg be- 
reiten, sie ins Werk setzen und fördern. 
Bei Campe 1807, als landschaftliches Wort. 

Anbeginn, m. (-es): der erste Beginn. 
Mhd.(md.) anhegin m., gewöhnlich anheginnen. 

anbei, adv. : (veraltet) zugleich, daneben; 
hiebei. Aus der Kanzleisprache von Stieler 
1691 aufgenommen, von Adelung 1793 und 
Heynatz 1796 noch als oberdeutsch empfunden. 

anbelangen, v. : betreffen, eig. bis an et- 
was heranreichen. Aus der obd. Kanzlei- 
sprache bei Krämer 1678 angeführt; bei Ade- 
lung und Heynatz 1775 noch beanstandet, 
1796 aber im Antibarl)arus zugelassen, vgl. 
belangen, anlangen. 

anbequemen, v.: anpassen. Eine am 
Ende des 18. Jh. (nach Heynatz 1796 «bei 
neueren Schi-iftstellern») auftretende Ver- 
deutschung von franz. accomoder, vgl. be- 
quemen. 

anberaumen, v.-. von etwas festsetzen, 
wann es sein soll. Mit Verwandlung eines 
ä in au (unter Einfluß von Baum) aus an- 
beramen, so noch Adelung 1793 (wähi-end 
Heynatz 1775 und 1796 anberaumen vorzieht), 
spätmhd. berämen, von mhd. ramen, ahd. rämen 
«zum Ziele nehmen, worauf hin sich richten», 
dazu asächs. rämön «trachten, streben». Aus 
der Kanzleisprache bei Stieler 1691. 

anbeten, v. : aufs höchste verehren. Mhd. 
anebeten, ahd. anabeton. ABL. Anbeter, 
m., mhd. anebetcere, ahd. anabetäri. An- 
betung, f., spätmhd. anebetunge f. 

Anbetracht, m. : erwägende Anschauung, 
Erwägung ( nur in der Verbindung in A.). 
Aus der Kanzleisprache bei Gottsched 1758, 
Adelung 1793, Hej'^natz 1796 angeführt, aber 
als oberdeutsch bekämpft. 

anbinden, v.: durch Binden anheften, 
Mhd. anebinden, ahd.anabintan. Redensarten: 
mit einem a. «mit jemand Streit anfangen» 
(abgeschwächt «überhaupt sich mit jemand 
einlassen»), dafür in der altern Sprache mit 



einem aufbinden (s. DW. 1, 622), was auf 
das Aufsetzen und Festbinden des Helmes 
von selten dessen, der sich zum Kampf rüstet, 
^eht [mit einem a. zuerst bei Krämer 1678); 
kurz angebunden d. i. bald in Harnisch kom- 
mend, leicht gereizt, zum Streite geneigt 
(zuerst bei Schönsleder 1618). Aus der Bed. 
«festbinden» geht die von «beschenken» her- 
vor (z. B. bei Fleming 42), da Geschenke an 
den Hals, Arm usw. gebunden zu werden 
pflegten. Redensart: einen Bären a. «Schulden 
machen» (so 1781 bei Kindleben); früher heißt 
einetti einen Bären a. «einen belügen» (so 
schon bei Grimmeishausen Simpl, 243 und 
noch bei Wieland) eig. einem eine ei-logene 
Jagdgeschicht« aufbinden, woraus dann wohl 
die Bed. «durch Vorspiegelungen Geld aus 

jemand herauslocken» hervorgegangen ist. 

Anblick, m. (-es, PI. -e): worauf ge- 
richteter Blick; Angeblicktes. ^Ihd. aneblic 
m. — anblicken, v.: den Blick worauf 
richten. Mhd. aneblicken. 

anbrechen, v.: l. trans. etwas wovon 
abzubrechen anfangen, z. B. einen Kuchen, 
eine Flasche. 2. intrans. als Zeit oder zeit- 
liche Erscheinung (mit Geschwindigkeit, mit 
Macht) anfangen zu sein, z. B. der Morgen, 
das Jahr, die Schlacht bricht an. Frühnhd. 
(auch bei Luther). — Anbruch, m.: der 
Anfang etwas wovon abzubrechen, sowie dieses 
Abgebrochene selbst; der Anfang des Über- 
ganges zur Verderbnis an sonst Gesundem, 
z. B. Anbruch des Obstes, Weines; der Be- 
ginn einer zeitlichen Erscheinung. Frühnhd. 
ABL. anbrüchig, adj. (bloß nach der 
2. Bed. von Anbruch), bereits im 16. Jh. 

AnchOTi, f. (PI. -s): eine Sardellenart. 
Nach ndl. ansjovis f., engl, anchovy, aus port. 
anchova, span. anchoa, franz. anchois f., das 

1 aus dem Baskischen abgeleitet wird. Bei 
Anchinoander Gramm. Ital. Vocab. c 2*^ 1653 
Anschioven, bei Duez 1664 Anchove. 

Andacht, f. (PI. -en): die feste betrach- 

I tende Richtung der Gedanken, insbesonders 

' auf Gott und Göttliches; inniges Gebet. Mit 
Kürzung des zweiten a aus mhd. anedäht, 
ahd. anadähtt, von denken. A5L. andächtig, 
adj., mhd. anedcehtec, ahd. anadähtir. 

Andauche, f. (PI. -»): überdeckter Ab- 
zugsgraben an Gebäuden, auch an nassen 
Äckern. Am Mittelrhein. Spätmhd. ädüche 

; (1304 fluxum et motum per aqueductum qui 
dicitur aeduche Böhmer cod. dipl. Francofur- 

i tanus S. 360), ädücht, mit Anlehnung an das 



57 



Andenken 



Anfall 



58 



aus mhd. ahe f. zusammengezogene a (s. -a) 
aus lat. aquaedudus f. '^< Wasserleitung». \^ 
Ahzucht. 

Andenken, n. i-s, PI. wie Sg.): Richtung 
der Gedanken auf jemand oder überhaupt 
einen Gegenstand, um ihn sich wieder vor- 
zustellen; was zum Andenken gegeben wird. 
Spätmhd. andenken n. «Erinnerung, Wissen», 
substantivierter Inf. des Y. mhd. anedenken, 
ahd. anadenken. Die 2. Bed. (nach franz. 
Souvenir) bei Stieler 1691. 

ander, adj.: (veraltet) Ordnungszahlwort 
der Zweizahl: über bereits Bezeichnetes vor- 
handen: außer dem Bezeichneten vorhanden 
und davon verschieden. Mhd. ander, ahd. 
andar, dazu asächs. ääar, ödar, ndl. ander, 
afries. öther, ags. öder, engl, other, anord. 
annar, schwed. annan, dän. ander, got. anpar. 
Eine komparativische Bildung, übereinstim- 
mend mit Jit. rt/7f/-a.9, preiLß. änters, lett. otrs 
«der andere», ^^.anüiräs «ein andrer, verschie- 
dener/-^ (zu anjäs «der andere»). ABL. ändern, 
V. : anders machen, mhd. endern, andern. 
anders, genetiv. adv.: auf andere Weise, 
sonst, mhd. anders, spätmhd. auch änderst, 
vgl. einst, was auch nhd. selbst schriftsprach- 
lich vorkommt (Haller Ged. 58. Wieland 
Aurora u. Ceph. 583. Schiller Eäuber 3, 2), 
ZUS. anderseits, adv. (bei Gombert 5, 9 
Belege von 1610 und 1618): mit angetretenem 
genetiv. -s aus mhd. andersit. Ein^ Neben- 
form, die auch den 1. Bestandteil des Wortes 
genetivisch gestaltet, ist andrerseits (bei 
Gombert mit Beleg von 1661 1. anders WO, 
adv.: mhd. arulerswä, zusammenges. mit dem 
genet. Adv. anders, anderthalb, adv. Mit 
eingetretenem t aus mhd. anderhalp, auch 
anderthaip. anderwärts, adv.: anderswo- 
hin, anderswo, zum andern Male (in der 
letzten Bed. von Dasvpodius 1537 angeführt): 
davon anderivärtig, adj. (bei Gombert 7, 5 
von 1618 andericertig). anderweit, adv.: 
(veraltet) zum zweiten Male; an andrer 
Stelle, anders. Mhd. anderweide (ebenso dri 
weide «dreimal» usw.j in der 1. Bed., wie 
amleriveyt bei Luther; daneben mhd. auch 
in der 2. (heil. Ehsabeth 3774 andertceit 
«anderwärts», 6526 <^^^auf eine andere Art»). 
Davon anderweitig, adj. (bei Gombert 7, 6 
vom J. 1641 ), in der Kanzleisprache, wo aber 
auch andertceit als Adj. verwendet wiid, wie 
1663 bei Schottel Vorr. u. S. 344. 

andeuten, v.: etwas durch einen Hin- 
weis zu verstehen geben: nur obenhin be- 



zeichnen. Im 16. Jh. aufgekommen (belegt 
z. B. bei Albertinus weibl. Lustgai-te 246). 

Andorn, m. {-es, PI. -e^•. die Pflanze 
marrubium. Mhd. ahd. andorn m. n. Dunkler 
Herkunft. 

Anekdote, f. (PI. -«): unterhaltendes 
(neuesj Geschichtchen aus jemandes Leben. 
Aus dem gleichbed. franz. anecd.ote f., das 
auf gr.-lat. anecdota, gr. dveKbora, Xtr. PI. 
von dvexboToc «nicht ausgegeben, nicht be- 
kanntgemacht» (dv- «un-, nicht», bibövai «ge- 
ben») beruht. Um die Glitte des 18. Jh. auf- 
genommen (Gottsched, Lessing 7, 225; Ade- 
lung hat noch die Bed. «eine unbekannte Be- 
gebenheit»). 

Anemone, f. (PI. -n)-. Windröslein, Wind- 
bliime. Aus dem gleichbed. gr.-lat. anemone, 
gr.dveuujvrif., abgeleitet vondveuocm. «Wind»; 
die Benennung, weil sich die Blume nui- bei 
wehendem Winde öflEnet (Plinius bist. nat. 21, 
94). Doch vgl. Levy Die semit. Fremdw. 
im Griech. 49. 1546 bei Bock Kreuterb. 49^ 
Anemonerößlin und Anemone. 

Anerbe, m. (-n, PI. -«): der Erbe, der 
den nächsten Anspruch an ein hinterlassenes 
Gut hat. Mhd. anerbe m. Vgl. Ganerhe. 

Anerbieten, n. (-.s, PI. wie Sg.); an je- 
mand gerichtetes Erbieten. Ln 17. Jh. aufge- 
kommen ( Harsdörfer Gesprächspiele 2, AIII^). 
Eig. substantivierter Lif. des V. anerbieten, 
bei Schönsleder 1618 verzeichnet, stammt wohl 
aus der Kanzleisprache. 

anerkennen, v.: etwas durch bestimmt-e 
Erklärung als richtig und giltig annehmen, 
insbesondere bei Gericht: etwas ausdi-ücklich 
billigen. Erst bei Adelung 1774. 

anfachen, v. : zum volleren Dasein auf- 
regen, eig. anblasen. Wie fachen (s. d.) erst 
der neuem Dichtersprache geläufig, bei Gott- 
sched, J. E. Schlegel u. a., von Wieland seit 
1751 (Suppl. 1, 145) gebraucht (bei Xierem- 
berger anfacheht). 

anfaliren, v.: l. intrans. zu Schiff oder 
Wagen dicht herankommen. 2. trans. zu 
Wagen heranbringen; sich mit harter Rede 
gegen jemand wenden (bei Luther). Mhd. 
anevarn «ein Gut in Besitz nehmen», ahd. 
anavaran «herangehen, jemand anfallen». 

Anfall, m. {-es, PI. Anfälle): das plötz- 
liche Herankommen z. B. von Feinden, mhd. 
aneval m.; plötzlicher Anstoß von Krank- 
heiten, Gemütsbewegungen; unvermutetes Zu- 
fallen von Eigentum und das Zugefallene 
selbst (auch schon mhd.). 



59 



Anfang 



angenehm 



60 



Anfang, m, (-es, PI. Anfänge) : das Erste 
wovon. Mhd. anevane, ahd. anafang m. Von 
anfangen, früher anfallen ( s. fangen), v. : am 
Beginn wovon sein (eig. Hand woran legen zum 
Halten, woran tätig werden); im Beginn be- 
griffen sein. ]yilid. anevähen, ahd. anaßhan. 
ABL. anfangs, genetivisches adv., frühnhd. 
anfänglich, adj. und adv.: bei Luther. ZUS. 
Anfangsgründe, PL: 1710 vom Philosophen 
Chr. Wolff gebraucht, s. Gombert 6, 3. 

anfechten, v.: (veraltet) mit Waffen wo- 
rauf eindringen: worauf empfindlich ein- 
wii-ken, beunruhigen; besti'eiten. Mhd. ane- 
vehten, ahd. anafehtan. 

Anflug, m. i^-es, PI. Anflüge) : da.s Heran- 
kommen durch die Luft, sowie das Heran- 
gekommene selbst; (veraltet) eine äußerlich 
wahrnehmbare Ki-ankheit. z. B. ein Gesichts- 
ausschlag; eine schwach ausgeprägte Eigen- 
schaft, vorübergehende Stimmung (erst bei 
Campe 1807j. 

anführen, v. : an der Spitze stehend leiten; 
(veraltet) worin unterweisen, (dann) mißleiten, 
hintergehen (nach Gombert 6, i schon 1557 
mit geschmierten Worten a.): zum Beweise 
für- Gesagtes beibringen, z. B. Woiie eines 
andern (bei Gottsched). ]SIhd. anevüeren «an 
sich tragen», ahd. anafuaren «herbeibringen». 
ABL. Anführung, f. (nach der L und 4.Bed. 
von anführen). Damit zusammenges. Anfüh- 
rungszeichen, n., bei Adelung 1774. 

Anfurt, f. (PI. -en) Landeplatz. Bei Luther 
als m. und f. Wie Furt (s. d.) zu fahren. 

angehen, v.: l. intrans. (beim Karten- 
spiel) zuerst geben; Töne hervorbringen (von 
Instrumentenj. 2. trans. ansagen, vorbringen; 
veranlassen, anordnen; zur Bestrafung an- 
zeigen, mhd. anegebeyi. ABL. angeblich, 
adj, und adv. (nach der 1. Bed. des trans. 
V.), bei Frisch 1741, aber von Adelung 1793 
noch beanstandet. 

Angebinde, n. (-s, PI. wie Sg.): Fest- 
geschenk (eig. Gebui-tstagsgeschenk, das dem 
Feiernden an den Hals oder Ann gebunden 
wurde). Im 1 7. Jh. aufgekommen, vgl. anhinden. 

angedeihen, v.: zuteü werden, nur in 
der Redensart a. lassen. In der altern Sprache 
ist an mich oder mir gedeihet es «gerät an 
mich, widerfährt mir, wü'd mü- zuteü». 

Angedenken, n. (-s): wie Andenken 
(s. d.). Im 14. Jh. angedenken «Erinnerung» 
(bei dem Mystiker Eckhart). 

angehen, v. : l. intrans. anfangen, in 
einen Zustand geraten, z. B. (vom Feuer und 



Brennbarem) entbrennen, mhd. anegan, gen, 
ahd. anagän, gangan; erträglich, hinreichend 
sein (bei Luther und im altem Nlid. nur 
mit dem Dat.: »mV gehet an '<mir gelingt, 
meine Sache hat Fortgang»). 2. trans. sich 
gegen jemand wenden, feindlich oder freund- 
lich; (von Dingen) jemand berühren, betreffen 
(beide Bed. auch mhd. ahd.). 

Angel, f. (PI. -n\ als m. nur noch mund- 
artlich «Bienen-, Wespen- usw. Stachel») : spitzer 
Haken zum Fischfange: Einhängehaken für 
Tüi-e, Fenster usw. Mhd. angel m. f., ahd. 
angiilm.; dazu asächs. angul m. «Angelhaken», 
mnd. angel m. «Stachel, Fisch-, Türangel», ndl. 
angel m. «Stachel, Angel», ags. ongel m., engl. 
angle «Angelhaken», anord. öngull m., dän. 
angel «Angelhaken», aisl. öll, all m. aMS*anhulas 
«Keim» (Noreen ürgerm. Lautlehre 25); ent- 
spricht genau aiad. atdkuräs m. «Sprößling, 
junger Schoß», gi'iech. ciyküXoc «ki'umm». Das 
einfache Wort hegt vor in mhd. ange m. 
«Fisch-, Türangel», ahd. a«^o m. «Spitze, Tür- 
angel», ags. onga m. «Stachel», anord. angi 
m. «Spitze», verwandt mit lat. ancus «mit 
krammem Arm», uncus m. «Haken», gi*. öykoc 
m. «Widerhaken», öykiüv m. «Bug, Ellenbogen», 
oYKOc n. «Bucht, Tal», skr. aidkäs m. «Haken». 
Luther gebraucht das Wort in der Bed. «Pisch- 
angel»als m., was auch später bis in die neueste 
Zeit nicht selten ist, z. B. Günther 873, Wieland 
Musarion 85, Goethe 1, 169, Schiller Picc. 5, 
1, Eückert 5, 51. ABL. angeln, v.: mit 
der Fischangel fischen, mhd. angeln, ahd. an- 
gilon; übertragen zu fangen suchen. ZUS. 
Angelstern, m. : Polarstern. Verdeutschung 
des 17. Jh. (bei Fleming 160. 625). angel- 
weit, adj. und adv.: so weit offen, als die 
TüiangeLn zulassen. Fiühnhd. (1562 bei Ma- 
thesius Sarepta 203*). 

augelegen, Angelegenheit, s. anliegen. 

angemessen, adj. und adv.: so abge- 
messen, daß es einer Sache entspricht, passend, 
ziemhch. 1749 bei Gottsched. 

angenehm, adj.: gern angenommen; 
Wohlgefallen erweckend. Fiühnhd. (im Tri- 
strant, ed. Pfatf 63, 21, Wormser Druck an- 
genäm, Sallust B 3 und Murner luth. NaiT 
3040 angenem, Luther 8, 513 Weim. und später 
angeneme). Im Mhd. (ohne an) genceme, um 
1100 genäme (in «vi^ena^ne «unangenehm»), da- 
neben annceme, mnd. annäme und angenäme, 
vgl. ahd. nämi «angenehm», got. andanems 
«angenehm» zu andniman «entgegennehmen». 
Vgfl. annehmlich. 



61 



Anger 



Auhöhe 



62 



Anger, m. (s, PI. wie Sg.): wildgmnes 
Grasland, Grasfleck. ^Ihd. anger, ahd. angar 
m. «ungepflügtes, wildgrünes Bauland, Gras- 
land»; dazu anord. e^gr f., engin. «Wiese» und 
•weiter zu griech. a-fKoc n. -Tab, vgl. unter J.w^e?. 

Augesicht, n. i-es, PI. -e, -er): worauf 
fallender Blick; (dem Blick zugekehrte) Vor- 
derseite des menscliliclien Kopfes. Aus mhd. 
angesihte n. «Anschauen)^, (in md. Quellen) 
«AntHtz», daneben angesilit f. «Anschauen», 
ahd. (ohne ge-) anasilit f. Anschauen, An- 
blick». S. Gesicht. ABL. Angesichts, genetiv. 
adv.: im Anblicke; im Augenblick, sofort. 
Bei Luther. 

angreifen, v. : mit den Händen Avoran 
rühren, mhd. anegnfen, ahd. anagrifan; Hand 
anlegen, sich zu etwas schicken; (von Geldern) 
anfangen zu zehren (in diesen beiden Bedd. 
auch schon spätmhd.): sich feindlich gegen 
jemand wenden (bei Luther); die Kräfte in 
Anspruch nehmen (auch bei Luther). In 
dieser Bed. auch refl. sich a. — Angriff, m. 
{-es, PI. -e): Beginnen, Unternehmen; Anfall. 
Mhd. angrif, ahd. a;i «gm/ «Betastung. Anfall;/. 

Angst, f. (PI. Ängste): das Engewerden 
in der Brust, beengendes Gefühl worüber. 
Li unpersönlichen Redensarten mir ist, wird. 
macht angst, erscheint das Subst. A. adjekti- 
visch. Aus mhd. angest f., seltener m., ahd. 
angust f., wie mnd. angest m., abgeleitet von 
angi «eng». Entsprechend lat. angustia f. 
«Enge» und angustus «enge» von lat. anger e 
«zusammendrücken, beklommen machen», abg. 
qzosti «angustiae». ABL. ängsten, häufiger 
ängstigen, v.: mhd. engesten, ahd. angusten 
und engstigen, das von dem Adj. engstig 
(bei Luther), ahd. angustig abgeleitet ist. 
ängstlich, adj. und adv.: Angst habend, 
Angst verursachend, mhd. angestlich, engest- 
lich, ahd. angustUh. ZUS. Angstschweiß, 
m., bei H. Sachs. 

^ Angster, m. (-s, PL wie Sg.); hohe eng- 
halsige Trinkflasche oder Krug. Süddeutsch. 
Mhd. angster m. aus gleichbed. mlat. angu- 
strum, florent. anguistära, inguistära, von lat. 
angustus «eng//. 

"Angster, m. {-s, PI. wie Sg.j : alte kleinste 
Schweizer Scheidemünze, ^/g Schilling. Seit 
dem 14. Jh. bezeugt. Wahrscheinlich aus lat. 
angustus «eng, schmal, klein, dünn». 

anhahen, v. : am Leibe haben ( bei Lutherj ; 
[einem etwas a.) an jemand Anhalt ziir 
Schädigung gewinnen (mhd. einem anehaben 
«sich an jemand halten, Hand an ihn legen»). 



anhalten, v.: l. trans. festhalten; in der 
Bewegung aufhalten, zurückhalten; {zu etwas 
a.) andauernd zu etwas nötigen (bei Luther). 
2. intrans. Halt machen; fortdauern: [um 
etwas a.) andauernd um etwas bitten (in 
beiden Bedd. bei Luther). 

Anhang, m. {-es, PI. Anhänge) : was sich 
anhängt; als unwesentlich Beigefügtes; eine 
zugetane in Tun und Treiben folgende Per- 
son oder eine Gesamtheit solcher Personen. 
Mhd. anehanc m. — anhangen, durch Ver- 
mischung mit dem trans. V. auch anhängen, 
V. : woran hangen ; fest zugetan sein. Mhd. 
anehangen. ABL. Anhänger, m.: der einer 
Person oder Sache zugetan ist (bei Luther). 
anhängig, adj.: (veraltet) zugetan: zu- 
gehörig; (von Prozeßsachen) schwebend, der 
Entscheidung entgegensehend (aus der Kanz- 
leisprache bei Luther). — anhänglich, adj.: 
dauernd zugetan. Bei Adelung 1793, aber 
von Heynatz 1796 als wenig üblich bezeichnet. 
— Anhängsel, n. : anhangender Gegenstand. 
1733 bei Gottsched. 

anheben, v.: anfangen, eig. angreifen 
zum Bewegen. Mhd. aneheben. Nur in feier- 
licher Sprache. 

anheim, akkusat. adv.: eig. an das Haus 
(vgl. Heim); zu freier Verfügung. Li der 
Kanzleisprache des 16. Jh. erscheint a. in 
festen Verbindungen mit Verben (vgl. a. ziehen 
Reichs-Ordnungen 136^), von denen jetzt noch 
anheimfallen, -gehen, -stellen üblich sind (da- 
für bei Luther 3, 112'' Jen. heimfallen, 3, 125^ 
heimgehen). 

anheimeln, v. : heimisch anmuten. Bei 
Dentzler 1709 verzeichnet und durch Schweizer 
Schriftsteller ins Hochd. gekommen, aus dem 
es Campe 1807 anführt, heimeln ist mit einer 
diminut. Endung von heim gebildet. 

anheischig, adj.: durch Versprechen ver- 
pflichtet (nur noch in sich a. machen). Ent- 
standen durch Ernwü-kung von heischen (s. d. ) 
aus mhd. anthei^ec «durch Versprechen schul- 
dig», abgeleitet von mhd. ahd. anthei^ m. 
«Gelübde», dazu got. andahaitn. «Bekenntnis» 
neben andhaitan «bekennen». 1576 beiMathe- 
sius Luther 104^ anheischig (1566 anheschig). 

anher, adv. : hierher, bis hierher. Frühnhd. 
Kanzlei ( Janssen Frankf. Reichscoir. 1, 913 ). 

anherrschen, v.: herrisch anfahren. 
Junges Wort, noch nicht bei Campe 1807. 

Anhöhe, f. (PI. -n): mäßige Erhöhung. 
1741 von Gottsched und 1748 von Klopstock 
(Messias 2, 43) gebraucht. Schon mnd., auch 



63 



Anis 



Anlaß 



64 



später bei Niederdeutschen erscheint Amberg 
(d. i. Än-berg) «Hügel», eig. «mäßig ansteigen- 
der Berg», wonach wohl Anhöhe gebildet ist. 

Anis, m. (Gen. Anises, PI. Anise): eine 
Gewürzpflanze und ihr Same. Spätmhd. ants 
und (umgelautet) enis n. aus dem gleichbed. 
gr.-lat. amsum n., gr. avicov n., einer Neben- 
form von gr. ävricov n., ävrixov, äviiGov «Dill». 
In der Schriftsprache ist die mit dem Lat. 
übereinstimmende Form durchgedrungen, wäh- 
rend älternhd. oft aneis und (mit Ton auf 
der 1. Silbe wie jetzt obd.) enis vorkommt. 

anitzt, anjetzt, adv.: Erweiterungen von 
itzt (s. d.) «jetzt», aus der Kanzleisprache 
[anietzt bei Opitz 2, 265). 

^Anke, f. (PI. -n) -. «Nacken». In Thüi'ingen, 
Franken, Schwaben und am Mittelrhein (Maler 
Müller 2, 67). Mhd. anke f. «Genick, Gelenk 
am Fuß», ahd. ancha f. «Genick», encha (mit 
Umlaut) f. «Beinröhre». Urspr. s. v. a. Gelenk, 
Gliedkrümmimg zur Bewegung. Vgl. auch 
got. halsagga m. (für überliefertes balsagga 
vermutet) «Nacken»; zu gr.ciYKÜJv «Ellenbogen» 
s. Angel. S. auch Enkel. 

"Anke, Anken, m. (Gen. und PI. Anken), 
selten f.: Butter. In der Schweiz, dem Elsaß, 
am Oberrhein. Mhd. anke m., ahd. anko m. 
und anka f., auch in Zusammensetzung ajic- 
smero m. «Butter». Verwandt sind lat. un- 
guere «schmieren», unguen, umbr. mnen «Salbe, 
Fett», altir. imb, preuß. anktari «Butter», aind. 
ats'j «salben», ajjam «Opferschmalz». ABL. 
anken, v.: buttern. 

^Auker, m. {-s, PI. wie Sg.): Eisen mit 
Widerhaken zum Auswerfen ins Wasser, 
wenn das Schiff stehen soll. Mhd. anker, 
spätahd. anchar m.; mit ndl. anker n., ags. 
ancor, oncor m., engl, anchor, anord. akkeri 
n., schwed. ankare n., dän. anker n., entlehnt 
aus gr.-lat. ancora f., gr. ä^Kupa, Grundbegrifi" 
«das Gekrümmte», zu der unter Angel be- 
sprochenen Sippe gehörig. Der eig. ahd. 
Ausdruck senchil m., sinchila f. «Senkel» (s. d.) 
wurde durch das von Norden her eindringende 
entlehnte A. verdrängt. ABL. ankern, v. : 
mhd. ankern, auch (umgelautet) enkern. 

"Anker, m. (-s, PI. wie Sg.): ein etwa 
■■/g Eimer haltendes Maß. Aus dem ndl. 
anker n. ins Hochd. aufgenommen (bei Frisch 
1741 verzeichnet), das auf dem eine kleinere 
Tonne als Maß bezeichnenden mlat. aneheria, 
anceria f. beruht. 

Anklang, m. {-s, PI. Anklänge): durch 
Anschlag hervorgerufener Klang; anhebender 



Klang : sich anschließender, verwandter Klang, 
(bildlich) entsprechende Empfindung usw. (in 
A. finden). Ein Adelung noch unbekannter 
Ausdruck der neuern Dichtersprache (in der 
3. Bed. bei Voß 3, 169, dann auch bei 
Goethe). 

anklingen, v. (mit starker Flexion): mit 
dem Klange woran rühren. Dagegen an- 
klingen (mit schwacher Flexion): Glas wider 
Glas anstoßen, daß es einen Klang gibt. Oft 
bei Voß (aber bei Goethe Faust 5276 mit 
starker Flexion angeklungen). 

ankommen, v.: wohin kommen um da 
zu sein; an jemand herankommen, über jem. 
kommen (jetzt noch im Ausruf komm an!, 
Schiller Braut v. Mess. 3, 2, Lessing Nathan 
1, 3, früher wie mhd. anekonien , ahd. ana 
quenian mit trans. Akk.); etwas kommt mich 
an «ich werde davon befallen» (jetzt auch mit 
Dat. wie schon bei Luther Weish. 16, 21), 
mit Adv. z. B. schwer «ich werde wovon er- 
griffen» (bei Luther); es darauf a. lassen 
«das Herantreten, den Verlauf einer Sache ab- 
warten » (bei Stieler 1691) ; es kommt an auf — 
es tritt an — heran, um dadurch in seinem 
Verlauf bestimmt zu werden (bei Ludwig 1716). 
ABL. Ankömmling, m. (s, PI. -e): wer 
ankommt. Bei Krämer 1678. — Ankunft, f.: 
(veraltet, doch noch bei Goethe 16, 50) Ab- 
stammung; Ankommen (so schon bei Luther). 

ankörnen, v.: anlocken, eig. Vögel durch 
ausgestreute Körner (Goethe Götz 2, 13). Bei 
Duez 1664. 

Anlage, f. (PI. -n): Beilage; die dem Ein- 
zelnen auferlegte Steuerleistung (frühnhd.); 
Aufwendung von Geldern zu bestimmtem 
Zwecke ; Entwurf eines Gebäudes, Gartens usw. 
und das Angelegte selbst (Frisch 1741); an- 
geborne Fälligkeit (erst um 1750, z. B. Lessing 
7, 363). Mhd. anläge f. «Bitte, Anliegen». 

anlanden, v.: ans Land fahren. In der 
altern Sprache dafür anlanden (so noch bei 
Wieland 20, 260). 

anlangen, v.: l) intrans. ans Ziel ge- 
langen, mhd. anelangen. 2) trans. (veraltet) 
bittend angehen (bei Luther Ap. -Gesch. 25, 
24); betreffen (frühnhd., auch bei Luther). 

Anlaß, m. (Gen. Anlasses, PI. Anlässe): 
das Bewegende zu einer Handlung. Mhd. anelä^ 
m. «Ort, von dem aus das Rennen losgeht; 
schiedsrichterlicher Austrag einer Sache» (die 
jetzige Bed. ^chon frühnhd). ABL. anläß- 
lich, adv. (nnt Gen.) : in der neuern Kanzlei, 
spräche (noch nicht bei Adelung). 



65 



anlassen 



annektieren 



66 



anlassen, v.: wohin oder wozu los lassen, 
mhd. anelä^en, anelän, ahd. analä^an; an 
den Körper angelegt oder angetan lassen; 
harte Worte an jemand richten (Stieler 1691). 
Refl. sich a. «Fähigkeit und Tätigkeit wozu 
zeigen» (frühnhd.). 

Anlauf, m. (-es, PI. Anläufe) : ausholende 
geschwinde Bewegung woi'aufhin. Mhd. ane- 
loufm. «Anrennen, Angriff», ahd. anahlouf m. 
«Ansturz». — anlaufen, v.: laufend wider etwas 
kommen, mhd. aneloufen, ahd. anahloufan; 
(bildlich, zunächst vom Wüd, das gegen die 
Waffe des Jägers rennt) widerrennen, in seinem 
Tun durch Übeln Erfolg abgeschreckt werden; 
anschwellen; von etwas Leichtem überzogen 
werden, z. B, der Spiegel, der Wein läuft an 
(1696 im Persian. Baumgarten 9, 19). 

Anlaut, m. (-es, PI. -e) : der Anfangslaut 
eines Wortes. Grammatischer Kunstausdruck 
Jäc. Giimms. 

anlegen, V.: woran legen, mhd. anelegen, 
ahd, analeggen; an sich legen als Kleid oder 
Schmuck (schon mhd. ahd.); (von Schiffen) 
sich ans Ufer legen; (von Gewehren) zum 
Ziele richten (daher es ivorauf a. «es worauf 
abgesehen haben»); zu einem bestimmten 
Zwecke nutzbringend verw^enden (spätmhd.); 
anrichten, anstiften (bei Luther mit Dat. 
«einem etwas zufügen»); entwerfen und zur 
Ausführung bringen. 

Anlelien, n. {-s, PI. wie Sg.): Hingabe 
von Geld gegen Zinsen. Mhd. anlehen, ahd. 
analehan n. (s. Lehen). — Anleihe, f. (PI. -n), j 
in gleicher Bed., aber mehr von hohen Geld- ] 
summen. Erst bei Adelung 1774 («in Ober- 
deutschland»), j 

anliegen, v.: sich dicht woran fügen; 
einem andauernd bittend zusetzen; einem I 
Nachdenken und Sorge verursachen, Mhd. ' 
aneligen, ahd. analiggen in diesen 3 Bedd. 
Substantiviert Anliegen, n. (-s, Pl.wieSg.), \ 
nach der 2. und 3. Bed. von anliegen. Früh- : 
nhd. Das Part. Prät. angelegen steht oft ! 
adjektivisch: Nachdenken und Sorge mit Eifer 
zvir Tätigkeit verursachend (bei Luther). Da- , 
von Angelegenheit, f. : was mit Nachdenken 
und Sorge beschäftigt (so noch Lessing Nath. ! 
3, 2), daun überhaupt Geschäft (Gombert 7, ! 
6 V. J. 1619), rmd angelegentlich, adv.: mit I 
eifriger Fürsorge (bei Dentzler 1709 noch ohne ' 
das eingeschobene t angelegenlich). \ 

anmaßen, v. (mit refl. Akk. und Gen. der j 
Sache oderDat. und Akk. der Sache): naehMaß- ! 
gäbe des Zustehenden in Anspruch nehmen; über 

Weiganä, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



das Maß des Zustehenden in Anspruch nehmen. 
Mhd. sich anemä^en (mit Gen.) auch schon in 
der 2. Bed. ABL. Anmaßung, f., frühnhd. 

Anmerkung, f. (PI. -en)-. mündliche oder 
schriftliche Bemerkung (1663 bei Schottel als 
Verdeutschimg des lat. ohservatio, noch bei 
Lessing,Goethe); gelegentlich angefügte schrift- 
Hche Bemerkung. 

Anmut, f.: (veraltet) die Seelenstimmung 
zu etwas, das Vergnügen macht, Neigung, 
Verlangen (so zuerst 1514 bei Lilien ci"on 3, 
147, aber als M., daneben schon im 16. Jh. 
als F.); Freude, Lust (noch bei Hagedom, 
Werke 3, 93) ; wohlgefälliges anziehendes Wesen 
(so zuerst bei Stieler 1691). Diese jüngere Bed. 
im Anschluß an das Adj. anmutig: Neigung 
hei'vorrufend, Verlangen erweckend, daher ge- 
fällig, lieblich (so schon bei Mumer Schelmen- 
zunft 12, 20 anmietig red d.i. wohlgefälhge), — 
anmuten, v.: ein Verlangen an jemand rich- 
ten, einem etwas ansinnen, mhd. aneniuoten 
(mit Akk, der Person und Gen. der Sache, 
später mit Dat. der Person und Akk, der Sache) ; 
(mit Akk. der Pers.) das Gemüt ansprechen, 
Wohlgefallen erregen (noch nicht bei Adelung 
1793, von Wieland 23, 341 füi- interessieren 
empfohlen und dann von Goethe in der jetzigen 
Bed. gebraucht), 

Anna, Frauenname. Aus der kirchlichen 
gr.-lat. Form Anna nach dem hebr. Frauen- 
namen Channäh (l. Sam. 1), urspr. Appellativ 
in der Bed. «Gnade, Flehen um Gnade». 

Annalen, PI. : geschichthche Ereignisse ver- 
zeichnende Jahrbücher. Aus demgleichbed.lat. 
annales (nämlich Zi&ri «Bücher»), dem subst.Pl. 
des M. des Adj. annalis «das Jahr betreffend», 
von annus m. «Jahr». Im 18. Jh. entlehnt. 

Annaten, PI.: die im ersten Jahr an die 
päpsthche Schatzkammer fallende Hälfte des 
Zinses von einer geisthchen Pfmnde. Aus dem 
gleichbed. mlat. PI. annatae von annus m. 
«Jahr». Frühnhd, (Luther 8, 708 Weim.). 

annehmlich, Adj,: gerne angenommen 
und gefallend. Gebildet aus dem mhd. Adj, 
annceme «angenehm. Heblich», mit der Ab- 
leituugsendung -lieh. Frühnhd. 

annektieren, v.: sich ein Land anghe- 
dern; überhaupt «sich aneignen». Nach franz. 
annexer «anhängen, einverleiben» aus lat. 
annectere (aus ad-nectere) «anknüpfen, ver- 
einigen». Rot 1571 hat annectirn in der Bed. 
«aneinander knüpfen», die auch Campe 1811 
allein kennt. Die jetzige Bed. wurde nach 
1859 üblich. Vgl. Ladendorf Hist. Schlagwb. 



67 



aunoch 



Ansicht 



68 



annoch, Adv., mit an verstärktes 7ioch. 
Schon in der Kanzleisprache des 15. Jh. 

Annonce, f. (PI. -n); Ankündigung in der 
Zeitung. Aus dem gleichbed. franz. annonce f. 
von awwowcer« ankündigen», das auf lat.anwMW- 
ciare d. i. ad-nunciare «ankündigen» beruht. 
Gegen Ende des 18. Jh. entlehnt (1795 bei 
Campe Bereicherimg besprochen). 

Anomalie, f. (PI. -n); Abweichung von 
der gemeinen Regel. Aus dem gleichbed. 
gr.-lat. anomalia i., gr. dvuujuaXia f. eig. 
«Ungleichheit» von dem Adj. dvuj|aa\oc «un- 
gleich» (dv- «un-», b^dköc «gleich»). Bei 
Sperander 1728. 

anonym, Adj.: ungenannt (ohne Angabe 
des Namens). Aus gr. dvdjvu|uoc «namenlos» 
(dv- «un-, ohne» und övu|uafür övoiuan, «Name»). 
Im 18. Jh. dafür anonymisch (Schiller 2, 381). 

anranzen, s. ranzen. 

Anrecllt, n. (-es, PI. -e) -. das Recht woran. 
Wohl in der Kanzleisprache gebildet, im 18. Jh. 
allgemeiner gebraucht (Herder 1, 2). 

anregen, v.: (veraltet) an etwas rühren, 
mhd. aneregen: berühren, erwähnen (früh- 
nhd.) ; den Anstoß zu etwas geben (schon bei 
Luther) ; (mit Akk. der Person) einen zu etwas 
bewegen oder auf etwas hinleiten. 

Anrichte, f. (PI. -«) ; der Küchentisch, die 
fertigen Speisen zum Auftragen zu bereiten. 
Mhd. anrihte f. — anrichten, v.: fertige 
Speisen zum Auftragen zurecht machen ; über- 
haupt «zurecht machen; entstehen machen». 
Mhd. anerihten. 

anrüchig, Adj.: in keinem guten Rufe 
stehend. In neuerer Zeit an Stelle des zuerst 
im 15. Jh. auftretenden anrüchtig (noch bei 
Campe 1807) getreten. Dies bezeichnet etwas 
oder jemand, dessen Ruf, Gerücht (s. d.) an- 
fängt schlecht zu werden. Die Umgestaltung 
des Wortes (gleichsam «anfangend übel zu 
riechen») erfolgte unter Einfluß von Wörtern 
wie Geruch = Ruf, ruchhar (s. d.). 

aus, zusammengez. aus an das. Mhd. ang. 

ansässig, adj.: festen Wohnsitz habend. 
Gebildet von einem frülmhd. Anseß «fester 
Wohnsitz», das entweder auf ein mhd. anse^ 
(mhd. se^ m. n. «Sitz») oder wahrscheinlicher 
mit Kürzung des Vokals auf ein mhd. an- 
soe^e n. (vgl. mnd. ansete n. «Besitz eines un- 
beweglichen Erbes») zurückgeht. Im 18. Jh. 
gebraucht (bei Apinus 1728 Anseß igkeif). 

Anschein, m. (-es)-, die Art, wie sich 
etwas den Augen zeigt, als Grundlage der 
Beurteilung. Mhd. anscMn m. «Erscheinung». 



— anscheinend, Adj. : den Anschein habend, 
eig. Part. Präs. eines V. anscheinen, mhd. 
ane schtnen. 

anschicken, v. : anordnen, zurecht machen 
(noch bei Wieland 4, 113), mhd. aneschicken. 
Refl. sich a. «sich zu etwas fertig machen» 
(Stieler 1691). 

anschlagen, v. : woran schlagen, ml^d. 
aneslahen, aneslän, ahd. anaslahan: durch 
Schlagen festmachen; den ersten hellen Laut 
hören lassen; das Gewehr an die Wange nehmen; 
(danach vom Anschlagen und Zielen mit dem 
Gewehre) nach Berechnimg oder Erwägung 
bestimmen (spätmhd.); gedeihlich sich zeigen 
(bei Rädlein 1711 und Ludwig 1716, schon mnd. 
anslän). — Anschlag, m. {-es, PI. Anschläge), 
nach den Bedd, des Verbums. Mhd. aneslac, 
im 15. Jh. auch «worauf zielender Gedanke, 
Plan». Davon anschlägig, Adj.: reich an 
Einfällen, fiühnhd. (auch bei Luther). 

anschmieren, v.; durch Schmieren woran 
haften machen (Maaler 1561 anschmirwen); 
(einem etwas a.) einem betrügerisch aufhalsen 
(Ludwig 1716, während im 17. Jh. sich die Bed. 
«fälschlich eine Schuld beimessen» findet); 
{einen a.) betrügen (in der neuern Sprache). 

anschnauzen, v.: an jemand harte Worte 
heftig richten. Frühnhd. (Luther). Zusammen- 
ges. mit schnauzen von Schnauze (s. d.), das auf 
ndd. snuten beruht. Eig. s. v. a. «anschnauben, 
anfauchen», dann «vmgestüm anfahren». 

anschwärzen, v.: schwarze Farbe an 
etwas bringen; schlecht machen, verleumden 
(bei Stieler 1691). 

Ansehen, n. {-s, eig. subst. Inf, des V. 
ansehen^. Anschauung, mhdi. anseilen n.; äußere 
Erscheinung {mhdt.. ansehen «Angesicht»); Be- 
rücksichtigung, Wertschätzung (bei Luther). 
J.J5L. ansehnlich, Adj.: in der äußern Er- 
scheinung hervorragend; allgemeine Berück- 
sichtigung, Wertschätzung findend. Finihnhd. 
(z. B. Carolina 158), doch daneben auch (vom 
V. ansehen aus gebildet) ansehelich. 

Auselm, Mannsname. Ahd. Anshelm, zu- 
sammenges. mit ahd. ans (nur als erstes Wort 
in Zusammensetz.), anord. äss, ags. ös «Ase, 
Gott» und heim. 

Ansicht, f. (PI. -en): das Heften des 
Augenlichtes worauf; die Art der Auffassung 
wovon durch die Sehkraft oder (bildKch) 
den Geist; das Gesehene wiedergebendes Bild. 
Mhd. anesihty ahd. anasiht f. ist «Anblick», 
später verschwindet das Wort im Hochd., 
erhält sich aber im Ndd., aus dem es bei 



69 



ansiedeln 



anstellen 



70 



Ludwig 1716 angefahrt wird, dagegen be- 
zeichnet Frisch 1741 das Wort als nicht ge- 
bräuchlich und selbst Adelung 1793 kennt 
es in der Bed. «Art der geistigen Auffassung» 
nicht. ABL. ansichtig, adj., jetzt nur in 
ansichtig werden «im Bereiche der Augen 
haben, daß" diese darauf fallen». Mhd. an- 
sihtec in ansihtec iverden, aber auch s. v. a. «an- 
sehnlich», ahd. anasiktig «gesehen werdend». 

ansiedeln, s. siedeln. 

ansinnen, v. (mit Dat. der Person und 
Akk. der Sache): an jemand die Forderung 
einer Tätigkeit richten. Frühnhd. (Brant 
Layensp. L 2, mhd. nur an eüien sinnen 
«jemand angehen um etwas»). Der Inf. sub- 
stantivisch Ansinnen, n. fi-ühnhd. (Nürn- 
berger Pol.-Ordn. 109. Brant Layensp. L 3). 

anspielen, v. : zuerst spielen und so das 
Spiel anfangen; spielend anklingen lassen; 
(daher) etwas in leiser Beziehung worauf 
sagen oder tun (Lessing 8, 71). 

Ansporn, m. (-s) : Antrieb zu tatkräftigem 
Handeln. Neugebildetes Wort (noch nicht 
bei Campe 1807) vom V. anspornen, eig. das 
Pferd mit dem Sporn antreiben. 

ansprechen, v. : Worte an jemand richten, 
besonders um etwas, mhd. anesprechen, ahd. 
anasprehhan; ausdrücklich als sein erklären 
und sonach verlangen (auch schon mhd.); 
ausdrücklich wofür erklären (bei Goethe 
Wahlverw. 2, 2 und öfter) ; freundlichen Ein- 
druck auf jemand machen (noch nicht bei 
Adelung 1793, aber von Goethe oft gebraucht, 
der es 49, 1, 401 ein Wort der Konversations- 
sprache nennt). 

Anspruch, m. (-es, PI. Ansprüche): die 
an jemand gerichteten Worte; das Erheben 
einer Forderung gegen jemand (in in A. 
nehmen, vgl. mhd. anspruch «rechthche For- 
derung»); eine für begiündet gehaltene For- 
derung und deren Kundgebung; (Ansprüche) 
allgemeine Forderungen, die man ans Leben 
und andere richtet (erst in der neuem Sprache). 
ZUS. anspruchlos, adj. Seit dem 18. Jh. 
(Wieland Suppl. 4, 17), jetzt gewöhnUch an- 
spruchslos. — anspruchsvoll, adj., zuerst 
bei Campe 1807 als Neubildung. 

Anstalt, f. (PI. -en): die Anordnung und 
Vorbereitung etwas auszuführen, namentlich 
in A. machen, Anstalten treffen (mhd. ver- 
einzelt anstaltf. «Begründung», in der jetzigen 
Bed. im 17. Jh. Diefenbach - Wülcker 72); in 
umfassenderer Weise zu körperlicher oder gei- 
stiger Pflege usw. Eingerichtetes (im 18. Jh.). 



-stalt ist Abstraktbüdung zu stellen, die sich 
an das frilhere Praet stalte anschUeßt. 

Anstand, m. (-es, PI. Anstände): das 
Stillstehen, vorläufige Aufhören wovon (mhd. 
anstant m. «Waffenstillstand»); das Venveüen 
des Jägers auf einem Standorte, sowie dieser 
Standort selbst; der Aufenthalt in einer Sache 
mit Bedenklichkeit in dieser fortzufahi-en 
(Duez 1642); äußerliches schickliches Ver- 
halten (erst um die Mitte des 18. Jh. aus 
dem Adj. anständig entwickelt, z. B. bei 
Lessing 2, 94, Wieland Amadis 117). ABL. 
anständig, adj.: passend, schicklich. Seit 
dem 17. Jh. (unter Einfluß des V. anstehen, 
daher anfangs meist mit Dat. der Person, 
z. B. Grimmelshausen Simpl. 880). 

anstatt, Praep. mit Gen.: an Stelle von. 
Zusammengerückt aus an und dem Dat. Sg. 
von Statt, mhd. an stete, an stat, in der 
Kanzleisprache des 15. Jh. schon als Praep. 
verwendet (1444 anstad Germania 28, 359). 
a. daß, Konj.: an der Stelle daß. 

anstechen, v. : woran stechen, mhd. ane- 
stechen, ahd. anastehhan; mit dem Stachel 
(Sporn) antreiben (noch in angestochen kommen 
d. i. angeritten); (bildlich) reizen, mit emp- 
findlichen Worten auf jemand zielen (Luther) ; 
sinnlich reizen, in die Augen stechen (Goethe 
16, 15); (durch Einstechen einer Röhre ein 
Faß) zum Zapfen öff"nen (schon mhd.). 

anstecken, v.: durch Einstechen woran 
haften machen; wie anstechen, vom Öfihen 
des Fasses; (dadurch daß Brand Hervor- 
bringendes an etwas stechend befestigt wird) 
in Brand setzen (so schon mhd. anstecken); 
zündstoffartig mitteilen (von Krankheiten, 
schon im 16. Jh.). Intrans. : zündstoffartig 
sich mitteilen. 

anstehen, v.: dicht oder nahe zu etwas 
hin sein, mhd. anestän, -sten, ahd. anastän, 
sten, stantan : stehen bleiben, im gegenwärtigen 
Zustand verbleiben, namenthch in a. lassen 
(bei Luther); mit Bedenken innehalten; (mit 
Dat. der Person) passen, gemäß sein (schon 
mhd.). S. Anstand. 

anstellen, v.: nahe woran stellen; an 
eine Stelle weisen; in ein Amt einweisen 
(von Gottsched bekämpft und noch von 
Adelung 1793 für oberdeutsch erklärt); ins 
Werk setzen, unternehmen (fiühnhd.); (mit 
Akk. der Person) anstiften. Refl. sich a. 
(mit Adv.) sich in einer Tätigkeit zeigen 
(frühnhd.); ein Benehmen zur Schau tragen, 
namentlich zum Schein. Mhd. anestellen 



71 



anstiften 



Antipode 



72 



«aufschieben». ABL. anstellig, adj.: sicli 
gut anstellend, gewandt, vom refl. sich a. 
Nach Heynatz Antib. 1, 134 von Lavater 
empfohlen und danach auch von andern ge- 
braucht (Schüler TeU 1, 3). 

anstiften, v. : am-egen, anreizen, Frühnhd. 
(Franck teutsche Chron. IIO''). Vgl. stißen. 

Anstoß, m. (-es, PI. Anstöße): auf etwas 
einwii'kende, nach vorwärts drängende Be- 
wegung, mhd. anesto^, ahd. anasto^ m.\ Hin- 
deiTing in der Bewegung, sowie das unan- 
genehm Hindernde und damit Ärgernis Ge- 
bende selbst (so schon mhd., dann bei Luther) ; 
schnell zukommendes Übelbefinden an Leib 
oder Gemüt; an Zeug angesetztes Zeugstück. 
— anstoßen, v.: widerstoßen, mhd. ane- 
stogen, ahd. anasto^an; dui-ch Stoßen in Be- 
wegung setzen; an jemand empfindlich be- 
inihrend kommen, z. B. das Fieber stieß ihn 
an (so schon mhd.); wider andrer Ansicht 
und Billigung tun ; angrenzen ; anfügen. ABL. 
anstößig, adj. (nach der 2. Bed. von A., der 
3. von anstoßen), frühnhd. (Fischart Garg. 168). 

anstrengen, v. : etwas mit Bemühung ins 
Werk setzen (jetzt nur eine Klage, einen 
Prozeß, mhd. anstrengen ist «inständig bitten») ; 
zur Anspannung der Kräfte bringen, ab- 
mühen. Mhd. strengen ist «stark machen, 
kräftig ausüben, bedrängen», ohA. strengen »be- 
di'ängen». 

Anstrich, m. (-es, PL -e): der Strich 
woran, auch der Strich mit dem Fiedelbogen 
zum Spiele (mhd. anstrich m.); das An- und 
Überstreichen womit, sowie das woran Ge- 
strichene, um sich ein Aussehen zu geben 
(bei Maaler 1561 «Schminke») : eine zum Schein 
hervorgekehiie Eigenschaft (Günther 687). 

ansturen, s. sturen. 

ansuchen, v.: bittend angehen, ersuchen. 
Substantivisch Ansuchen, n.: fiühnhd. 
Kanzleisprache (Reichsordnungen 17^^ vom 
J. 1495). Vgl. mhd. eteivag an einen suochen. 

ant-, Vorsilbe mit der Grundbed. zu — hin, 
gegen, jetzt nur noch in Antlaß , Antlitz, 
Antwort, fi-üher häufiger imd als betonte 
Form mit dem unbetonten ent- wechselnd. 
Mhd. ahd. ant-, dazu asächs. and-, ags. and-, 
ond-, anord. and-, got. anda-, and-, hier auch 
ayid als Präp. «an, worauf hin, längs». Ver- 
wandt ist lat. ante «vor», gr. dvxi «gegen, 
gegenüber, vor», skr. änti «gegenüber», aht. 
anta «auf, zu», lit. aiit «auf». Zur Bedeu- 
tungsentwicklung vergl. Delbrück Grundriß 
3, 1, 740 f. 



antasten, v.: roh oder gewaltsam Hand 
anlegen. Mhd. anetasten «feindhch angreifen, 
angehend nötigen». Vgl. tasten. 

antedilu Vianisch , adj.: vorsintflutlich. 
Bei Herder 6, 111 (um 1770), Wieland 47, 64 
(Gruber) vom J. 1790. Von lat. ante «vor» 
und lat. düuvium n. «Überschwemmung». 

Anteil, m. n. (-es, PI. -e): jemand zu- 
kommender Teil woran, mhd. (selten) anteil 
n. (häufiger seit dem 17. Jh.); (nur m. ohne 
PI.) Mitgefühl (bei Adelung 1774). 

Anthologie, f. (PI. -n): Blumenlese d. i. 
Sammlung kleiner Gedichte und dann auch 
andrer Schi'iftstücke. Aus dem gleichbed. 
: gr. dvOoXoYia f. von dem Adj. dvGo\ÖYOc 
1 «Blumen lesend» (ävöoc n. «Blume», -Xofoc von 
I \4.^eiv «lesen, sammeln»). Im 18. Jh. entlehnt. 
j Anthropologie, f.: Menschenkunde, 

: Wissenschaft vom Menschen. Aus gr.-neul. 
I ... 

anthropolögia eig. die über den Menschen 

j redende, die menschenkundige Wissenschaft, 

, von dem gr. Adj. dvBpuuTroXÖYOC «über den 

«Menschen redend» (ävöpuuTToc m. «Mensch», 

-\o-foc von XeY£iv «reden»). Im 18. Jh. entlehnt. 

Antihaptist, s. Anabaptist. 

antik, adj. und adv.: altertümlich, in 
Geschmack und Geist des Altertums. Aus 
dem franz. Adj. antique, ital. antico, das auf 
lat. antiqims «alt» beruht. Bei Sperander 
172^ noch in der franz. Schreibung. Schon 
im 16. Jh. kommt das von lat. antiquus ab- 
geleitete Adj. antiquisch vor (1558 bei Rivius 
Büxenmeisterey 3, a 1% Gombert 6, 4). — 
Antike, f. : Kunstarbeit des klassischen Alter- 
tums und dieses selbst. Aus franz. antique f., 
das auf lat. antiqua, PI. von antiquimi (eig. 
opus «Werk») beruht. Im 18. Jh. aufge- 
nommen (im PI. bei Lessing 6, 436). 

Antimon, n. (-s, PI. -e): Spießglanz, 
Spießglas. Aus mlat. antimonium n., span.- 
ital. antimonio, wohl vom gleichbed. arab. 
al-ithmid, al-uthmud. Der griech. Name da- 
für war cTißi, CTiiuiui n., daher lat. stibiuyn n. 

Antipathie, f. (PI. -n): natürliche Ab- 
neigung wogegen. Aus gi'.-lat. antipathia, 
gr. dvTiTrdGem f. «Gegen-, Abneigung», von dem 
gr. Adj. dvTiTra9ric «von entgegengesetzter Nei- 
gung seiend» (dvTi «gegen, wider», -iraOric von 
irdGoc n. «Leiden, Gefühl», zu iraGeiv, Inf. Aor. 
von irdcxeiv «leiden»). Im 17. Jh. entlehnt. 

Antipode, m. (-n, PI. -?i): Gegenfüßler. 
Aus dem gr.-lat. PI. antipodes, gr. dvTiTrobec 
«Gegenfüßler», dem als Subst. genommenen 
PI. des M. des gr. Adj. dvriTTouc, Gen. dvri- 



73 



Antiquar 



Anwärter 



74 



TToboc «die Füße entgegengekehi-t habend, ' 
gegenfößig// fdvxi «gegen», -uouc von ttoüc m. 
«Fuß»). Nocli 1710 bei Behring in der lat. j 
Form Anfipodes. ! 

Antiquar, m. (-es, PI. -e): Altei-tmns- 
forscher ; Händler mit alten Büchern. Aus j 
lat. antiquarius m. «Altertumskenner, Alter- 
tümler», dem als Subst. genommenen M. des 
Adj. antiquarius «das Altertum betreffend», 
von antiquus «alt». Bei Xieremberger 1753 
noch in der lat. Form, dafür 1595 bei Welser- 
"Werlichius Chron. 4, 81 Antiquitist m. ABL. 
Antiquariat, n. 

Antiquitäten, PL: Gegenstände aus dem 
Altertum. Aus dem gleichbed. lat. antiqid- 
tates, PI. von antiquitas f. «Altertum», von 
antiquus «alt». Schon im 16. Jh. gewöhnlich 
(Antiquitet in der Zimmerschen Chronik, 1548 
bei Stumpf Schweizerchron. 1, 278^, 1562 bei 
Mathesius Sar. 232 a, Rot 1571). 

Antisemit, m. (-en, PI. -en) -. Gegner der 
Semiten. Ein um 1879 von Wilh. Marr ge- 
prägtes Kampfwort. Aus gr. övti- «gegen» 
und Semit (s. d.). 

Antlaß, m. (-sses, PI. -sse) -. Sündener- 1 
lassung, Ablaß; Lossprechung (Entlassung) 
von Kirchenstrafen und Wiederaufnahme in ' 
die KLrchengemeinde. Nur noch bayr.-öst. I 
;Mhd. ahd. antläg m., zu dem V. eyitlassen, ahd. 
ant-, intlägan. 

Antlitz, n. (-es, PI. -e): Angesicht. ^Ihd. 
antlitze n.; dazu (aber mit andrer Suffix- 
bildung) ags. andiclita m., anord. andlit n. 
«Angesicht». Im Got. steht neben anäawleizn 
n. «Angesicht» das nicht mit anda- zusammen- ' 
gesetzte wlitsm. «Angesicht, Ansehen, Gestalt». 
Dies gehört zu einem verlorenen starken Y. 
wleitan «sehen» (dazu got. wlaiton «umher- 
blicken, spähen»), dem ags. ivUtan, anord. Uta 
(für vlita) entspricht. Im Mhd. findet sich auch 
häufig antli'.tze n., ahd. antluzzi, anluzzi, mit 
Assimilation annuzzi n. (die Form mit i erst 
im 11. Jh. belegt). Formen, die durch Ver- 
mengung mit dem gleichbed. ahd. antlutti n., 
mhd. (selten) antlütte n. entstanden sind, 
deren -lutti, -lütte auf got. hidja f. «An- 
gesicht» zurückführt. Luther bediente sich 
des Wortes in der Form Andlitz. 

Anton, Mannsname. Aus \dX. Antonius, des- 
sen Ursprang und Bedeutimg dunkel ist. Vgl. 
W. Schulze Zur Geschichte lateinischer Eigen- 
namen 123 f. Danach der Frauenname Antonie. 

Antrag, m. (-es, PI. Anträge): an jemand 
gerichtetes Erbieten, Vorschlag; förmlich ge- 



stelltes Begehren. Frühnhd., von dem V. 
antragen, mhd. auch in der Bed, «anstiften», 
frühnhd. «anbringen, vorschlagen». 

Antriel), m. {-es, PI. -e): starke An- 
regung zu einem Tun. Frühnhd. (bei Nas 
Pract. A 2 Andrib). 

antun, v.: an sich legen (mhd. anetuon); 
mit Kleidern usw. versehen; (mit Dat. der 
Person ) zufügen, namenthch Übles ^frühnhd.) ; 
mit Zauber schädigen (^bei Krämer 1678). 

Antvogel, s. Ente. 

Antwort, f. (PI. -en): das auf Worte 
eines andern Gesagte, insbesondere sofern es 
sich auf jene bezieht. ^Ihd. antwurt f. und 
antwürte n., später (mit Anlehnung an wort) 
antwort f. n., ahd. (selten) antwurti f., meist 
antwurti n.; dazu asächs. ayidivordi n., ndl. 
antwoord n., ags. andwyrde n., anord. andyräi 
n., got. andawaurdi n. Dies ist gebildet von 
got. anda- (s. ant-) und einer Kollektivbil- 
dung von Wort, also urspr. «Gegenwort, Gegen- 
rede». Luther gebraucht das Wort noch oft 
als X., daneben als F.; auf das alte N. weist 
auch noch Anticorts genug (Lessing Em. Gal. 
4, 8). ABL. antworten, v.: mhd. ant- 
würten, antwurten, antworten, Bhdi.antwurten:, 
dazu asächs. andwordian, ags. andwyrdan, got. 
andivaurdjan. 

Anwachs, s. Amcuchs. 

Anwalt, m. (-es, PI. Anwälte): der für 
den andern eine Rechtssache führt, Advokat: 
(in Oberdeutschland früher auch) Gemeinde- 
vorstand (so noch jetzt schwäb.J. Aus mhd. 
anwalte, ahd. anwalto m., dazu ags, onwealda 
m. eig. der Gewalt woran hat, von ahd. ana- 
walt f., ags. onweald m. «Gewalt woran, Macht» 
zu walten. Ältemhd. begegnet häufig die 
Schreibung Anwald (im 16. und noch im 
18. Jh., z. B. bei Klopstock, Schiller 12, 456). 
Die ursprüngliche schwache Flexion noch bei 
Luther (auch Klopstock im PI. Anwalden), 
sonst stark, PI. Anwalte und (jetzt) Amcälte. 
ABL. Anwaltschaft, f. bei Duez 1664. 

anwandeln, v.: herankommen; vorüber- 
gehend an Geist oder Körper zukommen (mit 
Akk., seltner Dat. der Person, z. B. Liscow 
158. 341, Lessing 2, 49). 

Anwärter, m. (-s, PI. wie Sg.): der auf 
eine Stelle usw. Anspruch machen kann. Von 
mhd. anewarten «worauf sehen, erwarten». 
Frülmhd. — Anwartschaft, f.: Rechts- 
anspruch auf künftigen Besitz. 1641 bei 
Schottel 336. 



75 



Anweisung 



Apathie 



76 



Anweisung, f. (PI. -en) : Hinweis worauf, 
Unterricht (mlid. anmstmge f.) ; Bestimmung, 
Zuteilung, insbesondere einer auszuzahlenden 
Geldsumme (dies schon frühnhd.). 

anwenden, v.: Richtung worauf geben, 
beziehen; zu einem bestimmten Zwecke ge- 
brauchen. Mhd. anewenden ist «ordnen», die 
jetzige Bed. «verwenden» bei Luther. 

Anwesen, n. {-s, PI. wie Sg.): (veraltet) 
das Gegenwärtigsein; unbeweghches Besitz- 
tum (im voc. ine. teut. a 8* Anwesen «mansio, 
habitaculum»). Der substantivierte Inf. des V. 
mhd. aneicesen, ahd. anmvesan «darin- und 
dasein». — anwesend, Adj.: eig. Part. Präs. 
des V. Um 1600 gebräuchlich geworden (bei 
Duez). — Anwesenheit, f.: um leOO ge- 
bräuchlich (bei Gombert 7, 7 vom J. 1618). 

anwidern, s. widern. 

Anwuchs, m. {-es, PI. Anwüchse): stei- 
gende Zunahme und das in solcher BegrifiPene ; 
an etwas Gewachsenes. Vom Prät. von an- 
wachsen aus gebildet; erst bei Adelung 1774. 
Älter ist Anioachs (bei Stieler 1691). 

An wünsch, m. {-es, PI. Anwünsche): 
Wunsch an jemand (Hagedom Fab. 154). Von 
dem bereits ältemhd. V. anwUnschen. 

Anzahl, f.: die zukommende Zahl; über- 
haupt Zahl, Menge. Spätmhd. anzale, anzal 
f. «von einer Menge dem Einzelnen zufallender 
Anteil, Verhältnis, zukommende Zahl». 

anzapfen, v.: wovon durch Zapfen die 
erste Flüssigkeit auslassen; (bildlich, wie an- 
siechen) mit Worten auf jemand zielen, ihn 
zu einer Äußerung zu reizen suchen. Im 
15. Jh. anzepfen (so noch jetzt schwäb), auch 
schon in der 2. Bed. 

Anzeichen, n. {-s, PI. wie Sg.): auf et- 
was hindeutendes Zeichen. Bei Krämer 1678. 

Anzeige, f. (PI. -n) -. Ankündigung; worauf 
hindeutender Umstand. In der Kanzleisprache 
um 1500 für älteres Anzeigen n. eingetreten 
(z. B. Reichs-Ordnungen 38^ vom J. 1500), 
daneben ältemhd. auch Anzeig m., alle von 
dem V. anzeigen ausgehend. 

anzetteln, v.: den Zettel (s. d.) d. i. 
Aufzug zu emem Gewebe machen; (büdlich) 
durch kleine Mittel anstiften. Frühnhd. 
(Sallust S 3^). 

anziehen, v.: l) trans. (mit haben) zu 
sich hin ziehen, mhd. aneziehen; durch 
Ziehen in Bewegung setzen (auch mhd.); 
durch Ziehen vom Flecke bewegen; zuerst 
ziehen; straff ziehen, z. B. ein Seil; auf- 
ziehen, groß ziehen, z. B. Hühner; an den 



Köi^per oder einen Teil desselben zur Be- 
deckung oder zum Schmuck ziehen (im 
15. Jh., z. B. voc. ine. teut. a 8*, auch bei 
Luther); mit Kleidern versehen; beispiels- 
weise oder belegend erwähnen (im 15. Jh., 
auch bei Luther). 2) refl. sich a.: sich an- 
kleiden (mhd. dagegen «Anspruch worauf 
machen»). 3) in trans. (mit sein) im Zuge 
herankommen (frühnhd.) ; zu ziehen anfangen; 
in einen Dienst, ein Amt usw. eintreten. 
Von dem trans. V. das Part. Präs. anziehend 
als Adj.: durch sinnlichen Reiz oder geistig 
zu sich hin ziehend, für sich gewinnend (1760 
Wieland Suppl.4, 163, vgl. abstoßend). S. Anzug. 

Anzucht, f. (PI. -en): Abzugsgraben für 
unreines Wasser. Entstellt aus lat. aquae- 
ductus, vgl. Ahzucht. 

Anzug, m. {-es, PI. Anzüge): das Ziehen, 
um in Bewegung zu setzen; das Herbei- 
kommen; das Antreten eines Dienstes, eines 
Amtes; Gesamtheit der Kleidung (Geliert 3, 
284). Spätmhd. anznc m. ist «Stellung eines 
Zeugen, Zugang von Kaufleuten zum Ein- 
kauf, Beschuldigung oder Vorwurf». ABL. 
anzüglich, Adj. und Adv.: sich worauf 
beziehend (worauf zielend), um unangenehme 
Empfindung zu verursachen (Stieler 1691, 
gleichbedeutend anzügisch bei Moscheroseh 
Phil. 1, 589, anzügig bei Harsdörfer Ge- 
sprächssp. 1, 241, vgl. mhd. anzuc «Beschul- 
digung, Vorwurf»); durch sinnlichen Reiz 
oder geistig zu sich hin ziehend (Lessing, 
Wieland, Goethe). 

anzwacken, v.: mittels Spitzen an etwas 
klemmen (Hagedorn Od. 99) ; mit Worten em- 
pfindlich zusetzen, angreifen (Günther, Voß). 

Apanage, f. (PI. -n) : standesgemäßes Leib- 
gedinge. Aus fi'anz. apanage f., das auf mlat. 
apanagium, appanagimn (d. i. ad-panagium) 
n. «Unterhalt des Nachgeborenen und so nicht 
Erbberechtigten» beruht. Dies neben dem 
gleichbed. apanamentum n. von mlat. apanare, 
appanare (d. i. ad-panare) «Brot (lat. panis), 
Unterhalt geben». Im 17. Jh. entlehnt. 

apart, adj. und adv.: für sich stehend; 
sonderbar. Zusammengerückt aus franz. d 
pari, ital. aparte «bei Seite». Im 17. Jh. ent- 
lehnt, zunächst aber nur als Adv. gebraucht 
(daher auch Schelmufsky 79 noch in zwei 
Worten a parte), später auch als Adj. (bei 
Nieremberger 1753). 

Apathie, f. (PI. -n): Stumpfheit des Ge- 
fühles, Gleichmut. Aus gr.-lat. apathia f., 
gr. dirdöeia f. «Unempfijadlichkeit», von dem 



77 



aper 



Apotheose 



78 



Adj. oTraGric «leidenschaftslos, unempfind- 
lich» (d- un-, -iraGric von TToieoc n. «Leiden, 
Gefühl»). 

aper, s. a&er. 

Apfel, m. (-S, PI. Äpfel): die bekannte 
Obstart, sowie dann manche andre dieser 
ähnliche rundliche Frucht und überhaupt 
rundhcher Gegenstand (schon in ahd. Zeit 
auch = Augapfel). Mhd. apfel (PI. epfel), 
ahd. aphul, aphol (PI. epfili) m., dazu ndl. 
fries. appel m., ags. ceppel m., engl, apple, 
anord. epli n., schwed. äple n., dän. äble n. 
(got. *aplus zu vermuten). Vgl. auch Äff oltev. 
Verwandt ist irisch aball, uhall, lit. öbuolas 
m., abg. jablüko n. Apfel. Diese nordeuro- 
päischen Benennungen der Frucht führte 
mau auf den Namen der von Virgil (Aen. 
7, 740) als äpfelreich gepriesenen Stadt Ähella 
in Campanien zurück; die Bezeichnung sei 
zuerst ins^ Keltische eingedrungen, von hier 
noch vor der 1. Lautverschiebung ins Ger- 
manische (darum ist hier das h der Grund- 
form in p gewandelt) und weiter ins Litau- 
ische und Slavische. Eher ist aber an Ur- 
verwandschaft zu denken, vgl. K. Much Z. f. 
Osten'. Gymn. 1896 S. 608, oder der Anklang 
ist nur zufällig, und Äpfel ist eine alte Be- 
zeichnung des Holzapfels. ZUS. Apfell)aum, 
m.: mhd. apfelboum m. — apfelgrail, adj., 
mhd. apfelgrä, ahd. aphulgrä, anord. apal- 
grär. — ■ Apfelmus, n. : mhd. apfelmuos n. 
— Apfelschimmel, m.: grauweißer Schim- 
mel mit apfelrunden Flecken, bei Steinbach 
1734. — Apfelwein, m.: mhd. apfelwin, 
auch epfelimn m., noch jetzt dialektisch 
Äpfehüein. 

Apfelsine, f. (PI. -n)-. Orange. Nach 
holländisch appelsina d. i. aus China (franz. 
Sine) herstammender Apfel, irajiz. pomme de 
Sine. Die Fracht wurde von den Portu- 
giesen (vgl. die ital. Benennung portogallo 
m.) bald nach 1500 aus dem südlichen China 
nach Europa gebracht. 1681 erscheint Ghi- 
neser-Äpffel (Gombert 7, 7), bei Ludwig 1716 
Sina-äpffel, Äpffel-sina von Lissabon und 
Porto, bei Richey 1755 als hamburgische 
Form Appelsina; auch Äppel de Sina kommt 
vor (noch leipzig. Äppeldesine Albrecht 79^) ; 
Apfelsine erst bei Adelung 1774. 

apodiktisch, adj. und adv.: von schla- 
gendem Beweise; unwiderleglich. Nach dem 
(i = gr. ei) latinisierten gr. Adj. dirobeiKTiKÖc 
«beweisend», eig. «fertig zum Vorzeigen, zur 
Schau» (ctTtö «abj los, von, weg», beiKxiKÖc 



«zum Voi'zeigen geeignet», von beiKvüvai 
«zeigen, vorzeigen»). Bei Sperander 1728. 

Apokalypse, f. (PI. -n)-. die Offenbarung 
Johannis. Aus gr.-lat. apocalypsis, gr. diro- 
KdXuv|;ic eig. «Enthüllung» (diro «von, weg», 
KaXÜTTTeiv «um-, verhüllen»). 

apokryph, adj.: untergeschoben, unecht. 
Apokryphen, PI. : biblische Bücher, die mit 
den kanonischen nicht gleiche Geltung haben. 
Aus dem gr. Adj. dirÖKpuqpoc «verborgen, 
untergeschoben» (d-rrö «von, weg», kpOtttciv 
«verbergen»). 

Apologie, f. (PI. -n) : Verteidigung ; Schutz- 
rede, -Schrift. Aus dem gleichbed. gr.-lat. 
apologia, gr. dTroXoYia zu dTroXofeicGai «sich 
herausreden, verteidigen» (dird «von, weg», 
\oYeTc0ai zu Xöyoc «Wort, Rede, Erzählung»). 
Bei Rot 1571 Äpologei. 

Apostel, m. {-s, PI. wie Sg.): Lehrbote. 
Mhd. apostel (Gen. apostels und aposteln, 
gewöhnlich dafüi' zioelßote), ahd. apostolo, 
schon got. apaiistaulus. Aus kirchlich-lat. 
apostolus, gr. d-n-öcToXoc m. «Abgesandter», 
kirchlich insbesondere «; Lehrbote Christi», 
vornehmlich aus den zwölf Jüngern, von 
d-rrocTeWeiv «abschicken» (dirö «von, weg», 
cT^Xeiv «schicken»). 

Apostroph, m. {-es, PI. -e): das Aus- 
lassungszeichen '. Aus dem gleichbed. gr.- 
lat. apöstroplius, gr. dTTÖcxpoqpoc f., dem sub- 
stantivisch genommenenF. desAdj.drröcTpoqpoc 
«abgewandt», dann «meidend», vondTTocxpeqpeiv 
«ab-, wegwenden» (dirö «von, weg», crpeqpeiv 
«wenden»). Das Zeichen ist 1572 von Schede 
und 1624 von Opitz in seinem «Buch von der 
Deutschen Poeterey» nach dem Vorbild der 
Italiener imd Franzosen verwendet worden, 
um Weglassung eines e am Schluß der Wörter 
anzudeuten. 

Apotheke, f. (PI. -n)-. Arzneiladen, Heil- 
mittelladen. Mhd. apoteke, aus gr.-lat. apo- 
theca f. «Haus zum Kräuter- oder Spezerei- 
und Arzneiverkauf», eig. «Vorratsbehältnis 
jeder Art, Magazin», gr. dTToGriKr] f. «Weg- 
setzungsort, Aufbewahrungsort, Warenlager» 
(diTÖ «von, weg», GriKri «Lager» von riGevai 
«setzen, legen, stellen», s. Theke). ÄBL. 
Apotheker, m. {-s, PI. wie Sg.): Arznei- 
bereiter (bei Luther Hobel. 3, 6 «Spezerei- 
händler»). Mhd. apoteker m. «Heilmittel- 
händler», aus mlat. apothecärius m., «Eigen- 
tümer oder Vorsteher einer apotheca». 

Apotheose, f. (PI. -n): Versetzung eines 
Menschen unter die Götter. Aus gi-.-lat. 



79 



Apparat 



Äquator 



80 



apotheosis, gr.ciTroG^ujcicf. «Vergötterung», von 
gr. diToGeöeiv «vergöttern» (dTrd dinickt hier 
Verwandlung in etwas aus, Geöeiv zum «Gott 
maclien», von 9eöc «Gott»). 

Apparat, m. (-es, PL -e) : Zurüstung zu 
etwas Vorzunehmenden ; Werkzeug zur Zu- 
rüstung. Aus lat. apparatus d. i. adparatus 
m. «Zurüstung, Zubereitung», von apparare 
d. i. adparare «zubereiten». Im 15. Jh. ent- 
lehnt (Wyle 293, U). 

Appell, m. (-es, Fl.-e): Zusammenrufungs- 
zeichen dui'ch Trompete oder Trommel; Auf- 
ruf: Folgsamkeit des Himdes beim Herrufen. 
In der 1. Bed. bei Sperander 1728, in der 3. 
Bed. 1768 bei Heppe wohlred. Jäger 38. Aus 
franz. ajypel m., das auf mlat. appellum m. 
«Vorforderung» (vor Gericht) zurückgeht, von 
appellare (s. d. folg.). — appellieren, v. : 
höhere Entscheidung amnifen. IMhd. appel- 
lieren, aus lat. appellare d. i. adpellare «an- 
sprechen», (in der Kaiserzeit) «anrufen, an je- 
mand Berufung einlegen», von appeller e d. i. 
adpellere «herantreiben». ABL. Appella- 
tion, f., Benifung an ein höheres Gericht. 
Aus dem gleichbed. lat. appelatio f. Schon im 
15. Jh. (vom Nom. gebildet) appelaz, später 
(Reichs-Ordnungen 18^ vom J. \A:^b)appellation. 

Appetit, m. (-es, PI. -e): Eßlust. Wie 
das gleichbed. franz. appetit von lat. appetitus 
d.i. adpetitus m. «Lust, Verl angen», von appetere 
d.i. adpetere «wonach langen, verlangen». Im 
Anfang des 15. Jh. entlehnt (1404 bei Eber- 
hard Cersne Der Minne Regel 2720 fg.j. 
ABL. appetitlich, adj. und adv.: Eßlust 
erweckend (Fischart Garg. 396). 

applaudieren, v.: Beifall klatschen. Von 
lat. applandere d. i. adplaudere «an etwas 
schlagen, Beifall klatschen». Bei Rot 1571. 
— Applaus, m. (-es): das Beifallklatschen, 
der Beifallsruf. Aus gleichbed. lat. applausus 
m. Bei Amaranthes 1773 noch Applausus. 

applizieren, v. : anwenden, anpassen, bei- 
bringen, refl. sich mit Fleiß auf etwas legen. 
Aus lat. applicare d. i. adplicare «anfügen, 
wohin wenden, sich anschließen». Bei Rotl571. 

apportieren, v.: herbeibringen (vom 
Hunde). Aus franz. apporter von lat. ap- 
portare d. i. adportare «herbeibringen». 1773 
bei Amaranthes (3. Aufl.). 

Apposition, f. (PI. -en): bestimmender 
Beisatz durch ein Substantiv. Aus dem lat. 
appositio d. i. adpositio «Zu-, Beisetzung» f. 

approbieren, v. : zu etwas seine Zustim- 
mung geben, gutheißen. Aus lat. approbare 



d. i. adprobare «zu etwas seinen Beifall geben». 
In der frühnhd. Kanzleisprache (Reichs-Ord- 
nungen 41* v.J. 1500). ABL. Approbation, 
f.: Zustimmung, Billigung. Aus lat. appro- 
hatio (Gen. approbafionis) f. 

Aprikose, f. (PI. -n): Frucht des arme- 
nischen Pflaumenbaums. Zunächst aus ndl. 
dbrikoos f. (über diese Form s. Hom Beitr. 
23, 254), das entlehnt ist aus franz. ahricot m., 
ital. alhercocco m., span. alharicoque m. Diese 
Formen beruhen a^^f dem lat. Adj.praecoquus 
«frähzeitig, frühreif» also jyraecoqua «die früh- 
reife Frucht», woraus im Mittelgriechischen 
irpeKÖKKiov ßepeKÖKKiov n. usw. wurde; daraus 
bildeten die Araber (mit dem Artikel al) ihr 
albarqüq, albirqüq, und auf diese Form gehen 
die der romanischen Sprachen zuiiick. In 
Deutschland zeigt sich das Wort um die Mitte 
des 17. Jh. (1647 bei Olearius 245 Apricos), 
wird aber erst im 18. Jh. allgemeiner, ohne 
indes das schon fräher auftretende Marüle 
(s. d.) ganz zu verdrängen. 

April, m. (-S, PI. -e): der viei-te Monat 
im Jahi-. ÄIhd. aprille, aberelle m. aus lat. 
aprilis m., unsichi-er Herkunft, vgl. Walde s.v., 
nach Varro 6, 33 gleichsam aperüis d. h. der 
alles eröffnende Frühhngsmonat, wie mittel- 
imd neugriech. der Fmhling ävoiEic f. «Eröff- 
nung» heißt. Der deutsche Name ist Oster- 
inonaf, ahd. östarmanot (s. Ostern). Die urspr. 
schwache Flexion hat sich bis ins 17. Jh. er- 
halten (jetzt nui* noch in Zusammensetzungen 
Aprülen-), daneben schon im 16. Jh. die starke 
(Fischart Ehez. J 5^), die später herrscht. 
ZUS. Aprilnarr, m. : der in den April Ge- 
schickte, d. h. der am 1. Apiü Angeführte 
oder Getäuschte (Frisch 1741). Das April- 
schicken ist, aus Franki-eich überkommen, 
schon im 17. Jh. bei uns üblich. April- 
wetter, n.: veränderliches Wetter, mhd. 
aberellen weter. 

apropos (spr. apropo): bei Gelegenheit 
(wie im Franz. auch mit Gen. bei Lessing 12, 
324), da fällt mii- ein, ehe ich es vergesse. 
Zusammengerückt aus gleichbed. franz. d pro- 
pos. Im 30 j. Kriege entlehnt (1685 bei 
Liebe). 

Aquarell, n. (-s, PI. -e)-. Malerei mit 
Wasserfarben: Gemälde in Wassei'farben. Wie 
das gleichbed. franz. aquarelle aus ital. acque- 
reih m. «Wasserfarbe», von lat. aqua «Wasser». 

Äquator, m. (-s): der Erdgleicher, die 
Linie, die die 'Erdkugel in zwei gleiche Teile 
(nördliche und südhche Halbkugel) teilt. Aus 



81 



Aqnavit 



arg 



82 



lat. aequatorm. «Gleichmacher», von aequare 
«gleichmachen». Bei Eot 1571 verzeichnet. 

Aquarit, m. (s, PI. -e) : Branntwein. Aus 
dem gleichbed. nlat. aquavita, eig. «Lebens- 
wasser» {aqua «Wasser.^, vita «Leben»). Ln 

16. Jh. übHch (1562 bei Mathesius Sar. 289^). 
Ar, n. (-S. PI. wie Sg.): Bodenflächenmaß 

in der Größe eines Tierecks, von dem jede 
Seite 10 Meter zählt. Erst 1868 aufgenommen 
aus dem gleichbed. franz. are m., das auf lat. 
area f., <' freier Platz, Fläche, Flächeninhalt 
einer mathematischen Figur» beruht. 

Arabeske, f. (PI. -n): phantastische, dem 
Pflanzenreich entlehnte verschlungene Ver- 
zierung nach Art der Araber, denen der Koran 
die Abbildung von Menschen und Tieren ver- 
bietet und die deshalb die Laubwerkverzie- 
rung der antiken Kunst weiter ausbildeten. 
Nach dem gleichbed. fi-anz. Plur. arahesques, 
vomadj.rtr«?)€S2?/e«arabisch». Noch beiCampe 
1813 mit fremder Endung Arabesques. 

Arbeit, f. (PI. -en)-. (veraltet) Mühsal, 
Beschwerde; Tätigkeit, Kraftanstrengung zu 
einem Zwecke: das dadurch Entstandene. 
Mhd. arbeit, arebeit, in md. Quellen auch erbeit 
(daher bei Luther i'nfjeiY i, ahd. arbeit, arabeit f. 
«Arbeit, Mühsal, Not»; dazu asächs. arbed f. 
wad arbedi n., ndl. arbeid m., ags. earfoä und 
earfeäe n., anord. erfidi n., schwed. arbete n., 
dän. arbeide, arbeid n. (entlehnt ), got. arbaips 
f. «Bedrängnis, Not». Die Etymologie ist nicht 
ganz klar. Es besteht Verwandtschaft mit 
abg. rabü m. «Knecht, Leibeigner», dazu ra- 
bota f. «Knechtsarbeit, Frondienst», lit. ar- 
bonas «Ochse» und vielleicht auch mit gr. 
öpqpavöc «Waise», lat. wb^is «beraubt», d. Erbe 
(s. d.). Von einem vorauszusetzenden germ. 
ar^a- «Knecht» ist Arbeit vermittelst eines 
allerdings sonst ungewöhnlichen Suffixes ge- 
bildet (andre nehmen Zusammensetzung mit 
einem dem anord. id n. «Werk, Tat» ent- 
sprechenden Subst. an). Vgl. Uhlenbeck PBr. 
Beitr. 16, 562, 27, 115 f., Meringer Idg. Forsch. 

17, 128, Bezzenberger in seinen Beitr. 27, 150, 
Grienberger Unters, z. got. Wortkunde 28. 
Die Gitmdbed. ist jedenfalls ; Knechtsarbeit», 
woraus sich die von «Mühsal», anderseits die 
von «Arbeit» schlechtweg entwickelte. ABL. 
arbeiten, v., mhd. arbeiten, arebeiten, ahd. 
arabeiten, got. arbaidjan, bei Luther arbeiten. 
Davon Arbeiter, m., mhd. (zuerst bei Bert- 
hold V. Regensburg f 1272) arbeiter. arbeit- 
sam, adj. und adv.: viel vmd gern arbeitend 
(so schon bei H. Sachs Fastn. 7, 153), mhd. 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



Bhd. arbeitsam «beschwerlich, mühselig». ZVS. 
arbeitselig, adj.: mit zuviel Arbeit be- 
schwert, mhd. arbeitscelec. Arbeitshaus, 
n. : öffentKche Anstalt, in der man Arbeit- 
scheue oder Verbrecher zur Arbeit zwingt 
(1678 bei Krämer^. 

Archäologie, f.: Altertumsforschung und 
-künde. Nach lat. Vorbilde aus gr. dpxaioX.OY la 
f. «Altertumskunde», vom Adj. dpxaioXöfoc «im 
Altei+um forschend» (dpxaioc «altertümlich», 
-Xo-foc von \ij£\v «erzählen»). Lm 18. Jh. 

Arche, f. (PI. -«): großer Kasten; kasten- 
artiges Schiff; (mimdartlich auch) Bretter- 
verschlag, Holzstoß u. dgl. Mhd. arche, arke, 
ahd. archa, arahha f. «Kiste, Noahs Schiff»; 
dazu ndl. ark f., ags. earce f , engl, ark, anord. 
örk f., got. arka f. «Kasten» entlehnt, aus 
lat. arca «Kasten» und in der Vulgata «Noahs 

Schiff):. 

Architekt, m. (-en, PI. -en): Baukünstler. 
Aus lat. architecti.t.s m. gebildet aus gr. dpxi- 
TeKTUjv m. «Baumeister» (dpxi- «Haupt-», 
TEKTuuv «in Holz arbeitender Handwerker oder 
Künstler»). Wohl schon im 16. Jh. entlehnt. 
ABL. Architektur, f.: Baukunst. 1548 im 
Titel der Vitruv-Übersetzung von Walther Riff. 
Aus dem gleichbed. lat. architedura. 

Architray, m. {-s, -en, PI. -e, -en) : Unter-, 
Hauptbalken, bes. bei Säulenstellungen der 
über den Säulen fortlaufende Balken. 1558 
bei Rivius Büxenmeisterey 3, a 1^ Architrab. 
Aus fi-anz.arc/HY/-avef.m., von gr. dpxi-«Haupt» 
und lat. trabs, trabes f. «Balken». 

Archiy, n. (-s, PI. -e) : Urkundensaal. Aus 
lat. archivum n., gebildet nach gr. dpxeiov n. 
«obrigkeitliches Gebäude», zu dpxn f. «Anfang, 
Spitze, Regierung». Im Anfang des 17. Jh. ent- 
lehnt (Gombert Anz. f. d. A. 4, 166 mit Beleg 
von 1618). ABL. Archiyar, m. (-s, PI. -e): 
Beamter über ein Archiv. Aus nlat. archi- 
varius m. So noch Nieremberger 1753. 

arg, adj. und adv. (Komp. ärger, Sup. 
ärgst): nichtswürdig, schlecht, bösartig (als 
adv. auch nur: übermäßig, in hohem Grade). 
Davon substantiviert Ai'g n. (namentlich in 
kein Arg): Böses: böse Meinung wovon. 
Mhd. arc (Komp. erger, Sup. ergest) ist «nichts- 
würdig, geizig», ahd. arg, arag «nichtswürdig, 
geizig, feige» (dazu, auch longobard. arga bei 
Paulus Diaconus 6, 24. Leg. longobard. 384 
«der Furchtsame, Feige, Nichtswürdige»): dazu 
ndl. arg, ags. earh «furchtsam, feige, sch limm », 
anord.argr, auch ro^r« träge, fui-chtsam, feige», 
schwed. dän. arg. Die Bed. «nichtswürdig» ist 

6 



83 



Arie 



Arm 



84 



die ursprüngliche und in den germ. Sprachen 
nach zwei Seiten hin entwickelt worden; Geiz 
und Feigheit galten bei den Germauen als 
größter Schimpf. Die Wurzel ist dunkel; viel- 
leicht gehört das Wort zu lit. rägana f. «Hexe», 
an-, orgim «verwüste», gr. ipix^w «zerreiße», 
Noreen Urg. Ltl. 89. ABL. ärgern, trans. 
und refl. v.: mhd. ergern, ahd. ergirön, argiron, 
gebildet vom Komp. ahd. argiro, mhd. erger; 
es bedeutet eig. «verschlechtern», dann «zum 
Bösen reizen, Anstoß geben», refl. «Anstoß 
nehmen» (beides oft bei Luther), woraus die 
jüngere Bed. von «verdrießen» entwickelt ist. 
Aus dem V. ist Arger m. (s) hervorgegangen, 
das nach der Mitte des 18. Jh. aus dem Ndd. in 
die Schriftsprache gekommen ist (oft gebraucht 
von Bode, z. B. Yorick 1, 111, auch von Les- 
sing 12, 405); Adelung 1793 bezeiclmet das 
Wort als selten, Heynatz 1796 bekämpft es 
als überflüssig, ärgerlich, adj. und adv. : An- 
stoß gebend (1482 bei Eychman Aa 4^ erger- 
^ic/i«scandalosus»): Anstoß nehmend; Verdruß 
hervorrufend; verdrießlich. Ärgernis, n.: 
Anstoß (1482 bei Eychman Aa 4^ ergerniß 
«scandalum»); Ärger. Älternhd, auch F., na- 
mentlich in der 2. Bed. (noch bei Goethe) 
ZUS. Arglist, f.: mhd. argeJist, ahd. (bei 
Notker) ardist f. Davon arglistig, adj. und 
adv.: mhd. arcUstec. arglos, adj. und adv.: 
zuerst von Adelung 1793 angeführt. Arg- 
wohn, m. (-s): üble, nachteilige Meinung von 
jemand, Mißtrauen. Aus mhd. arcwän, ahd. 
argwän m., noch bei Luther und bis ins 17. Jh. 
Ärgivahn (s. Wahn). Davon argwöhnisch, 
adj.: (1482 im voc. theut. B 7* argwenisch, 
während mhd. arcwcenec, ahd. arcwänig gilt, 
woraus älternhd. argrwö'/im^) und argwöhnen, 
V., wofür bis ins vorige Jh. (noch bei Wieland, 
Lessing, Goethe, Schiller) meist argtvohnen 
gebraucht wird, mhd. arcwcenen. 

Arie, f. (PI. -n) -. Lied mit durchgeführter 
Singweise; Opernlied. Aus ital. aria f. «Ge- 
sang, Melodie». Im 17. Jh. entlehnt, doch 
noch im 18. Jh. auch oft in ital. Form Aria. 

Aristokrat, m. (-en, PI. -en): Glied der 
Adelsherrschaft; Freund der Adelsherrschaft. 
Aus franz. aristocrate m., das nach gr. dpi- 
cTOKpäTeia gebildet ist (s. d. folg.). — Aristo- 
kratie, f.; Adelsherrschaft; Kreis der Vor- 
nehmen. Aus franz. aristocratie, das auf gr. 
dpicTOKpdTem «Herrschaft der Vornehmen» 
(äpicToc «der beste, vornehmste», -KpoTem zu 
Kpareiv «herrschen») beruht. Wohl schon im 
16. Jh. entlehnt. ABL. aristokratisch. 



adj. rmd adv.: bei Gombert 6, 5 Nachweis 
vom J. 1585. 

Arithmetik, f. : Zahlenlehre. Aus gr.-lat. 
arithnietica, gr. dpi6)ariTiKr) «zum Zählen oder 
Rechnen gehörige» (nämlich t^x^I «Kunst»), 
F. des Adj. arifhmeticus, gr. dpi0|unTiKöc, zu 
dpi6|uöc «Zahl». Am Beginn des 16. Jh. entlehnt 
(1581 bei Hedio Josephus Vorw. 7^ Arith- 
metick). — arithmetisch, adj. und adv. 
(Luther 8, 115 Jen.), nach dem erwähnten 
Adj. arithmeticus gebildet. 

Arkade, f. (PI. -n): Bogenwölbung; (im 
PI.) Bogenhallen. Aus franz. arcade f., das 
auf ital. arcatai. (zu arcare «einen Bogen er- 
bauen», von arcus m. «Bogen») bex'uht. Im 
18. Jh. entlehnt (Lessing 2, 177). 

Arkehnsier, m. [-es, PI. -e): Haken- 
büchsen-, Scharfschütz. Aus dem gleichbed. 
franz. arquehusier m., ital. archibusiere m., 
von franz. arquehuse f., ital. archihuso, archi- 
hugio m. «Hakenbüchse», das mit Anlehnung 
an lat. arais m. «Bogen» aus ndl. haakhus f. 
«Hakenbüchse» (s. d.) umgestaltet ist. Im 
16. Jh. entlehnt; 1616 bei Henisch. 

Arleshaum, m.: der Mehlbeer- oder 
Sperberbaum, Crataegus aria L.. Mhd. arliz- 
howin, ahd. arli^-, erii^bomii, vielleicht mittelst 
der Ableitung -i^ von ahd. erla, erila f., virspr. 
*arila «Erle» (s. d.), da die Blätter des Aries- 
baumes den Erlenblättem ähnlich sind. Die 
Frucht heißt Ariesheere oder Arieskirsche f. 

Arm, m. (-es, PI. -e): Glied des Ober- 
körpers zum Umfangen und Arbeiten; Vorder- 
bein bei aufrechtgehenden Tieren, weim sie 
damit umfangen; armähnlich Ausgestrecktes. 
Mhd. arm, ahd. arm, anim m.; dazu asächs. 
ndl. arm, fries. enti, arm, ags. earm, engl. 
arm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. 
arms m. «Arm». Urverwandt ist lat. armus 
m. «Schulterblatt, Oberarm», aslav. ram^ n. 
«Schulter, Arm», (serb. räme), preuß. inno 
«Arm», ai. Irmas m. «Vorderbug», aw. ardmö 
«Arm», arm. arinukii «Ellenbogen, Arm». 
Wohl zu gr. dpapicKiu «zusammenfügen, ver- 
binden», wozu auch lat. artus m. «Gelenk». 
Der PI. lautet mundartlich Arme, älternhd. 
öfter Armen (bei den Schlesiei-n, noch bei 
Günther 199, Maler Müller Ball. 45ff.). ABL. 
armen, v. in umarmen, armig, adj. in 
kurz-, lang-, vielarmig. S. auch Ärmel. ZUS. 
Armband, n. bei Hulsius 1596. ArmYOll, 
m.: soviel man in einen Arm zu fassen ver- 
mag, mhd.' armvol, im Schwab. -Alem. ge- 
kürzt Ar fei. 



arm 



Arrest 



86 



arm, adj. und adv. (Comp, ärmer, Sup. 
ärmst): ohne Geld und Gut; hilfsbedüi-ftig; 
bemitleidenswert. Mhd. arm, ahd. arm, aram; 
dazu asäclis. ndl. arm, fries. erm, arm, ags. 
earm, engl, arm, anord. armr, schwed. dän. 
arm, got.mv«.« «bemitleidenswert». Unsichrer 
Herkunft. Vgl. Osthoff Btr. 18, 252. Nicht 
unwahrscheinlich nach Johansson Btr. 15, 223 
zu gi\ öpqpavöc <^ "Waise >. (Germ. Grundform 
*arhna-.) ABL. arnien, v.: arm machen 
(in Almosen gehen armet nicht), dafür mhd. 
ermen (armen ist «arm sein oder werden», 
vgl. verarmen), ahd. ermen. ärmlich, adj. 
und adv.: Armsein kundgebend, mhd. erme- 
lich, ahd. armalth. armselig, adj.: be- 
mitleidenswert, jämmerlich. Im 15. Jh. auf- 
tretend, abgeleitet von mhd. armsal n. «Elend». 
Armut, f. : Mangel am Nötigen, mhd. armuot 
f. und armuote, armuot n., ahd. armuoti, 
aramuoti: dazu asächs. armödi, ndl. armoede 
schwed.- dän. armod n. Ableitung von arm 
(dazu das ahd. Adj. armuoti «unvermögend, 
düi-ftig»), doch trat fmhzeitig Anlehnung an 
Mut ein. Luther gebraucht das Wort als F. 
und N., und als N. erscheint es auch später 
häufig (nur vereinzelt als M., z. B. bei Weise 
Drei klügsten Leute 8) imd selbst gegen- 
wärtig noch in der Bed. «arme Leute» (Les- 
sing Nathan 4, 3). ZTJS. Armeritter, PI.: 
in Butter gebackene Semmelschnitten, schon 
mhd. arme ritter. Armesünder, PI.: zum 
Tode verurteilte Missetäter. 

Armada, f.: Kriegsflotte. Aus span. ar- 
niada f. «Kriegsflotte, Kriegsheer», ital. armata 
f., franz. armee f. (s. Armee). Um 1500 ent- 
lehnt (Armad bei Liliencron 3, 38, Armada 
bei Fronsperger 157 = Kriegsflotte, daneben 
die Bed. «Kriegsheer», z. B. bei Albertinus 
Kriegsleut Weckuhr 112, wofiii' später Armee). 

Armatur, f. (PI. -en) -. Kriegsgerät zur Aus- 
rüstung. Aus ital. lat. armatura f. «Rüstung», 
von lat. armare «bewaffnen». Rot 1571. 

Armbrust, f. (PI. Armbrüste)-, aus Bogen 
und Schaft mit Drücker bestehendes Gewehr 
zum Abschießen von Pfeilen und Bolzen. Mhd. 
(seit dem 12. Jh.) armhrust n., selten f., durch 
Anlehnung an Arm volksverständlich gebildet 
aus mlat. arhalista, araihalista f. «Bogen-, 
Wuifmaschine» (schon im 4. Jh. bei Vegetius), 
einer Zusammens. aus lat. arcus m. «Bogen» 
und dem von gi\ ßdXXeiv v< werfen» abgelei- 
teten mlat. hallista. balista f. «Warfmaschine». 

Armee, f. (PI. -n): Kriegsheer. Aus franz. 
armee f. (s. Armada). Anfang des 17. Jh. ent- 



lehnt (1617 im teutschen Michel als modisches 
Fremdwort, auch bei Wallhausen Corp.mil. 63). 

Ärmel, m. (-s, PI. wie Sg.): Armbeklei- 
dung. Mhd. ermel, ahd. armilo (mit schwacher 
Flexion), armil m., dimin. Ableitung von 
[ Arm,. 

armen, s. arm. 

armieren, v.: ausrüsten, bewaffnen. Aus 
dem gleichbed. lat. armare, v. zu arma N. 
PI. «Waffen». Frühnhd. (Liliencron 3, 38). 

ärmlich, armselig, Armut, s. arm. 

Arnold, Mannsname. Ahd. Aranolt, aus 
: ahd. am «Adler» und -alt aus -loalt «Walten- 
der, Walter». Koseform dazu Arno. 

Aroma, n. (-s, PI. -s): würziger Geruch. 
Aus gr.-lat. aröma, gr. äpuj)aa n. (Gen. dpiü- 
luaroc) «Gewürz». Frühnhd. (ein jetzt unüb- 
licher PI. Arumaten bei Franck Weltb. 66*'). 
ABL. aromatisch, adj. : nach dem gleichbed. 
gr.-lat. aromäticus, gr. dpouiaariKÖc. 

Aron, m. n.: Natterwurz; deutscher Ing- 
wer. Aus dem gleichbed. gr.-lat. aron n., 
gl', äpov n. In friihnhd. Glossaren. 

Arrak, m. {-es, PI. -e): Reisbranntwein. 
Aus arab. 'araq «Schweiß, Saft, geistiges 
Wasser», woher auch engl, arrack, rack, franz. 
arack, rack, span. arac, daher auch bloß Back 
(s. d.). Das aus Ostindien stammende Getränk 
wird um 1600 in Deutschland erwähnt (Hulsius 
Schiffahrten 11, 31), von Jablonski 1721 als 
eine art brantweins in Indien besprochen. 



arrangieren, 



hl Ordnuncr bringen. 



Aus franz. arranger, zusammengesetzt aus 
lat. ad «zu, bei, an» und fi'anz. ranger «in 
Ordnung stellen, ordnen», abgeleitet von franz. 
rang m. «Reihe, Zeile, Rang», das auf deutsch 
Bing zumckgeht. Bei Wächtler 1711. 

Arras, s. Basch. 

Arrest, m. {-es, PI. -e): gefängliche Haft; 
gerichtlicher Beschlag. Aus afranz. arrest, 
nfranz. arret m., ital. arresto m. «Rechtsspinich, 
Beschlagnahme, Verhaftung» von mlat. arre- 
stum m. zu arrestare (s. d. folg.). Schon 
in der Rechtssprache des 15. Jh. — arre- 
tieren, V.: gefänglich einziehen, verhaften. 
Aus franz. arreter, afranz. arrester, ital. arre- 
stare von mlat. arrestare d.i. adrestare '^ein- 
halten, hemmen, verhaften». Frühnhd. (z. B. 
Janssen Frankfurts Reichskorr. 2, 878 von 
1512) arrestieren, üblich bis ins 18. Jh. (noch 
bei Adelung 1793) und dann erst durch das 
dem Franz. angeschlossene arretieren (Hey- 
natz 1775 arrestiren imd arretiren) ersetzt. 
Von jenem arrestieren kommt Arrestant, 

6* 



87 



arrogant 



artig 



88 



m. {-en, PI. -en): gefänglich Eingezogener, 
Verhafteter (auch frühnhd.), das fälschlich 
statt des Part.. Pass. (Ärrestaf) verwendete 
Part. Präs. (afranz. arrestant, ital. arrestante) 
von afranz. arrester, ital. arresfare. 

arrogant, adj.undady. : anmaßend, dünkel- 
haft. Aus dem gleichbed. fi-anz. arrogant von 
lat. arrogans (Gen. arrogantis), Part. Präs. 
des aus lat. ad «zu, an» und rogare «verlangen, 
ft-agen» zusammengesetzten arrogare v., «sich 
an-, zueignen, sich anmaßen». "Wohl schon im 
16. Jh. entlehnt. ABL. Arroganz, f.: Anmas- 
sung, aus dem gleichbed. franz. arrogance, lat. 
arrogantia f. (In der Zimmerschen Chronik). 

Arscll, m. {-es, PI. Ärsche): mit Deh- 
nung des a (vgl. bei Schottehus S. 1277 die 
Schreibung Aars und Alirs) und Übergang 
des s in seh nach r, wie in hir sehen, heiT- 
schen, Kirsche (doch hat noch Luther Ars, 
PI. Erse und so bis ins 17, Jh.), aus mhd. 
ars (PI. erse), ahd. ars (PI. ersi) m.; dazu 
ndl. aars und (mit vorgetretenem n) naars, 
fries. ers (in ersknop m. «Steißbein»), ags. ears, 
engl, arse, anord, ai'S und (mit Umstellung 
des r) rass m., dän. ars: genau entsprechend 
gr. öppoc m. aus opcoc «Steiß, Bürzel, Steiß- 
beinende». ABL. ärschlings, adv. (Goethe 
15, 322; 16, 59): hinter sich, rückwärts, 
mhd. erslingen. ZUS. Arschbaeken, m. 
(s. '^Backen), im 15. Jh. arshacJc (mhd. dafüi- 
arsbeUe f.). Arschkerbe, f. : im voc. theut. 
b 7 * arßkerhe. Arschkitzel, f. : Hagebutte, 
im voc. theut. a. a. 0. arßkutzel. Der Xame 
daher, daß die ionem behaai-ten Kerne der 
Hagebutte mit dieser, die gefi'oren gegessen 
wird, genossen, im After kratzen (im Franz. 
entsprechend gratte-cid m. cki-atze den Hin- 
tern»). Arscllleder, n.: halbrundes Leder 
der Bergleute vor dem Hintern (1557 bei 
Agricola Bergw. 177 Arsleäer, dafür bei 
Ludwig 1716 Arschfell). ArSChloch, n., 
mhd. ahd. arsloch. 

Arsenal, n. {-s, PI. -e): Zeughaus. Aus 
dem gleichbed. ital. arsenale, span. arsenal m. 
«Schiffszeughaus», mgi"iech. dpcrivdXric, abge- 
leitet von mlat. arsena f., auch altital. noch 
arsena, darse)ia, die hervorgegangen sind aus 
arab. dar eccinaa «Haus der Fabrikation». 
Ln 16. Jh. entlehnt (1594 bei FrischünXomencl. 
Kap. 171 Arsanal). 

Arsenik, n. (-.s): aus gi-.-lat. arsenicum, 
gr. dpceviKÖv, ctppevixöv n., dem Neutr. des 
adj. dppeviKÖc «männlich», zu gr. c(ppr|v, cipcriv 
«männlich, stark, kräftig», also eig. «das stark 



wirkende Gift». Doch vielleicht auch aus syr. 
zarnik «Arsenik», Levy Sem. Fremdwörter 55. 
Bei Dasypodius 1537. 

■^Art, f. (PI. -en): Geschlecht; natürliche 
Beschaffenheit; Eigentümlichkeit nach Ange- 
hören oder Erscheinen: Gesamtheit dessen, 
was sich durch seine Eigentümlichkeit von 
anderm unterscheidet; gute Manier, Geschick 
(vgl. Unart). Mit Dehnung des Vokals aus 
mhd. art m. f. «Geschlecht, Herkunft», dann 
«eigentümhche Xatui- und Beschaffenheit», 
dazu mnd. art f. «Abstammung, natürliche 
Beschaffenheit». In den altern Dialekten in 
dieser Bed. nicht vorhanden. Zusammenhang 
mit dem folg. Art ist möglich, da sich die 
Bed. «Abstammung», dann «angestammte Art» 
aus der von «angestammter Landbesitz» ent- 
wickelt haben kann, vgl. Meringer Idg. Forsch. 
17, 123; andre knüpfen an lat. ars (Gen. 
artis) «Art. und Weise, Kunst», skr. rtäm n. 
«rechte Art» an. Wiedemann Bezz. Btr. 27, 
221 verbindet Art mit abulg. rodii «Ge- 
schlecht», arm. ordi «Sohn». ABL. arten, 
V.: die natürliche Beschaffenheit wovon an 
sich tragen, in die Art schlagen, mhd. arten 
«angestammte Beschaffenheit haben, gute Art 
annehmen, gedeihen», artig, adj. und adv.: 
zum Ganzen passend und gefällig; gute Le- 
bensart zeigend; (mundartlich) auffallend 
eigentümlich, sondei'bar (Wagner Kinder- 
mördeiin 1, 1, häufiger in dieser Bed. art- 
lich). Dafür mhd. (umgelautet) ertic «edle 
Xaturbeschaffenheit habend» (bei Luther ar%). 

"Art, f. (PI. -en) : gepflügtes Feld, namentl. 
in Artacker, Art fehl, Artland, eig. s. v. a. 
Bebauung, Bearbeitung mit dem Pfluge. Mhd. 
ahd. art f. «Bejiflügung» (davon ahd. arton 
«bebauen, bewohnen»), asächs. ard m. «Auf- 
enthalt», mnd. art f. «Ackerbestellung, ge- 
ackertes Land», ags. eard m. «angebauter 
Boden, Stammgut, Wohnort», gebildet von 
dem V. mhd. ern (noch jetzt alem. eren), ahd. 
erien, mndl. eren, anord. er ja, got. arjan 
«pflügen», das zu lat. arare, gr. dpöeiv, air. 
1. Sg. airim, lit. ärti, abg. orati «pflügen» 
gehört. Vgl. noch gr. äpoxpov n., lat. arätrum, 
ir. arathar, anord. ardr, lit. arklus, abulg. ralo, 
serb. rälo, ai-m. araur «Pflug». Vergl. Schrader 
Idg. Forsch. 17, 32, Meiinger ebd. 121 ff. 

Arterie, f (PI. -n): Pulsader. Aus lat.- 
gr.arteria, gr. dpTr)p(a f. «Schlag-, Pulsader». 
Im 16. Jh. entlehnt (Gombert 6, 5 mit Beleg 
von 1532). 

artig, s. ^Art. 



89 



Artikel 



Asbest 



90 



Artikel, m. (-s, PI. wie Sg.): Abschnitt 
als Glied eines Schriftstückes; Hauptsatz; 
Handelsgegenstand; in der Sprachlehre das 
Geschlechtswort. Schon spätmhd. artikel in 
der 1. Bed. (doch später auch noch Ärticul), 
entlehnt aus lat. articulus na. «Gelenk, Ghed, 
Abteilung, kleiner Redesatz, Geschlechtswort», 
dem Dimin. Ton lat. artus m. «Gelenk». ABL. 
artikulieren, v. -. gegliedert, d. i. nach Silben 
bestimmt und deutlich aussprechen, aus lat. 
articulare, bei Sperander 1728. 

Artillerie, f. (PI. -n): das schwere Ge- 
schütz: Geschützmannschaft eines Heeres; 
Geschützkunst. Aus franz. ariillerie, prorenz. 
artüJiaria, span. artüleria, ital. artiglieria f. 
«Geschütz» von franz. artüler, sipan. artülero, 
itaii. artigliere m. «Stückgießer, Geschütz- 
soldat», die auf provenz. artilha «Festungs- 
wei'k» zurückgehen, gleichsam lat. artiada,eiae 
Ableitung von lat. ars (Gen. artis) «Kunst», 
im Mittelalter auch s. v. a, Geschütz. Seit 1500 
in Deutschland in verschiedenen Formen übhch 
(1510 bei Janssen Frankfurts Eeichscorr. 1, 
815 artler ey, 1523 bei G. Rixner Teütscher 
Nation nodtui-fift E 3^ artalary, 1585 bei 
Liliencron 4, 120 artellerey, 1678 bei Krämer 
Ärtollerey, bei Hans Sachs 2, 392 arculey, bei 
Fronsperger Kriegsb. arkeley usw.). ABL. 
Artillerist, m, (-e«, PI. -en)-. der schweres 
Geschütz bedienende Soldat. Mit der frem- 
den Ableitungsendung -ist in Deutschland 
gebildet (bei Nieremberger 1753 verzeichnet). 

ArtiscllOCke, f. (früher m., z. B. bei 
Duezl664): in Gärten gezogenes Distelgewächs 
mit eßbaren Köpfen, welsche Distel. Aus 
ital. articiocco, franz. artichaut m., das wie 
neuprov. arqiiichaut entstellt ist aus span. 
alcarchofa (vgl. die ital. Nebenform carciofo 
m.), das auf arab. (mit dem Artikel al) 
alcliarsuf zurückgeht, während das arab. arde- 
söke aus dem italienischen Worte umgestaltet 
ist. Zuerst 1556 bei Frisius Nomencl. 180* 
Ärtischock, WältscMistel , Cactos, dagegen 
1546 Bocks Kreuterb. 327 *> Strohüdorn, hei 
den Walen Card choffil. Umgedeutet in Erd- 
schocke, bei Stoppe, neue Fab. 1, 189. 

Artist, m. (-en, PI. -en): Künstler. Aus 
mlat. artista m. von ars (Gen. artis) Kunst. 
Bei Maaler 1561. 

artlich, s. ^Art. 

Arve, f. (PI. -n) : Zirbelkiefer, pinus cembra 
L. In der Schweiz üblich, wo arte, arve seit 
dem 16. Jh. vorkommt. Dunkler Herkunft, viel- 



leicht mit mhd. arf «Wui'fspieß» zusammen- 
hängend. 

Arznei, f. (PI. -en) : Heiltrank. Aus mhd. 
arzente und (mit Umlaut) erzenie (daher bei 
Luther auch ertzney) f., abgeleitet von dem 
j V. mhd. erzenen, ahd. erzinen und gi-arzinon 
j «heilen». Mit Unrecht wird an den berühmten, 
j aus Apamea in Syiien gebürtigen Arzt Ar- 
clxigenes angeknüpft (in Vokabularen findet 
sich allerdings Arckigenes, Archienes, Arcienes 
geradezu mit Arzt glossiert); vielmehr sind 
arzinon und arzenie als Umbildungen von 
arzätSn und arzätie (was mhd. vorkommt) 
zu betrachten unter Einfluß der echtdeut- 
schen Ausdrücke lähhinon «heüen» (zu ahd. 
lähhin n. «Heilmittel», lähhi m. «Arzt», ent- 
sprechend ags. löece, got. lekeis) und lächenie 
f. «Heilung dui-ch Besprechung oder Zauber». 
ABL. arzneien, v.: Arznei eingeben (mit 
Akk.); Arznei einnehmen, mhd. arzenien, 
erzenien. 

Arzt, m. (-es, PI. Äi-zte): Heilkundiger. 
Mit Dehnung des a aus Mhd. arzet, arzt, 
arzät, ahd. arzät m., dazu mnd. arste, ndl. 
arts m. Nicht von mlat. artista m. «Künstler, 
Heilkünstler», sondern mit Wegfall des aus- 
laut. r von lat. archiater (archi- wie arci- 
gesprochen, vgl. erz-) «Ober-Leibarzt», das 
auf gr. dpxiarpöc m. zurückgeht, zusammen- 
gesetzt aus dpxi s. erz- und larpöc m. «Arzt». 
Die vollere Formen zeigen noch andd. ercetere, 
mnl. arsatre, ersatre m. Die Benennung war 
am fränkischen Hofe übhch und wurde später 
allgemein, indem sie die echtdeutsche Benen- 
nung (s. unter Arznei) zui'ückdrängte. ABL. 
ärztlich, adj. und adv., mhd. arzätlich. 

As, n. (Gen. Asses, PI. Asse): die Eins 
auf Würfel oder Spielkarte; kleinstes Gold- 
und Sübergewicht; das Apothekerpfund von 
24 Lot. Aus franz. as m. in der 1. Bed., 
aber zugleich aus lat. as m. (Gen. assis), «teil- 
bare Einheit in Münz- und Gewichtssystem, 
Pfund». !Mhd. dafür esse n. (aus dem dem lat. 
assis = as entsprungenen ital. asse), deshalb 
auch ältenihd. Äß (noch bei Nieremberger 
1753 Eß neben Aß). 

Asant, m. (-es): Teufelsdreck, sowie 
Benzoe, jener stinkend, diese wohlriechend. 
Gebildet aus mlat. asa f. «starkriechendes 
Harz». Ludwig 1716 hat Asand, Jablonski 
1721 Assand. 

Ashest, m. (-es, PI. -e): Steinflachs, 
woraus unverbrennHche Gewebe gearbeitet 
wurden. Aus gr.-lat. asbestus, gr. äcßecroc f., 



91 



Asch 



assekurieren 



92 



dem subst. gebrauchten F. des gr. Adj. 
äcßecToc «unauslöschlich» (d- «un-», -cßecröc 
von c߀vvO€iv «löschen»). Im 18. Jh. aufge- 
nommen. 

Asch, m. (-es, PI. Äsche): tiefes topf- 
artiges Gefäß. Nur mundartlich (ostmd.). jVIhd. 
asch m. «tiefe Schüssel»: der Name, weil das 
Gefäß ursprünglich aus dem Holz der Esche 
(s. d., mhd. asch, ahd. asc m.) gedreht war, 
wie denn auch noch baj-r. Asch, mhd. asch m., 
afränk. (latinisiert in der lex salica 21, 4) 
ascus, ags. cbsc, anord. askr m. «Wasserfahr- 
zeug, Schiff» (von Eschenholz). ZUS. Asch- 
kuchen, m.: in einer Form gebackener 
Kuchen. Bei Adelung 1774. 

Asche, f. (PI. -n): der von verbrannten 
oder auch verwesten Körpern zurückbleibende 
Staub. Mhd. asche f. m. (alem.-fränk. esche), 
ahd. asca f.; dazu ndl. asch, ags. asce, cesce, 
engl, ash, anord. schwed. asha, dän. aske, 
got. azgö f. Ableitung von einem Stamme 
as, der in lat. ärere «trocken, dürr sein», aind. 
äsas m. «Asche», gr. äleiv «dörren» u.a. vor- 
liegt, vgl. Osthoff Btr. 13, 396, Walde s. v. 
äreo. Die gotische Form muß gegenüber 
denen der andern Dialekte einen Mittelvokal 
verloren haben, also aus *az9gö entstanden sein. 

Asche, f. (PI. -«): gi-auer forellenähn- 
licher Flußfisch, thymallus. Mit Wechsel des 
Geschlechts (doch thür. noch asch, äsch m.) 
aus mhd. asche (im 15. Jh. auch äsche), ahd. 
asco m. Wohl nach der aschgrauen Farbe 
benannt, oder zu gall. esox «Hecht». 

Aschenbrödel, m. n. {-s, PI. wie Sg.): 

Küchenjunge, dann überhaupt zu allen 
schmutzigen, staubigen Verrichtungen im 
Hause verstoßener Mensch. Mhd. aschen- 
hrodele m. (dafür 1482 im voc. theut. b 7^ 
ascherprudel «Küchenjunge»), zu brodeln, v. 
«wühlen und stauben in der Asche». Daneben 
hess. Aschenputtel, zu piitteln «in Flüssigem 
oder Staub hin und her schütteln», schweiz.- 
elsäss. Aschengrüdel zu gr adeln «scharren, 
wühlen» u. a. Formen. 

Äscher, m. (-s, PI. -wie Sg.) : ausgelaugte 
Asche: gelöschter, mit Asche vermischter 
Kalk zum Gerben. Spätmhd. äscher, escher 
m., von Asche abgeleitet. ABL. Ascherich, 
m. (-s): wie Äscher, bei Mathesius Sar. 120* 
Ascherich, äschern, v.: mit Asche beizen 
(vgl. ahäschern) ; in Asche vervv^andeln (nur in 
Zusammens.) ; mit Asche bestreuen. Frühnhd. 

Aschermittwoch, m. und f.; der 7. Mitt- 
woch vor Ostern, an dem der katholische 



Piiester die Gläudigen mit geweihter Asche 
bestreut, um sie an den Tod zu erinnern. 
Im 15. Jh. aschermifwoche m., daneben in 
gleicher Bed. schon im 14. Jh. aschtac (im 
16. Jh. auch der äscherige mitwoch). Ascher- 
kann nicht auf das Y. äschern zumckgeführt 
werden, sondern ist als Nebenform von Asche 
zu betrachten, die mhd. in Zusammensetzungen 
wie ascherknoche m., aschervar erscheint und 
der Ableitung ascheric. escheric, adj. zu- 
grmide liegt. 

äschern, s. Äscher. 

aschgrau, adj.: grau wie Asche. Bei 
Ludwig 1716. Redensart: das geht ins Asch- 
graue «in die graue Ferne, üljer den Horizont 
und so ins Unglaubliche». 

Aschkuchen, s. Asch. 

Aschlauch, m. (-es): die Lauchzwiebel, 
Schalotte. Bei Liune aUium ascalönium, d. h. 
Lauch von der Stadt Ascalon in Palästina, 
bei den Römern caepa ascalonia. Auf asca- 
lönium geht mhd. aschlouch, ahd. asclouh 
zurück. 

äsen, V.: fressen (vom Wilde gesagt). 
Mhd. ce^en.^^ Vgl. aasen. 

Aser, Äser m.: Tasche zum umhängen. 
Speisesack, Jagdtasche. Ba3'r., schwäb.-alem., 
hess. Mhd. äser, ceser und (mit vorgetretenem 
n) ncßser. Wahrscheinlich zu essen, von mhd, 
aj «Speise» gebildet. 

Asket, m. (-en, PI. -en): strenge Fröm- 
migkeit Übender. Aus mlat.-gr. asceta, gr. 
dcKriTrjC m. «wer h'gend eine Kunst, ein aus- 
schließliches Geschäft übt». Im 18. Jh. 

Aspe, s. Espe. 

Aspekt, m. (-es) : Anblick : (PI. Aspekten) 

Aussichten, Vorzeichen ; (in der Stemdeutung) 

Anzeichen nach den Stellungen der Planeten 

gegeneinander. Aus lat. aspectiis m. «Anblick, 

Aussicht», abgeleitet von dem V. aspicere (aus 

ad-spicere) «ansehen, anblicken». Bei Para- 

celsus (t 1541) Schriften (1616) 1, 712 Aspect. 

1 Asphalt, m. (-es, PI. -e): Erd-, Juden- 

I pech. Aus dem gleichbed. gr.-mlat. asphältum, 

j gr. äcqpaXxoc f. Neue Entlehnung. 

Aspirant, m. (-en, PI. -en) : Amtsbewerber. 
Nach lat. aspirans (Gen. aspirantis), Part. 
Präs. von aspirare (aus ad-spirare) eig. «an- 
hauchen», dann s. v. a. «wonach streben». Im 
18. Jh. aufgenommen. 

assekurieren, v. : versichern zu Schaden- 
ersatz. Nach, ital. assicurare, das auf mlat. 
assecurare «durch Unterpfand sicherstellen» 
beruht, zu.sammenges. aus lat. ad «zu» und 



93 



Assel 



Astrolog 



94 



dem von dem lat. Adj. securus <^ sicher* abge- 
leiteten mlat. semrare «sichern». Bei Wächtler 
1711. ABL. Assekuranz, f.: Versicherang 
zu Schadenersatz. 

Assel, m. (-8) f. (PI. -n): Kellerassel, 
oniscus. Spätmhd. assel m., bei H. Sachs 4, 408, 
5 auch als «Fingerwurm» (Krankheit). Man 
knüpft gewöhnlich an lat. asellus m. an, das 
als Dim. von lat. asinus m. «Esel» eig. «Esel- 
chen» bedeutet, dann aber auf das Insekt 
wegen seiner gi-auen Farbe übertragen wor- 
den sein soll (vgl. die Benennungen Kelle)'-, 
Maueresel, gr. övickoc). Da aber 1517 bei 
Trochus prompt. H 6^ die Form atzel er- 
scheint (auch bei GoHus 1579 or-atzel), in 
andren Quellen Ossel und (mit vorgetretenem 
n wie auch in der Xebenfonn Xassel, 1563 in 
Gesners Fischbuch 157'') Xossel, so dürfte 
als mhd. Form dzel und ä^el anzusetzen sein 
(vielleicht ju essen, ■ vgl. mhd. wunncezec 
«wurmstichig-j). 

Assessor, m. (-.?, PI. -en): beisitzendes 
Mitglied einer Behörde, eines Gerichtes. Aus 
lat. assessor «Beisitzer», von assiäere urspr. 
ad-sidere «bei jemand sitzen». In der frühnhd. 
Eechtssprache * (Reichsordnangen 40^ vom 
J. 1500. Lilieneron 4, 180). 

assimilieren, v.: ähnlich machen, ver- : 
ähnlichen. Aus lat. asshnüare, urspr. ad- 
similare «ähnlich machen». Im 18. Jh. auf- 
genommen. ABL. Assimilation, f.: Ver- 
ähnlichunsf, Ano-leiehung. 

Assisen, PI. : Gerichtssitzimg, insbesondere 
Tacfung eines Schwurcrerichtshofes. Aus franz. 
assises, PI. des F. des Part. Parf. assis «sich ! 
gesetzt, niedergelassen habend», von assire 
«sich setzen», das auf lat. assidere urspr. ad- 
sidere «sich setzen» beinxht. Neue Entlehnung. ; 

assistieren, v. : beistehen, unterstützen. 
Von lat. assistere, urspr. ad-sistere «bei je- 
mand stehen, jemand unterstützen». Im 16. Jh. 
entlehnt. — Assistent, m. (-en, PI. -en) : wer 
jemand beisteht: Gehilfe. Aus lat. assistens 
(Gen. assistentis), Part. Präs. des Y. assistere. \ 

assortieren, v. : mit Sorten versehen und ' 
in diese ordnen. Nach franz. assortir, das 
mit lat. ad von Sorte (s. d.) abgeleitet ist. 
Bei Sperander 1728. 

assoziieren, refl. v.-. sich vereinigen. 
Aus gleichbed. franz. s'associer, von lat. asso- ' 
ciare «vereinigen, verbinden», urspr. adsociare 
zu socius m. «Gefährte». Bei Sperander 1728. 

Ast, m. (-es, PI. Äste): dem Stamm ent- 
sprossener BaumteU ; Holzknoten als Ast- 



wurzel; (urspr. in der Gaunersprache") Buckel 

' (namentl. in der Redensart sich einen A. lachen 
d. i. sich bucklig, krumm lachen). Mhd. 
ast (PI. este), ahd. ast fPl. esfi) m.; dazu 
got. asts m. «Ast». Mit Vokalwechsel gehört 
hierher ndd. öst, ndl. oest (spr. üst) «Knorren 

, im Holz», ags. Öst m. «Knoten, Knorren». 

i Im Griech. entspricht öZoc m. (aus öcöoc) 

\ «Ast, Knoten, Auge am Zweig», arm. osf «Ast», 
doch wird die Zugehörigkeit des griech. 
Wortes bestritten, zuletzt von Lagercrantz 
Zur giiech. Lautgeschichte 139 f. Bartholomae 

■ Idg. Forsch. 5, 355 stellt noch ai. ädgas m. 

1 «Rohrstab, Stengel», gr. öcxoc m. «Zweig» 
als wurzelverwandt dazu. ABL. ästen, v.: 
Aste treiben, mhd. asten, esten. Davon ästein, 
fi-ühnd. ästig, adj.: Äste habend, spätmhd. 

i astic, estic. ZUS. Astloch, n. : Loch im 
Brette von einer ausgefallenen Astwurzel, 
bei Stieler 1691. 

Aster, f. (PI. -n): die im Herbst blühende 
Sternblume. Mit Übergang zum F. (im Ge- 
danken an Blume) aus gr.-lat. aster m. gr. 
dcTnp m. «Stern». Im 18. Jh. aufgekommen. 
Ästhetik, f.: die Wissenschaft von dem 
Schönen und der Kunst, Geschmackslehre. 
Aus nlat.-gi". aesthetica, gr. aicGriTiKr) (^näm- 

[ lieh T^x^Ti «Kunst»), F. des gr.-neulat. Adj. 
aestheticiis , gr. aic6riTiKÖc «zum Empfinden, 
zum WahiTiehmen geschickt», abgeleitet von 
gr. aicödvecöai «empfinden, durch die Sinne 
wahrnehmen». Das Wort geht auf den Philo- 
sophen Baumgarten zurück, von dem 1750 — 58 
Aesthetica erschienen. Davon Ästhetiker, 
m.: Geschmackslehrer. — ästhetisch, adj., 
durch Baumgarten und Meier (seit 1748) ein 
gern gebrauchtes Wort der Kunstrichter, von 
dem angeführten Adj. aestheticus. 

Asthma, n. (-s): Engbmstigkeit. Aus 
dem gleichbed. gr. 5c0,uan. Im 18. Jh. üblich. 
ästimieren, v.: wertschätzen, -nürdigen. 
Aus franz. estimer «schätzen, achten, hoch 
achten» und dies aus lat. aestimare, mlat. 
estimare «abschätzen», dann auch «gehörig 
würdigen, anerkennen». Danach schon 1403 
estimieren, 1444 estumieren «abschätzen». 
Dann 1571 bei Rot in der Bed. «schätzen, 
achten ». 

Astrolog, m. (-en, PI. -en): Sterndeuter. 
Aus gr.-lat. aströlogus, gr. dcxpoXÖTOc «Stern- 
kundiger, Sterndeuter», subst. M. des Adj. 
dcTpoXö-foc «sternkundig» (äcrpov n. «Gestirn, 
Stern», -Xotoc zu \lyeiv, hier «berechnen»). 
1573 in Luthers Tischreden 414*. ABL. 



95 



Asyl 



Attacke 



96 



Astrologie, f.: Sternlmnst. Aus gr.-lat. 
astrologia, gr. dcrpoXo-f ia f. « Sternkunde». 1531 
bei Hedio Josephus, Yorw. 1^ Astrology, 1534 
bei S. Franck Weltb. 235 ^ Astrologei, 1586 
bei Fiscbart Bodin. 140 das Adj. astrologisch. 
Astronom, m. {-en, PI. -en): Stemkundiger, 
Steraseber. Aus gleicbbed. gi-.-lat. astronomus, 
gr. cicTpov6)noc, subst. M. des Adj. dcTpovöiuoc 
«die Sterne in Sternbilder verteilend, ordnend» 
(äcTpov n. «Gestirn», -vo|noc zu v^ueiv «ver- 
teilen»). ABL. Astronomie, f.: Stern-, 
Himmelskunde. Aus gi'.-lat. astronomia, gr. 
äcTpovojaia f. Scbon mbd. «sfo'OWomCe f., 1573 
in Lutbers Tiscbreden 413^ Astronomey, 1586 
bei Fiscbart Bodinus 137 Asfronomy und 139 
das Adj. astronomisch. 

Asyl, n. (-S, PI. -e): Freistatt. Aus dem 
gleicbbed. gr.-lat. asylum, gr. äcu\ov n., eig. 
N. des Adj. äcuXoc «unberaubt» (ä- «un-», cuXäv 
«wegnebmen, nacb Kriegsrecbt berauben»), 
dann «unverletzlich, sieber». Bei Heynatz 1775 
nocb in der lat. Form asylum. 

Atem, m. (-s): die eingezogene und aus- 
gestoßene Luft. Mbd. ätem, mitteld. (mit 
grammatischem Wecbsel) auch ädern, ahd. 
äturrir ädiim m. ; dazu asäcbs. äf/iom, ndl. 
ädern, afries. ethnia, ags. (Mm m. Verwandt 
siad ai. ätma m. «Hauch, Atem, Geist», 
ir. athach «Hauch, Wind», aber nicht gr. 
dTjLiöc «Dunst, Rauch», da dies wohl auf 
deT.uöc zmückgeht. Luther bedient sich der 
Formen Athem und Adern, sowie (mit mund- 
artlichem = ä) Odem, was als feierhche 
Form später im Nhd. verblieben ist (bei 
Dichtem auch abgeschwächt Oden, Dusch 
Schoßbund 73, Goethe 6, 43, aber schon 1440 
oten bei Diefenbach gl. 547^). ABL. atmen, 
V., mbd. ätemen (auch cetemen), ahd. ätumön. i 
atmig, adj. in kurz-, schwer- usw. atmig. 
ZUS. atemlos, adj., mbd. atemlos. Atem- 
zug, m., mbd. ätemzuc. \ 

Atheismus, m.: Gottesleugnung. Aus 
neulat. atheismus m. Im Anfang des 17. Jh. | 
gebraucht (Moseherosch Lasomnis cura par. | 
126). — Atheist, m. {-en, PI. -en): Gottes- 
leugner. Aus neulat. atheista m., einer Fort- 
bildung von gl'. äOeoc «gottlos, die Götter 
verwerfend» (d- «un-», Geöc «Gott»). 1617 im 
teutschen Michel als modisches Fremdwort 
angeführt, atheistisch, adj., 1673 bei Chr. 
Weise Erznan-en 151, dafür früher im 17. Jh. 
atheisch (Gombert 7, 7 vom J. 1622). 

Äther, m. (-5, PI. wie Sg.): die Himmels- 
luft; flüchtiger, geistiger Stoff (so 1730 von 



Frobenius gebraucht). Aus gr.-lat. aether m., 
gr. aiGrip m. f. «die obere, reinere Luft, das 
reine Himmelslichb. Li der poetischen Sprache 
von Bodmer und Klopstock zuerst verwendet 
(Gombert 6, 6, 7, 8). ABL. ätherisch, adj. 
(1748 bei Klopstock). 

Athlet, m. (-en, PI. -en): W^ettkämpfer, 
körperkräftig ausgezeichneter Mann. Aus gr.- 
lat. athleta, gr. dOXrixric m. «Kämpfer, Wett- 
kämpfer», von dOXoc m. «Kampf». Im 18. Jh. 
entlehnt. ABL. athletisch, adj. : die Körper- 
kraft betreffend, riesig groß. 

"^ Atlas, m. (Gen. Atlasses, PI. Atlasse und 
Atlanten^. Landkartensammlung. Benannt 
nach einem mauretanischen König Atlas (Gen. 
Atlantis), der als Freund der Astronomie be- 
kannt war. Nachdem Mercator 1595 das Wort 
für eine Sammlung von Landkarten verwendet 
hatte, setzte es sich in dieser Bed. fest und 
erscheint bei Ludwig 1716 als eingebürgert 
(dafür 1734 im math. Lex. Atlant). 

"Atlas, m. (Gen. Atlasses, PI. Atlasse): 
glattes, glänzendes, rauschendes Seidenzeug. 
Spätmhd. Überkommen mit dem Handels- 
artikel aus dem Morgenlande, wo türkisch, 
persisch und m'sprünglich arab. atlas «glattes 
seidenes Tuch», eig. s. v. a. «abgerieben, kahl», 
dann «glatt». ABL. atlaSSen, adj., im 
16. Jh. atlassin. 

atmen, s. Atem. 

Atmosphäre, f. (PI. -n): die Erde um- 
gebender Dunstkreis. Nach einem neulat. 
atmosjihaera aus gi: OTiaocqpaipa f., zusammen- 
ges. aus driuöcm. «Dunst» und cqpaipaf. «Kugel, 
Erd-, Himmelskugel». Im 18. Jh. entlehnt 
(Zachariä Renommist 3, 321). 

Atom, n. (-5, PI. -e): L'rstofFteilcben. Aus 
gr.-lat. atonius f., gr. otoiuoc «ürstoff, unteil- 
bares Körperchen», dem F. des Adj. äroiuoc 
«unteilbar» (d- «un-», -TO|ioc von x^iuveiv 
«schneiden»). Der PI. wird auch als Atomen 
gebildet (Goethe Nat. Tochter 1494). 

Atout, n. (-S, PI. S-) (im Kartenspiel) : aus 
frz. ä tont «für alles», zur Zeit des 30jährigen 
Krieges aufgenommen, für deutsch Trwnvpf. 

ätsch, Interj. der neckenden Verspottung. 
Im 17. Jh. etsch! Gewöhnlich mit der Ge- 
bärde, als wenn man eine Rübe schabte, da- 
her auch ätsch, schabe Rübchen! 

Attacke, f. (PI. -n): feindlicher Angriff. 
Aus dem gleicbbed. franz. attaqne f., von 
attaquer (s. d. folg.). — attackieren, v.: 
feindlich angi'eifen. Aus dem gleicbbed. franz. 
attaquer, ital. attaccare, eig. «anheften, be- 



97 



Att« 



Auditorium 



98 



festigen», von ital. tacca, franz. tache f. «an- 
haftender Flecken ;>. Als modisches Fremd- 
wort (atiaquieren) 1617 im teutschen Michel 
erwähnt, auch bei "Wallhausen Corp. mil. 220. 

Atte, m. (-n, PI. -n): Vater. In oberd. 
Mundarten (alem. ätti) in der Kindersprache 
(in andern Gegenden nur jüdisch). ^Mhd. 
ätte m., eine dimin. Bildung zu atte, ahd. 
atto m., got. (das gewöhnliche Wort fiii- 
«Vater») atta m., wovon als Dimin. der 
Eigenname Ätiüa, e'ig. «Väterchen» (ahd. 
Ezzüo, mhd. Eizel). Dazu gehört lat. atta, 
gr. äxTa m. «Vater», ir. aite «Pflegevater», 
ablg. oüd m. (Demin.) «Vater», vgl. auch ai. 
attä f. «Mutter» (nur bei Lexikographen 
belegt). 

Attentat, n. {-es, PI. -e): gewaltsame 
Eechtskränkung des andern: gewaltsamer An- 
griff auf andrer Leben. Aus dem gleichbed. 
lat. attentatum n., dem N. des Part. Perf. 
Pass. von attenfare, uiSTpr.ad-tentare «antasten, 
angreifen». Schon in der Kechtssprache des 
15. Jh. (attemptat Fontes habsburg. II, 2, 
345, attentat Reichs-Ordn. 97^). ABL. Atten- 
täter, m. (s, PI. wie Sg.): der ein Attentat 
begeht. Xach 1844 aufgekommene Bildung, 
mit Anlehnung an Täte^\ v^l. Hildebrand 
Sprachunterricht S. 116, Ladendorf Schlagwb. 

Attest, n. (-es, PI. -e): schriftliches Zeug- 
nis, Bescheinigung. Im 18. Jh. gekürzt aus 
dem gleichbed. Attestat n. (noch bei Hej-- 
natz 1775), das auf lat. attestatum «Zeugnis > 
beruht, eig. N. des Part. Perf. von attestari 
(s. d. folg.). — attestieren, v.: bezeugen, 
besonders schriftlich. Aus lat. attestari, urspr. 
ad-testari «bezeugen, durch Zeugnis kräftigen». 
Im 17. Jh. entlehnt. 

Attich, m. (-S, PI. -e): Ackerholunder, 
sambucus ebulus. Mhd. atich, atech, ahd. atak, 
atnh m. Mit Angleichung des et zu tt (vgl. 
Dattel) von dem gleichbed. lat. acte (Plinius 
bist. nat. 26, 73), von gr. dKxea, zusammengez. 
üKTfi f. ''Holunderbaum». 

attrapieren, v.: worüber ertappen. Aus 
franz. attraper, ital. attrapare, eig. «in einer 
Falle fangen», zusammenges. aus lat. ad und 
ital. trappare, franz. trajyper, von franz. trappe, 
mlat. trappaf. «Falle», das auf dem gleichbed, 
ahd. trapa f. (auch trapo m.) beruht. Im 
17. Jh. entlehnt. 

Attribut, n. (-es, PI. -e) -. beigelegte Eigen- 
schaft; Beizeichen. Aus lat. attributum eig. 
«Zugeteiltes», dann auch s. v. a. Eigenschaft, 
subst. N. des Part. Perf. Pass. von attribuere, 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



urspr. ad-trxbuere «zuteilen, beüegen». Bei 
, Sperander 1728. 

I Atzel, f (PI. -n): traulicher Name der 

: Elster; (wegen der verschiedenen Farben der 

i Elster, ursprünghch mehr im Scherz) falsches 

Scheitelhaar, Perücke (1788 bei Fulda). Mhd. 

atzel f., eine dimin. Ableitung von ahd. agazza 

f. «Elster» (s. d.). 

ätzen, V.: abweiden; zu essen geben (in 
diesen beiden Bedd. auch atzen ; dies auch refl.); 
einfressen machen, von Säuren fschon zu Ende 
des 15. Jh.). Mhd. atzen und etzen, ahd. azzön 
und ezzen: dazu got. atjan in fraatjan «zur 
Speisung austeilen». Faktitiviun von essen. 

Atzung, f : was zu essen dargeboten wird. 
Mhd. atzunge f, von atzen. S. ätzen. 

au! Ausnif des Schmerzes. Mhd, ou!, 
abgelöst von ouwe aus oice. 

Au, s, Aue. 

auch, Conj., die eine Vermehrung anzeigt. 
Mhd. oucli, ahd. ouh; dazu asächs, ök, ndl, 
ook, afi-ies. äTi, ags. eac, engl. eTie, anord. auk 
«dazu», schwed. ock, dän. og, got. auk «denn, 
aber», "Wahrscheinlich Imperativ (urgerm. 
auke) zu dem neben ahd, ouhhon, asächs. 
ökian, ags. eaeian stehenden st. V. got. aukan, 
anord. auka «mehren», die der Lautverschie- 
bung gemäß stimmen mit lat. augere, gr. 
auEeiv, auEdv€iv «mehren, vermehren», vgl. 
lit. äugfi «wachsen», ai. öjas n. «Kraft». Oder 
auch zu gl", aö-fe «wiederum», lat. aut «oder», 
ai. Uta «und, aber, auch», zu stellen, vgl. 
"Walde s. v. aut. 

Audienz, f, (PI, -en)-. Gehör, das jemand 
gegeben wird; Verhör, Aus franz, audience, 
ital. audienza, lat. audientia f. «Gehör, An- 
hörung», von aud.iens( Gen. audienti-s) «hörend», 
Part. Präs. von audire '< hören». In der Rechts- 
sprache um 1500 eingebürgert (Reichs-Ord- 
nungen 61^ von 1507, "Wüwolt von Schaum- 
burg 96, Liliencron 2, 33 1» von 1493). 

Auditeur, m. (-s, PI. -e): rechtsgelehrter 
Richter beim Heerwesen. Aus dem gleich- 
bed. franz. auditeur m., das auf lat. aiuUtor m. 
«Hörer, Zuhörer», im Mlat. auch «Richter», 
beruht. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt 
(1622 bei Londorp Acta pubHca des Teutschen 
Krieges 1, 1047''). 

Auditorium, n. (PI. Auditorien): Hör- 
zimmer, Hörsaal; Gesamtheit der Zuhörer. 
Aus dem gleichbed. lat. au^itorium, subst. X. 
des von auditor m. «Hörer, Zuhörer» abge- 
leiteten Adj. aiuJitorius «zum Hören gehörig». 
Im 17. Jh. entlehnt. 

7 



99 



Aue 



aufbiudeu 



100 



^Aue, Au, f. (PI. Änen): wasserumflos- 
senes Land, Flußinsel; wasserdurchflossenes, 
feuchtes, gewächsreiches Gelände. Mhd. oitive, 
ou, ahd. omva f. «Wasser, Strom, Wasserland, 
wasseiTeiches Gelände»: dazu ags. eg, ig f., 
anord. ey f., schwed. dän. ö «Insel», Mlat. 
erscheint augia, avia (z. B. in Scadinavia). 
Das vorauszusetzende got. *aivi (Gen. *aiijös) 
steht mit Verlust eines Gutturals für "^agwi 
und kommt von got. aJva f. «Fluß», ahd. aha 
(s. -a), lat. aqi(a f. «Wasser». 

-Aue, f. (PI. -n): Mutterschaf. Li obd. 
Mundarten. 'Mh.d. (selten) oiiice, ahd. ou, 
ouwi f.; dazu ags. eoivii, engl, eice f. «Schaf», 
got. nur in Ableitungen wie awistr n. «Schaf- 
stall», awepi n. «Schafherde ». Dazu stimmen 
lat. OVIS f., gr. öic m. f., air. öi, öe, lit. avls f., 
aind.ävis m. f., abg. abgeleitet ovica «Schaf», 
lit. äw««.s «Widder», lett. auns, apreuß. aivins, 
abg. ovinü «Schaf», vgl. Walde s. v. ovis. 

Auer, m. (-S, PI. wie Sg.): meist zu- 
sammengesetzt Äuerochs m. Mhd. ahd. ür 
m. (daher altertümlich Ur, s. d.), neben mhd. 
ürohse, ahd. ürohso m; dazu ags. ür, anord. 
ürr m. «Auerochse». Man vergleicht skr. usräs 
m. «Stier», eig. «rötlich», germ.-lat. ürus m. 

Auerhahu, m. (s, PI. Auerhähne, frtlher 
Äuerhahieri). ]\Ihd. urhaa neben orhan m., 
ahd. kommt orlmoii, orrelmon f. «Auerhenne» 
voi\ Auch frühnhd. noch orhan (voc. ine. 
teut. p 1*), urhan (voc. theut. 1482 mm 5^), 
1616 bei Henisch uhrhan, ohrhan, selbst noch 
bei Voß TJrhahn (daneben schon im 16. Jh. 
aurhan). Da im Altnord. Schwed. orre n. 
«Birkhuhn» als selbständiges Wort vorkommt, 
muß erst später Anlehnung an ür, ürohse 
eingetreten sein. Das nord. orre bringt man 
mit skr. vrsan «zeugungski'äftig, männlich», 
dann auch «Stier», ferner lat. verres (für 
Verses) m. «Eber», lit. versis m. «Kalb», lett. 
ve'rsis «Ochs, Stier», zusammen, so daß die 
urspr. Bed. «männliches Tier» sein würde. 

Auf,^ m. {-es, PI. -e): Xachteule, Uhu. 
Weidmännisch, 1763 beiHeppe wohlred. Jäger. 
^Ihd. üve, ahd. üfo, üvo m., dazu das gleich- 
bedeutende ags. üf, anord. nfr, schwed. üf m. 

auf, 1) adv.: zur Höhe; vonemander aus 
dem Zustand des Zuseins. In auf! auf 
und davon! und in Zusammensetzungen wie 
frisch-, voll-, dar-, her-, hinauf, sowie in 
Verbindung mit Verben und Nomina. Bei 
der Verbindung mit Verben haben wir a) die 
urspiüngl. Bedeutung in aufbrausen. Dann 
die Bedeutungen b) anregen zu einer be- 



stimmten Tätigkeit, aufmuntern, c) Wider- 
hersteUung eines fiühern Zustandes, auf- 
lüärmen, aufbraten, d) die Beseitigung des 
Objekts durch die Tätigkeit, z. B. aufessen, 
aufreiben, und schheßlich e) ganz abge- 
schwächt den Eintritt einer Handlung be- 
zeichnend aufblühen. Die Nomina schließen 
sich in ihrer Bedeutung den entsprechenden 
Verben an. 2) präp. a) mit Dat. (auf die 
Frage «wo») in der Höhe von und zugleich 
in Berührung mit — ; während. b) mit 
Akk. (auf die Frage «wohin») zur Höhe; über- 
hin; als Ziel habend; nach: die Art und 
Weise bezeichnend. Dies auch in den ad- 
verb. Verbindungen : aufs baldigste, aufs beste, 
aufs neue usw. Mhd. ahd. üf adv. u. präp. ; 
dazu asächs. up, ags. üp, upp, engl, tip, got. 
(mit abweichendem Vokal) iup adv. «auf- 
wärts». Verwandt mit oben und über (s. d.), 
doch vgl. Zupitza Die germ. Gutturale 29. 

aufbäumen, v. : auf einen Baum fliegen, 
klettei'n, springen. Weidmännisch, 1763 bei 
Heppe wohlred. Jäger. 

aufl)äumeu, refl. v.: sich (baumähnlich) 
zur Höhe biegen; sich auflehnen (urspr. von 
Pferden gesagt). Friihnhd. (1482 bei Eych- 
mann 3^ sich vffbeymen «insultare», mhd. 
bloß sich boumen). Davon das Part. Prät. auf- 
gebäumt «zur Höhe gerichtet, aufgehäuft». 

aufbauscheu, v. : schwellend in die Höhe 
gehen machen; (bildlich) etwas größer er- 
seheinen lassen, als es in Wh-klichkeit ist. 
Erst bei Campe 1807. S. bauschen. Früher 
dafür aufbansen (Kramer 1719) oder auf- 
pausen (Ki'ämer 1678) s. d. 

aufbegehren, v. : trotzig auffahren. Erst 
im 19. Jh. durch schweizerische Schriftsteller 
aufgekommen (in der Schweiz in der Bed. 
«sich auflehnen» schon 1582 nachgewiesen, 
s. Schweiz. Id. 2, 404). Nicht zu gären. 

aufbieten, v. : kundmachen, namentlich 
Verlobte auf der Kanzel (mhd. üfbieten «in 
die Höhe heben», dann, eig. durch Hochhalten, 
«zur allgemeinen Kenntnis bringen»): zu einer 
Leistung auffordern, namentüch zur Heeres- 
folge (mhd. und älternhd.mitDat.): (bildlich) zu 
Hilfe nehmen, z.B. seine Kräfte (Schiller 4, 38). 

aufbinden, v.: in die Höhe binden (mhd. 
üf binden): worauf festbinden (auch mhd.); 
(bildlich) vom Auflnnden eines Geschenkes 
auf den Ax'm oder Ärmel Unwahres glauben 
machen (Schupp 394, 634 einem einen a., 
1691 bei Stielör einem eins a.); aus dem Zu- 
stand des Gebundenseins befreien (auch mhd,). 



101 



aufbrechen 



Aufgebot 



102 



aufbrechen, v. : 1 1 intrans. sich gewalt- 
sam öffnen (z. B. 1. Mos. 7, 11); sich er- ] 
heben zum Weg- oder Weitergehen, mhd. i 
üfhrechen, auch refl. sich ufbreclien. 2) (ur- 
spr. mit Gewalt) öffnen (auch mhd.). — i 
Aufbruch m. (nach allen Bedd. von a.). 
Mhd. üflyruch. 

aufbringen, v.: in die Höhe bringen,: 
mhd. üf bringen: großziehen, pflegen (auch 
mhd.): durch Tätigkeit sich verschaffen (auch 
spätmhd. ) ; finden und vorbringen (auch mhd.) ; 
in die Mode bringen ; erregen, in Zorn bringen 
(im 15, Jh. z.B. bei Janssen Frankf. Reichskorr. i 
1, 459 V. J. 1487); aufgehen machen. Nach ' 
der vorletzten Bed. das Part. Prät. aufge- 
bracht als Adj. (nm* prädikativ) «erzürnt», ' 
bei Gottsched, Reichel 7). 

Aufbruch, s. aufbrechen. 

auf daß, Absicht anzeigende Konj. ^Ihd. 
(in mitteld.. Quellen des 14., 15. Jh.) üf da^, 
urspr. üf da^ da^ (Mystiker 1, 376, 6), dann 
bei Luther auff das. 

aufdonnern, refl. v.: (von Frauenzim- 
mern) sich aufputzen. Aus der Studentenspr. 
in die neuere Umgangssprache gekommen. 

aufdrieseln, aufdröseln (Goethe 18, 290. 
24, 149 j, auch auftröselu (Goethe 6, 160j, 
V.: auf- und umwinden; abwindend lösen. 
dröseln geht zuiiick auf ein dialektisches 
md. ndd. triseln (^auch trüsehi, z. B. schles. 
und in ndd. Mundarten) v. «im Kreise drehen, 
rollen», dazu trisel m. «Kreisel» (schon nind. 
triseUn «rollen, kollera»), 1469 im mrhein. 
Yoc. ex quo drisslichte «tomabilis»), die 
wohl gehören zu mnd. trisse, tntse f. «Tau, 
das sich um eine Drehscheibe windet und 
diese selbst. Winde», trissen, tritsen (vgl. 
triezen) «mit einer Winde aufziehen, hissen» 
(dazu die gleichbed. ndl. trijsen, engl, trise, 
dän. trid.se). Vgl. abtröseln. 

aufdunsen, s. aufgedunsen. 

aufeinander, Raum- u. Zeitadv., nach 
seiner Bildung s. v. a. «ein auf das andere». 
Schon bei Luther zusammengerückt. 

Aufenthalt, m. (-s, PI. -e): Vei-weilen; 
Oii; des Yerweilens. Spätmhd. üfenthalt m. 
<: Aufrechthaltung, Stütze, Unterhalt, Woh- 
nung», von mhd. üfenthalten «aufrecht halten, 
erhalten, Nahrung, Wohnung gewähren», sich 
üfenthalten «sich zuiiickhalten, verweilen». 

auferstehn, v.: vom Tode oder aus tod- 
ähnlichem Zustand sich erheben. Mhd. üf 
erstän «sich erheben, entstehen, vom Tode 
erstehen», ahd. üfarstantan. Ebenso sind ge- 



bildet auferbaueu, mhd. üferbüwen, auf- 
erregen (^Goethe 9, 278), auf erwecken, 
mhd. üferwecken, auferziehen (bei Luther), 
die alle das auf- in der Flexion von dem 
übrigen Worte nicht trennen. 

Auffahrt, f. (PI. -en)-. Fahrt zur Höhe, 
besonders die Himmelfahrt : feierliche Schau- 
fahrt. Mhd. üfvart f. «Himmelfahii. Fahrt 
stromaufwärts», ahd. üffart f., zu auffahren 
mhd. üfvarn, ahd. üffaran. 

auffallen, v.: l) intrans. worauf fallen; 
(mit Dat.j Anstoß geben, die Empfindung 
des Ungewöhnlichen hervornifen (ei'st bei 
Adelung 1774, doch schon 1753 bei Xierem- 
berger der Wein fällt a^t/" «gewinnt Säui-e»). 
2) trans. durch Fallen auf machen. ABL. 
auffällig, adj. u. adv. (nach der 2. Bed. 
von auffalleti). Bei Campe 1807. 

aufflirren, v.: mit Flitterstaat aus- 
schmücken (Voß Werke 228). Von ndd. 
flirre f. ; Flitter, Kopfschmuck einer Frau». 

auffretzen, v. : auffressen machen, ab- 
füttern; ganz abweiden. Bei Luther (z. B. 
4 Mos. 22, 4). S. fretzen. 

aufführen, v. : in die Höhe richten,insWerk 
richten (mhd. ü feueren «nach oben führen»): 
zur Schau, zum Sehen, Hören usw. bringen 
oder vorbiingen (bei Maaler 1561 in der Bed. 
«feierlich einholen»); zur Wahrnehmung an- 
fühi-en (Schiller 4, 271, 14). Refl. sich a.: 
sich in den Lebensverhältnissen zeigen, sich 
betragen (bei Frisch 1712;. ABL. Auf- 
führung, f. (zu aufführen u. sich aufführen): 
Vorstellung eines Theater- oder Musikstücks 
(Lessing 7, 214); Betragen (Felsenbui-g 1, 87 i. 

Aufgang, m. (-es, PI. Aufgänge): Gang 
zur Höhe, besonders das Hervorkommen von 
Sonne, Mond, Sternen über den Gesichtskreis, 
Anfang von Tag oder Nacht; Ost; Anfang, 
voniehmlich erfolgreicher: Eröffnung. Mhd. 
ahd. üfganc m. 

aufgeben, v.: zu erledigen, zu besorgen 
geben, z. B. ein Rätsel a. (fi-ühnhd., auch 
bei Luther); (mit Dat.j ein Lehen usw. in 
die Hand eines andern übertragen, eig. bei 
der symbolischen Handlung hochhalten mid 
übergeben (mhd. üfgeben); sich entäußeni, 
fahren lassen, unterlassen (auch schon mhd.). 

aufgeblasen, adj., eig, Part. Prät. von 
sich aufblasen: eine übertrieben hohe Mei- 
nung von sich zur Schau tragend. Schon 
mhd. üf geblasen. 

Aufgebot, n. {-es, PI. -e): öffenthche Be- 
kanntmachung z. B. einer zu schließenden 



103 



aufgebracht 



aufkommen 



104 



Heirat (Lessing 1, 530); Einberufung von 
Heeresmannschaft und diese Mannschaft selbst 
(Luther 3, 355^ Jen. neben außot n. 356 b); 
(übertragen) Zuhilfenahme z. B. der Kräfte. 
Zu dem älternhd. V. aufgebieten (bei Luther), 
= aufbieten (s. d.). 

aufgebracht, s. aufbringen. 

aufgedunsen, adj., eig. Part. Prät. des 
verlornen V. sich aufdinsen: (von innen) ge- 
haltlos ausgedehnt (Wieland 4, 102). -dinsen 
geht zurück auf mhd. dinsen «ziehen», sich 
dinsen auch s.v. a. «anschweEen», dazu ahd. 
dinsan, asächs. thinsan, got. at-pinsan «heran- 
ziehen» zu lit. t^sti «durch Ziehen dehnen», 
ai. tc{säjati «er schüttelt, bewegt hin und her. 
Aus diesem aufgedunsen scheint ein V. auf- 
dunsen «gehaltlos ausdehnen» (Maler Müller, 
Schubart) entwickelt, doch schon bei Stieler 
1691 dumsen, aufdumsen «anschwellen». 

aufgehen, v.: in die Höhe gehen, mhd. 
üfgän, -gen, ahd. ufgangan, üfgän; (von Ge- 
stirnen) hervorkommen, sichtbar werden ; (mit 
Dat.) deutlich werden ; sich öffnen : (von Geld) 
verbraucht werden (schon mhd.); völlig in 
ein gi-ößeres Ganze aufgenommen werden; 
(rechnerisch) sich heben (bei Schupp 59). 

aufgehoben, s. aufheben. 

aufgeklärt, s. aufklären. 

Aufgeld, n. {-es, PI. -er): das bei Aus- 
wechslung von Münzen hinzugezahlte Geld, 
Agio; bei einem geschlossenen Handel oder 
Vertrag sogleich dargegebenes Geld, damit 
er fest ist und nicht zurückgehen kann. 
Spätmhd. üfgelt n. 

aufgelegt, Pai-t. Prät. von auflegen: in 
Stimmung etwas zu tun, wie ital. disposto, 
franz. dispose. Um 1700 üblich geworden 
(Günther 315). 

aufgeräumt, adj.: in reiner, heiterer 
Seelenstimmung. Eig. Part. Prät. von auf- 
räumen, mhd. üfrümen, «wegschaffend Raum 
machen; alles Unangenehme und Beengende 
wegschaffen». Bei Krämer 1678 mit Adv. übel, 
wol a. und urspr. (wie noch bei Stieler 1691) 
mit persönKchem Dat. 

aufgeweckt, adj.: lebhaften Geistes. Im 
17. Jh. üblich (Fleming 136). Eig. Part. Prät. 
von aufwecken in der Bed. «geistig ermun- 
tern, anregen» (bei Luther). 

aufhalten, v.: in die Höhe halten, mhd. 
üf halten ; auf einem Punkte verweilen machen, 
zurückhalten, hemmen (auch schon mhd.); 
offenhalten. Refl . sich a. : verweilen (bei Luther, 
neben sich aufenthalten); sich mißliebig über 



etwas oder über jemand äu£em (bei Nierem- 
berger 1753). 

aufhängen, v.: in die Höhe hängen, mhd. 
üfhengen neben üfhdhen, s. hangen; als Last 
an jemand hängen; einem etwas a.: ihn zur 
An-, Übernahme von etwas bringen (wie auf- 
halsen, z. B. Lessing 3, 6), zum Glauben 
an etwas bringen (wie aufbinden, bei Kind- 
leben 1781). 

aufheben, v.: zur oder in die Höhe 
heben, mhd. üf heben, ahd. üfheffen; auf- 
nehmen und wegbringen (mhd. üf heben «er- 
gi'eifen»); zur BewahiTing wohin tun; auf- 
hören machen, ungültig machen, abschaffen 
(im 15. Jh. ein urtel uf heben, bei Luther 
allgemein); {mit einem a.) abrechnen. Refl. 
sich a.: sich gleichkommen, eig. beim Wiegen 
zu gleicher Höhe heben. Das veraltete Part. 
Prät. auf gehaben (dafür jetzt aufgehoben, s. 
heben) kommt noch im 18. Jh. in der Bed. 
«zm* Höhe gehoben, emporgehoben» vor (bei 
Klopstock, Wieland, Lessing). Der subst. 
Inf. Aufheben, n. hat auch die Bed.: schau- 
tragendes Hervorheben vor andern (nament- 
lich in Aufhebens machen), eig. Fechteraus- 
druck von dem (oft mit prahlerischen Reden 
verbundenen) Erheben der Waffen als Vor- 
spiel des Kampfes (bei H. Sachs 4, 213 wird 
das Aufheben als ein Teil der Fechtkunst er- 
wähnt, vgl. Lessing 10, 239). 

aufhören, v.: worauf hören (selten, 1691 
bei Stieler); in einer Tätigkeit nicht fort- 
fahren. Li der letzten Bed. im Mhd. zu- 
nächst bloß hoeren, wohl im Sinne von «ge- 
horchen, auf jemand hören», dann auch üf- 
hcBren, völlig dui'chgedrungen im 15. Jh. 

aufklären, v.: klar, hell machen (nament- 
lich refl., so bei Stieler 1691); verständlich 
und deutlich machen; (eine Gegend) aus- 
kundschaften (in der neuern Heeressprache 
nach franz. eclairer); im Geiste erleuchten. 
Nach dieser Bed. das Part. Prät. aufgeklärt 
als Adj. «erleuchtet im Geiste», namentlich 
in religiösen Dingen (1752 von Wieland ge- 
braucht, Suppl. 1, 414. 424, vgl. auch ReichelS). 
ABL. Aufklärung: bei Adelung 1774, vgl. 
Ladeudorf Schlagwb. 

aufknüpfen, v. : eine Schlinge aufmachen ; 
mittelst einer Schlinge, eines Stranges auf- 
henken (bei Duez 1664, Fischart hat auf- 
knipfen in beiden Bed., Garg. 76 u. 458). 

aufkommen, v.: in die Höhe kommen, 
mhd. üfkomen, ahd. üfqueman; zum Wachs- 
tum, zur Gesundheit kommen (auch schon 



105 



aufkrampen 



aufrecht 



106 



mhä.); zum Dasein kommen: üblich werden 
(frühnhd.). 

auf krampen, v.: die Krampe (s. d.) ! 
öffnen, um die Thüi' aufzumachen. Bei Toß 
Luise 3, 203 aus dem Xdd. 

auf krampen (bei Goethe 26, 299 auf- i 
krempen i, v. : in die Höhe krümmen oder 
biegen, z. B. den Hutrand. Aus dem Xdd. i 
im 17. Jh. eingedrungen Tbei Rädlein 1711). 
Mnd. upkrempen «sich in die Höhe biegen». 
ABL. auf krämpeln, v. : in gleicher Bed., 
1793 bei Adelung. 

aufkratzen, v.: durch Kratzen auf- 
machen; durch Kratzen fiisch machen rfriih- ■ 
nhd.); aufputzen i namentlich sich a.): in gute : 
Stimmung versetzen {aufgekratzt bei Kind- ■ 
leben 1781 als studentisch). i 

Auflage, f. f PI. -n) : (im Kanzleistil) amt- 1 
Ucher Auftrag Tfrühnhd. ) ; der Obrigkeit zu 
Entrichtendes, namentlich an Geld i frühnhd ) ; 
Zusammenkunft der Handwerker, eig. inso- 
fern in ihr die Beiträge zu entrichten sind 
(Adelung 1774); Beschuldigung (bei Luther 6, 
6'' Jen.); die zusammen gefertigten Abdrücke 
einer Schrift als aus der Presse hervorge- 
cranofen und zum Verkaufe zur Messe auf- 
gelegt (bei Frisch 1712j. 

auf lassen, v. : in die Höhe lassen, mhd. 
üflä^en: feierhch aufgeben (s. d.) und einem 
andern übertragen, z. B. ein Lehen (mhd., 
auch mnd. upläten im Sachsensp.); (ein Berg- 
werk) zu bearbeiten aufgeben, verlassen (Frei- 
berger Bergi-echt des 14. u. 15. Jh.). | 

Auflauf, m. {-es, PI. Aufläufe) : geschwin- 
des in die Höhe Gehen; über und zugleich 
unter Kohlen in die Höhe gehendes Gericht; 
Zusammenlaufen von Menschen, besonders 
feindseliges, Aufruhr, mhd. üflouf. ' 

auflaufen, v.: l) intrans. sich mehrend j 
anwachsen, mhd. üfloufen-. aufkeimen: an-' 
schwellen (auch schon mhd.) : ( in der Schiff- 
fahrt) sich auf dem Grunde festfahren. 2)trans. 
durch Laufen öffnen, wund laufen. ; 

auflehnen, v. : von der senkrechten Rich- 
tung auf einen Halt Gebendes abweichen. 
Refl. sich a., auch in der Bed. «sich zum 
Widerstand entgegenwenden». ^[hd. üßeinen, 
in md. Quellen auch üflenen. Bei Luther 
aufflehnen, bei Obd. bis ins 17. Jh. aufleinen, 
vgl. ablehnen. ' 

aufmachen, v.: in die Höhe richten, mhd. 
üfmachen: aufspielen ifiühnhd.); offen machen 
(bei Lutherj. Refl. sich a.: sich erheben, auf 
den Weg machen (schon mhd.). 



aufmutzen, v.: (fi-üher) reines schönes 
Aussehen geben, aufputzen, mhd. üfmutzen, 
wie auch das einfache mutzen diese Bedeutung 
hat rfi'ühnhd. namenthch von Waren, z. B. 
1537 bei Dasypodius auffmutzen zum kauff): 
(dann) als vorzüglicher (in die Augen fal- 
lender) nennen, herausstreichen, doch auch 
als ungut, zum Tadel herausstreichen ( Luther 
Sir. 1-3, 27): (mit Dat.) einem etwas mit Xach- 
dnick vorhalten oder zum Vorwurf machen 
(schon fiühnhd.). S. mutzen. 

aufnehmen, v.: l") trans. in die Höhe 
nehmen, mhd. üfnemen (daher es mit einem 
a. « es auf einen Streit mit jemand ankommen 
lassen», eig. die Waffen erheben, um mit je- 
mand Kampf zu beginnen, vgl. Aufhellen): 
bei sich zulassen, Eintritt, Raum usw. ge- 
währen (auch schon mhd.); an sich nehmen, 
z. B. entliehene Gelder (mhd. üfnemen «in 
Besitz nehmen, einnehmen »J : angreifen, um zu 
beginnen, z. B. eine Arbeit: entwerfen, z. B. 
ein Büd, eine ürkutuJe : geistig auffassen und 
beurteilen, z. B. gut a. (bei den Mystikern 
ist üfnemen '< erkennen//). 2) intrans. (ver- 
altet) zunehmen, gedeihen (auch mhd.l Da- 
von der subst. Inf Aufnehmen, n., nament- 
lich in i)i A. bringen, woföi- jetzt gewöhnlich 
in Aufnahme brvigen gesagt wird. 

auf neu, v.: aufbringen, in die Höhe 
bringen, bessera, mehren. Schweizerisch (bei 
G. Keller, Schweiz. Id. 1, 123 seit 1424 be- 
legt). Älternhd. auch aufen, mhd. v.fen, ahd. 
üffan und üßn neben kiüffinm, ags. uppian. 
Zu ahd. mhd. üf «auf». 

aufpassen, v.: l) intrans. worauf acht- 
habend warten: worauf achthaben. Früh- 
nhd. (H. Sachs Fab. 196, 92). 2) trans. wo- 
zu passend machen. S. passen. 

aufpausen, v.: (die Backen) aufblasen 
1678 bei Krämer. Zu pausest, oberd. pfausen 
«blasen, pusten». Vgl. aufbauschen. 

aufl'appelu, refl. v. : sich von sitzender 
oder liegender Stellung empomchten, auch 
bildlich. Seit dem 18. -Jh. übliches Wort 
(bei Goekingk 2, 227) mit ndd. Lauten für 
hd. aufraffeln (bei Luther), abgeleitet von 
aufraffen (wofüi- Stieler 1691 aufrappen hat, 
das auf mnd. uprappen beruht). 

aufrecht, adj. und adv. : in die Höhe 
gerichtet, in die Höhe gerade, mhd, ahd. üf- 
reht (s. recht) : geradsinnig, offenherzig (auch 
schon mhd.). In dieser 2. Bed. aber schon 
im 18. Jh. völlig verdrängt durch aufrich- 
tig, mhd. üfrihtic, das auch zuerst jene 



107 



aufreiben 



Aufsehen 



108 



1. Bed. von aufrecht hatte (mhd, und bei 
Luther Pred. 1, 30. Apostelg. 14, 10). 

aufreiben, v. : durch Reiben öffnen ; durch 
Eeiben verbrauchen; (dann, wie zermalmen) 
zugrunde richten, vertilgen (friihnhd., z. B. 
bei Murner Karr. 10, 31 und bei Luther). 

aufrichten, v.: zur Höhe, emporrichten, 
mhd. vfnhfen, ahd. üfrihtan; ins Werk setzen, 
zu Dasein und Bestehen bringen; aus ge- 
drückter Stimmung in eine das Gemüt er- 
hebende versetzen. Refi. sich a. : sich empor- 
richten; sich aus gedrückter in gehobene 
Stimmung versetzen (J. Faul Hesp. 2, 168). 

aufrichtig, s. aufrecht. 

aufrücken, v. : in die Höhe rücken, höher 
rücken, mhd. üfrücken, -rucken, ahd. (Notker) 
üfrucchen: (mit Dat. der Person) beschwerend 
und empfindlich bemerkbar machen (in md. 
Quellen des 15. Jh. und bei Luther). 

Aufruf, m. {-es, PI. -e): Ruf zur Erhe- 
bung, Meldung usw., sowie ein diesen Ruf 
enthaltendes Schriftstück. Erst bei Adelung 
1774 als Handlung des Aufruf ens, doch schon 
mnd. uprop m. «Berufung». 

Aufruhr, m. {-s, PI. -e): heftige Bewe- 
gung, besonders eine feindsehge Unterge- 
ordneter gegen Übergeordnete. Im 15. Jh. 
üfruor f., zusammengesetzt mit mhd. ruore, 
ahd. hruora f. «Bewegung», s. Ruhr und 
rühren. Älternhd. überwiegt noch das F. 
(das M. zuweilen bei Luther und bei Alberus 
Dict. dd 2^* voll vffrhurs), auch im 17. Jh. 
voi'kommend (Gryphius Trauersp. 360) und 
noch 1755 von Dornblüth S. 828 verlangt. 
Bei Herder 24, 462 der seltene Plm\ Auf- 
rühre. ABL. Aufrührer, m. (um 1480 
im Yoc. ine. teut. b 2^ auffrurer). aufrüh- 
risch, adj. (bei Luther auffrurisch), wofür 
später aufrührerisch (Heynatz 1775). 

aufs, zusammengezogen aus auf das. Schon 
mhd. üfe^, ä/j, zusammengez. aus üf da^. 

aufsagen, v.: der Reihe nach hersagen 
(frähnhd.); als aufhörend ansagen, aufkün- 
digen, mhd. üfsagen. 

aufsässig, adj. und adv.: feindselig ge- 
sinnt gegen jemand und nach seinem Schaden 
trachtend. Mit Kürzung des Vokals von 
einem nicht zu belegenden mhd. üfsäge f. 
«Hinterhalt, Lauern auf jemand» (vgl. das 
einfache säge f. in gleicher Bed. und mnd. 
upsäte f. «Anschlag, hinterlistiger tlberfall»). 
Frühnhd. (H. Sachs 13, 150, 27), aber spä- 
ter durch aufsätzig (s. d.) zurückgedrängt; 



Adelung 1793, Heynatz 1796 und noch Campe 
1807 erklären a. für unrichtig. 

Aufsatz, m. (-es, PI. Aufsätze) : (veraltet) 
Nachstellung, lauernde Feindschaft, mhd. fif- 
saz m.; auferlegtes Gebot (Luther Matth. 15, 
2 usw., mhd. üfsaz ist «Gesetz, Festsetzung, 
Bestimmung, namentlich schriftliche»); (dar- 
aus abgeschwächt) in zusammenhängenden 
Sätzen schriftlich Verfaßtes (bei Ludwig 1716); 
zur Erhöhmig und Verzierung aufgesetztes Ge- 
bilde (Kant 7, 187 H.). ^Biv-^aufsätzig, 
adj.: feindselig gesinnt (nach der 1. Bed. von 
A.). Spätmhd. üfsetzic «hinterhstig, ver- 
schlagen», so auch 1482 im Voc. theut. c 1* 
aufsetzig, im 16. Jh. dann «Nachstellung be- 
reitend, feindselig», vgl. aufsässig. 

aufschieben, v.: durch Bewegung zur 
Seite oder aufwärts öffnen; zeitlich hinaus- 
rücken, mhd. üfschiehen. — Aufschub, m. 
{-es, PI. Aufschübe) : zeitliche Hinausrückung. 
Mhd. üfscMqj m. 

Aufschlag, m. [-es, PI. Aufschläge): auf- 
treffender Schlag; klappenartig umgeschla- 
gener Teil eines Kleidungsstückes (Krämer 
1678); rasch öffnendes Voneinandei'legen ; 
schnelle mit Schlagen verbundene Errich- 
tung; rasche Bewegung in die Höhe; Stei- 
gerung des Preises; Auflage durch Besteue- 
rung, namentlich ei'höhte (mhd. üfslac m. 
«Erhöhung einer Abgabe, des Preises»). 

Aufschluß, m. {-sses, PI. Aufschlüsse): 
Offnen mittelst eines Schlüssels; Aufkläning 
über etwas (mhd. üfslug m. «Auflösung 
eines Rätsels»). 

aufschneiden, v.: zum Offensein schnei- 
den; woi'auf einschneiden; (eig. mit dem großen 
Messer a. d. i. wohl «mit dem Weidmesser», 
übertreibende Jagdgeschichten erzählen, oder 
S.V.W, große Stücke auftischen, vgl. Borchardt- 
Wustmann 32 mit Beleg von 1621, auch Mo- 
scherosch Phil. 1, 149) in Reden lügenhaft 
großtun. Davon Aufschueider, m. : lügen- 
hafter Großtuer (1646 bei Moscherosch 2, 107). 
Aufschneiderei, f.(Opitz 1, 251). aufschnei- 
derisch, adj. (Grimmeishausen Simpl. 114). 

aufschnoppern (bei Goethe 33, 168 auf- 
schnohern), s. schnoppern. 

aufschrecken, v. : furchtsam auffahren. 
Mhd. üfschrecken «aufhüpfen». Dagegen 
trans. aufschrecken, v. : furchtsam auffahren 
machen, mhd. üfschrecken, s. schrecken. 

Aufschub, s. aufschieben. 

Aufsehen, n. {-s), substantivierter Inf. 
des V. aufsehen: Schauen auf etwas, Auf- 



109 



aufsetzen 



aufwerfen 



110 



merksatnkeit, Acht (Luther Weish. Sal. 3, 
9, schon spätmhd. tifsehen n.j: die dm-ch 
einen auffallenden Vorgang hei'vorgerufene 
Aufmerksamkeit, staunende Verwundening 
(namentlich in Ä. machen, bei Ludv?ig 1716). 
In der 1. Bed. ist Aufsehen jetzt dm-ch Auf- 
sicht f. verdrängt, das erst im 16. Jh. vor- 
kommt (ßingwaldt laut. "Wahrh. 311). 

aufsetzen, v. : in die Höhe setzen oder | 
richten; worauf setzen, mhd. üf setzen, ahd, | 
üfsezzan; aufs Haupt setzen; aufs Spiel i 
setzen (spätmhd., noch bei Schiller Picc. 4, 
1): (nach der 1. Bed. von Aufsatz) verleiten, 
täuschen, eig. Nachstellung bereiten (Luther 
2. Kön. 18, 29. 19, 10); "(nach der 2. Bed. 
von Aufsatz) festsetzen, bestimmen, anordnen 
(Luther Mark. 7, 13 und schon mhd.); schrift- ; 
lieh entwerfen (bei Ludwig 1716). 

Aufsicht, s. Aufsehen. 

aufspielen, v.: ein musikalisches Spiel 
beginnen (bei Stieler 1691). Refl. sich a.: 
sich in einer angenommenen Eigenschaft zei- 
gen (in der neuern Sprache, vom Schau- 
spiel ausgehend). 

Aufstand, m. {-es, PI. Aufstände): Er- 
hebung vom Platz oder Lager, namentlich 
mehrerer, spätmhd. üfstant m.: Erhebung 
gegen die Obrigkeit (bei Duez 1664). 

aufstecken, V.: in die Höhe stecken, mhd. 
üf stecken-, worauf stecken; ein Ende machen 
womit, aiifgeben (in der neuem üingangs- 
sprache, wohl eig. Handwerkswort, eine Ar- 
beit, die man nicht fortsetzt, in der Höhe 
befestigen, vgL an den Nagel hängen, viel- 
leicht auch vom Aufheben der Eßgeräte, 
vgl. 1767 im Bremisch-ndsächs. Wörterb. den 
lepel upstecken «sterben», Löffel am Hut bei 
H. Sachs Fab. 855, 25). 

aufstöbern (bei Luther aufsteuhern), s, 
stöbern. 

Aufstreich, m. (-es, PI. -e)-. öffentlicher 
Zuschlag auf Meistgebot (Schiller Räuber 1, 2. 
2, 1). Gegensatz Abstreich (s. d.). Von attf- 
str eichen, v. : zu Mehrgebot ausrufen, ein 
Mehrgebot schlagen. 

aufstutzen, v. : äußerlich vor anderm zier- 
lich machen (bei Adelung 1774). S. ^stutzen. 
Bei Lessing 5, 324 usw. unrichtig aufstützen. 

Auftrag, m. (-es, PI. Aufträge): was 
aufgetragen wird: Befehl. Dies im 17. Jh. 
(Zesen Jbr. 207) von auftragen in der Bed, j 
«anempfehlen» (mhd. üftragen, bei den My- 
stikern, ist « darbringen », dann in der frühnhd. 



Rechtssprache «übertragen, verleihen», vgl. 
aufgehen , auflassen). 

auftreiben, v.: in die Höhe treiben, mhd. 
üftrthen: aus der Ruhe, von der Stelle trei- 
ben, z. B. Wild (mhd. uftriben ist auch «auf- 
scheuchen, beunruhigen»); (darnach) durch an- 
gestrengtes Suchen sich verschaffen (frühnhd., 
1618 bei Schönsleder;. 

auftreten, v. : l) intrans. auf den Boden 
treten, mhd. üftreten: sich öffentlich zeigen 
(auch schon mhd.): sich in einer Ai*t und 
Weise öffentlich benehmen (im 18. Jh.) 2) trans. 
durch Treten öffnen. 

Auftritt, m. (-es, PI. -e): Tritt in die 
Höhe (mhd. üftrit «die Höhe selbst»); Tritt 
auf den Boden: öffentliches Ei'scheinen; der 
Unterabschnitt eines Bühnenstückes, die Szene 
(seit Christian Weise j 1708, vgl. Aufzug) und 
davon dann, wie franz. scene, «auffallender 
Vorgang» (Ew. v. Kleist). 

auftrumpfen, v.: (mit Dat.) durch ge- 
wichtige Reden einem zusetzen (Schiller Kab. 1, 
l), eig. einen Trumpf auf eine niedere Karte 
werfen. Bei Rädlein 1711 (schon im 16. Jh. 
aufdrumpfen Crecehus 64). 

aufwägen, v.: in der Wage zur Höhe 
biingen; gegen andi-es schwerer ins Gewicht 
fallen. Dafür seit dem 18. Jh. auch aufwiegen 
(s. u'iegen). Mhd. üfwegen ist intrans. «sich 
in die Höhe bewegen», trans. «in die Höhe 
heben, mittelst der Wage piüfend messen». 

Aufwand, m. (-es): was aufgewandt wird, 
besonders insofern es viel ist. Bei Steinbach 
1784. Jange Bildung von dem V. aufwenden: 
zu einem Zwecke verwenden, vgl. Versand 
zu versenden. 

aufwarten, v.: urspr. in die Höhe oder 
auf etwas schauen, vgl. warten; (mit Dat.) 
des Befehls gewärtig bedienen (so schon 
spätmhd. üfwarten): zu Dienste sein, na- 
mentlich bei Hofe (Opitz Poet. 8, Chr. Weise 
Erzn. 113): besuchen, um seine Ehrerbietung 
zu bezeigen ('Weise Erzn. 28). ABL. Auf- 
wärter, m. : Diener, namentlich bei Tisch 
(bei Fischart Garg. 201 auffwarter «höfischer 
Diener, Hofmann»). 

aufwärts, adv.: zur Höhe, in die Höhe. 
Mhd. f(fwert, im 15. Jh. auch mit der ge- 
nitivischen adv. Endung -es üfwerts vfwarts. 

aufwerfen, v.: in die Höhe werfen, 
heben oder ziehen, mhd. üf werfen; durch 
Werfen öffnen (auch schon mhd.); aufstel- 
len, zur Erledigung vorlegen (häufig bei 



111 



aufwichsen 



Auge 



112 



Luther); zu hervorragender Stellung erhe- 
ben (spätmhd.) Refl. sich a.: sich zu hervor- 
ragender Stellung erheben, namentlich in 
unberechtigter Weise (spätmhd.) 

aufwichseil, v.: mit Wachs glänzend 
machen, aufputzen; (in der Studentensprache, 
übertragen vom A. der Kanonenstiefel, vgl. 
Wichs) in die Augen fallend herausputzen 
(bei Augustin 1795); (ebenfalls studentisch) 
zu einem Zechgelage oder glänzender Be- 
wirtung vorsetzen, auftragen lassen (bei J. M. ' 
Miller Walther 148 ein Hospiz aiifwixen, 
bei Tieck in Musäus' Straußenfedern 4, 5 
man h'auche das Geld um aufzuwichsen und 
er wichste auf, bis das Geld alle war; schon 
bei Kindleben 1781). 

aufwiegeln, v.: zur Erhebung gegen 
jemand vermögen; nach und nach heftig 
aufregen, -wiegeln ist eine Ableitung von 
icegen (s. wägen) und bedeutet eig. «in Be- 
wegung bringen»; mhd. kommt einmal ein 
intr. wiegelon «wanken» vor, vgl. auch ahd. 
kewigilit «instruit». Das Wort erscheint am 
Anfang des 16. Jh. und zwar zuerst in der 
Kanzleisprache {aufwigler Reichsordnungen 
148 V. J. 1529, aufwigeln bei Lilienci'on 4, 
579, Mathesius Luther 49^, verzeichnet bei 
Maaler 1561), vgl. auch die Adj. aufwegig 
(Franck Chr. 26 ^'j Aventin), aufwegisch «auf- 
rührerisch». Gleichbedeutend mit aufwiegeln 
erscheint im 16. u. 17. Jh. auch aufwickeln. 
aufwiegen, s. aufwägen. 
aufziehen, v.: l) trans. in die Höhe 
ziehen, mhd. ufziehen, ahd. üfziohan; her- 
anziehen, bei der Entwicklung leiten, z. B. 
Kinder (auch mhd.); zum Tanz auffordern 
(16. Jh.); auf etwas ziehen; durch Ziehen 
öifnen; hinziehen, aufhalten (schon mhd. und 
bei Luther); (wohl nach der veralteten Bed. 
foltern, eig. durch In die Höhe ziehen, vgl. 
triezen) necken, verspotten (Ayrer 423*', 
Opitz 1, 186). 2) intrans. sich erheben, in 
der Höhe bewegen, z. B. der Mond zieht auf; 
einhergezogen kommen (Opitz Ps. 75). 

Aufzug, m. (-es, PI. Aufzüge) : das In die 
Höhe ziehen und was dazu dient (mhd. üf- 
zuc «Vorrichtung zum Aufziehen»); als Grund 
eines Gewebes beim Weben aufgespanntes 
Garn; (vom Aufziehen des Vorhanges der 
Schaubühne) Hauptabschnitt eines Bühnen- 
stückes, Akt (im 17. Jh. oft im Sinne unseres 
Auftritt, z. B. bei Harsdörfer Gesprächsp. 2, 
332. 3, 369, Andr. Gryphius) ; feierliches Auf- 
treten von Personen in einer Schauhandlunar 



(Zincgref Ap. 2, 96); äußere Erscheinung, 
Bekleidung (Krämer 1678). 

Augapfel, -braue, s. Auge. 

Auge, n. (-S, PI. -n): Sehwerkzeug des 
menschlichen und tierischen Körpers; Knospe 
einer Holzpflanze (Hohelied 2, 18. 7, 12); 
schwimmender Fettropfen; Zahlpunkt auf 
dem Würfel (daher die Redensart: auf 
seinen 5, 9, 11 usw. Augen stehen bleiben, 
gleichsam «bei der geworfenen Zahl recht- 
haberisch, eigensinnig beharren»). Mhd. ouge, 
ahd. ouga n. ; dazu asächs. öga, ndl. oog, 
afries. äge, ags. eage, engl, eye, anord. auga, 
schwed. öga, dän. öie, got. augö n. Füi- ur- 
verwandt hält man gewöhnlich abulg. oko n, 
lit. akis f., arm. akn m., lat. oculus m., gr. 
öcce (aus ÖK^e) Dual (auch öq)9a\|Liöc), aind. 
aksi n. «Auge»; den für zu erwartendes a in 
got. augö eingetretenen Diphthong au pflegt 
man durch Anlehnung an ausö n. «Ohr» zu 
erklären. Doch befriedigt dies nicht, und 
die Gleichung ist daher besser aufzugeben. 
Erklärungsversuche bei Osthoff' Btr. 8, 362; 
Stokes KZ. 45, 151 f., Zupitza Germ. Gutt. 79 
(stellen es tadellos zuir. uag f. «Höhle, Grab» 
aus augä), Uhlenbeck Got. WB. s. v. (zu 
aind. öhate «wahrnehmen, beachten», ebenfalls 
möglich), Hirt Btr. 22, 231 (zu gr. ÖTTiUTrri) 
u, a. Eine Entscheidung ist nicht zu treffen, 
doch sollte man sich von dem Wahn los- 
machen, daß äuge zu lat. oculus gehören 
muß. Das Wort flektiert im Mhd. schwach, 
■ doch im Sg. mit den Nebenformen Gen. ouges, 
\ Dat. ouge, danach schon älternhd. fast aus- 
j schließlich Auges, Auge. Der PI. bewahrt 
I die schwache Flexion. ABL. äugeln, v. : 
I freundlich, zärtlich zublicken, mhd. äugeln 
j (als subst, Inf.) «Liebäugeln»; trans. «das 
i Auge eines Baumes in die aufgeschnittene 
Rinde eines andern setzen, okulieren» (bei 
Stieler 1691 eiigelen). Nach der 1. Bed. 
Augeier, m. : Augendiener (Goethe Reineke 
9, 76 nach mnd. ögeler). äugeu, v. : blicken, 
\ schauen (vom Wilde). Mhd. öugen ist trans. 
! «sehen lassen», während vanä.ögen auch «sehen, 
i schauen» ist (bei Stieler 1691 auseugen). Vgl. 
aucheigen. -äugig,adj.: Augenhabend inein-, 
j schwarz-, blau-, triefäugig usw. ZUS. 1) mit 
I Aug- : Augapfel, m. : die häutige, das Licht 
empfangende Kugel im Auge ; Liebstes, was 
man sorgfältig schützt wie das Auge. Mhd. 
ougapfel, ahd. ougaphul, auch bloß aphul m.; 
' dazu ndl. oogappel, ags. eagappel m., engl. 
eyeapple. Augbraue, -punkt, s. Augen- 



113 



Auge 



Auktion 



114 



braue, Augenpunkt. 2) mit Augen- : Augen- 1 

arzt, m.: in Vokabularen des 15. Jh. oug- \ 

arzet, augenarczt Diefenbach nov. gl. 270*. ! 

AugeuMick, m.-. Blick der Augen; kleinste, ' 

einem Blick der Augen gleiche Zeitdauer, j 

Mhd. ougenUic m., im 12. Jh. noch ougon j 

hlich, also Zusammensetzung mit dem Gen. ! 

>> • • I 

PI. ahd. ougono. Davon das genetivische Adv. ; 

augeu])licks, frühnhd., und das Adj.augen- 

l)licklicll, mhd. ougenblicklich neben ougen- 
hlickic. Augenbraue, Augeubraune, f. 

(beide Formen bei Goethe), selten Augen- 
braue f. (Herder krit. Wälder 1, 176), Augen- 
braun n. (Schiller Räuber 4, 3) und Augen- 
bran n. (Herder Humanität 6, 54), auch in 
älterer Zusammensetzung Augbraue, Aug- 
hraune f. und Aughraun n. (alle drei Formen 
bei Goethe, die letzte Naturw. Sehr. 1, XTVT!): 
Haarstreifen quer über den Augen. Älhd. 
ongebrä, mich'ä, ahd. ouchrä f.; dagegen 
anord. augabrün f. (s. Braue). Spätmhd. er- 
scheint auch ougenhrä und in frühnhd. Glos- 
saren neben aug-, augenbraw (mit Antreten 
des n der obliquen Kasus) oug-, ougenbrähen, 
-hrän, -brawen, worauf die spätem Formen 
Äug-, Augenhraune, -hrane f., Aug-, Augen- 
braun, -bran n. beruhen. Stieler 1691 führt 
auch Augenhrame f. an, was später z. B. 
Gesner gebraucht, aber schon 1615 bei Al- 
bertinus Landstörzer 379 Augenbräm (Ver- 
mischung mit Brame «Rand», s. d-)- Bei 
Luther erscheint im PI. die augbrün (Hiob 
3, 9), an den Augh-unen (3. Mos. 14, 9). 
Augendiener, m.: Schmeichler. Fiühnhd. 

(um U80 Voc. ine. teut. b 2*^). Augen- 
glas, n.: verschärfendes Glas für die Augen, 
BriUe, im 15. Jh. aug-, augenglas n. Augen- 
licht, n.: Sehkraft; (dichterisch) Auge, im 
17. Jh. Augenlid, n. : Augendeckel. Zu- 
sammenges. mit mhd. lit (Gen. lides), ahd. 
Mit n. «Deckel», mhd. ougelit n., engl, eyelid. 
Augenmerk, n., auch m. (bei Goethe): 
Ziel der Augen (Drollinger 66). Augen- 
punkt, auch Augpunkt (Goethe 49, 1, 80, 
schon bei Frisch 1712 verzeichnet), m. : Ziel- 
punkt des Sehens, Gesichtspunkt. Augen- 
schein, m. : das Voraugensein, Beschauen 
(im 15. Jh.). Davon augenscheinlich, adj. 
und adv.: vor Augen klar (1514 bei Keisers- 
berg Trostspiegel 87*' ougen scheinlich). Au- 
genstern, m.: der Sehfleck im Auge. Mhd. 
ougesterne m. Augentrost, m.: die Pflanze 
euphrasia, weü die Augen erfreuendes Wie- 
senblümchen und von heilkräftigem Saft für 
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



dieselben. In der 2. Hälfte des 15. Jh. (1471 
bei der Hätzlerin und in Vokabularen, z. B. 
Brack Voc. rer. 48^). Augenweide, f : 
was die Augen dauernd anzieht und erfreut. 
Mhd. ougenweide, selten ougeiveide f., eig. 
«Umherschweifenlassen der Augen», dann 
«Erquickung der Augen». AugeUTVlnk, m.: 
(zunächst s. v. a. Bewegung der Augenwim- 
pern und danach dann) wie Augenblick als 
Zeitteil. Im 17. Jh. Dafür mhd. ougenicanc 
m. Augenwinkel, m.: Eckpunkt, an dem 
das obere und untere Augenlid verbunden 
sind. In Vokabularen des 15. Jh., z. B. 1482 
im Voc. theut. c 1^. Augenzahu, m., Be- 
zeichnung der beiden Hundszähne im obern 
Kinnbacken, deren Wurzeln nach dem Auge 
zu gehen. Bei Maaler 1561 Augzan. Augen- 
zeuge, m. : wer das zu Bezeugende mit eigenen 
Augen wahrgenommen hat. Bei Stieler 1691. 

Augit, m. {-es, PI. -e): schönglänzender, 
meist dunkel-lauchgrüner Stein aus dem 
Kieselgeschlechte. Aus gr. lat. augites m. f., 
von gr. aufii f. «Licht, Glanz». 

^August, Mannesname. Aus \?ii. Au gustus, 
dem Beinamen des ersten römischen Kaisers 
Octavianus seit seiner Alleinherrschaft und 
nach ihm aller römischen Kaiser. Das Wort 
ist das als Subst. gesetzte Mask. des lat. Adj. 
augustus «erhaben, geheiligt» von lat. auger e 
«vermehren, erheben, verherrlichen». 

"August, m. {-es): der achte Monat im 
Jahr. Aus lat. augustus, d. i. mensis Augustus, 
wie der Monat sextilis nach dem Kaiser 
Augustus genannt wurde (Suetonius Octav. 
31). Der ahd. von Karl d. Gr. eingeführte 
Xame ist aranmanoth m., nhd. Erntemonat. 
An SteUe der dem Lat. angenäherten Form 
August findet sich älternhd. Äugst, mhd. 
ougest (und ouivest) m. «Erntemonat, Ernt?»; 
ahd. kommt augusto m. vor. 

Auguste, Frauenname, abgeleitet von 
dem Mannesnamen August (s. d.), eig. aus 
lat. augusta, dem Fem. des Adj. augustus 
« erhaben, geheiligt ». Davon das Dem. August- 
chen, gekürzt Chistchen (oberd. Chistel, Schil- 
ler Wall. Lager 124). 

Auktion, f. (PI. -en) : Versteigerung. Aus 
lat. auctio (Gen. auctionis) f. «Vermehrung, 
Versteigerung» von augere «vermehren». 
Schon bei Rot 1571. ABL. auktionieren, 
V.: versteigern. Im 17. Jh. Aus lat. auctio- 
näri «auf Mehrgebot ausbieten, versteigern». 
Davon Auktionator, m. (-s): Versteigerer 
aus nlat. auctionätor m. 



115 



Aiirikel 



Ausdruck 



116 



Aurikel, f. (PI. -n)- Bergschlüsselblume. 
Aus lat. aiiricula f. «Öhrchen» (Dem. von 
lat. auris f. «Ohr»), wie man denn die von 
den Gebirgen der Schweiz und Steiermark 
stammende Pflanze, nach der Form ihrer 
Blätter, im Deutschen auch genauer Bären- 
öhrlein nannte. Im 18. .Jh. aufgenommen 
(1736 bei Brockes 5, 32). 

aus, 1) adv. und damit auch interj.: von 
innen her, hervor, her (z. B. von Haus a., 
von Grund a.); hervor und fort (z. B. ein 
und a., Trumpf a.!); fort, weg (z. B. a. mit 
dir!); bis zu Ende, zu Ende (das Theater, 
das Stück ist a.). Dies Adv. steht in Ver- 
bindung mit andern Adv. wie hinaus, durch- 
aus, garaus und mit Subst. und Verben, wo 
es als erstes Wort den Ton hat. In der ver- 
balen Zusammensetzung bezeichnet a. auch 
die Beendigung einer Tätigkeit, z. B. aus- 
hlühen, austoben, ausarbeiten, eine anhaltende, 
zum Ziel kommende Tätigkeit, z. B. aus- 
dauern, ausreichen, auslachen, ausbilden, aus- 
prägen, sowie die Beseitigung des Objekts 
durch die Tätigkeit, z. B. ausblasen, aus- 
füllen, auslöschen, auswischen. 2) Präp. mit 
Dat.: von innen hervor, von — her (im Ge- 
danken an das Innere); entnommen (z. B. 
einer a. dem Volke): hervorgegangen oder 
veranlaßt durch — (a. Gottes Befehl, bei 
Luther; a. Kummer, a. Not). Mit Übergang 
von 5 in s (ältemhd. auch auß) aus mhd. 
ahd. ü^ adv. und (ahd. noch selten) präp.; 
dazu asächs. üt adv., mnd. üt auch präp., 
ndl. uit präp., ags. anord. üt adv. «her-, hin- 
aus, außen, außerhalb», engl, out adv. ^ schwed. 
ut adv. u. präp., dän. ud adv. u. präp., got. 
üt adv. Im präp. Gebrauch hat mhd. ü^ 
das ahd. ar, ir, got. us verdrängt (s. er-); 
fniher erscheint es zur Verstärkung vor an- 
dern Präp., z. B. got. üt US, ags. üt of, ahd. 
«5 fon. Verwandt ist vielleicht aind. ud als 
Verbalpartikel «in die Höhe, heraus», air. 
ud-, od- Verbalpräfix. 

ausbaden, v.: fertig baden. Redensart 
etwas a.: unfreiwillig abbüßen, eig. wohl s. 
V. a. «das Bad austragen», was dem letzten, 
der im Bad betroffen wurde, zufiel. Das 
Gleichnis ist schon im 15. .Jh. geläufig, vgl. 
Hermann v. Sachsenheim Mörin 660 ich hoff 
es sol im werden laid e man das bad werd 
giessen uß, 4170 ich vorcht zuo jungst es 
bring in pin, so man das bad nsgiessen iverd. 

ausbeißen, v. : durch Beißen wegschaffen, 
mhd. ü^bigen; durch Beißen vertreiben, z. B. 



ein Huhn aus dem Korbe; (bildlich) durch 
Gehässigkeit verdrängen (schon bei Luther). 

Ausbeute, f.: (ehedem z. B. Rieht. 5, 29) 
dem Feind im Krieg Abgenommenes; (im 
Gegensatz zu Einbuße) Gewinst als Ertrag 
wovon, namentlich bergmännischer {Auspeute 
1556 bei Agricola de re metallica, Äußbeute 
1562 bei Mathesius Sar. 2*'). 

Ausbruch, m. {-es, PI. Ausbrüche): ge- 
waltsames Herv'or- und Durchdringen, mhd. 
Umbruch m. ; vorzüglichster "Wein, nämlich aus 
Beeren, die als die reifsten und besten vor 
den übrigen an den Stöcken ausgebrochen 
wurden (urspr. vom Ungarwein zu Anfang 
des 18. Jh., Brockes 5, 117). 

Ausbund, m. (-es, PI. -e): das Muster, 
Höchste, Ausgesuchteste seiner Art, eig. das 
zur Probe, zum Muster für den Käufer her- 
ausgebundene Schaustück an einer Ware als 
das vorzüglichste Stück derselben. Frühnhd. 
(bei Keisersberg und Luther). Mhd. kommt 
dafür überbunt m. vor. ABL. ausbüudig, 
adj. und adv.: musterhaft, höchst (außhündig 
Städtechron. 3, 171 vom J. 1488). 

Ausbürger, m. (-s, PI. wie Sg.) : wer an 
anderm Orte wohnt, als wo er erworbenes 
Bürgerrecht hat. Spätmhd. ußburger m. 

Ausdauer, f.: die Fähigkeit, eine An- 
strengung usw. auszuhalten. Junge Bildung, 
noch nicht bei Campe 1807, deren sich Goethe 
1809* bedient. Von ausdauern. 

Ausdruck, m. (-es, PI. Ausdrücke): dem 
Innern entsprechende bestimmte äußere Ge- 
staltung; bestimmte wörtliche Bezeichnung. 
Mhd. (bei Mystikern) u^fruc m., das aber 
später unüblich wird; erst Ludwig 1716 ver- 
zeichnet wieder A. neben Ausdruckung (letz- 
teres schon bei Luther, aber spätmhd. ü^- 
drückunge «Ausdünstung»). — ausdrücken, 
V.: herausdrücken, mhd. Umdrucken; drücken 
bis das Innere völlig heraus ist, z. B. eine 
Zitrone; aufdrückend, äußerlich gestalten 
(mhd. vereinzelt); dem Innern entsprechend 
bestimmt oder doch erkennbar äußern, be- 
sonders s. V. a. bestimmt erkennbar, wört- 
lich bezeichnen (fnihnhd. z. B. 1501 im Voc. 
opt. k 5*^ außdrucken «exprimere, manifes- 
tare» imd bei Luther). Ältemhd. erscheint 
dafür auch ausdrucken (noch bei Goethe 2, 
160 usw. und bei Campe 1807), jetzt nur 
noch in der Bed. «fertig drucken» oder «im 
Druck abnutzen». S. drucken. ABL. aus- 
drücklich, adj. und adv.: bestimmt und 
entschieden. Frühnhd. (1514 bei Keisersberg 



117 



aiisecken 



ansgeben 



118 



außirücklich, ußtrucklich, 1482 im Yoc. theut. : 
c 2^ ausgefrucklich). ansdrnckSTOll, adj. ' 
und adv., Verdeutschung von franz. expressif 
aus dem Ende des 18. Jh. (vgl. Gombert 7, 9). | 

auseckeil, v. : alle Ecken wovon ermessen | 
d. i. vmtersuchen oder ausarbeiten; sorgsam i 
(bis ins einzelnste) untersuchen oder über- 
denken. Im 15. Jh. (Erb 1, 82). 

auseinander, ein die Trennung des einen 
vom andern bezeichnendes, aus aus ein ander 
statt ein aus dem andern, also mit vorge- 
lückter Präp. zusammengeschobenes Adv., das 
häufig in der Zusammensetzung mit Subst. 
oder Verben erscheint. 

auserlesen, v. : mit genauer Priifung aus- 
wählen, mhd. überlesen. Davon das Part. 
Prät. auserlesen und auserlesen, auch s. v. a. 
«ganz vorzüglich», mhd. überlesen. Die Vor- 
silbe aus- ist hier untrennbar, z. B. ich aus- 
erlese. Ebenso auserkiesen (im Präs. ver- 
altet), mhd. ü^erkiesen nur im Part. Prät. 
ü^erkoren, «auserkoren, auserwählt, vorzüg- 
lich»: ausersehen . (bei Duez 1642); aus- 
erwählen, mhd. üßerweln usw. Dagegen 
in auserzählen «bis zu Ende erzählen» ist 
aus- trennbar, z. B. ich erzähle aus. 

ausfallen, v.: l) intrans. aus einem Innern 
herausfallen, mh(\.n^vallen: wegfallen, unter- 
bleiben; einen Angriff nach außen machen; 
mit Worten empfindlich angi'eifen (bei Campe 
1807); geraten, ausschlagen (beiLudwig 1716), 
eig. von dem Herausg-ehen des Züngleins der 
Wage nach der einen oder andern Seite (s. 
Ausschlag). 2) trans. durch Fallen beschä- 
digen oder entfernen (auch schon mhd). ABL. 
ausfällig, adj. (nach der 4. Bed. von aus- 
fallen). Neue Bildung (Freytag Joum. 3). 

ausfenstern, v.: tüchtig ausschelten. Eig. 
mit Scheltworten abfertigen vmd zwar urspr. 
den nachts unter dem Kammerfenster eines 
Mädchens um Erhörung flehenden Liebhaber. 
S. fenstern. Erst bei Adelung 1793 verzeichnet, 
aber schon vorher in der Umgangssprache 
(Schelmufsky 90, Gottsched, Lessing 7, 289). 

ausfertigen, v. : zur Ausgabe, öffentlichen 
Verbreitung fertig machen, z. B. eine Schrift, 
eine Urkunde. Spätmhd. ti^vertigen «ent- 
senden», vgl. abfertigen. 

ausfilzen, v.: mit Filz besetzen oder aus- 
stopfen; (dann da bei den Hutmachem ßXzen 
«Filz walken», auch bildlich) derb ausschelten, 
gleichsam mit Scheltworten vöUig bearbeiten 
(schon bei Luther). 



ausfindig, adj. u. adv.: durch Nach- und 
Aufsuchen erkannt (besonders in der Redens- 
art etwas a. machen). Richtiger ausfündig 
geschrieben (so noch Adelung 1793), 1482 im 
Voc. theut. c 2^ ausfündig machen «diffinire», 
abgeleitet von ältei-nhd. Äusfund m. «durch 
Nachforschen gemachte Erfindung». 

Ausflucllt, f. (Tl. Ausflüchte): (veraltet) 
Flucht aus einem Orte (im 15. Jh. ußfluchi); 
heimlicher Ausgang zur Entfernung; (ehedem 
im Rechte) Wenden an ein höheres Gericht 
um Recht zu suchen: Vorwand zur Verteidi- 
gung (schon um 1500 in der Kanzleisprache, 
z. B. Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 625). 

Ausflug, m. [-es, PI. Ausflüge): das erste 
Fliegen aus dem Neste, dann überhaupt aus 
einem Orte, mhd. ü^vluc m. ; kleine Reise von 
einem Ort aus. In letzter Bed. hat Adelung, 
auch Goethe 34,1,413 und schon 1731 Schnabel 
Insel Felsenburg 1, 7. 46 Ausflucht f. 

ausfolgen, s. verausfolgen. 

Ausfuhr, f.: das Verfahren aus einem 
Ort anderswohin, der Export. Bei Rädlein 
1711: daneben (noch bei Adelung 1793) auch 
Ausführe. Von ausführen in der Bed. aus 
einem Orte führen», mhd. ü^vüe7-en, ahd, 
(i^fuoran. Ndl. uifvoer m. 

ausführlich, adj. und adv.: über alle 
Teile des Ganzen sich verbreitend. Fiühnhd. 
(um 1480 im Voc. ine. teut. b 3^ ausfurlich 
«divertilis»). Von ausführen in der Bed. «bis 
zu Ende führen». 

Ausgabe, f. (PI. -»): das Von sich weg- 
geben an jemand; (im Gegensatz zu Ein- 
nahme) Betrag des Geldes, das man, ohne 
, es "wäeder zu empfangen, von sich gibt, spät- 
mhd. ü^gabe f.; das Ausgegebene und %o Aus^ 
' gäbe eines Buches, insofern dieses als in be- 
stimmter Zahl von Abdrticken erschienen, 
' zum Verkaufe geboten ward , vgl. Außage. 

ausgattern, v. : heimlich ausspähen, urspr. 
durch ein Gatter. Ein sächs.-thüi-. Wort, bei Räd- 
lein 1711 verzeichnet, dann bei Weiße Jagd 1,2, 
Lessing Nathan 1, 5 u. a. Vgl. ergattern. 

ausgehen, v. : von sich weg, aus seiner 

Gewalt geben, fortgeben, mhd. umgeben, ahd. 

üggeban; eine Tochter verheiraten (l. Mos. 

' 29, 26) : (eine Schrift, ein Buch) durch den 

Druck zum Verkauf bringen; (im Gegensatz 

zu empfangen) selbsttätig von sich geben, 

produzieren (Goethe 28, 208): (jemand, etwas 

, ICO für a.) eine Bestimmung davon geben, 

j deren Zuverlässigkeit nicht gesichert erscheint 

(schon bei Luther). Refl. sich a.: durch 



119 



Ausgeburt 



Ausland 



120 



Geben des Geldes sich von diesem entblößen j 
(Lessing 1, 514, Goethe 36, 175). Intr. als in 
natürlicher Weise hervorgehenden Gewinst j 
von sich geben (1697 bei Ettner unwürd. ; 
Doctor 5), z. B. das Mehl gibt gut {viel Brot) \ 
aus. Oberd., von Dentzler 1709 verzeichneter ; 
Ausdruck, nach Adelung 1793 nur im ge- ' 
meinen Leben einiger Gegenden. Davon das 
Adj. ausgiebig (bei Adelung 1793). 

Ausgeburt, f. (PI. -en): Erzeugnis, Pro- 
dukt von etwas, namentlich im Übeln Sinn. 
Bei Adelung 1793. 

Ausgedinge, n. (-s, PI. wie Sg.) : das von 
einem abgehenden Wirt ausbedungene Alten- 
teil (s. d.). Erst bei Campe 1807. 

ausgelassen, Part. Prät. von auslassen 
als Adj.: lebhaften Empfindungen unein- 
geschränkt hingegeben, eig. jedem Zwang 
entrückt, freigelassen (ui'spr. vom Vieh, das 
aus dem Stall auf die Weide gelassen ist, 
1561 bei Maaler ausgelassen werden «laxari 
a vinculis»). Schon im 16. Jh. (Kirchhof 
Wend. 333^). 

ausgenommen, adj., dann präp. mit Akk. 
und adv.: nicht mitbegriifen. a. daß, wenn, 
wo erscheinen als Konjixnktionen. Mhd. wj- 
ge^iomen ist ziinächst Part, Prät. von ü^- 
nemen, dann nach dem Vorbilde von mlat. 
excepto, frz. excepte, im 15. Jh. Partikel und 
zwar Präp. mit Akk., welchen Kasus bereits 
ausnehmen ei-foi'dert, oder auch stan-e Par- 
tikel, auf die jeder andre Kasus folgen kann. 

ausgepicht, s. pichen. 

ausgiebig, s. ausgehen. 

Ausgleich, m. {-es, PI. -e) : Vergleichung, 
Vereinbarung. Ganz junge Bildung von aus- 
gleichen, «gleichmachen», eig. durch eine nach 
außen gehende Tätigkeit (bei Stieler 1691, 
der daneben auch eingleichen hat). 

ausgrätschen (Goethe [Egmont] 8, 246): 
auswärts spreizen. S. grätschen. 

aushalten, v. : bis zu Ende durchmachen 
(bei Luther); ausdauem; ausstehen, ertragen; 
Unterhalt gewähren, mhd. ü^halten «ver- 
pflegen». 

aushändigen, v.: aus der Hand geben, 
übergeben. Kanzleiwort, 1645 bei Zesen adr. 
Kos. 19. Vgl. einhändigen. 

ausheben, v. : durch Bewegung in die 
Höhe aus seiner Lage bringen (bei Luther): 
ausnehmen, z. B. ein Nest; (Soldaten) als 
geeignet zum Kriegsdienst auswählen (bei 
Adelung 1774): auswählen und vorbringen 
(J. Paul Flegelj. 1, 72). Intr. sich heben 



(vom Hammer der Schlaguhr). Mhd. nur 
refl. sich ü^hehen «sich aufmachen.» 

aushecken, v.: brütend aus den Eiern 
schlüpfen machen (so 1482 außhecken im Voc. 
theut. c 2^); dann überhaupt zahlreiche Junge 
zeugend sich fortpflanzen (Jes. 34, 15); (nach 
dem Sitzen des Vogels über den Eiern bild- 
lich) darüber heimlich sinnend hervorbiingen 
(Stieler 1691). 

ausholen, v. : durch weithin reichenden 
Schwung oder weites Ausstrecken führen, z. B. 
die Axt (5. Mos. 19, 5), einen Schlag usw.; 
(eine Person, Gedanken) dui'ch Herauslocken 
ausforschen (Sir. 13, 14). Mhd. ü^Jwln ist 
«auswählen». 

aushunzen, v.: jemand mit Worten be- 
handeln, daß nichts Gutes an ihm bleibt 
(Lessing 12, 47). S. hunzen. 

Auskehricht, n. (-s): das Hinausgekehrte. 
Frühnhd. (1482 im Voc. theut. c 2^ außkerecht 
«Feilspäne, Hammerschlag»). S. Kehricht. 

ausklauben, v. : mit den Fingern müh- 
sam auslesen (mhd. ü^klühen), auch bildlich 
(im 15. Jh., Fastnachtsp. 988, 17). S. klauben. 

auskneifen, v. : sich heimhch davon (hin- 
aus) machen (eig. indem man den Köi-per zu- 
sammenpreßt, um nicht gesehen zu werden, 
vgl. sich drücken), nd. Utkmpen. In der neuem 
Umgangssprache (urspr. wohl studentisch), 

auskommen, V.: aus einem Innern heraus- 
komrnen, mhd. u^komen, ahdi.ü^gueman; sich 
nach außen verbreiten, z. B. von Feuer, einem 
Gerücht (auch schon mhd.); bekanntwerden; 
bis zuEnde kommen, (mit Geldmitteln) reichen 
(schon frühnhd.) ; (mit einem a.) mit ihm fertig 
werden, sich vertragen (frühnhd.). Dazu der 
subst. Inf. Auskommen, n. (nach der 4. und 
5. Bed. von a.) und auskömmlich, adj.: 
ausreichend (von Adelung 1774 als obd. Wort 
angeführt, früher auskommenlich). 

auskratzen, v.: durch Kratzen austilgen, 
mhd. abkratzen: (in der neuern Umgangs- 
sprache) rasch weglaufen, eig. mit schan*enden 
Füßen (bei Campe 1807), vgl. abkratzen. 

Auskunft, f. : Weg und Kaum zum Heraus- 
kommen aus etwas, Ausweg (Goethe Götz 2); 
Bescheid, um sich in einer Sache zurechtzu- 
finden (bei Adekmg 1774). J.BL. Auskunftei, 
f.: Auskunftsamt. In neuerer Zeit gebildet 

Ausland, n. {-es): Land außerhalb der 
Heimat. Erst nach 1750 aufgekommen (z. B 
bei Klopstock ,Oden 272, Goekingk 1, 186) 
nach Adelung 1793 zwar im Ober- und Nieder 
deutschen üblich, aber dem Hochd. fremd, 



121 



Anslant 



anspntzen 



122 



dagegen von Heynatz 1796 empfohlen (mhd. 
üglant n. ist «außerhalb der Gemarkung ge- 
legenes Gut», mnd. rdland n. «Land außerhalb 
des Deichs»). — Ausländer, m.: Fremder, 
aus der Fremde stammender, spätmhd. u^- 
lender m. ausländisch, adj., spätmhd. u^- 
lendiscJi. 

Auslaut, m. i-es): der Schlußlaut eines 
Wortes. Wie Anlaut (s. d.) grammatischer 
Kunstausdruck Jacob Grimms. 

auslegen, v. : aus einem Orte nach vomen 
legen, mhd. umlegen; aus zum Verkaufe legen 
(auch schon mhd.); zum Verständnis bringen 
(mhd. nach lat. exponere): für einen andern 
bezahlen gegen Wiedererstattung (bei Ludwig 
1716, ältemhd. ist a. überhaupt s.v. a. «aus- 
geben, bezahlen», so schon 1501 im Voc. opt. 
E 4** außgelecht «expensus», auch mnd. üt- 
leggen, die jetzige Bed. hat sich aus für einen 
a. entwickelt; dazu das Subst. Auslage f.: 
ausgelegtes Geld (Gombert 7, 10 mit Beleg 
von 1600); bei Kunstarbeiten von festem Stoff 
eingegrabene Vertiefungen ausfüllen (im 1 5. Jh. 
«verbrämen, schmückend besetzen»). 

ausmachen, v. : zu Ende bringen, fertig, 
vollständig machen, mhd. üpnachen (daher 
das Part. Prät. ausgemacht «vollkommen»); 
zur Entscheidung biingen, namentlich durch 
Kampf; (es mit einem a., später auch einem, 
einen a.) zur Vernichtung bringen (bei Luther, 
vgl. Garaus); tüchtig ausschelten (frähnhd.^ 
noch Lessing 4, 411); durch Verabredung fest- 
stellen (bei Stieler 1691); ergänzend zustande 
bringen, entscheiden fSchupp 642); aus etwas 
herausbringen (Goethe an Knebel Bß9). 

ausmergeln, v. : völlig kraft- und saftlos 
machen. Frühnhd. (z. B. Hug Schapler 48). 
Vgl. Liebich Btr. 23, 223. S. mergeln. 

ausmerzen, v.: (urspr.) unter der Schaf- 
herde als untauglich ausscheiden (1562 bei 
Mathesius Sar. 153* außmertzen): dann über- 
haupt als untauglich ausscheiden und aus- 
tilgen, vornehmlich Worte. Wohl von dem 
Monat März, in dem die schwachen und die 
zur Zucht untauglichen Schafe ausgeschieden 
werden (vgl. bei Frisch Merzschaf «als un- 
tauglich ausgeschiedenes Schaf»). So findet 
sich auch z. B. im Spanischen marzear (im 
März, Span, marzo m.) die «Schafe scheren». 
Dieser Erklärung steht jedoch entgegen, daß 
das Ausmerzen der Schafe hauptsächlich im 
Herbst geschieht; deshalb verweist Neubauer 
(Ztschr. d. Ver. f. Volkskunde 1903, S. 100), 
von der Art und Weise aussehend, wie die 



Schafe ausgesondert werden, nämlich von der 
Kennzeichnung durch einen farbigen Strich, 
auf bayr. Schafe merken d. h. zeichnen, wozu 
merzen die Iterati\-form wäre, verkürzt aus 
merkzen, wie blitzen aus Nickzen, schmatzen 
aus schmackzen, vgl. auch engl, ynark out 
«ausmerzen». 

ausmitteln, v.: durch Mittel ausfindig 
machen, ermitteln. Bei Adelung 1774 als 
oberd. verzeichnet, auch in der Bed. «aus- 
sondern». 

ausmustern, v. : bei sorgfältiger Prüfung 
auswählen; bei sorgfältiger Prüfung ausschei- 
den. ]^amtl. militärisches Wort. Frühnhd. (in 
der 1. Bed. schon 1507 bei Liliencron 3, 8), 
S. mustern. 

Ausnahme, f. (PI. -n)-. das Ausscheiden 
und Absondern; Ausgeschiedenes und Abge- 
sondertes. Bei Krämer 1678 Ausnahm. 

ausnehmen, v. : heraus nehmen; des In- 
halts benehmen: besonders herausnehmen, 
hervorheben, auszeichnen; auserwählen, er- 
wählen; von allem andern ausscheiden und 
absondern. Mhd. ü^nemen in allen Bedd., 
ahd. üpieman «herausnehmen, ausscheiden und 
absondern». Refl. sich a.\ sich auszeichnen, 
sich in einer hervortretenden Eigenschaft zei- 
gen (bei Klopstock 12, 218, Wieland 2, 245, 
mhd. sich üpiemen, vom Heerführer, «aus 
dem Heere heraustreten, um voraneilend sich 
im Kampfe auszuzeichnen», Eolandsl. 209, 10, 
Parz. 72, 29); (abgeschwächt) überhaupt «sich 
zeigen, aussehen» (1783 bei J. Paul grönl, 
Proc. 6). Nach der 1. Bed, das Part. Präs, 
ausnehmend (und ausnehmend) als Adj. u. 
Adv. : vor anderm sich hervorhebend, vor- 
züglich. Seit der 1. Hälfte des 18. Jh. üblich, 
nach Adelung besonders in Obersachsen (z. B. 
bei Liscow 144, Geliert 4, 288) ; von Domblüth 
S. 89 als Ei-findimg der Zeitungsschreiber be- 
kämpft. S. ausgenommen. 

ausposaunen, v.: laut verkündigen, eig. 
mit Posaunenschall (nach Matth. 6, 2). Bei 
Steinbach 1734. 

ausputzen, V.: von allem, was hinwegmuß, 
gründlich reinigen ; mit Schmuck, Flitterstaat 
ein völlig glänzendes Aussehen geben (so bei 
Luther) ; in wahren oder falschen Glanz setzen 
{die Unwissenheit a. bei Goethe 23, 303) ; was 
sich nicht gebührt, derb verweisen zu gründ- 
licher Unterlassung (bei Keisersberg Bilg. 141 
mitDat. im ußbützen). ABL. Ausputzer, m. : 
derber Verweis. Bei Henisch 1616 Außhutzer. 



123 



ausrangieren 



ausschweifend 



124 



ausrangieren, v.: jemand, etwas aus der 
Ordnung ausscheiden. Das Pai-t. Prät. aus- 
rangiert «ausgemustert». Rangier en aus franz. 
ranger «ordnen». In der neuern Sprache. 

Ausrede, f. (PI. -n): Rede, um sich aus 
einer Verlegenheit zu ziehen, Ausflucht. Bei 
Luther 7, 310 Weim. 

ausreißen, v.: l) trans. durch gewalt- 
sames Ziehen aus seiner Lage bringen, mhd. 
v^ri^en. 2) intrans. ausbrechen (fiühnhd., 
z. B. 1501 im Voc. opt. K 2** außreissen «erum- 
pex'e»): davonlaufen (bei Luther). ABL. Aus- 
reißer, m.: der davonläuft/flüchtiger Soldat 
(WaUhausen Corp. mil. 131). 

ausreiten, v.: l) intrans. anderswohin oder 
fortreiten, mhd. ü^riten. 2) trans. (ein Pferd) 
ins Freie reiten; bis zu Ende reiten (Schiller 
Rätsel 15); mit Reiten auf der Tenne aus- 
treten machen, z. B. Hafer. 

ausreuten, v.: bis in die Wurzel weg- 
arbeiten und tilgen. Mhd. üpiuten. S. reuten. 
Dasselbe bedeutet (mit md. ndd. d = t) aus- 
roden, das aber nie abstrakt verwendet wird. 
Mhd. in md. Quelle üpvden, mnd. Fctroden, 
im 16. Jh. noch nicht bei Hochdeutschen, aber 
im 17. Jh. schriftsprachlich geworden und bei 
Stieler 1691 verzeichnet. S. roden. Dagegen 
ausrotten: (jetzt nur abstrakt) mit Gewalt 
völlig tilgen. Frühnhd. ausrutten (um 1480 
im Voc. ine. teut. b3^ außrutten «eradicare»), 
ausrotten (bei Luther) auch «ausroden», aus- 
rodennnd ausrotten haben ausreuten allmählich 
zurückgedrängt, Heynatz 1796 weist letzteres 
nur der edlern Schreibart zu; noch Dornblüth 
1755 S. 64 wollte es nur allein gelten lassen. 

ausrichten, v.: durchaus gerade machen 
(spätmhd. ü^rihten «schlichten, in Ordnung 
bringen»); (eme Geldschuld u.dgl.) berichtigen, 
bezahlen (mhd. und bei Luther); abfertigen 
(bei Keisersberg) ; (spätmhd. «loben, rühmen», 
daher ironisch) verspotten, heruntermachen 
(schon spätmhd.) ; ausführen, ins Werk setzen, 
vollbringen (mhd. und bei Luthei", mit subst. 
Objekt jetzt beschränkt, z. B. ein Mahl); (ab- 
geschwächt) als Auftrag bestellen (bei Ade- 
lang 1774). J-B-L. ausrichtig, adj.: gewandt 
auszurichten oder etwas zu verrichten (z. B. 
1. Kön. 11, 28), anstellig. Mhd. ü^rihtec. 

ausroden, -rotten, s. ausreuten. 

Aussatz, m, (-es): im Spiele zu Gewinn 
oder Verlust gesetztes Geld ; ansteckender Haut- 
ausschlag. Li der 2. Bed. um 1300 Umsatz 
m. f. (Renner 21419), im 14. Jh. auch umsehe f., 
gebildet von dem subst. Adj. in schwacher 



Form mhd.ü^setze{auch.ü^setzel), ahd.ü^sazzo, 
ü^sa^^eo m.: der mit dem Aussatz Behaftete, 
urspr. der wegen dieser ansteckenden ekel- 
haften Krankheit von den andern Menschen 
Abgesonderte, an einem besondern Ort Aus- 
gesetzte, weshalb ein solcher auch bezeich- 
nend mhd. sundersiech hieß und in dem vom 
Ort abgesondert erbauten siecliliüs «Haus für 
die Aussätzigen» leben mußte. Aussatz (bei 
dem später nicht mehr an aussetzen gedacht 
wurde ) verdrängte ältere Benennungen: mhd. 
miselsuht, ahd. misalsuht f., ahd. kruf m. und 
hriohsuht f., got. prutsfill n. eig. «Verdruß- 
fell, Hautbeschwerde». ABL. aussätzig, 
adj. und adv.: mit Aussatz behaftet. Mhd. 
üßsetzic, gebildet von umsetze. 

aussaugen, v. mit starker und schwacher 
Flexion und in bildlicher Anwendung schon 
im 16. Jh. (1557 bei Sleidanus übers, v. 
Stamler 26 a). 

Ausschlag, m. (-es, PI. Ausschläge): 
was nach außen kommt; junger Baumschöß- 
ling; aus dem Körper herauskommende Haut- 
unreinigkeit (dafür bei Maaler 1561 auß- 
schlecJit); Herausgehen des Züngleins der 
Wage infolge der schwerern Belastung einer 
Wagschale (schon im 15. Jh. großen oder 
deinen ußschlag gehen, s. Diefenbach-Wülcker 
132, auch Luther gebraucht Ausschlag mit 
Bez. auf das Zünglein der Wage, ebenso 
ausschlahen^; (danach bildlich) Entscheidung 
(im 16. Jh. z. B. bei Maaler 1561, wie auch 
in dieser Zeit ausschlahen als «geraten, eine 
Wendung nehmen» vorkommt); Ergebnis, 
Ende (Opitz 2, 20). 

Ausschnitt, m. (-es, PI. -e): das Aus- 
schneiden und Ausgeschnittenes; ellenweiser 
Verkauf gewebter Ware (Reichsordnungen 
175'' V. J. 1530), zu spätmhd. außsnülen «ellen- 
weise abschneiden und verkaufen», davon 
Ausschnitter m. -. Schnittwarenhändler, ( da- 
für im 15. Jh. bei Beheim 16, 31 ausz Schnei- 
der des geivants). 

Ausschuß, m. (Gen. Ausschusses, PI. 
Ausschüsse): das als vorzüglich oder minder- 
wertig Ausgeschiedene (in letzter Bed. bei 
KJi'ämer 1678); eine Anzahl ausgewählter 
Personen (schon im 15. Jh., Basler Chron. 
1, 72 ußschutz). Zu ausschießen in der 
Bed. «aussondern» (spätmhd. von minderwer- 
tigen Geldstücken), eig. «herauswerfen», mhd. 
ü^schie^en. , 

ausschweifend, Adj. eig. Part. Präs, von 
ausschweifen (s. schweifen): über die Grenzen 



125 



aussehen 



aussetzen 



126 



der Sitt- und Schicklichkeit hinausgehend, 
eig. unhäushch umher schweifend (bei Maaler 
1561, dafür im 15. Jh. ußschweiffig, älternhd. 
außschweiffig): zu -weit gehend, übertrieben. 

aussehen, v. -. l) trans. u. refl. mit den 
Augen auswählen, ausersehen: dui'ch Sehen 
verderben. 2) intrans. hinausblicken, mhd. 
umsehen: sich in einer bestimmten äußeren 
Gestalt den Augen (übertragen dem Ver- 
stände) zeigen (bei Schönsleder 1618). Dazu 
der subst. Inf. Aussehen, n. (bei Duez 
1642j. S. Aussicht 

außen, adv. : von dem Eaume, der als 
innerer bezeichnet oder gedacht wird, hinweg. 
Aus mhd. v^en, ahd. ü^ana. ü^än; adv. und 
auch präp. in der Bed. «außerhalb, ohne», 
mit der Endung -ana von ü^ (s. atis) ab- 
geleitet. Dazu asächs. ütan adv., ags. ütan, 
üton adv. und präp., anord. ütan adv. und 
präp., got. fitana adv. und präp. Xdl. hat 
sich das Wort mit vorgesetztem &e- in dem 
Adv. und der Präp. hiiiten «außen, außer» 
erhalten, a. erscheint in Zusaromensetzungen 
wie Außending n., Außenseite f., Außenwelt f. 
(Withof Acad. Ged. 1, 178 vom J. 1745), und 
mit Verben wie aiLßenbleiben (Goethe 12, 
90. 50, 256, jetzt gewöhnlicher ausbleiben), 
außenlassen, mhd. ü^en lägen (jetzt aiis- 
lassen), außensein, mhd. ügen sin. 

außer, präp. mit Dat. (mit Gen. mir in 
außer Landes, schon mhd. uger landes) : nicht 
in, sondern vor oder weg von — . Aus gleich- 
bed. mhd. üger, ahd. ügar: dazu asächs. Utar, 
afries. fiter. Abgeleitet von üg (s. aus). Hier- 
her auch a. sich sein «vor Aufregung seiner 
nicht mächtig sein» (bei Ludwig 1716). a. 
wird auch als Konj. verwandt s. v, a. «aus- 
genommen» und mit andern Konjunktionen 
verbunden: a. daß, a. wenn. 

außerdem, adv. und Konj., zusammenge- 
rücktes außer (/^w «mit Ausschluß davon noch». 

äußere, adj.: außen befindlich (Gegensatz 
zu innere); das Ausland angehend, z. B. die 
äußern Angelegenheiten. Aus mhd. (ohne 
Cmlaut, der erst im 15. Jh. hervortritt, bei 
Luther eussere) ügere, ahd. ügaro. Dazu der 
Superl. äußerste: entferntest (so daß räum- 
Hch nichts weiter ist); dem Grade nach über 
alles gehend; mhd. ügereste, ahd. ügarösto. 
äußerst, als Adv. : in dem Grade, daß nichts 
darüber geht (bei Lessing 1, 20. 22) ; dasselbe 
bed. das adverbiahsche aufs äußerste (bei 
Krämer 1678); zu äußerst, adv.: am ent- 
legensten Ende (bei Aler 1727). 



außerhalb, adv. u. präp. mit Gen., seltner 
Dat.: vor, an, auf der äußern Seite. Aus 
mhd. ügerhalp, Präp. mit Gen. und Dat., ahd. 
(bei jS^otker) ngerhalb, auch getrennt ugara. 
üzerun halb. 

äußerlich, Adj. und Adv. : bloß das Äußere 
angehend, bloß im Äußern. Mhd. (früher 
ohne Umlaut) ügerlich «körperlich (im Gegen- 
satz zu geistig), außer der Ordnung, uner- 
laubt, fremd». 

äußern, v.: (eig. außer sich geben, dann) 
zu erkennen geben, besonders mit Worten 
(erst bei Nieremberger 1753 verzeichnet, wohl 
aus der nordd. Kanzleisprache). Vgl. mnd. 
ütern «hinaustreiben, veräußern, herausfor- 
dern, äußern, dartun», engl, utter «äußern, 
entdecken, veräußern». Refl. sich a.: (ver- 
altet) von sich abtun (Philipp. 2, 7 sich eus- 
sern), sich wessen enthalten, spätnihd. (selten) 
sich ügern (auch schon sich eussern), neben 
sich u^enen, «sich entäußern, sich enthalten, 
sich entfernen»; zum Vorschein kommen (bei 
Ludwig 1716); mit Worten deutlich werden 
(bei Adelung 1774). Mnd. sik ütern ist «sich 
zeigen, versichern, sich entäußeni, enthalten». 
ABL. Äußerung f. (nach der 2. u. 3. Bed. 
von sich äußern). Bei Adelung, aber schon im 
14. Jh. alemann, übrige f. «Äußerung, Rede» und 
md. ügerunge f. «Entfernung, Ausweisung/,, 
bei Luther eußerung «Lossagung, Trennung». 

außerordentlich, adj. und adv.: außer 
der abgeschlossenen Ordnung und über die- 
selbe hinausgehend; über das, was Regel und 
Gewohnheit ist, sich erhebend. Bei Stieler 
169L 

Äußerung, s. äußern. 

außerwäl'ts, adv.: auswärts (Goethe an 
Frau v. Stein 3, 140). Schon 1540 bei Al- 
berus Dict. kk 3** aussericerts, mit genet. -s 
gebildet von mhd. ugericert «auswärtig, 
äußerlich». 

aussetzen, v. : von einem Orte nach 
außerhalb setzen, mhd. umsetzen-, (Töchter j 
ausstatten und weggeben (^ Rieht. 12, 9, schon 
mhd.) ; ans Land setzen : (ein Kind) ins Freie 
setzen und hilflos zuräcklassen: preisgeben, 
bloßstellen: zu einem Zweck bestimmen, 
z. B. einen Preis oder anderes von Geldes- 
wert (älternhd. ist a. überhaupt «bestim- 
men»); tadeln, rügen (bei Rädlein 1711), vgl. 
ausstellen: unterbrechen, ausfallen lassen (bei 
Ludwig 1716). Li trans. stocken: (bei Aus- 
führungen) von einem Punkte ausgehen 
(bei Lessing, Goethe). 



127 



Aussicht 



Ausweis 



128 



Aussicht, f. (PI. -en) : Blick nach außen ; 
was vor Augen liegt; als bevorstehend zu 
Ervrartendes. Um 1700 aufgekommen (bei 
Dentzler 1709 und Ludwig 1716 erwähnt.) 

aussöhnen, s. versöhnen. 

ausspintisieren, v.: durch Nachgrübeln 
ausfindig machen, nachgrübelnd herausbrin- 
gen. 1551 bei Scheidt Grobianus 4366 auß- 
spüntesieren. S. spintisieren. 

aussprengen, v.: nach außen springen 
machen; (Gerächte) überallhin verbreiten 
(schon bei Luther). 

ausstaffieren, v.: mit Zutaten versehen. 
Mnd. ütstofferen, auch hd. schon am Ende 
des 16. Jh., bei Duez 1664. S. staffieren. 

ausstaken, v.: ein mit Lehm zu ver- 
klebendes Fach vorher mit kurzen Stangen 
verbinden. Bei Adelung und Heynatz 1796 
als niedersächs. Wort aufgeführt. S. Staken. 

Ausstand, s. ausstehen. 

ausstatten, v.: mit dem versehen, was 
dazu taugt oder gehört; (zur Heirat) als 
Vermögen geben, um den neuen Hausstand 
zu gründen. Zu statten. 1640 beiComenius 593. 

ausstechen, v.: durch Stechen heraus- 
nehmen oder entfernen, mhd. umstechen; von 
seinem Platze verdrängen, um die früher inne- 
gehabte Stellung bringen, eig. beim Turnier 
mit der Lanze vom Pferde stechen (bei Krämer 
1678). 

ausstehen, v.: l) intrans. außerhalb sein, 
namentlich von Geldforderungen, die noch 
nicht eingegangen sind (vgl. spätmhd. ü^- 
stant m. «ausständiges Geld»); außerhalb des 
Dienstes sich befinden (dazu Ausstand m.: 
«Entfernung vom Dienst», das Adelung und 
Heynatz 1796 nur als obd. Wort kennen, vor 
einigen Jahren nebst dem Adj. ausständig 
von Süddeutschland aus allgemein üblich 
geworden); öffentlich zur Schau stehen, sich 
öffentlich zeigen. 2) trans. aushalten, er- 
tragen (bei Luther). 

ausstellen, v.: nach einem Orte außer- 
halb stellen (frühnhd.) ; ausfertigen, z. B. eine 
Urkunde (bei Stieler 1691); zur Schau stel- 
len; der allgemeinen Beurteilung aussetzen; 
auf etwas hinweisend tadeln (dies nach Ade- 
lung, Heynatz 1796 und selbst Campe 1807 
nur obd. Wort, doch bei Schiller Picc. 1, 4, 
jetzt allgemein). 

Aussteuer, f. : Mitgabe bei Verheiratung 
zu eigener selbständiger Einrichtung; über- 
haupt Mitgabe. Bei Ludwig 1716 Äussteur. 



Von aussteuern, v.: ausmsten, mhd. ü^- 
stiuren. S. Steuer. 

Auster, f. (PI. -n): eßbare Seemuschel. 
Mhd. (bei Megenberg) oster, ahd. aostar (in 
aostarscala f.). Aus lat. ostrea f. und ostreum 
n. «Meerschnecke, Muschel», auf dem gleich- 
bed. gr. öcTpeov n. beruhend. Im Nhd. hält 
sich die Form Oster bis um die Mitte des 
17. Jh. (z. B. noch bei Harsdörfer Gespr. 
3, 4, Schupp 1, 302), daneben kommt im 
16. Jh. nach ndl. oester m. die Form üster 
auf (z. B. Fischart Garg. 393), auf der dann 
wieder das um 1600 auftretende Auster be- 
ruht (bei Hulsius Schiffarten 14, 29, auch 
bei Henisch verzeichnet). 

Austrag, m. {-es): Schlichtung einer 
Sache, wodurch diese zu Ende kommt, mhd. 
ü^trac m; Schlußurteil, dem Folge gegeben 
wird; (mit dem PI. Austrage, woraus der 
mlat. PI. austregae) schiedsrichterliche Ent- 
scheidung, aber auch Schiedsmann, der einen 
Streit zu Güte oder Recht beendigt (Goethe 
Tasso 2, 4); ausbedungene Nutznießung (wie 
Auszug), daher Austrägler m.: Auszügler, 
Altsitzer. Von jenem austregae die barba- 
risch-deutschen Wörter Austrägalgerlcht 
n. «Gericht zui- Schlichtung der Streitig- 
keiten deutscher Fürsten»; Austrägalin- 
stanz f. «Ani-ufung selbstgewählter (Aus- 
tragungs-) Gerichte». 

auswärts, adv.: nach außen hin; über 
den Grenzen dessen, was als das Linere an- 
gesehen wird ; nach außen gekehrt, z. B. a. 
gehen. Mit angetretenem genetiv. -s für mhd. 
ahd. Unwert. Dies a. zuweilen als Adj. ver- 
wendet (z. B. bei Goethe Naturw. Sehr. 7, 62, 
nach auswärtser Richtung). — auswärtig, 
adj.: außerhalb befindlich, mhdi. ü^wertic, ahd. 
üpoertig. 

Ausweg, m. {-es, PI. -e): nach außen 
führender Weg; Rettungsmittel. Mnd. Tit- 
wech m. «nach außen führender Weg» (bei 
Maaler 1561 ist außwäg s. v. a. «Abweg»), hd. 
seit Rädlein 1711 (auch in der 2. Bed.) ver- 
zeichnet. 

ausweiden, v.: die Eingeweide heraus- 
nehmen. Frühnhd. (1501 im Voc. opt. K 4* 
außweiden «exinterare»). S. weiden. 

Ausweis, m. (Gen. Ausweises, PI. Aus- 
weise): deutliche Anzeige; schriftliche Aus- 
kunft über eine Person. In der Kanzlei- 
sprache (vgl.,Gombert 7, 10 v. J. 1619) von 
austveisen gebildet, wie gleichbed. mhd. u^- 
wisunge f. 



I 



129 



auswendig 



Anto- 



130 



auswendig, adj.: nach aoßen gekehrt; 
auf der Außenseite befindlich, äußerlich. Mhd. 
ü^wendec, worin -wendec zu wende f., nhd. 
Wende (s. d.). Davon das Adv. a., «auf der 
Außenseite; aus dem Gedächtnis». Diese Bed. 
erscheint frülinhd. in der Verbindung mit 
lernen (Mumer Geuchm. 53), können (Luther) 
oder sagen (Maaler 1561). Ahd. entsprechend 
ügana «außen» (Otfrid 1, 1, 109 ü^ana gisingan). 

auswerfen, v. : aus etwas (einem Innern) 
herauswerfen, sei dies durch Tätigkeit von 
atißen (so z. B. vom Ausnehmen der Ein- 
geweide bei Wild) oder von innen, mhd. 
umwerfen, ahd. ü^werphan; verwerfend aus- 
scheiden oder ausstoßen; (Geld) zu einem 
Zweck bestimmen, aussetzen (im 17. Jh.); 
intr. (vom Perpendikel) im Schwung einen 
weiten Zirkelbogen durchlaufen. 

auswirken, v. : (bei Handwerkern) durch 
Arbeit herausbringen oder fertig machen; 
(Wild) aus der Haut nehmen; erwirken, aus- 
richten. Mhd. ü^ivürken. 

auswischen, v.: durch Wischen besei- 
tigen; durch Wischen reinigen, mhd. üg- 
wischen; einen raschen Schlag geben (in 
einem eins a. eig. ein Auge auswischen?); 
intrans. davonlaufen, eig. rasch über den 
Boden dahingleiten (Schiller 1, 351). 

Auswuchs, m. {-ses, PI. Auswüchse): 
krankhaft Herausgewachsenes an Körpern, 
Bäumen usw., auch bildlich. Für .älteres 
Auswuchs am 1750 gebildet. Vgl. Anwuchs. 

Auswurf, m. (-es, PI. Auswürfe): die 
Handlung des Auswerfens (Apostelg. 27, 18); 
was ausgeworfen wird, spätmhd. mi^wurf va. 
«das durch den After Ausgeworfene»; als 
verabscheut ausgestoßener Mensch oder als 
verabscheut ausgestoßene Menschen. ABL. 
Auswürfling, m. (nach der letzten Bed. 
von Auswurf), spätmhd. ü^ivurfelinc m. 

auszehren, v. : l) trans. völlig verzehren 
(frühnhd.). 2) intrans. völlig verzehrt wer- 
den, erschöpft, im Schwinden begriffen sein; 
mit dem Verzehren zu Ende sein (Sir. 14, 
17), Davon Auszehrung f.: völlige Ver- 
zehrung (1727 bei Aler); auszehrende Krank- 
heit, Schwindsucht (1774 bei Adelimg). 

Auszug, m. (-es, PI. Auszüge): Zug aus 
einem Orte, Lande usw., mhd. ü^zuc m.; was 
herausgezogen wird, Kraftauszug (Extrakt) 
wovon, Feinstes, Bestes aus etwas (bei Opitz, 
Fleming), namentlich Wesentlichstes aus 
einer Schrift (bei Luther) ; (veraltet die recht- 
liche Bed.) Angabe, um sich aus etwas her- 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



auszuziehen (l. Macc. 8, 26), Aus- und Ein- 
rede, Einwand, Ausflucht (mhd. ü^zuc m., lat. 
exceptio); (jetzt in der Rechtssprache) was 
beim Abtreten liegenden Gutes, vornehmhch 
eines Hauses (airf Lebenszeit) ausgenommen 
und vorbehalten ist (so schon spätmhd.). 
Davon Auszügler, m.: der diesen Vor- 
behalt gemacht hat. 

aut: etwas (Gegensatz waw^« nichts»). Nur 
in den mundartlichen Redensarten: aut oder 
naut (entweder) «etwas oder nichts» (in der 
Zimmerschen Chronik 1, 48, 31 weder ut noch 
nut); man spricht von naut, es kommt von aut. 
Vgl, engl, ou^ht or nought. aut geht mit der 
westmd. Mundarten eignen Verwandlung von 
iu in ü (später au) zurück auf mhd. iut (für 
gewöhnliches iht), abgeschwächt aus iuwet, 
iuiveht, ahd. eowiht, eig. «irgend ein Ding», 
ebenso naut auf mhd. niut (für gewöhnliches 
niht), abgeschwächt aus niuwet, niuweht, ahd. 
neowiht, eig. «nicht irgend ein Ding». S. nicht. 

authentisch, adj. und adv.: echt, glaub- 
würdig. Nach gi-,-lat. authenticus, gr. auOev- 
TiKÖc «bestimmten Urheber habend», gebildet 
von gr. auöevTTic m. «unumschränkter Herr, 
Selbstherrscher». Schon im 16. Jh. entlehnt 
(Fischart Garg. 153). 

Auto-: erstes Glied vieler Zusammen- 
setzungen, die in deutscher Form erst seit 
dem 18. Jh. vorkommen und durchweg der ge- 
lehrten Sprache angehören. So Autochthone 
m. (-W, PI. -n): Ureinwohner (zu gr. x^^"^ ^^ 
«Erde, Land»), bei Campe 1813. — Auto- 
didakt, m. (-e^i, PI. -en): durch Selbstunter- 
richt Gebildeter. Aus gr.-mlat. autodidäctus, 
dem als Subst. gesetzten M. des gr. Adj, 
aÜTobibaKTOC «durch sich selbst unterrichtet» 
(von -biboKToc zu bibdcKciv «lehren»). — Auto- 
graph, n. (-es, PI. -en) : eigenhändige Schrift. 
Aus gi'.-lat. autögraphum, gr. aürÖYpaqpov «Ur- 
schrift», dem als Subst. gesetzten N. des gr. 
Adj. aÜTÖYpacpoc «selbst (eigenhändig) ge- 
schrieben» (zu -fpacpoc von YPÖqpeiv «schrei- 
ben»). Bei Nehring autögraphum. — Auto- 
krat, m. (-en, F\.-en): SelbstheiTscher. Aus 
franz. autocrat m., gebildet vom gr. Adj, 
aÖTOKpaxric «selbstherrschend» (-Kpaxric von 
Kpareiv «obheri'schen»). Davon Autokratie, 
f.: Selbstherrschaft. Ausgleichbed. franz. auto- 
cratie f. (-cratie nach gr. -Kpäreia f. «Herr- 
schaft»). — Automat, m. n. (-en, PI. -en): 
sich von selbst bewegende Maschine, Selbst- 
triebwerk. Aus gleichbed. gr.-lat. autömatum, 
gr. aÜTÖiaaTov, dem subst. gesetzten N. des gr. 

9 



131 



Autodafe 



Azur 



132 



Adj. auTÖ|LiaTOC «von selbst handelnd». Bei 
Nehring 1710 Äut07nataV\. — Automobil, 

n. {-s, PL -e): Selbstfahrer, zu lat. mobile N. 
des Adj, mobilis «beweglich», ganz junge 
Bildung. — autonom, adj.: selbständig 
(von gr. vö)uoc m. «desetz», eig. «sich selbst 
Gesetze gebend»), bei Nehring 1710 mitonomia. 

Autodafe, n. {-s, PI. -s): feierliche Hin- 
richtung von Ketzern, aus portug. auto da fe, 
Span, auto de fe d. i. Akte des Glaubens, lat. 
actus fidei, ursprüngHch nur die öffentliche 
Verkündigung der durch die Inquisition wegen 
Ketzerei erlassenen Urteile, dann deren Voll- 
streckung. Im 18. Jh. 

Autor, m. (-S, PI. -en): Urheber; Ver- 
anlasser; Verfasser, Schriftsteller. Aus lat. 
autor, fiüher audor m., abgeleitet von augere 
«vermehren, vergrößern, befördern». Im 
16. Jh. üblich (bei Nas, J. Nasen Esel 31 '^ 
author), auch bei Rot 1571 verzeichnet. ABL. 
autorisieren, v.: wozu die Macht geben, 
ermächtigen; gültig machen, gutheißen. 1524 
bei Emser (Germania 29, 347) auctonsiren. 
Wie franz. autoriser aus mlat. auctorizare, 
bekräftigen. Autorität, f. (PI. -en): das 
persönliche gewichtige Ansehen: anerkannte 
Glaubwüi'digkeit ; bewährendes Zeugnis; ge- 
walthabende Behörde. Aus lat. auctoritas (Gen. 
aucforitätis) f. «Gültigkeit, Gewähr, fördern- 
der Einfluß». Schon im 15. Jh. autoriiet (Voc. 
ex quo) und auctoritet (1461 bei Nicl. v. Wyle 
121, 3), mhd. aiictoriteit t Autorschaft, f. : 
Urheber-, Schriftstellerschaft. Erst bei Ade- 
lung 1774. 

autsch! derberes au! bei körperlichem 
Schmerze. Bei Alberus (Barfüßer Eulen- 
spiegel Nr. 558) ausch! Maaler 1561 kennt 
ufsch als Spottwort, Frisius 52^ (1541) als 
Klageruf eines betrübten Weibes. 

auweh! Interj. des lebhaften, tiefen Klage- 
rufes. Aus mhd. oiiwe, Nebenform von otve 
(s. au). Das jüdische auweih! geht auf mhd. 
ouivt, otoi zurück. 

avancieren, v.: vorwärts kommen, na- 
mentlich in der Berufsstellmig ; vorwärts 
rücken. Aus franz. ai'aHce>' «vorwärtskommen, 
vorwärts bringen», gebildet von avant «vor- 



wärts», das auf lat. ah ante benäht. 1617 
im teutschen Michel als modisches Fremdwort. 

Aversion, f. (PI. -en) : Abneigung, Wider- 
wille. Aus dem gleichbed. franz. aversion f., 
das auf lat. aversio (Gen. aversiönis) f. be- 
luht, von avertere. «ab-, wegwenden». Im 
17. Jh. entlehnt (1670 bei Leibniz 1, 225, 
Guhrauer). 

Avis, m. n. (Gen. Avises, PI. Avise): An- 
zeige, Bericht, Meldung. Aus franz. avis, 
ital. avviso m. «Ansicht, Gutachten, Meldung», 
abgeleitet von altital. viso «Meinung, Ansicht», 
aus lat. ad «an, zu» und visum Neutr. des 
Part. Perf. Pass. von videre «sehen». 1664 
bei Duez 1, 56^ Avis, 1, 471** die avisen oder 
getruckte zeitunge. ABL. avisieren, v.: 
anzeigen, benachrichtigen, aus franz. aviser, 
ital. avvisare. 1565 avisirn (Notariat und 
teutsche Rheloric 16*). 

Aviso, m. (-S, PI. -s): Eilschiff zur Mit- 
teilung wichtiger Nachrichten. 1712 beiHübner 
Avis- Jagd (d. i. Jacht), «leichtes Postschiff», 
ital. harca d'aviso. 

Axiom, n. (-S, PI. -e): keines Beweises 
bedüi'ftiger Satz, unbez weif elter Lehrsatz. Aus 
dem gleichbed. gr.-lat. axiöma, gr. ä£iuu|ua n., 
«unbezweifelter Lehrsatz», aber eig. «Würde, 
«Ansehen», dann «Dafürhalten)^, von gr. äEioöv 
«wüi'digen, nach voraufgegangener Würdigung 
anerkennen». Im 17. Jh. entlehnt. 

•Axt, f. (PI. Äxte): das aus einem schnei- 
denden metallenen (eisernen) Keile, mit 
längerm hölzernen Stiele, bestehende Hauwerk- 
zeug. Mit angetretenem t aus mhd. ackes, 
ax, seit dem 18. Jh. auch axt, ahd. acchus f.: 
dazu asächs. akus, ndl. aakse, ags. cex, engl. 
axe, anord. öx, schwed. yxa, dän. ökse, got. 
aqizi f. Verwandt ist gr. ötEivr) f. «Axt, Streit- 
axt» und lat. ascia (wohl aus ac-scid) f. 
«Zimmeraxt, Maurerkelle». ZTJS. Axthelm, 
n.: Axtstiel, frühnhd., s. " Helm. 

Azur, m. [-S): die himmelblaue Farbe. 
Aus franz. azuv, span. azul m., ital. azzurro 
adj. mit Abfall eines (als Artikel betrach- 
teten) l aus pers. läjvärd «lasurähnlich», wo- 
raus arab. läzvärd. Im Anfang des 18. Jh. 
entlehnt, mhd. sagte man lä^i^r (s. Lasur). 
ABL. azurn, adj.: himmelblau. 



133 



Bachstelze 



134 



B 



b, der zweite Buchstabe des Alphabets. 
Redensart: wer a sagt (oder gesagt hat), muß 
auch h sagen «wer einmal etwas anfängt, 
maß darin, komme auch, was da wolle, fort- 
fahren» fl716 bei Pistorius thesaur. paroem.). 

babbeln, v.: (von kleinen Kindern) die 
ersten Sprechversuche machen; viel und ge- 
haltlos sprechen. Das Wort geht lautnach- 
ahmend auf ba ha zuinick, womit das früheste 
Sprechen und Plaudern des Kindes beginnt. 
Entsprechende Worte sind weit verbreitet, 
so ndl. habhelen, engl, babble, franz. babüler, 
ital. babbolare, lat. babulus «Schwätzer». Schon 
im 16. Jh. in der Form babbeln, bappeln, päppeln 
vorkommend ; Henisch 1616 verzeichnet babelen. 

Babe, Bäbe, f. (PI. -n) •■ ein Backwerk. In 
Oljei-sachsen, Schlesien und Posen ein Asch- 
kuchen, Gugelhopf, in einer Form gebackener 
Kuchen mit einem von oben bis unten gehenden 
Loche. Mhd. babe f. ist «Großmutter, altes 
Weib» ( in letzterer Bed. noch bayrisch _Brt&ew f. ) 
und gehört zu slav. poln. baba «Frau» lit. boba 
«altes Weib», vgl. ahd. Baba als Eigenname 
Hebendem männlichen J5abo. Diese Bedeutung 
könnte zugrunde liegen, da das Backwerk viel- 
fach menschliche Formen nachahmt. Viel- 
leicht aber auch Kinderwort, vgl. schwäb. 
Babe «Brot», Schweiz. Babi «Gericht aus 
Brotschnitten und Äpfeln». 

Babusche, f. (gew. im PI. Babuschen): 
leichter Hausschuh. Aus franz. babouche f., 
von türk. bahudsch, pers. päpüsch «leichter 
Pantoffel zum Gebrauch im Hause». 

Bacchant, m. [-en, PI. -en): wüster, sich 
beti'unken umhertreibender Mensch (so bei 
Rot 1571 j; wohlgenährter, vom Trinken im 
Gesichte roter Schwelger; (im 15. bis 17. Jh.) 
fahi-ender Schüler, ein nicht mehr zu den 
untersten Schülern (den Schützen), aber auch 
noch nicht zu den eigentlichen Studenten 
gehöriger junger Mensch (in Vokabularen 
zu Anfang des 15. Jh. bacimnt, bachante bei 
Diefenb. 65''). Aus lat. bacchans, Gen. bac- 
chantis, Part. Präs. von bacchari «wild um- 
herschweifen», auch «sich übervoll saufen», 
eig. « das Bacchusfest feiern ». ABL. bacchan- 
tisch, adj., frühnhd. (bei Luther). 

Bach, m. (-es, F\. Bäche): kleines fließendes 
Wasser. Mhd. bach m. (in nid. Quellen auch f.), 



ahd. bah m.; dazu asächs. beki, biki, mnd. 
beke f., ndl. beek f., ags. becc m., engl, beck, 
anord. bekkr m., schwed. bück, dän. bäk. 
Bugge Btr. 13, 171 f. vergleicht gr. T^r]v'] f. 
«Quelle», doch stimmt die Lautverschiebung 
I nicht. Nach Zimmer Z. f. kelt. PhU. 1, 98 
I zu ah', büal (aus *bhogla) «Bachwasser». Von 
I LTilenbeck Aind. WB. zu niss. bagnö, poln. 
bagno «Sumpf», aind. bhagnas «gebrochen» 
gestellt. Am ehesten ist es eine Ableitung zu 
I einem Verbum «laufen», das in alg. bSzq «ich 
fliehe», lit. begu «laufe», gr. qpeßojuai «fliehe» 
vorliegt. Das Geschlecht ist bei Luther über- 
wiegend Mask., seltner z. B. Hiob 6, 15 Fem., 
bei den mitteld. Schriftstellern des 16. und 17., 
selbst noch des angehenden 18. Jh. Fem. (^noch 
bei Günther 141 und noch jetzt mundartlich 
md. und ndd.), während die Grammatiker seit 
Schottel das Mask. verlangen. 

Bachauner (auch Bachüner, obersächs. 
Bachömer), m. {-s, PI. wie Sg.): Schwein aus 
dem Bakonyer Wald im westlichen Ungarn. 
Bachbunge, f.: Name zweier in Bächen 
und still fließenden Wassern wachsenden Ehren- 
preisarten. Im 14. Jh. bachbiüige'fhexvlm'DiGiQw- 
bach 12^, bei Dasypodius 1537 Bachpunge, 
im 15. Jh. nd. bekebunge, woher neulat. becca- 
bunga, ital. beccabungia f. -bunge wohl wegen 
der Fruchtknöpf chen, denn mhd. bunge, spätahd. 
pungo m. ist «Pflanzenknolle»: dies Wort ist 
verwandt mit skr. bahüs (für *bhahu), gr. 
naxüc (für *qpaxoc) «dicht», zu an. &m^?' «Haufen». 
Bache, f. (Pl.-w): das wilde Mutterschwein. 
Weidmännisch. Im Mhd. erscheint hache m., ahd. 
baliho m. « Speckseite, Schinken» (noch Schweiz. - 
schwäb. -bayr. Bachen m.; aus dem Deutschen 
stammt afranz. bacon, engl, bacon), im 1 6. Jh. auf 
das ganze Schwein übertragen (Eber oder Sau, 
doch zunächst noch als Mask., wie selbst bei 
Stieler 1691), im 17. Jh. dann auch das Fem. 
Bache « Mutterschwein »(Harsdörfer Gespräch- 
spiele 3, 115). Zur Etymologie vgl. ^Backen. 
ABL. Bacher, m. {-s, PI. wie Sg.): zwei- 
jähriger wilder Eber. Bei Stieler 1691. 

Bachminze, f.: die Pflanze mentha aqua- 
tica. Spätahd. bachminza (ZfdWf. 6, 189), 1482 
im Nürnberger Voc. theut. pachmintz. 

Bachstelze, f. fPl. -n): dünn- und hoch- 
beiniges, au Bächen laufendes Vögelchen 

9* 



135 



Back 



backen 



136 



mit langem, wippendem Schwänze, motacüla. 
Spätmhd. in md. Quellen (Schröers Voc. v. 
J. 1420 No. 1577) lachstelze (auch 1482 im 
Nüi-nberger Voc. theut. y 2^ pachsteltz und 
1501 im Leipziger Voc. opt. K 3^), früher er- 
scheint wa^^er stelze, ahd. waß^arstelza f., das 
auch später im Obd. bleibt (noch von Adelung 
erwähnt), -stelze ist eig. «Stelzengängerin» 
(im 15. Jh. stelz m. «einer der mit einem 
Holzbein gehen muß»), s. Stelze. Dafür mnd. 
quek-, quakstert «der Vogel mit dem beweg- 
lichen Schwänze» (s. queck und Sterz), jetzt 
nd. wipstert (engl, wagtail). 

Backen, {-es, PI. -e) : tiefe, hölzerne Schüssel, 
in der einer bestimmten Zahl der Schiffsmann- 
schaft die Speise aufgetragen wird; Vorder- 
schanze (vorderer innerer Eaum) des Schiffes 
(bei Ludwig 1716 angeführt). In der niederd. 
Schiffersprache. Nd.??acA" «große tiefe (hölzerne) 
Schüssel, Kumpf, Kasten, kastenartiger Be- 
hälter»; ndl. lak m. «Trog, Mulde, Kasten», 
(bei Kilian 22) «Kahn»; engl, hack «Kufe, 
niedriges Fahrzeug»; franz. hac «Trog, Bottich, 
Fähre». Als Grundlage wird spätlat. hacca 
«Wassergefäß» (bei Isidor) angesehen, dessen 
Herkunft unbekannt ist, 

Backbord, n. {-es, PI. -e): (vom Steuer- 
ruder aus gesehen) die linke Hinterseite des 
Schiffes (bei Ludwig 1716 angeführt). In der 
ndd. Schiffersprache. Der Name daher, daß 
der Steuermann beim Halten des Steuerruders 
mit der rechten Hand der linken Seite des 
Schiffes den Rücken (ndd. hack, s. Backen 1) 
zukehrt (die rechte heißt nach dem Steuer- 
ruder Steuerhord). Über den Ort, an dem 
das Steuer angebracht ist, vgl. E. Werner 
Gott. Anz. 1897, 361, Liebich Btr. 23, 224. 
Bord (s. d.) ist hier Schiffsrand. Entsprechend 
ndl. hakboord n., woher franz. häbord m. 

^Backen, m. {-s, PI. wie Sg.), zuweilen 
Backe f. (Bürger II. 5, 66): die fleischige 
Erhöhung zu beiden Seiten des Afters, in 
Ärsch-, Hinterhacken. Mhd. hacke in arshacke 
m. (das ck ist nicht ndd., sondern erklärt 
sich aus Assimilation eines w), das mit hache 
«Speckseite, Schinken» (s. Bache) zurückgeht 
auf ahd. bach n. «Rücken, Rückseite» (mhd. 
nicht mehr vorhanden), dazu asächs. hak n,, 
ags. hcec n., engl, hack, anord. hak n., schwed. 
hak m., dän. hag «Rücken». Etymologisch 
gehört ahd. hach wohl zu air. bacc «Haken, 
Hacke, Krummstab», abg. hokü «Seite», vgl. 
Zupitza KZ. 36, 234. Eine weitere Anknüpfung 
bei Persson Wurzelerw. 190. 



^Backen, m. (-s,Pl.wieSg.) und Backe, f. 

(PI. -w) : Gesichtsfläche zwischen Auge, Nase, 
Ohr und Hals. Mhd. hacke, ahd. hacko, hahho m. 
«Backen», ursprünglich «Kinnlade» (häufig zu- 
sammen ges. mhd.kinnehacke, -hache, ahd. kinni- 
hahho, dazu asächs. kinnihako m., ndl. kinne- 
hak f.). Mit dem vorigen Wort nicht verwandt; 
nicht zu lat. huccaf. «Mund, Backe», sondern zu 
gr. qpaYibv «lünnbacken» (Hesych), R. Much 
ZfdW. 2, 283. Im altem Nhd., auch bei Luther, 
herrscht dasMask.5acÄ:en (früherBacke, Back), 
daneben dringt vom Ndd. aus das Fem. Backe 
vor, schon bei Schottel (aber nicht bei Stieler, 
Ludwig, Frisch, Steinbach); bei Adelung und 
Heynatz als regelrechte Form. J._Biv.l)äckig, 
adj. in dick-, rothäckig. ZUS. Backenbart, 
m., erst bei Adelung 1793; dazu ndl. hakke- 
haard m. Backenstreich, m., frühnhd. (1482 
im Vocab. predic. B 1 '^ ), dafür mhd. hacken- 
slac m. Backenzahn, älter Backzahn, m. : 
einer der vier hintersten Zähne auf jeder Seite 
des Kinnbackens, mhd. hackzan, -zant, ahd. 
hacchozan, dazu ndl. haktand. Backpfeife, f. : 
Ohrfeige (Immermann Münchh. 1, 203). 

backen, v. (Prat. buk, häufig backte, Part. 
gebacken): 1) in trans. durch Hitze (oder Frost) 
fest aneinanderklebend hart werden, 2) trans. 
durch Hitze in kui-zer Zeit fest und hart machen. 
Mhd. hacken (das ck erklärt sich durch eine 
Präsens -Verstärkung, wahrscheinhch assimi- 
lierfes ti) und bachen, ahd. hacchan und bahhan ; 
dazu ndl. hakken und (der 2. hochd. unver- 
stärkten Form entsprechend) ags. bacan, engl. 
hake, anord. schwed. haka, dän. hage und 
mit Ableitung ndl. hakeren «wärmen». Ver- 
wandt ist gr. qjiÜYeiv «braten, rösten», aber 
kaum lat. focus m. «Feuerstatt, Herd», vgl. 
Walde s. v. Im altern Nhd. findet sich in 
obd. Quellen die Form bachen (noch von He- 
nisch und selbst von Krämer 1678 neben backen 
angefühi-t), hacken ist durch Luther herrschend 
geworden. Das Prät. mhd. buoch erhält sich 
auch im altem Nhd. als buch; diese Form 
gibt noch Bödiker als die regelrechte (auch 
noch beiHeynatz 1775), während sich Gottsched 
für huck, Adelung für buk entscheidet. Das Part. 
Prät. mhd. gebacken ist im Nhd. dem Präs. an- 
geglichen worden (schon bei Luther gebacken). 
Seit dem 18. Jh. kommt auch schwache Flexion 
vor (namtl. bei dem intrans. backen). ABL. 
Beck, m. {-en, PI. -en): Bäcker. Nur noch 
süddeutsch , (als Familienname verbreiteter). 
Mhd. hecke, ahd. hecko, heccho (in brothbecco). 
Dafür jetzt Bäcker, m. (-S, PI. wie Sg.), im 



137 



Backpfeife 



Bagger 



138 



altem Nhd. Becker. Mhd. (seit dem 12, Jh.) 
hecker; dazu asächs. hakkeri, ndl. hakker, ags. 
hcecere, engl, haker, anord. bakari, schwed. ha- 
gare, dän. hager. Davon Bäckerei, f. (1482 
im Voc. theut. y 4^ peckerey). ZUS. Back- 
flsch, m.: Fisch zum Backen, aber zu jung 
zum Absieden: noch unausgewachsenes Mäd- 
chen (schon 1555 in Bebeis facetiae 393, vgl. 
auch Alberus Fab. 40, 129, wo Backfisch für 
Baccalaureus gesagt wird). Vgl. EickhoflF 
ZfdU. 14, 213 f. Backofen, m.: gewölbter 
Ofen zum Einschieben und Backen von Brot, 
Kuchen usw., mhd. hachoven, hackoven m. 
Backstein, m. : gebackener künsthcher Stein 
aus Lehm oder Ton, gebrannter Ziegelstein 
(Henisch 1616). Backwerk, n.: kleines fei- 
neres Gebäck, mhd. hacwerc. 

Backpfeife, -zahn, s. Backen 2. 

Backschich, n.: Trinkgeld, in neuerer 
Zeil entlehnt aus pers. bachschisch «Geschenk», 
arab. hachscMsch «Trinkgeld». 

Bad, n. (-es, PI. Bäder): Reinigung des 
Köi^persdui-chHineinsteigenin eine Flüssigkeit; 
diese Flüssigkeit selbst; Ort mit heilkräftigen 
Quellen und Anlagen zum Baden. Mhd. hat, 
Gen. hades, ahd. had n.; dazu asächs. had, ndl. 
had, ags. hced, engl, hath, anord. had, schwed. - 
dän. had n. Altes to-Partizip zu höhen (s. d.); 
verwandt ist abg. hanja «Bad», hanjati 
«waschen, baden». Redensart: das Kind mit 
dem Bade ausschütten «etwas ganzUnbedachtes 
tun. das Gute mit dem Schlechten verwerfen». 
Daher der Orts- und Landesname Baden, 
eig. Dat. PL, ahd. Badun, urspr. aj hadun 
«zu der Warmbädern». Vom Landesnamen 
abgeleitet das Adj. l)adiscll, wofür auch 
badenisch, hadnisch; Badner, m. : wer aus 
Baden ist, auch mit fremder Endung Ba- 
denser n. Vgl. ZfdW. 1, 60, 366; 3, 102. — 
baden, v. Mhd. baden, ahd. hadön-, dazu 
ndl. baden, ags. hadian, engl, hathe. ABL. 
Bader, m. (-s, PI. wie Sg.) : wessen Geschäft 
es ist, eine öffentliche Badstube zu halten und 
(zunächst in dieser) zur Ader zu lassen und 
zu schröpfen, dann auch Bart und Haare zu 
scheren. Mhd. hadcere, hader; dazu asächs. 
hathere. ZUS. Badehre, f.: Schamtuch, 
Schürze beim Baden (Wieland 11, 221, schon 
bei Dasypodius 1537 Badehr; noch Schweiz, 
für «Badehemd»). Ehre war in ältrer Zeit Be- 
nennung eines Schleiers oder Tuches, mit dem 
man Gesicht (Keisersberg Postill 3, 46*) oder 
andre Teile des Leibes (Dasypodius 318° ) sitt- 
sam verhüllte. Badereise, f.: Reise zum 



Besuch eines Badeorts. Erst bei Campe 1807, 
mhd. dafür hadevart, älternhd. Badenfart. 
Badestube, f. : mhd. hadestube f., dazu anord. 
badstofa f. 

Bafel, m.: nutzloses Gerede; wertloses Zeug, 
oberd. Md. Babel. VieUeicht zu häbheln (s.d.). 

baflf, s. pa/f. 

bäifen, v. : mit schwachem kurzen Tone 
bellen. Spätmhd. he/fen «zanken, schelten, 
widerbellen», ui'spr. aber (wie 1541 bei Fri- 
sius 579* und 388^, danach bei Maaler 1561) 
«bellen» (vom Hund oder Fuchs). Zugrunde 
liegt die SchaUinterj. baff vom bellenden 
Laute des Hundes, s. paff. Auch ndl. baffen 
«bellen», mengl. baffen. ABL. bäffzen, v., 
wie häffen (1541 bei Frisius 507* bäfftzen). 

Bagage, f.: Reise-, besonders Heergepäck; 
(nach dem übelbeleumdeten Heerestroß über- 
tragen) Gesindel, Pack. Aus franz. bagage, 
ital. bagaglio m., das auf dem gleichbed. mlat. 
bagagium n. beruht, von mlat. baga f. «Ka- 
sten, Sack», prov. hagua, afranz. hague f. 
«Bündel», span. baga f. «Packseil, Last des 
Saumtiers» (die vielleicht auf anord. haggi 
m. «Bündel, Tracht, Last» zumckzuführen 
sind, s. Johansson KZ. 36, 361, vgl. Pack). 
Ein um 1600 ganz geläufiges Fremdwort 
(vgl. Gombert 6, 9), das 1557 bei F. Platter 
281 als hagaie, 1617 im Teutsehen Michel nr. 
33 als Bagaschi und bei Wallhausen Coi-p. 
mil. 131 als Bagage erscheint. 

Bagatelle, f.: nicht zu beachtende Klei- 
nigkeit. Aus dem gleichbed. franz. hagatelle 
f., nach ital. hagatella f. «Kleinigkeit, Ta- 
schenspielerei», was als diminutive Bildung 
zu roman. baga (s. Bagage) anzusehen ist, 
also eig. «kleiner Pack», dann «Lumperei, 
Kleinigkeit». Im 17. Jh. entlehnt (Fischer 1, 
575, Beleg von 1611. 

bägern, v. : quälen, plagen (Wieland an 
Merck 1, 108). Schwäbisch. VieUeicht als 
Ableitung zu mhd. bägen, ahd. bägan «streiten, 
zanken» anzusehen, das ühlenbeck Btr. 20, 
37 zu air. bägim «ich streite», skr. hähate 
«drängt, dmckt» stellt; oder aus dem Rot- 
wälschen, wo sich pegern «krepieren, tot 
machen» (zu hebr. pegei' '< Leichnam») findet 
(daher Schweiz. ?)ei^ere «plagen»), i%YneY Paget' 
«vergiftete Brocken zum Töten der Hunde». 

Bagger, m. {-s, PI. wie Sg.): Werkzeug 
zum Ausschöpfen und -werfen des Sandes 
und Schlammes aus einem Wasserbette. Bei 
Jablonski 1721 und Frisch 1741 Baggert. 
Von baggern, v.: Sand und Schlamm von 



139 



bah 



Bake 



140 



dem Grund eines Wasserbettes ausschöpfen 
und -werfen. Dies ist das ndd. baggern, ndl. 
baggeren von ndl. hagger f. «Schlamm auf 
dem Grunde des Wassers», unsichrer Her- 
kunft. Vgl. Franck s. v. 

bah! Interj. der Geringschätzung und 
Abweisung (bei Voß). Auch pah! (bei Pla- 
ten 4, 197). Vgl. franz. hah! 

bähon, V. : in Wärme erweichen ; am 
Feuer gelind rösten. Mhd. bcßjen, bcen, ahd. 
bäjan, bähan, bäen. Dazu Bad (s. d.), viel- 
leicht zu lat. fovere «wärmen, warmhalten, 
baden», also aus *bhwe, doch s. Walde s. v. 

Bahn, f. (PI. -en) : gemachte ebene Fläche 
zum Fortbewegen auf derselben : Linie, Rich- 
tung einer Bewegung. Mhd. hane, ban f. 
und ban m., dazu ndl. baan f., schwed. ban, 
bana, dän.feane (entlehnt). Es gehört vielleicht 
zu höhnen (s. d.), dann mit der Grundbed. 
«Glätte, glatte Fläche» oder zu einer germ. 
Wurzel ban «schlagen», ahd. bano «Mörder»: 
dann wäre dieGnindbed. «diefestgeschlaffene». 
Luther hat ban, bahn; sonst in altern md. 
Quellen oft noch die vollere Form Bahne 
(z. B. Zesen Helikon -"^ L7^, Fleming 342, 
Lohenstein Ibr. 45, Günther 152. 222). ABL. 
bahnen, v.: Bahn machen, zur Bahn ma- 
chen. Mhd. banen, aber bei Luther benen, 
behnen, wie auch bei den schlesischen Dich- 
tern bahnen (noch bei Günther 393, auch 
1775 von Heynatz und 1793 von Adelung 
als obd, noch erwähnt), aber 1642 bei Duez 
bahnen (so auch bei Gryphius Trauersp. 410). 
ZUS. Bahnhof m., Bahnwart, Bahn- 
wärter m. und andre Eisenbahnwörter seit 
den 30 er Jahren dieses Jh. 

Bahre, f. (PI. -n): langes wagerechtes 
Gestell zum Tragen für zwei oder mehr 
Personen; besonders ein solches Gestell, den 
Sarg zum Grabe zu tragen: (daher, aber 
selten) Sarg, z. B. bei Schiller Räuber 4, 6. 
Mhd. bare, ahd. bära f.; dazu ndl. baar, ags. 
bare, beer f., engl, bier, schwed, bar m,, dän. 
baare; mit abweichendem Vokal anord. harar 
PI. (weitergebildet auch in engl, barrow und 
ndl. berrief.) «Bahre»; eine 3. Vokalstufe zeigt 
bayr.-schwäb.-alem.-hess. bere f. (daher franz. 
biere). Gehört zu got. bairan, ahd. beran 
«tragen» (s. gebären), wie lat. feretrum n. 
«Bahre» zu dem entsprechenden /erre« tragen», 
vgl. die gleichartige Bildung in aind. bhärns m. 
«Bürde, Last» und auch wohl in lat. feralis 
adj. eig. «zur Bahre, zum Toten gehörig». Bei 
Luther bare; sonst im altern Nhd. oft ohne e 



(Baar bei Duez, Krämer, Frisch, j5aÄr bei Lud- 
wig, Frey er). ZUS. Bahrrecht, n. : Art Got- 
tesurteil, das darin bestand, daß man, wenn 
der Totschläger unentdeckt war, alle Ver- 
dächtigen an die Bahre treten und den 
Leichnam berühren ließ, indem man glaubte, 
die Wunde fange bei dem Schuldigen an 
zu bluten (vgl. Nibelungen 984 fg.). Bahr- 
tuch, n. : Sarg-, Leichentuch, mhd. bärtuoch. 

Bai, f. (PI. -en): weit in die Breite sich 
ausdehnender Meerbusen: (mhd. beie, jetzt 
veraltet) vorspringendes Fenster an den 
Zinnen. Zugrunde liegt franz. baie, mit bei- 
den Bedeutungen, entsprechend ital. baja 
«Bucht, Hafen», alti'om. (bei Isidor) baja 
«Bucht, Hafen», wahrscheinlich auf den Orts- 
namen Bajae zuriickgehend, vgl. Schuchardt 
Btr. 19, 541 ff. Ins Deutsche gekommen aus 
engl, bay «Meerbusen», vermittelt durch das 
Ndl. (baeye «Bucht, Hafen» bei Kilian 29^). 
Ndd.-Hochd. erscheint Bay am Ende des 16. 
Jh. bei Hulsius Schiffahrten 3, 9, daneben 
früher auch Baye. ZUS. Baisalz (auch Boi- 
Salz), n.: Meersalz. Nach engl, bay sali, 1546 
bei Georg Agricola 484 Baisaliz (im 16. Jh. 
nd. boisolt). 

Bajazzo, m. (-s, PI. -s): der gemeine 
Lustigmacher umherziehender Spieler und 
Gaukler. Aus mailänd. pajazz (Chembini, 
voc. milanese-ital. 3, 239''), entsprechend ital. 
pa'gliaccio m. «Hanswurst, Gaukler», eig. 
«Strohsack», von mailänd. pa;a, iial. paglia f. 
«Stroh» abgeleitet, das auf lat. pal ea f. «Spreu» 
zuinickgeht. Bei Campe 1811. Mundartlich, 
z. B. obersächsisch, Baiatz, Baiäs m. 

Bajonett, n. (-es, PI. -e): Flintenspieß. 
Aus franz. baionette f., urspr. bayonnette, 
weil (im 16. Jh.) zu Bayonne in Südfrank- 
reich erfunden. Noch im 17. Jh. entlehnt. 

Bake, f. (PI. -n): sichtbares Schiffer- 
zeichen zu Anfurt und Hafeneinfahrt oder 
zur Warnung vor Untiefen. Das ndd. bake 
f., ndl. baak f., entlehnt aus fries. baken n., 
dazu asächs. bökan «Zeichen», ags. beacen n. 
«Zeichen», engl, beacon «Bake, Signalfeuer, 
Leuchtturm», ahd. bouhhan, mhd. bouchen n. 
«Zeichen, Signal» (noch jetzt Schweiz. ^awcA^, 
böche m. «Boje»), das wohl zu gr. iriqpaucKeiv 
«erscheinen lassen, ein Zeichen geben» ge- 
hört. Schon im Anfang des 17. Jh. auch 
im Hochd. (Wallhausen Corpus mil. S. 107 
hat Fewerbqacken, Stieler 1691 Bahk «pha- 
rus»). Der Wechsel des Geschlechts erfolgte 
vom Plur. aus (wie bei Wolke, mhd. wölken n.) 



141 



Bakel 



Balg 



142 



Bakel, m. (s, PI. wie Sg.): Schulstock 
zur Züchtigung. In der Schulsprache aus lat. 
baculus m. «Stock». Bei Krämer 1618 Backel. 

baken, v.: schlagen, z. B. Flachs nach 
dem Dörren, Gerste usw. (Brockes 7, 571). 
Aus mnd. hohen «klopfen, schlagen». 

Bakkalanreus, m.: Gelehrter des nie- 
drigsten akademischen Grades. Mit Anleh- 
nung an laureits «Lorbeer» umgedeutet aus 
mlat. haccalarius «Ritter, der einem andern 
untergeordnet ist. Knappe», dann «Inhaber 
der dem Doktorgrad untergeordneten aka- 
demischen Würde» (1420 haccalerer Diefenb. 
64 ^'j 1482 im Voc. theut. cS''' haccalari, «halb- 
meyster der freyn kunst»), woher franz. 
hacheliei' «Edelknappe, Bakkalaureus», engl. 
harhelor «Junggeselle, Bakkalaui-eus». ABL. 
Bakkalaureat, m. {-es, PI. -e): Wüi-de des 
Bakkalaureus. 1520 bei Luther christl. Adel 
L -3 '^ Baccalariat. 

balancieren, v.: das Gleichgewicht hal- 
ten. Aus dem gleichbed. franz. halancer, von 
halance f., mailänd. venetianisch span. halanza 
f. «Wagschale, Gleichgewicht, Schwebe», eig. 
«Wage», mit Übergang des ursprünglichen 
i in a (wie denn noch ital. hilancia f. «Gleich- 
gewicht, Wage») hervorgegangen aus dem 
Akk. Sing, hilancem von lat. hi-lanx «zwei 
Wagschalen habend». S. auch Bilanz. 

Baibier, s. Barbier. 

Balche, s. Belche. 

bald, (dichterisch wie älternhd. auch) bal- 
de, adv. (Komp. hälder, Sup. häldest): ohne 
Aufenthalt; in kurzer Zeit: in kurzer Ent- 
fernung; beinahe; ohne Mühe. Gebildet vom 
Adj. mhd. halt (Gen. haldes) «rasch, schnell» 
und (ursprünglicher) «külm, tapfer, freimü- 
tig, dreist», ahd. hat fast nur diese Bedeu- 
tungen, ebenso asächs. hold-, dazu noch ndl. 
houd (aus *hald) «trotzig, frech», ags. heald, 
bald, engl, bohl, anord. ballr «kühn, tapfer, 
frech», got. *balps (im Adv. balpaba «kühn, 
dreist»). Hierher der Name des westgotischen 
Adelsgeschlechtes der Balthae, d. i. got. hal- 
ßai und des Gottes anord. Baldr, ahd. Paltar 
(vgl. ags. bealdor, anord. haldr m. «Fürst»), 
auch der Eigenname Balduin, mhd. Balde- 
win, dessen zweiter Teil mhd. wine, ahd. 
wm «Freund, Geliebter» ist, «kühner, schnel- 
ler Freund» (im Tierepos der Name des 
Esels). Verwandt ist nach einigen lit. hältas 
«weiß», danach als Grundbed. wohl «licht, 
hell, offen, freimütig» anzunehmen. Vgl. aber 
Meringer IF. 18, 285, nach dem Verwandt- 



schaft mit Bild, Bohle, engl, hill usw. vor- 
liegt und von eiiier W. hei mit der Bedeu- 
txmg «hauen» auszugehen ist. Das Adv. mhd. 
holde, ahd. haldo bedeutet «ungestüm, keck- 
lich lind schnell, sogleich». ABL. Bälde f. 
(in Bälde «sogleich»). Der Form nach dem 
mhd, beide, ahd. haldt, got. balpei f. «Kühn- 
heit, Zuversicht, Dreistigkeit» entsprechend, 
in Wirklichkeit aber Neubildung zu bald 
(nach Heynatz 1796 nur in obd. Schriften). 
baldig, adj. Schon 1420 (Schröer Voc. 2159) 
baldig «sich überstürzend, schnell», als Ersatz 
des Adj. bald erst in der neuern Sprache 
üblich, von Adelung 1793 noch beanstandet. 

Baldachin, m. {-s, PI. -e): Trag-, Thron- 
himmel. Mhd. haldekin m. ist kostbarer, sei- 
dener, mit Goldfäden durchwirkter Stoff, 
Teppich von Baldac, entsprechend mlat. 
baldakmus, ital. baldacchino. Baldac, ital. 
Baldäcco, ist aus arab. Bagdad entstanden, 
dessen Seidenstoffe berühmt waren. Die nhd. 
Bed. daraus, daß die Thronhimmel mit sol- 
chen Seidenstoffen bedeckt waren, sie kommt 
schon im 14. Jh. vor (s. Diefenbach-Wülcker 
S. 152), das der ital. Form angenäherte Bal- 
dachin aber erst im 17. Jh. 

Baldrian, m. (s, PI. -e): das Katzen- 
ki-aut. Mhd. baldrian, mit Einschiebung eines 
d aus dem mlat. Namen der Pflanze, Vale- 
riana f., hervorgegangen. Im 15. Jh. finden 
sich die deutschen Namen katzenkrüt, katzen- 
lieh, weil die Katzen dem Wasserbaldrian 
(Valeriana officinahs) des Geruches wegen, 
der dem des Katzenharns ähnelt, nachgehen. 

Balduin, s. bald. 

Balg, m, {-es, PI. Bälge): aufgeschwellte 
Fruchthülle; abgestreifte (aber nicht abge- 
zogene) Tierhaut; (ehedem auch) Menschen- 
haut, (dann verächtlich, auch als n. mit dem 
PI. Bälger) Mensch, besonders unzüchtige 
schlechte Weibsperson, böses Kind (1564 
bei Glaser Gesindteufel E6^): schwellendes 
Geräte zum Windausstoßen. Mhd. hole m. 
(Fhbelge) «Blumenhülle, Hülse, Haut, schlech- 
tes Weibsbild», ahd. bälg (PI. belgi) m. «Ge- 
treidehülse, Haut, Blasebalg»; dazu ndl. balg 
m., ags. hcelg m. «Balg», engl, belly «Bauch» 
und bellows PI. «Blasebalg», anord, belgr m. 
«Balg» fauch auf Menschen angewandt), 
schwed.-dän. bälg «Balg», got. balgs m. (PI, 
balgeis) «Schlauch». Zu dem Verbum ahd. 
belgan «aufschwellen», meist (refl.) «aufge- 
bracht, zornig sein», wie mhd. ndl. beigen, 
asächs. belgan, ags. belgan, anord. Part. Prät. 



143 



Balge 



Ballast 



144 



holginn «geschwollen». Vgl. auch Polster. 
Verwandt ist lat. follis m. «lederner Schlauch, 
Blasebalg», gall.-lat. bulga f. «lederner Ean- 
zen», irisch holg «Blasebalg», altir. holgaim 
«schwelle», preuß. po-halso «Pfühl», halsinis 
«Kissen», slov. Uazina «Federbett», serb. hla- 
zina «Kissen, Polster», aind, harhü n. «Opfer- 
streu», upa-barhanam n. «Decke, Polster». 
Vgl. Meringer Wiener SB. 144, 6 S. 102. ABL. 
halgeUf V.: den Balg abziehen. Refl. sich 
bälgen: die Haut oder Hülse von sich ab- 
gehen lassen. 

Balge, f. (PI. -n): Waschkübel. Aus 
dem Ndd. halje, mnd. hallye, bälge «Tonne, 
Kufe, Schöpfgefäß», mit ndl. balie f. «Zuber», 
schwed. balja f. «Eimer», entlehnt aus franz. 
haille f. «Kufe», und dies wohl aus bret. bal 
dss., vgl. Hatzfeld-Darmsteter. 

balgen, v.: (veraltet, noch in obd. Mund- 
arten) zornig reden, zanken. Reü.sicA &. «ringend 
und zerrend die Leibeskraft aneinander ver- 
suchen» (bei Luther). Gebildet von dem 
älternhd. Balg m.: «Streit, Zank, Handge- 
menge» (Fleming 112), zu beigen «zornig sein» 
(s. Balg). ABL. Balger, m.: Zänker, Raufer 
(bei Fischart Nacht Rab V. 1496). Davon 
Balgerei, f. (Fischart Garg. 306). 

bälgen, s. Balg. 

Balken, m. (-s, PI. wie Sg.) : mittelst der 
Säge oder Axt bearbeitetes Stück Bauholz, 
sowie diesem Ähnliches. Mhd. balke, ahd. 
balko, balcho; dazu asächs. balko, ndl. balk, 
fries.-ags. halca m., engl, balk und (mit ab- 
weichender Ablautstufe) anord. bjalki m., 
schwed. bjälke, dän. bjelke m. «Balken». Hier- 
her auch ags. bolca m. «SchifFsgang», viel- 
leicht auch Bohle (s. d.). Zu gr. cpäXajl 
«Holzstamm, Glied», lat. sufflämen aus *sub- 
flägmen «unter das Rad gelegter Balken», 
lit. balz'ena «Längebalken an der Egge», russ. 
boJozyio «großes Brett», ai. bhunjäu «Schnitz- 
bank». Vgl. Walde s. v. und unter fulcio. 
Im Got. dafür ans m. Die urspr. schwache 
Flexion ist nhd. der starken gewichen; doch 
älternhd. noch Balke (Freyer 263), Balk. 

Balkon, m. (s, PI. -e): erhöhter Balken- 
vorsprung am Hause, zu Austritt und Sitz 
im Freien. Nach ital. balcone, venezianisch 
und paduanisch wie franz. (entlehnt) balcon m., 
gebildet aus ahd. balko m. «Balken», mlat. 
balco (Gen. balconis). Im 17. Jh. entlehnt. 

^Ball, m. {-es) : Anschlag der Jagdhunde. 
Weidmännisch. Spätmhd. bal (Gen. balles) m. 
«Gebelle, GekläÖ'e», zu bellen. 



^Ball, m. (-es, PI. Bälle): kugeli-under 
Körper. Mhd. bal (Gen. balles), spätahd. bal 
(häufiger in arsbelli PI. «die Hinterbacken, 
der Hintere»), daneben das schwache M. mhd. 
balle, ahd. hallo (s. Ballen), aus dem aber 
hal nicht hervorgegangen ist, das vielmehr 
nach anord. böllr m. «Kugel, Hode», schwed. 
boll, dän. hold «Ball» m. als M-Stamm (got. 
*ballus) anzusetzen ist. Verwandt ist noch 
Bolle (s. d.) und gr. qpaWöc, air. ball «mem- 
biTim virile». Weiteres bei Johansson PBr. 
Btr. 15, 225, Walde s. v. follis. Franz. balle, 
ital. balla f. «Kugel», ist aus dem Deutschen 
(ahd. balla f. neben hallo ra.) entlehnt. ZUS. 
Ballspiel, n.: Spiel mit dem Ball. Zu An- 
fang des 15. Jh. ballespil. Davon Ballspieler, 
m., 1482 im Voc. theut. palspiler. 

^Ball, m. (-es, PI. Bälle) : Tanzfest. Schon 
mhd. vereinzelt für den mit Ballspiel ver- 
bundenen Reigen (Athis 105, 94), in der 
jetzigen Bed. im spätem 17. Jh. eingedrungen 
(Stieler 1691 verzeichnet das Wort als N., 
als M. wird es z. B. gebraucht von Hagedorn 
Oden 133). Aus ital. hallo, franz. hal m. «Tanz» 
von ital. ballare, afranz. baller «tanzen» Dies 
ist wahrscheinlich von germ. ball (s. ^Ball) 
abgeleitet, da im Mittelalter das Ballspiel ein 
nait Gesang und Tanz verbundenes Spiel war. 
Andre knüpfen an das in Großgriechenland und 
Sizilien übliche gr. ßaWiceiv «tanzen, hüpfen, 
springen» (von ßdWeiv «werfen») an. 

Ballade, f. (PI. -n): mit lyrischer Emp- 
findung erzählendes Gedicht. Aus franz. hal- 
lade f., das auf prov. balada, ital. ballata f. 
«Tanzlied» beruht, dem substantivisch ge- 
setzten F. des Part. Prät. von ital. ballare 
«tanzen» (s. ^Ball). Nach dieser Bed. bei 
Fischart Garg. 304. Der jetzige Begi'iff ist 
nach dem Vorbilde der englischen und schot- 
tischen ballads geltend geworden, aus denen 
Bürger und andre schöpften. 

Bällast und Balläst, m. (-es): Unter- 
ladung im Schifte, damit es im Gleichgewicht 
bleibe und tiefer gehe; Untaugliches und 
Überflüssiges (eig. über Bord zu Werfendes). 
Aus ndd. ndl. bailast m., woher auch engl. 
hallast, schwed. barlast, dän. haglast m. «Bal- 
last». Die Formen des Schwed. und Dän. 
beruhen auf einer Ausdeutung des Wortes; 
barlast (früher auch im Ndd.) als «bare, bloße 
Last» (im Gegensatz zur eigentlichen Schiffs- 
ladung) gen9mmen, haglast (hag = ist ndl. 
\ hak, schwed. back «hinter», vgl. ^Backen) als 
«Hmterlast, Last hinter oder unter der eigent- 



145 



Bailei 



Balz 



146 



liehen Ladung. Mhd. sagte man bloß last m. 
Falls hol- ursprünglich ist, so ist dies zu 
ndd. ndl. hol-, asächs. talii-, ags. bealu-, ahd. 
halu-, got. halwa- (in Zusammensetzungen) 
«schlecht» zu stellen, also «schlechte, gering- 
wertige Last» (im Gegensatz zui- wertvollen 
Schififslast). Hochd. erscheint das Wort schon 
in frühnhd. Glossaren (im md. Voc. ex quo, 
auch 1501 im Voc. opt. Aa 3^), in der Lite- 
ratur seit Anfang des 17. Jh. (vgl. Hulsius 
Schiffart 9, 15). 

Bailei, f. (PI. -en): ein Ordensbezirk der 
deutschen Ritter. Mhd. hallte aus mlat. hällia 
neben halliva,halHviat, «Bezirk eines hallivus» 
d. i. dem Rechtspflege und Yerwallung eines 
Bezirkes, einer Stadt usw. übertragen ist. Dies 
hallivus (franz. hailli, ital. halivo) m. kommt 
von mlat. hälius m. (d. i. hajulus) «Träger, 
Geschäftsträgei-, Vorsteher, Vormund». 

Ballen^ rn. (-s, PI. wie Sg.): rundlicher an- 
einander haftender und meist weicher Körper ; 
(mehr mimdarthch) Spielball (Goethe 11, 22); 
rundliche Erhöhung an Hand und Fuß bei 
Menschen und Tieren; in einem Umschlag 
zusammengepackte Masse; Maß einer Wareu- 
masse, z. B. ein B. Papier = 200 Buch. Mhd. 
halle m., ahd. hallo m. und halla f. (daher 
franz. halle, s. -Ball). Die m-sprüngliche 
schwache Flexion ist im Nhd. der starken 
mit dem X. Sg. auf -en gewichen. 

ballen, v.: zu einem Balle machen. Mhd. 
halleyi. Meist refl. sich hallen. 

Ballett, n. {-es, PI. -e): Schautanz auf der 
Bühne. Aus ital. haletto m., dem Dim. von 
hallo m. «Tanz, Tanzfest» (s. '^Ball). Im Anfang 
des 17. Jh. gebraucht, z. B. 1609 bei Gödeke 
Grundr. ^ 2, 61, ^'"r. 17 und bei Weckherhn. 

ballhornisiereii, besser verhallhornen v: 
(eine Schrift) durch vermeinthche Verbesse- 
rungen verschlechtem, verschlimmbessern. 
Das Wort kommt von dem Namen eines vom 
Jahre 1531 an tätigen Buchdruckers zu Lübeck 
(nach Schuppius Schriften S. 588 zu Soest 
in Westfalen) Johann Ballhorn, der in einem 
Abcbuche, das er oft herausgab, mancherlei 
ungeschickte Veränderungen anzubringen und 
auf dem Titel beizufügen pflegte «vei'mehrt 
und verbessert*, «auctior et cori'ectior», wes- 
halb er im 17. Jh. allgemein sprichwörtlich 
war. hallhornisieren zeigt die undeutsche 
Endung -isieren, franz. -iser. 

Ballon (spr. Ballung), m. {-s, PI. -s): 
großer Ball, zum Schlagen usw.; mit Luft 
gefüllter Ball zum Aufsteigen in die Luft, 
Weigaud, Deutsches Worte rbnch. 5. Aufl. 



, Luftballon. Aus franz. hallon nach ital. hallone 
' m., dies mit der Vergrößemng ausdrückenden 
, Endsilbe von halla f. (s. -Balt). Schon im 
' 16, Jh. ndl. halloen, palloen (Küian 695 '*) und 
am 1600 auch hochd. z. B. 1616 bei Henisch 
und 1618 bei Schönsleder D 7^ (als Ballon 
: bei Fleming 117). 

ballotieren, v.: mittelst Stimmkugeln 
wählen. Aus dem gleichbed. franz. hallotter. 
\ von hallotte f. «Stimmkugel», dem Dim. von 
, halle f. «Kugel, Ball». Bei Duez 1664 in der 
Bed. «Ball spielen», in der jetzigen bei Adelung 
11793 (Schweiz. Id. 4, 1156 Beleg von 1610). 
I Ballspiel, s. -Ball. 
\ Balsam, m. (-s, PI. -e): wohlriechender 
i Saft aus destillierten Ölen; Wohlgeruch; 
j linderndes Heilmittel. IVIhd. haisame, balsem, 
ahd. balsamo m., entlehnt aus gr.-lat. halsa- 
mum, gr. ßdXcaiuov n. «Harz des Balsam- 
baumes». Dies stammt aus arab. hasäm, 
halsam «Balsamstrauch». Got. halsan n. 
<!; Balsam» zeigt auffallendes n. ABL. bal- 
sanien, balsamieren, v., mhd. halsemen, 
halsamieren. Balsamine, f. : das Springkraut, 
impatiens noli tangere, das zu einem Wund- 
balsam dient. Aus nlat. halsamina, das auf 
gr. ßa\ca|Liivri f. «Balsampflanze» beraht, bal- 
samisch, adj., bei Stieler 1691. 

baltisch, adj.: die Ostsee betreffend, im 
16. Jh. Zu lat.-germ. Baltia (Plinius 4, 13, 
vgl. Belt). 

Balustrade, f. (PI. -n)-. Brustlehne, Ge- 
länder. Aus gleichbed. f)-anz. balustrade, ital. 
halanstrata f., von franz. halustre, ital. ha- 
laustro m. «Geländersäule», und dies von mlat. 
halaustium, gr. ßaXaucTiov «Blüte des wilden 
Granatbaumes», nach der ähnlichen Form auf 
die Verzierung des Geländers übertragen. 
Im 18. Jh. (1778 bei Amaranthes ^ 1, 316.) 
Balz, f., seltener m. : Begattung des größern 
Federwildes; Ort und Zeit der Begattung. 
balzen, v. : sich begatten, vom größern Feder- 
wilde, als Auer-, Birk-, Haselgeflügel, Fasan, 
Kranich, Schnepfe usw. Daneben Falz, falzen 
(s. d.). Mhd. erscheint halze m. als Ort, wo 
das Federwild sich zu begatten pflegt (im 
Salbuch des Klosters Engelthal in der Wetterau 
1340 der Flurname ame hanen haltzen, in einer 
Gerauer Urkunde v. J. 1355 bei Baur hess. 
Urk. 1, 425 vf den haltzen). Unsichrer Her- 
kunft. Die Ableitung von it. halzo «Sprung», 
halzare «hüpfen» wäre der Bed nach mög- 
lich, doch wii'd halzare nie von der Begattung 
der Vögel gebraucht, auch bleibt dabei die 

10 



147 



Bambus 



Bandit 



148 



Nebenform Falz unerklärt. Vielleicht mit 
der urspr. Bed. «klopfen» zu dem 2. Teil von 
nid. aanheld, mnd. anebelt, anibolt «Amboß» 
zu stellen {Falz zu dem gleichbedeutenden 
ahd. anafalz, ags. on/ilt, engl, anvil). Vgl. 
ZfdPh. 38, 521. 

Bambris, m. (Gen. wie Nom. und Bam- 
busses, PI. Bambusse) : ost- und westindisches j 
Knotenrohr zu Spazierstöcken; der Spazier- 
stock davon. Aufgenommen zunächst aus ' 
ndl. hamboes m., dazu franz. baniboii, engl. 
baniboo, span.-portug. bamhu, aus dem gleich- 1 
bed. malayischen bambü. Im 17. Jh. entlehnt ' 
(Belege von 1668 und 1686 bei Gombert ' 
6, 10). 

bammeln, v,: herabhangend hin- und her- 
schwanken. Dafür auch bambeln (Maaler ; 
MüUer 1, 165) und pampeln (Luther 3, 374^ \ 
Jen. und Mathesius Sarepta 73^ und 144*), 
das man au.flat.pam2nnus, mlat. auchpampilus 
m. «Rebschoß, Rebranke», älternhd. pampel, 
banipel m. zui-ückgeführt hat. Es ist aber 
wohl eher lautnachahmend neben bimmeln, 
bummeln, baumeln, vgl. auch bimbam! Krämer 
1678 verzeichnet bammelen neben bommelen. 

bamsen, v.: (das Fell) durchklopfen. Nicht ! 
identisch mit wamsen (s. d.), sondern geht 
auf mhd. bambas, bams (Grermania 23, 308) ! 
«dickes, haariges Fell an einem Sattel» zu- ! 
rück (Frisch 1, 54^). 

banal, adj.: alltäglich = gemein. Aus 
franz. banal «der Zwangsgerechtigkeit unter- 
worfen, jedem zugänglich, (von Reden) ab- 
gedroschen», beruhend auf mlat. bannalis 
«dem Bann unterworfen», von bamius m., 
das das deutsehe Bann (s. d.) zur Grund- 
lage hat. Erst um 1800 auftretend (Goethe 
29, 85). 

Banane, f. (PI. -n): Paradies-, Adams- 
feige. Aus franz. banane, engl.-span.-port. 
hanana, dem eine afrikanische Benennung zu- 
grunde liegt. Als Bananas 1595 bei Hulsius 
Schiffart 1, 24, Bonanas bei Münster Cos- 
mogr. Asien Kap. 106. 

Banause, m. (PI. -en): handwerksmäßig 
Arbeitender, gemein Denkender. Aus gr. 
ßdvaucoc adj. «handwerksmäßig, gemein». Um 
1800 aufgekommen, vgl. ZfdW. 5, 257. ABL. 
banausisch, adj. 

'Band, m. {-es, PI. Bände): zusammen- 
zubindender Teil eines Schriftwerkes; Buch- 
schale, Einband. Abgezweigt von Band n. 
(unter ndd. Einfluß, mnd. bant m.) und zu- 
erst bei Duez 1664 verzeichnet. 



-Band, n. {-es), PI. Bänder und (in der 
Bed. Fesseln) Batvde: was zum Binden dient, 
Bindungsmittel, eigentlich wie bildlich; Bin- 
dungsmittel um Glieder des Gefangenen; 
langes, schmales Gewebe zum Binden. Mhd. 
bant (PI. bant und bender, md. bände), ahd, 
bant n. (PI. bant und bentir): dazu asächs. 
band (in höbidband «Diadem»), ndl. band m., 
afries. band n., engl, band, anord. band n., 
(PL band), schwed. band n., dän. baand n. 
Zu binden. Mit andrer Ableitung got. bandi 
f., afr. bende f., ags.-engl. bend. 

Bandage, f. (spr. Bandäsche, PI. -n): 
Verband einer Wunde. Aus franz. bandage f. 
von bände f. «Binde, Band, Streif», das auf 
das deutsche Band zuräckgeht. Bei Spe- 
rander 1728. 

^ Bande, f. (PI. -n): Rand (Einfassung), 
z. B. einer Billardtafel. Aus franz. bände f. 
(s. Bandage). 

■Baude, f. (PI. -n): zu einem Zwecke 
in Verbindung stehende Personen, mit dem 
Nebenbegriff des Gemeinen und Schlechten. Im 
18. Jh. aus franz. bände f., ital. banda f., hier in 
der Bed. «Schar», die auf die von «Fahnen- 
streifen, Fahne» zurückgeht (vgl. Fähnlein). 
Schon langobard.- mlat. bandum (bei Paulus 
Dia Conus 1, 20 quod vexillum bandum apel- 
lant), auf dem deutschen band (nach andern 
auf got, bandtva f. «Zeichen», das wohl zu 
gr. qpttivuj aus *<pay7"iu «scheine, zeige», ge- 
hört) beruhend. Im 16. Jh. erscheint (mit 
Anlehnung an Band) Bände PL «Truppen- 
massen», bei Henisch 1616 Bande als ^fänlin, 
bände reufers». Vgl. Banner, Panier. 

Bandelier, n. {-s, PL -e): Schultememen, 
Wehrgehenke. Aus franz. bandouliere, it. 
bandoliera f., und diese aus span. bandolera f. 
Am Anfang des 17. Jh. auftretend, z. B. 1616 
bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 38. 

bändig, adj.: durch das Band, urspr. 
die Hundekoppel, festgehalten, (Günther 298), 
mhd. bendec. Jetzt nur noch in unbändig. 
ABL. bändigen, V.: durch ein Band zwingen, 
durch Kraft bemeistern. Bei Henisch 1616. 

Bandit, m, {-en, PL -en): Straßenräuber, 
Meuchelmörder. Aus ital. bandito m., aus 
mlat. bannitus «Verbannter», Part. Praet. 
von ital. bandire, mlat. bannire «des Landes 
verweisen», eig. wie mhd. ze banne tiion 
«in den Bann tun» d. i. vogelfrei erklären. 
(Andre verbinden bandire mit got. bandwjan 
«ein Zeichen geben» von bandwa f. «Zei- 
chen», also eiw. «durch Ruf ein Zeichen 



149 



Bandmesser 



Bankeisen 



150 



geben», dann «entbieten, vor Gericht laden, 
verui-t eilen, bannen»). Es zeigt sich zuerst 
in der Bed. «Verbannter» in schweizerischen 
Quellen f Schweiz. Id. 4, 1282 mit Beleg von 
1517, auch bei Frisius und Maaler verzeichnet |, 
seit Ende des 16. Jh. allgemein. Die Bed. 
«Verbrecher, Straßenräuber» tritt nebenbei 
hervor (z. B. bei Fischart Binenkorb 230, 
Zincgref 1, 356) und verdrängt später völlig 
die m'spriingliche Bed., die sich aber bis 
ins 18. Jh. erhalten hat. 

Bandmesser, n.: handbeilartiges Messer 
zum Behauen der Faßbänder (Reife). Bei 
Henisch 1616. 

Bandwnrm, m. : ein langer, weißer Ein- 
geweidewurm mit vielen Gelenken, der die 
Form eines Bandes hat. Bei Adelung 1774. 

bang, l)ange (Komp. bänger, Sup. hängst 
auch banger, bangst), adj. und adv.: be- 
engendes, beklemmendes Gefühl habend. 
Mhd. (in' md. Quellen) bange, aber nur 
als Adv., aus be-ange, dessen ange das Adv. 
von enge (s. d.); dazu mnd.-ndl. bange. 
Auch Luther gebraucht bange nur als 
Adv., das sich später auch im Obd. ver- 
breitet. Die schlesischen Dichter verwenden 
das Wort dann auch als Adj. (wie schon 
früher im Ndd. übUch), und so wird es schon 
.von Krämer 1678 aufgeführt. ABL. Bange, 
f., mhd. (md. ) bange m., auch benge, d. i. ahd. 
bengt f. bangen, v. : «bange machen: bange 
werden», dies auch unpersönhch mir (mich) 
bangt. Mhd. bangen in beiden Bedd., später 
aber verloren gehend und erst durch die neuere 
Dichtersprache wieder aufgekommen. Ade- 
lung 1793 kennt nur sich bangen («in einigen 
gemeinen Mundarten»), erst Campe 1807 hat 
hangen. Dies scheint durch Wieland einge- 
führt, der es im Oberen in der Bed. «zagen» 
und (nach etwas b.) «sehnsüchtig sein» ver- 
wendet. Bangigkeit, f., spätmhd. CBech 
Germania 18, 260) bangekeit, bänglich, adj. 
und adv., mhd. bängliche, nm* adv. 

Bangert, m. (-s, PI. -e): angelegter Obst- 
baumgarten. Mit Übergang des m, in n aus 
mhd. boumgarte m. Vgl. Wingert. 

Banier, s. Panier. 

^Bank, f. (PI. Bänke): langer erhöhter 
Sitz (daher die Redensarten: durch die B. 
ohne Unterschied, nämlich der Daraufsitzen- 
den, schon mhd.; unter der B. liegen, als 
verachtet (16. .Th.): auf die lange B. schie- 
ben, im 17. Jh. bei Leibniz Unvorgreifl. 
Gedanken § 109, wie uf die langen hanck 



ziehen u. dgl. bei Keisersberg, 1574 bei Hö- 
niger Narrenschiff 113^ au ff die lange hanck 
sparen «auf die Gerichtsbank, die lange Bank- 
tiTihe, in der man die Akten verwahrte, zu- 
lücklegen, den langen Weg Rechtens gehen 
lassen», dann «lang aufschieben überhaupt»: 
von der B. fallen, sowohl «mit einer Frauens- 
person ein uneheh dies Kind zeugen», als auch 
«unehelich geboren werden» s. Bankert, die 
Bank hier im Gegensatz zum Ehebett; 
sich hinziehende seichte Sandstelle im Meer; 
Tisch oder Gestell zu gewerblichen Zwecken 
(daher die Redensart durch die B. ziehen, 
eig. durch die Hechelbank, wie durchhecheln 
«lästern», bei Schupp 535): Fleischertisch, 
das Fleisch zum Verkauf auszulegen (daher 
die Redensart zur B. hauen «öffentlich zer- 
hauen, nichts Gutes an jemand lassen», bei 
Luther) : Brustwehr eines Walles (spätmhd.), 
daher über B. schießen, wenn keine Schieß- 
scharten in der Bnistwehr sind (1757 in 
Eggers Kriegslex. 1, 216). Mhd. banc m. und f. 
(PI. henke), ahd. banch m. (PI. henchi); dazu 
asächs. bank, ndl. bank, afries. benc, ags.bencf., 
engl, bench. anord. bekkr m., dän. bänk. Das 
M. ist noch jetzt im Schwab. -Alem. üblich 
(darnach Mörike 2, 222). Dunkler Herkunft, 
vielleicht mit der Gnindbed. «Erhöhung» zu 
anord. hakki, schwed. backe, dän. hakke m. 
«Hügel» zu stellen. Vgl. aber Meringer 
Wiener SB. 144, 6, 97. 

^Bank, f. (PI Banken): öffentliche Kasse 
für den Geldverkehr: das Gebäude dieser 
Kasse : der Spieltisch und das ausgesetzte Geld 
des Spielhalters im öffentlichen Geldwagespiel. 
Aus ital. hanca (daraus franz. hanque f.), das 
auf das deutsche Bank (vgl. mhd. ivehsel- 
banc m. «Tisch des Wechslers», in gleicher 
Bed. auch bloß banc m., Schweiz. Id. 4, 1383 
von 1409) zui-ückgeht. Bei Henisch 1616. Da- 
neben wurde auch ital. banco m. entlehnt in 
der Bed. «Wechselbank, öffentliche Geldnieder- 
lage», dann auch «^lünzfuß», nach dem bei der 
Geldbank gerechnet wird (daher hamburgisch 
Mark Banko). Banco «Bank» noch im 
; Schelmufsky 61 und bei Ludwig 1716. 
i Bankbrnch, m., eine von Campe 1795 
vorgeschlagene Verdeutschung von Banke- 
rott fs. d.). Das abgeleitete Adj. bank- 
brüehig wird schon im 16. Jh. bei Fischart 
Garg. 78 gebraucht. 

' Bankeisen, n. : Eisen zur Befestigung einer 
Bank, dann auch eines Gestelles, Schrankes 
usw. an die AVand. 1741 bei Frisch. 

10* 



151 



Bänkelsänger 



Banner 



152 



Bänkelsänger, m. (s, PL wie Sg.): 
wandernder Sänger oder Dichter, der zur 
Belustigung vom Bänkel aus dem Stegreif 
singt oder dichtet. Bänkel ist mundartliches 
(südd, oder ost-md.) Dim. von Bank. Nach 
ital. cantamhanco d. i. canfa im banco «sing 
auf der Bank!» Wohl im 17. Jh. gebildet, 
da nach Gombert 7, 11 schon 1709 Bänk- 
leinsänger in übertragener Bed. (Neukirchs 
Sammlung 6, 343 die gelehrten Bäncklein- 
Sänger); Bänkelsänger zuerst 1730 bei Gott- 
sched crit. Dichtkunst 13. 75. 

Bankerott, Bankrott, m. {-es, PI. -e): 
öffentlich erklärte Zahlungsunfähigkeit zum 
Verluste der Gläubiger. Aus ital. hanco rotto 
(rotto aus lat. ruptus «gebrochen») m. oder 
banca rotta f, franz. hanqueroute f. (daher 
die Form Bankrutt); der Name deshalb, 
weil dem zahlungsunfähigen Wechsler auf dem 
Foro (öffentlichen Gerichtsplatze) sein Wechs- 
lertisch (Wechselbank) zerbrochen wurde. 
In der 1. Hälfte des 16. Jh., zunächst in 
ital. Form (z. B. bei Hans Sachs Fastn. 78, 
2A:2 panca rotta, 1533 bei .Weller Dichtungen 
des 16. Jh. 97 hanckarotten spilen), eingedrun- 
gen; Henisch 1616 hat auch Banckerott. 
Daher bankerott, bankrott, adj.: öffent- 
lich zahlungsunfähig, 1741 bei Frisch. ABL. 
Bankerottierer, Bankrottierer, m. : wer 

Bankrott macht. Bei Pischart Garg. 186, 
während 1562 bei Mathesius Sar. 224^ mit 
deutscher Endung Panckerotter , 1540 im 
Edikt Karls V. an die Plauderer a 3 '^ Bancka- 
rotter. Vom V. hayikerottieren (l572beiFischart 
Prakt, Großm. 14), woneben mit deutscher 
Endung 1616 bei Henisch hanckerotten. 

Bankert, m. (-s, PI. -e) -. unehliches Kind, 
eig. auf der Bank (nicht im Ehebett) erzeugtes. 
Spätmhd. hankart, hanchart, dessen -hart von 
Eigennamen wie Geh-, Reinhart übertragen 
ist, älternhd. hankart. Vgl. ndl. hankaard. 
Alternhd. kommt in gleicher Bed. auch Bank- 
kind, Bänkling, Bankhein (Lessing 1, 212) 
vor, vgl. auch mlat. scamnifex «spui-ius» (zu 
scanmum n. «Bank») und Fastnachtssp. 250, 
32 mein vater machet mich auf einer penk. 
S. Bastard. 

Bankett, n. (-es, PI. -e): festliches Gast- 
mahl. Aus franz. hanquet und dies aus ital. 
hanchettom. «Gastmahl», eig. «Bank — Tisch — 
Gelage», abgeleitet mit dim. Endung von 
ital. hanco m., auf das deutsche Bank zu- 
rückgehend. 1495 hancket bei Reuchlin De- 
mosthenes 1. olynth. Rede S. 26 Poland, 



dann bei Hans Sachs Fastn. 8, 346, Franck 
Weltb. 131. ABL. bankettieren, v.: fest- 
lich schmausen (hancketieren Franck Chr. 85, 
hanckatieren Waldis 4, 96, 59, dafür bei 
Luther 4, 440^ Jen. und im 15. Jh. bei 
Ehingen Reisen 27 fg. mit deutscher Endung 
hancketen). Nach franz. hanqueter, ital. han- 
chettare. 

Bankier, m. (-s, PL -s): Lihaber einer 
Bank (s. Bank^), Wechsler. Bei Henisch 
1616 als Banckier verzeichnet. 

Banknote, f. (PL -n): schriftlicher, über- 
all zahlbarer Schein (Note) einer Geld-, 
Wechselbank, der statt baren Geldes dient. 
Erst bei Adelung 1774. 

banko, s. Bank. 

Bann, m. (-es, PL -e): Gebot oder Ver- 
bot unter Strafandrohung (z. B. der Heerh. 
«Einberufung zum Heere»), sowie diese Strafe 
selbst (z. B. der Kirchenh. «Ausschluß aus 
der Kirchengemeinschaft»); dem geistlichen 
oder weltlichen Richter ausschließlich zu- 
stehende Gerichtsbarkeit (z. B. der Bluth. 
«Recht über Leben und Tod»), sowie deren 
Bezirk; abgegrenztes, gehegtes Gebiet; (über- 
tragen) Zwang, Fessel. IVIhd. han (Gen. 
bannes), ahd. han m.; dazu asächs. han, ndl. 
han, afries. hon, han, ags. bann, engl, bann 
«Aufgebot, Bann», anord. (entlehnt) bann n. 
«Verbot, Exkommunikation», schwed. &awn n., 
dän. ba7id. Mlat. bannus, banmmi. Von ban- 
nen, V.: den Bann ausüben und mit dem 
Banne belegen (in allen Bedd. des Subst.). 
Mhd. bannen (Prät. bien)^ ahd. hannan; dazu 
ags. hannan, anord. (entlehnt) banna. Ins 
Mlat. entlehnt bannire, woraus franz. bannir, 
wohl auch ital. hanäire (s. Bandit). Ver- 
wandt ist anord. bön f., «Bitte, Gesuch»; man 
vergleicht noch gr. qprmi, cpäcKiu «sprechen», 
lat. färi, fämim, fäbula, arm. han «Wort» (nn 
in hannan müßte dann Präsenssuffix — aus 

nu-, nw sein). Im Germ, wäre das Wort 

auf feierliche Aussprüche von priesterlicher 
oder richterlicher Stelle aus beschränkt. 
Auch an Zusammenhang mit got. handwa f. 
«Zeichen», wofür ital.-span. ban(?o m. «Aufge- 
bot, Bann», ital. bandire «entbieten, bannen» 
(s. Bandit) sprechen könnte, läßt sich den- 
ken (hannan aus *handnan). 

Banner, n. (-s, PL wie Sg.): Heerfahne. 
Spätmhd. hanner, aus mhd. haniere f. n., 
banier (s. Panier), zurückgehend auf franz. 
hanniere f., von afranz. ban «Fahne», eig. 
«Fahnenstreifen, Bande», vgl. -Bande, ital. 



153 



Bannmeile 



Bär 



154 



handiera f., span. handera f., mlat. banderia 
f. ZUS. Bannerherr, m.: mit fremdem 
Bamier belehnter oder ein eignes Banner zu 
führen berechtigter hoher Adeliger. Spätmhd. 
hanyrherre «vexiUifer» Diefenbach Gl. 617*. 

Bannmeile, f.: Weichbild (eine Meile 
große Umgebung) eines Ortes als Gerichts- 
bezirk; Stadtbezirk, innerhalb dessen kein 
Fremder Handel oder Gewerbe treiben darf. 
Mhd. hamnile. Danach franz. hanlieue f. 

Bannwald, m.: gehegter Wald, der der 
freien Benutzung entzogen ist. Frühnhd. 
(vgl. das mhd. gleichbed. hanholz n. und mhd. 
hanwart «Forstaufseher, Flurschütze x>X 

Banse, f. m. (PI. -n)-. weiter Scheunen- 
raum zur Seite der Tenne. Im 15. Jh. in 
md. Quellen hanse m., später z. B. bei Tscher- 
niüg Ged. Fiühling 124 belegt, bei Stieler 1691 
aus dem Thüringischen als Bans, Banse m. ver- 
zeichnet, ^uch im Nd. vorkommend. Dazu 
ags. hös (aus *hans) m. «Krippe», nordengl. 
höose, anord. häss (aus *hans) m. «Krippe 
im Kuhstall», schwed. häs, dän. haas m. 
«Ständerpfosten im Stall»; got. abweichend 
hansts m. «Scheune». Vielleicht urspr. «Ge- 
flecht zur Aufnahme von Getreide» und dann 
zu binden zu stellen (band mit angetretenem 
Suffix -ta- konnte hansa- ergeben), vgl. 
franz. hanse f. «großer Korb». Windisch Idg. 
Forsch. 3, 76 stellt das Wort zu air. bess, 
hes m. «Gewohnheit, Sitte». Im ,aind. ist 
bei Lexikographen hhäsa- «Kuhstall» über- 
liefert. ABL. bansen, v.: in die Banse 
schichten. Bei Stieler 1691. 

bar (früher gewöhnlich haar), adj.: unbe- 
deckt; den Blicken frei (z.B. bares Geld «vor 
Augen aufgezähltes»); durch nichts andres ver- 
deckt, nichts anders als bloß (z. B. bare Er- 
findung): entblößt, gänzlich benommen (z. B. 
aller Ehren h. Schiller Teil 2, 2). Das Wort 
ist in der neuern Dichtersprache hauptsäch- 
lich durch Wieland (vgl. sein Glossar zum 
Oberon) wieder aufgekommen, während es 
ältemhd. fast nur in bezug auf Geld gebraucht 
wird. Mhd. bar (flektiert barer, md. verein- 
zelt, durch Verwinaing der Schreibung, barwer), 
ahd. bar (flektiert barer) ; dazu asächs. (in Zu- 
sammensetzungen) bar, ndl. baar, ags. beer, 
engl, bare, anord. berr, schwed.-dän. bar. Das 
r geht auf s zurück (got. ist baza- zu vex*- 
muten); verwandt sind abulg. hosü, lit. hasas 
«barfüßig», urspr. «nackt», arm. bok aus 
*boskos «nackt». Weiteres bei Walde s. v. 
fänum. 



-bar, Suffix für Adjektive in der Bed. 
«tragend, an sich tragend, bringend», dann 
auch die Möglichkeit bietend zu — , z. B. 
achtbar, dankbar, fruchtbar, kostbar, lastbar. 
Mhd. -beere, ahd. -bäri, urspr. ein selb- 
ständiges Adj., von ahd. heran «tragen» (s. 
gebären) gebildet, vgl. ai. -bharin- «bringend». 
Die Form -bar (dafür älternhd. oft -her, aber 
Luther -bar) hat sich unter Einfluß des Adv. 
mhd. -bare festgesetzt. Die Endung tritt an 
Subst. und Verba, kaum an Adjektive an 
[offenbar geht von mhd. offen n., kündbar 
von Kunde aus). Die Bildungen von Verben, 
wie brauchbar, eßbar, trinkbar, zahlbar gehören 
zum großen Teil erst der neuern Sprache an, 

■"Bär, m. (-es, PI. -e): schwerer Klotz zum 
Einrammen der Pfähle, Eammklotz. Bei He- 
nisch 1616 (mhd. erscheint her f. «Schlag, 
Streich»). Ableitung von mhd. bern «stampfen, 
schlagen», ahd. feeriaw «treten, stampfen» i dazu 
anord. herja «schlagen»), die zu lat. ferire 
«stoßen, schlagen, hauen» stimmen. 

"Bär, m. (-en, PI. -en): das vierfüßige 
Raubtier, lat.ursus; dichtbehaarte Raupe (1721 
bei Frisch Insekt. 2, 38 Bärenraupe) und deren 
Schmetterling; die Sternbilder der große und 
der kleine Bär, d. i. der große und der kleine 
Himmelswagen, 1616 bei Henisch Großbär, 
Xordbär nach griech.-röm. Uberheferung, 
schon bei Homer 'ApKToc «Bär» und äuaEa f. 
«Wagen» für das größere Sternbild. In 
urspr. Bed. bei Dasypodius 1537 Bär, bei 
Luther Beer, mhd. her {Gen. bern), ahd. hero 
m.; dazu ndl. beer fGen. beers), ags. hera, 
engl, hear, anord.-schwed.-dän. (mit ableiten- 
dem n, urspr. nu-) hjörn m. Verwandt ist 
wohl lit. beras «braun», Grundbed. also 
«der braune», wie der Bär auch im Tierepos 
den Namen Brün führt und weiter zu ai. 
bhallas aus *hharlas «Bär», russ. berlöga «Wild- 
lager, Bärenlager», vgl. Uhlenbeck Btr. 20, 37. 
Seit dem 17. Jh. kommt vereinzelt starke 
Flexion vor (besonders im Sg., Lessing 1. 108 
auch PI. Bare). Redensart: einen Bären an- 
binden, s. anbinden. ABL. Bärin, f., mhd. 
herin, älter birin f. 

^ßär, m. {-s, PI. -e): Zuchteber. Mhd.- 
ahd. her m.; dazu asächs. her (in berswin n. 
«Eber»), ndl. beer, ags. här m., engl, hoar 
«Eber». Vgl. auch longobard. pahir, pair als 
zweites Wort in einigen Zusammensetzungen. 
Dunkler Herkunft. 

*Bär, m. (-S, PI. -e): starkgemauerter 
Querdamm mit scharfem Rücken in oder an 



155 



Baracke 



Bardiet 



156 



fließendem Wasser. Wohl nicht entstellt aus 
Wehr n., sondern eher aus mhd. har «Riegel, 
Schranke» (s. Barre). Bei Henisch 1616 neben I 
Barre angeführt (vgl. auch Schmeller'- 1, 257). 

Baracke, f. (PI -n): Feldhütte der Sol- 1 
daten; elendes Gebäude. Aus franz. haraquet 
«Feldlagerhütte» und dies aus ital. haracca f., 
abgeleitet von provenz.-span.-ital. barra f. 
«Querstange». Im 17. Jh. entlehnt. 

Barbar, m. (-en, PI. -en): roher, wilder 
Mensch. Spätmhd. harhar, harher (so auch 
noch älternhd.) aus gr.-lat. bdrharus «Aus- 
länder, Fremder», gr. ßdpßapoc «Nichtgrieche, 
roher, ungeschliffener Mensch», dem substan- 
tivisch gebrauchten Mask. des Adj. ßdpßapoc 
«nichtgiiechisch». Im 17. und 18. Jh. ist B. 
in engrer Bed. «Bewohner Nordafrikas» (bei 
Stieler 1691), dafür jetzt Berber (s, Barber- 
roß). Der Ton lag bis ins 18. Jh. (Uz, Ramler) 
nach gr.-lat. Vorbild auf der ersten Silbe, dann 
drang allmählich die fi'anzösische Betonung auf 
der zweiten Silbe durch (bei Geliert 1, 139 W.). 
Dazu der Name Barbara, volkstümlich Bärbel, 
Bärbchen. ABL. Barbarei, f. A us lat. barbäria 
f. ;< Ausland; üngebildetheit, Roheit». Spämhd. 
barbarie hat nur die 1. Bed., während 1558 
bei Lindener Katzipori Kap. 49 Barbarey im 
abstrakten Sinne steht. Im 16. bis 18. Jh. in 
engrer Bed. «das Land der Berbern, Nord- 
afrika» (1530 bei Seb. Franck Cron. d. Türkey 
L 2^, 1561 bei Maaler), auch die Barbareskeil, 
pl. : die Raubstaaten Algier, Tunis und Tripolis 
(aus dem ital. Adj. barbaresco «berberisch»). 
barbarisch, adj.: ausländisch (spätmhd.); 
roh und grausam (1648 bei Kemnitz schwed. 
Krieg 1, 266^). Nach gr.-lat. barbaricus, gr. 
ßapßapiKÖc «nichtgriechisch, ausländisch, un- 
gesittet». 

Barbe, f. (PI. -n): der Bartfisch aus dem 
Karpfengeschlecht. Mhd. barbe f. ('?), ahd. 
barbo m. aus dem gleichbed. lat. barbus (Au- 
sonius Mosella 94. 134) von lat. barba f. «Bart», 
denn die Barbe zeichnet sich durch vier Bart- 
fäden aus. Aus jenem lat. Wort auch gleichbed. 
ital. barbo, barbio, span. barbo m. und franz. 
barbeau m. (aus dem mlat. Dim. barbellum). 

bärbeißig, adj.: zänkisch, auffahrend. Nach 
Adelung 1774 ein Wort des gemeinen Lebens. 
Wohl nicht zusammengesetzt mit Bär («bissig 
wie ein Bär oder wie ein Bärenbeißer (?)»), 
sondern entstellt aus bernbeißig, zu Bern m. 
«Krippe», Nebenform von Barn (s. d,), also 
eig. vom Pferde gesagt und s. v. a. Krippen- 
beißer (s. d.). 



Barberroß, n.: Pferd aus der Barbarei 
(Schiller Jungfr. v. 0. 5, 11). Barber ist iden- 
tisch mit Barbar (s. d.) und geht hier auf die 
Bewohner der nordafrikanischen Küstenstriche 
(dafür jetzt Berber). Heynatz 1775 kennt noch 
das einfache Bai bar, Barber (mit Ton auf 
der 1. Silbe) für «Pferd aus der Barbarei». 

Barbier, m. (-s,P\.-e): Bartscherer. Aus 
\ franz. barbier, ital. barbiere m., das auf mlat. 
barbarius m. (von barba f. «Bart») beruht. 
Spätmhd. barbierer, das von dem ebenfalls 
spätmhd. Y. barbieren abgeleitet ist, erst 
älternhd. Barbier. Im älternhd. und noch 
jetzt mundartlich auch sehr häufig Baibier 
m. und balbieren v. durch Dissimilation der 
beiden r. 

Barch, m. [-es, PI. Barche) : verschnittenes 
männliches Schwein. Mhd. bare (Gen. barges) 
und barch, ahd. barug und barh; dazu ndl. 
barg, ags. bearg und bearh, engl, barrow, 
anord. börgr m. Im Nhd. schwankt Barch 
und Barg und außerdem Borch und Borg. 
Nicht zu lat. porcus. Wie sich slav, bravü 
«Schöps» oder « geschnittener Eber» dazu ver- 
hält, ist unklar; beide gehören vielleicht zu 
einer Wurzel bher «schlagen», lat. ferire, falls 
die Bedeutung «verschnittenes Tier» die ur- 
spriingliche ist. 

Barchent, m. {-s, PI. -e): auf der einen 
Seite rauhes Baumwollenzeug, dessen Kette 
Leinen ist. Mhd. barchant, barchent, barchat, 
barchet, urspränglicher barkän, aus mlat. bar- 
canus, barracanus «Art Zeug aus Kamelshaaren» 
(Camelot), abgeleitet von arab. barrakän «Art 
langen schwai'zen Gewandes», 

bardauz, (bei Goethe 36,1 12 l.H. baradauz) 
Interj.des schallenden Falles. Lautnachahmend, 
vgl. ndl. pardoes, perdoes, schwed. burdus, 
dän. bardus und weiter zu baiiz! gehörig. 
Bei Lauremberg 2, 693 pardues, bei Grimmeis- 
hausen Vogelnest 1, Kap. 20 pordutz. Ähnlich 
lit. Imrdilngst (Idg. Forsch. 13, 190). 

Barde, m. (-w, PI. -n): altkeltischer Dichter 
und Sänger. Aus kelt.-lat. bardus, ir.-kymr. 
bard. Schon im 17. Jh. auch auf deutsche 
Dichter angewandt (vgl. Schottelius S. 1018 
Barden sind die alten Tichfere oder Poeten 
bey den Teutschen gewesen), seit den 60er 
Jahren des 18. Jh. besonders durch Klop- 
stock üblich geworden. 

bärdeu, s. gebärden. 

Bardiet, n. {-es, PI. -e): altdeutscher 
Kriegsgesang. Durch Klopstock (und zwar 
alsM.) mit der «; Herrmanns Schlacht» (^Ham- 



157 



Bärenbeißer 



barmherzig 



158 



bürg u. Bremen 1769), wo zugleich auf dem 
Titel Ein Bardiet für die Schaubühne (s. auch 
daselbst die Anmerkung S. 138), eingeführt 
(aber fälschlieh als «Bardengesang» genom- 
men), aus germ.-lat. harditus m. «Sehlacht- 
gesang der alten Germanen mit dem zur Ver- 
stärkung des Schalles an den Mund gehaltenen 
Schilde» (Tacitus Germ. 3). 

Bärenbeißer, m. (-s\: Hund besondi-er 
Art zur Bärenhatz. Bei Steinbach 1784. 
Bärendreck, m. {-es}-. Lakritzensaft. In 
der Schweiz, Elsaß, Schwaben usw. Kach 
der Farbe des Arzneimittels. Fiühnhd. 
Bärenhäuter, m. {-s): fauler Nichtstuer: 
verächtlicher, fauler Mensch. Schon im An- 
fang des 16. Jh. (bei Bebel). Der Ausdruck 
beniht auf der Redensart auf der Bärenhaut 
liegen (1579 bei Hans v. Schweinichen 2, 14) 
«ein tatloses Leben führen», eig. von KJriegern, 
di^, die kampflosen Tage auf Fellen hinge- 
streckt, mit Nichtstun verbiingen. Bäreil- 
klan, f.: Pflanzenart mit einer Bärenklaue 
vergleichbaren Blättern oder bärenklauartiger 
Blüte. ^[h.d. bernkläwe, mlat. «brancaursina». 
Bärenlappe (Wieland 20, 216), s. Bärlapp. 

Barett, n. (-es, PI. -e): schirmlose rimde 
oder eckige Kopfbedeckung bei Geistlichen, 
Doktoren usw. Im 15. Jh. harete (1469 voc. 
ex quo), auch hirete, hiret(l4S2YOC. theut. 22**), 
aus mlat. harretum, eig. hirrettum n., ital. 
herretta, franz. barrette f. «Mütze», von lat. 
birrus m., birrum n. «Oberkleid, Mantel, Bi- 
schofskleid». 

Barfrost, m.: Frost ohne das Land be- 
deckenden Schnee. 1663 bei Schottel S. 1281 
baarfrosf. Zu bar. 

barfuß, adj. undadv. : an den Füßen bloß. 
Mhd. barvuo^ xmd (mit Ableitungsendung) 
barvüe^e; dazu mndd, barföt, afries. berföt, 
ags. bcerföt, engl, barefoot, anord. barfätr. 
Eine schon altgerman. Zusammensetzung aus 
bar (s. d.) und dem adjektivisch verwendeten 
Subst. Fuß, vgl. ahd. einfuo^i «einfüßig», 
fiorfuo^i «vierfüßig». ABL. Barfüßer, m. 
(-S, PI. wie Sg.): in bloßen Füßen Gehender; 
Mönch vom Orden des heil. Franziskus. Von 
Luther gebraucht, mhd. dafür barvüe^e m., 
1482 im Voc. theut. c 6 * barfuß m. barfüßig, 
adj., spätmhd. barvüe^ic. 

Barg, s. Barch. 

barhaupt, adj. und adv. : unbedeckten 
Kopfes. Spätmhd. barhoubet. Eme Zusammen- 
setzung, bei der wie in barfuß das Subst, ad- 
jektivisch steht. 



Bariton, m. (s, PI. -e): Singstinune 
zwischen Tenor und Baß, tiefer Tenor, Hoch- 
baß; (um 1700 erfundene j Art Baßgeige. 
Aus dem gleichbed. ital. baritono m., dem M. 
des xVdj. baritono, das auf gr. ßapüxovoc «tief, 
betont» ( ßapüc «schwer, tief» und -tovoc von 
reiveiv «spannen»j beruht. Bei Adelung 1774. 

Barke, f. (PI. -n): kleines Wasserfahr- 
zeug. Mhd. barke f., mit engl, bark und 
anord. barki m. aus spätlat. barca, barica 
(Ableitung von griech. ßäpic «Xachen», ent- 
lehnt aus dem gleichbed. koptisch bari), wo- 
raus auch ital. barca, franz. barque f. 

Bärlapp, m. {-s): die Moosart lycopo- 
dium, deren gelbhcher entzündbarer Samen- 
staub Hexenpulver heißt. In Rößlins Kräu- 
terbuch 1533 als berlapp, bei Alberus Dict. 
EE4* als beerlapp vei-zeichnet. Zusammen- 
ges. aus Bär und ahd. lappo m. «Euder- 
schaufel, unterster breiter Ruderteil», eig. 
xHand» und hier «vorderste Tatze». Dem- 
nach s. V. a. «Vordertatze des Bären» nach 
dem Aussehen der Pflanze, wie diese denn 
auch Löwenfuß, Drudenfuß und neulat. ly- 
copodium «Wolfsfuß» (dän. ulvefod) heißt. 

Bärlatsche, f. (PI. -n): plumper Filz- 
schuh. Obersächsischer Ausdruck, von Gel- 
iert 1, 342 gebraucht. Eig. Latsche «Pan- 
toffel», den man im Gehen am Boden hin- 
schleift, wie der Bär seine Tatzen, von 
latschen (s. d.) «die Füße beim Gehen am 
Boden hinschleifen». 

Barlaufen, s. Barre. 

Bärme, auch Barme f.: Bierhefe; Bier- 
schaum. Xiederd. Wort, frühzeitig auch schon 
im Hochd. (^bei Schönsleder 1618 Bermen). 
Mnd. berm, barm m., ndl. berm m., ags. beorma 
(eo = ahd. e), engl. barm. Entweder zu ahd. 
beran «tragen, tragen machen, sich heben» 
(vgl. gebären), wie Hefe zu heben oder zu 
lat. fermentum n. «Gärung, Sauerteig». 

barmherzig, adj. u. adv.: mild gesinnt 
aus innigem Mitgefühl bei fremdem Leiden: 
solches Mitgefühl erregend (Lessing 1, 461). 
Mhd. barmherzec, mit dem adj. Suffix -ec 
abgeleitet von mhd. barmherze adj. Dieses 
ist nicht zusammengesetzt mit mhd. -ahd. 
barm «Schoß, Busen», sondern muß wegen 
ahd. armherzi, got, armahairts adj. «barm- 
herzig» (^^dazu auch got. arman sik «sich 
erbarmen») aus bi-armherzi erklärt werden 
(vgl, bange, binnen). Es liegen Nachbildungen 
lateinischer Ausdrücke in der christlichen 
Kirchensprache vor, got. arman sik ist zu 



159 



BärniTitter 



Barsch 



160 



arms adj. «arm» gebildet, wie sich lat. misereri 
«erbarmen» zu miser «arm» verhält; ahd. 
arniherzi gebildet nach lat. misericors. Vgl. 
erbarmen. ABL. Barmherzigkeit, f., mhd. 
barmherzecheit 

Bärmutter, f.: Gebärmutter; Mutter- 
beschwerde. Mhd. bermuoter f., zu bern «tra- 
gen, gebären». 

Barn, m, (-s, PI. -e): Krippe, Raufe; 
Abteilung der Scheuei-, wo das Futter auf- 
bewahrt wird. Nur noch in obd.und md. Mund- 
arten (s. auch Paar). Mhd. barn (in späten 
md. Quellen auch hern, vgl. bärbeißig), barne, 
ahd. barno m.; dazu ags. bern n., engl, barn 
«Scheuer». Abzuleiten von dem im Adj. 
barizeins ei'haltenen got. baris m. «Gerste», 
ags. bere m., engl, barley «Gerste», die zu lat. 
far n. «Getreide, Spelt», abg. ferasfwo «Speise» 
stimmen, also eig. «Gerstenfutterbehälter», vgl. 
Banse oder einfacher zur Wz. ber «tragen». 
ABL. Baruheißer, m.: s. v. a. Krippen- 
beißer (s. d.). Vgl. auch bärbeißig. 

harock, adj.: schiefrund; unregelmäßig, 
seltsam, . wunderlich. Aus franz. baroque 
«schiefrund» (von Perlen), dann «sonderbar», 
von portug. barroco m. «rohe, ungleiche 
Perle», eig. «unebener Fels», span. barrucco 
m. «ungleiche runde Perle», berrucco m., 
«Warze, Fels, nicht recht runde Perle», 
deren Herkunft bestritten ist (kaum zu lat. 
Verruca f. «Warze, Auswuchs an Edelsteinen»). 
Zuerst in der 2. Hälfte des 18. Jh. als ba- 
rockisch. 

Barometer, m. n. (-s, PI. wie Sg.): 
Wetterglas. Aus einem gr.-neulat. barome- 
trum n. «(Luft-) Schwermesser», gebildet 
aus gr, ßdpoc n. «Schwere, Druck» imd gr. 
la^xpov n. «Maß, Maßstab». Das Instrument 
wurde von Evangelist a Ton-icelli (f 1647) 
zu Florenz erfunden. 

Baron, m. (-s, PI. -e): Freiherr. Aus 
franz. baron, das mit ital. barone m. zunächst 
auf mlat. baro (Gen. baronis) zuräckgeht. 
Dies ist nicht das altlat. baro m. «Dumm- 
kopf», dann «Troßknecht», sondern entstammt 
dem German., daher häufig in den Volks- 
rechten (auch bei Isidor durch Vermittelung 
des Westgot.) in der Bed. «Mann, Krieger, 
Lehensmann», vgl. mhd. bar «Mann», zu 
anord. bei~jask «streiten», abg. borjq^ «streite». 
Vgl. Uhlenbeck Btr. 19, 329. Mhd. erscheint 
barün m., nur in ndrhein. Quellen baron; 
Baron ist unter dem Einfluß des Nfranz. 
seit dem 16. Jh. herrschend (z.B. bei Rollen- 



hagen Froschm. 3, 1, 4). Der PI. wurde 
fiüher auch schwach gebildet [Baronen bei 
Goethe Reineke 4, 100). 

Barre, f. (PI. -n): Stange; Querstange, 
Riegel; Schlagbaum. Mhd. barre f. «Riegel, 
Schranke» mit mhd. bar f. «Stange, Balke, 
Schranke», ndl. baar, im 16. Jh. ndl. bei 
Kilian 23^ baere f. «repagulum», aus franz. 
barre f., ital.-span. &arra f., mlat. fcarra «Stange, 
Querstange, Schlagbaum». Dies wird von 
Walde s. v. als germanisch angesehen und 
zu lat. forus «Schiffsgang, Sitzreihe, Gang 
um ein Beet, Spielbrett» gestellt. ABL. 
Barlaufen, n.: ein turnerisches Spiel, 1618 
bei Schönsleder parlouffen «cursum certare», 
mhd. die b. loufen\ dazu 1597 ndl. bei Ealian 
de baere jaeghen «cursu ad metas contendere», 
baerenspel «ludus gymnicus». 

Barren, m. (-s, PI. wie Sg.): Stange; 
Metallstange; (durch Jahn eingefühi-t) ein 
Turngerät, das durch zwei Querstangen ge- 
bildet wird. Aus Barre f. (s. d.) entwickelt 
und schon frühnhd. vorhanden (Murner 
Narr. 11, 106). 

Barriere, f (PI. -n): Schlagbaum, Schutz- 
gatter. Aus franz. barriere, ital. barriera f. 
«Schlagbaum», dann «Pfahlwerk zum Schutz», 
aus dem F. eines auf lat. -arius ausgehenden 
Adj., das abgeleitet ist von franz. barre, 
mlat. barra f. (s. Barre). Bei Wächtler 1711. 

Barrikade, f. (PI. -n): Straßensperre 
mittelst Verschanzung. Aus dem gleichbed. 
franz. barricade, ital, barricata f. «Schlag- 
baum, Schutzgatter», span. barricada f, «Ver- 
rammelung gegen feindlichen Angriff», ab- 
geleitet von span. barrica f., franz. barrique 
f. «mit Sand oder Erde gefülltes Schanzfaß 
zum Schutz im Kriege, großes Warenfaß», 
das vielleicht von mlat. barra (s. Barre) aus- 
geht. Im spätem 17. Jh. entlehnt. 

Barsch, m. (-es, V\. Barsche und Barsche), 
selten Bars, Bors (obd. nur weitergebildet 
bärsich, bärsching usw.): ein schmackhafter 
Raubfisch, lat. perca. Mit Dehnung des a und 
Übergang des s nach r in seh aus mhd. (in 
späten md. Quellen) bars, berse und (abge- 
leitet) bersich, spätahd. bersih m.; dazu ndl. 
baars, ags. bcers, bears m., engl, barse, 
aschwed. zusammenges. agborre [rr aus rs, 
Vokal abweichend urspr, u), nschwed. dän. 
aborre m. Man knüpft an die mlat. Be- 
nennung parca, perca an, gr.-lat. perca f., 
gr. Tt^pKri f. d. i. die Dunkelfarbige, denn 
gr. TT^pKoc ist «schwärzlich, dunkelfarbig», 



161 



I)arscli 



Base 



162 



welches Adj. mlat, zu persus, ital. per so, 
franz. pers wurde; doch ist das Wort wohl 
germ. Ursprungs und zu Borste (s. d.) zu 
stellen, der Fisch hieße also nach seinen 
stacheligen Floßfedern «der Borstige». 

barsch, adj. u. adv.: (mundartlich) von 
scharfem Geschmack, ranzig : hart mit Wor- 
ten anfahrend. Ein ndd. Wort (mnd. im 
16. Jh. 'basch aus harsch, noch bei Overbeck 
Ged. 155 hasch im Reim auf rasch, ndl. 
harsch, schwed.-dän. harsk entlehnt), das 
hochd. zuerst von Stieler 1691, dann 1716 
von Ludwig angeführt wird, während es 
Frisch 1741^ und Adelung 1774 (1793 führt 
er es als ein niedersächsisches Provinzial- 
wort in den Bedd. «scharf von Geschmack, 
rauh zum Anfühlen, mürrisch» an) noch 
nicht kennen. In übertragener Bed. wird 
es von Bürger 392 und andern Niederdeut- 
schen verwendet, aber von Heynatz 1796 
noch als nicht schriftsprachlich bezeichnet. 
Die Grundbed. ist jedenfalls «scharf», so 
daß Zusammenhang mit Borste, Bürste, wohl 
auch Barsch (s. d.), wahrscheinlich ist. 

Barschaft, f.: bares Geld. AIhd. har- 
schaft f. (Germ. 28, 360 vom J. 1363). 

Bart, m. {-es, PI. Barte): Kinn- imd 
Backenhaar; dem herabhangenden männlichen 
Kinnhaar Ähnliches. Mit Dehnung des a aus 
mhd.-ahd. hart m.; dazu ndl. haard m., ags.- 
engl. heard m., afries. herd m. (anord. dafür 
skegg n.). Vei-wandt ist abg. hrada, lit. 
harzdä f. und (mit h für dh) lat. harha f. 
«Bart». Vgl. noch Pedersen Idg. Forsch. 5, 
72 f., Walde KZ. 34, 505. Redensart: um des 
Kaisers Bart streiten d. h. um Dinge, die 
sich nicht entscheiden lassen. 

^ Barte, f. (PI. -«): Beil mit breiter 
Schneide (Luther Ps. 74, 6, noch jetzt obd. 
und md.). Mhd. harte, ahd. harta f., dazu 
asächs. harda f., anord. barda f. «Axt». Ab- 
leitung von Bart, weil das Eisen vom Stiel 
in Bartgestalt herabhängt (ebenso anord. 
skeggja f. «Barte» von skegg n. «Bart»); andre 
Auffassung bei Walde s. v. fastigium. Vgl. 
Helleharde. 

^Barte, f. (PI. -w): Fischbeinzahn in der 
oberen Kinnlade des Walfisches. Bes. im PI. 
Barten, entsprechend ndl. baarden, schwed.- 
dän. harder. Auch franz. les harhes, span. 
las harbas zvi franz. harbe f., span. barba f. 
«Bart». Der Xame, weil die aus der oberen 
Kinnlade herabhängenden Zähne den Bart- 
haaren verglichen wurden. 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 3. Anfl. 



Barthel, Kürzung der Personennamen 
Bartholomäus oder Barthold (ndd. füi- Bert- 
hold, s. d.). Redensart: der weiß, wo B. 
den Most holt (schon im 17. Jh.), d. h. er 
versteht sich auf alle Kniffe. Aus der Gauner- 
sprache vgl. DWB. s. V. Most. 

Bartholomäus, Mannsname. Aus gr.- 
lat. BartJiolomaeus, dies aus hebr. bar talmai 
«Sohn des Furchen- oder Landreichen». 

härtig, adj.: einen Bart habend. Dafür 
mhd. hartoht. 

Barütsche, Birütsche, f. (PI. -n): 
halbbedeckter Wagen in Österreich. Aus ital. 
harocdo m. «zweiräderiger Karren», aus dem 
gleichbed. mlat. härrota f., lat. bhota f. 
«leichtes zweiräderiges Fuhrwerk», eig. F. 
des als Subst. gebrauchten Adj. birotus «zwei- 
räderig». Bei Blumauer An. 2, 22 Pirutsch, 
1, 14 Pierutsch n., bei Thümmel Reise 7, 250, 
253 Perutsche f. 

j Bas, m. : «Meister» als ehrende Anrede 
I (des Gesindes an den Herrn, der Gäste an 
den Wirt), auch ndl. haas, dän.-schwed. (ent- 
! lehnt) has «Obmann». Im Friesischen und 
j Westnd. heimisch, 1597 bei Kilian als baes 
'«amicus, herus, paterfamilias» und 1767 im 
brem. Wb. 1, 58 als Baas «Meister» ver- 
zeichnet, später z. B. bei Immermann Münch- 
hausen 2. Buch 5. Kap. Man bringt Bas 
mit Base (s. d.) in Verbindung, so daß es 
urspr. Kosewort für Vater oder Oheim wäre. 

Basalt, m. {-es, PI. -e): dichte, aus Augit, 
Labrador (einer Feldspatart) und Magneteisen 
bestehende vulkanische Felsart. Aus gr.-lat, 
basaltes m. (Phnius hist. nat. 36, 11), urspr. 
afrikanisch. In deutscher Form erst im 18. Jh. 

Basar, m. {-s, PI. -e), (früher Bazar ge- 
schrieben) auch Bäzar (Schiller Br. v. Messina 
V. 813): Reihe kostbarer Warenläden urspr. 
an orientalischen Handelsplätzen. Aus frz. 
bazar ra., das auf persisch häzär «Marktplatz» 
beruht. Schon 1582 bei RauwolfF Reise 36 
Batzar, bei Hulsius Schiffart 15, 61 Basart; 
Jablonsky 1721 erklärt B. als eine aus Kauf- 
mannsläden und Gewölben bestehende Straße, 
später auch in erweiterter Bed. 

hasch, s. barsch. 

Base, f. (PI. -n) : Verwandte, Tante (auch 
als ehi-ende Anrede üblich), Geschwisterkind. 
Mhd. base, ahd. basa f. «Vaterschwester», wäh- 
rend mhd. muome, ahd. muoma f. (?. Muhme) 
«Mutterschwester». Doch schon 1482 im Voc. 
theut. c 6 '"^ und bei Keisersberg J5ase «Vater- und 
Mutterschvvester»,beiTrochusE2'^ eine medder 

11 



163 



Base 



Bastard 



164 



oder wasze, «soror matris», bei Luther Wase 
«Vaters- oder Mutterschwester (7, 230 •"» Jeu.), 
Frau von des Vaters Bruder» (3. Mos. 18, 14), 
aber bei dem gleichzeitigen Alberus Dict. ee 3^ 
was f. «Vaterschwester» und überhaupt «Ver- ; 
wandte» (lat. cognata), auch Fab. 46, 11 Wase, 
Was f. Dies Wase findet sich schon im 10. Jli. 
als wasa und mhd. (bei dem Hessen Herbort 
V. Fi-itzlar) als luase: später noch öfter bei 
"Mittel- und Niederdeutschen (Geliert 3, 335, 
noch Heynatz 1775 erwähnt die Form). Base 
und Wase gehören urspr. wohl der Kinder- 
sprache an und sind vielleicht durch Kürzung j 
aus ahd. faterswestar entstanden, vgl. ags. ! 
faäu, afries. fethe «Vaterschwester» zu Vater, 
vgl. Bas. Anders, aber gar nicht überzeugend 
Wiedemann BB. 27, 225. 

Base, l)asiereu, s. Basis. 

Basilikum, n. ( -s) -. das Königskraut. Das 
gr.-mlat. hasilicum n., eig. das als Subst. ge- 
brauchte N. des lat. Adj. hasiliais, gr. ßaciXiKÖc 
«königlich» (von ßaciXeüc m. «König»). Der 
Name wegen des edlen, gewürzhaften Duftes, 
den das ganze Gewächs von sich gibt. Mhd. 
finden sich die Formen hasilie f., hasilig m. f. 

Basilisk, m. (-en, PI. -671): die fabelhafte, 
Kopf, Flügel und Füße des Hahnes an sich 
tragende Schlange, deren Blick tötet. Mhd. 
hasiliske aus gr.-lat. basüisais, gr. ßaciXicKoc m, 
«die asjatische Königseidechse» (von ßaciA,eüc 
m. «König») und der Name daher, weil man 
sie wegen eines weißen Flecks auf dem Kopf 
als gekrönt ansah (Plinius bist. nat. 8, 33). 

Basis, f. (PI. Basen): Fußgestell, Grund- 
lage, Gnindfläche, Grundlinie, Grund, worauf 
etwas beruht. Mhd. hasis f. aus gr.-lat. hasis f. 
«Fuß-, Untergestell, Grundmauer», gr. ßdcic f. 
«Schritt, Gang», dann «Fuß, Fußsohle, Grund- 
lage, Grundgestell», von ßaiveiv «gehen». Dar- 
aus auch franz. hase f. (das als Base «Scha&t- 
Gesimse» 1716 in Wolifs math. Lex. und 1787 
bei Goethe 31, 112 erscheint). ABL. basieren, 
V.: worauf gründen. Aus franz. haser, einer 
Ableitung von base. Erst um 1800. 

Baß, m. (Gen. Basses, PI. Bässe): die 
tiefste Stimme; dieser Stimme gemäßes großes 
Streich-Tonwerkzeug. Aus dem gleichbed. 
ital. basso m., das auf mlat. bassus «dick, 
fett», dann «niedrig» zurückgeht. Im 15. Jh. 
entlehnt. ABL. Bassist, m. (-ew, PI. -en): 
Baßsänger (1517 bei Trochus prompt. C 4^ 
bassiste m.). 

baß, altertümliches Adv.: besser; mehr, 
leichter, eher; (als Positiv genommen) tüchtig, 



sehr. Mhd. ahd. &aj: dazu asächs. bat, bet, 
ags. bet, anord. betr: got. *batis (nach dem 
Adj. batiza) ist nicht erhalten. Es ist (im 
Westgerm, mit abgefallenem Komparativ- 
suffis) das Adv. zu dem Adj. besser (s. d.), 
als Positiv gilt wohl. Dazu mit Ablaut 
Buße (s. d.). iVls verwandt stellt man hin- 
zu skr. bhadräs «glücklich, vorzüglich», doch 
ist dies wenig wahrscheinlich, da das ind. a 
auf 71 zuiückgeht. 

BaSSiu, n. (-S, PL -.9): Wasser-, Brunnen- 
becken. Aus franz. bassin m. «Becken», das 
mit ital. hacino m. aus dem gleichbed, mlat, 
bacimim n. (s. Becken) beruht. Im 18. Jh. 
entlehnt. 

Bast, m. {-es, PI. -e), selten n. (Bürger 246) : 
die unter der äußern Rinde liegende innere, 
besonders insofern sie zum Binden und Flechten 
dient; als Binde- und Flechtmittel taugliche 
Pflanzenhaut: Haut des Menschen, bei den 
Jägern des Hii-sches usw. ]Mhd. bast m. n. 
(ahd. nicht belegt); dazu ndl. bast m. ags. 
b(Bst m., engl, hast, anord.-schwed. hast n,, 
dän. bast m. Dazu mhd.-ahd. besten «binden, 
schnüren» und (mit Ablaut) &«<os^ «Baststrick», 
wozu auch gehört ital. imbastare, franz. bätir 
(aus hastir) «mit weiten Stichen zusammen- 
nähen, heften», ferner wohl auch span.-ital. 
basto, franz. bat «Saumsattel», vielleicht auch 
ital. bastone, franz. bäton m. «(geschälter, ent- 
basteter) Stab». Vielleicht zu lat. fascia «Binde, 
Band, Bandage», fascis «Bund, Bündel, Paket», 
ir, bask «Halsband», vgl. Walde s, v. Auch 
ist ganz entfernte Verwandtschaft mit bmden 
denkbar, 

basta!: genug! genug davon! Der ital. 
Imp. basta des ital.-mlat. bastare, span.-port. 
bastar «genug sein, him'eichen». Schon 1617 
im teutschen Michel augeführt, 

Bastard, m, {-es, PI, -e): außerehliches 
Kind, besonders das mit einer Uneben- 
bürtigen erzeugte. Mhd. bastart und basthart 
(diese Form auch noch ältemhd.) m. «un- 
echtes Kind», besonders einerseits von hoher 
Herkunft, dann auch unechtes Zeug. Das 
Wort ist aus dem Roman, entlehnt (afranz. 
bastard, jetzt hätard, ital.-span.-portug. bastardo 
m.). Ällat. hastardus m. kommt zuerst in 
der 2. Hälfte des 11. Jh. von Wilhelm dem 
Eroberer, dem natürlichen Sohne des Herzogs 
von der Normandie Robert II. (des Teufels) 
vor. Afranz. bastard zeigt in zweiter Sübe 
das auch sonst als Suffix verwandte deutsche 
-hart, und bast erscheint als selbständiges Wort 



165 



Bastei 



Batzen 



166 



in dem in Urkunden des 13. u. 14. Jh. für 
B. vorkommenden Ausdruck fils de hast. Dies 
afranz. hast «ungesetzliche Ehe» geht zuiiick 
auf mlat. hastmn, franz. hat, ital. hasto (s. Bast) 
« Saumsattel», also B. s. v. a. auf dem Saum- 
sattel Erzeugter, denn Saumsättel dienten den 
Maultiertreibern des Südens, wie z.B. Spaniens 
und der Provence, in Wirtshäusern zu Betten, 
auf denen Verkehr mit Mägden stattfand. 
Vgl. Bankert in seinem Ursprünge. 

Basteijf. (PI. -enj -. Bollwerk einer Festung. 
Spätmhd. hastte aus ital. -mlat. hastia f. von 
mlat. hastire, franz. hätir (fmher hastir) «bauen». 

basteln, v. : kleine Handarbeit machen, 
mangelhaft zurecht machen. Ein der Um- 
gangssprache angehöriges Wort (bei Adelung 
und Campe noch nicht verzeichnet), das aber 
schon seit dem 1-5. Jh. vorkommt (Schmeller - 1, 
297), fi-üher hästeln (hei Stieler 1691 hestelen), 
eig. wohl -dimin. Bildung zu mhd. hesten 
«binden, schnüren» (s. Bast), also «notdürftig 
zusammenbinden, zusammenflicken, oberfläch- 
lich arbeiten». 

Bastion, f. (PI. -en): was Bastei (s. d.). 
Aus franz. hastion nach ital. hastione m., das 
gleichen Ursprungs mit ital. hastia (s. Bastei). 
Im 17. Jh. entlehnt. 

Bastonnade, f. (PI. -n): Tracht Prügel, 
Stocksclaläge. Aus dem gleichbed. fi'anz. 
hastonnade f., das auf ital. hastonata (von 
hastone, franz. häton m. Stock) zurückgeht. 
Schon 1617 im teutschen Michel angeführt. 

Bataillon, n. (-s, PI. -e) -. Kriegsschar als 
größte Abteilung eines Regiments. Aus franz. 
hataillon m. nach ital. hattaglione m., abge- 
leitet von franz. hataille, ital. hataglia f. 
«Schlacht», das auf einem volksmäßig lat. 
hattalia, eig. hatualia (PI. eines Ntr. hatuale 
als Kollektiv) beraht, von lat. hatuere, mit 
Verdoppelung des t später hatfere (woraus 
franz. hattre) «schlagen, kämpfen». 1616 bei 
Wallhausen Kriegsmanual 116. 

Batengel, m. {-s, PI. wie Sg.): heilkräf- 
tiger Gamander: Lachenknoblauch (teucrium 
scordium); Schlüsselblume (primula veris) 
u. a. Umgestaltet aus mhd. hatonie, hatenie, 
batenge, das auf lat. hetonica beruht, viel- 
leicht unter Einfluß eines Dim. hetonieida. 
Die Form Bafhengel schon im 16. -Jh. 

Batist, m. (-es, PI. -e) : feinste Leinwand. 
Aus franz. hatiste f. Der Name soll auf 
Batiste (Baptist) Chambray aus Cantaing zu- 
rückgehen, der im 1.3. Jh. die Leinwandweberei 
in Flandern sehr in Aufnahme brachte. 



batten, V. : wozu helfen, wozu dienlich sein, 
nützen. Unpersönl. es hattet mich «es nützt 
mir». Nur noch mundartlich (in Nieder- und 
dem westlichen Mitteldeutschland, im schwäb.- 
alem. Gebiet, Bayern). Im 16. Jh. wird das Wort 
noch gebraucht von Alberus (auch im Dict. 
11 4* es hatt), Scheidt, Fischart. Mhd. hafen, 
abgeleitet von hate f. (?) «Förderung, Nutzen». 
Mnd.-ndl. baten «helfen, nützen», mnd. hate 
f. n., ndl. haat f. «Vorteil, Gewinn» können 
nur unter der Voraussetzung herangezogen 
werden, daß das Wort aus dem Ndd. ins 
Hd. eingedrungen ist, wofür spricht, daß es 
im Mhd. eine geringe Verbreitung hat (hatten 
bei dem Sachsen Albrecht v. Halberstadt, 
bäte bei Herbort, im Passional und sonst ver- 
einzelt, 1482 im Voc. theut. c 6* bathunge 
«Nutzen» und daselbst qq 2^ das abgeleitete 
hadmen). hatten würde dann zu haß gehören. 
Doch erscheint schon ahd. unpata «unbehilf- 
lich, langsam» und das asächs. gibada f. «Hilfe, 
Trost» scheint für eine Wurzel had (mit hd. 
Verschiebung hat) zu sprechen, vgl. auch nass.- 
hess. unhädem m. «Unheil», hatten wäre dann 
mit den ndd. -ndl., in der Bedeutung über- 
einstimmenden Wörtern nicht verwandt. Ein 
mundartliches (ostfränk.) harten aus *hearten 
«gedeihen» ist fernzuhalten. 

Batterie, f. (PI. -n): Geschützstand; die 
Geschütze eines Geschützstandes; Pfannen- 
deckel am Gewehrschlosse; Flaschenreihe zu 
elektrischen Versuchen. Aus franz. batterie f. 
eisr. «Schläcrerei, Gefecht, schlafende Kriegs- 
schar», aus mlat. hatteria von mlat. hattere, 
franz. hattre «schlagen» (s. Bataillon). 1617 
bei Wallhausen Corp. mil. S. 210 Batterei und 
S. 215 Batterie, 1616 im Kriegsmanual 76 
Batteria und Batterie. 

Bätz, s. Petz. 

^Batzen, m. (-s, PI. wie Sg.): ehedem 
Münze von 4 Kreuzern rheinisch; Geld über- 
haupt, z. B. der hat B. «viel Geld». Früher 
Batze, Gen, Batzen. Um 1492 als kleine 
Münze zu Bern mit dessen Wappen, dem 
Betz (s. Petz) d. i. Bären geprägt (1562 bei 
Mathesius Sar. 234 ** Schweitzer patzen haben 
vom bern oder petzen den namen), darum 
auch früher Betzen. Vgl. Kreuzer, Pappen. 
Doch ist fradich, ob nicht eig. mit "^Batzen 
identisch als «dicke Münze», vgl. Groschen. 

^Batzen, m. (-s, PI. wie Sg.): Klumpen 
von Lehm oder sonst einer weichen, klebrigen 
Masse. Mundartlich (schon frühnhd.), dazu 
auch ein V. batzen «klebrig, weich sein, 

11* 



167 



batzig 



Baner 



168 



zusammenkleben». Vielleicht zu backen (aus 
hackzen, hackezen). 

batzig, s. patzig. 

Bau, m. {-es, PI. Baue, Bauten [s. d.]): 
Bearbeitung des Bodens zu Ertrag und Ge- 
winst, Betrieb der Bergwerke, was gebaut, 
d. h. zum Aufenthalt errichtet oder gemacht 
wird; Handlung des Bauens usw.; (über- 
tragen) Anlage, Gestaltung. ]\Ihd. hü (Gen. 
huwes) m. n., ahd. hü m. : dazu asächs. hü n., 
ndl. houw m., anord. hU n. «Wohnung», 
schwed.-dän. ho n. Von hauen (s. d.). 

Bauch, m. {-es, PL Bäuche): der den 
Magen, übei'haupt die Eingeweide enthal- 
tende Körperteil ; vortretende Wölbung. Mhd. 
hüch (PI. hiuclie), ahd. hüh m. (PI. hühhi); 
dazu ndl. hiiik m., ags. hüc m., anord. hükr 
m. «Leib, Köi-per», schwed. buk m., dän. hug 
«Bauch». Die Herkunft ist vmsicher. Viel- 
leicht ist gr. q)ücKri «Magen, dicker Dai'm», 
aus *q)UTCKri verwandt. Anders Osthoff Bezz. 
Btr. 29, 254 f., der als Urbedeutung «Gefäß 
aus Buchenholz (s. Buche), rundes Gefäß» an- 
sieht, vgl. zur Bedeutungsentwicklung Bottich, 
engl, hody «Körper». ABL. baucheu, refl. 
V.: sich wie ein Bauch biegen, bauchig, ad].: 
bauchai-tig (in Zusammensetzungen häuchig, 
z. B. dick-, großbäuchig), mhd. hücheht, bei 
Stieler 1691 hauchig, beuchig. bäuchlings, 
adv.: auf dem Bauche liegend, mhd. (mit der 
adv. Endung -en) hiuchelingen. ZUS. bauch- 
bläsig, adj.: schweratmend mit Husten ver- 
bunden, von Pferden (1768 bei Moerbeek 
38 <^). Bauchfluß, m.: Durchfall (bei Maa- 
1er 1561). Bauchgrimmen, n.: Leib- 
schmerzen. Mhd. in gleicher Bed. grimme 
m., bei Luther grimmen n. Es liegt jeden- 
falls Vermischung mit mhd. krimmen «knei- 
pen» vor, wie auch daneben Bauchkrimmen 
(noch bei Rückert 2, 141) vorkommt. 

Bauche, f. (PI. -n)-. das Einweichen in 
Lauge. Frühnhd. (bei Montanus 397, 28 die 
Wäsche selbst). Von bauchen oder bau- 
chen, V. : durch Lauge weichen. In Nieder- 
und dem westlichen Mitteldeutschland, so- 
wie im Schwäb.-Alemann. üblich. Spätmhd. 
buchen, hiuchen; dazu rand. büken, engl, huck, 
schwed. byka, dän. byge, böge. Da das Wort 
den altgerm. Dialekten fehlt, denkt man an 
'Entlehnung aus dem Roman. Vgl. afranz. 
buer (mit Verlust eines Gutturals) «bauchen», 
eig. «durch ein mit kleinen Löchern ver- 
sehenes Tuch seihen», zu ital. hucare «ein 
Loch (ital. buca f.) stechen»; dazu noch 



franz. huee f. «das Laugen» (dui*ch Durch- 
laßlöcher), «Waschen mit Lauge», ital. bucato 
m. «Wäsche». Entsprechend gehört Schweiz. 
sechten,hajr. sechteln «laugen» znseihen. Andre 
nehmen besser an, daß die roman. Wörter aus 
dem ndd. büken entlehnt sind, und bringen 
dies mit Bauch in Zusammenhang. Neuer- 
dings geht Osthoff Besz. Btr. 29, 249 von 
einem urgerm. *bük «Buche» aus (im Ablaut 
zu gr. cpriYÖc «Eiche», lat. fägus stehend), 
dessen Bedeutungsentwicklung zu «Gefäß aus 
Buchenholz, Waschkübel» usw. führt.e. 

Bauchfluß, -grimmen, bäuchig, 
bäuchlings, s. Bauch. 

Baude, f. (PI. -n): Hirtenhütte auf den 
Gebirgen von Schlesien, Böhmen und Sachsen. 
Nebenform von Bude (s. d.). Ein schlesisches 
Wort, das Gombert 6, 12 aus schlesischen 
Urkunden des 15. Jh. nachweist; verzeichnet 
1734 bei dem Schlesier Steinbach. Vgl. noch 
Lohmeyer Mitt. der Litauischen lit. Ges. 5, 57. 

bauen, v. : (veraltet) wohnen, bewohnen; 
zum Aufenthalt ei'richten oder herstellen; 
durch Bearbeiten erzeugen, tragbar machen. 
Mhd. hüwen, hiuwen, bouwen (Prät. schwach 
hüte, bouwete, aber Part, stai'k gehüiven, ge- 
bouwen), ahd. büan (Prät. hüta, Part, gi- 
büan); dazu asächs. büan, ndl. bouwen, ags. 
büan «wohnen», anord. büa (Prät. noch stark 
ty'ö)j schwed.-dän. bo «wohnen», got. bauan 
(Prät. bauaida, aber Part, stark bauans) 
«wohnen». Das V. stimmt mit lat. fui «ich 
bin gewesen», gr. qpüeiv «hervorbringen, 
schaffen», qpövai «entstehen, werden», lit. büti, 
aind. hhü «sein». Über die Grundbedeutung 
vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 263 f Vgl. auch 
hin. Das Part.-Prät. lautet älternhd. auch noch 
gehauen (z. B. Moscherosch Phil. 1, 130), wie 
noch jetzt obd., doch hat Luther gebawet. 

■^ Bauer, m. und n. {-s, PI. wie Sg.): 
gegitterter Behälter für sonst wilde Vögel. 
Frtihnhd. Baur. Älhd. hur m. (PI. biure) schon 
in jener Bed., aber ahd. bür m. (PI. büri) «auf- 
erbauter Behälter, Kammer, Zelle, Haus»; 
dazu asächs. hUr, ags. bür n. «Wohnung», 
engl, hotver «Laube, Hütte», anord. bür n. 
«Gemach, Speisekammer», schwed. hur m., 
dän. hur n. «Gemach, Käfig». Mit ableiten- 
dem r von bauen. Das N., das wohl eig. 
dem kollektiven Gehauer (so z. B. schlesisch 
für Bauer) zukommt, tritt erst im 17. Jh. 
auf, doch bleibt das M. üblicher (Adelung 
hat das B. und erklärt das M. für mund- 
artlich). 



169 



Bauer 



baumstark 



170 



^Bauer, m. (s, PI. wie Sg.): Bauender, 
Noch in Äckerhauer, Erbauer. Mhd. hüwaere, 
ahd. hnäri, mittels -er (s. ^-er) ahd. -äri 
abgeleitet von ahd. hüan. Verschieden von 
dem folgenden Bauer. 

^Bauer, m. i-n, PI. -n): wessen Be- 
schäftigung ist Ackerbau zu treiben ; Mensch 
ohne feine Sitten: eine der geringsten Fi- 
guren (der Soldaten) im Schachspiel. Früh- 
nhd. Banr ( Gen. Bauren). ^Ihd. Mir, friiher 
gehür, gebüre (Gren. gehuren, auch gebüres), 
ahd. gibtiro und gibür «Einwohner, Mitbür- 
ger, Landbewohner», gebüdet von gi- hier 
«mit-» und ahd. bv.r <;Wohnung» (s. ^Bauer), 
also eig. «Mit wohner, Dorfgenosse» (vgl. auch 
Nachbar). Die mhd. neben der schwachen 
vorkommende starke Flexion zeigt sich jetzt 
noch im Sg. (Bauers Logau 1, 3, Dat. Bauer 
Schüler TeÜ 2. 1 1. ABL ^Bäuerin, f., mhd. 
gebiurinne.- bäuerisch, bäurisch, adj., 
mhd. gebiuriscli. l)äuerlich, adj., mhd. ge- 
biurlich. Später veraltet, aber von Heynatz 
1796 empfohlen. Bauersame, f.: Gesamt- 
heit der Bauern als Gemeinde. Ein alem. 
Wort, um 1.300 gebürsami (-sami wohl aus 
-*samni entstanden ). Bauerschaft, f., mhd. 
gebürschaft ZUS. Bauersmauu, m., mhd. 
geburman und (Zusammensetzung mit dem 
Gen. des stark flektierenden "Wortes) gebüres 
nmn, PI. gebüres Hufe. Jetzt erscheint Bauers- 
in der Zusammensetzung nur hier und in den 
verwandten Bauersfrau, Bauersleute, sonst 
Bauer- oder Bauern-, wobei letztere Form 
vorgezogen wird, wenn die Abhängigkeit be- 
zeichnet werden soU. z. B. BauernJwf (hei Da- 
svpodiusl537 baurenhoff), Bauernstand (Grim- 
melshausen Simpl. 12 Bauren- Stand), Bauern- 
stolz (beiHenischl616), dagegen Bauerbiirsche, 
Bauermädchen. Bauerwetzel, m.: eine (beim 
Landvolk häufige ) Halsentzündung, die mit 
Geschwulst der Ohr- und Speicheldrüsen ver- 
bunden ist. -wetzet scheint eig. die Bed. von ; 
«Schlag» zu haben (s. Watsche), vgl. mhd. \ 
orwetzelinn. «Ohrfeige» und im 15. .Jh. tanne- 
wetzel m. (entstellt aus tinnewetzel? tinne 
«Schläfe», also eig. «Schlag vor die Schläfe»), 
«eine katarrhalische Seuche». i 

baufällig, adj. u. adv.: mit Einsturz dro- ! 
hend. L'm 1400 pauvelUg von Feldgut s.v. a. 
im Bau verwahrlost, aber 1482 bei Eychmann i 
Aa 1^ buf eiliger «niinosus». | 

Bauflucht, s. Flucht. 

Baukunst, f. Bei Hulsius 1596. 

baulich, adj. u. adv.: gut im Bau, wohl er- 



halten (z. B. im baulichen Stand) ; das Bauen 
betreffend. Mhd. bülicli. biulich ist «zum 
Bauen geeignet, in gutem Bau stehend». Die 
2. Bed. von baulich gehört erst der neuem 
Sprache an. ABL. Baulichkeit, f.: was 
aufgebaut wird, Gebäude, Gestelle (Goethe 
Faust 9027. 16, 43 usw.). Xoch nicht bei 
Adelung und Campe. 

Baum, m. i-es, PI. Bäume): Holzstamm- 
pflanze: Holzstamm. ^Ihä. boum (PI. houme, 
wie auch noch bei Harsdörfer Gespr. 1, 214 
Baume, aber schon Luther mit Umlaut 
Beu-me), ahd. boum m.-. dazu asächs. böm, 
ndl. boom (auch «Deichsel»), afries. bäm, ags. 
beam, engl, heam «Balken, Deichsel x, anord. 
(mit d für g) badmr, got. bagms m. «Baum», 
Die got. imd westgerm. Fonn lassen sich 
vielleicht aus einer Grundform *bagwmü- 
erklären, doch ist das nicht sicher: bauen 
wäre im letzten Grunde verwandt, wenn 
bäum zu gr. qpöua n. «Gewächs» gehört, vgl. 
Johansson Btr. 15, 224. S. noch Grienberger 
Wiener SB. 142, 8, 42. ABL. -bäumen, 
-bäumeu, adj.: in bim-, kirsch-, nußbaumen 
usw. Mhd. ahd. boumin. 

Baumel, f. (PI. -n)-. Schaukel; frei sich 
hin- und herbewegendes Ziergehänge, z. B. 
an der Taschenuhr, am Ohr usw. (im 18. 
Jh.). Von baumeln, v.: hangend sich hin 
und her bewegen (Weise Erzn. 32, bei Stie- 
ler 1691 baumelen). Wohl zu bammeln, bim- 
meln, bummeln (s. d.) gehörig, aber an Baum 
angelehnt, vgl. Damköhler ZfdW. 1, 271. 

bäumen, v.: baumähnlich aufwärts bie- 
gen ( Schiller Kab. u. L. -5, 7), gewöhnlich refl. 
sich b. !Mhd. sich boumen. Vgl. aufbäumen. 

-bäumen, -bäumen, s. Baum. 

Baumgarten, m.: Garten mit Bauman- 
lagen, besonders Obstbaumgaiien. Mhd. boum- 
garte m. Vgl. Bangert. 

Baumöl, n.: Öl aus Oliven d. i. der 
Frucht des Ölbaumes gepreßt. !Mhd. boumöl 
n., bei Luther (3. Mos. 24, 2) Baumöle n. 

Baumschlag, m.: eine Anzahl Bäume; 
die äußere Erscheinung der Bäume, des 
Laubwerks und ihre Wiedergabe bei Malern, 
Kupferstechern usw. In der 2. Bed. bei 
Adelung 1774. S. Schlag. 

Baumschule, f.: Anlage zur Zucht jun- 
ger Bäume. 1640 bei Comenius Sprachen- 
thÜT 93, 382. 

baumstark, adj. und adv.: stark wie 
ein Baum. Frühnhd. (1482 bei Eychmann 
Z 8^ baumstarck machen «robui-are»). 



171 



Baumwolle 



beben 



172 



Baumwolle, f.: die nacli Herodot 3, 106 
aus Indien stammende, auf einer baumartigen 
Staude wachsende Wolle. Mhd. im 12. Jh. 
boumwolle, houmwol (Erec 7703) f. ABL. 
baumwollen, adj., spätmhd. (1380 houm- 
wollen Germ. 28, 360). 

Bausback, s. Pausback. 

Bausch, m. {-es, PI. Bäusche): ausge- 
dehnter Wulst; dickgelegte Verbandleinwand; 
Gebund Stroh. Redensart: in B. und Bogen 
«eins mit dem andern, ohne auf mehr oder 
weniger zu achten», eig. «mit auswärts sich 
dehnender Grenzfläche [B.) und mit einwärts 
biegender (Bogen)». Mhd. Msch m. ist «stump- 
fer, schwellenmachender Schlag, Beule, Sat- 
telschwulst». Von bauschen, v. : wulstartig 
schwellen machen. Mhd. huschen, hiuschen 
«schlagen, schwellen machen». Verwandt ist viel- 
leicht russ. buchnuü «schwellen, sich werfen», 
neuslow. huhnoti «anschwellen», vgl. Wad- 
stein Btr. 22, 240. Spätmhd. und älternhd. er- 
scheint auch hüsen, baMse?? «aufschwellen, her- 
vorstehen, schwelgen» (dazumnd. bilsen, engl. 
house «schlemmen, zechen»), baus f. «schwel- 
lende Fülle» und auch später gehen bausen 
und bauschen nebeneinander (Stieler 1691 
hat bausen und hausten, auch Adelung kennt 
noch bausen, vgl. aufbauschen), huschen steht 
neben hüsen wie mhd. krischen neben kri^en, 
lüschen neben lü^en, Grundbed. wohl «schla- 
gen», wie jetzt noch vielfach mundartlich, 
vgl. noch mhd. hü^en «schwellen», Schweiz. 
hüss «Schlag, Beule». ABL. bauschig, 
adj.: irühnhä. bauschecht. Yg\. a-uch Bauschet 
und Pauschal-. 

Baute, f. (PI. -n): Aufführung eines 
Baues; aufgeführter Bau. Adelung 1774 
führt Bauten als niedersächsischen PI. zu 
Bau an, ebenso Heynatz 1775 als ein kame- 
ralistisches Wort; Jean Paul gebraucht 1801 
den Sg. Baute, ebenso Goethe im Faust 11157. 
Er geht auf mnd. hüwete f. «Bau» (büwete 
n. «Gebäude») zurück, dagegen mhd. mit 
Verschiebung des t gebüwege n. «Gebäude». 
Bauwerk, n.: Erzeugnis der Baukunst, 
Gebäude. Mhd. hüwerc n. (Altd. Pred. 1, 
358, 30 Schönbauh). 

bauz! Interj. des aufschlagenden Falls. 
Aus der mittel- und nordd. ümgangsspi-ache 
1781 bei Kindleben angeführt (1775 bei 
Goethe Götz 3, bei Voß 1, 282). 

baxen, refl. v.: ringend schlagen. Aus 
nd. baksen d. i. baks (Schläge) geben. Aus 
der Umgangssprache bei Kindleben 1781 an- 



geführt (bei Bürger 59, Schiller Fiesko 5, 7, 
Blumauer An. 2, 153, hinausbaxen bei Voß 
1, 277). Vgl. boxen. 

Bayer, m. [-n, PI. -n), Volksname. Mhd. 
Beier, ahd. Baigari, Baigiri, mlat.-germ. 
(seit 6. Jh.) Bajoarius, Bajuvarius, der aus 
Baja oder Bohemum Stammenden, d. i. einer 
von den früher dort angesessenen Marko- 
mannen, auf die der Name des von ihnen 
aus dem Lande vertriebenen Volksstammes 
der Boji allmählich übergegangen war. Da- 
von der Landesname Bayern, mhd. Beiern 
für ze den Beiern, also Dat. PI. des Volks- 
namens, und das Adj. bay[e]risch, mhd. 
heierisch. 

be-, eine untrennbare stets unbetonte 
Zusammensetzungspartikel, die allseitige Ein- 
wirkung, voUe Bewältigung, ein tätiges ein- 
wirkendes Nahesein, endlich bloß Verstär- 
kung des Begriffes des einfachen Wortes 
ausdrückt. Mhd. he-, ahd. hi-, als abge- 
schwächte Form neben bi- Präp. «bei»; 
dazu asächs. hi-, ndl. he-, afries. hi-, ags. 
bi-, he-, engl, be-, got. hi-, im nord. urspr. 
fehlend. Li manchen Wörtern erscheint he- 
zu bloßem h abgeschwächt, s. hange, harm- 
herzig, Beichte, binnen, bleiben, Block. Die 
mit he- zusammengesetzten Verba sind Tran- 
sitiva und gehen zunächst auf Verba, dann 
aber auch auf Subst. und Adjektive zurück, 
indem das vortretende he- hier einerseits 
das Vorhandensein oder Betätigen wovon 
oder das Versehen womit, anderseits das 
Wozumachen ausdrückt; viele der von No- 
minibus gebildeten Verba nehmen nach dem 
Muster der von Adj. auf -ig ausgehenden 
die Endung -igen an, z. B. beschädigen, be- 
kreuzigen, beköstigen. Allen mit he- zu- 
sammengesetzten Substantiven liegen Verba 
gleicher Zusammensetzung zugrunde. 

Beamte, m. (mit adjektivischer Flexion 

ein Beamter, der Beamte, Gen. eines, des 

Beamten , PI. Beamte, die Beamten) : wem 

1 ein Amt übertragen ist. Bei Henisch 1616. 

Von beamt, der verkürzten Form des Part.- 

j Prät. beamtet, von dem frühnhd. V. heamten 

\ «mit einem Amt versehen». 

bearbeiten, v.: Arbeit verwenden auf. 
Spätmhd. erscheint sich h. «sich bemühen», 
was auch das ältere Nhd. noch kennt; Stieler 
1691 hat auch bearbeiten «labores subire», 
die jetzige Bed. bei Frisch 1741. 

beben, V. : in geschwinder Wellenbe- 
wegung sein, besonders starker und nach- 



173 



Becher 



bedenten 



174 



haltiger. Das e der 1. Silbe wird jetzt teils 
oifen (z. B. in Sachsen, danach bei Adelung), 
teils geschlossen gesprochen. Mit e für % 
(bei Luther, fiiiher selten in md. Quellen) 
aus nihd. hilien, ahd. hihen: dazu asächs. 
hitön, ags. heofian, anord. bi/a, schwed. häfva, 
dän. häve. Verwandt ist ai. hhls f. «Furcht», 
dazu das dem Deutschen genau entsprechende 
reduplizierende V. htbheti «er fürchtet sich», 
abg. hojq^ sg «ich fürchte mich», lit. hijoti-s 
«sich fürchten», häime f. «Furcht». Luthers 
heben hat das früliere obd. hidmen (s. d.) ver- 
drängt. ABL. beberu, v. (bei Bürger): 
«heftig beben». Iterative Bildung, entsprechend 
anord. hifm, dän. häire. Bebung, f. (Schiller 
Kab. u. L. 4, 2). 

Becher, m. (-s, PI, wie Sg.): Tiinkge- 
schirr. Mhd. hecher, ahd. hehJiar, hehhari 
m., dazu andd. hikeri, ndl. heker, anord. 
hikarr m.,. schwed. hägare n., dän. hager n. 
Aus mlat. hiccarmm n. (ital. hiccMere m. 
«Glas»), das auf gr. ßiKoc m. «Gefäß» zurück- 
geht. Auch Kelch (s. d.) ist entlehnt. ABL. 
bechern, v. : den Becher weidlich leeren 
(im 18. Jh.). 

Beck, s. hacken. 

Beckelhaube, s. Pickelhaube. 

Becken, n.: flaches scheibenförmiges Ge- 
fäß zum Aufnehmen einer Flüssigkeit; Me- 
tallscheibe zum Aneinanderschlagen in der 
Musik; rundliche Vertiefung zwischen erha- 
ben,en Stellen. Mhd. heckin, hecken, hecke 
n. , ahd, hecchin, hecchi n. Aus spätlat, 
bacclnum n. «Becken» (bei Gregor v. Tours 
9, 28 hacchinon n. «flache hölzerne Schale», 
ital. hacino, franz. hassin m. «Becken»), ab- 
geleitet von bacca f, «Wasserfaß», s. Back. 

bedacht, adj., eig. Part.-Prät. von be- 
denken: gesammelter Gedanken worüber oder 
worauf seiend. IVIhd. heddht. Davon Be- 
dacht, m. IVJbd. heddht f. (in vor- heddht), 
im 15. Jh. auch bedacht m. ABL. bedäch- 
tig, adj. u, adv. jMhd. hedcehtic, ahd. hidäh- 
tic. bedächtlich, adj. u. adv. Als Adv. 
im 15. Jh. z. B. um 1480 im Voc. ine. teut. 
p. 3^ pedechtlich «premeditative». bedacht- 
sam, adv. u. adv. Friihnhd. (Fischart Binenk. 
231 a). 

Bedarf, m. (-es)-, das wozu Erforder- 
liche. Aus dem Präs. von bedürfen gebildet. 
Schon mnd. bedarf, hederf, aus der Kanzlei- 
sprache von Henisch 1616 angeführt, nach 
Adelung 1774 veraltet, doch von Campe Be- 
reicherung 1795 empfohlen. 



bedauern, v,: Leid worüber haben oder 
äußern. Aus mhd. hetüren und (seltener) 
betiuren (unpersönlich, mich hetüret, hetitiret 
eines dinges), das zunächst «tiure (teuer) sein, 
viel kosten, schätzen» bedeutet, dann «hoch 
anschlagen, schwer drücken, verdrießen, Leid 
verursachen». S. ^dauern. Bei den Mttel- 
, deutschen des 17. Jh. gewöhnlich betauren,- 
hetauern, so noch Lessing 2, 167. AJBL. 
bedauerlich, adj., bei Stieler 1691. 

Bede, f. (PI. -%): Abgabe, die ursprüng- 
lich Freie bezahlten. Mit ndd. und westmd, 
d für t entsprechend mhd. bete f, «Bitte», 
dann auch «erbetene Unterstützung, Abgabe», 
besonders der Freien, ahd. heta f. «Bitte» 
zu bitten. Es erscheint z. B. 1417 als bede, 
rente, stüre (Jansen Frankf. Reichskorr. 1, 
305), 1540 bei Alberus Dict. G2^ als hed 
(doch heet pp 4^ und xx 4^^), dann im 
17. Jh. (Stieler Beede und Behte), wähi-end 
hd. Quellen anfangs het, hett (1587 Dasypo- 
dius) haben, das auch später noch vorkommt 
(Goethe Faust 10947 BetW). 

bedenken, v.: von allen Seiten in Ge- 
danken betrachten; (einen) an ihn denkend 
begaben. Refl, sich b.: von allen Seiten Über- 
legung anstellen. ]VIhd. bedenken, ahd. biden- 
chen (in der Bed. «beschenken» erst spätmhd., 
dann mhd. auch in der von «Verdacht auf 
— befallen werden», vgl. Bedenken, bedenk- 
lich). Der Inf, als Subst. Bedenken, n. : Über- 
legung, zweifelnde Überlegung. In der Kanz- 
leisprache des 15. Jh. ABL. bedenklich, 
adj. u. adv.: in zweifelnder Überleguag be- 
fangen; zweifelnde Überlegung hervorrufend. 
Fiühnhd. (Rollenhagen Froschm. 331). ZUS. 

Bedenkzeit, f. Frühnhd. 

bedeuten, v.: zum Verständnis bringen; 
wozu anweisen; Anzeichen wozu sein; Gel- 
tung haben; von Wichtigkeit sein. Mhd, 
bediuten «völlig zum Verständnis bringen, 
geistig woraufhinzeigen, klar anzeigen». Das 
Part.- Präs. bedeutend bed. als Adj. auch 
«von erheblicher Wichtigkeit, ansehnlich» 
(in dieser allgemeinen Bed. namentlich durch 
Goethe aufgekommen, Adelung kennt es nur 
als «Wichtiges anzeigend», wie auch noch 
oft bei Goethe). Davon (mit ausgefallenem 
d) Bedeutenheit f. (Goethe 46, lo 1. H.). 
ABL. bedeutsam, adj. u. adv. Um 1770 
aufgekommen und von Adelimg 1793 als 
neugebildetes Wort verzeichnet; Goethe ver- 
wendet daneben auch deutsam (27, 122). 
Davon Bedeutsamkeit (Goethe 22, 132. 174, 



175 



bedienen 



Beet 



176 



daneben Deutsamkeit N.W. 1, 266). Bedeu- 
tung, f. Mhd. hedmtunge f. ist «Auslegung», 
im 15. Jli. im jetzigen Sinn. 

bedienen, v.-. durch Dienstleistungen 
sorgsam versehen. Frühnhd. Refl. sich wessen 
&.: «ihn, es wozu gebrauchen». In dem älter- 
nhd. bedient sein «dienlich sein» hat bedient 
aktive Bedeutung. Daher Bediente, m. 
(mit adjektivischer Flexion): Dienei'. Im 
17. Jh. (Zesen Ibr. 451). Auch Bediente f. 
(Geliert Lustsp. 273). ABL. Bedienung, 
f., bei Krämer 1678. 

Beding, n., auch m. (-s), fast nur in mit 
dem B.: beschränkende Bestimmung. Bei 
Luther, aus der Kanzleisprache (mhd, dafür 
gedinge n.). Von bedingen, v. : durch Ver- j 
handlung oder als Unterstellung festsetzen; 
beschränkend bestimmen; als etwas Abhän- 
giges, damit Verbundenes, daraus Hervor- 
gehendes usw. notwendig machen. Mhd. &e- 
(irngfew «Vertragsbestimmungen festsetzen», wo- 
für ahd. gidingon oder auch bloß dingön, von 
mhd.-ahd. dinc n. «rechtliche Verhandlung, Ver- 
trag». Die Flexion ist ursprünglich schwach, 
doch dringt seit dem 17. Jh. (bei der 1. Bed. 
des Wortes) auch starke ein, Prät. bedang, 
bedung, Part, bedungen, die Adelung ver- 
langt. S. dingen. ABL. Bedingnis, n. und 
f. (Schiller Kab. 3, 1). Nach Heynatz 1796 
ebd., Adelung unbekannt. Bedingung, f., 
bei Luther. 

bedrängen, v.: allseitig, sehr drängen. 
Mhd. bedrengen und bedrangen. ABL. Be- 
drängnis, f. und n. In der frühnhd. Kanz- 
leisprache bedrengnisse. 
beducht, s. betucht. 

bedünken, v.-. den Umständen nach der 
Ansicht sein, fast nur unpersönlich mich 
bedünkt, bedeucht (s. dünken). Mhd. bedünken, 
bedunken. Fiiiher, namentlich bei Oberdeut- 
schen, auch bedunken (Rückert 3, 126). Da- 
von der Inf. als Subst. Bedunken, n. {-s)\ 
Erachten, Meinung (schon mhd.). ABL. be- 
dünkeln, v. mit dimin. Endung (Goethe 6, 95). 
bedürfen, v. (Präs. bedarf, Prät. bedurfte, 
Part, bedurft, s. dürfen): nötig haben, erfor- 
derlich sein, besonders insofern aus irgend 
einem Mangel der Zweck nicht erreicht werden 
kann. Mlid. bedürfen, bedürfen, ahd. bidurfan. 
ABL. Bedürfnis, n., früher auch f. (Les- 
sing 6, 258). Frühnhd. (1482 im Voo. theut. 
c 6^ bedurfnusse^ «indigentia»). bedürftig, 
adj,, abgeleitet von dem älternhd. Bedurft, 
f. (vgl. Notdurft). Spätmhd. bedurftic. 



beduseln, reÜ. v.: sich ein Räuschchen 

antrinken, s. duseln. 

bedutzt, adj.: betroffen und bestürzt 
wovon (Goethe Clav. 4, 1). Eig. Part.-Prät. 
von dem mit Akk. der Person verbundenen 
mhd. betützen (Frät. betutzte, Part, betutzt) 
«betören, heimlich hintergehen». Yg\. verdutzt. 

beeidigen, v.: eidlich verpflichten. 1618 
bei Schönsleder B 2 ^ beaidigen , neben dem 
schon früher (1580 bei Schwartzenbach Sy- 
nonyma) vorkommenden beeiden. 

beeinträchtigen, v.: (in die Quere 
kommen und so) Eintrag tun. Von älternhd. 
Eintracht (Luther 3. Mos. 13, 48 usw.) statt 
Eintrag m. : ?: Querfäden des Gewebes». S, 
Eintracht und Eintrag. Zuerst 1641 bei 
Schottel S. 489; 1741 bei Frisch als ein 
«seltsames Juristencompositum» verzeichnet, 
auch Adelung 1793 schreibt es nur der 
Rechtssprache Oberdeutschlands zu, dagegen 
empfiehlt es Heynatz 1796. 

beendigen, v.: zu Ende bringen. Bei 
Adelung neben beenden als Kanzleiwort an- 
geführt, von Heynatz 1796 noch beanstandet. 

beerdigen, v.: der Erde übergeben, 
begraben. 1663 bei Schottel S. 1310 be- 
erdigen. 

Beere, f. (PI. -n)-. kleinere fleischige 
Samenkapsel der Pflanzen. Aus dem PI. des 
mhd. N. ber (PI. diu ber, md. auch bere), 
ahd. beri n. ; dazu asächs. beri (in unnberi 
n.), anord. ber, schwed. dän. bär n., got. mit 
dem ursprünglichen s basi (in weinabasi n.), 
ebenso ndd. bes im Dim. besing, ndl. bes f,; 
ags. mit Ableitung berie f., engl, berry, ndl. 
bezie. Vielleicht zu ags. basu «rot», vgl. 
Liden Idg. Forsch. 18, 416. Bei Luther er- 
scheint Bee^-, Beere meist als PI., so noch 
1741 bei Frisch, der einen Sg. Bee^~ n. an- 
setzt [Beere als PI. nicht selten im 18. Jh. 
1 und noch bei Uhland) ; daneben wurde (ver- 
; einzelt schon bei Luther) Bee^', Beere als 
I Sg. eines F. genommen und später dann ein 
PI. Beeren neugebildet (z. B. bei Lohenstein 
Rosen 100, dann 1716 bei Ludwig usw., Beere 
als Sg. verlangt Adelung). 

Beest, n. {-es, PI. -er), die ndd. Form 
für Bestie (s. d.). 

Beet, n. {-es, PI, -e): abgeteiltes Stück 
Gai'tenland zur Anpflanzung. Das Wort ist 
eins mit Bett n. (s. d.), geht aber auf die 
in md. Quelle^ erscheinende Nominativform 
mhd. bet (gleich asächs. bed) statt bette zu- 
rück. Die Scheiduncr entstammt dem Md. 



177 



Beete 



Beffchen 



178 



und wird 1640 von Comenius und 1645 von 
Gueintz (Bette — Behte) gefordert (Beth in 
der angegebenen Bed. bei Opitz 2, 28, Beet 
bei Gryphius Tr. 482). Im 16. u. 17. Jb. 
kommt öfter Beth für Bett vor, während 
anderseits Duez, Ki-ämer, Stieler und selbst 
noch Frisch für Beet auch Bett kennen 
(bei Scbottel 1663 wird wie jetzt unter- 
schieden). Bett bleibt auch später im Obd. 
(bei Haller 63 Gartenbetter). 

Beete, f. (PI. -n): Mangold, rote Rübe. 
Aus lat. beta f. Die mhd. Form des früh 
aufgenommenen Wortes war (mit Verschie- 
bung des lat. t in ^) bie^^e, ahd. bie^a f., 
noch bayr. Bießen f., 1598 bei Colerus Behß, 
1517 bei Trochus Kö*» beißkoel. Die Form 
Bete stammt aus dem Xdd. (bei Frisch 
1741 angeführt), vgl. ndl. beet m., ags. bete 
f., engl. beet. 

befähigen, v.: wozu fähig machen. 1807 
von Campe als von ihm gebildetes Wort 
angeführt. Das Part.-Prät. befähigt als 
Adj.: Fähigkeiten habend. 

befahren, v. (Prät. befahrte): in Gefahr, 
besorgender Furcht wovor sein. Refl. sich 
b. (mit Gen.): besorglich wovor sein, urspr. 
vor Nachstellung, Gefahr. Veraltet, aber noch 
bei Wieland, Bürger, Goethe, Schiller. Spätmhd. 
(in md. Quellen) bevären, zu vären, ahd. fären 
«nachstellen», s. Gefahr. Verschieden von b. 
(Prät. befuhr): «über- und durchfahren», mhd. 
bevarn «erfahren». 

Befang, s. Bifang. 

befangen (Prät. befing, Part, b., s. fangen), 
V.: einschließend, engend umgeben; gefangen 
nehmen. Refl. sich b. womit: sich damit be- 
fassen, zu tun machen. Das Part. Prät. b. 
als Adj. bedeutet auch «eingenommenen, un- 
freien Geistes und dadurch verlegen» (früher 
nur mit Subst., z. B. mit Furcht b., Heynatz 
1796 kennt b. «fassungslos», das Adelung 1793 
noch nicht verzeichnet). Mhd. bevähen, bevän, 
ahd. bifähan «umfangen, einnehmen». 

befassen, v. : dem Umfang nach um- 
schließen und in sich aufnehmen. ]Mhd. be- 
va^j^en «besitzen, befestigen». Refl. sich wo- 
mit b. «sich womit abgeben» (erst bei Ade- 
lung 1774). 

befehden, v.: mit P'ehde, Krieg über- 
ziehen, bekämpfen. Spätmhd. bevehden, von 
Fehde (s. d.). Nach Adelung veraltet, aber 
durch die Dichtersprache wieder aufgekommen. 

Befehl, m. (-es, PI. -e): Willensäußerung 
zur Befolgung. Spätmhd. bevelch m., in md, 
W e i g a n d , Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



Quellen bevel «Empfehlung, Übertragung, Ob- 
sorge». Bei Luther befelh. Von befehlen, 
Imp. befiehl (befelh Luther Ps. 37, 5, befehle 
Goethe 13, 306), Prät. befahl, Konj. beföhle, 
Part, befohlen: übergeben, zu eigen und zu 
Gunst oder Geneigtheit; anvertrauen; als und 
zum Geschäft übergeben oder übertragen; 
seinen Willen äußern zur Befolgung, anheim- 
stellen: durch eine zu befolgende Willens- 
äußerung bestimmen. Bei Luther befelhen, 
obd. im 16. Jh. auch bef eichen. Aus mhd. 
bevelhen, in md. Quellen auch bevelen, ahd. 
bifelahan, bifelhan, in einigen Quellen bifelan; 
dazu asächs. bifelhan, ags. beßolan faus be- 
feollian) «empfehlen, anvertrauen»; im Got. 
ist anafilhan «übergeben, empfehlen». Das 
mhd.-ahd. Wort bed. auch «begraben» (vgl. 
mhd. bivilde füi- bivilhede f. «Begräbnis») d. i. 
gleichsam der Erde oder ( beim Leichenbrande) 
den Flammen zu bedecken oder verbergen 
übergeben; auch asächs. bifelhan ist «der Erde 
bergend übergeben, begraben». Beide Begriffe 
aber «begi'aben» und «verbergen» sind die des 
einfachen ahd. felahan, got. fiUian (auch af-, 
ga-, usfilhan). Auf den Leichenbrand geht 
ahd. valach «er schichtete Holz» (zum Scheiter- 
haufen) und wittifelah «Holzschichte» (zur 
Totenverbrennung). Auch anord. fela bed. 
«verbergen, bedecken». Die Herkunft des 
Wortes ist unsicher, vgl. noch E. Schröder 
AfdA. 23, 156, Wiedemann Bezz. Btr. 28, 21 ff. 
Das Prät. lautet ahd. bifelah, PI. bifiduhin, 
mhd. bevalch, PI. bevulhen, in md. Quellen 
aber auch mit Übertritt zu einer andern Klasse 
(nach stehlen usw.) bevälen, im finihern Nhd 
gewöhnlich befahl, PI. befohlen (o aus mhd. ä 
wie von Schottel S. 579 verlangt wird (noch 
bei Schubart 2, 52), später dann befahl, be 
fahlen mit Ausgleichung, während der Konj 
beföhle das umgelautete o festhält. 

befehligen, v.: den Oberbefehl haben 
dui'ch Befehl beauftragen. Wohl von Befelch 
der obd. Form für Befehl, für die auch Be 
fehlich erscheint, befehligen steht also zu 
nächst für be fehlichen (dies kommt im An 
fanor des 17. Jh. vor, s. Diefenbach-Wülcker 
175), vgl. billig für bülich. Noch Adelung 
bezeichnet befehligen als ein obd. Kanzlei- 
wort; Steinbach 1734 verzeichnet es zuerst. 

Befehlshaber, m. (-s, PL wie Sg.): Den 
Befehl Führender. Bei Luther Neh. 11, 24 
Befelhhaber, mhd. dafür bloß bevelher m. 

Beffchen, n. (s, PI. wie Sg.): die zwei 
länghchen weißen herabhangenden Läppchen 

12 



179 



befinden 



begegnen 



180 



unter dem Kanne des Geistlichen ; (danach seit 
1812) auf beiden Seiten des Gesichtes steif 
emporstehender Halskragen, auch «Vatermör- 
der» genannt. In der 1. Bed. bei Yoß Luise 
2, 99, aus dem Ndd. Mnd. heffe «Chorkappe, 
Chorhut», im 16. Jh. ndl. bei Kilian 48^' leife 
«fellener Mantel, Kragen», neundl. hef m. 
«Kragen, Krägelchen». Vielleicht desselben 
Stammes wie bayr. Beffel m. «vorstehende 
oder überhängende Lippen», auch «Mundstück 
einer IQarinette», älternhd. Befze f. «Lippe», 
ostfries. Beffe, Bef «über die Fensterrahmen 
vorstehendes keilförmiges Gesims». Worte 
mit solcher Bedeutung auch im Roman., spau. 
tefo «mit dicken Lippen, Unterlippe eines 
Pferdes», it. heffare «verspotten», frz. hafouer 
«beschimpfen». 

beflnden,v.: (Prät. befand, FaYt.befunden): 
nach Untersuchung in gewissem Zustand oder 
Verhältnisse wahrnehmen; nach Untersuchung 
dafür halten. Mhd. hevinden, ahd. hifindan 
«finden, erlangen, lernen, durch das Gefühl 
wahrnehmen». Refl. sich h. «an einem Orte 
(wo?) oder in einem Zustande (wie?) sein». 
Frühnhd. Der Inf. als Subst. Befinden, n. 
(-s): Dafürhalten (in nachB.), mhd. hevinden n. 
«Wahrnehmung»; (zu sich b.) Zustand, Ge- 
sundheitszustand (bei Ludwig 1716). ABL. 
befindlich, adj.: an einem Orte sich be- 
findend (im 17. Jh., vgl. Gombert 6, 13 vom 
J. 1644, während im 16. Jh. die Bed. «wahr- 
nehmbar, bemerkenswert» vorkommt, z. B. 
bei Maaler 1561). S. Befund. 

befleißen, v. (Prät. befliß, Part beflissen) : 
mit allem FleLße worauf hin tätig sein. Nur 
in beflissen sein und sich b., meist mit Gen. 
der Sache. Mhd. dafür bloß vli^en, ahd. fli^an. 
S. Fleiß. Daneben das auf das Adj. fleißig 
sich gi-ündende üblichere sich befleißigen 
(bei Luther, wie auch &., mhd. dafür vli^igen). 

befremden, v. : fremdartig, sonderbar be- 
rühren, auffallend erscheinen. In der Kanzlei- 
sprache des 15. Jh. (Janssen Frankf. Reichs- 
korr. 2, 152 v. J. 1461). 

befrieden, gewöhnlich befriedigen, v. : 

durch Umhegen, Umzäunen gegen andre ab- 
schließen und so sicher stellen, schützen und 
schirmen; zufrieden stellen. Mhd. bevriden 
«Sicherheit, Schutz verschaffen, umzäunen», 
von vride m.; im 15. Jh. auch bevridigen. 

befugen, v.: Zuständigkeit wozu geben, 
jesonders rechtskräftige (Ftig), fast nur in 
dem Part. Prät. befugt. Mhd. bevuogen oder 
bevüegen (nur in md. Quelle sich bevügen 



«Befugnis geben»). — - Befugnis, f. selten 
n. (Goethe 47, 165). 1641 bei Schottel S. 334 
Befugniß, aus Lehmanns Spejo". Chron. 1612. 

Befund, m. (-es)-, das Finden wie etwas 
ist. Neues Wort, nach Adelung nur «in einigen 
obd. Gegenden», das aber Heynatz 1796 als 
auch im nd. Geschäftsstil nicht ungewöhnlich 
bezeichnet. Zu befinden. 

begabt, adj. (eig. Part. Prät. von begaben, 
mhd. begäben «mit Gaben ausstatten»): mit 
Geistesgaben ausgestattet (in diesem Sinne 
bei Ludwig 1716 hochbegabet). 

Begängnis, n.:(Leichen-)Bestattung. Mhd. 
begancnisse, begenenisse n. S. begehen. 

begatten, refl.v.: sich geschlechtlich ver- 
einigen (bei Henisch 1616). Mhd. begaten ist 
«passend machen, einrichten, verschaffen», erst 
nhd. (unter Einwirkung von Gatte) «sich vei'- 
mählen, die Ehepflicht erfüllen». 

begeben (Prät. begab, Part, begeben, s. 
geben), v.: (als Trans, veraltet) hin-, über-, 
aufgeben (Rom. 12, 1), mhd. begeben, ahd. 
bigeban «wovon ablassen, hin-, aufgeben». Refl. 
sich b.: sich hin-, dargeben (Rom. 6, 16); (mit 
Gen. der Sache) das Wollen, die Verbindung 
auf etwas hin aufhören lassen, aufgeben, mhd. 
sich b. «sich entäußern», auch «in ein Kloster 
gehen» d. i. die Welt aufgeben; sich wohin 
bewegen und so daselbst gegenwärtig sein; 
in der Zeit wirklich werden (diese beiden 
Bedd. bei Luther). ABL. Begebenheit, f., 
von dem Part. Prät. begeben: das Wirklieh- 
gewordensein in der Zeit (bei Duez 1664; mhd. 
begebenheit f. ist dagegen «Hingebung»). Be- 
gebnis, f. und n. Im 15. Jh. begebnuss. Von 
Adelung als obd. Wort bezeichnet. 

begegnen, v.: (mit Dat., zuweilen Akk., 
z. B. Lessing 6, 215. H. v. Kleist zerbr. Krug 72. 
Goethe 24, 219) entgegen- und so zusammen- 
kommen, zusammentreffen, eig. wie bildlich, 
(mhd. begegenen, begagenen, ahd. bigaganen), 
entgegenkommen, feindlich entgegentreten; 
gegenüber abhaltend tätig sein, entgegen- 
wirken; sich gegen jemand benehmen; zu- 
kommen in der Zeit, vorkommen (bei Luther 
mit Dat., seit Anfang des 18. Jh. auch ohne 
Dat., was Heynatz 1796 als obd. bezeichnet). 
In den 3 ersten Bedd. wird durch Einwir- 
kung von frz. rencontrer auch Jiaben als Hilfs- 
wort verwendet, z. B. Schiller Karlos 3, 3. 
Jungfr. V. Orl. 3, 4 (mit Akk.); Lessing 1, 283, 
Goethe 21, 258. ABL. Begegnis, f. und n., 
1641 bei Schottel S. 334 Begegniß; nach Ade- 
lung und Heynatz 1796 obd. 



181 



begehen 



begnaden 



182 



begehen (Prät. beging, Part, begangen, s. 
gehen ), v. : worauf, worüber, woran Hngehen, 
mhd. begän, begen, ahd. bigän, bigangan: (eig. 
durch feierlichen Aufzug^ verherrlichend ver- 
bringen, feiern (schon mhd.-ahd. ) ; (eine Leiche j 
feierlich zur Erde besorgen, bestatten (auch \ 
mhd.): vollbriagen, ausüben (schon mhd.-ahd.): 
(vom Hengste) bespringen. Eefl. sich b.: sich 
zur Zeugung geschlechtlich vereinigen (im 
17. Jh.); sich im Ungange benehmen. Mhd. 
sich begen, begän «das Leben führen, sich er- 
nähren». Vgl. Begängnis. 

Begehr, n., fi-üher auch m. (-s): die 
innere Regung wonach, sowie die Äußerung 
dieser Regung. ^Ihd. beger f. fso auch ältemhd., 
während bei Luther n. ), in md. Quellen neben 
begir f. n. Von begehren, v. : innere Regung 
wonach haben oder äußern. Mhd. begern, 
neljen einfachem gern, ahd. geron. S. G-ier, 
gern. ABL. begehrlich, adj. u. adv.: Be- 
gehr erweckend; Begehr zeigend. Mhd. be- 
gerlich neben begirlich. In der 2. Bed. nach 
Heynatz 1796 ein sächsisches Wort; es er- 
scheint bei Geliert und TVeiße. 

begeistern, v.: mit lebhaften Vorstel- 
lungen erfüllen, die Einbildungskraft er- 
regen. In diesem Sinne erst im Anfang 
des 18. Jh. aufgekommen (1755 von Dorn- 
blüth S. 154 noch angefochtenj , während 
im 17. Jh. begeistern «mit Geist erfüllen» 
ist (vgl. entgeistern), daneben begeisten (noch 
bei Goethe). Von dem PI. Geister. ABL. 
Begeisterung, f., 1730 in Gottscheds crit. 
Dichtkunst 333 (vgl. Gombert, 7, 11). 

Begier, f.: die innere sinnliche Regung 
wonach. !Mhd. begir f. n., doch häufiger das 
einfache gir f. (s. Gier). ABL. begierig, 
adj. u. adv. Mhd. begirec neben dem ein- 
fachen girec. begierlieh (Goethe 49, 1, 297), 
adj., wie begehrlich (s. d.j. Begierde, f. 
(PI. -n) : wie Begier. Mhd. begirde f. (auch n.) 
neben girde, ahd. girida f., von gehren. 

Begine, f. (-«): Nonne ohne Gelöbnis, 
Laienschwester, auch mit übelm Nebensinn. 
Schon mhd. aus dem gleichbed. ndl. begijn 
nach franz. beguine, wohl benannt nach Lambert 
Le Begue, dem Grtinder derartiger Gemein- 
schaften (im 12. .Jh.). 

Beginn, m. (-es): das erste AVirklich- 
werden. Mhd. begin m. n., ahd. (bei Isidor) 
bighin n. Von beginnen, v.: (in feierliche- 
rer Rede) anfangen. Mhd. beginnen (Prät. 
began neben begunde, begonde, md. auch be- 
gonste, Part, begunnen), ahd. biginnan (Prät. 



bigan, überwiegend bigunda, bigonda, bigunsta, 
Part, aber bigunnan); dazu asächs. biginnan, 
ndl. beginnen, ags beginnan (neben ä-, on- 
ginnan), engl, begin, got. dafür duginnan. 
Da als urspr. Bed. im Ahd. bei biginnan 
(ebenso bei in-ginnan) noch «eröffnen, auf- 
schneiden, spalten» (vgl. franz. entamer «an- 
schneiden, anfangen») hervortritt, hat man 
das V^'ort zu gähnen (s. d.), ahd. ginen ge- 
stellt, also eig. «klaÖ'en machen». Bugge 
Btr. 12,405 abg.pocina^ m. «fange an» (mit Ver- 
schiebung eines idg. k zu gerra. g im Woi-t- 
inlaut). Ausfühi'lich über unser Wort Wiede- 
mann Bezz. Btr. 27, 193if., der es ansprechend 
zu alb. zd «berähre, fange, fange an» stellt. 

5. auch Walde s. v. recens. Das Prät. lautet 
im Alternhd. überwiegend begunte, begonte, 
bei Luther auch begunste, begonste. begunte 
erscheint oft im 17. und im 18. Jh., z. B. 
noch bei Freyer 1737, begonte, begonnte wird 
noch von Adelung bevorzugt vor began (das 
Gottsched vei'langt), es ist auch bei den Klas- 
sikern sehi- gewöhnlich (Geliert, Lessing, Wie- 
land, Goethe Faust 31 76, selbst noch Rückertl, 
342). Das starke Prät. begann hat im PI. mhd. 
begunnen, alternhd. begonnen, daraus erklärt 
sich ein noch im 18. Jh. vorkommender Sg. 
begonn (Wieland 21, 19. SchiUer Räuber 5, 1). 
Der Konj. mhd. begünne lautet noch jetzt be- 
gönne, seltener begänne. Das Part, fast nur 
stark begonnen (füi- begunnen). Das Wort gut 
schon im 17. Jh. als veraltet, wieder auf- 
gekommen durch die neuere Dichtersprache. 

beglanben (Goethe 3, 6), häufiger be- 
glaubigen, V.: glaubwürdig machen, zu 
Glauben bestätigen. Das Part.-Prät. beglaubt: 
glaubwürdig gemacht, sicher zu glaubend; 
Glauben bestätigt; im Glauben seiend (Wie- 
land Idris 5, 115). beglaubigen schließt sich 
an das Adj. glaubig an. Beide Verba er- 
scheinen am Anfang des 17. Jh. (beglauben 
bei Henisch 1616, beglaubigen von Gombert 

6, 13 V. J. 1618 nachgewiesen). 
begleiten, v.: mit und bei jemand oder 

etwas zugleich sich fortbewegen; musikalisch 
mitspielend ergänzen. Aus be-ge-leiten. Bei 
Henisch 1616, während in gleicher Bed. mhd. 
beleiten, ahd. bileiten, bei Luther geleiten. 

begnaden, häufiger begnadigen, v.: 
mit, aus Gnade begaben; über jemand Gnade 
für Recht ergehen lassen. Das 1. Verb mhd. 
begnaden, jetzt namentlich noch im Part.- 
Prät. begnadet (Goethe 16, 324, hochhegnadet 
bei Schiller 11, 252). Für begnadigen er- 

12* 



183 



begnügen 



behalten 



184 



scheint älternhd. begnadigen, abgeleitet von 
dem Adj. gnädig (begnadigen bei Duez 1642). 

begnügen, v. (mit Dat.): genug sein; 
zufrieden stellen. IVIbd. begeniiegen, gewöhnlich 
aber einfacher benüegen (auch bei Luther noch 
häufig benügen). Jetzt fast nur refl. sich b.: 
für sich genug haben oder sein. 

begraben, v. : eingrabend mit Erde be- 
decken: verbergend zudecken. Mhd. begraben, 
ahd. bigraban, entsprechend asächs. bigraban, 
ags. bigrafan, aber got. bigraban ist «mit 
einem Graben umgeben». ABL. Begräb- 
nis, n., selten f. (Job. 12, 7): Leichenver- 
senkung in die Erde, Totenbestattung. Mhd. 
begrebnisse f. u. n. 

begreifen, v.: mit den äußersten Glie- 
dern des Leibes (Händen, Füßen) fühlend 
anrühren oder fassen (l. Mos. 27, 21); er- 
greifen; umfassen; in sich fassen; geistig 
fassen oder in sich aufnehmen. Mhd. be- 
grifen, ahd. bigrifan «fühlend betasten, um- 
fassen, in Worte zusammenfassen, in sich 
fassen», mhd. besonders bei den Mystikern 
auch «geistig auffassen» und «in sich auf- 
nehmen», begriffen sein: die Ausführung 
von etwas aufnehmen, daran sein es zu tun. 
— ABL. begreiflich, adj.: geistig auf- 
zufassend. Mhd. begrtfelich. Begriff, m. 
{-es, PI. -e) : räumliches Umfassen, räumlicher 
Umfang, mhd. begrif: Zusammenfassung: gei- 
stige Auffassung; Umfang und Inhalt einer 
Vorstellung (so schon bei den Mystikern, in der 
neuern philosophischen Sprache wohl durch 
Christian Woltf, f 1754, üblich gewoi-den); das 
Daransein etwas zu tun [im Begriffe sein, erst 
bei Steinbach 1734 verzeichnet. 

begünstigen, v.: einem seine Gmist zu- 
wenden. Ausgehend von dem Adj. günstig. 
Bei Henisch 1616, älternhd. auch begunsten. 

begüten (Goethe Faust 8276), häufiger 
begütigen, v. : in gute Stimmung versetzen, 
besänftigen. Mhd. begüeten ist «gut machen, 
mit Gütern versehen» (wofür jetzt begütern), 
das von dem Adj. gütig abgeleitete begütigen 
erscheint frühnhd. zunächst in der Bed. «gut 
machen», bei Dasypodius 1537 in der jetzigen. 

behaart, adj.: mit Haaren bewachsen. 
Ahd. dafür gihäret. Das V. behären bed. 
im Mhd. «der Haare durch Ausraufen be- 
rauben», dagegen kommt behär in der Bed. 
von behaart vor. behaaret bei Duez 1642. 

behaben, refl. v.: sich verhalten auf 
jemand oder etwas hin, sich benehmen. Mhd. 
behaben, ahd. bihaben ist «in sich fassen, be- 



halten, fest halten, behaupten, in Bestand 
erhalten», mhd. sich b. «an sich halten, sich 
behaupten». Das nhd. sich b. gehört urspr. 
nur der Umgangssprache an (Campe, der es 
zuerst anfühi't, bezeichnet es als niedrig) und 
ist von Goethe (28, 38, 4, 286) in die Schrift- 
sprache eingeführt worden. 

behäbig, adj. u. adv.: sich wohl haltend, 
Wohlhabenheit zeigend. Von behaben. Spät- 
mhd. bloß das einfache habig, hebig, auch 
gehebig «besitzend, wohlhabend», ahd. in Zu- 
sammensetzungen -habig «haltend, -haft», vgl. 
auch ungahab «inops». Frühnhd. erscheint 
behebig (auch beheb) als «fest-, zuräckhaltend, 
karg» (doch bei Dasypodius 153 wolhäbig 
«opulentus»), die jetzige Bed. von behäbig, die 
jedenfalls in der Umgangssprache lebte, zuerst 
bei Goethe 49, 1, 264, während sie Frisch, 
Adelung und noch Campe nicht kennen. 

behaft (Matth. 4, 24. Luc. 4, 38. Joh. 
ö, 4), jetzt gewöhnlich behaftet, adj.: fest- 
gehalten von etwas, eig. festgeheftet, daim 
besessen. Mhd. behaft (mit Rückumlaut) 
und beheftet (md. auch behaftet), ahd. bihaft 
und beheftet (bei Notker), sind das Part. 
Prät. von beheften, ahd. biheften «zusammen- 
heften, fest heften, fest halten, zu etwas 
verbinden oder verpflichten, womit beschwe- 
ren», behaftet (als Part. Prät. von behaften) 
schon bei Maaler 1561. 

behagen, v.: (mit Dat. der Person) zu- 
sagende, wohltuende Empfindung erregen. 
Mhd. (namentlich in md. Quellen) behagen, 
ahd. nicht vorhanden; dazu asächs. behagön 
«günstig sein», mnd. behagen «gefallen» ndl. 
behagen, afries. bihagia, ags. in andrer Zu- 
sammensetzung onhagian «passen, gelegen 
sein», anord. bloß haga «einrichten, geraten, 
passen» (vgl. auch hagr «geschickt» und 
das ablautende höegr «behaglich, angenehm»). 
Das ahd. Part.-Prät. kihagan «gehegt», mhd. 
behagen (ui'spr. starkes Part.-Prät.) «frisch, 
freudig, stattlich», weist auf ein starkes V. 
hagan in der Bed. «schützen, hegen» hin. 
Verwandt sind Hag, hegen (s. d.); belmgen 
ist also eig. «sich geschützt», dann «bequem 
und fröhlich fühlen». ABL. behaglich, 
adj. Mhd. behegelich, auch älternhd. behaglich 
(behaglich bei Krämer 1678, doch wird be- 
haglich noch bei Adelung und Heynatz er- 
wähnt und von Goethe oft gebraucht). 

behalten, v.: innehalten, nicht weg- 
geben, in Bewahrung haben, geistig fest- 
halten, nicht vergessen. Mhd. behalten, ahd. 



185 



behandeln 



Behör 



186 



bihaltan (dazu asächs. hiJialdan, ags. bihealdan) 
«für und in sich haben und bewahren, in 
Obhut haben, rein erhalten, hegen und pfle- 
gen, beobachten, bewachen», im Mhd. auch 
«beherbergen, bewii-ten», ndl. hehouden «be- 
wahren», engl. heJwld «genau schauen, be- 
trachten». Die Bed. «im Gedächtnis bewah- 
ren», erscheint bei Luther. ABL. Behälter, 
m. (-S, PI. wie Sg.) selten n. (Goethe Faust 
1473): Gerät, Ort etwas aufzunehmen und auf- 
zubewahren. Spätmhd. beheiter. Verschieden 
von Behalter «Bewahrer», mhd. hehaltcere, 
ahd. bihaltäri m. Behältnis, n.: wie Be- 
hälter. Um 1480 im Voc. ine. teut. p4^j)e- 
haltniß «reservatorium», während mhd. hehalt- 
nisse f. «Erhaltung, Gewahrsam, Sicherheit», 
ahd. bihaltnissi n. «Wahrnehmung» ist. he- 
haltsam, adj.: fähig etwas im Gedächtnis 
festzuhalten. Bei Henisch 1616, wähi'endmhd. 
behaltsam «heilsam» bedeutet. 

behandeln, v.: (veraltet) mit den Hän- 
den beai'beiten; überhaupt bearbeiten, sich 
womit beschäftigen; sich im Verkehr gegen 
jemand zeigen. Bei Krämer 1678 behandelen, 
in der 3. Bed. bei Adelung 1774. 

hehändigen, v.: einem andern eig. in 
seine Hand übergeben. Dafür mhd. behenden, 
abgeleitet von Jiant; gegen Ende des 15. Jh. 
erscheint in der Kanzleisprache behendigen, 
das 1524 von Luther (Bindseil 7, 315) als 
neues Wort angefochten wird. 

behaupten, v.: (siegreich) abwehrend 
einen Besitz festhalten ; beharrlich festhalten ; 1 
eine Ansicht mit Entschiedenheit (und urspr. j 
erfolgi'cich) vertreten. Mhd. behoubeten ist , 
«enthaupten», aber im 14. Jh. auch «fest- 
halten» (vgl. das einfache houbeten «als Herrn I 
anerkennen, ansehen»). Eig. «sich als Herr 
{Haupt) von etwas zeigen». Das Wort ist von 
Oberdeutschiand aus vorgedrungen, Luther 
gebraucht es nicht, dagegen hat es Maaler 
1561. In der 3. Bed. findet sich im 16. Jh. ein- 
faches haupten (Fischart Binenk. 8^), Maaler 
kennt behaupten in Beziehung auf Rechts- 
händel {causam teuer e), bei Schönsleder, Duez, 
Krämer ei'scheint es in der Bed. «dartun, be- 
weisen», abgeschwächt dann zu «aufrecht 
halten, verteidigen». Vgl. mnd. behoveden 
«bekräftigen vor Gericht». 

Behelf, m.: Hilfe Gewährendes in Er- 
mangelung von Besserm. Spätmhd. behelf m. 
«Ausflucht, Vorwand, Zuflucht», auch mnd. 
behelp m. «Hilfe, Vorwand, Ausrede». Noch 
von Adelung 1793 als Rechtsausdruck in der 



I Bed. «Ausflucht» angeführt, später dann all- 
gemeiner gebraucht. Vonbehelfen,v.: durch 
\ Hilfe fördern, mhd. behelfen, jetzt nur refl. 
j sich behelfen : womit ausreichen in Ermange- 
, lung voü Besserm (mhd. sich behelfen «sich 
einer Aushilfe bedienen»). 

behelligen, v.: bemühen, beschwerlich 
fallen. 1616 bei Henisch. Zusammenges. mit 
; helligen, mhd. helligen, von heilig (s. d.), 

behende, adj. u. adv.: geschwind mit 
Leichtigkeit und Gewandtheit. Mhd. behende 
I (von Sachen) «bequem zu handhabend», (von 
1 Personen) «geschickt, gefügig, fertig wozu». 
Nicht entstanden aus bihende «bei der Hand», 
j woraus allerdings auch mhd. behende wurde, 
j sondern wie mhd. gehende «bereit» (gleich zur 
Hand) zusammenges. mit einem von haut f. 
abgeleiteten, in Zusammensetzungen übhchen 
mhd. -hende, ahd. -henti. ABL. Behendig- 
keit, f., mhd. behendecheit, beheyidekeit, abge- 
leitet von demAdj.&eÄew(Zec, älternhd. fee/ie/u/«^. 

beherzigen, v. : sich zu Herzen nehmen. 
In der frühnhd. Kanzleisprache von Herz mit 
angetretenem -ig- gebildet (1507 bei Wilwolt 
V. Schaumburg 116, Janssen Frankf. Reichs- 
korr. 1, 772 v. J. 1509), aber 1524 von Luther 
(Bindseil 7, 315) angefochten. Älternhd. in 
gleicher Bed. auch beherzen. Mhd. beherzen 
aber ist «zu Herzen gehen, Herz haben, stand- 
haft sein». Davon das Part. Prät. beherzt: 
ein unei-schrockenes Herz, Mannheit besitzend. 
Spätmhd. beherzt, daneben beherze, geherze. 

behilflich, adj. u. adv.: wozu Hilfe lei- 
stend. Spätmhd. erscheint in md. Quellen 
behulfelich, behul flieh, dem behül flieh bei 
Luther, Alberus (Fab. 18, 218) usw. ent- 
spricht, abgeleitet von frühahd. Behülfn. (da- 
zu mnd. behtdp) «Beihilfe» (in obd. Quellen 
dafür Behilf m., wahrscheinlich mit Vertau- 
schung von i und ü). behilflich erscheint 
finihnhd. in obd. Quellen, findet aber in die 
Wörterbücher keinen Eingang und hat erst 
neuerdings behülflich (noch bei Adelung und 
Campe allein angeführt) zuräckgedrängt. 

Behör, f.: wozu gehörige Sache. Im 
16. Jh. — Behörde, f. (PI. -n): wie Be- 
hör; was gehörig, angemessen ist (vgl. mnd. 
behörde f. «Gebühr», in dieser Bed. bei Frisch 
1741, auch bei Adelung u. Heynatz); Ort wo 
etwas hingehört; die zuständige Gerichts-, 
Verwaltungsstelle. Das Wort scheint sich im 
18. Jh. von den nordd. Kanzleien aus ver- 
breitet zu haben; in der letzten Bed. ist es 
Adelung und Heynatz ganz geläufig, während 



187 



Behuf 



beide 



188 



es ältere Wörterbücher wie Ludwig und 
Steinbach noch gar nicht aufführen. Von 
älternhd.l)ehÖreil «gehören, gebühren», mhd. 
heho&ren in zuo hehce^'en «zugehöreu». 

Behuf, m. {-es, PI. -e): Erfordernis zum 
Zwecke, fördernder Zweck, fast nur noch in 
zum B. Mhd. (in md. Quellen) hehuof m. 
«das zum Gelingen einer Sache Nötige», dann 
«Geschäft» (für einen Zweck Betriebenes), 
«Nutzen, Vorteü, Zweck, Absicht, Förder- 
liches»; dazu mnd. hehöf f. n. «Notdurft», 
ndl. hehoefn., ags. heköf-lic «notwendig», engl. 
tehoof «Vorteil». Zu dem V. mhd. beheben 
(früher heheferi), ahd. Mheffen «erlangen, er- 
werben». Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 224. 
Das Wort fehlt im 16. Jh. bei Luther und 
in den obd. Quellen (doch kennt es Hans 
Sachs), dringt aber im 16. u. 17. Jh. vom 
Md. aus zunächst in die Kanzleien ein (1598 
beim Herzog v. Braunschweig Susanna 4, 2 
zu dero hehuff), 1678 bei Krämer. Der Gen. 
Sg. behufs als Adv. und dann als Präp. 
mit Gen. ist durch den Kanzleistil eingeführt 
(von Heynatz 1796 erwähnt). 

behülflich, s. behilflich. 

behutsam, adj. u. adv.: sich hütend, vor- 
sichtig. Frühnhd. Von dem älternhd. Subst. 
Behut, f.: Vorsicht. 

bei, Präp. mit Dat.: in der Nähe oder 
in der Gegenwart von — , unfern von — ; 
ohne Entfernung und selbst ungetrennt von — 
(z. B. bei Gelde sein, Pfeiler bei Pfeiler zer- 
borst) ; in zeitlicher Verbindung mit — , wäh- 
rend: in Verbindung mit — , in fester Be- 
ziehung auf — z. B. beim Kleide fassen, hei 
Gott schwären). In der Volkssprache und 
bei einigen nhd. Schriftstellei-n (Luther 1. Mos. 
37, 18. 4. Mos. 1, 52. Matth. 26, 58 usw. Klop- 
stockMess.r2, 173. Goethe 28, 38, l.H. Weimar 
verändert, 43, 102) findet sich auch bei mit 
Akk. (auf die Frage wohin): in die Nähe 
oder in die Gegenwart von — . Bei Zahlen 
ist bei s.v. a. «ungefähr, um und nicht ganz» 
(gleichsam nahe an), z. B. bei 10 Gulden: 
auch hier zuweilen mit Akk. (Apostelg. 19, 34). 
Mhd. bi (mit Dat., zuweilen Akk., nament- 
lich bei Md.), ahd. bi (mit Dat. und Akk.); 
dazu asächs. bi (mit Dat. und Akk.), ndl. bij, 
ags. bi (mit Dat.), engl, by, got. bi «ringsum, 
in Beziehung auf, gemäß», selten «bei, an» 
(mit Dat. und Akk.). Urspr. identisch ist 
das in der Zusammensetzimg abgeschwächte 
&e-, mhd. he-, ahd. hi-. Die Bed. des Wortes 
im Got. weist auf Verwandtschaft mit orr. 



äpLcpi, lat. ambi- «umher, um» hin und weiter 
mit tcm, ahd. umbi, skr. abhi «zu, gegen, um», 
wahrscheinlich auch mit lat. o& «tresen, airf — 

DO 7 

hin», s. Walde s. v. amb. Li Zusammen- 
setzungen ist bei Adv. und hat als erstes 
Wort in Subst., Adjektiven vmd Verben, so- 
wie als letztes in Adverbien den Ton. 

Beichte, f. (PI. -n)-. Sündenbekenntnis. 
Aus mhd. biht, zusammengezogen aus begiht, 
ahd. bigiht, bijiht f. «Bekenntnis», vom 12. Jh. 
an vorzugsweise «Sündenbekenntnis». Zu mhd. 
bejehen, ahd. bijehan, bigehan «bekennen», von 
mhd. jehen, ahd. jehnn, gehan «sagen» (s. 
Gicht ^). Älternhd. meist Beicht; Beichte, 
schon bei Luther, dann von Stieler 1691 an- 
gesetzt und im 19. Jh. durchdringend (Ade- 
lung 1793 kennt nur Beicht), scheint dem 
abgeleiteten mhd. bihfe, begihte, ahd. (einmal) 
higihti f. zu entsprechen. ÄBL. beichten, 
V., mhd. bihten, für das veraltete bejehen ein- 
getreten. Beichtiger, m. [-s, PI. wie Sg.): 
der Beichte Hörende, mhd. hihtegoere, abge- 
leitet von einem auf das Adj. bihtec, ahd. 
bijihtic «sündenbekennend» zurückgehenden 
Verbum. ZUS. Beichtkind, n.: der Beich- 
tende. Fiäihnhd. (um 1480 im Voc. ine. teut. 
p 4* peichtkind). Beichtstuhl, m., fiühnhd. 
(ßingwald getr. Eckh. J 4). Beichtvater, 
m.: Beichtiger, mhd. (bei den Mystikern) 
bihtvater m. 

beide, PI.: zwei zusammen. Ln N. auch 
ein Sg. beides, doch nur alleinstehend. Mhd. 
beide und bede, N. beidiu und bediu, ahd. 
M. bede und beide, F. bedo und beido, N. 
beidiu und bediu. Eine einfachere Bildung 
zeigt got. bai, N. ba, ags. M. hegen, F. bä, 
N. hü, dazu auch anord. Gen. heggja. Dies 
entspricht der 2. Silbe von gr. äjuqpuj, lat. 
ambo, abg. oba, lit. ahü, aiud. (Dual.) M. 
ubhäu, F. N. MÖÄe' «beide». Ln deutschen beide 
ist dies Pronomen mit dem Artikel verbun- 
den (vgl. got. ha ßö skipa «beide Schifle») und 
zwar geht beim M. bede auf be de, beim N. 
beidiu auf bei diu zurück, durch Ausgleichung 
dann auch beide, bediu : entsprechend (mit 
Verallgemeinerung der Mask.-Porm) asächs. 
bethia, N. bethiu, engl, botk (o aus a), anord. 
M. bädir, F. hädkir, N. h(^di: ndl. wie nhd. 
beide. In Mundarten findet sich jetzt noch 
Unterscheidung der 3 Geschlechter, z.B.wetter- 
auisch M. bid, F. büd, N. häd, bayr. M. hed, 
F. böd, N. heid. Während sich ein F. hode 
hterarisch nicht nachweisen läßt, ist das M. 
in der ursprünglichen Form bede im älteren 



I 



189 



beieinander 



beilegen 



190 



Obd. häufig, bei Ölinger S. 28 angegeben, 
noch im 17. Jh. bei Harsdörfer Gespr. 2, 17, 
im 18. bei Schubart 2, 302: auch Dornblüth 262 
giht bedeyoY beide denXovzug. ZUS. beider- 
lei, adv. in beider Art. Bei Luther. S. -lei. 
beiderseits, adv.: von, nach beiden Seiten. 
Mit angetretenem -s (schon bei Luther) aus 
mhd. heder, heider sit, das gekürzt ist aus 
ze heder, heider Sit, auch in, üf beider Sit, 
worin beder eig. der Gen, PI. ist. Von dem 
altern heider seit das Adj. beiderseitig 
(Gombert 7, 11 aus dem 17. Jh. bei Lohen - 
stein und Caniz). Beiderwaud, m. (-s): 
Zeug aus zwei Stoffen, aus Leinwand, die 
den Zettel, und aiis Wolle, die den Einschlag 
bildet. 1741 bei Frisch Beider- Wand, 1790 
bei J. G. Müller Straußfedern 2, 16 Beier- 
wand, noch mundartlich entstellt in Hessen 
und Thüringen. Wand «Tuch», wie in Lein- 
wand, Gewand, beidlebig, adj.: sowohl im 
Wasser als auf dem Lande lebend. Nachbil- 
dung des gr.-lat. amphibium. Bei Krämer 1678. 
beieinander, adv. : das zusammengescho- 
bene hei einander, mhd. bi einander, mit vor- 
geiückter Präposition (vgl. auseinander). 

beiern, v. : den Rand der ruhenden Glocken 
mit den Klöpfeln durch befestigte Seile takt- 
mäßig anschlagen. Bei Yoß Ged. 1, 11. Aus 
dem Ndd., wo im 16. Jh. heyeren (ZfdA. 
3, 91), ndl. beieren «mit dem Klöpfel (ndl. 
beiaert) an die Glocke schlagen». Dunklen I 
üz'sprungs. i 

Beierwand, s. Beiderwand. i 

Beifall, m. (-s): (urspr.) das Sichweg- 
wenden von einer Partei zur andern: Zu- 
stimmung. In beiden Bedd. bei Luther. ABL. 
beifällig, adj. u. adv., im 17. Jh. : 

Beifang, s. Bifang, m. I 

Beifuß, m. {-es, PI. -e) : als Küchengewürz 
gebrauchte Wermutart, artemisia. Mhd. (seit 
dem 14. Jh.) bivuo^, ahd. (11. Jh.) bivo^, 
bivu§ (ZfdWf. 3, 247), mnd. blföt, ndl. bijvote 
m. Dagegen mhd.-ahd. bihdg m., was wohl 
als die ui'sprängliche Form anzusehen ist, 
zusammenges. mit dem auch in ahd. anahö^ 
«Amboß» (s. d.) vorkommenden böj zu bo^an 
schlagen; also biboz eig. als Gewürz an Speisen 
und Getränke zu schlagendes oder zu stoßen- 
des Kraut. Das f scheint (mit Anlehnung an 
Fuß, vgl. Schrader Reallex.) aus dem Ndd. 
eingedrungen. Die Form Bi-, Beifuß findet 
sich schon in den meisten hd. Glossarien des 
15. Jh., ebenso bei Dasypodius (unter artemi- 
sia), Frisius 123 '^j Maaler beyfüß, dagegen 1482 



im Voc. theut. d 7*^ noch beypoß; diese Form 
setzt sich auch noch in Volksmundarten fort. 
Beige, ungut Beuge f. (PI. -n): aufge- 
schichteter Haufe. Nur noch obd. Aus mhd. 
bige, ahd. biga f. und btgo m. Dunkler Her- 
kunft. ABL. beigen, v. : aufschichten. Im 
16. .Jh. Schweiz, (bei Frisius, Maaler) bigeii,. 
beiher, adv.: nebenher. Bei Stieler 1691 
beyher. Ein md. Dialektwort, das Lessing, 
Goethe u. a. verwenden. 

Beikind, n. {-es, PI. -er): uneheliches 
Kind. 1668 bei Schottel. 

Beil, n. {-es, PI. e): keilartiges kurzge- 
stieltes W^erkzeug zum Hauen des Holzes. 
Mit Auswerfung eines h (dial. noch heichel) 
aus mhd. bihel, zusammengezogen hfl, ahd. 
bthal, bial n. Da im Anord. das gleichbed. 
hllda f. (für hutla) hildr m. erscheint, muß 
das h von ahd. bihal, urspr. bihl auf p zu- 
rückgeführt werden, vgl. Gemahl. Verwandt 
I ist wohl Bille (s. d.), vgl. Sievers Idg. Forsch. 
'4, 339 (dagegen E. Schröder ZfdA. 42, 60) 
und weiter lat. findo «spalten», ai. bhinädmi 
«spalte», Gnindform *bhid-tlom. 

Beilage, f.: was anderm zur Vei'voll- 

ständigung bei- oder zugelegt wird, spät- 

mhd. bilage f.; (ehedem auch) «das bei einem 

■ zur Aufbewahrung Niedergelegte» (2. Makk. 

' 3, 15). 

Beilager, n. {-s, PI. wie Sg.) : Vollziehung 
I der Ehe durch Beiliegen (Luther Tischr. 307 ^) ; 
I Hochzeitsfeier vornehmer Personen (bei Duez 
I 1664). Mhd. dafüi- bileger n. S. Lager. 

beiläufig, adv. u. adj.: nebenhergehend, 
nebenbei; (oberdeutsch) annähernd, ungefähr. 
Das Wort erscheint um 1500 in der 2. Bed. 
j (Jansen Frankf. Reichskorr. 1, 772), in gleicher 
! Bed. auch heileufftig bei Luther und hey- 
leifftig bei Hans Sachs Fastn. 25, 147 (noch 
Steinbach 1734 verzeichnet heileufftig). In der 
1. Bd. erscheint beyleufig bei Stieler 1691. 
Die Bed. «ungefähr» noch bei Heynatz 1796, 
doch mit Beschränkung aufs Obd. 

beilegen, v.: neben ein anderes legen, 
zur Seite legen, mhd. bilegen; (veraltet) bei- 
seite, weglegen (bei Luther); beseitigen, 
schHchten, z. B. einen Streit (vgl. spätmhd. 
bilegunge «Schlichtung»); {das- Schiff h.) die 
die Segel einziehen; (veraltet, vgl. Beilage) 
hinterlegen, zumcklegen (bei Luther); (mit 
pers.Dat.) zuweisen, zuerteilen. Intr. sich einer 
Sache hingeben, eifrig sein (Schiller Teil 1, 1 
reit zu! wenn ihr frisch beilegt, holt ihr ihn 
noch ein). 



191 



beileibe 



beipflichten 



192 



beileibe, s. Leib. 

Beileid, n. (-s): mitempfundenes Leid, 
mitempfundene Trauer. Seit dem 17. Jh. in 
der Bed. «Mitleid», aber nicht allgemein ver- 
standen (Dornblüth 288), bei Adelung in der 
jetzigen Bed. 

bellen, v.: (von den Jagdhunden) den 
Hirsch durch allseitiges Anbellen zum Stehen 
bringen, wobei er sich gegen die Hunde zur 
Wehre setzt. Mhd. Mlen, jetzt nur noch in 
dem weidmännischen verheilen. Der Augen- 
blick wann, und der Platz wo der Vorgang 
sich abspielt und das Jagdtier erlegt wird, 
heißt mhd. hil m. (namentlich in ze hile sten 
vom Wilde, schon im 10. Jh. pil gipit «sub- 
stitit» vom Eber, Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 
667), womit Ortsnamen wie Beil-, Bilstein zu- 
sammengesetzt sind. Diesem Ml entsprechend 
wird franz. dboi, engl, tay, eig. das «Bellen» 
verwendet (in etre aux dbois, engl, to stand 
at iay von dem von den Hunden umstellten 
Wilde), doch ist es nicht wahrscheinlich, daß 
wir im Deutschen von der Bed. «bellen» aus- 
zugehen haben. Vielmehr wird nach Sievers 
Idg. Forsch. 4, 339 hü von ahd. Mdan «warten» 
(bila- aus Mala-) abzuleiten sein, also eig. 
«das Stehenbleiben des Wildes, die Erwartung 
der verfolgenden Hunde». Anders E. Schrö- 
der ZfdA. 42, 60, der es von heißen ableitet 
«Augenblick, wo die Hunde beißen». Ein 
Verbum hilen «bellen» (im 14. Jh. bayrisch, 
bei Hans Sachs, auch mndl., noch bei Heppe 
wohlred. Jäger 54 hauen) wird sich von bil 
aus entwickelt haben, da die Hunde die Um- 
stellung des Wildes durch Bellen kundtun. 

beim, zusammengez. aus hei dem, schon 
mhd. hime, zusammengez. aus hi deme. 

beimessen, v.: (mit Dat. der Person) 
durch Erwägung (geistiges Abmessen) einem 
zurechnen. Mhd. erscheint einfaches me^^en 
(mit Dat.) in der Bed. zuteilen, geben. Aus 
der Kanzleisprache (1616 bei Sattler). 

Bein, n. {-es, PI. -e): Knochen (allgemein 
obd., schriftsprachlich namentlich noch in Zu- 
sammensetzungen und Redensarten) ; das ganze 
Geheglied (gleichsam die am längsten hervor- 
stehenden Knochen). Mhd. ahd. hein n. in 
beiden Bedd.; dazu asächs. ben, ndl. been, 
ags. bann. «Knochen», engl, hone, anord. hein, 
schwed. dän. hen n. «Knochen, Geheglied». 
Dunkler Herkunft. Vgl. Wiedemann BB. 28, 
60. Zusammenhang mit lat. femur «Ober- 
schenkel» scheint möglich, da auch sonst i- 
und e-Reihe wechseln. Redensarten: es friert 



! Stein und Bein «stein- und knochenhart»; Stein 

' und Bein schwören «auf Altar und Heiligen- 

i knochen» (Reliquien). Der PI. findet sich im 
altern Nhd. auch als Beiner (namentlich obd., 
aber auch Gryphius Trauersp. 34 Menschen- 

i Beiner). 

beinahe, adv.: nicht ganz. Fi-ühnhd. vor- 
handen (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 750, 
auch bei Luther, aber noch getrennt hey nahe). 
Beiname, m. (-/?, PI. -n) -. Zuname. Mhd. 
biname m. 

I Beinbrecher, m.: eine die Knochen ge- 

■ fangener Tiere brechende Adlerart, lat. ossi- 
fragus ra., ossifraga f., 1482 im Voc. theut. 

jy 3^ dafür paynprech. 

j beinern, adj.: aus Knochen (Bein) be- 
stehend. Mit dem bei Stoffadj. üblichen 
Suffix -ern (nach eisern, s. d.) für mhd.-ahd. 

i beinin, auch bei Dasypodius und Maaler 

; heinin, sonst älternhd. heinen, während Luther 
(1. Mos. 49, 14) heinern hat. 

Beinhaus, n. (ses, PI. BeinMuser) : Haus 
am Kirchhofe zur Aufnahme der ausgegrabenen 
Totengebeine, Mhd. heinhus n. Ln altera 
Nhd. findet sich auch in dieser Bed. Gerner 

i (s. d.> ^ 

beinig, adj. : knochig ; Füße (Beine) habend 

! in zicei-, langbeinig usw. Mhd. -beinec. 
Beinkleid, n. {-es, PI. -er)-. Hose als 

I Bekleidung der Beine. Der Ausdruck kommt 
schon im 16. Jh. vor (1557 bei Mathesius 
Syrach 3, 51^) und erscheint auch im 17. u. 
18. Jh. in Wörterbüchern (z. B. bei Comenius, 
Rädlein, Frisch), aber ohne sich zunächst recht 
einzubürgern, da ihn noch Adelung 1793 als 
neugebildet bezeichnet. 

Beinling, m. (-s, PI. -e): Hosenbein (im 
15. Jh., s. Diefenbach-Wülcker 227); der obere 
Strumpf; (bei den Gerbern) der Teil der Tier- 
haut, der unmittelbar über den obern Beinen 
gesessen hat. 

Beinschwarz, n.: Schwärze aus ver- 
brannten Knochen. Bei Stieler 1691. 

Beinwell, m.{-es): die Wallwurz, symphy- 
tum. Ahd. heinwalla, heinwelle f. (ZfdWf. 3, 
281), zu icallen, hier in der Bed. «zusammen- 
heilen von Knochen bei Knochenbrächen»; die 
Pflanze heißt auch Beinheil n. 

beipflichten, v.: (mit Dat.) einem zu- 
stimmen, eig. sich mit jemand verbinden, sich 
ihm (seiner Meinung) anschließen. Mhd. bed. 
das einfache ,phlihten, mit den Präp. m«^, an, 
zuo «sich mit jemand verbinden», von phliht 
(s. Pflicht), hier in der Bed. Anteilnahme, Vei-- 



193 



beisammen 



Beiwort 



194 



binduDg. Jedenfalls in der frühnhd. Kanzlei- 
sprache vorhanden (Luther hat Beipflichter 
m. «Zustimmender», das Adj. 'beipflichtig bei 
Diefenbach-Wülcker 223 v. J. 1553). 

beisammen, adv.: zugleich da. j^Ihd. 
selten hesamen (aus Msamene). Frühnhd. 
(Liliencron 3, 338 v.J. 1519, auch bei Luther). 

Beisaß, m. (Gen. u. PI. Beisassen): wie 
Hintersaß (s. d.); Ortsangesessener ohne Bür- 
gen'echt. Mhd. Msä§e, Msce^e m., zusammen- 
ges. mit dem als letztes Wort in Zusammen- 
setzungen stehenden mhd. säße, ahd. säp, 
s. ^Sasse. 

: beiseit, beiseite, auch mit angetretenem 
genet. -s beiseits, adv.: zur Seite. Mhd. 
M Sit. Bei Luther heiseid (Hiob 6, 18), ge- 
wöhnlich mit Abschwächung des hei- heseit, 
auch heiseits, heseits. 

beisetzen, v.: neben andi-es setzen; be- 
statten, eig. den Sarg in der Gruft neben 
andre setzen. In der 2. Bed. bei Krämer 1678. 

Beispiel, n. (-es, PI. -e): (veraltet) zur 
Belehrung erdichtete Erzählung, Fabel; Gleich- 
nis, Begebenheit zui- Yeranschaulichung oder 
Richtschnur des Verhaltens. Spätmhd. Mspil 
(mit Anlehnung an spil «Spiel», mit dem das 
Wort urspr. nichts zu tun hat), früher mhd. 
ahd. aber Mspel (Gen. Mspelles) n. «belehrende 
dichterische Erzählung, Fabel, Gleiclmis», zu- 
sammenges. aus M «bei» und mhd. ahd. spei 
n. «Rede, Erzählung, Sage», dazu asächs. ags. 
spell n., engl, spell, got. spill n. (wovon ahd. 
spellon, got. spillön «erzählen»). Eig. eine 
neben der Lehre und zu deren Veranschau- 
lichung gegebene Erzählung. Die Etymo- 
logie von spell ist unbekannt. Vgl. E. Schröder 
ZfdA. 37, 241, Kögel Idg. Forsch. 4, 318, 
Fröhde Bezz. Btr. 19, 241 f. 

beißen (Prät. hiß, Part, gebissen), v.: mit 
den Zähnen fassen, durchdringen; die Emp- 
findung eines stechenden, scharfen Durch- 
dringens verursachen. Aus mhd. bi^en, ahd. 
hi^an, dazu asächs. hUan, ndl. hijten, ags. 
bUan, engl, hite, anord. Mta, schwed. hita, 
dän. bide. In der altern Sprache auch vom 
Einschneiden oder scharfen Durchdringen des 
Schwertes. Entsprechend lat. findere, Perf. 
/?dz «spalten», aind.ftÄZfZ «spalten, durchbohren». 
Vgl. auch beizen, bitter. ABL. beißig, adj: 
zum Beißen geneigt, mhd. M^ec. S. bissig. 

Beißker, m. (-s, PI. wie Sg.) : ein kleiner, 

eßbarer, im Schlamm und zwischen Steinen 

lebender und an diese sich ansaugender Fisch, 

cobitis fossüis. Auch Peißker. Mit Anlehnung 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



an heißen (denn der Fisch beißt sich scheinbar 
an Steine an, heißt auch als von Schlamm oder 
daiin Befindlichem lebend der Schlammbeißer) 
aus poln. piskorz m., böhm. piskof m., russ. 
piskär m., d. i. eig. Pfeifer, von poln. pisceö, 
hohxn. piskati «pfeifen», abg.j^isÄ;a^^ «flöten», 
wohl nach einem Tone, den der Fisch mit dem 
Maule hei-vorzubringen scheint. Das Wort 
ist vom östlichen Mitteldeutschland ausge- 
gangen, ist aber im 15. u. 16. Jh. schon weiter 
bekannt, findet sich als peysker in einem 
Glossar des 15. Jh. (Diefenbach 330*), als 
Beißker bei Alberus Fab. 19, 151 und bei 
Forer Fischb. 160^. In bayr.-österr. Quellen 
(auch bei H. Sachs) erscheint dafür Bißgurre. 

Beißzange, f. (PI. -n): eine vorn scharfe 
Zange zum Kneipen und Festhalten kleiner 
Gegenstände. Bei Stieler 1691 Beißzänglein. 

Beistand, m. {-es, PI. Beistände): Hilfe 
bei und für jemand; persönlich s. v. a. Hilfe 
bei und für jemand Leistender, Spätmhd. 
bistantm. in der l.Bed. ABL. beiständig, 
adj.: hilfeleistend, behilflich. Mhd. btstendec. 
— beistehen, v.: (mit Dat.) Hilfe leisten, 
eig. neben jemand stehen (im Kampfe, vor 
Gericht), um ihn zu unterstützen. Mhd. 
bistän, histen, ahd. histantan, bistdn, auch 
noch in der ursprünglichen Bed. wie got, 
histandan. 

Beistrich, m. {-es, PI. -e): das Komma. 
Schottel Sprachk. S. 669 gab für dies die 
Verdeutschung Bey strichlein, was auch von 
Harsdörfer Gesprechsp. 4, 412, Bödiker u. a. 
gebraucht wü'd. 

Beitrag, m. (-s, PI. Beiträge): Beisteuer. 
Bei Stieler 1691. Von beitragen, v.: her- 
beibiingen, dann abgeben zui* Unterstützung, 
mhd. hitragen «herzutragen». 

beitreiben, v. : herbeiti-eiben ; (übertragen 
von den herbeigetriebenen Zins-Tieren usw. 
auf geforderte Gelder) einziehen, beischafifen 
(bei Frisch 1741). 

Beiwesen, n. (-.s) : das Zugegensein. Eig. 
subst. Inf. zu mhd. hiwesen, ahd. biwesan «da 
sein, zugegen sein». Als Subst. in der Kanzlei- 
sprache des 15. Jh. vorhanden (Janssen Frankf. 
ReichskoiT. 2, 161). 

beiwohnen, v.: (veraltet) bei einem an- 
dern wohnen; ehehchen Verkehr mit jemand 
haben; wobei zugegen sein; (von Dingen) 
wo vorhanden sein, (mit Dat.) innewohnen. 
Mhd. btwonen (in der 2. Bed. erst bei Luther). 

Beiwort, n. {-es, PI. Beiwörter): Adjek- 
tivum. Schon in der mhd. Schulsprache aus 

13 



195 



Beize 



beklommen 



196 



dem Anfang des 14. Jh. begegnet Mwort für 
Adverbium (Eckhart 271, 11), während sonst 
mhd.-ahd. hiwort die Bed. «Sprichwort, Gleich- 
nisrede» hat. Auch ndl. hijwoord ist «Adver- 
bium» (schon 1719 bei Kramer). Dagegen 
schlug Helvicus 1619 Beiwort für Adjektivum 
vor, und diese Verdeutschung ist später viel- 
fach angenommen worden, auch von Gott- 
sched, aber schließlich doch durch andre zu- 
rückgedrängt worden. S. Adjektiv. 

Beize, f. (PI. -n) •■ Jagd mit abgerichtetem 
Raubvogel oder auch einem andern Fang- 
tiere; zur Zubereitung nötiges Durchdringen- 
lassen und Mürbemachen von einer scharfen 
Flüssigkeit, sowie diese selbst. Älternhd. 
meist (auch bei Luther, noch jetzt dialek- 
tisch) Beiße, mhd. beige, beize, ahd. beiga f. 
(auch Alaun). Von beizen, v. : beißen machen, 
sowohl einen Jagdvogel, einen Hasen usw. 
durch emen abgerichteten Fansfvogel, als auch 
etwas durch scharfe Flüssigkeit zum Mürbe- 
machen usw. Älternhd. meist beißen. Mhd. 
beigen, beizen, ahd. beigan; dazu ags. bcetan 
«zäumen», eig. «beißen machen», anord. beita 
«zäumen, füttern, beizen» (daher engl, bait), 
got. wäre *baitjan anzusetzen, beizen ist das 
Faktitiv zu beißen. Bei der Flexion mußten 
sich Formen mit z und solche mit g ent- 
wickeln, worauf dann Verallgemeinerung ein- 
getreten ist ; im Mhd. überwiegen die Formen 
mit j, in der Schriftsprache seit dem 17. Jh. 
die mit z. Vgl. heizen, reizen, Weizen, mhd. 
meist heigen, reiben, weige. 

beizeit und beizeiten, adv.: früh in 

Hinblick auf einen Zeitpunkt. Mhd. bi zite, 
auch mit Schwächung des bi bezite und be- 
ziten, bi mit dem Dat. Sg. oder PI. von zit. 

beizen, s. Beize. 

bejahen, v.: zu etwas ja sagen. Mhd. 
dafür das auch von mhd. ja abgeleitete be- 
jäzen (im 16. Jh. auch bejachzen), auch ein- 
fach jäzen. bejahen zuerst bei Henisch 1616, 
aber in der Bed. «bewilligen», später auf 
«ja sagen» (auf eine Frage) beschränkt. 

bejahrt, adj.: hoch in Jahren seiend. 
Mhd. bejaret, eig. Part. Prät. zu dem V. be- 
jären «die Jahre hinbringen». Vgl. betagt. 

bekannt, adj.: zur Kenntnis gekommen; 
nicht fremd, vertraut. Eig. Part. Prät, von 
mhd. bekennen, ahd. bikennen in der im Nhd. 
verloren gegangenen Bed. «kennen, erkennen». 
Davon das substantivische Bekannte, m. f. 
(mit adjektivischer Flexion). ABL. be- 
kanntlich, adv. Im Mhd. erscheint bekant- 



lich und bekentlich (von den beiden Formen 
des Part. Prät. von bekennen gebildet) als 
Adj., ebenso im altern Nhd. bekanntlich (noch 
bei Steinbach 1734); bekanntlich als Adv. zu 
bekannt wird von Adelung den Kanzleien zu- 
gewiesen, aber von Heynatz 1796 empfohlen. 
Bekanntschaft, f., bei Krämer 1678. ZUS. 
Bekanntmachung, f.: Kundmachung, erst 
1807 bei Campe. 

Bekassine, f. (PI. -n)-. Wasserschnepfe. 
Aus franz. becassine f., von bec m. (gallisch- 
lat. becciis) «Schnabel». Neue Entlehnung. 

bekehren, v.: vom Unrechten zum Rechten 
wenden, besonders in geistlicher Beziehung. 
Mhd. bekeren, ahd. bikeren «anderswohm wen- 
den, umkehren», besonders in Hinsicht des 
Glaubens und der Sitte. Nachbildung von 
lat. convertere. 

bekennen, v.: erkennen mid seine Er- 
kenntnis aussagen ; nach Bewußtsein aussagen ; 
ein Geständnis ablegen: kundgeben. Refl. 
sich wozu b.: sich als Urheber oder als Zu- 
getaner erklären. Mhd. bekennen, ahd. bi- 
kennen ist zunächst «kennen, erkennen» (s. 
bekannt), mhd. bekennen aber auch schon «zu 
erkemien geben, eingestehen». ABL. Be- 
kenntnis, n., selten f. (Liscow 446). Mhd. 
bekantnisse, bekentnisse f. n., abgeleitet von 
dem Part, bekannt, weshalb bis ins 18. Jh. 
auch Bekänntnis geschrieben. 

bekleiben, v. : woran fest haften, -hangen. 
Veraltet, aber noch bei Lessing, Wieland, 
Goethe, Rückert, Platen. S. kleiben. 

bekleiden, v.: am Körper mit Kleidung 
versehen ; kleidartig überziehen oder bedecken : 
[ein Amt, eine Stelle b.) darin eingesetzt sein, 
eig. für dasselbe mit den Zeichen der Amts- 
würde bekleidet (investiert) sein. Mhd. be- 
kleiden. Die 3. Bed. bei Stieler 1691. 

beklemmen, v. : einengen und zusammen- 
pressen, eig. wie bildlich. Mhd. beklemmen 
«zusammenpressen», ahd. biklemmen «ver- 
sperren, eindämmen, verstopfen»; dazu asäcbs. 
biklem.mia7i «e'ms-perren», ags. beclemman «ein- 
schließen, einsperren». Das Faktitiv zu dem 
altern V. beklimmen (s. d. f.). 

beklommen, adj.: angstvoll wie einge- 
preßt, Mhd, in md, Quelle beklummen (vom 
Herzen), das Part, Prät, des starken V, be- 
klimmen, das wie das in md, Quellen er- 
scheinende einfache klimmen und mnd, be- 
klimmen «einengend zusammenziehen» be- 
deutet (vgl, auch mhd. verklummen «krampf- 
haft zusammengepreßt» und klamm. «Krampf», 



197 



bekommen 



Beleg 



198 



s. Klamm). beJclommen fehlt im altern Nhd. 
(dafür in gleicher Bed. heklemmt) und ist erst 
im 18. Jh., nach Heynatz 1796 aus Nieder- 
sachsen, eingedrungen, es wird von Hagedorn, 
Klopstock, Bürger gebraucht. 

bekommen, v.: l) intrans. zum Gedeihen 
gereichen, überhaupt s. v. a. gereichen, Wir- 
kung haben. 2) trans. durch Überkommen 
von außen haben. Mhd. fast nur intrans. «bei- 
kommen, gelangen, hervorkommen, wachsen, 
gedeihen, (mit Dat. der Pei'son) begegnen, 
zukommen, (mit Gen. der Sache) erhalten, 
gewinnen»; dies bei Luther schon häufig mit 
dem Akk. Ahd. hiqueman auch mit Akk. 
«überkommen, ergreifen»; vgl. asächs. hiku- 
man, ags. hecmnan «zu etwas kommen, ge- 
langen», engl, become «werden, zukommen», 
got. hiqiman «überfallen». ABL. bekömm- 
lich, adj. : was wohl bekommt: was zu ei'- 
langen ist. In der 2. Bed. bei Maaler 1561 
bekömmlich, die 1. gehört der neuesten Sprache 
an (noch nicht bei Campe). Mhd. bekomen- 
lich, gebildet von ' dem Part. Prät. bekomen, 
ältemhd. bekömmlich ist «passend, bequem». 
S. auch bequem. 

bekräftigen,v. : kräftig machen (Hiob4, 4) : 
zuverlässig, sicher machen (auch bei Luther). 
Gebildet von dem Adj. kräftig. Mhd. be- 
kreften «stärken», gebildet von kraft. 

bekümmern, v.: Kummer verursachen, 
mit Sorge quälen. Reil. sich b.: Kummer 
empfinden, sich sorgend mühen, sich umtun. 
Mhd. bekumbern, bekümbern «in Not bringen, 
belästigen, beschäftigen», (in derRechtssprache) 
«mit Beschlag belegen », vgl. mndl. bekommer en. 
Gebildet und zum Teil entlehnt von dem aus 
lat. incumuläre gewordenen franz. encom'brer, 
prov. encombrar, ital. ingombrare, mlat. in- 
cumbrare «(durch Schutthaufen) den Weg 
versperren, verhindern». S. Kummer. ABL. 
Bekümmernis, f., mhd. bekumbemisse f. 

beknnden, v. : kundgeben, ofienes Zeug- 
nis womber geben. Erst bei Adelung 1793 als 
der Rechtssprache Niedersachsens angehörig. 

Belag, s. Beleg. 

belagern, v.: durch ein Lager einschließen 
und bedrängen. Spätmhd. belegern, auch 
ältenihd. belegern (bei Luther), belägern (noch 
bei Stieler 1691). 

Belang, m. {-es): Bedeutung, Wichtigkeit, 
eig. was weit reicht (s. belangen). Verschieden 
von mhd. belang m. «das Verlangen, Sehnen 
wonach», dagegen ist mnd. belang (substant. 
Form eines Adj., das im Mndl. als belang ^zu- 



gehörig, verwandt, gemäß, abhängig, darauf 
ankommend» erscheint) «Bedeutung»; das Wort 
diiogt in die Kanzleisprache ein und wird 
nach der Mitte des 18. Jh. allgemein, von 
Heynatz 1775 noch beanstandet, doch schon 
vorher von Lessing und Klopstock gebraucht. 

belangen, v.: l) impers. sich worauf er- 
strecken, etwas betreft'en {himüger anbelangen). 
2) trans. klagend vor Gericht ziehen eig. mit 
der Klage erreichen. Mhd. mich, selten mir 
belanget «mich verlangt», doch auch intrans. 
«sich erstrecken» und trans. «erlangen, er- 
reichen», älternhd. dann «betreffen» und «jem. 
mit etwas angehen». Vgl. ndl. belangen «be- 
treä"en, anbelangen», engl, belong «zugehüren, 
betreffen». 

belästigen, v.-. lästig, beschwerlich fallen. 
Im 15. Jh. belestigen (Wyle 15, 1). Mhd. da- 
für belesten, gebildet von last. 

^Belebe, f. (PI. -n), auch Beleben m. (-s, 

PI. wie Sg.): eine Salmart, salmo lavaretus. 
Daneben auch Balche (schon mhd. balche), 
Bolche und mit anderm Anlaut Felchen (s. d.). 
Dunkler Herkunft. 

^Belebe, f. (PI. -n): Wasser-, Bläßhuhn, 
fulica atra. Älhd. belche, ahd. belihha f., da- 
neben belihho m. Das laX.fulicai. ist verwandt, 
auch gr. cpaXripic f. «Wasserhuhn». Der Name 
von dem weißen Flecken auf der Stirn des 
sonst schwarzen Tieres, denn ahd. belihha 
gehört mit -ihha als Endung (vgl. Habicht, 
Kranich) zu gr. cpaXöc, q)dA.ioc, abulg. belü, 
lit. bältas «weiß»; mhd. erscheint Belche auch 
als Name eines (weißen) Rosses. Vgl. Blesse. 

Beleg, m. (-es, PI. -e): beigefügte be- 
weisende Urkunde, beigebrachter Beweis, ur- 
spr. namenthch die unter die Grenzsteine ge- 
legten dauernden Zeichen der Markmeister 
und Feldgeschworenen. Belege, n. (-s, PI. 
wie Sg.): an den Rand des Kleides gesetzter 
Streifen, um jenen steifer zu machen. Schon 
1541 bei Frisius 502 '^ die belege eins kleyds 
oder leyste. Aus diesem Wort (urspr. über- 
haupt «das Beigelegte, Beigefügte») geht auch 
Beleg hervor, bei Frisch 1741 und Adelung 
1793 noch N. (doch kennt dieser das schon 
bei Rädlein 1711 angeführte M. «aus einigen 
Gegenden»); bei Heynatz 1775 Belege f. Da 
das meist im PI. gebrauchte Wort auch Be- 
läge geschrieben wurde, so folgerte man da- 
raus auch fälschlich einen Sg. Belag, der 
schon 1673 bei Mühlpforth Leichenged. 155, 
sowie bei Lessing vorkommt. Von belegen: 
(ehedem) ringsum legen, belagern (2 Sam. 11, 

13* 



199 



l)elegeu 



Bellhammel 



200 



1), mhd. belegen, ahd. hüeggen; auflegend über- 
decken (auch mhd.-ahd.); zu urkundlichem 
Beweise beilegen, beweisend beigeben (im 
15. Jh. mit dem eide belegen); durch Auf- 
legen eines Zeichens in Anspruch nehmen; 
zu tragen bestimmen; (von Säugetieren) aus 
Geschlechtstrieb besteigen. 

belegen, adj.: gelegen, der Lage nach be- 
findlich. Eig. Pai't. Prät. von beilegen, mhd. 
beiigen «liegen bleiben, ruhen, fest woran 
haften», auch «beiliegend umfangen» (so ahd. 
büiggen). 

belehnen, v. : mit einem Lehen versehen, 
in ein Lehen einsetzen. Mhd, belelienen. 

beleiht, adj.: feisten Leibes. Der Form 
nach Part. Prät., gebildet wie behaart, bejahrt. 
Älternhd. ist beleibt «mit einem Leib, Körper 
versehen» (so bei Stieler 1691) in der Bed. 
von «beleibt» erscheinen schwer b., ivohl b. 
(dies aber bei Albertinus weibl. Lustg.2'2^ von 
schönem Körper), das einfache beleibt, das 
Adelung nicht kennt, bei Campe 1807. 

beleidigen, v.: (veraltet) Leid zufügen, 
(dann) in Schmerzgefühl versetzen: durch 
Worte oder Handlungen verletzen. Mhd. 
beleidigen, zusammenges. aus be- und leidegen, 
ahd. (bei Notker) leidegön «betrübt machen, 
betrüben», abgeleitet von ahd. (bei Notker) 
leidig «leidig» (s. d.). ABL. Beleidigung, 
f.: beschwerendes, Besorgnis erregendes Übel 
(Apostelg. 27, 10); Kränkung durch Worte 
oder Taten. Frühnhd. 

belemmern, v.; dui-ch kleine Kniffe be- 
trügen, übers Ohr hauen. So zuerst bei 
Ludwig 1716. Die Angaben von Duez 1664 
{belemmeln «sordidare») und Krämer 1678 
{belemmeren «bedrecken», in gleicher Bed. 
belampern bei Grimmeishausen Simpl. 3, 428, 
Kurz) weisen darauf hin, daß die ursprüng- 
liche Bed. «beschmutzen» ist (vgl. bescheißen). 
Doch vgl. mnd.-ndl. belemmeren «hindern, 
kraftlos machen», verlemert «verspielt» bei 
H. Sachs Fab. 246, 62. 

belesen, adj.: durch vieles Lesen viel 
wissend. Eig. Part. Prät. des ältenihd. V. 
belesen «durchlesen, gründlich lesen». Bei 
Duez 1664, aber Wolbelesenheit schon bei 
Fischart Garg. 7. 

belfern, v.: schnell wiederholt bellen; 
(bildlich) sich in vielen Worten und wieder- 
holt scheltend auslassen. Mit der Frequen- 
tativendung -ern abgeleitet von belfen «bellen» 
(Goethe 2, 237), das durch Vermischung von 
bellen mit dem gleichbed. beffen (s. baffen) 



entstanden zu sein scheint. 1542 bei Luther 
beluern (belvern) neben bellen. 

belieben, v.: l) intrans. (mit Dat.) dem 
Gefallen entsprechend sein. 2) trans. nach 
Gefallen wofür geneigt sein; nach Gefallen 
ausfuhren. Davon das Part. Prät. beliebt: 
nach Gefallen getan (Günther 258); allge- 
mein gefallend (17. Jh.) und der subst. Inf. 
Beliehen, n. : Gefallen. Mhd. dafür das ein- 
fache lieben (mitDai.) «gefallen», anth gelieben; 
belieben ist erst finihnhd. (16. Jh., das Subst. 
im 17. Jh.). ABL. beliebig, adj.: nach Ge- 
fallen, behaglich, angenehm (bei Grimmeis- 
hausen Simpl. 1, 78 Kurz); ganz dem Belieben 
überlassen (bei Rädlein 1711). 

bellen, v. : (vom Hund und Fuchs) den 
ihrer Stimme eig'nen schallenden Laut hören 
lassen; (bildlich) Worte und Töne heftig und 
gellend herausstoßen. Mhd. bellen (Prät. ball, 
PI. bullen, Part, gebollen), ahd. bellan; dazu 
ags. bellan (grunzen, vom Schwein), engl, bell 
(schreien, vom Hirsch). Als Grundbed. muß 
etwa «tierische Töne von sich geben» an- 
gesehen werden. Hierher noch ags. belgian, 
engl, belloiv «bellen» und anord. belja «beUen»; 
vgl. auch beilen. Man sieht aind. bhas (für 
bhals) «bellen», lit, baisas m. «Stimme» als 
verwandt an, dann müßte -II- aus -Is- ent- 
standen sein. Der Übergang zur schwachen 
Flexion begmnt im 17. Jh.: 1690 hat Bödiker 
S. 04 schon im Prät. bellete und boll, im 
Part, gebellet und gebollen, Gottsched setzt 
die schwachen Formen an und Adelung be- 
zeichnet sie als weit gewöhnlicher, die starke 
Biegung als obd. ; doch kommt sie bei Dichtern 
des 18. Jh. noch häufig vor (bei Goethe 2, 208 
billt, 28, 77 boU). 

Belletrist, m. {-en, PI. -en): wer sich 
mit den schönen Wissenschaften (franz. les 
belles-lettres), d. h. der Rede- und der Dicht- 
kunst beschäftigt und sie ausübt. Um die 
Mitte des 18. Jh. in Deutschland aufgekommen 
(bei Goethe 19, 92, Werther). ABL. Belle- 
tristik, f.: die auf die schönen Wissen- 
schaften bezügliche Literatur, Schönschrift- 
stellerei. belletristisch,adj. (Goethe28, 177). 

Bellhammel, m. {-s, PI. Bellhämmel)-. 
Leithammel, d. i. der Hammel der Herde, 
der eme ScheUe am Halse trägt. Zu thü- 
ringisch, ndd. belle «Schelle», ndl. bei, ags. 
belle f., engl, bell, altnord. bjalla f. «Glocke», 
das unsicherer Herkunft ist. Bei Henisch 
1616. Auch ndl. belhamel m., dafüi- engl. 
bell-tcether. 



201 



Belt 



benamen 



202 



Belt, m. (-es, PI. -e): ileerenge der Ost- 
see zwischen Schleswig und Fünen, sowie 
zwischen Fünen und Seeland, iihd. Ijeltemer 
n. ist «Ostsee» (noch P. Fleming und Ramler 
1, 43. 63 meinen mit Belt die Ostsee). Kaum 
zu ags. helt m., anord. helti n. «Gürtel», son- 
dern dem lat.-germ. Baltia (bei Plinius 4, 13) 
entsprechend. S. haUisch. 

beluchsen, v.: hinterlistig (luchsartig 
spähend) übervorteilen. Am Anfang des 18. 'Jh. 
belegt (1706 bei Menantes allem. Art 588 
und bei Rädlein 1711 beUtxen, bei Adelung 
fälschlich ielugsen). S. abluchsen. 

belustigen, v.: lustig, heiter machen, 
Vergnügen erwecken. Bei Dasypodius 1537 
belustigen. 

Belyedere, n.: Oi-t, von dem aus man 
eine schöne Aussicht genießt. Das ital. bel- 
vedere d. i. «schöne Aussicht». Um 1700 auf- 
genommen "(Günther 728, auch bei Sperander 
1 728 vei-zeichnet), aber in derBed. Schauspiel, 
Schaustück schon 1607 bei Scheible Schalt- 
jahr 5, 648 Bellvider n. 

bemächtigen, refl.v.: sich wessen mächtig 
machen, es in seine Gewalt bringen. 1616 bei 
Henisch 277. 

bemäkeln, s. mäkeln. 

bemängeln, v.: Mängel in etwas finden. 
Junges, bei Adelung und Campe noch nicht 
verzeichnetes T\'ort, wohl aus der obd. Kanz- 
leisprache stammend. 

bemannen, v.: mit Mannschaft besetzen 
oder versehen. Mhd. bemannen. 

bemänteln, v. : einen Mantel (der im alt- 
deutschen Recht als Sinnbild des gewährten 
Schutzes gebraucht wirdj um etwas hängen; 
verdecken und zugleich einen guten Anschein 
geben. Frühnhd. (vgl. Gombert 6, 14 aus Emser 
vom J. 1524, auch bei Luther), in gleichem 
Sinne vermenteln fAlbei-us Barfuser Münche 
Nr. 601, Mathesius Sar. 229 »). 

bemeiern, v.: eig. ein Gut mit einem 
Meier besetzen: jemand betrügen. In der 
1. Bed. bei Campe. 

bemeistern, v.: Meister werden über 
etwas. Refl. sich b. «sich bemächtigen». Bei 
Krämer 1678. 

bemerken, v.: durch festes Richten der 
Sinne auf etwas wahrnehmen; einen aus solcher 
Wahrnehmung hervorgegangenen Gedanken 
äußern. Mhd. bemerken «beobachten, beob- 
achtend prüfen», ABL. Bemerkimg, f., bei 
Stieler 1691. 



bemitleiden, v.: Mitleid haben mit je- 
mand. Zuerst bei Rädlein 1711 aufgeführt, 
: noch von Adelung 1793 den niedrigen Sprech- 
arten zugewiesen; nach Heynatz 1796 kommt 
, es auch bei guten Schriftstellern in Aufnahme. 

bemittelt, adj.: die Mittel habend, um 
bequem leben zu können (bei Grimmeishausen 
Shnpl. 4, 287 Kui-z). Eig. Part. Prät. eines 
Y. bemitteln «mit ^Mitteln wozu versehen». 
(1677 bei Butschky Pathm. 25). 

Bemme, f (PI. -n) -. Brotschnitte, nament- 
lich in Bidterbemme «Butterbrot». Im öst- 
lichen Mitteldeutschland. Luther hat Putter- 
pomme, Zehner 1622 Xomenclator S.408, Duez 
1664 und Ki'ämer 1678 Butterbamme, dies 
auch bei dem Sachsen Weise (Erznarren 71) 
und dem Schlesier Stoppe, auch bei Ludwig 
1716 und Steinbach 1734. Stieler 1691 hat 
das einfache Bamwe, Bamm (daneben Barns 
«Brei»). Etwa zu thüiing. bammen «essen;, 
Schweiz, bampen «wohl behaglich und fast be- 
ständig essen», ein lautnachahmendes Wort, 
das eig. auf das Schmatzen mit den Lippen 
beim Essen geht. Xach Heyne WB. auf 
gr. ßduua n. «Brühe» zurückgehend und in 
den Schülerkreisen der Humanistenzeit auf- 
gekommen. Vgl. noch E. Schröder AfdA. 
23, 154. 

bemoost, adj.: (studentisch in bemoostes 
Haupt u. dgl.) alt, eig. grau geworden wie ein 
mit Moos bewachsener Stein. Wohl nicht vor 
Anfang des 19. Jh. aufgekommen (bemooster 
Herr bei Goethe Faust 6638j. 

bemüßigen, v.: Muße wozu geben, in- 
stand setzen, veranlassen Spätmhd. bemüe- 
gegenist «erledigen, frei (mhd. müe^ec) machen» : 
dieselbe Bed. hat b. in der älternhd. Kanzlei- 
sprache (vgl. Schmeller - 1, 1678), später ist 
das T. durch müssen beeinflußt worden. Im 
17. Jh. in der jetzigen Bed. 

benachteiligen, v.: in Xachteü bringen. 
Xoch nicht bei Adelung. Xach Heynatz 
1796 von einigen versucht (doch steht es 
schon 1663 bei Schottel S. 624). 

benamen, v.: mit einem Namen belegen. 
Mhd. benamen. Außerhalb der Dicht^rsprache 
veraltet. Im Ablaut dazu steht das von den 
schlesischen Dichtern (noch von Günther, 
Menantes) gebrauchte beniemen, urspr. be- 
nümen, mhd. (in md. Quellen) benuomen, be- 
niiemen, ndl. benoemen. ABL. benamsen: 
wie benamen. Frähnhd. (Franck Weltb. 59 ''j. 
Jetzt nui- noch in altertümelnder Rede Vgl. 
namsen unter Nam£. 



203 



l)enaiieu 



bequem 



204 



Genauen, v.: in die Enge bringen, hart 
bedrängen, beängstigen. Aus dem Niederd. 
(nind. henomven) ins Hochd. gedi-ungen, bei 
Stieler 1691 verzeichnet. S. genau. Von 
Heine (6, 355 henaut «beklommen») gebraucht, 
bei dem auch 3, 179 das abgeleitete Subst. 
Benauigkeit, f.: Beklommenheit. 

Bendel, m. n. (s, PI. wieSg.): das kui'ze 
Bindband, besonders das schmale. Mhd. 
heiiäel, ahd. bentil m., mit Suffix -il von haut 
abgeleitet, dazu anord. hendül, mengl. hendel. 

beiie, adv. in sich h. tun (Bürger 168), 
auch sich ein h. tun «sich etwas zu gut tun», 
ist das lat. Adv. hene «gut», das sich in der 
Studentensprache in bestimmten Wendungen 
festsetzte, wohl schon im 16. Jb. (vgl. Amadis 
ed. Keller S. 8 ein h. erlangen). 

benebelt, adj. (eig. Part. Prät. zum Yerb. 
heneheln): von Nebel umhüllt (17. -Tb.); (bild- 
lich) getrübt, tiiibe (bei Stieler 1691); tranken, 
leicht bezecht, wie sich heneheln «sich be- 
trinken» (im 18. Jh., z. B. bei Lichtenberg, 
vgl. Stieler der Wein hat ihm seine Vernunft h.). 

benebst, adv. : wie nebst. In der frühnhd. 
Kanzleisprache als henehenst, henebest. 

benedeien, v.: segnen, ürspr. kirch- 
licher Ausdruck. Mhd. heneäien, entlehnt 
aus dem gleichbed. lat. henedlcere eig. «wohl 
sagen, Gutes wünschen». 

Benediktenkraut, n.: die besonders in 
ihrer Wurzel heilkräftige Pflanze herba be- 
nedicta, d. i. gesegnetes Kraut. Spätmhd. 
heneäictenkrüt n. 

Benefiz, n. (-es, PI. -e)-. Vorstellung zu- 
gunsten eines Schauspielers. Aus franz. 
henefice m., das aus lat. heneficium n. «Wohl- 
tat» stammt. Bei Campe 1813. 

benehmen, v.: (mit Dat. der Person und 
Akk. der Sache) hindernd oder abhaltend 
wegnehmen; (mit Akk. der Person und Gen. 
der Sache) dui-ch Einwirkung erledigen. Mhd. 
henemen , ahä. hineman; dazu as.-ags.-got. 
hiniman «wegnehmen». Eefl. sich h. «sich 
aufführen» (erst bei Adelung 1793); {mit 
einem) sich mit jemand verständigen. Der 
Inf. als Subst. Benehmen, n. (nach Adelung 
«in den Kanzelleyen»). 

beneiden, v.: voll Neid auf jemand sein 
(mit Akk. der Person oder Sache, im 18. Jh. 
nach lat. oder franz. Vorbilde auch mit Dat. 
der Person und Akk. der Sache, z. B. Lessing 
6, 224. Schiller Braut v. Mess. 1243). Mhd. 
(selten) heniden, gewöhnlich in gleicher Bed. 
niden, s. Neid. 



benennen, v. : mit einem Namen belegen; 
namhaft machen; namentlich bestimmen. Mbd. 
henennen. Das Part. Prät. im altern Nhd. 
auch benennt (Lessing 12, 1 1), benennet (Goethe 
30, 211), s. nennen. Benennung, f., mhd. 
(Germ. 28, 360 mit Beleg von 1354). 

Bengel, m. (-s, PI. wie Sg.): ein kurzes 
stangenartiges Holz; naturwüchsiger derber, 
dann grober Mensch. Mhd. hengel m., in der 
1. Bed. als «Holz zum Schlagen», von einem 
nicht belegten V. *hangen (dazu mit Ablaut 
mhd. hunge f. «Trommel»), das dem engl. 
to bang «schlagen, prügeln» (davon hangle 
«Prügel»), anord. />a«<7a «schlagen» entsprechen 
würde. Dies vielleicht zu lit. hüoze «Keule, 
Klöppel am Dreschflegel». Die 2. Bed. er- 
scheint frühnhd. (Lüiencron 4, 32 v. J. 1531 
Milchbengel von Schweizer Bauern, auch bei 
Hans Sachs Fab. 288, 112 Bengel von einem 
Bauern). Auch ndl. hengel m. «Prügel»; 
dän. beuget, schwed. hängel (entlehnt) als 
Schimpfwort. 

benlemen, s. henamen. 

Benne, f. (PI. -n): Wagenkorb, -kästen, 
Sitzkasten eines Schlittens. Oberd. (bei Dasy- 
podius 1537 als henn angeführt). Nach franz. 
benne f. «Wagenkorb, Tragkorb», ita\. bennat 
«Korbschlitten», die auf gall.-lat. henna «Art 
Wagen» (bei Festus) beruhen. Auch ndl. 
ben i. «Korb», engl, bin «Kasten». 

Benno, Mannesname. Aus ahd. Benno, 
Koseform von Bernhard (s. d.), seltener von 
Bernger, Beringär. 

benötigen, v.: notleidend (mhd. ncetec), 
bedürftig machen; nötig haben. Mhd. benö- 
tegen (neben benceten) ist «in Not bringen, 
bedrängen, zwingen». Das Part. Prät. be- 
nötigt «bedürftig» (schon bei Luther), «nötig». 

benschen, jüd. den Segen sprechen. Aus 
lat. benedicere. Als Gaunerwort 1737 belegt. 

Benzoe, n. (-s): gewürzhaftes Harz des 
Benzoebaumes. Bei Franck Weltb. 1534 S.219b 
Benzui, bei Lonicerus 1587 Benzoi, aus span. 
benjui m., franz. benjoin m., ital. helzuino, 
balgivi m., wohl aus arab. luhän dschäwl 
«javanischer Weikrauch». 

beobachten, v. : in Obacht nehmen ; streng 
einhalten; anhaltend wonach sehen. Im 17. Jh. 
(Harsdörfer Gespr. 1, 287). 

bequem, dichterisch auch noch bequeme 
(Goethe 2, 268), adj. und adv.: zukommend, 
passend, nach Wunsch sich fügend; ange- 
messen zum Gebrauch ohne Beschwerlichkeit; 
Beschwerlichkeit scheuend. Mit Abfall eines 



205 



beramen 



bereuen 



206 



e aus mhd. hequceme (obd. meist heJcceme, 
hekoeme), ahd. biquämi, dazu mnd. bequeme, 
ndl. hekivaam, vgl. ags. geaveme «passend». Zu 
bekommen (Prät. ahd. biquam, PI. biquämun) 
in devBed. «zukommen, passend sein». ABL. 
bequemen, v.: passend machen. Meist refl. 
sich bequemen, v.: sich leicht in etwas fügen. 
Frühnhd. (1482 im Voc. theut. d2^ bequemen, J 
bequem machen «aptare»). bequemlich, adj., 
mhd. bequcemelich und Bequenilichkeit, f., 
mhd. becj^ucemelicheit. 

berameu, s. anberaumen. 

berappen, v. : (studentisch) bezahlen, eig. 
Rappen (s. d.) geben. Aus der Gaunersprache. 

beraten, v. (Prät. beriet, Part, beraten): 
womit versehen; worüber zu Rate gehen, 
etwas mit jemand besprechen; an jemand 
Rat erteilen. Mhd. beraten «mit rät (Gerät, 
Von'at, Zuiüstung) versehen, ausmsten»; in 
rät (erwägende Besprechung) ziehen, über- 
legen, ahd. birätan, «mit etwas vollauf ver- 
sehen, ganz anfüllen». 

beräuchern, >.: woran Rauch gehen 
lassen; schmeicheln. Bei Luther bereucliern, 
während mhd. ohne das ableitende -ern. be- 
r Glichen . 

berauschen, v. : in einen Rausch ver- 
setzen. Refl. sich b., davon das Part. Prät. 
auch adjektivisch. Bei Krämer 1678. 

Berberis oder Berberitze, f. (PI. -n): 
der Saurach, Sauerdorn. Aus neugr. -lat. 
berberis f., das auf dem gleichbed. arab. ber- 
häris beruht. Im älteren Nhd. dafür Berber- 
staude, während sich die Form Berberitze 
nicht nachweisen läßt (doch vgl. mnd. beve- 
ritte bei Diefenbach - Wülcker S. 230). Unter 
den Entstellungen von Berberis im Munde 
des gemeinen Mannes führt Adelung auch 
Berivitzen auf. 

berden (Jes. 61, lO), v.: sich gebaren, 
sich benehmen. S. Gebärde. 

berechtigen, v. : das Recht wozu geben. , 
Bei Luther. Spätmhd. berehtegen neben dem I 
gewöhnlichen berehten ist «rechtlich anspre- 1 
chen; vor Gericht entscheiden, richten». 

bereden, v.: wovon reden; etwas durch 
mündliche Besprechung festsetzen; jemand 
durch mündliche Rede zu einem Glauben 
bringen oder wozu vermögen. Mhd. bereden 
«worüber reden», dann in den angegebenen 
Bedeutungen, aber auch s. v. a. «beweisen, 
dartun, überführen». 

Beredsamkeit, f.: Fertigkeit in der Rede; 
Redekunst. Von älternhd. beredsam, das von 



bereden gebildet ist; früher auch (mit Anleh- 
nung an beredt) beredtsam und Beredtsamkeit 
geschrieben, was noch Adelung zuläßt. Um 
1600 auftretend neben Beredtheit, das 1599 
bei Albertinus Sendschreiben 2, 4* steht. 

beredt, adj. und adv.: fähig zu bereden 
(wozu durch Redefertigkeit zu bestimmen), 
redegewandt. Eig. das Part. Prät. von bereden, 
aber in der ältenihd. Form mit unterdräcktem 
e der Endung (auch oft mit kui'zem Vokal 
gesprochen). Mhd. beredet, bei Luther beredt 
(fiüher auch bered, wie er auch gesand für 
gesandt schreibt). 

Bereich, m. (-es, PI. -e)-. Umki-eis, Raum, 
so weit die Befugnis, die Macht reicht. Bei 
Campe 1807 noch nicht verzeichnet; nach 
Heynatz 1796 von ihm eingeführt und zuerst 
gebraucht, dann auch von Goethe. Von älter- 
nhd. bereichen «reichen bis an — , erreichen». 

bereichern, v.: reicher (mhd. riclm') 
machen. Erst um 1600 (Albertinus Ki-iegsleut 
Weckuhr 2, 187). Frtiher bereichen, mhd. 
berichen «reich machen». 

bereit, adj. und adv.: gertistet, gerichtet 
zur Tat: zu Diensten stehend. Mhd. bereite, 
bereit, ahd. bireiti. Urspr. wohl «weg-, reise- 
fertig», zu reiten gehörig (wie fei'tig zu fahren). 
Vgl. in andrer Zusammensetzung ags. gercede, 
(woraus engl, ready «bereit, feiiig»), mhd. 
gereite, anord. greidr «bereitstehend, bequem», 
got. garaids «bestimmt, angeordnet». ABL. 
bereiten, v. : wozu richten, anordnen, mhd. 
bereiten. 

Bereiter, m.: wer Pferde zureitet (bei 
Henisch 1616), Kunstreiter; beaufsichtigender 
reitender Beamte (in Land-, Forst-, Zoll- 
bereiter). 

bereits. Gen. des Adj. als Adv.: schon 
(vgl. mit gleicher Bedeutungsentwicklung ndl. 
reeds, alreeds zu reede, engl, already zu ready) ; 
(in obd. Umgangssprache) beinahe. Bei 
Luther und bis gegen Ende des 17. Jh. (z. B. 
bei Lohenstein Hyac. 77) dafür bereit (auf 
das mhd. Adv. bereite zuiückgehend) , was 
auch Stieler 1691 noch anführt; bereits erst 
bei Krämer 1678. Bereitschaft, f., mhd. 
bereitschaft «Ausrüstung, Gerätschaft, bares 
Geld» (in der jetzigen Bedeutung bei Krämer 
1678). bereitwillig, adj. und adv. Bei 
Krämer 1678. 

bereuen, v.: Reue worüber empfinden. 
^Ihd.beriuwen nur vmpersönlich (mich beriuwet 
eines dinges), was auch älternhd. vorkommt. 
Luther verwendet bere^ven auch als trans. V. 



207 



Berg 



Berserker 



208 



Berg, ra. (-es, PI. -e): bedeutende Erd- 
höhe. Mhd, herc (Gen. herges), ahd. berg, 
herag m. ; dazu asächs.-ndl. herg m., ags. heorh 
(Gen. beorges) m. «Grabhügel», anord. berg 
und bjarg n., schwed. berg, dän. bjerg n., got. 
*bairgs m. zu erschließen aus bairgahei f. 
«Berggegend». Berg vielleicht zu bergen 
(s. d.). Zunächst gehört es aber mit Burg, 
arm. berj «Höhe», kymr. bry «hoch», altir. 
bri, Akk. breg «Berg», zu aind. brJiant, awest. 
bardzan- «Höhe», so daß als Grundbed. «das 
Hohe, Erhabene» anzunehmen wäi'e. ZuBerge : 
aufwärts, stromaufwärts (schon mhd.^e berge). 
Dazu die Adv. bergab, bergan, bergauf 
(schon mhd.). ABL. bergig, adj.^ mhd. 
bergiht ZUS. Bergknappe, m., mhd. 
bercknappe m. Bergmann, m., 1482 im Voc, 
theut. y b^perckmann; dazu bergmänniscb, 
adj., 1590 bei Albinus Meißn. Bergchron. 80. 
Bergwerk, n., mhd. b&'cwerc. 

Bergamotte, f (PI. -n): eine Birnenart. 
Aus franz. bergamot, ital. bergamotta f. Aus 
türk. beg-armiidu «Fürstenbirne». Im 17. Jh, 
üblich (1652 bei Eist Parnaß 81 Bergamotten- 
birne). 

bergen (Imp. birg, Prät. barg, Part, ge- 
borgen), V.: wovor wahrnehmend in Sicher- 
heit halten; der Wahrnehmung entziehen. 
Mhd. bergeniYxäi.barc, Vl.burgen, Konj.bürge, 
Part, geborgen), ahd. bergan; dazu asächs. 
bergan, ags. beorgan, anord. bjarga, schwed. 
berga, dän. bjerge, got. bairgan «bewahren». 
Mit Ablaut gehört hierher ags. byrgan, engl. 
bury «begraben», asächs, burgisli, ags. byrgels 
n., engl, burials (PI.) «Begräbnis». Aus dem 
Slav. wird abg. bregq «bewahre, behüte» ver- 
glichen, das aber vielleicht entlehnt ist. Be>'g 
(s. d.) könnte verwandt sein, weim das Verbum 
von dem Nomen abgeleitet ist. Vgl. noch 
Meringer Idg. Forsch. 18, 262. 

Bergfried, m. (-es, PI. -e): Kampftm-m, 
der bewegliche hölzerne, wie der steinerne 
zur Verteidigung. Mhd. bercvrit, mit Ausfall 
des c bervrit m. «hölzerne Verschanzung auf 
einem Berge, Bollwerk, Turm», zusammenges. 
aus mhd. berc und vricle «Schutz». Aus dem 
deutschen Worte das mlat. ber-, belfredus, 
afranz. berfroi, beff roit «Wachtiurm-», ital. (mit 
Anlehnung an battere «schlagen») battifredo ra. 

bergig, Bergknappe, -mann, -werk, 
s. Berg. 

Bericht, m. (-es, PI. -e)-. (veraltet) be- 
lehrende Zurechtweisung; mündhche oder 
schi-iftüche Darlegung woiniber, namentHch 



eines üntem an seinen Obern. Mhd. beriht 
m. und f. (dies auch noch bei Luther) «Mit- 
teilung, Belehrung, Versöhnung». Von be- 
richten, V.: zurechtweisen, zui-echtweisend 
belehren ; Kunde wovon oder woiüber geben ; 
mündlich oder schriftlich darlegen. Mhd. be- 
rihten «recht machen, in gehörige Ordnung 
bringen, eimichten, bestellen, schlichten, unter- 
weisen, belehren». 

berichtigen, v.: richtig machen. Zuerst 
bei Adelung 1774 verzeichnet. Früher erscheint 
in gleicher Bed. berichteil (s. d.). Schon spät- 
mhd. berihtigunge f. «Vertrag, Vergleich». 

beritten, adj.-. zu Pferde sitzend; mit 
einem Pferde zum Reiten versehen. Mhd. 
beriten. Eig. Part. Prät. von bereiten, mhd. 
beriten « (das Reittier) aufsitzend in Bewegung 
setzen, (eine Fläche) reitend durchziehen». 

Berkän, m. (-es, PI. -e): Zeug aus Ziegen- 
haar und Wolle. Mhd. barkän m. s. Barchent. 

Berline, f. (PI. -n): bedeckter Reise- 
wagen, der zurückgeschlagen werden kann. 

o ■ CO 

Im 18. Jh. aus dem gleichbed., bereits 1712 
vorkommenden franz. berline f, eig. «Berliner 
(zuerst von Berlin nach Paris und da in 
Gebrauch gekommener) Wagen». 

Berlocke auch Brelocke, f. (PI. -n): 

Uhrgehängsel. Im 18. Jh. aus franz. breloque, 
hennegauisch berloquei., «zierliche Kleinigkeit 
geringen Wertes, Anhängsel», das man aus 
lat. iis und anord. lökr m. etwas «Herab- 
hangendes» erklärt. 

Bernhard, Mannsname, mhd. Bernhart, 
ahd. Berinhart. 

Bernstein, m. (-s): gelbes brennbares 
Erdharz. Von ndd. bernen (mit Metathese, 
vgl. bersten) «brennen, schmelzen», also eig. 
Stein, der im Feuer schmilzt, vgl. börnen. 
Älternhd. Nebenformen sind Bornstein, Barn- 
stein (auch ndl. barnsteen m.). Schon im 
13. Jh. erscheint mnd. bornsten, 1475 im 
Teuthonista bern-, barnstein, auch in hd. 
Glossaren des 15. Jh. schon bernstein (selten 
brenn-, brennenstein). Bornstein im 16. Jh., 
z. B. bei Mathesius Sar. 61*, Fischart Garg. 
397, auch noch bei Henisch 1616 neben Barn- 
stein; 1598 bei Hutterus Dict. 792 Börnstein. 
Schottel S. 512 hat nur Bernstein. Im Ahd. 
heißt der Bernstein gismelzin., von schmelzen, 
im Mhd. agestein eig. Magnet, auch älternhd. 
oft Ägstein (s. d.). Vgl. auch Glas. 

Berserker, m. (-5, PI. wie Sg,): von 
Kampfeswut erfüllter Krieger (bei Goethe 
29, 87 Berserkerwuth). EuÜehnt aus dem 



209 



bersten 



Besanmast 



210 



ffleichbed. anord. herserkr m., eig. «Bären- 
kleid» (her- «Bär», serkr «Kleid»), dann 
«Männer in Bärengewand, die von tierischer 
Wut befallen und mit unwiderstehlicher Ge- 
walt sich auf alles Lebende stürzen, um es 
zu vernichten». 

bersten (Imp. hirst, Prät. barst, Part. 
geborsten), v.: auseinanderbrechen. Mit Um- 
stellung des r (entsprechend dem Md. Ndd.) 
aus mhd. bresten (Prät. brast, PI. hrästen, 
md, auch brüsten, Part, gebrosten), ahd. hrestan, 
unpers. anch «mangeln, gebrechen» (s. Ge- 
bresten): dazu asächs. hrestan, anord. bresta 
und mit gleicher Umstellung wie im Xhd. 
ndl. barsten, afries. bersta, ags. berstan, engl. 
burst. Gehört zu brechen oder zu air. hrissim 
«breche», gr. trepOuj «zerstöre». S. Walde 
unter frustum. Das Wort ist von Luther 
aus dem Md. eingeführt und dem Obd. 
urspr. fremd (bei Dasypodius, Maaler und 
selbst Dentzler nicht angeführt). Das Prät. 
lautet ältemhd. auch borst (Schottel S. 581 
erborst, auch noch Brockes 1, 151, Bürger 203), 
davon noch jetzt der Konj. börste. Imp. birst, 
Präs. birstet, birst auch schwach gebildet: 
berste, berstest, berstet. 

-bert, an Mannsnamen wie Ädelbert, Albert 
(s. Adel), Hubert usw., bed. s. v. a. «glänzend, 
leuchtend». Aus mhd. herht, ahd. beraJit 
«glänzend, leuchtend»; dazu asächs. berht, 
ags. beorht, engl, bright, anord. bjartr, got. 
bairhts «offenbar». Weiter vergleicht man lit. 
birsti «wird weiß», s. Wiedemann Idg. Forsch. 
1,512, gr. cpopKÖv XeuKÖv, iroXiöv, ^ucöv Hes., 
Grienberger Wiener SB. 142, 43. Vgl. auch 
-brecht. Davon der Frauenname Berta, mhd. 
Berhte, ahd. Berahta, Berhta. Zusammenges. 
mit bert ist auch der Mannsname Bertold, 
mhd. Berhtolt, ahd, Berahtolt, in dem -olt 
auf -walt zurückgeht. 

Bertram, m. oder n. [-es, PI. -e): die 
Geifensurz, lat.-gr. pyrethrum. Frühnhd. auch 
noch berchtram, brechtram, mhd.ahd.herhtram 
an den deutschen Mannsnamen Berhtram, 
Bertram d. i. «glänzender Rabe, Glanzrabe» 
angelehnt und so mit deutschem Klang aus 
dem gr.-lat. Namen der Pflanze pyrethrum, 
gr. TTÜpeepov n., abgeleitet voniröpn. «Feuer» 
und nach dem scharfen brennenden Geschmack 
der Wurzel benannt. Der Name Geifer- oder 
Speichebcurz , weü die Wurzel gekaut den 
Speichel stark zusammenzieht. 

berüchtigt, adj.: worüber übles Gerede 
(Gerücht) umläuft. Eig. das Part. Prät. von 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



beriichtigen «in übles Gerede bringen», das 
aus dem Ndd. stammt (mnd. heruchtigen, 
berochtigen neben der einfacheren Bildung 
beruchfen), aber im 15. Jh. auch in md. 
Quellen zu finden ist (1469 heruchtigen im 
mittelrhem. Voc. ex quo «infamare», 1501 im 
j Leipziger Voc. optimus, vgl. auch Diefenbach- 
1 Wülcker 195). Über rüchtigen s. ruchbar 
und Gerücht. 

berücken, v.: Hstig täuschend fangen, 
eig. das Netz über die gefangenen Vögel 
rücken (Pred. 9, 12); unvermutet überfallen 
und zu Schaden bringen, betören. Durch 
Luther eingeführt. 

berücksichtigen, v.: Rücksicht worauf 
nehmen. Zuerst von Campe 1807 als Wort 
der Umgangssprache angeführt. 

Beruf, m. {-es, PL -e): (veraltet; Ruf, 

spätmhd. feer?«?/ «Leumund»; Stellung, in die 

man eingewiesen ist, Bestimmung, Amt fbei 

Luther); innerer Antrieb. Von berufen, v.: 

herbei, zusammenrufen, zu etwas rufen, mhd. 

beruofen, ahd. hihruofen; zur Rede setzen, 

tadeln (nxhd. beruofen mit Gen. oder von, 

umbe): etwas unzeitig und zumUnheü nennen 

(frühnhd., wie beschreien, eig. nur laut von 

, etwas reden, vgl. mhd. beruofen «laut aus- 

i rufen»). ReÜ. sichber-ufen (mit auf): jemand 

anrufen, an jemand appellieren, jemand oder 

etwas zm* Bekräftigung einer Behauptung 

heranziehen (mhd, sich beruofen mit an, in, 

auch inti*. beruofen). Davon das Part. Prät. 

; berufen auch s.v.a, «berühmt» (bei Luther); 

' bemchtigt, verrufen (bei Fleming 586). 

berühmt, adj.: mhmlich bekannt. Bei 
Luther. Eig. Part. Prät. von herühmen, mhd. 
berüemen «rühmen» (später nur s-ich herühmen 
mit Gen.). 

Beryll, m. {-es, PI. -e): ein meergrüner 
Edelstein. Mhd. herille fGen. berillen), harille 
aus dem gleichheä.gv.-lAt.heryllus, gr. ßnpuXXoc 
m.f., das ausprakYit.velurijam.veru^ijam. aind. 
vaidürja stammt. S. auch Brille. 
besabbern, s. sabbern. 
besage, präp. mit Gen.: nach Wortlaut. 
Im Kanzleistil, schon frühnhd., gekürzt aus 
spätmhd.nacÄ besage, woraus sich ein spätmhd. 
besage f. «Wortlaut, ausdrücklicher Lihalt» 
ergibt, abgeleitet von besagen, ahd. hisagen 
«aussagen». 

, Besanmast, m.: Hintermast, Besänsegel, 

In.: Hintermastsegel. Jenes das ndl. hezaans- 

mast f., zusammenges. mit ndl. hezaan f. 

«nächster Mast am Hinterteil des Schiffes». 

14 



211 



Besatz 



Bescheid 



212 



Das Wort ist wohl schon im 16. Jb, ein- 
gedrungen, da Fischart im Garg. 117 hesanet 
Schiff «mit der Besan ausgestattetes» bat: 
Ludwig 1716 verzeichnet znerst Besaant Da- 
neben erscheint eine Form mit anlautendem m 
(im 16. Jh. bei Chytraeus Moysahn, bei 
Fleming 584 Meysan «Besansegel»), die dem 
ital, mezzana, franz. mizaine, engl, mizzen 
entspricht und als urspiünglicher anzusehen 
ist; zugrunde liegt lat. mediana «die in der 
Mitte befindliche». 

Besatz, m. {-es, PI. Besätze): das womit 
etwas eingefaßt (besetzt) wird. Junge, bei 
Adelung 1793 noch nicht verzeichnete Bil- 
dung von besetzen (wie Verlag von verlegen, 
Versand von versenden). 

Besatzung, f. (PI. -en)-. die in einem 
Orte liegende Mannschaft. Zu besetzen, mhd. 
besetzen «mit der nötigen Mannschaft ver- 
sehen, bevölkern», wie Bestallung znbestellen. 
Spätmhd. besatzunge (neben besetzunge) f. ist 
«Befestigung»; Besatzung in der jetzigen Bed. 
erscheint bei Fronsperger Kriegsb. 1, 115, wäh- 
rend Luther dafür Besetzung hat (l.Makk.4,2). 

besaufeu, v.: (veraltet) völlig trunken 
machen. Mhd. besüfen (Prät. besouf, Part. 
besoffen) «versinken, ertrinken», vermischt 
mit dem Faktitivum besoufen (Prät. besoufte), 
ahd. bisoufen «ertrinken machen, ertränken, 
eintauchen». Jetzt nur refl. sich b. (zuerst 
bei Krämer 1678). 

beschaffeil, adj.: nach den Merkmalen 
erscheinend. Mhd. beschaffen, Part. Prät. von 
beschaffen «erschaffen», ist «vorhanden, be- 
findlich, existierend, durch das Schicksal be- 
stimmt», während geschaffen, Part. Prät. des 
einfachen schaffen, auch die Bed. von «ge- 
staltet, gebildet» hat, die bei beschaffen im 
17. Jh. hervortritt. ABL. Beschaffenheit, 
f.: bestimmte Art des Erscheinens nach den 
Merkmalen. Bei Henisch 1616. Mhd. be- 
schaffenheit ist «Schöpfung». 

beschäftigen, v.: tätig (geschäftig) ma- 
chen. Gebildet von einem unbelegten, aber 
nach ndd. besehe ftich «geschäftig» vorauszu- 
setzenden md. Adj. bescheftic (belegt ist nur 
in md. Quellen scheftic «geschäftig, tätig» 
und gescheftic). Bei Krämer 1678. In mhd. 
Zeit erscheint dafür md. besehe ften. 

beschälen, v.: dieStute befruchten. ABL. 
Beschäler, m. : Zuchthengst. U^lbescheler 
im Voc. theut. d 3 ^^ neben scheler cc 4% wofür 
mhd. einfacher sehet, ahd. scelo m. «Schell- 
hengst» (s. d.). 



beschaulich, adj. : auf innere Betrachtung 
gerichtet. Spätmhd. beschouivelich (in der 
deutschen Theologia), von beschourven, das 
bei den Mystikern (nach lat. contempläri') 
von der inneren seelischen Betrachtung ge- 
sagt wurde. 

Bescheid, m. (-es, PI. -e): genaue unter- 
scheidende Kenntnis; genaue Auskunft wor- 
über; schlichtende Erkenntnis in einer Rechts- 
sache; zukommende Erwiderang (auch beim 
Trinken, vgl. bescheyd thun bei Dasypodius 
1587, Alberus Fab. 8, 60). Mhd. bescheit m. n. 
und bescheide f. Von bescheiden, v. : (ehe- 
dem völlig scheiden, dann) gehörig ausein- 
andersetzen; worüber genauen Bericht geben, 
bestimmt benachrichtigen ; ein die Rechtssache 
schlichtendes Erkenntnis erteilen; vorladen; 
zuteilen. Refl. sich bescheiden «zui* klaren 
Erkenntnis wovon kommen, in einsichtsvoller 
Weise sich in seinen Wünschen und An- 
sprüchen beschränken». Mhd.bescheiden «völlig 
scheiden, entscheiden, schHchten, einrichten, 
bestimmen, benachrichtigen, zuteilen». Davon 
das alte Part. Prät. bescheiden als Adj. 
(aber sonst beschieden s. scheiden): 1) (ver- 
altet) Bescheid wissend, erkenntnis-, einsichts- 
voll (Schiller Teil 1, 4. 5, 1), mhd. bescheiden; 
2) zum Refl. (ebenfalls veraltet) zurückhaltend, 
maßhaltend, züchtig (so zuweilen schon mhd., 
z. B. Wigalois 155, 1, dann in friihnhd. Glos- 
saren, z.B. 1482 im Voc. theut. d4^ bescheydener 
«tranquillus», in andern Glossaren «modestus», 
bei Maaler 1561 «züchtig»); mäßig in Wunsch 

und Anspruch (im 17. Jh.). ABL. Be- 
scheidenheit, f. : Mäßigkeit in Wunsch und 
Anspruch. Mhd. bescheidenheit ist dagegen 
«richtige (alles wohl auseinanderlegende und 
haltende) Einsicht und Beurteilung, Verstän- 
digkeit» (so noch Luther, doch schon 1501 
im Voc. opt. R 2^ «meßigkeit, modestia», bei 
Maaler 1561 «moderatio, verecuudia»). be- 
SCheidentlich, adj.undadv.: der Mäßigkeit 
in Wunsch und Anspruch gemäß. Mit ein- 
getretenem t aus mhd. bescheidenlich «ver- 
ständig, den Umständen angemessen, ge- 
bührlich, deutlich». -^?7<S. Besch eidessen, n.: 
was man den Nachbarn von einem Schmause 
oder Schweineschlachten zuschickt, dann was 
Gäste beiseite legen und den Ihrigen nach 
Hause senden oder bringen, damit sie gleich- 
sam Bescheid tun d. h. nachessen. Im altern 
Nhd. 1482 im Voc. theut, d4'^ und noch 1717 
Abrahamisches Bescheidessen des P. Abraham 
a. S. Clara. 



213 



bescheinigen 



beschuppen 



214 



bescheinigen, v.-. einen Schein worüber 
ausstellen. Bei Stieler 1691, aber noch in 
der altern Bed. «offenbar machen, beweisen». 
Nicht von Schein ausgehend, sondern Neben- 
form (mit Anlehnung an das älternhd. Adj. 
scheinig, mhd. schinec «leuchtend, glänzend, 
in die Augen fallend, sichtbar») von älternhd. 
hescheinen, mhd. hescheinen «sichtbar machen, 
sehen lassen, zeigen, beweisen», dem Faktitivum 
zu dem starken V. hescheinen (Prät. heschien), 
mhd. heschinen, ahd. hisMnan «erleuchten, er- 
hellen» ist. Die jetzige Bed. bei Ludwig 1716 
(daneben hescheinen noch bei Adelung). 

beSCheLßen, v.: mi^ Kot beschmutzen; 
frech betmgen. Mhd. heschinen auch schon 
in der 2. Bed., ahd. hisd^an nur in der 1. 

bescheren, v, : ein Geschenk, als Geschenk 
zuteilen. Mhd. hescheni (namentlich von gött- 
licher Schickung) «zukommen lassen, verleihen, 
bestimmen;^ eig. «zuteil gebeir;, ahd. hiscerjati 
«abteilen» oder «absondern», besonders zur 
Wegnahme «berauben»; dazu ags. hescyrian 
hescyrtvan «berauben». Das einfache mhd. 
schet-n, ahd. scerjan, asächs. skerian, ags. 
scyrian ist «abteilen, zuteilen, bestimmen» 
usw., abgeleitet von Sclmr (s. d.). Ein andres 
Wort ist hescheren «beschneiden», s. scheren. 

beschicken, v.: nach jemand schicken, 
ihn holen lassen, mhd. heschicken: durch Ab- 
cfesandte besuchen lassen: in Ordnung bringen, 
versorgen (mhd. heschicken ist «im Testament 
festsetzen»!, vgl. geschickt. 

beschlafen, v.: beiliegend schwängern, 
mhd. hesläfen: zum Überdenken eine Nacht 
verziehen ffrühnhd.). 

Beschlag, m. {-es, PI. Beschläge): wider 
anderes Festgemachtes zu Festigkeit oder 
Zierde (spätmhd. heslac m., daneben auch 
heschläge u.); Hufeisen des Pferdes und dessen 
Befestigung; äußerer Ansatz und Anflug, 
der sich abwischen läßt; erhobener Anspruch 
auf etwas, um es zurückzuhalten (erst bei 
Steinbach 1734, wohl aus dem Ndd., schon 
mnd. das V. heslän «mit Beschlag belegen»). 
Von beschlagen, v. : wider etwas schlagen ; 
fest anschlagen an etwas; befestigend womit 
überziehen, einschüeßen, versehen z. B. das 
Pferd an dem Hufrand mit einem Hufeisen 
(in diesen Bedd. mhd. heslahen, ahd. hislahan) ; 
( weidmännischj trächtig machen. Davon das 
Part. Prät. beschlagen auch adjektivisch: 
mit Kenntnissen wohl versehen, eig. durch 
Eisenbeschlag stark tmd dauerhaft, wie franz. 
fh-re, (bei Duez 1664). 



beschleunigen, v.: rasch fördern (bei 
Stieler 1691). S. schleunig. 

beschmaddem, v.: voll schmieren, be- 
schmieren, besudeln fWieland Lucian 1, 331j. 
Bei Stieler 1691 heschmaderen. Aus dem Ndd., 
zusammenges. mit ndd. smadäern «beschmut- 
zen, schmieren», wohl aus älterm smoddern, 
i ndl. smodderen, das zu Schmutz (s. d.) gehört. 
' beSChnäufeln, v.: (von Jagdhunden) 
' schnaufend beriechen, abgeleitet von he- 
I schnaufen, s. schnaufen. Bei Adelung 1774. 
I beschneiden, v.: i-ingsum abschneidend 
I schneiden; wegsehneidend der Vorhaut be- 
nehmen. Mhd. hesniden, ahd. hisntdan. ABL. 
beschneitein, v.: wie beschneiden (früh- 
nhd.). S. schneiteln. 

beschnellen, V. : betrügen. Veraltet, aber 
noch bei Bürger, Voß. Wegen der Bedeu- 
tungsentwicklung vgl. prellen. 

beschnüffeln, v.: beriechend untei-suchen. 
Bei Lessing 10, 176 ohne Umlaut heschnuffeln. 
S. schnüffeln. 

beschnuppern, v.: an etwas umhemechen. 
In einem md. Glossar des 14. Jh. hesnoppern 
«naschen». Bei Lessing 1, 126 heschnopern. 
S. schnuppern. 

beschönigen, v.: dui-ch Schönmachen 
verdecken und entschuldigen. Dafür mhd. 
heschoenen «schön machen, schmücken, ver- 
herrhchen», dann s.v.a. «entschuldigen, recht- 
fertigen». Auch im altem Nhd. heschönen (noch 
1758 bei Nieremberger) ; das erweiterte he- 
schönigen bei Steinbach 1734. 
' beschränken, v.: in Grenzen (Schranken) 
i fassen, einschließen, einengen. Eefl. sich h. : 
j sich in Grenzen halten. Das Part. Prät. be- 
schränkt auch adj.: begrenzt, allzu eng, 
, geistig unfähig (bei Goethe). Mhd. hesehrenken 
ist «um klammem, einschränken, verspen'en, 
zu Fall bringen, überüsten», ahd. hiscrenken 
«zu Fall bringen, verleumden». 
, beschreiben, v.: voU schreiben; schrift- 
j lieh aufzeichnen : schriftlich darstellen ; über- 
j haupt darstellen, schildern (in diesen Bedd. 
] mhd. heschrihen) ; eine Linie darstellen, eig. 
I beim Zeichnen, dann aber auch durch eigene 
Bewegung. 

beschummeln, v.: in niedriger Weise 
I betrügen. Bei Adelung als ndsächs. Ausdruck 
für «durch Geschwindigkeit oder List be- 
trügen» angeführt. S. schummeln. 

beschuppen, v.: anführen, überlistend 

betrügen. Das gleichbed. nd. beschuppen ; eig. 

; hd. wäre heschupfen. Zusammenges. mit schup- 

14* 



215 



Beschwerde 



Besitz 



216 



/ew, md.-ndd. schuppen «durch einen kurzen 
Schwung schaukehid in Bewegung setzen, hin 
und wieder stoßen, überstürzen», (mundartlich 
dann) «übertölpeln, zum besten haben» (s. 
Schmeller - 2, 44 1 ), vgl. auch mhd. underschupfen 
«ein Bein stellen und so zu Falle bringen, 
mi t, List verdrängen, überlisten». 1687 kommt 
in der Gaunerspi'ache schuppen «betrügen», 

1750 beschuppen vor: Adelung 1774 führt 
den Ausdruck als ndsächsisch an. 

Beschwerde, f. (PI. -n): Schmerzempfin- 
dung, Betmbnis worüber, sowie Äußerung, 
Klage derselben; drückend Belästigendes. Mhd. 
heswoerde f., zusammenges. mit ahd. swärida f. 
«drückende Last», von schver; ahd. swäri. — 
beschweren, v.; schwer d. i. schmerzlich, 
drückend, lästig machen und sein. Mhd. be- 
swceren, ahd. (bei Notker) beswären. Refl. 
sich beschivere7i: sich eine Last aufladen; als 
Last empfinden (Sir. 7, 39) ; über Drückendes 
klagen (im 16. Jh. mit Gen. der Sache). ABL. 
beschwerlich, adj.: drückend lästig. Früh- 
nhd. (bei Luther). Beschwernis, f.: drückend 
Belästigendes. Mhd. besivcernisse f. 

beschwichtigen, v. : durch Zm-eden ruhig 
machen. Aus dem Xdd., mit ndd. cht für hd. ft, 
Ableitung von ndd. swichten, mhd. swiften 
«stillen, dämpfen», das von mhd. sivift «ruhig» 
gebüdetist; ahd.giswiftoyi «stille sein, schwei- 
gen». Der zugrunde liegende Stamm wohl 
auch in got. sweiban «aufhören, nachlassen». 
Das von Adelung 1793 noch nicht angeführte 
Wort braucht 1778 Hermes Sophiens Reise 
6, 636: 1795 wird es von Campe Bereichei-ung 
empfohlen; Wieland führt dann 1797 das schon 
1774 von Klopstock gebrauchte schwicMigen 
in die neue Bearbeitung der Belsora Suppl. 
2, 65 ein (bemerkt aber S. 79, daß das Wort 

1751 außerhalb Medersachsens unbekannt ge- 
wesen sei), von da an wird b. oft gebraucht. 

beschwören, v. : mit Beteuerungen bitten ; 
durch Zauberspruch vergewaltigen, schwörend 
bekräftigen. Mit Entwicklung eines e aus ö 
(s.schivören) aus m]id.beswern, ahd. bisiverian; 
got. (ohne J -Verstärkung im l*räs.) bisivaran. 

besebeln, v. : betrügen. In der Gauner- 
sprache. Schon frühnhd. auch literarisch (z. B. 
besebeln Mathesius Sai-. 78'', 224*, bese feien 
Fischart Garg. 302, davon dann Besebler «Be- 
trüger» Mathesius Sar. 276% Beseffler Mo- 
scherosch Phil. 2, 629). Eig. beseheißen (im 
Lib. vag. sefeln «scheißen») zu hebr. arm. zebel 
«Mist, Kot». Doch vgl. auch sabbeln, sabbern 
«den Speichel fließen lassen, beschmutzen». 



beseitigen, v.: auf die Seite, weg schaffen. 
Weiterbildung eines altem beseiten, nach Hey- 
natz 1796 nur in obd. Staatsschriften, dann 
bei Campe 1807. 

beseligen, v. : in hohem Grade beglücken, 
eig. selig (s. d.) machen. Frühnhd. (auch bei 
Luther), aber in der Bed. «begaben» (noch 
bei Stieler 1691, doch daneben die jetzige Bed.). 

Besemer, s. Desem. 

Besen, m. (-s, PI. wie Sg.) : Kehrwerkzeug, 
Rutenbündel zur Zucht; (studentisch)Mädchen, 
namentlich niedem Standes (seit Ende des 
18. Jh. nachzuweisen, doch jedenfalls weit 
älter, Hausbäsem als Schimpfwort schon bei 
Fischart). Mit Abschwächung des Suffixes zu 
-en (doch Besem noch bei Steinbach 1734, 
auch bei Goethe, z. B. 14, 308 auf Besmen) 
aus mhd. besenie (Gen. besemen, dann auch 
stark), ahd. besamo m. ; dazu ndl. bezem, ags. 
besma m., engl, besom. Dunkler Herkunft. 
Redensart: neue B. kehren gut «wer neu im 
Amt oder Dienst, ist zu eifrig, ist übertätig» 
(schon bei H. Sachs 21, 80 die newen Besen 
keren ivol und im Vridanc 50, 12 der nimce 
beseme keret rvol). Dim. Besenchen, n., 
bei Goethe auch noch Besemchen und gekürzt 
Besehen (31, 99). ZUS. Besenstiel, m., mhd. 
besemstil, bei Goethe (Faust 2308) auch s.v.a. 
Hexenmeister, vom Ritt der Hexen auf Besen 
(Ebd. 3835). 

besessen, als Adj. gesetztes Part. Prät. 
von besitzen (s. d.): von einem innewohnen- 
den bösen Geiste ganz eingenommen oder 
geplagt. So schon mhd, bese^^en. 

besichtigen, v.: in Augenschein (Sicht) 
nehmen. Im 15. Jh. tritt besichten, daneben 
auch schon das weitergebildete besichtigen 
(1507 bei Wilwolt von Schaumburg 80, auch 
bei Luther) auf. 

Besing, s. Beere. 

besinnen, refl. v.: etwas durch feste 
Richtung der Sinne im Geiste wieder gegen- 
wärtig machen. Mhd. besinnen (mit st, u. 
schwacher Flexion) «mit fester Richtung der 
Sinne in Überlegung ziehen, zur Erkenntnis 
bringen, erachten», refl. sich b. «nachdenkend 
sich bewußt werden». Das Part. Prät. als 
Adj. gesetzt besonnen: gefaßten Sinnes und 
überlegt, mhd. hesunnen und besinnet (daher 
auch älternhd. bis ins 18. Jh. besinnt). ABL. 
Besinnung, f. : Überlegung ; Kraft der Über- 
legung. Erst, bei Adelung 1793. 

Besitz, m. {-es): Innehaben einer Sache 
zu voUer Verfügung, Im 15. Jh. (1482 im 



217 



besoifeu 



Bestand 



218 



Voc. theut. d 4^, aber in der Bed. Belagerung), 
dann bei Lutber (5 Mos. 33, 23) in der Bed. 
«Besitzung, besessener Grund und Boden» und 
später, doch anfangs noch selten. Mbd. dafür 
heseg m. n. Im 18. Jb. im Besitz sein «die 
Macbt wozu haben, in der Lage sein» (Schiller 
4, 117). Von besitzen, v.: innehaben zu 
freier Verfüonns. Mhd. besitzen, ahd. hisizzen, 
eig. «umsitzen», daher auch «belagern», dann 
auch in der jetzigen Bed. ; dazu a.sAth.'i.hisittian, 
ags. hesittan. S. auch besessen. ABL. Be- 
sitztum, n., erst im 17. Jh. (Zesen Ibr. 427 
Besitztuhm). Besitzung, f., mhd.besitzunget 

besoflFen, als Adj. gesetztes Part. Prät. 
von besaufe)i (s. d.): aus ünmäßigkeit völlig 
betrunken (1697 bei Ettner unw. Doctor84l). 

besolbern, s. besulbem. 

besonder, adj.: für sich als Teil eines 
Granzen von anderm getrennt ; als eigentümlich 
auszuscheidend; vor anderm hei-vorzuhebend. 
Das Adj. taucht erst im 14. Jh. spärlich auf, 
gebüdet aus dem mhd. Adv. besunder «in Ab- 
gesondertheit, im einzelnen, vorzüglich», ent- 
standen aus be- als Abschwächung der mhd. 
Präp. M «bei» und dem Adv. sunder, ahd. 
suntar (s. sonder). Davon mit genetivi- 
schem s das Adv. besonders. Frühnhd. 
(bei Liliencron 3, 395 v. J. 1521 besunder s, 
bei Luther besonders). 

besorgen, v.: mit Sorge bedenken, mit 
Sorge entgegensehn, mhd. besorgen, ahd. bi- 
soragen (auch refl. sich b. mit Gen.): Sorge 
um etwas tragen, die Sorge wofür über- 
nehmen (auch mhd. ahd.); (abgeschwächt) 
auszviführen übernehmen. Das Part. Prät. 
besorgt adjektivisch: Sorge habend worum, 
fürsorgend bedacht, angstbewegt, mhd. be- 
sm-get. ABL. besorglich, adj. u. adv., früh- 
nhd. Besorgnis, f., erst im 18. Jh. (Heynatz 
1796 führt es als neues Wort auf, das von 
verschiedenen guten Schriftstellern gebraucht 
werde). Beide zu besorgen in der l.Bed. 

besprechen, v.: geradezu ansprechen 
('Schiller Zerst. v. Troja Str. 48j; in Anspruch, 
in Beschlag nehmen (Goethe 21, 253; 29, 252. 
Schiller Parasit 1, 5); verabreden (Goethe 86, 
153); durch Hersagen von Spruch oder Formel 
einwirken auf — ; mündlich be-, verhandeln. 
Refl. sich b.: sich miteinander unterreden, 
besonders worüber. Mhd. besprechen «an- 
reden, bitten, beschuldigen, vei'abreden», auch 
sich b. «sich durch Sprechen miteinander 
beraten», ahd. bisprehhan auch «herabsetzen, 
tadeln, rügen, verurteilen». Die Bed. «zau- 



i berisch einwirken auf — » erst bei Adelung 
1774 (doch schon mnd. bespreJcen), die Bed. 
<•< mündlich verhandeln» ist ganz jung (noch 
nicht bei Campe 1807). 

besser, adj. u. adv.: anderm vorzuziehend, 
vorzüglicher; noch mehr als anderes. Der 
übliche Komparativ des Begriffes gut. Mhd. 
be^^er, ahd. be^^iro (mit schwacher Flexion); 
dazu asächs. betero, ndl. beter, ags. betera, 
engl, better, anord. betri, schwed. bättre, dän. 
bedre, got. batiza. Als Adverb steht mhd. 
ba^ (s. baß, auch wegen der Etymologie), 
nhd. aber besser. ABL. bessern, v.: besser 
machen, refl. sich bessern «besser werden». 
^Ihd.be^ßern, ahi.be^girön. Davon Besserung, 
f., mhd. beg;^e)-unge, ahd. be^^irunga. 

best, Superlativ zu dem Kompar. besser 
(s. d.). Mhd. be^^est, be^^ist, meist verkürzt 
(mit Schwinden des 55 vor s) best, ahd. beß^ist: 
dazu asächs. betest, betst, ndl. best, ags. betest, 
betst, engl, best, anord. beztr, schwed. bäst, 
dän. bedst. Redensarten: zum Besten geben 
eig. «bei einem Fest als Preis (das Beste) 
aussetzen», dann «überhaupt für eine GeseD- 
schaft spenden, preisgeben» (im 17. -Th. bei 
A. Gryphius); zum Besten haben «verspotten, 
anführen», eig. wohl «als Zielscheibe beim 

, Preisschießen bestimmen», dann «zum Ziel 
von Angriffen machen» (1715 bei Ettner 
Hebamme 196; im 17. Jh. dagegen zum 
Besten Imben «als Gewinn davonti'agen»). 
ABL. bestens, adv., im 17. Jh. 

bestallt, adj.: in ein Amt eingesetzt, 
namentlich in dem kanzleimäßigen ivohlb. 
Ein erstarrtes Part. Prät. mit Rückumlaut 

\ von bestellen (s. d.), denn mhd. bestellen bildet 
im Prät. bestalte, Part, bestalt und bestellet. 
Zuweüen wird zu bestallt ein Inf. bestallen 
gebildet (schon mhd. in md. Quelle bestallen 
«besetzen»). — Bestallung, f.: Übertragung 
einer Stelle; amtliche Stelle, sowie die damit 
verbundene Besoldung. Im 15. Jh. bestallunge 
f. Gebildet von bestellen, wie Besatzung von 
besetzen. 

Bestand, m. [-es, PI. Bestände): das 
Standhalten, Festbleiben, Dauer; aUes zu- 
sammen was ein Ganzes ausmacht; (obd.) 
Pacht, Miete (das Sein worin für eine Dauer). 

I Im 15. Jh. bestant m., namentlich «Waffen- 

^ stillstand», dann auch «Dauer, anhaltendes 
Sein, Pacht, Miete». Zu bestehen. ABL. Be- 

\ Ständer fobd., auch Beständner), m.: Pächter. 

(beständig, adj. u. adv.: festbleibend, un- 
unterbrochen dauernd, mhd. bestendec. ZUS. 



219 



bestätigen 



Besuch 



220 



Bestandteil, m., bei Adelung 1774 aus der 
philosophischen Sprache. 

bestätigen, v.: stetig (stätig) d. i. fest- 
stehend, beständig, dauernd machen (sich h. 
bei Goethe 35, 68); als giltig erklären, be- 
kräftigend giltig machen. Mhd. hestcetigen 
(daneben auch hestceten, s. Bestatter), ahd. 
iiloQstätigm, von dem Adj.s^a% «stetig» (s. d.). 

bestatten, v.: feierlich zu Grabe bringen. 
Mhd. hestaten urspr. «an seine oder überhaupt 
eine Statt bringen», dann «eine Statt geben, 
mit allem Nötigen versehen», besonders «zur 
Heii'at ausstatten, zu Grabe bringen». 

Bestatter, m. {-s, PI. wie Sg.): wessen 
Gewerbe es ist die Versendung von Gütern 
zu besorgen, der Spediteur. Am Rhein. Von 
bestatten «mit Leistung von Sicherheit ver- 
bundene Versendung von Gütern besorgen» 
mit Kürzung des Vokals aus mhd. hestceten 
«beständig machen, festgesetzt machen», dann 
«Sicherheit leisten für — ». Schon im 15. Jh. 
in Frankfurt hesteder (Diefenbach-Wülcker 
S. 209) ; Adelung hat noch richtiger Bestäter. 

bestechen, v.: rings um etwas stechen; 
in etwas stechen, einstechend versuchen (in 
der Bergmannsprache, schon mhd.); durch 
Geld zu einer unrechten Handlung verleiten, 
die Vorteil bringt; (übertragen) für sich ein- 
nehmen. Die 3. Bed. erscheint friihnhd. (Sallust 
R 2), daneben auch einfaches stechen (z. B. 
mit gelt gestochen Sallust S 2, stechen mit 
geschenckenhut\ieTb,4:\S^ Jen., mit gelt stechen 
Franck Chr. 66**); sie geht vielleicht von der 
2. Bed. aus, bestechen also eig. «auf die Probe 
stellen, versuchen » (in diesem Sinn auch mhd. 
stechen). ABL. bestechlich, adj., erst bei 
Adelung 1793. 

Besteck, n. (-[e]5, PI. -e)-. das Futteral, 
in das gewisse zusammengehörige Werkzeuge 
eingesteckt und in dem sie getragen werden, 
sowie diese Werkzeuge selbst; Messer und 
Gabel (die früher oft in einem Futteral ge- 
tragen wurden). Frühnhd. (Fischer 1, 937). 
Bei Stieler 1691 auch Gesteck. 

bestehen, v.: l) intrans. (worauf, worin) 
Stand halten, fest bleiben, woraas gebildet 
oder zusammengesetzt sein, überhaupt sein. 
2) trans. feindlich entgegenstehen; kräftig 
(fest stehend) unternehmen oder durchdauern ; 
stehend räumlich einnehmen. Mhd. hestän, 
ahd. histantan, histän «Stand halten, stehen 
bleiben; bleiben; umstehen, stehend besetzen, 
feindlich angreifen, überfallen», mhd. auch s.v. a. 
«als Lehensträger oder Mieter übernehmen». 



bestellen, v. : wohin zu festem Stand an- 
weisen (Jos. 10, 18; 2 Kön. 7, 17); in ein Amt 
einsetzen (2. Chron. 19, 5); wohin bescheiden 
oder zu kommen laden; beauftragen zu fer- 
tigen; in Stand setzen, bestimmt ordnen, zu- 
richten; zur Besorgung befördern. Mhd. be- 
stellen «rings umstellen, besetzen» (namentlich 
mit Bewaifneten), «einsäumen, m den Stand 
setzen, bestimmen, anordnen, Oi'dnen, als Ei- 
gentum, zur Nutzung überweisen, zur Stelle 
bringen, besorgen», ahd. histellen «rings um- 
stellen, umgeben». S. auch bestallt. 

bestens, s. best. 

bestialisch, adj.: tierisch roh, viehisch. 
Aus lat. bestiälis «tierisch wild, viehisch», 
von bestia f. (s. d. f.). Frühnhd. (1538 bei 
Schaidenreißer Paradoxa 2 ^, 1 598 bei Albertinus 
Sendschr. 1, 207"^). Bestialität, f.: tierische, 
viehische Roheit. 1603 bei Albei'tinus Zeit- 
kürzer 50*^ Bestialitet. Aus neulat. bestialitas 
f. — - Bestie, f.: wildes Tier. Aus lat. bestia 
f. «wildes (Wald-) Tier», bei Plautus auch 
Scheltwort. Schon mhd. bestie, frühnhd. auch 
als Scheltwort. Nd. früher Beest n., PI. 
Beeste, jetzt auch Biest n., PI. Biester. 

bestimmen, v.: durch die Stimme be- 
zeichnen, entschieden bezeichnen, mhd. be- 
stimmen «benennen, mündlich bezeichnen, fest 
bezeichnen»; einem Gebrauche oder einer Auf- 
gabe zuweisen; nach unterscheidenden Merk- 
malen genau abgrenzen (bei Ludwig 1716); 
entscheidend zu etwas veranlassen (bei Ade- 
lung 1774, zunächst aus der philosophischen 
Sprache). Davon das Part. Prät. bestimmt 
in adjekt. Gebrauch «fest bezeichnet; genau 
abgegrenzt; entschieden», wie franz. Meide 
(erst bei Campe 1807). 

bestreiten, V.: bekämpfen, mhd. bestriten; 
in der Rede entgegentreten; bewältigen, An- 
forderungen Genüge tun (bei Stiel er 1691), 
namentlich in Bez. auf Kosten. 

bestricken, v.: bei-ücken eig. im Stricke 
fangen. Mhd. bestricken. 

bestÜrzen, v.: durch Unerwartetes die 
Geistesgegenwart verlieren machen. Mhd. be- 
Stürzen, ahd. bistur zen «überstürzen, umwen- 
den», dann «außer Fassung bringen, verwii-rt 
machen». ABL. Bestürzung, f., 1626 bei 
Zincgref Apophth. 1, 23. 

Besuch, m. {-es, PI. -e): das Sichwohin- 
begeben, um dort eine Zeitlang zu verweUen, 
sowie die besuchenden Personen selbst. Mhd. 
besuoch m. ist «das Gehen nach einem Orte, 
um dort ein Recht (des Weidens, Holzsammeins 



221 



besudeln 



Betreff 



222 



usw.) auszuüben, sowie dieser Ort selbst»; 
ahd. besuch fbeiXotker) «HeimsuchuBg». Die 
jetzige Bed. bei Henisch 1616. Von besucheo, 
V.: (veraltet) durchforschen; wohin begeben, 
um dort eine Zeitlang zu verweilen. Mhd. he- 
suochen «suchen, aufsuchen, untersuchen, ver- 
suchen, feindlich angreifen»; ahd. Msuohhen 
«versuchen, auf die Probe stellen», 

besudeln, V. : beschmutzen. In Glossaren 
des 15. Jh. hestidlen, bei Luther hesiiddeln. 
S. sudeln, 

beSUlberUjV.: ai-g beschmutzen. Mit Über- 
gang eines lo in & aus mhd. fin md. Quellenj 
besulwern, abgeleitet von mhd. hesuliven, he- 
sülwen, dessen suliven, sühcen von ahd. sol n. 
«Kotlache» (s. Suhle) abgeleitet ist. 

betagt, adj.: in hohem Alter stehend. 
Mhd. hetaget «in ein gewisses Alter getreten ;\ 
Eig. Part. Prät. von einem V. hetagen «mit 
einem Alter versehen» (mhd. nur sich hetagen 
«alt werden», während hetagen «Tag werden, 
als Tag bescheinen, ans Licht kommen usw.» 
ist). Vgl. bejahrt. 

betätigen, v.: tätig zeigen, dm-ch Taten 
an der Tag legen. Refl. sich h.: sich tätig 
zeigen, namentüch in einer Eigenschaft. Zu- 
erst bei Heynatz 1796 als ein "Wort der 
Aftergeschäftssprache, dann bei Campe 1807, 
seit 1805 oft von Goethe gebraucht. 

betäuben, v.: empfindungslos, gehörlos, 
unfähig zum Denken, dumpf an Sinn und j 
Geist machen. Mhd. (meist ohne Umlaut) he- 
touhen, eig. «taub machen», dann «besinnungs- 
los machen, betören, entkräften, vernichten». 

^Bete, s. Bede. 

2 Bete, f. (PI. -n): Straf satz im Karten- 
spiel. S. Labet. 

beteiligen, v.: Anteil geben. Teilnehmen 
lassen. Refl. sich h.: Anteil nehmen, dazu das 
Part. Prät. beteiligt. Erst bei Campe 1807 als 
ebd. Wort angeführt. Ältemhd. findet sich he- 
teüen «Anteil woran geben», wie ndl. hedeelen. 

Betel, m. (-s) : ostindisches Rankengewächs, 
dessen rotsaftige, bittere, wohlriechende Blätter 
gekaut werden. Aus franz. hetel m., engl, betle, 
portug. betere und betete m., das aus dem Ma- 
layischen abgeleitet wird. Es kommt als Betete 
schon 1595 bei Hulsius Schiffahrten 1, 22 vor, 
bei Münster Cosmographey Asien Kap. 88. 104 
Betete, Bettele. 

beten, v.: eine Bitte an ein höheres Wesen 
aussprechen, überhaupt zu demselben feierlich 
sprechen. Mhd. beten, ahd. beton (mit Akk. 
der Person) eig. «bitten», dann «zu einem 



I hohem Wesen bitten, zu demselben feierheh 
sprechen», abgeleitet von mhd. bete, ahd. beta. 
got.hida f. «Bitte, Gebet. Entsprechend asächs. 
hedön. 

beteuern, v. : hoch und teuer versichern. 
Bei Henisch 1616. Xach den Lauten entspricht 
mhd. hetiuren, das aber «zu kostbar dünken» 
bedeutet, doch kommt spätmhd. beteurung 
schon in dem Sinne «Beteuerung» vor. 

Betonie oder Betunie, f. (PI. -n): GHed- 
kraut, Schlüsselblume. Mhd. hatonie, ahd. he- 
tonia, nach dem lat. Namen betonica f., nach 
Plinius hist. nat. 25, 46 aus gallisch vettonica 
nach dem am Tajo wohnenden Volk der 
Vettones. VgL auch Batengel. 

Betracht, m. (-es): Erwägung. Von 
Adelung als obd. Wort den Kanzleien zu- 
gewiesen, aber von Wieland 4, 10 gebraucht. 
Vgl. Anbetracht. Mhd. erscheint hetrahte f. 
«Bedachtsein worauf, Absicht, Erwägung, 
tJberlegung». Von betrachten, v.: mit 
Auge und Geist hingezogen sein oder ver- 
weilen auf — . Mhd. betrahten, ahd. hitrahtön 
«woraufhin denken, worauf achten, bedenken, 
erwägen, ausdenken». ABL. beträchtlich, 
adj, u. adv,: was in Betracht kommt, er- 
heblich. Frühnhd., in der jetzigen Bed. aber 
erst im 18. -Jh. üblich werdend (Lessing 7, SS) 
und von Adelung 1793 verzeichnet. Betrach- 
tung, f., mhd. hetrahtunge f. 

Betrag, m. (-es, PI. Beträge): die Summe. 
Bei Steinbach 1734 fmhd. hetrac m. ist «Ver- 
gleich»), Von betragen, v.: voU tragen, 
besonders mit edelm Metalle belegen, xnhd, 
betragen; zusammengetragen (berechnet^ aus- 
machen (bei Duez 1664). Refl. sich b.: sich 
im äußern Verhalten zeigen. ^Ihd. sich be- 
tragen (aber mit schwacher Flexion Prät. 
hetragete, Part, betraget) ist «sich nähren, 
sich behelfen, auskommen mit etwas», daim 
auch «mit einem auskommen», diese Bedd. 
auch noch ältemhd., die jetzige zuerst bei 
Nieremberger 1753. Davon der substanti-snerte 
Lif. Betragen, n. (Lessing 1, 430). 

betrauen, v.: Treu und Glauben zu- 
wenden; (einen mit etwas betrauen): es ihm 
auf Treu und Glauben übergeben. Mhd. he- 
triiiwen,betrüiven «in Treue erhalten, schützen»; 
in frühnhd. Glossaren ist betrauen «trauen». 
Stieler 1691 und noch Adelung 1793 bezeichnet 
das Verb als unüblich bis auf das Part. Prät. 
betraut. 

Betreff, m. (-s) : Beziehung auf — . Aus 
der Kanzleisprache bei Heynatz 1796 und 



223 



betreten 



Bettler 



224 



schon 1755 bei Dornblüth S. 169 angefülirt. 
Davon das genetivische Adv. betreffs (hei 
Campe 1807 j. Von betreffen, V.: bei etwas 
antreffen, namentlich bei etwas Schlechtem, 
ertappen; befallen, zustoßen; angehen, Be- 
ziehung haben auf — . In der letzten Bed. 
ist das Wort frühnhd. (auch bei Luther). 
Das Part. Prät. betroffen auch adjektivisch 
«unangenehm bei-ührt, betreten». Im 18. Jh. 
(bei Geliert, Wieland, Lessing). 

betreten, v.: auf etwas treten; eintreten 
in etwas, beschreiten; bei etwas antreffen, 
ei'tappen, mhd. hetreteti «treffen, überraschen, 
ergreifen»; befallen, zustoßen (bei Luther). 
Das Part. Prät. betreten auch akjektivisch 
«unangenehm berühi't, verwirrt» (bei Luther), 

Betrieb, m. (-es, PI. -e): das Treiben 
auf etwas, z. B. des Viehes; Ausübung einer 
Tätigkeit (bei Adelung 1774); Antrieb (fiiih- 
nhd.). Zu betreiben. ABL. betriebsam, 
adj., bei Adelung 1774. 

betroffen, s. betreffen. 

betrüben, v.: trübe machen; (bildhch) 
freudlos- machen und schmerzlich bewegen. 
Mhd. betrüeben. Das Part. Prät. betrübt auch 
adjektivisch. ABL. Betrübnis, f., spätmhd. 
(md.) betrüebnisse f. u. 

Betrug, m. (-es): Täuschung zu Nachteil 
oder Schaden. Frühnhd. 1501 im Voc. opt. 
L 5^ bedruck «fraus», dann bei Luther Betrug). 
Mhd. dafür betroc m. «Betrug», ahd. bitroc 
«Trugbild». — betrügen (Prät. betrog, Part. 
betrogen), v.: zu Schaden oder Nachteil täu- 
schen. Mhd. betriegen, ahd. bitriogan. Älter- 
nhd. (auch bei Luther) betriegen und so noch 
bei Gottsched und Adelung und im 18. Jh. 
herrschend ; bei Goethe in der Ausgabe letzter 
Hand durchgeführt. Daneben findet sich seit 
dem 16. Jh. (im Anschluß an Betrug und 
unter Einfluß von lügen) betrügen, das im 
18. Jh. häufiger wird; Heynatz 1796 zieht 
es vor und Campe 1807 führt es allein an. 
S. trügen. ABL. Betrüger, m., 1482 im 
Voc.theut.d6a betrieger. Davon Betrügerei, 
f., spätmhd. betriegeri. betrüglich, adj. u. 
adv.: zum Beträgen geneigt; Betrug mit sich 
führend. Spätmhd. betrieglich, dann auch bei 
Luther, sich mischend mit betrügelich, be- 
trogelich, das von betroc (s. Betrug) gebildet 
ist, ahd. bitrogalih «seltsam, scheußlich». 

Betschwester, f.: dm-ch vieles Beten 
sich auszeichnende weibliche Person. Mhd. 
betschwester f. ist «Nonne», die jetzige Bed. 
im 16. Jh. (Nas Pract, E7^). 



Bett (-es, PI. -en), mundartlich und in 
der Dichtersprache auch Bette, n.: Lager- 
und Schlafstatt, sowie Schlafgestell und -gerät; 
Gerinne für das Wasser. Älternhd. Bette 
(so bei Luther), Bett, obd. auch Beth (s. Beet). 
Mhd. bette, bet, ahd; betti, beti n. «Bett und 
Beet»; dazu asächs. bed, ndl. bedde, bed, ags. 
bedd, engl, bed, afries. bed n., anord. bedr m. 
«Polster», schwed. bädd m. «Bett», dän. bed n. 
«Beet», got. badi n. «Bett». Schwei'lich ist 
die Bed. «Beet» als die älteste zu nehmen, 
vgl. Braune Btr. 23, 250, aber man kann mit 
Meringer Wiener SB. 144, 6, 107 doch an Ver- 
wandtschaft mit lit. bedeti, lat. f ödere «graben» 
(vgl. Walde s.v.), iQÜ.bedre «Graft» denken; 
Bett wäre dann eig. die in die Erde einge- 
wühlte Lagerstätte (der Tiere). Die 2. Bed. 
liegt bei afranz. bied «Flußbett» zugrunde. Der 
Plur. lautet mhd. und älternhd. bette, wie 
noch Gottsched Sprachk. ^ 232 ansetzt, doch 
daneben schon im 17. Jh. Betten (Zesen Jbr. 
498, Weise Pol. Näscher 190), was Adelung 
als herrschend bezeichnet, doch daneben noch 
Bette (= Gebett) und als obd. Better; diese 
Form wird auch 1772 von Goethe 39, 16 ge- 
braucht, ABL. betten, v.: die Stätte zum 
Liegen, Ruhen bereiten. Mhd. betten, ahd. 
befton. 

Bettel, m. (s): das Bettelngehen; ärm- 
lich Geringfügiges. Im 15. Jh. (Wyle 161,3). 
Von betteln, v.: anHegend demütig bitten; 
um eine Armengabe bitten, Mhd, beteten, 
ahd. betalön, betolön, abgeleitet von bitten-, 
dazu ndl, bedeln. ABL. Bettelei, f. bei 
Luther, bettelhaft, adj. 1691 bei Stieler. 
Bettler, m., mhd. betelxere, ahd. betaläri m. 
ZTJS. bettelarm, adj.: bis zum Betteln 
arm. Bei Ludwig 1716. Bettelmann, m., 
mhd, betelman m. Bettelmönch, m., fiüh- 
nhd. (Brant Layensp. M 3^ bettelmünich). 

Bettelsack, m., mhd. bettelsac m. Bettel- 
stab, m., mhd. betelstap m. Bettelvogt, 

m.: Bettelrichter, im 17. Jh. 

betten, s. Bett. 

Bettlade, f.: Bettgestell, bei Dasypodius 
1537. bettlägerig, adj.: krank im Bette 
liegend, im 17. Jh. (Stieler 1691 hat dafür 
bettlägericht). Bettstatt, f.: Bettstelle, mhd, 
bettestat. Bettstelle, f. bei Adelung als 
niedersächsisch (Bedstelle) aufgeführt. Bett- 
stoUen, m,: Bettpfosten, mhd. bettestolle ni. 
S. Stollen, ßettzieche, f.: Kissenüberzug, 
mhd. bettezieche f., ahd. betteziohha. S. Zieche. 

Bettler, s. betteln. 



225 



betuclieii 



Beutel 



226 



betüclien und betüeht, adj. u. adv.-. 
still nachsinnend, stül in sich gekehrt, ver- 
steckt verschwiegen. Urspr. Gaunerwort für* 
«leise, stül, verschwiegen, geheim» aus hebr. 
bätUach «Vertrauen habend, sicher», dem 
Part. (Pass.) von hätach «vertrauen», von den 
deutschen Juden hetüche ausgesprochen. Auch 
jüdisch-deutsch hetüches (bei Hebel) «still in 
sich gekehrt», aus hebr. haftuchö, einer In- 
finitivbildung aus hätach. In hetucht ist -t 
angetreten. Doch scheint auch Mischung 
eingetreten zu sein mit ndd.-ndl. heducht (cht 
aus ft) «bekümmert, besorgt», md. (wetterau- 
isch) hedüft, bayr.-österr. heduft, s. tüfteln. 

betulich, adj.: sich tätig zeigend, rühiig: 
gewandt und entgegenkommend im Verkehr 
(bei Goethe z. B. Paläophr. 45). Von sich 
hetun: sich geschäftig zeigen (bei Stieler 1691 
auch «sich bequem ausbreiten»); im Verkehr 
gewandt ujid entgegenkommend sein. 

Betzel, f. (PI. -n): Haube oder Mütze, 
besonders weibliche. In Hessen, Franken, 
Preußen (thür. elsäss. hetze). Mhd. hezel. 

Beuche, heuchen, s. Bauche, hauchen. 

Beuge, f.: Krümmung. Mhd. bitige f. 
heugen, v.: biegen machen; niederbiegen; 
niederbiegen ziir oder in Demut; (gramma- 
tisch) flektieren (von Adelung 1774 als un- 
bequem abgelehnt). Mhd. hängen, ahd. (bei 
Notker) hougen; dazu asächs. högian, ags. 
hegan, hfgan, anord. heygja, schwed. höga, 
dM. böie; got. haugjan fehlt. Faktitiv zu 
biegen (s. d.). ABL. heugsani, adj. Bei 
Krämer 1678. 

Beule, f. (PI. -n) : knotenartig aufgelaufene 
Erhöhung am Köi-per, besonders von Schlag, 
Stoß u. dgl. Mhd. biule f., ahd. biulla, hülla 
(aus *bulia) f. «Blatter»; dazu ndl. huil f., ags. 
hyle, biß m. «Geschwiilst», engl, hile «Ge- 
schwür», anord. höla (für *hühlön-) f. Diese 
Form erweist, daß ein Guttural vor l verloren 
gegangen ist; Beule gehört mit Bühel (s. d.) 
zu biegen. Vei-wandt ist wohl noch (mit 
Ablaut) got. ufbauljan «aufblasen». Doch 
sind auch andre Erklärungen vorgeschlagen, 
vgl. Uhlenbeck PBrBtr. 20, 327, Johansson | 
KZ. 36, 364, E. Schröder ZfdA. 42, 62, Walde [ 
s. v. folium, fugio, furunculus. 

Beunde, f. (PI. -w): umfassendes, urspr. 
eingefriedigtes, von den Rechten der Ge- 
meinde, besonders ihrem Viehtrieb befreites 1 
und so zu ausschließlicher wie jeder be- ; 
liebigen Nutzung des Berechtigten abge- 
schlossenes Gnindstück. Mhd. hiunt, hiiinde 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



ahd. hiunt, hiunta f. Da im mnd. biivende 
entspricht, dürfte das Wort als zusammen- 
gesetzt aus mhd. bi und einer Ableitung von 
icant anzusehen sein, eig. worum sich der 
Zaun windet. 

■^ Beute, f. (PI. -n): hölzernes Bienenfaß; 
(in Hessen) Backtrog, Backtisch : hohler Holz- 
kasten (in Leipzig Staarheute f. «Brätkasten 
füi- Staare»). Spätmhd. biute f. «Backtrog, 
Bienenkorb» (1470 hd.-mlat. hiota f. «weites 
tiefes langes Gefäß, Ständer» bei Diefenbach 
mlat.-hd.-böhm.Wb. 51), ahd. bi«f/a f. «Bienen- 
faß». Dazu ahd. hiot, afränk.-mlat. beudus, 
beodus (lex sal. 46, 2), got. hiuds m. «Tisch», 
(daraus abg. bljudo n. «Schüssel»), ags. beod 
m. «Schüssel zum Auftragen», bayr.-schwäb. 
biet f. «Kasten in der Kelter», Schweiz, biet m. f. 
«Vorder- oder Hinterteü eines Kahns». Das 
i Wort wird gewöhnlich zu bieten, got. biudan 
«dar-, vorlegen», gestellt. Vgl. indessen 
Meringer IF. 16, 159, Grienberger Wiener 
SB. 142, 8. Die Grundbed. ist vielmehr 
Holzblock; auf den Bienenkorb (urspr. ein 
ausgehöhlter Baumstamm) wegen der Ähn- 
I lichkeit der Form übertragen. Für diesen 
j findet sich übrigens im 15. Jh. auch peicnte 
j f., entsprechend jetzt wetterauisch beune (aus 
I beunde) f. «Backtrog» (Crecelius 156). 
I "Beute, f.: Kriegs-, Jagdgewinn. 'Mhd. 
in ostmd. Quellen bute, biute f., nebst dem 
V. hüten, hiuten «erbeuten, rauben, Beute 
verteilen», aber auch s. v. a. «Worte wech- 
j sein, sich unterreden und tauschen». Der 
j Grundbegriff ist der des Wechsels, des Um- 
I tausches, des Übergehens in andre Hände. 
I Das Wort ist aus dem Ndd. mit unverscho- 
; benem t ins Hd. gekommen, mnd. bute f. 
! «Tausch, Verteilunsr, Beute» und hüten «tau- 
sehen, verteilen, erbeuten»; dazu ndl. huit m. 
«Beute», anord. hyti n. «Tausch, Beute» und 
byta «tauschen, verteilen». Franz. butin m. 
«Beute» aus dem Inf. &?<few «erbeuten». Wahr- 
scheinlich zu sivc.büaid n. «Sieg». Nhd. findet 
sich das Wort im Voc. theut. von 1482 (e4* 
blähen, peuten «wechßeln» und jS^pewtnemer 
oder pewtgeher «predator»), dann 1517 bei 
Trochus hüte «preda» und bei Luther, durch 
den es allgemein geworden ist. Obd. im 
16. Jh. auch beugt, heigt mit Anlehnung an 
Beige. 

^Beutel, m. {es, PI. wie Sg.): eine Art 
Meißel, auch in den Zusammensetzungen 
Lochbeutel, Stechbeutel. Mit ndd. t für hd. 
ß und eu für ei (bei Frisch Beisel). Es ent- 

15 



227 



Beutel 



bewegen 



228 



spricht ndl. beitel, mnd. hetel, heitel m. «Meißel, 
Keil». Nicht identisch mit dem folgenden 
Worte, sondern zu beißen (s. d.), lat, findere 
zu stellen, da dies auch vom Eindringen 
einer Schneide, z, B. des Schwertes, Scher- 
messers gebraucht wird. Aind. entspricht 
hhiduräs «spaltend», bheduram n. «Donner- 
keil». 

-Beutel, m. {-s, PI. wie Sg.): rundes 
Holz zum Mürbeschlagen des Flachses vor 
dem Brechen. Ins Hochd. aufgenommen (bei 
Adelung 1774) aus ndd. bötet, dessen ö hier 
zu eu wurde; dazu ags. bytel, engl, beeile, 
anord. beytilt m. «Hammer». In hd. Form 
würde es Bößel lauten (vgl. mhd. bo^el m. 
«Prügel»). Zugrunde liegt mhd. bögeti (mit 
urspr. starker Flexion) «schlagen, klopfen», 
ahd. bo^an, ags. beatan, engl, beet, anord. bmita. 
Vgl. Amboß. ABL. beuteln, v.: mürbe 
klopfen. 

^Beutel, m. (-S, PI. wie Sg.): Säckchen, 
besonders etwas darin zu tragen und aufzu- 
bewahren ; als Mehlsieb in der Mühle dienender 
wollener Sack ; der lang niederhangende Hoden- 
sack mancher Tiere. Mhd. biutel m. n. (auch 
vom Mehlbeutel), ahd. bUtil m. «Sack»; dazu 
ndl. buidet, zusammengez. buil m. Dunkler 
Herkunft, schwerlich zu bieten, auch nicht 
aus mlat. buletellum, das vielmelir aus dem 
Deutschen stammt. J.BZ/. beuteln, v.: zum 
Durchstäuben des Mehles durch den Mühl- 
beutel sieben; (obd. auch) schütteln. Mhd. 
biuteln. ZUS. Beutelgarn, n. : sackförmiges 
Fischnetz (s. Garn). Beutelratte, f.: die 
ihre Jungen in einem Beutel am Bauche 

tragende Rattenart. Beutelschneider, m.: 

wer Geldbeutel abschneidet d. h. stiehlt, mhd. 
biutelsnider; wer in die Beutel schneidet, d. h. 
unmäßig hohe Rechnungen macht. Beutel- 
tucll, n.: Siebleinwand .zu Mehlbeuteln und 
Nähtereien, mhd. biuteltuoch. 

Beutheie, f. (PI. ->?): Böttcherschlegel 
zum Antreiben der Reife. Bei Adelung 1774. 
Zusammenges. aus Beute f. «Ständer, hölzernes 
zuberartiges Gefäß» (s. ^Beute) und ohä. Heie f. 
«Ramme, hölzerner Hammer», mhd. heie, ahd. 
heia f. «Sturmbock». 

BeTÖlkerung, f. (Pl-en): die Besetzung 
eines Landes mit einer Volksmenge; die 
Volksmenge selbst. Bei Adelung 1774, der 
die 2. Bed. aber nur einigen Neuern zu- 
schreibt. Von bevölkern, v.: mit Volk 
besetzen. Bei Stieler 1691 neben dem altern 
bevolken, gebildet von dem PI. von Volk. 



bevor, adv.: vordem, vormals, zuvor; 
nahe zukommend; voraus. Dann im 17. Jh. 
auch als Konj. verwandt («ehe»), wobei eig. 
als hinter bevor zu ergänzen ist. Mhd. bevor, 
ahd. bifora, adv. u. präp.: angesichts, früher, 
in Zukunft. Zusammengerücktes bi «bei» 
(zu bi-, be- geschwächt) und fora «vor». Vgl. 
asächs. biforan, ndl. bevoren, ags. beforan, engl. 
before. 

bewahren, v.: worauf mit Sorge sehen, 
daß es erhalten oder behalten werde. Mhd. 
bewarn, ahd. biwarön. S. wahren. Der Konj. 
bewahre auch als Ausruf «nicht doch, 
keineswegs», eig. Gott bewahre mich. 

bewähren, v.: als wahr, wirklich, gut 
be-, erweisen. Refl. sich b. Mhd. bewceren, 
ahd. biwären, biwärran (aus biwärian) «wahr 
machen, als wahr, wirklich zeigen, beweisen». 
Das Part. Prät. bewährt als Adj. gesetzt 
in der Bed. «durch Erfahrung tüchtig ge- 
funden» (schon mhd. bewceret). 

bewahrheiten, v.: als wahr erweisen. Im 
18. Jh. (bei Lavater, Goethe), wohl nach ndl. 
bewaarheden. 1793 von Adelung als «albernes 
Wort einiger Neulinge für beweisen» ab- 
gelehnt. 

bewältigen, v. : sich einer Sache mächtig 
{geioaltig) zeigen, überwältigen. Im 15. Jh. 
beweltigen und (ohne Umlaut) bewältigen, mhd. 
dafür geivaltigen, geweitigen «in seine Gewalt 
bringen». 

bewandert, das Part. Prät. von bewan- 
dern als Adj. gebraucht: aus eigner Anschau- 
ung bekannt womit, eig. s. v. a. vielgereist. 
Frühnhd. (Froschmeus. unbewandert, 1631 bei 
Zincgref 2, 41 bewandert, dafüi- bei Maaler 
1561 bewandelt). 

bewandt, als Adj. erscheinendes Part. Prät. 
von bewenden (s. d.): endlich beschauen, eig. 
zu Ende gebracht oder gekommen. Mhd. be- 
want «beschafleu», namentlich mit Adv. tvol, 
bag, iibele bewant. ABL. Bewandtnis, f., 
im 17. Jh. (Harsdörfer Gesprechsp. 1, 283 
Betvantniß). 

■^bewegen (Prät. bewog, Part, bewogen), v.: 
am-egend den Willen bestimmen, zum Ent- 
schlüsse bestimmen. Mhd. beivegen (Prät. be- 
wac, Pai-t. bewegen), fast immer refl. sich b.: 
«sich wozu wiegen» d.i. «auf die Glückswage 
legen und somit wozu hinneigen, sich aufs 
Geradewohl wozu entschließen, seinen Willen 
bestimmen», dann auch mit Gen. s. v. a. «sich 
seitwärts bewegen, abwenden, sich eutschlagen», 
ahd. biwegan «aus dem Zustand der Ruhe 



229 



bewegen 



bezeugen 



230 



bringen, wägend prüfen». Das nhd. stark flek- 
tierte hewegen hat sich wohl nicht aus mhd. 
sich h. entwickelt, sondern vielmehr aus dem 
schwachen hewegen (s. d. folg.) abgezweigt, 
unter Einfluß des nnnd. hewegen, das stark 
und schwach flektiert. Luther hat ein starkes 
hewegen «abwägen und zu einem Entschlüsse 
bringen», doch flektiert in dieser Bed. das V. 
auch schwach, wie öfter im altern Nhd. (noch 
bei Schiller 11, 282); umgekehrt kommen von 
hewegen «in Bewegung versetzen» älternhd. 
auch starke Formen vor. Im Präs. ist die starke 
Flexion überhaupt nicht durchgedrungen (nur 
im 16. Jh. Formen wie heioiegst, heiviegt, he- 
wieg, auch bei Luther). Das Prät. lautet schon 
älternhd. hewog, das Part, hewogen, s. wägen. 

"bewegen (Prät. bewegte, Part, bewegt), v.: 
aus dem Zustand der Ruhe bringen (daher 
refl. sich b. «außer dem Zustande der Ruhe, 
in einer Veränderung -im Räume sein»); in 
eine Stimmung versetzen, bei der das Gefühl 
ergriffen ist (daher das Part. Prät. bewegt 
«ergriffenen Gefühls»). Mhd. bewegen «wozu 
aus der Ruhe bringen, antreiben», eig. be- 
wegen machen, also das Faktitiv des vorher- 
gehenden stark flektierenden b.; Refl. sich b. 
«sich auf den Weg machen». ABL. h^W^g- 
]ich,3idj.n.ai.dY.,mhd.bewegelich. Bewegung, 
f , mhd. bewegunge. ZUS. Beweggrund, m. 
Nach Gombert 7, 13 im Anfang des 18. Jh. 
auftretend (dafür im 17. Jh. Bewegung^grund, 
z. B. 1663 bei Gryphius Trauersp. 386). 

bewehren, v.: mit Wehr d. h. Waflen zu 
Schutz und Tx'utz versehen. Bei Henisch 1616. 
Von Wehr (s. d.) gebildet, nicht das mhd. 
bewern, ahd. biwerian, biwerran, «wovon be- 
wahrend abhalten, verteidigen, verwehren», 
das mit wehren zusammengesetzt ist. 

Beweis, m. (Gen. Beiveises, PI. Beweise) : 
ausreichende Begründung und was dazu dient. 
Frühnhd. Von beweisen (Prät. bewies, Part. 
bewiesen), v.: belehrend, begründend dartun, 
tätlich zeigen, Mhd. bewisen (urspr. m. Gen.) 
«zurechtweisen, wessen kundig machen, be- 
lehren, dartun, bestimmt zeigen, aufweisen» usw. 
Die Flexion ist urspr. schwach, wie noch bei 
Luther u. a., doch schon im 15. Jh. obd. auch 
stark; Schottel setzt die starken Formen an. 

bewenden, v., nur noch im Inf. gebräuch- 
hch in der Bed. «verbleiben» und «beruhen». 
Mhd. bewenden, ahd. biwenten «völUg weg-, 
äih-, zum Ende wenden, zu Ende biingen und 
kommen, um-, anwenden, verwandeln, ge- 
stalten». Vcjl. bewandt. 



bewerkstelligen, v.: werkstellig d. h. 
ausführbar machen, zur Ausführung bringen. 
Im 17. Jh. (1677 bei Butschky Pathmos 611). 
Beruht auf einem mhd. ze werke stellen «zur 
Ausführung bereiten». 

bewilligen, v.: l) intians. sich willig 
erklären, einwilligen. Im 15. Jh. und oft bei 
Luther. 2) ti-ans. sich wozu willig erklären, 
namentlich zur Erfüllung einer Bitte. Bei 
Maaler 1561. 

bewillkommen, V.: willkommen heißen, 
als willkommen begriißen. Bei Krämer 1678. 
Gebildet von mhd. willekome (neben wille- 
komen), ahd. luillikomo, s. willkommen. Da- 
für jetzt gewöhnlich (von tvillkommen aus 
gebildet) bewillkommnen, das Campe 1807 
noch nicht verzeichnet und Schiller, Goethe 
nicht gebrauchen. 

bewirken, s. wirken, bewogen, s. bewegen. 

bewußt, adj.: wissend, geistig gegenwär- 
tig. Das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von 
ahd. biiüi^^an «geistig inne haben», 1562 bei 
Mathesius Sar. 201*^ sich hewissen «Bescheid 
wissen». Mhd. beivist, bewest kommt wie das 
V. bewi^^en nicht vor: Luther hat bewust, 
S.Franck (Weltb. Vorr. a 2^ u.ö.) u. A. hewist. 
ZUS. bewußtlos, adj., zusammenges. mit 
dem substantivischen Betoußf m., älternhd. 
und noch bei Adelung 1793 angeführt. Be- 
wußtsein, n., 1720 bei Chr. AVolff Metaphys. 



bezähmen. 



nach Willen oder Gefallen 



tun. Vex'schieden von bezähmen «willfährig, 
lenksam machen». Bei Luther (der bezemen 
schreibt), z. B. 2. Sam. 16, 11 in bezähmen 
lassen. Schon im 12. Jh. in md. Quelle einen 
bezemen lä^en, ndd. hetemen laten «einen tun 
lassen was ihm ansteht, wie ihm gefällt». 
Zusammenges. mit mhd. zemen (s. ziemen). 

bezecht, das als Adj. gesetzte Part. Prät. 
von bezechen: durch vieles Zechen trunken 
geworden. Fiühnhd. (Wickram von guten 
Nachb., Hans Sachs Fab. 256, 15). 

bezeichnen, v.: das Zeichen wofür sein, 
sich als sinnliches Zeichen worauf beziehen; 
vorstellig machen: durch ein Zeichen merk- 
bar machen. Mhd. hezeichenen «mit einem 
Zeichen ausdiücken, bildlich vorstellen», ahd. 
bizeihhenen und hizeihhinön, wofür häufiger das 
einfache zeihhenen, abgeleitet von zeihhan n. 

bezeigen, v.: zu erkennen geben. Mhd. 
bezeigen «anzeigen, bezeichnen, kund tun». 

bezeugen, v.: durch Zeugnis bewähren. 
Mhd. beziugen «mit Zeug d. i. Waflen und 

15* 



231 



beziehten 



Bilberwnrz 



232 



Wehr versehen, ausrüsten», dann «durch Zeug- 
nis erweisen», (mit Gen. der Sache) «durch 
Zeugnis überfühi-en». 

beziehten, v.: wie hezichtigen (s. d. folg.). 
Bei Goethe Reineke 9, 112 dafür (mit An- 
lehnung an Zucht) hezücliten. Abgeleitet von 
älternbd. Bezieht, mhd. hiziht f. «Beschuldi- 
gung», ahd. &m7i^f. «Kennzeichen der Schuld, 
Verdachtszeichen», zu hezeihen, mhd. hezihen, 
ahd. bizihan «als der Tat verdächtig und schul- 
dig bezeichnen». — bezichtigen, V.: (mitAkk. 
der Person und Gen. der Sache) als der Ur- 
heberschaft, der Vollbringung von Straffälligem 
verdächtig in Gedanken haben oder bezeichnen. 
Finihnhd., wohl zunächst in der Kanzleisprache 
(auch bei Luther), friih auch schon in der 
Schreibung hezüchtigen (1524 bei Emser Anm. 
z. K Test. 1 *), wie bei Schiller Karlos 3, 10. 
Wohl auf ein ahd. Adj. hizihtic «beschuldigt» 
zurückzuführen, wie ahd. ginziliticjön mit vor- 
getretenem gl- auf ahd. inzihttc, mhd. inzihtec, 
von ahd. inziht (s. Inzicht), zurückgeht. 

beziehen (Prät. bezog, Part, bezogen), v.: 
zum Darübersein ziehen auf — , zum Bedecken 
ziehen über — , mhd. beziehen, ahd. biziohan; 
zum Dasein sich bewegen auf —^ oder in — 
(mhd.-ahd. kommen zu — , eiTeichen, got. 
bitiuhan «umherziehen in — , umherführen»); 
als regelmäßig sich wiederholende Einnahme 
empfangen (mhd. an sich nehmen, einziehen); 
woher durch Zusendung kommen lassen; wo- 
rauf hin in gewisse Verbindung denken (im 
18. Jh.); überlisten, fangen, eig. mit Netzen 
überziehen (1690 bei Happel, noch 1770 bei 
Lessing 12, 248). Refl. sich beziehen: (auf, 
älter an einen) wofür beweisend usw. anführen 
(seit dem 17. Jh., urspr. an einen Richter 
appelüeren, dafür älternhd. sich ziehen auf 
einen, bei S. Franck Weltb. Vorr. a4^, mhd. 
an einen etw. ziehen) ; auf etwas hin in gewisser 
Verbindung oder in gewissem Zusammenhange 
stehen. Von dem Part. Präs. beziehend ist be- 
ziehentlich (erst im 19. Jh.) als Übersetzung 
von «respective» gebildet. J.BJ>. Beziehung, 
f., bei Krämer 1678. Davon das Adv. be- 
ziehungsweise (von Gombert 1, 14 aus d. J. 
1755 belegt. Stieler 1691 bat dafür bezieh- 
licher Weise). 

Bezirk, m. {-es, PI. -e): das von einer Kreis- 
linie Umschlossene, Gebietsumfang. Spätmhd. 
bezirk m., zusammenges. mit mhd. zirc m., 
ahd. cirh in umbincirh, umbizirg m. «Kreis», 
dann «Kreisgebiet, Uniftmg», entlehnt aus lat. 
circus m. «Kreis»; die Bildung geht zunächst 



von dem Verbum spätmhd. bezirken «im 
Umfang bestimmen» aus. 

bezüchten, bezüchtigen, s. beziehten, 
bezichtigen. 

Bezug, m. (-es, PI. Bezüge): Auf- und 
Darüberhinziehen ; Ziehen zum Darauf- oder 
Darübersein (im Mhd. findet sich bezoc m. 
«Unterfatter»); das Stehen des Einen zum 
Andern in gewisser Verbindung und gewissem 
Zusammenhange. Ei'st bei Adelung 1774. 
ABL. bezüglich, adj. Von Campe 1807 als 
neues Wort verzeichnet. 

bezwecken, v.: zum Zweck haben. Von 
Adelung 1793 als schlechte Bildung einiger 
Neuerer bezeichnet, auch von Heynatz 1796 
getadelt mit dem Bemerken, daß das obd. 
Wort auch von vielen Niederdeutschen an- 
genommen werde; von Campe 1807 nicht 
mehr beanstandet. 

Bibel, f. (PI. -7i) : die heilige Schrift alten 
und neuen Testamentes. Mhd. bibel, ursprüng- 
licher biblie f., aus dem gleichbed. kirchhch- 
lat. biblia f., das urspr. gr.-lat. PI. von gr. 
ßißXiov n. «Buch» (aus Blättern vom Bast 
der Papyrusstaude) eig. «Büchlein». S. auch 
Fibel. ABL. biblisch, adj., frühnhd. (1531 
bei Hedio Josephus Voxt. 4 ^.) 

Biber, m. (-s, PI. wie Sg.) : das am Wasser 
lebende Bautier, gr.-lat. castor; (schon im 16. Jh. 
auch) biberfellartiges Wollenzeug. Mhd. biber, 
ahd. bibar, bibur m.; dazu ndl. bever, ags. 
beofor, engl, beaver, anord. björr, schwed. 
bäfver, dän. bäver m. Urverwandt mit lat. 
fiber, gall. in Bibrax, kom. befer, bret. bieuzr 
«Biber», lit. bebrus, abg. bebrü m., aw. baicra- 
«Biber»; nach aind.&a&/fn?s «braun», alsM. eine 
Ichneumon art bezeichnend, ist die Grundbed. 
«braunes Tier» gewesen, s. braun, auch Bär. 

Bibergeil, n. {-es): starkriechende ölige 
Masse, die der Biber in zwei zusammenhängen- 
den Beuteln unter dem Schwänze hat. Mhd. 
bibergeil n., zusammenges. mit geil n. (neben 
geile f.) «Hode», weil jene Beutel als die Hoden 
des Bibers angesehen wurden, von denen man 
glaubte, daß er sie bei Verfolgung abbeiße, 
um zu entkommen. S. auch Biebertvurz. 

Biberklee, -kraut, s. Bieber. 

Biberneil, Bibernelle, f. (PI -n): die 
Pflanze pimpinella L. Schon mhd, bibernelle, 
mit Anlehnung an Biber deutsch geformt 
aus mhd. bibinelle, ahd. bibinella f., die aus 
dem unverständlichen mlat. Namen jener. 
Pflanze pipi-, pipenella f. 

Biberwurz, s. Bieber. 



233 



Bibliothek 



biegen 



234 



Bibliothek, f. (Pl.-e«): Büchersammlung, 
Bücherei. Aus gr.-lsit.hibliotheca, gr. ßiß\io6riKri 
f. «Bücherbeliälter, -saal, -Sammlung» (ßißXiov 
n. «Buch», BriKTi f. «Behälter»). Um 1500 auf- 
genommen (ibZl bei Hedio Josephus Voit. 4^ 
Bibliothec). ABL. Bibliothekar, m, (s, 
PL -e): Aufseher einer Bibliothek. Aus lat. 
hihliothecärms. Im 18. Jh. noch oft in dieser 
lat. Form. 

Bickbeere, f. (PI. -n) : Heidelbeere. Mund- 
artlich in Norddeutschi. Schon mnd. Inckhe^-e, 
auch 1599 bei Kilian. Unbekaimter Herkunft. 

'Biekel, Pickel, m. {-s, PI. wie Sg.), 
auch Bicke, Picke, f. (PI. -n): Spitzhacke 
mit langem Stiel. Mhd. bickel «Spitzhacke» 
neben dem gleichbed. bicke m. ; dazu ags. 
becca m. «Spitzhacke». Von mhd. hicken, 
auch hecken «stechen, hacken, hauen», ahd. 
bicclian «angreifen, wonach stechen». Die 
Schreibung PzcÄ-e/, Picke steht unter Einfluß von 
picken (s. d.), zu dem aber die Subst. nicht 
unmittelbar gehören. Diese schließen sich viel- 
mehr zunächst an gall.-lat. heccus, it. becco, 
fi'anz. bec m. «Schnabel», it. beccare, franz. 
becquer «mit dem Schnabel hacken», franz. 
beche f. «Grabscheit», beclier «graben» u. a. 

-Bickel, m. (-5, PI. -vvie Sg.): Schusser, 
Schnellkügelchen. Mundartlich, z. B. in Hessen. 
Mhd. bickel «Wüi^fel» in Zusammensetzungen 
wie bickelspil n. «Würfelspiel», bickelsfein 
«Würfel, Fangstein von Knochen beim Spiel». 
Das nhd. Bickel also urspr. «Schnellküchelchen 
aus Knochen gedreht»; auch ndd. bickel m. 
«beinerne Spielkugel der Kinder», mnd. bickel 
«Knöchel», ndl. bikkel. Die Bed. «Knochen» 
auch in den Zusammensetzungen bickelfest, 
adj.: knochen-, beinfest, bickelhart, adj.: 
knochen-, beinhart (bei Frisch 1741). Ob Zu- 
sammenhang mit ^Bickel besteht, ist zweifel- 
haft, dies müßte dann eig. ein aus Knochen 
hergesteUtes spitzes Instrument bezeichnet 
haben und die Benennung dann auch auf 
andre aus Knochen hergestellte Dinge über- 
gegangen sein. 

Bickelhaube, s. Pickelhaube. ' 

biderb, s. bieder. 

bidmen, v. : beben. Veraltet, aber von 
Goethe 2, 155 wieder gebraucht, nachdem 
Wieland 18, 18 erbidmen verwendet hatte. 
Mhd. bidemen, gewöhnlich auf ein mhd. hi- 
benen, ahd. bibinon zurückgeführt, einer 
Ableitung von beben (s. d.), was aber Be- 
denken unterliegt. Eher geht es auf das 
Subst. bideni zurück, das eine Ableitung von 



der Wurzel bi «beben» sein könnte (schwäb. 
steht biseni neben bidem). 

Bieber, n.: Fieber, nur in Bieberklee 
m. «Bitterklee», Bieberkraut n. «Tausend- 
güldenkraut», Bieberwurz f «Aron», Auch 
Fieberklee, Fieberkraut, Fiebericurz crenannt 
(1482 byferkraut «centhauria» im Voc. theut. 
d 8^). Mhd, steht biever n. neben vieber 
(s. Fieber). Die Pflanzen dienten als Heilmittel 
gegen das Wechselfieber und sind davon be- 
nannt, also nicht von dem Tier Biber. Da- 
gegen heißt die Osterluzei nach dem stai-ken 
widrigen Geruch Biberwurz, ahd. bihiricurz, 
lat. castoreuni, castorium (im 12. 13. Jh. auch 
bibergeile). 

bieder, adj. u. adv.: wahr und zuverlässig 
in Wort und Tat; edeldenkend und treuherzig. 
Aus mhd. biderbe und biderbe, ahd. biderbi, 
bidarbi und biderbi, von Sachen s. v. a. «nütze», 
von Personen s. v. a. «wozu geschickt, tüch- 
tig, treflPlich, edeldenkend», zusammenges. aus 
dem betonten und daher ungeschwächt ge- 
bliebenen bi- und -darbi, das zu ahd. durfan 
«woran Not, Bedürfnis haben, nötig haben» ge- 
hört, also eig. «einem Bedüi-fnis entsprechend, 
ein Bedürfnis erfüllend». Die verkürzte Form 
bider schon spätmhd., dann bei Luther bidder 
(in bidderinann, bidderleute), in der spätem 
Zeit selten. Erst nachdem 1759 Lessing 5, 309 
in Anknüpfung an Logau das Schwinden des 
Wortes bedauert hatte, wii-d es wieder auf- 
genommen, 1767 von Bürger 25, dann nament- 
lich von Dichtem des Hainbundes (auch in 
Zusammensetzungen wie Biederstamm Joh. 
Fr. Hahn im Gott. Musenalm. 1773 S. 177, 
Biederzeit Fr. L. Stolberg Ged. S. 192, Bieder- 
seele, Biederton Büi'ger usw.), von Lessing 
selbst in der Em. Gal. 1, 4. Auch die auf 
mhd. biderbe beruhende Fonn biderb wird 
wieder vei-wendet. Während 1775 Heynatz 
meinte, bieder sei kaum wieder einzuführen 
konstatierte 1781 Kindleben, daß es wieder 
anfange Mode zu werden, ABL. Bieder 
keit, f. Nicht die Fortsetzung des mhd 
biderbekeit, ahd. biderbecheit, sondern ein neu 
gebildetes Wort, das 1796 Heynatz aus Mode 
schriftsteUem neben Biederheit kennt. ZUS^ 
Biedermaun, m. {-es, PI. Biedermänner) 
mhd. bider man aus biderbman, auch in der 
spätem Zeit üblich geblieben. 

biegen (Prät. bog, Part, gebogen), v. : von 
der geraden Linie abweichen oder abweichen 
machen; in seiner Wortform ändern zur Be- 
zeichnung gewisser Verhältnisse (flektieren). 



235 



Biene 



bieten 



236 



ReÜ. sich h. : von der geraden Linie abweichen. 
Mhd. biegen, ahd. hiogan; dazu ndl. huigen, 
ags. hügan, engl, low, got, Uugan. Urver- 
wandt sind, aber mit g an Stelle des zu er- \ 
wartenden k (s. Bühel), aind. hhuj {j für g) 
«biegen», femer gr. (peüreiv, lat. fugere 
«fliehen», «eig. den Rücken wenden, aus- 
biegen», (auch ags. Tmgon «sie flohen»), lit. 
hügti «erschrecken», haugüs «furchtsam». Im 
Präs. älternhd. Ind. Sg. 2. 3. beugst, beugt, 
Imp. Sg. beug, die auch Grottsched Sprachk. 344 
(bis auf Imp. bieg) noch verlangt, doch treten 
schon früher die Formen mit ie öfters auf, 
die in der Mitte des 18. Jh. völlig durch- 
dringen. ABL. Biege, f.: Krümmung, bei 
Stieler 1691. l)iegsam, adj. u. adv., bei Stie- 
ler 1691. Biegung, f., bei Dasypodius 1537. 
S. auch beugen. 

Biene, f. (PI. -w) : Das Honig und Wachs 
bereitende Insekt. Bei Luther Biene, Gen. 
Bienen, sonst ältemhd. auch Bien. Mhd. bin, 
bine f., ahd. aber bini n. Daneben ohne das 
ableitende n (aus der schwachen Dekl. heiüber- 
genommen?) mhd. bie (noch jetzt alem. bi), 
ahd. Ua f.; dazu ndl. bij, ags. beo f., engl. 
bee, anord. by (in by-fluga), schwed.-dän. bi n. 
Endhch auch mhd. bin mit langem i (bayr. 
bein neben beij). Mhd. bie n. ist «Bienen- 
schwarm», dafüi* jetzt schwäb.-hess. der Bien. 
Verwandt mit preuß. bitte, lit. bitis f. «Biene», 
lat. ßcus m. aus '^bhoikos «Brutbiene, Drohne», 
ir. bech «Biene». Vgl. Walde s. v. ZUS. 
Bienenbrot, u.: von den Bienen bereitete 
Nahrung außer dem Honig. I^Ihd. biebröt n., 
auch andd. bibrot, ags. beobread n., engl, bee- 
bread. Bienenkönigin, f.: Weisel, dafür 
spätmhd. bynenkunig. Bienenkorb, m., mhd. 
binkorp, auch binenkorp m. Bienenschwarm, 
m,, spätmhd. &mest^'arwtm. Bienenstock, m., 
urspr. hohler Holzklotz zur Aufnahme eines 
Bienenschwarms, dann bevölkerter Bienenkorb, 
mhd. binestoc m. Bienen vater, m. : Bienen- 
pfleger, bei Frisch 1741. 

Biensaug, m. n. (-es, PI. -e) : die Pflanze 
stachys (Roßpolei). Mhd. binsüge, ahd, bini- 
süga f. d. h. Pflanze, an deren Blüte die Biene 
gern saugt, ist zunächst Benennung des Thy- 
mians, der als Lieblingspflanze der Bienen 
auch Inmienkraut heißt. 

Bier, n. (-es, PI. -e): aus Getreide und 
Hopfen gebrautes Getränk. Mhd. bier, ahd. 
bior n.; dazu andd. bior, ndl. bier n., ags. 
beor m., engl, beer; anord. entlehnt björr m., 
während das einheimische Wort öl n. (aus 



*alu, engl, ale zu ht. aliis m. «Bier») ist. Die 
Etymologie ist sehr umstritten. Vielfach wird 
das Wort zu andd. beo, ags. bSow, anord. bygg 
n. «Gerste» gestellt, also eig. «Gerstensaft». 
Andre sehen eine Ableitung von brauen da- 
rin (ahd. bior aus *brior) ; nach E, Kuhn 
K. Zschr. 85, 313 ist es aus dem slav. pivo n. 
entlehnt, vgl. dazu 0. Schrader Idg Forsch. 
1 7, 32. Nach Wackernagel geht es auf ein roman, 
bevere, lat. bibere «Trinken, Getränk» zurück. 
AUes nicht überzeugend. ZUS. Bierbank, f., 
spätmhd. bierbanc f. Bierbrauer, m., spät- 
mhd. bierbriuwer , gewöhnlich bierbriuwe, 
m, (s. Bräu). Bierhaus, m., mhd. bierhüs. 
Biese, s. Bise. 

biesen, v.: (vom Rindvieh) mit aufge- 
recktem Schwanz wie toU hin- und herrennen, 
vornehmlich bei großer Sommerhitze, wenn 
es von Bremsen {Bieswürmern) geplagt und 
verfolgt wird. In obd. Mundai-ten (schweiz. 
: mit i, entsprechend henneberg. beiern mit 
j r aus s), auch ndd. (schon mnd.) bissen, .dän. 
I bisse. Mhd. bisen, ahd. bisön, bisen «in 
: Brunst hin- imd herrennen, voll Unruhe 
1 hin- und herrennen». 

Biest, m. (mundartlich auch) f. n. (-es) 

oder Biestmilch, f.: die erste dicke un- 

' reine Müch der Kuh unmittelbar nach dem 

I Kalben. Mhd. biest, ahd. Most m.; dazu 

I ndd. best m., ndl. biest f., ags. beost m., engl. 

abgeleitet beestings PI. Daneben erscheinen 

; Formen mit r, schweiz.-elsäss. briest, briesch, 

bayr.-schwäb. briester, auch isl. ä-brystur PI. 

j «Biestmilch»; falls diese ursprünglicher sind, 

' würde das Wort zu Brust (s. d.), andd. b>-iost 

, gehören. Doch sind auch die gleichbed. gr. itüöc 

m., aind. pijüsa- m. n. (vgl. Bugge PBrBtr. 

. 12, 421) zu berücksichtigen, mit denen aber 

nur ein indirekter Zusammenhang durch Ent- 

! lehnung aus einer dritten Sprache bestehen 

I kann. S. auch Brös-chen. 

biester, s. verbiestem. 

Bieswurm, m.: Eier in die Haut des 

j Rindviehes und Rotwildes legende stechende 

! Bremse. Spätahd. bisetimrm m., 1482 im 

! Voc. theut. d S'' bißwurm. Zusammenges. mit 

biesen (s. d.). 

bieten (Prät. bot, Part, geboten), v.: dar- 
bringen, -geben, -legen; wofür als Preis dar- 
■ zugeben erklären. Mhd. bieten, ahd. biotan; 
[ dazu asächs. biodan, ndl. bieden, ags. beodan, 
i engl, bid, anord. bjöda, schwed. bjuda, dän. 
byde, got. biudan (in andbiudan «befehlen», 
farbiudan «verbieten»). Verwandt sind gr. 



237 



Bifang 



Bill 



238 



iruvGdvoiaai (ir aus qp wegen des folg. ö) «fragen, 
forschen, erfahren», abg. hüdeti, ht. hud£ti, 
«wachen», aind, biidh «wachen, Acht haben, 
beschenken». Die Bedeutungsentwicklung ist 
nicht leicht klai-zulegen. Wahrscheinlich hatte 
schon das Idg, eine verzweigte Bedeutung. 
Ältemhd. erscheinen im Präs. Ind. Sg. 2. 3. 
die Formen beutst, heut, Imp. beut, die noch 
Gottsched Sprachk. 344 verlangt, während sie 
Adelung füi* obd. erklärt; in der poetischen 
Sprache auch später durchaus üblich. 

Blfang (-es, PI. Bi-, Befänge), auch Be- 
fang, m.: das schmale erhabene Ackerbeet 
zwischen zwei Furchen. Mhd. bivanc, ahd. 
hifanc m. «das Äußere was einen Eaiim ein- 
fängt, Umfang, Umgrenzung, eingegrenztes 
Ackerbeet», zusammeng. aus dem wegen der 
Betonung ungeschwächten bi- und -vanc. Zu 
mhd. bevähen, ahd. bißhan «umfassen, be- 
grenzen ». 

Bigamie, f. (PI. -h): Doppelehe. Aus ralat. 
bigamia von lat- bi (bis) «zweimal, doppelt» 
und dem gr. weiblichen Adj. fajAxa «ehelich». 
Schon im 16. Jh. entlehnt. 

bigott, adj.: streng fromm. Aus franz. 
bigot «abergläubisch fromm», dessen Ursprung 
bestritten ist; wahrscheinHch iaachs\:>an.hoinbre 
de bigote «Mann von ernstem festem Charakter», 
eig. der einen Knebelbart (sTpan-bigote m.) trägt. 
Vergl, Baist Roman. Forschungen 7, 407. Bei 
Adelung 1774. 

Bilanz, f. (PI. en): Rechnungsabschluß in 
Einnahme und Ausgabe. Aus ital. biläncia f. 
eig. «Wage», dann s. v. a. «Gleichgewicht», 
hier zwischen Einnahme und Ausgabe, von 
lat. büanx (Gen. bilancis) «zwei Wagschalen 
habend», vgl. balancieren. Im spätem 16. Jh. 
entlehnt (Fischart Garg. 288). 

Bilcb, f. (PI. -e) oder Bilchmaus, f.: 
große Haselmaus, Siebenschläfer. Mhd. Mich, 
ahd. hilih f. Verwandt sind afranz. bele (wo- 
von nfranz. das Dim. belette) «Wiesel», kelt. 
(kymrisch) bele «Marder», kaum aber russ. 
belka «Eichhorn». Vielleicht ist auch lat. 
ßles «Katze, Marder, Iltis» verwandt, vgl. 
Walde s. v. Aus dem Deutschen stammt abg. 
plüchü m. «Bilchmaus». 

Bild, n. (-es, PI. -er): sichtbare Dax-- und 
Vorstellung wovon; sich darstellendes Wesen, 
Person, z. B. Frauen-, Manns-, Weibsbild. 
Mit Abstoßung eines e (doch kommt Bilde 
noch bis ins 17. Jh. vor, z. B. bei Harsdörfer, 
Gespr. 3, 256) aus mhd. bilde, ahd. biladi, 
bilidi n. ; dazu asächs. bilithi, ndl. beeld, afries. 



bilethe n., im Engl.-Nord. nicht vorhanden 
(schwed. bild, dän. billede n. sind aus dem 
Deutschen entlehnt). WahrscheinHch ist in 
ahd. biladi, bilidi bil- als Stammsilbe anzu- 
sehen, sie hängt dann zusammen mit dem 
Subst., von dem billig (s. d.) gebildet ist 
und das urspr. «Ebenmäßigkeit, Gleichheit» 
bedeutet hat, so daß die Grundbed. von Bild 
«das Entsprechende» wäre, vgl. TJnbüde und 
das mnd. abgeleitete büdelik «billig». Vgl. 
Detter ZfdA. 42, 54. Anders Meringer Idg. 
Forsch. 18, 286, der, wie früher Weigand, eine 
1 Wurzel bil- mit der Bedeutung «spalten, be- 
' hauen» ansetzt. Bild \\ äre dann « das Gehauene » 
Kluge sieht in bilidi eine Zusammensetzung 
aus bi- und einem Wort, das zu got. lipus m. 
« Glied » gehört. Der PI. lautet bei Luther 
Bilde und Büder, später nur die letzte Form. 
ABL. bilden, v.: zur Dar- und Vorstellung 
geeignet machen, ausgestalten, geistig ver- 
edeln. Mhd. bilden, ahd. bilidön. bildern, 
V. : in einem Bilderbuch blättern (bei 
Adelung 1774); sich in Bildern ausdrücken. 
bildlich, adj. u. adv., mhd. bildelich. Von 
bilden sind abgeleitet: Bilder, m. (Schiller 
11, 318), gewöhnlich Bildner, m.: der zu 
sichtbarer Darstellung schaflende Künstler, 
der geistig Veredelnde. Mhd. bildcere, auch 
schon bildenaere m., ahd. bilidäri. Davon 
Bildnerei, früher Bilderei (beiLuther) f. und 
bildnerisch, fmher bilderisch (bei Stieler 
1691) adj. Bildnis, n.: wiedergebendes Bild, 
mhd. bildnisse n. bildsam, adj.: was sich 
bilden läßt. Erst um 1750 gebüdet, Klop- 
stock hat 1748 im Messias 2, 387 unbildsam 
gebraucht, Wieland seit 1751 bildsam yer- 
wendet (Gombert 7, 15). Bildung, f.: Ge- 
staltimg; Gestalt (im 18. Jh., jetzt veraltet): 
geistige Veredlimg (bei Goethe). Mhd. bil- 
dunge f. «BUdnis», ahd. (bei Notker) bildunga 
«Vorstellung, Einbildung». ZUS. l) mit Bild. 
Bildhauer, m., in frühnhd. Glossaren (1495 
; im voc. rerum f. 2* bildhamver). Bildsäule, 
' f., bei Luther bildeseul. BildstOCk,m. : Stock, 
; Säule mit der Statue eines Heiligen, spätmhd. 
' büdestoc m. Bildwerk n., mhd. bildewerc n. 
2) mit dem PI. Bilder. Bilderbuch, n., 
bei Stieler 1691. Bilderschrift, f., im 16. Jh. 
(Fischart Garg. 189). Bilderstürmer, m., 
bei Luther bildstürmer. 

Bill, f. (PI. -s): vor das Parlament ge- 
brachter Gesetzentwurf. Das engl. &z7Z «Zettel, 
Schein, schriftlicher Aufsatz, Parlamentsakte», 
zurückgehend auf mlat. hilla, bulla f. «Blase, 



239 



Billard 



Binde 



240 



Knopf, Kapsel, Siegelkapsel, dann eine (urspr. 
mit einem Siegel versehene) Schrift». Vgl. 
Billett. 1703 im Zeitungslex. (Büle) und 
bei Sperander 1728 (^«Y^ «Recht» bei Schottel 
1663 und Stieler 1691 gehört nicht hierher, 
sondern ist aus Unhill erschlossen). 

Billard, n. (s, PI. -s, -e): Spiel mit Ku- 
geln, die auf einer ebenen Tafel gestoßen 
werden; diese Tafel selbst. Aus dem gleichbed. 
franz. billard m., von franz. hille, ital. biglia, 
span. billa f. «beinerne Kugel», die vielleicht 
auf das deutsche Eichel (s. Bickel') zurück- 
gehen. Bei Fischart Garg. 262. 

Bille, f. (PI. -n): Hacke (Querbeil) zum 
Schärfen der Mühlsteine. Aus mhd. hil (Gen. 
hilles) n. «Spitzhacke», ahd. hül n. «Schwei-t»; 
dazu asächs. hil, ags. fci7^ n.« Schwert», engl, j 
hill «Axt, Hacke». Wahrscheinlich zu Beil ] 
(s. d.) zu stellen, so daß also hill- mit Assi- ' 
milation auf hideJ- zui'ückginge, Sievers Idg. 
Forsch. 4, 339, dagegen E. Schröder ZfdA. 
42, 60; s. auch Meiinger Idg. Forsch. 18, 283. 
ABL. l)illeil, V. : mit der Hacke Mühlsteine 
schäi-fen. , Mhd. hillen, ahd. hillon «mit spitzem j 
Werkzeuge hauen oder hacken». 

Billett, n. (Gen. -es, PI. Billette, Billets): 
Zettel, Handbrief chen. Aus dem gleichbed. 
franz. hillet m., das von mlat. hilla (s. BilT) 
abgeleitet ist. Bei Henisch 1616. Schon im 
15. Jh. (Diefenbach-Wülcker S. 246) begegnet 
ein gleichbed. Bollet (noch jetzt mundartlich 
im Obd.), das auf ital. holletta f. «Zettel» zu- 
lückgeht, einer Ableitung von mlat. hiilla. 

l)illig, adj. u. adv. : verbindlicher Anforde- 
rung, besonders der mildern des Rechtes eben- 
mäßig ; im Verhältnisse des Wertes mäßig. Mit 
Eintreten der Endung -kj (hillig schon bei 
Stieler 1691, doch daneben hillich bis ins 18. Jh.) 
aus mhd. hillich, ahd. (im 11. Jh.) hillich «eben- 
mäßig, angemessen, geziemend», mit der En- 
dung -lieh von einem Subst. gebildet, das als 
hili- zu Anfang von Personennamen erscheint, 
auch dem ags. hilewit «einfach, unschuldig» 
(dem mhd. hileivi^, hilwig m. «Kobold, eig. 
guter Geist» entspricht) zugrunde liegt und 
wahrscheinlich zu gr. cpiXoc «lieb» gehört. 
Ndl. hillijk. Vgl. auch Bild, Unhüde, Unhill, 
Weichhild. J-ßL. Mlligeil, v.: der Anforde- 
rungebenmäßig, für angemessen erklären. Mhd. 
hillichen. Billigkeit, f., spätmhd. hillicheit f. 

Billiou, f. (PI. -en): eine Million million- 
mal. Das franz. nach million gebildete hillion 
m. Im Anfang des 18. Jh. aufgenommen 
(Brockes ird. Vergn. 4, 382). 



Bilse, f. (PI. -n): Pflaumenschlehe, dicke 
Schlehenart. Wetterauisch. 1540 bei Alberus 
im Dict. Gg. 2^ der PI. Bilsen, aber schon 
1471 im Grüninger Kirche nzinsbuch S. 13No.38 
hylsenhecken. Dunkler Herkunft. 

Bilsenkraut, n. : das Tollkraut hyoscy- 
amus. Mhd. hilsenkrüt, auch bloß hilse, ahd. 
hilisa f. Das s gehört einer Ableitung an, 
wie sich aus der dialekt. Form Bilme mit 
anderm Suffix ergibt; dazu noch mnd. hilene 
(Steinmeyer-Sievers 3, 719, 36) und hille (in 
hillensät f.), mndl. heelde f., ags. heolene f., 
dän. hulmeurt, schwed. holmört und weiter 
russ. helend f., poln. hielun. Vgl. auch lat. felix, 
filix «Farnkraut», s. Walde s. v. 

bimmeln, v.: in feinem, hellem Tone (himl 
himl) läuten. Ein lautnachahmendes Wort, 
schon mnd. himmelen, dann bei Schottel 1663 
verzeichnet. 

Bims, m. (Gen. Binises, PI. Bimse) oder 
Bimsstein, m.: leichte, löcherige Steinart. 
Mit i für ü (schon bei Dasypodius 1537 Bimß- 
stein) aus mhd. hümeg, ahd. punii^, die auf 
dem gleichbed. lat. püniex (Gen. pümicis) be- 
rahen. ABL. bimsen, v.: (mit Bimsstein) 
reiben, abputzen. 1482 im voc. theut. dS** 
himßen. 

bin, s. sein. 

Binde, f. (PI. -n): Streifen zum Binden. 
Mhd. binde, ahd. hi^ita f. Von binden (Prät. 
band:, Part, gebunden), v.: zusammenfügen, 
woran fügen, wodurch festmachen ; durch 
Bande unfrei machen. Mhd.hinden, ahd.bintan. 
Dazu asächs.-ags.-got. bindan, ndl. binden, engl. 
bind, anord.-schwed. binda, dän. bitide. Urver- 
wandt ist aind. bandh (für *hhandh) «binden», 
lat. -fend- in offendimentum n. «Binde», gr. 
-TTCvO- (für -qpevO) in ireiciiia (füi* *TT€v9c|Lia) n. 
«Tau». Älternhd, lautet wie mhd. der Prät. 
Plur. blinden (auch zuweilen Sg. hund), Konj. 
bnnde, die jetzigen Formen bei Bödiker. ZUS. 
Bindewort, n.: die Konjunktion, das Sätze 
verbindende Wort. Schon im 17. Jh., (bei 
Stieler 1691), dann von Gottsched verwendet. 
Bindestrich, m.: der zwei zusammenge- 
hörige Wörter verbindende Strich. Erst im 
19. Jh. aufgekommen. Bei Adelung 1774 
Bindezeichen n. Bindfaden, m., fi-ühnhd. 
(1491 im Voc. rer. 15*^ bindt faden «licium»). 
iSindrienien, m. Mhd. hintrieme, ahd. 
hintriomo m. Redensart: es geht an die 
Bindriemen «es wird Ernst mit der Sache», 
eig. es wird die letzte Hand an die Kleidung, 
Rüstung gelegt. 



241 



Binetsch 



Bischof 



242 



Biuetsch, m. (-es): Spinat (s. d.). Wie 
dies Wort aus mlat. spinacea f., ital. spinaccio 
m. Obd. In finihnhd. Glossaren (Diefenb. nov. 
gloss. 345'^ vom J. 1466), dann auch 1537 bei 
Dasypodius und 1533 in Rößlins Kräuter- 
buch 290^. 

Bingelkraut, n. : die Pflanze mercurialis. 
Bingel- mit / statt ü aus mhd. hüngel, ahd. 
hungil n., das aber Xame einer andera Pflanze, 
und zwar einer mit knolliger Wurzel, der 
Mauerraute, ist, von mhd. hinge, ahd. hungo m. 
«Knollen». S. Bachhunge. Die Übertragung 
auf mercurialis schon bei Maaler 1561, viel- 
leicht wegen der FruchtknöUchen der Pflanze. 

binnen, Präp. mit Dat., selten Gen.: in 
den Grenzen von — . Fast nui- noch zeitlich; 
räumlich jetzt als Adv. in Zusammens. wie 
Binnenland usw. Mhd. (vorwiegend md.) 
hinnen, wie mnd. und mnl., dazu afries. binna, 
ags. hinnaiL Zusammeng. aus hi (mit Unter- 
drückung des Vokals, vgl. hange) und imien. 
Von Luther (aber nur räumlich) gebraucht, 
während es dem altem Obd. fremd ist. 

Binse, f. (PI. -n): Flechtpflanze mit mar- 
kigem Schafte, juncus. Mit s für ß hervor- 
secfancren aus dem Plural des gleichbed. mhd. 
hineß, hin^, ahd. hinu^ m.; dazu asächs. hinit 
(in dem Adj. hinitin), ags. heonet, engl. hent. 
Älterahd. und jetzt in obd. Mundarten auch 
hinz, hinze; Schottel 1663 hat Bintz und Bins 
(PI. Bintzen, Binsen), Stieler 1691 nur Binz 
m., Rädlein 1711 Binse neben Bintz (das Fem. 
Binse schon bei Rollenhagen Froschm. 8, 2, 5). 
Das Wort besteht wohl aus hi (wegen der 
Betonimg ungeschwächt erhalten) und dem 
Worte na^, das aber kaum zu nass, sondern 
eher zu Netz, Xessel gehört. Xicht verwandt 
ist das gleichbed. ndl. hies f. ABL. Bin- 
sicht, n. Mit angetretenem t, da ahd. hi- 
nugahi, hin^alii n. ZUS. Binsenwahrheit, 
f.: selbstverständUche Wahrheit. Erst in 
neuerer Zeit aufgekommen. Eig. wohl Wahr- 
heit wie eine Binse dünn und dürftig. ZfdW. 
5, 286. 6, 358. 

Biograph, m. {-en, PI. -en): Lebensbe- 
schreiber. Aus dem gleichbed. gr.-lat. hio- 
graplms, gr. ßiöypaqpoc m., zusammenges. aus 
ßioc m. Leben und --fpaqpoc «Beschreiber»-zu 
Ypdqpeiv «schreiben». Im 18. Jh. aufgenommen 
(Lessing 6, 298). ABL. Biographie, f. 
«Lebensbeschreibung». Aus gi'.-lat. hiogra- 
phia, gr. ßiOTpaqpia f. 

Birke, f. (PI. -n): der Waldbaum lat. be- 
tula. Mhd. birke, hirche, ahd. hircha, hirihha 
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



f.; dazu ndl. herk m., ags. beorc und hirce f., 
engl, hirch, anord. björk, schwed. björk, dän. 
hirk f. Urverwandt ist aind. hhürjas m. «Art 
Birke», osset. bärz «Birke», abg. hreza f., 
lit. birzas m, «Birke», vielleicht auch lat. 
fraxinus und farnus «Esche». Auch Borke ist 
wohl verwandt. ABL. birken, adj. (auch 
IQ Birkenholz usw.). Mhd. hirkin, ahd. hircMn. 
ZUS. Birkhuhn, n.: Birkenknospen und 
Zäpfchen gern fressendes Waldhuhn. Mhd. 
birklmon, ahd. hirchuon, hirichlmon n. 

Birne, f. (PI. -n) -. die Kernobstfrucht lat. 
pirum. Hervorgegangen aus dem PI. (mhd. 
bim) des mhd. hire, bir, ahd. hira f., von dem 
PI. des lat. pirum n. Vgl. auch got. baira- 
bagms m. «Maulbeerbaum». Während hier p 
zu h geworden, ist in dem auf roman. (ital.- 
span.) pera (franz. poire f.) beruhenden ndl. 
peer f., engl, piear das urspr. ^j festgehalten. 
Das ältere Bir findet sich im 16. Jh. (Luther 
hat Bim- in Zusammensetzungen) und noch 
jetzt mundartlich (alem.-schwäb.-rheinfränk.), 
doch kommt Birne schon im 15. Jh. vor 
(Diefenbach-Wülcker S.250). Die gewöhnliche 
älternhd. Form (noch bei Adelung) ist Bir7i. 
Ein PI. Bim 1774 bei Goethe (D. j. Goethe 8, 
295). ZUS. Birnbaum, m., dafür mhd. bir- 
houm, ahd. hiräboum m. 

Birsch, f. (Pl.-e?i) oder Pirsch: Waldjagd 
mit Spürhunden. Im 16. Jh. Von birschen, 
V.: mit Spürhunden im Walde jagen. Mit 
Übergang eines s in seh nach r aus mhd. 
hirsen, das auf dem noch unerklärten afranz. 
herser «mit Bolzen oder Pfeü jagen und 
schießen» beruht. Auch pirschen und bürschen 
(so bei Adelung), pürschen geschrieben. 

""^bis, Imp. (altertümUch und dichterisch): 
sei, s. sein. 

^bis, den Zielpunkt in Raum oder Zeil be- 
stimmendes Adv., dann Konj. Mit s füi* ß 
aus mhd. hi^, Adv. Präp. und Konj., von Mittel- 
deutschland aus vordringend und das echthd. 
unze, unz allmählich verdrängend. Zusammen- 
ges. aus bi und ahd. a^ «zu», das dem asächs. 
at, ags. at, got. at, lat. ad entspricht, urspr. 
also bi-az. Im Älternhd. auch bitze, das ähnlich 
auf bi und ze zurückgeht. 

Bisam, m. (-s): Moschus. Mhd. biseni 
(so auch bei Luther), ahd. bisam, bisamo m., 
aus mlat. bisamum n., das auf hebr. besem, 
syrisch besmö «Wohlgeruch, Salbe» beruht. 

bis-chen, s. bißchen. 

Bischof, m. {-s, PI. Bischöfe): höchster 
Geistlicher: (seit der Mitte des 18. Jh., z. B. 

16 



243 



Bise 



bitzeln 



244 



1773 bei Amaranthes) eine Art Rotweinpunsch. 
Mhd. hischof (PI. hisdwve), auch (wohl durch 
Einwirkung von Namen auf -olf, wie Rudolf 
usw.) Uscholf, ahd. hiscof m., nach ital. ves- 
covo aus dem gleichbed. gr.-lat. episcopus m. 
Dies beruht auf gr, eiricKOTroc m. eig. «Auf- 
seher», dann «Obwalter», weiter kii'chlich 
s. V. a. «Obwalter als Geistlicher, geistlicher 
Vorgesetzter», zusammenges. aus gr. d-rri «auf, 
über» und ckottöc «Schauer, Aufseher, Acht- 
geber» von cKOTTCiv «schauen, spähen». Auf 
dem Lat. beruht auch ndl. hisschop, ags. his- 
cop, engl, hishop, anord.-schwed. hiskop, dän. 
hisp m., got. mit engerem Anschluß an die 
Grundform aipiskaupus m. ABL. bischöf- 
lich, adj., mhd. hischo flieh. 

Bise, f. (PI. -n): Nordostwind. Schweize- 
risch, mit erhaltenem i (doch älternhd. Beis- 
tvind) aus mhd. hise, ahd. hisa f., daher franz. 
hise f. Vielleicht verwandt mit biesen (s. d.) 
mit der Grundbed. «Sturm». 

Biskuit, n, (-S, PI, -s, -e): Zuckerge- 
backenes. Aus franz. hiscuit m. eig. «Zwie- 
back», das auf mlat. hiscoctus «zweimal (pis) 
gebacken (coctus)» beruht. Älternhd. ge- 
wöhnlich das auf ital. hiscotto m. beruhende 
Biskott (z. B. 1601 bei Albertinus Kriegsleut 
Weckuhr 2, 164, Bißkotte 1598 bei Hutter 
Dict. 300, Biscott 1574 bei Fischart Onoma- 
stica 118^) oder das aus dem Dimin. his- 
cottino m. hervorgegangene Biskotten (z. B. 
1595 bei Hulsius SchifFart 1, 10, noch jetzt 
ebd.), daneben seit dem Anfang des 17. Jh. 
auch Biscuit, 1613 bei Hulsius Schiffart 11, 
2, 154, 1672 bei Grimmeishausen Vogelnest 2, 
6 Bisquit. 

bislang, adv.: bisher. Norddeutsch, zu- 
sammengezogen aus älternhd. hissolang (bei 
Luther 8, 488 W. hissolange), das in der Kanz- 
leisprache schon am Ende des 15. Jh. vor- 
kommt, zusammengeiückt aus bis so lange. 

Biß, m. (Gen. Bisses, PI. Bisse): Hand- 
lung des Beißens; Spur vom Beißen. Mhd. 
hi^, daneben mhd.-ahd. auch hiz m. Zu heißen. 

hißchen: ein klein wenig. Eig. Dem. von 
Bissen (s. d.). Seit dem 16. Jh., anfangs ge- 
wöhnlich mit der obd. Dim.-Endung als biß- 
lein (Ludwig 1716 hat ein bißgen, das schon 
vorher von Weise u. a. gebraucht wird). 

Bissen, m. (-s, PI. wie Sg.): soviel als 
man auf einmal abbeißen kann. Aus mhd. 
hi^^e, ahd. hi^p mit schwacher Flexion; da- 
zu ags. bita, engl, bit, anord. biti m. Von 
beißen. 



hissig, adj.: gern beißend. Frühnhd., 
dafür mhd. bi^ec «beißig» (s. d.). 

Bistum, n. {-s, PI. Bistümer): Gebiet 
eines Bischofs. Mhd. bischtuom, bistuom, ahd. 
biscetuom, gekürzt aus biscoftuom n. 

bisweilen, adv. : von Zeit zu Zeit. Mhd. 
bi^ wtlen kommt noch nicht vor, dagegen in 
gleicher Bed. bi wilen und ze wilen, so daß 
vielleicht bisweilen aus biziveilen zu erklären 
ist; weilen ist der Dat. PI. von Weile (s. d.). 
Das Wort tritt erst im 16, Jh., vorwiegend 
bei norddeutschen Schriftstellern (Mathesius 
Luther 90, Eingwald Eckh. E 7^^, Rollen- 
hagen Froschm. 1, 2, 22), doch auch bei Fisch- 
art (Binenk, 58) auf. 

Bitte, f, (PI, -n) : ausgedrücktes Verlangen 
an jemandes Güte, Spätmhd. bitte (Wyle 
19, 8) neben gewöhnlichem mhd. bete, ahd. 
selten bita neben beta, got. bida f. Von 
bitten, v. (Prät. bat, Part, gebeten): an je- 
mand ein Verlangen richten in Hoffnung 
gütiger Gewährung. Mhd. biten, bitten, ahd. 
bitten; dazu asächs. biddian^ ndl. bidden, ags. 
biddan, engl, bid, anord. bidja, schwed. bedja, 
dän. bede, got. bidjan. Man stellt es zu gr. 
•nreieo) (ir für qp wegen des folgenden 6) 
«durch Zureden wozu bestimmen, überreden, 
erbitten», lat. fido «vertraue», so daß das 
V. urspi'. der t- Reihe angehört hätte und 
zur er Reihe übergetreten wäre (Osthoff Btr. 
8, 140), besser aber zu ai. badhate «drängf, 
verdrängt, bedrängt», lit. bädas m. «Hungers- 
not, Hunger». Im letzten Grunde können 
allerdings beide Wurzeln zusammengehören. 

bitter, adj. u. adv.: beißend scharf. IVJhd. 
bitter, ahd. bittar: dazu asächs. bittar, ndl. 
bitter, ags. biter, anord. bitr, engl,- seh wed,- 
dän. bitter, got. mit Ablaut baitrs. Zu beißen, 
aber mit bewahrtem t, da t vor r nicht ver- 
schoben wird, ABL. Bitterkeit, f., mhd, 
bitterkeit f. bitterlich, adj. u. adv., mhd. 
bitterlich. 

Bitze, f, (PI. -n): Baum-, Grasgarten. In 
der Schweiz, Schwaben, Hessen, der Wetterau, 
Nassau, Spätmhd, bitze f,, abgeschwächt aus 
biziune n,, ahd, bizüni n, und bizüna f, «ein- 
gezäuntes Grundstück», zusammeng. aus dem 
wegen der Betonung ungeschwächt gebliebenen 
bi und einer Ableitung von z'ün, «Zaun». 

bitzeln, v,: schnell wiederholte fein- 
stechende Empjfindung haben. Frühnhd. (bei 
Keisersberg, H. Sachs), abgeleitet von mhd. 
ahd. biz m, «Beißen, Biß». 



245 



Biwak 



Blase 



246 



Biwak, n. (s, PI. -s): militärische Feld- 
wache, Feldlager. Aus dem gleichbed. franz. 
hivouac m., das auf einem ndd. Mwake «Bei- 
wache» beruht. Im 17. Jh. entlehnt. 

bizarr, adj. u. adv.: auffallend seltsam 
und wunderlich. Aus dem gleichbed. franz. 
bizarre, dies aus span. hizärro «tapfer, mutig, 
ritterlich, prächtig», dem baskisch hizarra 
«Bart» zu gründe liegt. Vgl. higott. Im 
17. Jh. entlehnt (1697 bei Thomasius Sitten- 
lehre 455). 

blach, adj.: weit und breit ohne Erhaben- 
heit, namentlich in Blacllfrost «Frost ohne 
Schnee», Blachfeld (bei Luther) «das flache 
Feld». Mhd. selten hlach, identisch mit flach, 
dessen Anlaut f hier weiter zu h verschoben 
wurde. 

Blackflsch,m. (-es, PI. -e) : Tintenschnecke. 
1563 in Forers Fischbuch 112. Aus ndd. hlak- 
fisk; ndd, hlak n. ist wie ags. Ucee, schwed.- 
dän. hläk n. «Tinte» (auch älternhd. placke 
1482 im Voc. theut. z3% ahd. Nach n.), zu 
ags. hlcec, engl, hlack, ahd. hlah «schwarz», 
das vielleicht zu gv.jj.iXac «schwarz» gehört, 
(germ. hla- aus mla-) Hirt PBrBtr. 23, 307. 

blaff, interj. Knall und Fall! Lautnach- 
ahmend, vgl. haff, paff. ABL. blaflfen, v. : 
bellen (Lessing 10, 231). Spätmhd., auch ndl. 
Uaffen, vgl. häffen. 

Blähe, f. (PI. -n)-. großes grobes Leintuch 
(zur Bedeckung von Wagen, zum .Trocknen 
von Friichten, als Fenstervorhang usw.). Spät- 
mhd. hlahe f. «grobes Leintuch, dann über 
einen Wagen gespanntes Tuch». Auch. Flache, 
Plane, Flaue (s. d.). Wohl nicht von hLplaga f. 
«Jagdnetz, ausgespanntes großes Tuch, Teppich, 
Bettvorhang». Die mundartlichen Formen 
(auch Blähe mit Anlelmung an Mähen) führen 
auf ein got. *hlahwa, *hlaiva; verwandt ist 
anord. hlceja f. «gefärbtes Stück Tuch», schwed. 
hlöja f. «Wickeltuch», dän. hie «Leintuch, 
Windel». 

blähen, v.: durch Luft ausdehnen. Refl. 
sich blähen: dick (stolz) tun. Aus mhd. 
hlcejen, hlcen, ahd. hldjan, hläen; dazu mit 
urspr. reduplizierendem Prät. ags. hläwan 
(Prät. Ueoio), engl, hlow (Prät. hlew) «wehen, 
hauchen, blasen». Das Wort stimmt der 
Lautverschiebung gemäß mit lat. fläre «bla- 
sen», vgl. blasen, Blatter. 

blaken, v.: flammen, qualmen. Ein ndd. 
Wort (mnd. u. mnl. blaken), das Heynatz 1796 
aus der Berliner Sprache anführt und Campe 
1807 verzeichnet. Verwandt mit gr. (pAcreiv 



«brennen, leuchten», qpX.öE f. «Flamme», lat. 
flagräre (s. Walde s. v.) «brennen», fulgur n. 
und fulmen n. «Blitz», aind. MräJ «leuchten», 
vgl. blecken. ABL. Blaker, m. (-s, PI. wie 
Sg.): Wand-, Hängeleuchter. Das nd.-ndl. 
blaker, von Frisch 1741 angeführt und von 
Voß 1, 117 gebraucht; vgl. auch ags.blcecern 
m. «Leuchter». 

blamieren, v.: beschämen. Refl. sich h.: 
sich der Beschämung aussetzen. Aus franz. 
blämer, ital. biasimare, altsp. fcZasmar «tadeln», 
das auf mlat. blasimäre, blasmäre beraht, einer 
Zusammenziehung des kirchlich-lat. blasphe- 
inäre, das selbst wieder auf gr. ßXaccprmeiv 
«von jemand ehi-enriihrig reden» zuriickgeht, 
vgl. Blasphemie. Im 17. Jh. entlehnt, aber 
zunächst in der Bed. «beschimpfen», die 
jetzige Bed. wohl nicht vor der Mitte des 
18. Jh. ABL. Blamage, f. (PI. -n). Im 
18. Jh. mit der franz. Endung -age im Deut- 
schen gebildet, vermutlich in der Studenten- 
sprache, vgl. Renommage. 

blank, adj. u. adv.: glänzend weiß; weiß; 
glänzend rein. IVIhd. hlanc, ahd. Manch; dazu 
ags. blanc, ndl.- engl, blank, anord. blakkr, 
schwed.-dän. (entlehnt) blank. Ins Romanische 
aufgenommen, ii'am.blanc, ital. &mwco« weiß». 
Zu blinken. Mit Einfügung eines n zu der 
Wurzel, auf die blaken, blecken zurückgeht. 

blänkeln, s. plänkeln. 

Blankett, n. {-es, PI. -e)\ leeres mit 
Namensimterschrift versehenes Papier zum 
Ausfüllen für einen Bevollmächtigten. Aus 
dem gleichbed. franz. blanquet m., von blanc 
«weiß», eig. weißes Papier. Schon im Anfang 
des 16. Jh. entlehnt (Luther 7, 358^ Jen. &ZawÄ;e^). 

Blankscheit, n. (-es, PI. -e): linealartiges 
Miederbrettchen. Das durch Anlehnung 
deutschverständlich gemachte gleichbed. franz. 
planchette f. (gespr. plangschett) , das Dim. 
von pZanc/ie f. «Planke». Um 1700 in Mittel- 
deutschland üblich (1715 bei Amaranthes 
Blanck- Scheit, bei Günther 537 Blanck- Scheit, 
bei Gellei-t Lustsp. 317). 

Blase, f. (PI. -n) : durch Luft oder Flüssig- 
keit rundlich aufgeblähte Haut oder haut- 
artige Fülle; (studentisch) freie Vereinigung. 
Mhd. blase, ahd. bläsa f. «Harnblase» (jede 
andre Blase heißt mhd. blätere, ahd. blätara, 
s. Blatter); dazu ndl. Maas, schwed. bläsa f. 
Von blasen, v. (Prät. Mies, Part, geblasen): 
Luft forttreiben, stark, hörbar wehen. Mhd. 
blasen, ahd. bläsan: dazu ndl. Mäzen, anord. 
bläsa, schwed. Mäsa, dän. blase, got. blesan. 

16* 



247 



blasiert 



blau 



248 



Im Ags. hat bläican, engl, hlow (s. blähen) ' 
die Bed, von blasen: in diesem ist das s als [ 
ein Ableitungselement anzusehen, es gehört mit j 
blähen zu lat. fläre. ABL. Bläser, m. (s, PI. 
wie Sg.), mhd. bläsmre. ZUS. Blasebalg, m. 
(vgl. Balg), mhd. bläsebalc m. Blasrohr, n., | 
bei Schweinichen 1, 30 vom J. 1562. 

blasiert, adj.: abgestumpft, teilnahmlos, j 
In neuerer Zeit aus gleichbed. franz. blase 
umgebildet, dessen Herkunft unbekannt ist. 

blasonnieren, v.: ein Wappen kunst- 
mäßig ausmalend schmücken; ein Wappen ^ 
kunstgerecht piiifen und erklären. Mhd. | 
blasenieren aus franz. blasonner «Wappen 
malen», von blason m. «Schild, Wappen, 
Wappenkunde», dessen Herkunft unsicher ist. 

Blasphemie, f. (PI. -;/) : Gotteslästerung. 
Aus dem gleichbed. kirchlich-lat. blasphemia, 
gr. ßXacqpriuia f. « ehrenmhrige Rede, gottes- 
lästerliche Rede», von gr. ßXacqpri.ueiv (s. bla- 
mieren). Früh im 16. Jh. entlehnt (z. B. ; 
1524 bei Emser, vgl. Gombert 6, 17) und 
bei Rot 1571 verzeichnet. I 

bla£, adj. (Komp. blasse^', blässer, Sup. 
blassest, blässest) : weißHch; schwach an Farbe. 
Mhd. blas (flekt. blasser), ahd. blas «weiß, weiß- 
lich, besonders an der Stirne» (ahd. blas ros); 
«bleich, farblos» (bei Nicolaus v. Jeroschin und 
Brun V. Schonebeck); «kahl, kahl an Ansehn, 
Wert, gering» (vereinzelt seit dem 13. Jh.), 
vgl. ndl. bles «kahl». In der jetzigen Bed. ist 
blaß im 16. Jh. selten (Luther hat nur er- 
blassen) und dringt im 17. Jh. von Mittel- 
deutschland aus vor, Schottel 1663 verzeichnet 
es. Der wahrscheinliche Gnindbegriff «schei- 
nen, leuchten» (die Bedeutungsentwicklung 
wie bei bleich, s. d.) zeigt sich in mhd.-mnd. 
blas n., ags. blcese f., engl, blaze «brennende 
Fackel». J-Bi^. Blässe, f.: Farbenschwäche, 
erst im 17. Jh. zu blaß «bleich» gebildet | 
und bei Stieler 1691 verzeichnet, blassen, v.: j 
an Farbe schwächer werden oder machen. ! 
Im 17. Jh. Vgl. Blesse. 

Blatt, n. (-es, PI. Blätter) : dünner ebener | 
Pflanzenteil, der sich aus Wurzel oder Stengel 
entfaltet; ähnlicher dünner breiter flacher I 
Teil wovon; Papierblatt. Mhd. blaf (PI. blat 
u. Meter), ahd. blat (PI. bletir), n.: dazu asächs. 
blad, ndl. blad, ags. blced, engl, blade «Blatt- } 
chen, Hälmchen», anord. blad, schwed.-dän. 
blad n. Das Wort stimmt in seiner Wurzel 
mit lat. folium, gr. qpüXXov n. «Blatt»; es ist 
als eine partizipiale Bildung mit dem Suffix 
-to- und schwacher Wurzelstufe zu blühen 



anzusehen, doch sind auch andre Verglei- 
chungen möglich, Hirt Btr. 23, 356. Luther 
hat Blat, PI. Bletter, und die Form Blat 
mit gedehntem Vokal ist auch später sehr 
häufig, z. B. bei den schlesischen Dichtern 
(Logau 3, 50, Fleming 93, Günther 148), sie 
wird 1737 von Freyer S. 267 verlangt und 
noch 1775 von Heynatz erwähnt. Redens- 
arten: kein B. vor den Mund nehmen «gerade 
heraus i'eden», eig. wohl vornen in den 
Mund tun, um seine Sprache zu verstellen 
(schon mhd.); das Blättlein ic endet sich «das 
Glück schlägt um», wohl von den Kunst- 
stücken der Gaukler ausgegangen (1534 bei 
S. Franck Weltb. Vorr. a4^ das blätlin ^virt 
sichumbkören). AB L. l) mit Blatt, blatten, 
V.: Blätter zahli'eich abpflücken, durch Ab- 
pflücken überflüssiger Blätter derselben ent- 
ledigen; (weidmännisch) Wild durch Pfeifen 
auf einem Blatt locken (bei Rädlein 1711, 
oft blaten geschrieben). Mhd. blaten. 2) mit 
dem PI. Blätter. blätterig, adj., mhd. 
bleteroht. blättern, v.: Blätter umschlagen, 
mhd. bleiern in Überbietern: wie blatten. 
ZUS. Blattgold, n.: dünngeschlagenes Gold, 
1678 bei Krämer. Blattlaus, f., 1730 bei 
Frisch Insect. 8, 84. 

Blatter, f. (PI. -n): kranker rundlich 
aufgeblähter Hautfleck. Mit Kürzung des 
Vokals (bei Luther Blatter) aus mhd. blätere, 
bläter, ahd. blätara f. «Blase»: dazu ndl. (mit 
ausgefallenem d) blaar, ags. blcedre, engl. 
bladder, anord. blaära, schwed. blädra, dän. 
bläre f. «Blase, Blatter». Aus einer Wurzel 
mit blähen und blasen (s. d.). ABL. blatterig, 
adj.: voll Blattern, mhd. Uäterec. 

blätterig, blättern, s. Blatt. 

blau, adj.: luftfarbig. Aus mhd, blä (flekt. 
bläwer), ahd. bläo: dazu ndl. blaauic, ags. 
bläiu, engl, blue (aus franz. bleu?), anord. blär, 
schwed. bld, dän. blaa. Zusammenhang mit 
bleuen (s. d.), so daß blau urspr. die Farbe 
der Haut infolge einer Quetschung ausdrücken 
würde, ist kaum möghch; ebensowenig der 
mit lat. flävus «blond» wegen der ganz ab- 
weichenden Bedeutung. Am ehesten zu gr. 
iue\ac «schwarz», ht. melvias «blau», wenn 
bl aus ml entwickelt ist. Redensarten: der 
blatte Montag eig. «der (durch blaue Altar- 
umhängung in den Kirchen ausgezeichnete) 
Montag vor Aschermittwoch, an dem nicht 
gearbeitet wurde, dann jeder Montag, den 
die Handwerker zu einer Nachfeier des Sonn- 
tags machen» (1719 bei Kramer, dafür im 



249 



Blänel 



Bleiche 



250 



16. und 17. Jh. der gute Montag); ins Blaue 
hinein reden eig. in die Bläue des Himmels, 
in die unbestimmte Feme: einem einen blauen 
Dunst vor die Äugen machen: (eig. von den 
Dämpfen, die die Zauberer bei ihren Be- 
schwörungen aufsteigen ließen) ihn durch 
Vorspiegelungen betragen (schon 1492 ain 
plahen tunst machen Liliencron 2, 197): eben- 
falls von den Gaukelbildeni der Zauberer 
herrührend sein blaues Wunder sehen (1645 
bei Zesen adr. ßosemund 97). ABL. Bläne, 
f., mhd. blcewe f. blauen, v.: blau werden, 
bei Stieler 1691. bläueu, v.: blau machen, 
mhd. blceiven. bläulich, adj. u. adv.: ein 
wenig blau, frühnhd. blaulichf. 

Bläuel, s. Bleuel, bläuen (schlagen), 
s. bleuen. 

Blaustrumpf, m. (-es, PI. Blaustrümpfe) : 
Angeber, Verräter. Im 17. Jh. (Weise Cath. 
260). Bei Schüler Räuber 2, 3 der höllische 
Blaustrumpf «der Teufel». Eig. Spottname 
der Gerichtsdiener, die vielfach verpflichtet 
waren, blaue Strümpfe zu tragen. Erst im 
19. Jh. B. «gelehrtes Frauenzimmer» nach 
engl, blue-stocking; blue-stockings hieß ein 
Kreis, der sich um 1750 in London im Hause 
der Frau Montague versammelte, nach einem 
Mitglied, das blaue Stiümpfe zu tragen 
pflegte, später besonders die weiblichen Teil- 
nehmer an den Zusammenkünften. 

Blech, n.: dünn geschlagene .oder ge- 
walzte Metallplatte; Geld; (seit etwa 1840 
im gemeinen Leben nach dem studentischen 
Blech reden) schlechtes Geschwätz. Mhd. 
blech, ahd. bleh n.; dazu ndl. blik, blek, schwed. 
bleck, dän. blik n. «Blech», aber anord. buk 
n. «leuchtender Glanz», dann «Gold, Gold- 
blech». Zu bleichen (s. d.), die ui'sprüng- 
liche Bed. also «das Glänzende». Die 2. Bed. 
nach den ehemahgen Hohlmünzen aus Gold- 
oder Silberblech; sie findet sich schon im 
16. Jh., und zwar zunächst im Kotwelschen 
1510, dann bei Fischart Garg. 70 vil Ämter 
und wenig Plech. ABL. blechen, v.: Blech 
d. i. Geld geben, zahlen (Goethe Götz 2, 
Schiller Kab. u. L. 5, 6 heraus blechen). Als 
idiotischer Ausdruck bei Adelung 1774 und 
Kindleben 1781 (fm- die Studentensprache) 
angeführt, blechern, adj. und adv.: aus 
Blech bestehend. Dafür spätmhd. blechen 
aus urspr. blechtn, 1616 bei Henisch blechin 
neben blechern, noch bei Voß Idyll. 16, 96 
die blechene Dose. Blechner, m.: Klempner. 
In Südwestdeutschland. 



blecken, v.: sichtbar machen, bes. die 
Zähne. Mhd. blecken (Prät. blacte) «sichtbar 
werden, sich entblößen», sowie «bloßlegen, 
sichtbar machen», ahd. blecchen «hervor- 
leuchten, blinken, schimmern», b. gehört als 
Faktitiv zu einem nach der e-KIasse flek- 
tierenden nicht erhaltenen ahd. blehhan (vgl. 
bleichen), das zu gr. qpXexeiv «brennen, leuchten» 
und weiter zu lat. flagräre «brennen)., aind. 
bhräj «leuchten» gehört. S. blaken, blicken. 

'Blei, n. (-es, PI. -e): sehr weiches, schwe- 
res, bläuhch weißes Metall; Richtblei, Lot. 
Mhd. bli (Gen. bliwes) n. m., ahd. blio n.; dazu 
anord. bly, sehwed.-dän. bly n. Dunklen ür- 
spnings; Persson Bezz. Beitr. 19, 273 vergleicht 
schwerhch mit Recht lit. blaivas «licht, klar», 
Braune Btr. 24, 195 stellt es wieder zu blaic. 
Vgl. noch Hii-t Btr. 23, 354, der es auf 
'^'mliwom zuiückführt und an einen durch 
Entlehnung vermittelten Zusammenhang mit 
gl-. ,u6\ißoc, lat. plumbum «Blei» denkt. 

-Blei, m. (-[eis, PI. -e) : ein Fisch, s. Bleihe. 

bleiben, v. (Prät. blieb, Part, geblieben): 
an einem Orte verharren; in einem Zustand 
vei'haiTen: von Dauer, Bestand sein; außerdem 
da sein (übrigbleiben); unterlassen werden 
(in bleiben lassen^, nicht mehr von der Stelle 
kommen (das Leben vei'lieren). Mit Unter- 
drückung des e in der Vorsilbe be- aus mhd. 
belihen, bliben, ahd. biliban : dazu asächs. biUban, 
ndl. blijven, ags. bellfan, got. bileiban, ent- 
lehnt schwed. blifva, dän. blive. Das einfache 
nicht vorkommende ahd. -liban gehört wohl 
zu gr. XiTToc n. Fett, Xiirapöc «fett, glänzend», 
abg. lljmqti, Kt. Upti «kleben bleiben», so 
daß sich also (wie in gr. XmapeTv «behan-en») 
die Bed. des Verharrens aus der des «Klebens» 
entwickelt hätte. Vgl. noch Leib, leben. Das 
Part. Prät. mhd. beliben im 17. Jh. noch sehr 
häufig blieben (doch verlangt schon Schottel 
1663 geblieben), auch noch im 18. Jh. dich- 
terisch (Goethe 1, 112. 295), selten in Prosa 
(Lessing 11, 84). 

bl eich, ad j. u. adv. : matt glänzend : schwach 
an Fai'be, weißlich. Mhd. bleich, ahd. bleih; 
dazu ndl. bleek, ags. bläc, engl, bleak, anord. 
bleikr, schwed. blek, dän. bieg. Zu ^bleichen. 
ABL. Bleichsucht, f.: 1741 bei Frisch 
bleiche suht. 

'Bleiche, f. (PI. -n): Kunst zu bleichen: 

Bleichplatz. Mhd. bleiche f. Zu ^bleichen. 

"Bleiche, f.: bleiches Aussehen. Mhd. 

bleiche, ahd. bleicht f.; dazu mndl. bleke f. 

Zu bleich. 



251 



bleichen 



Bleuel 



252 



^bleichen, v. (mit schwacher Flexion): 
worauf wirken, daß es bleich, weiß wird. 
Mhd. lleichen (entsprechend ags. blcecan, anord. 
bleikja) «blichen machen», Faktitiv zu dem 
starkbiegenden bleichen (s. '"^bleichen). 

"bleichen, v. (mit schwacher Flexion): 
bleich werden. Mhd. bleichen, ahd. bleihhen, 
abgeleitet von bleich. 

^bleichen, v. Prät. blich, Part, geblichen) : 
matt glänzend, weiß werden. Mhd. blichen 
«glänzen» (oheY erblichen ist «erblassen»), ahd. 
(bei Notker) in erblichen «erbleichen» und 
f erblichen «verbleichen»; dazu asächs. blikan 
«glänzen», ndl. blijken «erheUen, oflenbar 
werden», ags. blican «glänzen», anord. blikja 
(Prät. bleik) «erglänzen, glänzen, leuchten». 
Die Wurzel gehört zu abg. bliskati aus *blig- 
skati «funkeln», bleskä m. «Glanz». Ygl. 
auch Blech, bleich, blicken, blinken. 

Bleichert, m. (-5, PI. -e): rötlicher (blaß- 
roter, bleicher) Wein. Abgeschwächt aus 
Bleichart, Bleichhart (vgl. -ert in Bankert), 
bei Fischart Garg. 84 bleichart. 

bleiern, adj.: von Blei; (bildlich) schwer- 
fällig. Bei Luther, während sonst älternhd. 
auch bleien (noch bei Yoß Shak. 2, 51), ent- 
sprechend mhd. blijin, ahd. blnn, abgeleitet 
von Blei (s. d.). 

Bleifeder, f.: Bleistift. 1773 bei Ama- 

ranthes (3. Aufl.). 

Blei(h)e, f. (PI. -n), auch Blei m.: eine 
Art breiter Weißfische. Aus dem Ndd., wo 
mnd. bleie f., dazu ndl. blei, ags. blcege f., 
engl, blaij. Der Ursprung des Wortes mit 
den Nebenformen (schweiz.) Bliegge (schon 
ahd. blieka). Blicke liegt im Dunkeln. Schwer- 
lich ist nach ahd. bleiclm, dem das anord. 
bleikja f. entspricht, an bleich anzuknüpfen, 
vgl. dän. biege {-eg- aus -eik) «Bleibe». 

Bleilot, n.: Senkblei. Bei Frisch 1741. 

Bleischnur, f.: Schnur unten mit Blei- 
gewicht als Maß- und Richtschnur beim Bauen. 
Bei Luther. Bleistift, m. {-es, PI. -e), südd. 
auch n.: Schreib-, Zeichenstift aus Reißblei. 
1653 bei Harsdörfer mathem. Erquickstunden 
3, 179 Bleijstefft m. Bleiweiß, n.: ein aus 
Blei zubereitetes weißhches Pulver, als Farbe, 
Salbe usw. Spätmhd. bliwiz. Bleiwage, f. : 
Setzwage mit einem Bleilot, um die senk- 
rechte Richtung der Mauer zu messen. 1495 
im Voc. rerum f 2^^ blywag. Bleiwurf, m.: 
Bleilot, Senkblei. Bei Luther (Apostelg. 
27, 28 Bleyiüurff). 



Blende, f.: Vorrichtung, den freien Bhck 
zu benehmen; Scheuleder beim Pferde; vor- 
geschobene Anlage zur Verdeckung einer Be- 
festigung dahinter (bei Ludwig 1716); blindes 
Fenster, blinde Türe, Mauer-, Wandvertiefung, 
Nische (bei Frisch 1741); glänzendes Mineral 
ohne Erzgehalt (1546 bei Georg Agi-icola). 
Von blenden, V.: blind oder wie blind machen. 
Mhd. blenden (Prät. blante), ahd. bleuten; dazu 
ags. blendan. Das V. ist ein Faktitiv, das 
wohl unmittelbar vom Adjektivum blind ge- 
bildet ist, da ein Verbum blindan nicht vor- 
liegt (got. ist gablindjan «verblenden», anord. 
blinda «blenden»). 

Blendling, m. {-s, PI. -e) -. Tier gemischter 
Rasse, Mischling; uneheliches Kind. Li der 
1. Bed. als Jägerwort im 17. Jh. aufgeführt. 
Von mhd. blanden (Prät. blient), ahd. blantan 
«anstiften», urspr. «mischen», wie asächs.-ags. 
blandem, engl, blend, anord. blanda, got. blan- 
dan «vermischen» zeigt. 

Blendwerk, n.: Vorrichttmg zum Blen- 
den; Vorgespiegeltes zur Täuschung. Im 
17. Jh. 

Blesse, f. (PI. -w): weißer Stimfleck; Pferd 
oder Kuh mit weißem Stirnfleck (vom Pferde 
1691 bei Stieler Bläße f., 1575 bei Fischart 
Garg. 206 Blasse m., 1447 bei Janssen Frankf. 
Reichscorr. 2, 97 blessiger hengst): schwarzes 
Wasserhuhn mit einem weißen Fleck über 
dem Schnabel (auch Bläßhtihn). Spätmhd. 
und im 16. Jh. blasse f. «(weiße) Stirn»; dazu 
nd. bles, engl, blaze, anord. blesi m. «weißer 
Stirnfleck» und (mit Übergang von s in r) 
ndl. blaar f. «weißer Stirnfleck, Bläßkuh». 
Ableitung von blaß, richtiger daher Blässe. 

blessieren, v.: verwunden. Aus dem 
gleichbed. franz. Messer, afranz, bieder, das 
vielleicht auf das deutsche bletzen (s. d.) 
zuriickgeht. Im 17. Jh. entlehnt (bei Nehring 
1710). ABL. Blessür, f.: Verwundung. 
Aus dem gleichbed. franz. blessure f. 

bletzen, v.: handwerksgerecht flicken. 
Südd. {wich. pletzen). Mhd. bletzen, abgeleitet 
von dem im Obd. erhaltenen mhd. bletz, ahd. 
blez m. (daneben mhd. bletze, ahd. blezzo m.) 
«Fleck, Lappen zum Aufnähen», das mit dem 
gleichbed. got. plats meist auf abg. platü m. 
«Tuchfetzen, Lappen» zuräckgeführt wird. 
Doch ist eher das umgekehrte Verhältnis 
anzunehmen und got. plats von bletzen zu 
trennen. Vgl. .Johansson KZ. 36, 372 f. 

Bleuel, m. (-S, PI. wie Sg.): flaches Holz 
mit Stiel zum Schlafen. Älternhd. auch Blauet. 



253 



Blick 



Blitz 



254 



Mhd. hliuwel, ahd. hlüil m., dazu ndl. hlouwel 
m. Yon l)leuen, v. : heftig schlagen. Mit An- 
lehnung an hlau auch oft hläuen geschrieben 
(bei Goethe 2, 89 hleien). Ältemhd. findet 
sich namentlich in md. Quellen (wie brauen 
für brauen, kauen für käuen) auch blauen 
(1691 von Stieler angeführt. 1773 bei Goethe 
Götz 1 planen, d. j. Goethe 2, 244 ). Aus mhd. 
bliuwen (Prät. bloii, PI. blüwen, Vart.gehlüiven). 
ahd. bliuwan, dazu ndl. blouwen «Flachs schla- 
gen», engl, blow, got. bliggwan «schlagen». 
Zusammenhang mit blau (s. d.) ist unwahr- 
scheinlich, vielmehr ist das Wort zxi lat. 
fligere «schlagen» zu stellen, vgl. Walde s. v. 
An Stelle der starken Flexion ist die schwache 
getreten, doch kommt ältemhd. (nicht bei 
Luther) noch das Pai't, Prät. geblauen vor. 

Blick, m. (-es, PI. -e): schnell auskom- 
mender wie schwindender Schein ( z. B. mit 
blicken des blitzes Luther Hab. 4, 1, den Blick 
vom Pulver Goethe 19, 190); (bergmännischj 
Aufleuchten des Silbers beim Schmelzen und 
die Masse selbst; woraufhin schnell fahren- 
der Augenstrahl. Mhd. blic (Gen. blickes) 
«Glanz, Blick, Blitz», ahd. blicch, blic m. 
«schnelles Glanzlicht, Wetterstrahl, Blitz». 
Dazu ndl. blik m. «Blick» (früher «Blitz»). 
Von l)lickeil, V.: Licht ausstrahlen, beson- 
ders schnell schwindendes. Mhd. blicken, ahd. 
blicchen «Licht ausstrahlen, leuchten, glänzen, 
bhcken». Mit einer Ableitungsendung von 
der Wurzel des ahd. blihhan «leuchten» (s. 
^bleichen) gehMet, \gl. Blitz. ABL. Blick- 
feuer, n.: auf leuchtendes Feuer. Schon ahd. 
(bei Xotker) bligfiur n. Blicksilber, n. 
(s. die 2. Bed. von Blick). Fiühnhd. (1562 
bei Mathesius Sar. 90 '^ Blicksilber, 196^ Blick- 
silber). 

blind, adj.: aller Sehkraft unfähig; licht- 
los; bloß scheinbar, nicht wirklich, des rech- 
ten Wesens entbehrend, z. ß. blindes Fenster, 
blinder Lärm. Mhd. blint (flekt. blinder), 
ahd, blint; dazu asächs.-ndl.-ags.-engl.-schwed.- 
dän, blind, anord. blindr. Dazu blenden (s. d.). 
Verwandt ist anord. blunda «schlafen, die 
Augen zutun» und vielleicht got. blandan 
«mischen, trüben, der Klarheit benehmen» 
(s. Blendling). Auch gehört lit. blista «es 
wird dunkel» hierher. Weiteres bei Liden 
Ups. Stud. 78. Vgl. noch blinzeln. ABL. 
Blindheit, f., m)i(i.blintheit f. blindlings, 
adv., im 17. Jh. (Zesen Ibr. 490j, dafür ahd. 
blintilingön. ZUS. Blindschleiche, f.: eine 

früher für blind gehaltene Schlangenart. Mit 



Wechsel des Geschlechts (bei Luther 3 Mos. 
11, 30 der Blindschleich und noch jetzt obd.) 
aus mhd. blintsUche, ahd. blintslihho m. 

blink, adj., als Ablautsbildung zu blank 
von Bürger geschaffen (blink und blank 854). 
blinken, v,: hellen Schein von sich geben: 
blickweise winken. Mhd. nicht vorhanden, 
aber mnl. mengl. blinken (daher engl, blink). 
Aus dem Xdd. zunächst ins Md. eingedrungen, 
wo es bei Luther und bei Alberus Dict. u 
' 1* und Ki 3** erscheint; allgemein wird es 
erst im 17. Jh. (bei Stieler 1691 verzeichnet), 
fehlt aber noch den obd. Mundarten, b. ge- 
hört zunächst zu blank, beide gehen mit 
Einfügung eines n auf die Wurzel zurück, 
der blaken, blecken zugrunde liegt. Andere 
verbinden blinken direkt mit dem der i-Reihe 
angehörigen bleichen, asächs. bUkan und be- 
trachten das schon altgenn. blank als Neu- 
bildung. 

bliuzeu, V. und mit dim. Ableitung 
blinzeln, v.: mit fast zugezogenem, win- 
kendem Auge bhcken. Mhd. Minzen (daneben 
auch schon blinzeln) geht mit Unterdrückung 
des mittleren e zurück auf blindzen, blindezen 
(abgeleitet von blind) oder eher auf blinkzen 
(vgl. bayr. blinkezen Schmeller 1, 328). 

Blitz, m. (-es, PI. -e): ausschießender 
Glanzstrahl; Wetterstrahl. Mit Ausfall eines 
k (doch ältemhd. auch noch blix, selbst bei 
Luther, vgl, Schweiz, blitzg) aus mhd. blickeze, 
blikze, auch schon blitze m. «Blitz» (ahd., auch 
noch mhd, dafür blic, s. Blick). Dazu das 
weitergebildete asächs. blicsmo, ndl. bliksem 
m. « Blitz ». An Stelle der mhd. flachen Flexion 
ist die starke getreten, doch bei Luther im 
Sg. auch noch blitzen und durchgehend so 
; im PI., auch im 17. Jh. kommen noch schwache 
Formen vor (Hoffmannswaldau Held. 7 Akk. 
Sg. den blitzen, Gryphius Trauersp. 149 PI. 
blitzen). Von blitzen, v.: glänzend aus- 
strahlen; den Wetterstrahl schleudern; unpers. 
es blitzt «der Wetterstrahl zuckt durch die 
Luft». Mhd. blitzen, früher blikzen, blekzen. 
ahd. blecchazzen. bleckazen «schimmern, leuch- 
ten, wetterleuchten, blitzen», ein mit der 
Endung -azzen, got. -atjan (vgl. lauhatjan 
«blitzen») gebildetes Frequentativ von mhd. 
blicken (s. blicken). ZUS. blitzblau, adj. 
ganz blau. Blltzbub, m. (Schiller Räuber 3, 
2). Blitzmädel, n. (Lessing 1, 416j. blitz- 
ist hier nur verstärkend (wohl vom Fluch 
potz Blitz ausgehend), vne in vielen anderen 
Bilduncren. 



255 



Block 



Blume 



256 



Block, m. {-es, PI. Blöcke): roher Holz- 
klotz; Holz zum Daranschließen der Füße; 
rohe, unförmliche zusammenhangende Metall-, 
Steinmasse. Älternhd. (auch bei Luther) Bloch, 
mhd. Uoch n., gewöhnlich hergeleitet mit 
Unterdi-ückung des e der Vorsilbe he- aus 
ahd. hiloh, auch schon hloh n. «Ab-, Ein-, 
VerschlieJßung, Eiegel», das zu ahd. hüühhan 
(entsprechend asächs. hüükan, ags. helücan) 
«schheßen» gehört. Die Grundbed. wäre also 
«Absi^errung», dann zum «Absperren, Ein- 
schließen dienender Balken», schließlich über- 
haupt «Balken, Klotz» und dem ähnliches. 
Doch erhebt E. Schröder AfdA. 24, 32 mit 
Recht dagegen Bedenken. Die Form Block 
(obd. meist hloch) braucht nicht aus dem 
Ndd. (mnd. hlock m. n.) aufgenommen zu 
sein, sondern kann sich durch eine angetretene 
Ableitungsendung erklären ; sie begegnet schon 
vereinzelt mhd. und bei Hans Sachs (plock 
m. Fab. 308, 13). An Stelle des mhd. Neutr. 
herrscht seit Luther das M. (doch noch das 
Bloch Grimmeishausen Simpl. 56 und schweiz.- 
elsäss. Uoch n.). 

Blockade, f. (PI. -n) -. Einschließung durch 
Besetzung der Zugänge. Aus dem gleich- 
bed. ital. hloccata f., dem als Subst. gesetzten 
Part. Perf. von ital. hloccare, franz. hloquer 
(s. d. f.). Bei Stieler 1691, Simpl. 444 hloc- 
quada. l)lockiereil, v. : belagernd ein- und 
durch Besetzung der Zugänge verschließen. 
Im teutschen Michel 1617 Nr. 7 hloquieren 
als modisches Fremdwort angeführt (auch bei 
Zincgref 1, 35). Aus franz. hloquer, abgeleitet 
von hloc m,, das auf das deutsche Block(s. d.) 
zurückgeht. 

Blockhaus, n. : ein roh aus Baumstümpfen 
und Pflöcken gezimmertes Haus. Spätmhd. 
hlochhüs n. (Lüiencron 2, 259). Blockwageu, 
m.: roh gearbeiteter Wagen mit großen un- 
beschlagenen Rädern. Spätmhd. hlochivagen m. 

blöde, adj.: zurückhaltend an Tatkraft 
und Mut; schwach an Seh- oder geistiger 
Kraft. Mhd. hloede «gebrechlich, schwach, 
zart, zaghaft», ahd. hlödi; dazu asächs. hlödi, 
ndl. hloode, ags. hleap, anord. hlaupr «schwach, 
zart», schwed. hlöt, dän, hlöd (got. *hlaupus 
ist aus *hlaiißjan «aufheben, abschaffen», eig. 
«schwach, ungültig machen» zu erschließen). 
Dunkler Herkunft, vielleicht zu aind. mlätäs 
«erweicht», ii'. mläith, hläith «weich, sanft», 
wobei das germanische Wort hl- aus ml- 
hätte und das ganze eine azi -Wurzel wäre. 
ABL. Blödigkeit, f., mhd. hlcedecheit. ZUS. 



BlÖdsinu, m., bei Adelung 1774, während 
das Adj. blödsinnig schon am Anfang des 
17. Jh. vorkommt (Gombert 7, 15 v. J. 1617). 

blöken, v.: (von Rindvieh, Ziegen, Schafen) 
schreien. Ein lautnachahmendes Wort, das 
dem Obd. anfangs fremd ist; in md.-ndd. Glos- 
saren des 15. Jh. hlecken (auch vom Bellen 
des Hundes), bei Luther hlecken und blocken, 
auch bei Schottel 1663 noch hleeken und 
hlöcken (die Form hlecken, die von Gueintz 
u. a. auf das Geschrei der Schafe beschränkt 
wird, bei Hoffmannswaldau Schaf. 6), hlöken 
bei Stieler 1691. 

blokieren, s. blockieren. 

blond, adj.: (vom Kopf haar des Menschen) 
gelblich, hellfarbig. Aus dem gleichbed. franz. 
Mond, ital. hiondo, mlat. hlundus, das deutscher 
Herkunft ist undzuaiad. &rad/mas «rötlich gelb, 
falb» gehört. Schon mhd. vereinzelt Munt, 
doch setzt sich das Wort erst im 17. Jh. 
dauernd fest, verzeichnet bei Krämer 1678. 
Blonde, f. (PI. -n) -. feine seidene Spitzen. Aus 
dem gleichbed. franz. Monde f., nach der Farbe, 
denn das Wort ist Fem. des Adj. Mond. 1773 
bei Amaranthes (3. Aufl.) 1, 472. Blondine, 
f. (PI. -n) : blondhaarige Frau. Aus dem gleich- 
bed. franz. hlondine f. Bei Rädlein 1711 ein 
Blondinigen. 

bloß, adj.: unbedeckt, unverhüllt; alles 
ausschließend, was noch da oder dabei sein 
könrite. Redensart: sich h. gehen, stellen, 
urspr. Fechterausdruck. Mhd. hlo^; ahd. fc/öj 
ist «stolz» (diese Bed. könnte sich aus der 
von «leer» entwickelt haben, vgl. eitel); da- 
zu ndl. hloot, afries. hlät «nackt, arm», ags. 
hleat «arm, elend», anord. hlaiitr «weich, 
frisch, zart». Dunkler Herkunft, vielleicht 
verwandt mit Mode (s. d.), vgl. auch hlutt 
Davon das Adv. bloß: nichts weiter als (mhd. 
noch nicht vorhanden, erst in den Fastnachtsp. 
284, 8 und bei Keisersberg). ABL. Blöße, 
f.: Unbedeckt-, Nacktheit, unbedeckte Stelle, 
mhd. Moe^ef. bloßen, v.: bloß machen, jnhd. 
Müßten. 

blülien, V.: die Knospe zur Befruchtung 
entfalten; sich zu voller, frischer Schönheit 
enfalten. Aus mhd. hlüejen, blüen, ahd. hluo- 
jan, hluoen; dazu asächs. hlöjan, ndl. hloejen 
und mit starker Flexion ags. hlöivan (Prät. 
hleow), engl, hlow (Prät. Metv). Der Laut- 
verschiebung gemäß stimmend zu gleichbed. 
lat. flörere, s. Blume, Blust. Blüte, auch Blatt. 

Blume, f. (PI. -n): die für Auge oder 
Geruch entfaltete Knospe; Zierpflanze ihrer 



257 



Blnmenkolil 



Blut 



258 



Blüte wegen; (bildlich) das Allerschönste, 
Allerbeste: feinster Weinduft : f weidmännisch) 
Schwanz oder Scbwanzspitze des Wildes. Mhd. 
bluonie m. f., ahd. Vluomo na. und hluoma f, 
(im Alem.- Schwab, noch jetzt vielfach m.); 
dazu asächs. biomo m., ndl. hloem f., engl. 
hloom, anord. hlömi m. und blöm n. fauch 
weiter abgeleitet hlömstr m., schwed.-dän. 
hlomster n.). Neben diesen Formen stehen 
andre, in denen der Ableitungsendung ein 
s vorausgeht, ndl. hloesem ra., ags. hlösma, 
blöstma, blöstmm., engl.hIossom;sie teilen diese 
Erweitening dui'ch s mit lat. flös m. (Gen. 
flöris aus *flom) und flörere. S. auch Blust 
mit der gleichen Ei-weiterung, dagegen blühen, 
Blüte. J^L.MÜmeiljV.: mit Blumen versehen 
(davon geblümt), mhd. blvenien. blumig, 
adj., älternbd. auch blumicht, mhd. hluomeht. 

Blumenkohl, m.: Kohl mit eßbaren 
Blütenbüscheln. Nach ital. cavol fiore (cävolo 
m. «Kohl»), Span, coliflor, vgl. auch Karfiol. 
Pflanze und Name kamen nach Deutschland 
um 1600 (1605 bei Hulsius Dict. Blumköl, 
1616 bei Henisch Blumenköl), und zwar aus 
Italien, wohin jene im 16. Jh. aus der Levante 
gebracht worden war. 

blümerant, adj. u.adv.: mattblau. Volks- 
tümhche, an Blume angelehnte Umbildung 
des franz. bleu mourant «sterbendes Blau» 
d. i. blaßblau, die bis in die ^Mitte des 17. Jh. 
zurücki-eicht (bei Grimmeishausen Vogelnest 
1, 2 plümerant). Redensart: mir vird blü- 
merant, d. h. schwindlig. 

blumig, s. Blume. 

Blumist, m. {-en, PI. -en) : Blumenzüchter 
und -kenner. Aus ndl. bloemist m., mit latini- 
sierender Endung von hloem «Blume». Bei 
Adelung 1774. 

Blust, m. f. n.: Blüte. Obd., besonders 
alem.-schwäb. Mhd. bluostt., vgl. ags. blöstma 
m. (s. Blume). 

Blut, n. (-es): die Flüssigkeit in den Adern 
des tierischen Körpers; (bildhch) Geschlecht, 
Herkunft; Verwandtschaft; Mensch. 'Sihd.bluot 
n. (auch schon s. v. a. Mensch, z. B. dag un- 
schuldige bluot), ahd. blu^t n.; dazu asächs. 
blöd, ndl. bloed, ags. blöd, engl, blood, anord. 
blöd, schwed.-dän. blöd, got. blöp (Gen. hlöpis) 
n. Dunkler Herkunft; Zusammenhang mit 
blühen ist denkbar. In Zusammensetzungen 
ist blut- vielfach verstärkend, wobei z. T. 
wohl an blutt «bloß» (s. d.) anzuknüpfen ist, 
vgl. mhd. bluttMcket; femer ist auch zu be- 
rücksichtigen, daß beim Blut (nämlich Christi) 

Weit, and, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



geschworen zu werden pflegte, so daß das 
verstärkende kreuz- (kreuzbrav, kreuzfidel) 
zu vergleichen wäre. ABL. bluten, v.: Blut 
von sich geben : (in der Umgangsprache) Geld 
hergeben (bei Kindleben 1781 als studentisch]. 
Mhd. bluoten, ahd. bluoten. blutig, adj.: 
Blut an sich habend (dagegen in Zusammen- 
setzungen, wo die Eigenschaft des Blutes be- 
zeichnet werden soD, -blutig, z. B. kalt-, rot-, 
vollblütig). Mhd. bluotec, ahd. bluotag; dazu 
asächs. blödag, ndl. bloedig, ags. blödig, engl. 
bloody, anord. blödugr. S. auch bh(tt. ZUS. 
1) mit Blut-: blutarm, adj.: arm bis aufs 
Blut, d. h. nichts als das Blut (Leben) habend, 
sehr arm (oder zu blutt?), frühnhd.; arm 
an Blut (noch nicht bei Campe ). Blut- 
bad, n.: Metzelei, eig. Waten im Blut 
fmhd. im bluofe baden), bei Luther. Blut- 
bann, m.: Gerichtsbarkeit über Leben und 
Tod, mhd. bluotban m. Blutdurst, m.: 
Drang nach blutiger Tötung (vgl. mhd. nach 
bZwofe(//ö-.sfe>i). BeiLuther, nebst blutdürstig 
adj. Blutegel, m.: blutsaugender Wurm, 
mhd. einfach egele, egel f., ahd. egala f., mnd. 
egel m., bei Luther (Spr. Sal. 30, 15) Eigel 
f.: später im 16. Jh. Blutegel (bei Fischart 2, 
9 Kurz Plutägel) und seit dem 17. Jh. durch 
Vermischung mit Igel Blutigel m. (Schupp 
! 2, 52), was später allgemein geläufig wird, 
! doch erhält sich daneben das z. B. von Ade- 
I lung verlangte Blutegel, zuweüen selbst als 
Fem. (Ägel f. Lohenstein Soph. 40). blut- 
fremd, adj.: gänzlich fremd, im 17. Jh. Blut- 
gang, m. : Abgang von Blut auf natürlichem 
Wege, spätmhd. bluotganc «geschlechtliches 
Abgehen von Blut», namentlich als Ki^ank- 
heit (bei Luther). Blutgeld, n. : durch Blut 
erworbenes Geld, bei Luther. Blutgericht, 
n.: Gericht über Leben und Tod, bei Luther. 
Blutgier, f.: wie Blutdurst, erst bei Ade- 
lung 1774, während blutgierig adj. schon bei 
Luther erscheint. Bluthund, m.: Schweiß- 
hund; blutgieriger Mensch, Wüterich (im 
15. Jh, bei Beheim Wien. 35, 26); dicke Blut- 
wurst (Fischart Garg. 77, noch Schweiz.). 
blutjung, adj.; gar jung, bei Steinbach 1734. 
Blutrache, f.: Rache für vergossenes Blut, 
: namentlich für Venvandtenmord, bei Stieler 
1691 (aber schon bei Luther Blutrecher m. 
«der für vergossenes Blut Rache nimmt»). 
blutrünstig, adj.: vei-wundet, daß das Blut 
fließt. Spätmhd. bluotrünstec (neben mhd. 
bluotrunsec), abgeleitet von mhd. bluotrunst 
neben bluotruns f. «Abrinnen des Blutes, blut- 

17 



259 



Blüte 



bocken 



260 



fließende Wunde», zusammenges. mit Runs 
(s. d.). Älternhd. (auch bei Luther) meist 
Uutrüstig, mhd. 1335 bluotristic (durch Ein- 
fluß von mhd. bluotrisec «blutiünstig», -risec 
zu risen «fallen»), blutsauer, adj.: sauer 
bis aufs Blut, bei Luther. Blutschande, 
f.: geschlechtliches Verbrechen bei Blutsver- 
wandtschaft. Bei Luther. Blutsclireier, 
m.: (im mittelalterlichen Gerichtsverfahren) 
der Mordio hinter dem Totschläger und vor 
dem Blutgericht ruft, 1741 bei Frisch. Blut- 
schuld, f.: Schuld durch verbrecherisches 
Blutvergießen. Bei Luther, blutwenig, 
adj. u. adv.: sehr wenig. Um 1700 (Schel- 
muffsky 116). Blutwurst, f.: mit Blut ge- 
füllte Wurst. Fi-ühnhd. (1517 bei Trochus 
Q 1* Uuetworst). Blutwurz, f.: blutstillen- 
des Kraut, tormentilla, ahd. hluotwurz. Blut- 
zeuge, m.: Märtyrer, im 17. Jh. 2) mit dem 
Gen. Bluts-: Blutsfreund, m.: Blutsver- 
wandter, bei Luther Blutfreund. 

Blüte, f. (PI. -n): Entfaltung der Knospe 
zur Fruchtbildung; eine solche aufgegangene 
Knospe; (bildlich) Zustand ganz nach Wunsch. 
Aus dem PI. (hlüete) des mhd. -ahd. hluot f.; 
dazu ags. Med (aus *hlödi-) f. Zu hluhen. Bei 
Luther Blüet, landschaftlich noch vielfach 
Blut, z. B. obersächs. Baunihlut. 

Blutegel, -gang, -geld usw., s. Blut. 

blutt, adj. u. adv.: bloß, entblößt, ohne 
alle Bedeckung, kahl (ühland 818 hlutt und 
bloß). Mundartlich (bayr.- schwäb.- schweiz.- 
elsäss., am Rhein und ndd.). Spätmhd. ver- 
einzelt Mut, dann bei Keisersberg, Brant, 
Murner u. a., auch von Dasypodius und 
Maaler angeführt. Weiter scheint ein land- 
schaftliches Mutig (Weise Erzn. 11, Schel- 
muffsky 80 keinen Mutigen Heller) hierherzu- 
gehören, wofür obd. Muttig vorkommt. Da- 
zu ndl. Mut, Muts, Mutsch «kahl, leer», dän. 
(entlehnt aus dem Nd.) Mot. Das Verhält- 
nis zu Moß ist unsicher; wahrscheinlich ist 
Mode (mit Ablaut) zunächst verwandt, das 
ndd.-hd. Mutt könnte aus *Muppa- (assimiliert 
aus *Mupna-) erklärt werden. 

blutwenig, Blutwurst, Blutzeuge, 
s. Blut. 

Bö, f. (PI. -en): heftiger Windstoß. Aus 
ndd. höe, unbekannter Herkunft; dazu ndl. 
hui, schwed. hy, dän. byge f. «Regenschauer, 
Sturm, Windstoß». 

Bober^ll, Bobereile, f. (PI. -w) : Juden- 
kirsche. Spätmhd. hoborell aus dem uner- 
klärten mlat. Namen bohorella f. 



Bocher, m. (-s, PI. wie Sg.): Jüngling, 
Student. Im Judendeutsch, aus hebr. hächür 
«Jüngling». 

•'Bock, m. (-es, PI. Böcke) : das Männchen 
der Ziege, dann auch der Gemse, des Rehes, 
Schafes; den steifen Beinen des Ziegenbockes 
vergleichbares Werkzeug oder Gerät; hoher 
Kutschersitz am Wagen (Zachariä Renom- 
mist 319); Balken oder Klotz zum Stoßen. 
Mhd. hoc (Gen. hockes), ahd. bocch, bock m. ; 
dazu ndl. hok, ags. hucca, engl, huck, anord. 
bokkr und bokki, schwed. bock, dän. buk m. 
Frühmlat. huccus m. Entlehnung aus dem 
Kelt. (altir. bocc) ist ebenso möglich, wie um- 
gekehrt des Keltischen aus dem Germanischen 
(franz. bouc m. entstammt dem Kelt.). Doch 
vgl. auch awest. bUza «Bock», armen, huc 
«Lamm», mit denen das Wort urverwandt 
sein dürfte. Vgl. auch Hahergeiß. 

"Bock, m. (-es, PI. Böcke): unangenehmer 
Verstoß. Einen B. schießen «einen Verstoß, 
Fehler machen», aber auch, wie wohl ui'spr. 
«zu Boden fallen», vgl. älternhd. Burzelbock 
wie Burzelbaum. Zu mhd. bocken «zu Boden 
fallen», buc m. «Sturz», die mit bücken zu 
biegen gehören. 

^Bock, m. (-es) und Bockbier, n.: eine 
Art besonders starken Bieres in Bayern. Der 
Name findet sich hier schon zu Anfang des 
16. Jh., gekürzt aus Äimbock, d. i. (mit Ver- 
derbnis des -beck in -bock) Bier aus Eim- 
beck in Hannover. Man führte nämlich ehe- 
dem von dort starkes Bier nach Bayern ein 
und braute es hier allmählich auch. Zur 
Entstehung mag mitgewirkt haben, daß auch 
sonst Biersorten und Getränke mit Tiernamen 
belegt werden, z. B. Broylian, Büffel, Ente, 
Kalte Ente, Gause (zu Gans?), Geiß, Hähn- 
chen, Hund, Kälberzagel, Kater, Schöps, vgl. 
die reiche Sammlung bei Kluge Deutsche 
Studentensprache 22. 

bockbeinig, adj. u. adv.: wie ein Bock 
die Beine steifend ; starr widerspenstig. Schon 
im 16. Jh. in der 1. Bed. 

^bocken, v.: wie ein Bock springen; nach 
dem Bocke verlangen und von ihm bespningen 
wei'den; nach dem Bock oder wie ein Bock 
riechen (vgl. böckseln). Mhd. bocken «wie ein 
Bock stoßen». 

"bocken, v.: den Flachs auf der Bock- 
d. i. Stampfmühle stampfen. Aus dem Ndd., 
1663 bei Schottel boken. Aus mnd. haken 
«klopfen, schlagen», das mit pochen (s. d.) 
identisch ist. 



261 



bockig 



Bogen 



262 



l)OCklg, adj.u. adv.: wie bockbeinig: nach 
dem Bocke verlangend; nach dem Bocke rie- 
chend oder schmeckend. Älternhd. bockicht, 
mhd. dafüi- böckisch (noch 1678 bei Krämer). 

Bockpfeife, f.: Dudelsack mit Bocks- 
hörnern. Bei Krämer 1678. 

Bocksbart, m.: herabhangendes Kinnhaar 
des Bocks; (nach der Ähnlichkeit) Name meh- 
rerer Pflanzen (in tmhnhd. Glossaren). 

^Bocksbeutel, m.: Hodensack des Bocks 
(bei Stieler 1691): (nach der Ähnlichkeit) 
Flasche zu Würzburger Steinwein. 

-Bocksbeutel, m.: der steif bewahrte 
alte Brauch, das steife Kleben an einmal vor- 
handener Gewohnheit. Zuiiickgehend auf das 
ndd. boksbüdel (zusammeng. aus dem Gen. Sg. 
von bok «Buch» und büdel «Beutel»), das 
als hamburgisch mehrfach in der Mitte des 
17. Jh. bezeugt ist. Die Benennung stammt 
daher, daß fi-üher die Hamburgerinnen an 
der Seite einen Beutel hängen hatten, wo- 
rin sie ihr Gesangbuch und andres trugen 
und diesen Beutel hei'kömmlich anbehielten, 
so daß er dann zum Sinnbild für- das Haften 
an alter Gewohnheit wurde (vgl. Heitmüller 
in seiner Ausgabe von Borkensteins Bookes- 
beutel S. IX fg.). 

l)Öckselll, auch böckseru, v.: bockartig 
riechen oder schmecken. Statt böckzeln, ab- 
geleitet von mhd. bockezen «stinken wie ein 
Bock» (noch bei Schottel 1663, ßädlein 1711 
bökzen, bei Duez 1664 und bei Stieler 1691 
dafür bocke uzen, älternhd. auch böckeln, bei 
Maaler 1561 böckelen). 

Bockshorn, n.: Hörn eines Bocks; Name 
mehrerer Pflanzen, namentlich des Johannis- 
Ijrotes und der cassia fistula (beides schon 
spätmhd.). Redensart: ins B. jagen «in Angst 
versetzen, kleinmütig machen» zuerst bei Brant 
Narrensch. 160 ''j im 16. Jh. sehr gewöhnlich). 
Vielleicht eine Nachbildung der ital. Redens- 
art dar Verba cassia (dafür altital. auch caccia) 
a qualchedutio «jemand den Laufpaß geben, ihn 
wegjagen», mit Beziehung auf caccia Jagd 
(dergl.Wendungenmit Anspielungauf Pflanzen- 
namen waren sehr gewöhnlich); im Deutschen 
wäre cassia (cacdd) dnrch Bockshorn übersetzt, 
außerdem noch durch jagen wiedergegeben. 
Anders Borchardt -Wustmann 75. ZfdW.4,330. 

Boden, m. (-s, PI. Böden)-, der unterste 
Raum wovon als Unterlage ; Raum unter dem 
Dach als Aufbewahrungsort. Mit Abschwä- 
chung des Suffixes -ew zu -en (schon bei 
Luther in der Bibel B., doch daneben Bodem 



bis ins 18. Jh., sogar noch bei Rückert, so- 
wie mundarthch) aus mhd. bodem, auch schon 
boden, ahd. bodam m.; dazu asächs. bodam, 
ndl. bodeni und (mit ITbergang des d in t) 
ags. botniy engl, bottom, ferner mit einem n- 
Suffix anord. botn, schwed. botten m., dän. 
bund (aus budn). Urverwandt sind (ebenfalls 
mit w- Suffix) lat. fimdus, aind. budhnäs, soAvie 
gi\ TTueinriv (tt für qp wegen des 0) m. «Grund, 
Boden». Ln PL ist Umlaut eingedrungen 
(Luther hat noch J5.), doch nicht durch- 
gängig; Adelung weist die Form B. haupt- 
sächlich dem Niederdeutschen zu. 

Bodmerei, f. (PI. -en) -. An- und Darlehen 
auf den Iviel eines Schifles oder auf dieses 
selbst zu hohen Zinsen, wenn das Schiff glück- 
lich den Ort seiner Bestimmung erreicht, aber 
zum Verluste der Anforderung des Darleihers 
im unglücklichen Fall. Aus dem gleichbed. 
ndd. bodmerü, ndl. bodemerij f., engl, bottomry, 
von ndd.-ndl. bodem m., engl, bottom «Kiel 
(unterster Boden, Grundbalken) des Schiffes». 

Bofist, BoYist, m. (-es, PI. -e): zischend 
platzender Staubschwamm. Gnindlage des 
mundai'tlich in verschiedenen Formen auf- 
tretenden Wortes ist wahrscheinlich das in 
Glossaren des 15. Jh. belegte vohenfist, zu- 
sammenges. aus vohen- (zu mhd. vohe f. 
«Füchsin») und fist m. «leiser Bauchwind». 
Derselbe Schwamm heißt gr.-neulat. lycoper- 
don n. «Wolfsfist» (ndl. wolfsveest f.). Das 
später unverständlich werdende vohen- wurde 
mehi'fach umgedeutet, so entstand ndd. bo- 
fist (zu bove «Bube»), das später ins Hochd. 
eindrang, und poflst (zu po «Pfau»), beide 
auch in hd. Form als Bubenfist (1546 bei 
Bock 3, 1*^), Pfauenfisf. 

Bogen, m. (-S, PI. Bogen u. Bögen) : Krüm- 
mung als Abschnitt einer Kreislinie; Watte 
mit solcher Kiäimmung; zusammengelegtes 
(gebogenes) Papier von einer bestimmten 
Größe. Aus mhd. böge, ahd. bogo m.; dazu 
ndl. boog, ags. boga, engl, bow, anord. bogi, 
schwed. bäge, dän. bue m. Zu biegen. An 
Stelle der schwachen Flexion im Mhd. ist 
die starke getreten; doch älternhd. N. Sg. 
auch noch Böge (bei Luther, doch Hiob 20, 24 
Bogen), Bog. Der PI. nimmt jetzt Umlaut 
an, namentlich süddeutsch (auch bei Goethe, 
Schiller), doch steht daneben das nicht um- 
gelautete Bogen. ABL. bogig, adj.: Bogen- 
form habend. Bei Stieler 1691 bögicht. Bog- 
ner, m. : Verfertiger von Bogen zum Schießen, 
mhd. bogencere m. 

17* 



263 



Bohle 



-hold 



264 



Bohle, f. (PI. -n): breites dickes Brett. 
Mhd. (in md. Quellen) hole f.; dazu anord. 
holr m. «Baumstamm, Rumpf». Dunkler Her- 
kunft, vielleicht mit Balken (s. d.) verwandt. 
ABL. hohlen, v.: mit Bohlen belegen. 

Böhmen, mhd.-ahd. Beheim. Aus kelt.- 
lat. Boioliemum n. Wohnsitz des keltischen 
Volksstammes der Bojer. Davon Böhme 
m. und höhmisch, adj., mhd. behemisch. 
Redensart: höhmische Dörfer «fremde, unver- 
ständliche Dinge», wie die slavischen Namen 
böhmischer Dörfer einem Deutschen vorkom- 
men (schon bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 15). 
Boh^merweih, n.: Zigeunerin (bei Schiller 
Jungfr. V. Orl. 1, 3), nach franz. Bohemien 
m. «Zigeuner», eig. Böhme. 

Bohne, f. (PI. -n) : längliche Schotenfrucht. 
Mhd. hone, ahd. bona f.: dazu ndl. boon, ags. 
hean, engl, hean, anord. baun f. Das Ver- 
hältnis des Wortes zu den anscheinend ver- 
wandten lat. fäba f., abg. hobü m. «Bohne» 
oder gr. cpoKÖcm. «Linse» ist schwierig zu be- 
urteilen, vgl. Hirt Btr. 22, 235, E. Schröder 
ZfdA. 42, 71. 

höhnen, v. ; mit Wachs glänzend reiben. 
Dafür mhd. büenen «glänzend machen, mit 
Glanz überziehen». Die nhd. Form kann aus 
dem ndd. bönen abgeleitet werden ; dazu ndl. 
hoenen, ags. bönian «eine Heizfläche blank 
reiben». Doch kann auch nach obd. Laut- 
gesetzen (s. versöhnen) höhnen aus einem nicht 
uragelauteten mhd. buonen hervorgegangen 
sein (ponen schon bei Hans Sachs Fab. 30, 
229, hone «Getäfel» 1482 im Voc. theut. e l''). 
Die Wurzel stimmt der Lautverschiebung ge- 
mäß mit gr. q)aiveiv «leuchten», aind. bhänus 
m. «Licht, Strahl», air. bän «weiß»; vielleicht 
ist Bahn (s. d.) verwandt. 

Bohnenlied, n. Redensarten: einem das 
B. singen ihm sagen, daß er sich entfernen 
soll, weil man seiner nicht mehr bedarf; das 
geht übers B. «weit über Gebühr». Schon 
in der 2. Hälfte des 15. Jh.: es ist mir übers 
hohnenlied (Mone Schausp. 2, 406, 78. Fast- 
nachtssp. 845, 28) d. i. «zu arg». Das, Bohnen- 
lied ist ein weit verbreitetes Volkslied, in 
dem allerlei Torheiten geschildert werden, 
mit dem Kehrreim nu gang mir aus den 
Bohnen (vgl. Uhland Volksl. 2, 614 fg.). 

bohren, v.: stechen, daß es ein Loch 
gibt; drehend stechen. Aus mhd. born, ahd. 
borön: dazu ndl. hören, ags. borian, engl.- 

' 7 O 7 

dä,n. bore, anord.-schwed. hora. Der Lautver- 
schiebung gemäß stimmt ]ni. foräre «bohren», 



gr.qpapdeiv «pflügen», aind. bÄ^{r^j' f. «Scheere». 
ABL. Bohrer, m.: Bohrwerkzeug. 1482 im 
Voc. theut. e l'' horer. 

Boi, m. (-es, PI. -e): Wollenzeug, feiner 
als Fries und gröber als Flanell. Aus dem 
ndd. baje f., ndl. haäi f., engl, bay und baize, 
schwed. boj n., dän. boi, hai n., die alle auf 
franz. boie, afranz. baie f. zm'ückgehen. Bei 
Henisch 1616 Bayh, Bay, bei Duez, Krämer 
und Ludwig Bay und Boy. 

Boie, f. (PI. -n) : Wiege. In Mitteldeutsch- 
land, 1668 beiPrätoriusMagdetröster406Boije, 
1752 bei Frisch teutsch-frantz. Wb. 136 Boye 
f., obersächsisch auch Boheie f. Dazu hoien, 
V.: wiegen, 1711 bei Rädlein hoyen. 

Boileine, s. Boje. 

Boisalz, s. Baisalz. 

Bojar, m. (-en, PI. -en): adeliger Guts- 
besitzer in der Walachei. 1585 bei Laur. 
Müller polnische etc. Historien M. 4^^ Boiar. 
Rumänisch ftoiarm «Edelmann», aus serh.boljär 
der «Vornehme, Große», von bolji «besser». 

Boje, f. (PI. -n): schwimmendes, mit einem 
Seil an einen Anker befestigtes Stück Holz 
oder Tönnchen, zum Zeichen, wo der Anker 
liegt; dann auch wie Bake (s. d.). 1720 im 
Robinson 1, 420 Boy. Aus dem gleichbed. ndd. 
boje f., ndl. boei f., engl, buoy, die aus dem 
Romanischen entlehnt sind, wo franz. bouee, 
afranz. hoye, span. boya, port. boie f. Diese 
aber stammen urspr. wie auch das bereits 
entlehnte mhd.-mnd. boie s. v. a. «SeU, Kette, 
Fessel», aus altlat.fcöja f. «Lederriemen, Fessel». 
ZUS. Boileine f., Boiseil, n. : Leine, Seil, 
woran die Boje befestigt ist. 

^Bolch, m.: Belebe (s. ^Belche). 

^ Bolch,m. (-es, PI. -e): Kabeljau. Als Fisch- 
name begegnet bollich bereits 1329 (Diefen- 
bach-Wülcker S. 275), ebenso in frühnhd. 
Glossaren bullich (1482 im Voc. theut. e 4* 
«polipus»), bulich, bolich, bolch mit verschie- 
dener Bestimmung; 1561 bei Maaler Bolch 
«Kahlen». Dazu mnd. bullik, bulik, bulk m. 
«Kabeljau», ndl. bulk m. «eine Art Schell- 
fisch». Kaum zum vorausgehenden zu stellen; 
vielleicht von Bolle (s. d.) abgeleitet wegen 
der rundlichen, massigen Form des Fisches, 
vgl. engl.-dän. bulk «Klumpen, Masse». 

-hold bezeichnet in Zusammensetzungen 
die Person, die dem in dem ersten Worte 
Ausgedrückten nachhängt oder so ist, wie 
jenes anzeigt, e. B. in Rauf-, Trunken-, Tücke-, 
Witzbold. Mhd. -holt in trunkenholt, wankelbolt 
«Wankelmütiger», hetzebolt «Hetzhund», ent- 



265 



Bole 



Bomhe 



266 



spricht dem in Hainen erscheinenden -holt und 
geht zurück auf das Adj. mhd. halt, ahd. bald 
«kühn». Daraus ist von Dichtern ein Subst. 
Bold, m.: kleines Wesen (Rückert 3, 145) 
geschaffen worden. 

Bole (bei Voß), f. : Kumpf für Speise oder 
Getränk, nach engl, ioivl (s. Boivle). 

bölkcn, V.: schreien, biüllen (vom Eind- 
vieh usw.). Aus dem gleicbbed. mnd. holken, 
auch ndl. hdken und in Mitteldeutschland 
im 15. Jh. hiilken; Henisch 1616 verzeichnet 
holken und hölken. Lautnachahmendes Woii, 
wohl Nebenform zu hlöken. Tgl. auch mhd. 
bullen, hüllen, ahd. hullön «brüllen, bellen». 

boll, l)Ollig, adj.: steif, ungeschmeidig (bes. 
bei den Lohgerbern vom Leder). Aus dem 
Ndd. (mnd. hol «hohl»), aus dem Henisch 1616 
hol und Schottel 1663 boll «hohl, geschwollen, 
aufgeblasen» verzeichnen. Wohl zu5o//e(s.d.). 
^''S.Boll-eiseil, n. : ungeschm eidiges, sprödes 
Stangeneisen. Bei Adelung 1774. 

Bolle, f.: (PI. -n): Zwiebel, überhaupt 
Wurzelknollen: Blütenknopf der Pflanze; 
Samenknopf des Flachses: langrundes, mul- 
denartiges Gefäß. Mhd, holle f. m. «Knospe 
und oben wie unten enges, in der Mitte 
weites Gefäß zum Auffüllen und Abziehen 
des Weines», ahd. holla f. «Fruchtbalg oder 
Knoten des Flachses» und m hirniholla f. 
«Hirnschale»; dazu ndl. hol m. «Kugel, Ball, 
Blumenzwiebel», ags, holla m. «Gefäß,.Becber» 
und in heafodbolla f. «Hirnschale», engl, bowl 
«Gefäß, Napf, Becher», anord. bolli m. «Schale». 
Das Wort gehört zu mhd. boln, ahd. bolön «wäl- 
zen», dann «schleudern» und bezeichnet urspr. 
überhaupt einen rundlichen Gegenstand. Ver- 
wandt ist Ball (s. d.). 

Bolleisen, s. boll. 

Böller, m. (-S. PI. wie Sg.): kleiner Mörser 
zum Schießen. Älternhd. auch Böler (noch 
bei Ludwig 1716, bei Duez 1664 und Krämer 
1678 Böhler), obd. Polier. Spätmhd. boler m. 
«Wurfmaschine, Schleuder», zu mhd. boln, ahd. 
holön in derBed. «schleudern», ui'spr. «wälzen». 

bolllg, s. boll. 

Bollwerk, n. (-es, PI. -e); WaU und 
Schanze zur Veiieidigung; Festvmgswerk vor 
dem Hauptwalle. Mhd. holewerc, bolwerc n. 
«Gerüste (Werk) zum Werfen oder Schleudern, 
Wurfraaschine», dann «Gerüst oder Befesti- 
gungsanlage zurVei'teidigung einer Feste» usw., 
gebildet von mhd. boln «schleudera, werfen» 
und werc n. hier «Vorrichtung zuc Arbeit, 
Maschine, Gerüst». Daher franz. boulevard m. 



Bolz, m. (-es, PI. -e) und Bolzeu, m. 

(-S, PI. wie Sg.): kui-zer dicker Pfeil (danach 
auf ähnlich gestaltete Eisen übertragen, z. B. 
Schließnagel, Plättstahl). Mhd. bolz, selten 
bolze m., ahd. bolz m.; dazu mnd. holte «Pfeü, 
Fußeisen», ndl. bout «Bolz, eiserner Schließ- 
nagel», ags. holt m., engl, holt «Pfeil, Eiegel, 
Fessel», schwed. bult, Island, holtiva. «eiserner 
Schließnagel», dän. holt «Bolz». Man ver- 
mutet ümdeutschung von lat. catapulta f, 
«Wurfmaschine», dann auch «Wurfgeschoß», 
doch kann das Wort auch germanischen Ur- 
sprungs sein, vielleicht zu ahd. bolön «schleu- 
dern, abschnellen» (s. Böller), doch macht da- 
bei die Ableitung Schwierigkeiten. Lit. heldu 
«anklopfen, anpochen» ist kaum verwandt, 
da dies zu poltern (s. d.) gehört. Bolzen 
hat sich aus dem mhd. schwach flektieren- 
den bolze entwickelt und hat Bolz jetzt fast 
ganz verdrängt (dies z. B. bei Heine 1, 311). 

Boml)ärde, f. (PI. -n): großes Steinge- 
schütz, Donnerbüchse. Aus afranz. hombarde, 
einerAbleitungvongr.-lat.&om?msm.(s.5om&e). 
Bei Wächtler 1711. ABL. Bombardement, 
n, (-S, PI. -s): Beschießen mit Bomben. Aus 
gleicbbed. ft-anz. bombardement m. Bei Spe- 
rander 1728. Bombardier, m. (-5, PI. -e): 
Feuerwerker. Aus franz. bombardier , mlat. 
hombardarius m. Bei Rädlein 1711 Bomhardir- 
Gesellen. bombardieren, v.: mit Bomben 
beschießen. Aus franz. hombarder, mlat. 
honibardare. Bei Stieler 1691. 

Bombasin, m. (-5): Art baumwollen- 
seidenes Zeug. Aus dem gleicbbed. franz. 
bombasin m., das mit ital. hombagino m. auf 
ein mlat. bombaciniicm n. zurückgeht, einer 
Ableitung von mlat. bombax (Gen. hombacis) 
m. f. «Baumwolle», das seine Grundlage in 
gr.-lat. bombijx (Gen. bomhycis), gi\ ßö|ußut 
«Seidem'aupe» hat. Schon 1556 bei Frisius 
S. 1425* Bombasin «xylinum» (mhd. kommt 
dafür wammasin vor), 

Bombast, m. (-s) -. Wortschwall, Schwulst. 
Aus engl, bombast «Wortschwall, aufgeblähte 
Rede», eig. mit Baumwolle ausgestopftes 
Zeug, von mlat. homhax m. f, «Baumwolle» 
(s, Bombasin). Im 18. Jh. entlehnt (Gott- 
sched, Liscow 77). 

Bombe, f. (PI. -n)-. große gefüllte Hohl- 
kugel zum Schießen. Bei Krämer 1678. Aus 
franz. bombe, ital.-span, bomba f., gleichsam 
«summendes Geschoß», von gr.-lat. bombus, gv. 
ßöiLißoc m. «dumpfer, tiefer Ton, Summen, 
Rauschen». 



267 



Bonbou 



Bordell 



268 



Bonl)011, n. (PI. -s): eine Art Zucker- 
werk, aus franz. bonbon, dem doppelgesetzten 
bon «gut». Im 18. Jb. entlehnt. 

Boumot, n. (-S, PI. -s): Witzwort, wit- 
ziger Einfall, aus franz. bon «gut» und mot 
«Wort». Anfang des 19. Jli. entlehnt. 

BÖllhase, m. (-n, PI. -n): Pfuscher, Un- 
berechtigter zum Handwerk. Aus ndd. bön- 
hase m. Handwerker, besonders Schneider, 
der, weil er nicht Meister ist, heimhcb auf 
dem obersten Hausboden (ndd, böne f.) ar- 
beitet, wo ihn die Zunftmeister aufsuchen 
oder wie man sagt, jagen (deshalb Hase). 
Schon im 16. Jh. vorkommend (1568). Ent- 
lehnt ndl. beunhaas, schwed. bönhas, dän. 
bönhase m. Vgl. Walther ZfdW. 8, 191. 

Bonne, f. (PI. -n): dienendes Mädchen, 
namentlich zur Kinderwartung. Aus franz. 
bonne f. «Dienstmädchen», eig. F. des Adj. 
bon «gut», urspr. trauliche Anrede der Kinder. 
Neue Entlehnung. 

Boot, n. (-es, PI. -e, auch Böte): kleines 
leichtes ofienes Wasserfahrzeug. Wie andre 
Seemaunsausdrücke (s. Flotte, Tau) aus dem 
Ndd. entlehnt. Mnd. bot m. n., mndl. boot, 
entlehnt aus mengl. bot n. (nengl. boat), dies 
aus ags. bat n.; dazu anord. beit n., häufiger 
aber (nach dem Ags.) bätr m., schwed. bat 
m., dän. baad. Auch franz. bateau m. «Fahr- 
zeug, Boot» beruht auf dem ags. Wort. 
Das anord. beit gehört vielleicht zu biti m. 
«Balken» und weiter zu avra.phait «Balken», 
Liden Uppsalastudier 34. Im Hochd. zuerst 
1595 in Hulsius Schiffart als Boot m. n., 
z. B. 1, 19, dann auch bei Henisch 1616 ver- 
zeichnet, ferner 1657 bei Beilin S. 119 als 
Boot n. «ein kleines schiflein», bei Schottel 
1663, bei Stieler (als Bot m. n.), bei Ludwig 
1716 (als Bot, Boot, Both n.) usw.; in der 
Literatur z. B. bei Fleming 580 Both, häu- 
figer im 18. Jh. Der PI. zuweilen als Böte 
gebildet (wohl von dem älternhd. M. Boot 
aus). Für die Zusammensetzungen Boots- 
knecht, Bootsmann usw. «Schiffer» er- 
scheint schon im 16. Jh. Boßknecht, Boß- 
gesell, Boßleute, deren Boß- (beruhend auf 
ndd. bös- aus bots-) allmählich durch Boots- 
verdrängt wird (Potsgesell bei Fischart 
Binenk. 103, Bootsmann bei Henisch 1616, 
doch kennt noch Stieler 1691 auch Bosmann, 
daraus entlehnt das gleichbed. frz. &ossewianm.). 

Borax, m. (-es, PI. -e): die natürlich 
vorkommende Verbindung der sogenannten 
Borsäure mit Natron. Älternhd. Boraß (1562 



bei Mathesius Sarepta 80^ Borros), schon 
spätmhd. buras, aus mlat. borax f. (woher 
ital. boracem.), das auf arab. hätiraq beruht. 

Borch, s. Barch. 

^Bord, m. (-es, PI. -e): umfassender 
oberer äußerer Rand; Schüfsrand und damit 
bildlich auch s. v. a. Schiff. Mit d durch 
ndd. Einfluß (Adelung hat noch Bort). Mhd.- 
ahd. bort m. n. «Rand, Schiflfsrand»; dazu 
asächs. bord m. «Rand, Schiflfsrand, Schild- 
rand, Schild», ndl. boord m. «Rand, Schiflfs- 
rand, Ufer, Saum», ags. bord n. «Schiflfsseite, 
Schild», engl, board «Rand, Schiflfsrand», 
anord. bord, schwed. -dän. bord n. «Rand, 
Schiffsrand». Damit berühren sich Worte 
mit br- im Anlaut, ahd. brort und brart m. 
«Rand, Schiösrand, "\^orderteil des Schiffs», 
ags. brord m. «Spitze, Ährenstachel» und 
breord m., anord. broddr m. «Spitze». Wahr- 
scheinlich sind zwei Wörter zusammenge- 
fallen, ein bord, das eigentlich «Brett» be- 
deutet und mit diesem verwandt ist, und 
ein durch Schwund eines r aus brord «Rand» 
entstandenes bord, das zu abg. brazda f. 
«Furche» gehört und «Rand» bedeutet. Vgl. 
noch Borte. 

■Bord, n. (-es, PI. -e): Brett. Rheinisch, 
auch ndd., hd. eigentlich Bort. Aus dem 
gleich bed. mhd. bort n. (selten, vgl. auch 
Diefenbach-Wülcker S. 278 u. Alberus Dict. 
BB*2^ bort «asser»); dazu ndl. -ags. feor(?, engl. 
board, anord. 6or(f, schwed.-dän.feorcZn. «Brett, 
Tisch, Tafel», got. -baurd in fötubaurd n. «Fuß- 
brett, -bank». Jedenfalls zu Brett gehörend, 
dem gegenüber B. Umstellung des r und ab- 
weichende Ablautstufe zeigt. Vgl. ^Bord. 

Borde, s. Borte. 

Börde, f.: sich hinziehende fruchtbare 
Ebene, besonders an einem Fluß, eine Fluß- 
ebene, z. B. Soester, Magdeburger Börde. 
Aus mnd. borde, boerde, auch geboerde f., 
das wohl nicht zu ndd. bord «Rand» (Fluß- 
rand) gehört, sondern zu mnd. boren, ho&ren 
«gebüliren», also eig. «Gebührlichkeit, Kom- 
petenz», dann «Gerichtsbezirk». 

Borden, n. (-es, PI. -e) : örtentliches Haus 
zur Unzucht. Aus dem gleichbed. franz. 
bordel, ital. bordello m., einer dimin. Bildung 
von afranz. borde, span. horda f. «Bretterhütte, 
Bude», die auf das deutsche -Bord (s. d.) 
zurückgehen. 1475 findet sich klevisch im 
Teuth. bordeel, dann bei Fischart Garg. 90 
bordäl, 1615 bei Albertinus Landstörzer 401 
Bordel, Henisch 1616 verzeichnet Bordeel. 



269 



bordieren 



Borst 



270 



bordieren, bortieren, v.: den Eand 
besetzen, einfassen. Aus dem gleichbed. 
franz. horder, von hord m. «Eand, Saum», 
dem das deutsche Bord, Borte (s. d.) zu- 
grunde liegt. Bei Krämer 1678 hordiren, 
bei Erasm. Francisci 1668 hortiren. 

■^Borg, m. (-es, Vl.Börge): Sehwein, s.Barch. 

"Borg, m. (-es): Dargabe oder Annahme 
auf Zurückgabe fin der Redensart auf Borg, 
bei Schiller und Hebel auf Borgs durch 
Vermischung mit einem adv. horgs. Mhd. 
bore (Gen. horges) m.: was auf Zurückgabe 
dargegeben oder angenommen wird. Von 
borgen, v.: dargeben oder annehmen auf 
Zurückgabe; auf spätere Bezahlung geben 
oder nehmen. Mhd. borgen «bürgen, Bürge 
sein», daneben aber in ursprünglicherer Bed. 
«Nächsicht haben, schonen, Acht worauf 
haben», ahd. boragen «sich wovor hüten, Acht 
worauf haben, schonen»; dazu ndl. borgen, 
ags. horgian, engl, borrow «borgen». Zu bergen 
und abg. brega^ «ich sorge füi- etwas», falls 
dies nicht aus dem Deutschen entlehnt ist. 

Borke, f. (PI. -n) : die rauhe äußere Baum- 
rinde. Aus dem 2s dd., wo mnd. borke f.; 
dazu engl, bark, anord. börkr m. Dunkler 
Herkunft. Häufig zu Birke gestellt, was 
aber keineswegs sicher ist. Bei Henisch 1616 
Borcke, Barcke. 

Borkirche, f.: erhöhter ZuhöreiTaum oder 
Chor in der Kirche. Spätmhd. borjcv'che f., 
zusammenges. mit ahd.-mhd. bor f. «Höbe, 
oberer Eaum», das mit mhd. bürn, ahd. burian 
«erheben» wohl zu ahd.&eraw «tragen» gehört; 
ebenso Borscheune, f.: der Scheunenboden 
über der Tenne, Borwisch, m. : runder 
Kehrbesen mit langem Stiel, um damit hoch 
hinauf wischen zu können. Vgl. empor. 

Born, m. {-es, PI. -e): wie Brunnen, 
Quell: Quellwasser. Dichterisch, auch mund- 
artlich in Älittel- und Xiederdeutschland. Mit 
Abfall eines -e aus mhd. (in md. Quellen) 
bume, borne, dann auch born (so 1469 im 
Voc. ex quo, 1482 im Voc. theut. e 1** neben 
prun)\ entsprechend mnd.-mnl. &orne m., ndl. 
born f., afries. burna m., ags. burn i., burna 
m. und bume f. Identisch mit Brunnen (s. d. ), 
nm- mit Umstellung des r. Luther gebraucht 
Born neben Brun, auch ist es verzeichnet 
1540 bei Alberus, dann 1616 bei Henisch. , 
Die urspr. schwache Flexion ist der starken 
gewichen; Luther bildet den PI. Börne. 

börnen, v.: brennen. Bei Luther (Hiob 
30, 28j und mimdartlich in Mitteldeutschland. 



Mhd. in md. Quellen bilrnen, börnen, auch 1482 
im Voc. theut. e 1^ börnen oder brennen, 1540 
bei Alberus Dict. Pp 4^ ich börn «brenne»; 
entsprechend mnd. burnen (neben bernen), ags. 
byrnan, engl. h.irn «brennen». Gegenüber 
brennen (s. d.) zeigt b. Umstellung des r und 
abweichende Ablautsstufe. \ ^.aMchBernstein. 

borniert, adj.: beschränkt. Eig. Part. 
Prät. von bornieren «begrenzen, beschränken», 
das aus dem gleichbed. franz. &orner von franz. 
borne f. «Grenzzeichen, Ziel». Im 18. Jh. ent- 
lehnt (von Campe 1795 besprochen). 

Borretsch, m. (-es): als Salat und Ge- 
müse dienendes Gartenkraut mit behaarten 
Blättern und hellblauer Blüte, Gui-kenkraut, 
borago officinalis. Spätmhd. burretsch, bor- 
retsch m., aus ital. borragine, franz. bourrache 
f., die auf der spätmlat. Benennung borägo, 
borrägo f. beruhen ; dieser hegt das lat. burra f. 
«zottiges Gewand», ital.-prov.-span. borra, franz. 
bourre f. «ScheerwoUe» zugrunde. Der Xame 
wegen der haarigen Beschaffenheit der Blätter. 

Bors, s. Barsch. 

Borsdorfer,m.: eine aus dem meißnischen 
Dürfe Borsdorf stammende veredelte Apfel- 
art. Schon bei Luther. Bei Musäus (Kinder- 
klapper 79) verkürzt Borsterapfel. 

Börse, f. (PI. -«): Geldbeutel; Versamm- 
lungsort und Gebäude zur Besprechung im 
Geldhandel usw. Spätmhd. burse f. ist «Geld- 
beutel, Kasse» (1385 die Nebenform borse, 
borsen Gombert6, 19), auch «zusammenlebende 
Genossenschaft und deren Haus», ahä.burissa 
f. «Tasche», dazu mndl. burse, ndl. beurs f. 
Vgl. a.uch. Bursche. Zugi-unde liegt mlat. bursa, 
ital.borsa, franz.boursef. «Beutel» (von Leder j, 
diese aus gr. ßupca f. «abgezogenes Fell», 
dann «Leder». B. beraht in seiner Lautform 
zunächst auf dem Ndl. (in Brügge bezeichnete 
B. zuerst das Versammlungshaus der Kauf- 
leute, vgl. WB. d. Volkswirtschaft - 1, 500) 
und wird in dieser Bed. (aber auch als 
Studentenhaus) als Bors zuerst von Schottel 
1663 und Krämer 1678 verzeichnet, während 
Henisch in gleicher Bed. noch Burs hat. 
Börse «Geldbeutel» wird zuei-st von Adelung 
1774 angeführt. Vgl. Bursche. 

^ Borst, m. {-es, PI. -e): auseinanderge- 
brochene Stelle. Aus dem Md. Ndd., mnd. 
hurst, borst m.; dazu ags. byrst m., engl. 
burst «Riß, Bruch». Zu bersten. Dafür bei 
Luther Borste f. 

■^ Borst, ra. {-es, PI. -e): Gesamtheit starrer 
Haare. Oberdeutsch (Schubart 2, 53 mit dem 



271 



Borste 



bosseln 



272 



B. der Wimper). In diesem Kollektiv hat 
sich mhd.-ahd, hörst erhalten (s. d. folg.). 

Borste, f. (PI. -n): ein starres Haar. 
Mhd. horste, auch hürste, ahd. lursta f., da- 
neben mhd. hörst m. n., ahd. hörst, hurst m. n. ; 
dazu ags. hyrst n., anord. hnrst f., schwed. 
hörst m. und mit weiterer Ableitung ndl. 
horstet m., ags. hrystl f., engl, hristle. Urver- 
wandt ist aind. hhrstisf. «Spitze, Zacke, Ecke», 
lat. fastigium aus *farstigium «Giebel, Spitze». 
Das M. N. Borst verschwindet im ältei'n Nhd. 
^SL. borsten, weiter gebildet borsteln, V.: 
borstenartig emporrichten; refl. sich horsten, 
horstein: die Borsten sträuben. ßeiFrischl741. 
borstig, adj., im 16. Jh. horstig, hörstig, mhd. 
horstoht. 

Bort, s. -Bord. 

Borte, f. (PI. -n): starkes, aus Seide und 
Goldfäden gewirktes Band, zunächst ein den 
Rand eines Kleides usw. zum Schmuck um- 
fassendes Band. Mit Wechsel des Geschlechts 
aus mhd. horte m. «Einfassung, Rand, aus 
Seide und Goldfäden gewii'ktes Band für sich 
oder als Besatz», ahd. horto m. «Besatz, Saum, 
stark- und dichtgewirktes Band», zu mhd.- 
ahd. hört m. «Rand» (s. ^Bord). Bei Luther 
noch als M. Borte, ebenso bei Henisch 1616 
und oft im 17. Jh. Borte, Borten, bei Stieler 
1691 Borte f. In der Bed. Einfassung gern 
Borde geschrieben (z. B. Schiller Räuber 2, 3), 
vgl. hordieren. 

bös, s. höse. 

böseben, v.: abhängig machen. Davon 
Böschung, f.: schräge Senkung, Abdachung. 
h. ist urspr. s. v. a. mit Rasen belegen von 
Schweiz. Bosch, Posch m. «Rasen, Rasenstück» 
bei Maaler 1561 (auch graspösch), zu husch 
gehörig. Böschung ist am Anfang des 17. Jh. 
als militärischer Ausdruck geläufig (1599 bei 
Speckle Architectui-a). In nordd. Aussprache 
und auf der Bühne jetzt mit o. 

böse, gekürzt bÖS (Goethe Iph. 1877), 
adj.u. adv.: gehalt- und haltlos; nichts wert; 
unnütz; nachteilig zuwider seiend; feindhch 
mißgestimmt. Mhd. hüese, ahd. hosi; dazu 
mnd. u. mndl. höse, nndl. boos, afries. häse. 
Vergl. ferner engl, to hoast «prahlen, sich 
rühmen», norw. haus «hitzig, heftig, über- 
mütig», schwed.-dial. hös «wild, verwegen 
daherfahrend» (Wadstein Btr. 22, 238). Für 
die Grundbed. ist ahd. hosa f. und gibosi n. 
«Possen», hoson «lästern, scherzen», sowie das 
entlehnte prov. hauzaL «Betrug» zu beachten. 
Herkunft noch nicht aufgeklärt. Vielleicht 



zu ahd. hö^^an, engl, to heat «stoßen, schla- 
gen», aus *bauttjo (s dann aus tt). AVadstein 
geht von einer Bedeutung «schwellen» aus, 
die in einigen Fällen im Slavischen vorliegt, 

O 7 

russ. huhnut' «schwellen, sich werfen» u. a. 
ABL. boshaft, adj. u. adv., 1535 bei 
Schwartzenberg Cicero 134, 1, älternhd. ge- 
wöhnhch hoshaftig (auch bei Luther, schon 
1470 im m]at.-hochd.-böhm.Wb.l75 hoßhafftig). 
Bosheit, f., mhd.-ahd. hösheit f., auch in 
der Bed. «Nichtigkeit, Gehalt-, Wertlosigkeit». 
böslich, adj. u. adv.: auf böse, d. i. schlechte, 
tadelhafte Weise, mhd. hoßsliche adv., selten 
hoßslich adj. ZUS. bösartig, adj. u. adv., 
bei Dentzler 1709 hösärtig. Bösewicht, m. 
{-es, PI. -e und -er): nichtswürdiger Ver- 
brecher. Mhd. hoeseiviht (auch noch mit 
Flexion von hoßse) m., zusammenges. mit wiht 
«Wesen», dann «Elender» (s. Wicht). Der 
PL lautet schon bei Luther auch Bösewichter. 
böswillig, adj, u. adv., spätmhd. hoestvillic. 

Boskett, n. (-es, PI. -e): Lustgebüsch. 
Aus dem gleichheä.hanz.hosquet, ital. hoschetto 
m., von ital. hosco m., das auf Busch (s. d.) 
zurückgeht. Im 18. Jh. entlehnt. 

böslich, s. höse. 

Boße, m. {-n, PI. -n) u. f : Gebund Strohes, 
Flachses u. dgl. Mhd. hö^e, ahd. hö^o, mnd. 
hote m. «Büschel», dann s. v. a. «Gebund 
Flachs». Davon BÖßel, m.: kleines Gebünd- 
chen- Flachs, deren eine Anzahl einen Boßen 
ausmachen, und bößeln, v.: den gerafften 
Flachs in Büschel (Bößel) binden. Wohl zu 
ahd. hö^an «stoßen», in Hinsicht auf festes 
zusammenstoßendes Binden, ygl.Stoß «Haufe». 

^bosseln, v.-. Kegel schieben, kegeln. Mit 
Kürzung des Vokals aus älterm boßehi (bei 
Stieler 1691 hoselen), von dem dialektischen 
Boßel m. «Kegelkugel», abgeleitet von mhd. 
hogen «Kegel schieben», eig. «stoßen» (s.Am- 
hoß). Davon Bosselleich, m.: Kegelbahn. 
Bei Luther Bosseleich, Bosleich. S. Leich. 

^bosseln, v.: in Kleinigkeiten arbeiten, 
zusammenflicken, künsteln. Vielleicht mit Kür- 
zung des Vokals aus spätmhd. hobeln, hoßgeln 
«klopfen, schlagen», Iterativ zu bogen «schla- 
gen» (s. Amboß), im 16. Jh. auch in der Bed. 
«künsteln, ausbessern, zusammenflicken, klein- 
lich arbeiten» (z. B. Hans Sachs Fab. 193,24. 
Scheidt Grob. 1528). Doch ist auch nd. pöseln 
«sich mit Kleinigkeiten beschäftigen» zu be- 
rücksichtigen. Davon BosSCl, m.: Haus- 
knecht, eig. der kleinliche Arbeit macht 
(Hans Sachs Fastn. 85, 143). 



273 



bosseln 



brach 



274 



^bosseln, v. : halb oder ganz erhabene 
Arbeit machen. Aus dem gleichbed. franz. 
hosseler, von hosse f. «Beule, Erhabenheit» 
(s. d. folg.). 

bossieren, v. : in weicher Masse (Wachs, 
Gips) erhaben formen. Mit fremder Endung 
gebildet von franz. hosse, ital. hozza f. «Beule, 
Erhabenheit», die mit ahd. bögan «schlagen» 
als «durch Schlagen entstandene Geschwulst» 
zusammengebracht werden. Schon frühnhd. 

böswillig, s. höse. 

Botanik, f.: Pflanzenkunde. Aus nlat. 
hotanica, gr. ßoraviKr] «Pflanzen betreffende» 
(nämlich ^iricTriuri «Wissenschaft»), von ßoxdvri 
f. «Pflanze;^ Im 18. Jh. aufgenommen. Davon' 
Botaniker, m. {-s, PI. wie Sg.): Pflanzen- 
kundiger. — botanisch, adj. : pflanzenkundig, 
zur Pflanzenkunde gehörig. Nach dem gr.-lat. 
botanicus, gr. ßoxaviKöc. botanisieren, v. : 
Pflanzen suchen zu wissenschaftlichem Zwecke. 
1728 bei Stoppe Ged. 1, 151 hotanisireti. 

Bote, rn. (-W, PI. -n): der zum Überbringen 
oder Ausrichten Abgeschickte. Mit Dehnung 
des Vokals (doch heißt es älternhd. im Obd. 
Bott, noch bei Dentzler 1709) aus mhd. böte, 
ahd. boto m. ; dazu asächs. bodo, ndl. bode, 
ags. boda, anord. bodi m. Zu bieten. ABL. 
Botin, f., erst im 18. Jh. gebildet (z. B. 
Lessing 3, 316), bei Adelung 1793 noch nicht 
verzeichnet. Botschaft, f.: übersandte Mit- 
teilung, aus mhd. boteschaft, ahd. (bei Notker) 
botoscaft, früher botascaf f.; dazu asächs. 
bodskepi, a.gs.bodscipe m. Dazu Botschafter, 
m.(-s, Pl.wieSg.): der im Auftrag eines Staates 
Abgesandte. Von mhd. boteschaften «eine 
Botschaft ausrichten oder verkündigen». Bei 
Krämer 1678 Bottenschafter, allgemein «Bote», 
seit 1700 als «Staatsgesandter», dem franz. 
ambassadeitr entsprechend, üblich werdend. 

botmäßig, adj.: zu Dienst unter- oder 
bloß ergeben. Spätmhd. potmce^^ig (in der 
Kanzleisprache) «sich nach den Geboten zu 
halten verpflichtet, Untertan», zusammenges. 
mit mhd. bot n. «Gebot, Befehl». ABL. 
Botmäßigkeit, f.: die Macht zu gebieten. 

Botin, Botschaft, -schafter, s. Bote. 

Böttcher, m. (-s, PL wie Sg.): wer 
hölzerne Getäße mit nur einem Boden macht. 
Gekürzt aus Bötticher, spätmhd. botecher. 
Von Bottich, m. {-es, PI. -e): hohes höl- 
zernes, oben oflenes, aus Dauben zusammen- 
gesetztes Gefäß beim Bierbrauen. Aus mhd. 
botech, boteche m., botecJie, bofege, botige f., 
ahd, bofuhha f., das auf mlat. buiica zurück- 
Weigand, Deutsclies Wörterbuch. 5. Aufl. 



geht, gebildet von buta f. (s. Bouteille). Der 
Übergang zum M. erfolgte unter Einfluß von 
mhd. botech, ahd. botah m. «Rumpf, Köi'per», 
dem ags. bodig m., engl, body entspricht. 

Bottelier, m. (-s, PL wie Sg.): der die 
Mundvorräte auf den Schiffen verteilt. Aus 
ndl. bottelier, das mit engl, hutler auf franz. 
houteillier m. «Kellermeister» (s. Bouteille) 
zm-ückgeht. Bei Adelung 1774. 

Bouillon, f. (PL -s): Fleischbrühe. Das 
franz. houillon m., das eig. s. v. a. Aufkochen, 
Wallen, von franz. bouillir faus lat. hullire) 
«sieden, aufkochen». 1715 bei Amai-anthes246. 

Bouteille, f. (PL -?i): gläserne Flasche. 
Das franz. bouteille f., das auf das gleichbed. 
mlat. buticida f. zumckgeht, das Demin. von 
mlat. huta, hofa, span.-port. bota, franz. boute f. 
«Faß, Kübel, Schlauch, Wassergefäß», die 
wahrscheinlich gr. ßüric, ßoOxic «Flasche» zur 
Grtmdlage haben. Vgl. auch Bottich, Bütte. 
Im 17. Jh. entlehnt. 

Bowle, f. (PL -«): PuDSchnapf; Punsch. 
Aus engl, bowl «Kugel, Schüssel, Xapf». 
S. Bolle. Bei Voß (Horaz. Sat. 2, 8, 86) in 
deutscher Schreibung Bole. 

boxen, v.: mit geballter Faust zu Leibe 
gehen. Aus dem gleichbed. engl, box, einer 
Ableitung zu dem unter pochen behandelten 
Verbum für «schlagen, stoßen»; entsprechend 
wird zu mhd. buc m. «Stoß, Schlag» spätmhd. 
buxen «stoßen» gebildet. Vgl. auch haxen. 

Boykott, m. i-s, PL -es) : Verruferklärung, 
dazu boykottieren, v.: in Verruf erklären. 
Nach James Boykott, einem Gutsverwalter 
in Irland, über den im J. 1880 die üische 
Landliga zuerst den Bann verhängte, was 
die Folge hatte, daß jedermann den Verkehr 
mit ihm abbrach. 

brach, (sprich brach) adv. : nach der Ernte 
umgebrochen ruhend, ohne bestellt zu werden. 
Zuerst bei Henisch 1616, sonst älternhd. ge- 
wöhnlich brache. Von Brache, f. (PL -n): 
erstes Umgebrochensein und Ruhen des Bodens 
nach der Ernte: Land, das nach der Ernte 
umgebrochen ist und unbesäet ruht. Mhd. 
hräche, spätahd. brächa f.; dazu mnd.-mul. 
brake f., zu brechen. Aus in der Brache 
oder im Brach liegen hat sich das Adv. brach 
entwickelt; entsprechend ndl. braaÄ;, diin.brak. 
ABL. brachen, v.: den Boden pflügen zum 
Ruhen nach der Ernte. Bei Luther dafür 
brochen (Hiob 39, 10). Mhd. brächen, ahd. 
brähhön. ZC/'5.Brachfeld,n., mhd. u. spätahd. 
brächvelt n. Brachmonat, m.: Juni (Zeit 

18 



275 



Brachse 



Brand 



276 



des Brachlegens), mhd. hrächmänot, ahd. hräh- 
mänöt m. Im Schwab.- Alem. noch volks- 
üblich, daneben Brächet m. BrachTOgel, 
m., Nanae mehrerer sich geni auf Brache 
und Saatfeld aufhaltender Vögel, mhd. Iräch- 
vogel, ahd. hrähvogel m, j 

Brachse, s. Brasse. \ 

Brack, n. (-es, PI. -e): Ausschuß, als un- 
tauglich Abzusonderndes. Mit Übergang eines 
w iah aus ndd. vjrak «untauglich, beschädigt», 
als Subst. jedes Untaugliche, als untauglich 
Ausgeschossene, besonders durch Schiffbruch 
untauglicher Schiffsrumpf (s. Wrack), Schiffs- 
trämmer: entsprechend ndl. ?üraÄ;, ah-ies.ivrak 
«schadhaft geworden, untauglich», entlehnt 
ins Engl, als Subst. ?t'rec/[; «Schiffbruch, Wrack» 
und schwed. vraJc, dän. wag u, «Ausschuß, 
Wrack». Zuerst bei Steinbach 1734 verzeichnet. 
ABL. hracken, v.: als untauglich ausson- 
dern, z. B. Schafe. Aus mnd. wraken «für 
untauglich erklären, ausschießen, verwerfen»; 
entsprechend ndl. wraken, schwed. vraka, dän. , 
vrage. ZUS. Brackschaf , n. (dafür bei ' 
Auerbach .Brac/t- m.). Brackware, f. 

Bracke, m. (-», PI. -w) : Leit-, Spürhund. 
Mhd. hracke, ahd. hraccJw : dazu andd. hracka 
(Eigenname eines Jagdhundes), mnd.-mnl. 
hracke. Daraus entlehnt mlat. hracco, ital. 
hracco, franz. brache m. Dunklen Ursprungs, 
Die alte Yergleichung mit lat. fragräre «stark 
riechen, duften», vgl. Walde s. v., scheint nicht 
überzeugend. 

Brackwasser, n. : in einen Fluß einge- 
brochenes Seewasser, durch welches das süße 
Flußwasser verdorben wird. Aus ndd.-ndl. 
hrakwater n., zusammenges. mit ndd. hrak 
(1475 im Teuthonista) «bittersalzig, salzig«, 
dazu ndl. hrak «salzig», engl, hrack «Salz». : 
Bei Ludwig 1716. Kaum zu hrechen (dann 
m-spr. s. V. a. eingebrochen vom Seewasser 
und später auf den Geschmack übertragen), 
sondern eher zu Meer, also aus mrak-, Hirt 
Idg. Forsch. 1, 475. Doch unterliegt auch 
diese Ableitung Bedenken. 

hrägeln, V. : mit hörbarem Geräusch sieden, 
schmoren ; prasseln. Mundartlich in Ober- und 
Mitteldeutschland. Auch prägein geschrieben 
(bei Maaler 1561 präglen, 1562 bei Mathesius 
Sai*. IM^pregeln). Schon mhd. hregJen «hräten, 
schmoren», auch «schwätzen», später nament- 
lich bei Obersachsen, auch bei Rädlein 1711. 
Vielleicht verwandt mit mhd. -ahd. hraht m. 
Lärm (s. Pracht), doch wohl eher lautnach- 
ahmendes Wort. 



Brahne, s. Brame. 

Brakteät, m. (-e«, PI. -en): Hohlmünze 
von Gold- oder Silberblech. Aus mlat. hrac- 
teatus (nämlich nummus «Münze»), abgeleitet 
von lat. hractea f. «dünnes Metallblech, Blech». 
Bei Adelung 1774. 

Bram, m, {-es, PI. -e) und Brameii, m. 
(-S, PI. wie Sg.): Besenginster, Pfriemkraut. 
Aus ndd. hräni «Ginster», entsprechend ags. 
hröm m., engl, hroom «Ginster, Besen», während 
mhd. hränie m., ahd. hrämo m. und hräma f. 
«Dornbusch» bedeutet, s. Bromheere. 

Bramarbas, m. (Gen. Bramarhasses, PI. 
Bramarhasse): Großprahler mit Heldentaten, 
Urspr. der Xame eines Großsprechers in einem 
auon3'^men satirischen Gedichte, das Philan- 
der von der Linde (Burkhard Menke) im An- 
hang seiner „Vermischten Gedichte" 1710 mit- 
teilte; danach gab Gottsched in der „Deut- 
schen Schaubühne" der Dethardingschen Über- 
setzung des Holbergschen Lustspiels „Jakob 
von Tyboe" den Titel „Bramarhas oder der 
großsprecherische Offizier". Bei Pfeffel4, 136 
der PI. Bramarhen. ABL. bramarbasieren, 
V.: mit Heldentaten gi-oßtun (Schiller 2, 36). 

Brame und Bräme, f. (PI. -n)-. Rand, 
Randbesatz ; mit Laubholz bewachsener Wald-, 
Feld-, Wiesenrand. Bräme mit Wechsel des 
Geschlechts (Stieler 1691 hat noch Bräm n,, 
Schottel 1663 aber Bräm f,) aus spätmhd. hrem 
n. «Randbesatz, Einfassung, Rand» (jetzt obd. 
hram, hräm) ; dazu ags. hrimnie m., engl, hrim 
«Rand» und (mit Ablaut) anord. harmr m. 
«Rand, Kante, Ufer. Vgl. auch verbrämen. In 
der 2. Bed. erscheint meist Brame oder Brane 
(Brahne), deren Verhältnis zu Bräme nicht 
aufgeklärt ist; vielleicht ist das seit dem 17. Jh. 
auftretende Brane ganz von Bräme zu trennen 
(kaum durch Einfluß von Brane «Braue» auf 
Bräm, Bräme zu erklären, während allerdings 
die Nebenform Augenhrame, s. d., auf Ver- 
mischung mit Brame zurückzuführen ist), 

Bramsegel, n. : Segel an der Bramstange. 
Aus dem gleichbed. ndl. hramzeil n. Bei 
Apinus 1728. Bramstauge, f.: der kleine 
spitzzulaiifende Mast, der auf der ersten Ver- 
längerung des Mastes steht. Aus ndl. hram- 
stang f. Beide sind zusammenges. mit ndl. 
hram n. «Bramsegel, Segel am Obermast, 
d. i. dem Mast auf dem großen Mast», dessen 
Herkunft dunkel ist. 

Brand, m. ,(-es, PI. Brände): brennendes 
Stück Holz; verwüstendes Feuer; Zustand 
eines Gegenstandes, daß dieser brennt; (bild- 



277 



Brand 



Brassen 



278 



licli) zerstörende Entzündung; zerstörendes 
Schwai-zwerden an Pflanzen. Mhd. brant (PI. 
brende), ahd. hrant (PI. brenti) m. in den bei- 
den ersten Bedd.; dazu ndl.-afries.-ags. brand 
m., engl, brand, anord. brandr («brennendes 
Holzstück»), schwed.-dän. brand m. Mt einer 
Ableitungsendung zu brennen (s, d.) gebildet. 
ABL. branden, v. : (von Meeres- und Land- 
seewellen) aufbrausen und sich brechen. Aus 
dem Xdd., vgl. ndl. branden «in Brand stehen, 
flammen, in Feuerwellen sich bewegen»; in 
der jetzigen Bed. von den ndd. Dichtei'n 
Klopstock (Oden 2, 54) und Voß eingeführt, 
aber Adelung 1793 noch nicht bekannt. Schon 
früher findet sich das abgeleitete Brandung, 
f : Aufbrausen und Brechung der Wellen an 
der Küste oder verborgenen Felsen. Aus ndd. 
brandung f , entsprechend ndl. Iranding f. Im 
Robinson (l720j 1, 420 und bei Stembach 1734 
verzeichnet. Brander, m.(-s, Pl.wieSg.j: mit 
Brennstoffen angefülltes Schiff zum Anzünden 
feindlicher Schiffe. Aus dem gleichbed. ndl. 
brander m. Bei Krämer 1678 (1613 bei Hul- 
sius Schiffart 10, 38 begegnet dafür Brauner 
oder Brandschiff). brandig, adj.: braad- 
artig, älternhd. brandicht; den Brand habend 
(prandig 1562 bei Mathesius Sarepta 176^ vom 
Brand im Getreide). ZUS. Brandbrief, m. : 
Brief, der mit Schädigung durch Brand droht, 
spätmhd. (vom J. 1402) brantbrief m.: (bild- 
lich) dringlich gehaltener Brief (Goethe Br. 1, | 
104); Bettelbrief, eig. mit Berufung auf er-' 
littenen Brandschaden (als studentisch bei 
Kindleben 1781 angeführt). Brandfuchs, 
m. : Fuchs mit schwarzem Bauche, schwarzer 
Schwanzspitze und schwarzen Läufen; dunkel-, 
fuchsrotes Pferd (1644 bei Duez 153); Student j 
im zweiten Halbjahr (bei Kindleben 1781 neben 
Brande^-). Brandmal, n.: Zeichen des Bran- 
des. Bei Luther. Brandmark, n. u. Brand- 
marke, f.: eingebranntes Zeichen. Dafür 
älternhd. Bra-ndmerk (1616 bei Henisch, auch 
noch 1678 bei Krämer Brandmärck , aber ' 
Brandmarck bei Ludwig 1716), vgl. ndl. brand- 
merk n.; Brandmarcke bei Steinbach 1734. 
Davon brandmarken, v.: mit einem ein- 
gebrannten Zeichen kenntlich machen, insbe- 
sondere als einen Verbrecher. Bei Krämer 
1678. Brandmauer, f: feuerfeste Mauer. I 
Bei Stieler 1691. Brandopfer, n.: ein bis 
auf die Eingeweide zu verbrernendes Tieropfer. 
Bei Luther, brandschatzen, v.: eine Geld- 
auflage festsetzen zur Abwendung feind- i 
liehen Niederbrennens, spätmhd. brantscMtzen. 



I Brandsohle,f.: innere Sohle unter deräuüem. 

, Bei Ludwig 1716 Brandsole. Brandstifter, 

jm.: der einen Brand erregt. Friihnhd. (loOl 

im Voc. opt. N5^ brantstiffter «incendiarius»), 

entsprechend ndl. brandstichfer m. 

Branke, s. Franke. 

Branntwein, m. (-es, PI. -e): aus Wein- 
hefen, Flüchten oder Gewächsen ab^ezofrene 
geistige Flüssigkeit. Spätmhd. (^zuerst 1360 
in Frankfurt a. M. erwähnt, s. ZfdA. 6, 269) 
brantvnn, zusammengerückt aus brant (ge- 
küi-zt aus gebrant) icin «der gebrannte Wein», 
urspr. mit Flexion des ersten Wortes (noch 
bei Schiller Eäuber 2, 3 gebt mir ein Glas 
Brandtemcein), dann in fester Verbindung 
Branntewein (Goethe 12, 93) oder Brannt- 
tvein. Die Nebenform Brandwein erklärt sich 
aus dem Part. Prät. gebrand bei Luther, sie 
findet sich im 16. Jh. (z. B. bei Rollenhagen 
Froschm. 3, 1, 13) und wird noch von Frisch 
1741 angesetzt. Bei Adelung Branntwein. 
Entlehnt ndl. brandeicijn m., dän. brändeviin 
m., schwed. brännvin u. 

Braute, s. Pranke. 

Bra£, m. {(jen. Brasses): Masse wertloser, 
lästig fallender Dinge. Aus dem Ndd., wo 
mnd. bras m. «Schmaus» (s. prassen), dann 
«Lärm, Gepränge»; das Wort diingt gegen 
Ende des 15. Jh. auch ins Hd. ein mid nimmt 
hier auch die Bed. «Gemengsei», dann «Haufe 
wertloser Dinge, Wust» an, bei Stieler 1691 
verzeichnet und in der Umgangssprache des 
18. Jh. sehr gewöhnlich. Auch nicht selten 
Praß geschrieben (z. B. Weiße Lustsp. 1, 197, 
Lessing 7, 234, Goethe Faust 10322j. Ferner 
findet sich in gleicher Bed. Brast (Lessing 8, 
168), Prast (Günther 698), wohl mit ange- 
tretenem t aus Braß entwickelt (schon 1482 
im Voc. theut. e3* brast «pompa»), zugleich 
auch beeinflußt durch älternhd. und mund- 
artlich Brast m. «Kummer, Sorge», zu mhd. 
bresten «auseinanderbrechen, gebrechen, er- 
mangeln». Li gleicher Bed. ndl. bras m. 

Brasse, f. fPl. -n)-. Seil an dem Ende der 
Segelstangen, um sie nach dem Winde zu 
richten. Aus dem gleichbed. ndl. bras m., 
das auf das ebenfalls gleichbed. fi-anz. bras 
m., urspr. «Ai-m» zuriickgeht. Bei Adelung 
1774. brassen, v.: die Brassen oder (das 
Segel) vermittelst der Brassen anziehen und 
so richten. Aus dem gleichbed. ndl. brassen, 
von dem gleichbed. franz. brasser, eig. «mit 
den Armen oder einer Stange rühren». 

Brassen, m. {-s, PI. wie Sg.) u. Brasse, 

18* 



279 



Braten 



brauen 



280 



f. (PL -n): ein karpfenähnlicher Fisch, cy- 
prinus latus. Urspr. und noch mundartlich 
im Obd. Brachsen, Brachsem (bei Dentzler 
llOQBrachsmen), mit Abschwächung des m der 
Endung zu n aus mhd. hrahsem, brasme m. 
und hrahsme, hrahse f., ahd. hrahsenia, hralisa 
f. ; dazu andd. hressenio, ndl. brasem m., engl. 
brasse, schwed. braxen, dän, brasen. Aus 
dem Deutschen entlehnt franz. breme f. 
Dunkler Herkunft, kaum zu mhd. brehen 
«glänzen». 

^Braten, m. (-s, PL wie Sg,): zu braten- 
des oder gebratenes größeres Fleischstück. 
Aus mhd. brate (Gen. braten) «Fleisch, 
Weichteile am Körper», ahd. hräto m. (auch 
von Teilen des menschlichen Körpers, z. B. 
den Lenden), lat. (entlehnt) brädo «Schinken», 
andd. brädo «Wade», daneben mhd.-ahd. brät 
n.; dazu ags. brcede m., anord. bräd f. «rohes 
Fleisch». Wahrscheinlich hat dieses Braten 
nichts mit dem folgenden zu tun. Grundbed. 
zunächst «Weichteil». Die urspr. schwache 
Flexion ist der starken gewichen, doch N. Sg. 
älternhd. noch Brate, Brat (PL im 17. Jh. 
öfter Bräter, zu dem N. Brat?). Redensart: 
den B. riechen «einen Anschlag merken», 
mhd. den braten smecken. ZUS. Braten- 
rock, m. Rock, der bei Festlichkeiten ge- 
tragen wird, wohl nach engl, roastmeetclothes. 

'braten, v. (Prät. briet, Part, gebraten): 
über, an, in Feuer dui'ch äußeres Hartwerden 
oder Hartmachen mürbe und genießbar wer- 
den oder machen. Mhd. braten, ahd. brätan; 
dazu ndl. braden, ags. brcedan. Hierher ge- 
hört noch anord. bräär «hitzig», sowie Brodem 
(s. d.); verwandt mit brühen (s. d.), das Ab- 
laut zeigt, brüten, und weiter vielleicht lat. 
fretmn «Brausen, Wallen, Hitze», fretäle «Brat- 
pfanne», gr. ßpoiccu) «siede, brause» mit an- 
derem Wurzelauslaut, wenn germ. &r- aus 
mr- entstanden ist. ABL. bräteln, v. : 
langsam braten. Bei Voß. ZUS. Bratspieß, 
m., zusamm enges, mit Spieß (s. '^ Spieß), urspr. 
Spiß, mhd.-ahd. spi^ m. «Spitze, auch Brat- 
spieß» (verschieden von Sjneß m. « Stech walFe»). 
Bratwurst, f., mhd.-ahd. hrätwurst f. 

Bratsche (mit ä), f. (PL -n): Arm-, Alt- 
geige. Aus ital. viola da braccio; braccio ist 
das lat. brachium n. «Arm». Bei Krämer 1 678. 

Bratspieß, -wurst, s. braten. 

Bratze, s. Pratze, jbratzeln, s. brotzeln. 

Bräu, n. (-es, PL -e): eine bestimmte Menge 
gebrautes Bier; Brauhaus. Aus mhd. briuive 
f. n. «das Brauen und was auf einmal gebraut 



wird». Älternhd. auch Brau; Bräu ist die 
obd. Form, die sich von Bayern aus ver- 
breitet hat. Von brauen (s. d.). 

Brauch, m. (-es, PL Bräuche): (veraltet) 
Verwendung wovon; herkömmliches Üblich- 
sein. Ahd. (einmal heil^ otker) prüh m., mhd. 
nicht nachzuweisen und erst im 15. Jh. (bei 
Nie. V. Wyle) auftauchend. Von brauchen, 
V. : im Genüsse wovon sein ; wozu verwenden ; 
wozu nötig haben (im 17. Jh., bei Logau 3, 
4, 92). Aus mhd. brüchen, ahd. hrühhan; 
dazu asächs. brükan, ndL bruiken, ags. brücan 
mit starker Flexion, «genießen, sich einer 
Sache erfreuen, ertragen», engl, brook «er- 
tragen, sich begnügen mit», schwed. (ent- 
lehnt) bruka, dän. bruge, got. brükjan «wo- 
zu anwenden, gebrauchen». Urverwandt ist 
lat. frui, fructus «genießen». ABL. brauch- 
bar, adj. Bei Henisch 1616. bräuchlich, 
adj.: wie brauchbar; im Gebrauch. Bei Luther 
breuchlich. 

Braue, f. (PL -n), auch Braune, f. (PL -w) : 
Haarstreifen über dem Auge; Wimper. Aus 
mhd. bräwe, brä, ahd. bräwa, brä f. «Augen- 
braue, Augenlid»; dazu asächs. bräwa, bräha, 
ags. brcßw, anord. brä f. Mit abweichendem 
A''okal acrs. brü, anoi'd. brün f., die der Laut- 
Verschiebung gemäß mit aind. bhrfis, gr. 6q)püc, 
abg. brüvi f. «Braue» übereinstimmen. Ahd. 
bräwa zeigt Ablaut zu ags. brü usw. Über 
die Nebenform Braune, sowie Bran (bei Schottel 
1663), Brane, selbst Brame s. Augenbraue. 

brauen, v. : über Feuer bei aufsteigendem 
Wasserdampfe bereiten, zunächst Bier (auch 
bildlich vom wallenden niedrigen Nebel, bei 
Gökingk, Goethe). Mit Übergang eines in in 
u, später au (doch älternhd. auch oft breuen, 
noch jetzt obd.) aus mhd. briuwen (Prät. brow, 
Part, gebrüwen), ahd. briuwan; dazu ndl. brou- 
wen, ags. breowan (mit starker Flexion), engl. 
breiv, anord. brugga, schwed. brygga, dän. 
brygge. Auf die gleiche Wurzel gehen zurück 
ahd. brod, ags. broß n., engl, broth «Brühe, 
Suppe»; dazu lat. defrutum n. «Mostsaft», 
phryg.-thrak. ßpOrov «Bier, Obstwein», air. 
bruthe «Brühe». Der urspr. Begriif des Wortes 
scheint also «kochen» gewesen zu sein, vgl. 
auch Brot. Man könnte auch braten, brüten, 
Brühe, Brei u a. im letzten Grunde mit un- 
serm Worte verbinden, da der gleiche Anlaut 
einer Reihe von Worten, die alle auf die 
Speisebereitung gehen, kaum Zufall sein kann. 
Die starke Flexion findet sich älternhd nur 
noch vereinzelt beim Part. Prät. gebrauen 



281 



l)raiui 



bray 



282 



(Logau 1, 51). ABL. Brauer, m.: der Bier 

braut, mhd. briuiver m., daneben hrmive m. 
(daher jetzt bayr. Bräu m.). Davon Brauerei, 
f., bei Duez 1664. 

braun, adj.: aus Rot und Schwarz ge- 
mischt. Aus mhd.-ahd. hrün: dazu ndl. hruin, 
ags. hrün, engl, broivn, anord. hrünn, schwed. 
brun, dän. bruun. Ins Romanische aufge- 
nommen als ital. bruno, franz. bru7i. Auch 
lit. br'Ünas nebst slav. hrunatmü «caeruleus, 
fuscus» dürften entlehnt sein. Dagegen geht 
auf die gleiche Wurzel zurück lit. beras 
«braun ;>, aind. babhrü-s «braun» (dem das 
deutsche Biber entspricht, s. d.), vermutlich 
gr. q)pijvri f., qppövoc ra. «Kröte», vgl. auch Bär. 
ABL. Bräune, f.: braunes Aussehen, mhd. 
briune: erstickende (braunrote) Entzündung 
der Luftröhre (bei Hans Sachs Fab. 144, 135 
Preun). bräunen, v.: braun machen, mhd. 
briunen. -bräunlich, adj.u.adv.: etwas braun, 
bei liUihaY bräwiUcht ZUS. Braunkohle, 
f., 1781 bei Jacobsson technol. Wb. 1, 283. 

Braune, s. Braue. 

Braus, m. (Gen. Brauses): rauschendes 
Getöse. Mhd. ^rwsm. «Brausen, Lärm». Von 
brausen (s. d.). Ndl. bruis n. «Schaum, Gischt». 

Brausche, f. (PI. -n): mit Blut unter- 
laufene Beule. ]VIhd. (selten) brüsche f., ndd. 
brüs, brUsch. Vielleicht mit schwäb. brausch 
«spröde, brüchig», ndl. &roos (ausmndl.brösch), 
anord. breyskr «gebrechlich, schwach» zu ags. 
brysan «brechen», engl, bruise «quetschen»; 
die urspi-ün gliche Bedeutung müßte «schla- 
gen» gewesen sein. ABL. brauschig, adj.: 
(Goethe 18, 324) geschwollen, wulstig. 

Brause, f. (PI. -w): der das Wasser brau- 
send durchlassende seihartige Aufsatz am Rohr 
der Gießkanne und diese selbst; Dusche. Mhd. 
vereinzelt brüscheL «Dusche», älternhd. kommt 
Brause nur in der Bed. «Gärang» vor, die 
jetzige bei Voß Ged. 1, 44. Von brausen, 
V.: als heftig bewegte Luft oder Flüssigkeit 
stark hörbar sein. Aus mhd. brüsen (auch 
brüschen): dazu ndl. bruisen (iriiher britischen, 
auch ndd. brüsken) «schäumen, brausen», 
aschwed. brüsa «einherstürmen». Die Bed. 
«rauschen» hat sich wahrscheinlich aus «sieden, 
wallen» entwickelt, so daß brausen eine «-Er- 
weiterung der Wurzel von brauen wäre. 

Braut, f. (PI. Bräute): durch Ehever- 
sprechen Gebundene. Aus mhd. brüt (PI. 
briute), ahd.brütf. «Verlobte, Neuvermählte»; 
dazu asächs. brüd, ndl. hruid, ags. bryd, engl. 
brüle «junge Frau», anord. hrüdr, schwed. -dän. 



brud f. «Verlobte», got. brüßs f. «Schwieger- 
tochter». Lis Mlat. entlehnt bruta f., woher 
afranz. bruy, franz. bru f. «Schwiegertochter». 
Die Etymologie war umstritten, vgl. Wlede- 
mann Bezz.Btr. 27, 205ff. Nach den Auseinander- 
setzungen von Braune aber, Btr.32, 30 ff. ist lat. 
/riTfas «Beinahme der Aphrodite» zu vergleichen. 
ABL. bräutlich, adj., mhd. briutelich, ahd. 
brv.tWi. ZUS. Brautbett, n., mhd. brütbette, 
ahd. brüthetti n., entsprechend ags. brydbed, 
n., engl, bridebed. Brautführ er, m., fiühnhd. 
(Albertinus weibl. Lustg. 99*^). Bräutigam, 
m. (-.s, PI. -e) : Mann der Braut. Bei Luther 
Breutigam, Breutgam, aus mhd. briutegome, 
entstellt briutegoume, briut€game(davau.s Bräu- 
tigam, da e vor g in unbetonter Silbe zu i 
wird), ahd. brütigomo m.; dazu asächs. brüdi- 
gumo, ndl. briiidegom, bruigom, ags. brydguma, 
engl, bridegroom (mit Anlehnung an groom 
«junger Mann»), anord, brudgumi, schwed. 
brudgum, dän. brudgom, zusammenges. mit 
ahd. gomo, asächs. gunio, anord, gunii, ags,-got. 
guma m. «Mann» (verwandt mit lat. homo m.): 
im Got. dafüi' brüßfaßs m. (-faps stimmt der 
Lautverschiebung gemäß mit gr. iröcic (aus 
*iTÖTic) «Gatte», aind. ^a^?s «HeiT, Gatte», lit., 
patis m. «Ehemann»), Der PI. wird zuweüen 
als Bräutigams (Goethe Götz 1) gebildet. 
Brautlauf, m. (Schiller Teil 4, 3 nach dem 
Schweiz.): Vermählungsfest, Hochzeit. Mhd. 
brütloufm.f., brütlouft m.f.n., ahd. brütlouftm. 
n., brütloufti f.; dazu ags. brydhlop n. anord. 
brüdlaup n., schwed. bröllop n., dän. bryllup n. 
«Hochzeit», ein gemeingerm. Wort, das wohl 
urspr. die feierliche Einholung der Neuver- 
mählten bezeichnet. 

bray, adj. u. adv.: tatkräftig, tüchtig; sitt- 
lich vorwurfsfrei. Aus franz. brave, ital.-span. 
bravo (daher bravo ! als Ausruf, aus der ital. 
Oper stammend) «tapfer, wacker», die wahr- 
scheinlich auf lat. bärbarus «barbarisch», dann 
«wild, unbändig» zumckgehen. Das Wort ist 
in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. auf- 
genommen worden (ndl. schon 1599 bei Kilian), 
und zwar zunächst in der Bed. «tapfer», (1617 
bei Opitz Aristarch 93) auch «ungestüm, un- 
bändig» (z.B. Logau 1,100), dann auch «wacker, 
tüchtig» (vereinzelte Belege aus dem 16. Jh. 
bei Fischer 1, 1376). ABL. brayiereu, v. : 
Trotz bieten, mit Verachtung begegnen. 1615 
bei Albertinus Landstörzer 470 braviren. Aus 
ital. bravare, fi-anz. braver «trotzen». Davon 
Brayäde, f. (PI. -n): Großsprecherei. Aus 
franz. bravade, ital. bravata f. «ig. «Trotz- 



283 



bravo 



Bremse 



284 



bieten». Im 17. Jh. entlehnt. BraTÖur, f.: 
Tapferkeit. Aus dem gleich bed. franz. hra- 
voure f. Bei Wächtler 1711. 

brayo! s. hrav. 

Breche, f. (PI. -n): Werkzeug zum Brechen 
des Flachses oder Hanfes. Mhd. breche f., 
von ^brechen. 

^breclieiijV. (Prät. hrach, Växi. gebrochen): 
sich auseinandertun; entzweigehen oder ma- 
chen; auflösend vernichten. Refl. sich h.: 
sich mit Gewalt zerteilen; aus dem Magen 
durch den Mund gewaltsam von sich geben. 
Mhd. brechen, ahd. brehhan; dazu asächs. hre- 
kan, ndl. breken, ags. h'ecmi, engl, break, 
schwed. (entlehnt) bräcka, dän. bräkke, got. 
brikan. Es stimmt der Lautverschiebung ge- 
mäß mit dem gleichbed. lat. frangere, dessen 
n, wie das Peif. fregi zeigt, Präsensverstärkung 
ist. S. brach, Brocken, Bruch. ZUS. Brech- 
stange, f., 1663 bei Schottel 532. 

"brechen, v. (Prät. &rec/i^e, Fart gebrecht) : 
brechen maich.en(^Flachs,Hanfb)'echen). Früh- 
nhd. (1482 im Voc. theut. e 3^ brechen, flachs- 
prechen), abgeleitet von Breche. 

brechlich, adj. (Claudius 6, 52 u. ö.): 
gebrechlich. Aus dem Ndd., wo mn<l. brekelik 
«gebrechlich». 

-brecht in Eigennamen, eine Nebenform 
von -bert, s. d. 

Bregen, m. {-s)-. Gehirn. Niederdeutsch, 
namentlich in Bregenwurst «Hirnwurst». Aus 
mnd. bregen n., dazu ndl. brein u., ags. brcegen 
n., engl, brain. Man vergleicht gi'. ßp^xMoc 
m. «Vorderkopf» unter Ansatz von *mregh, 
vgl. Osthoff Morph. Unters. 5, 92. 

Brei, m. (-es, PI. -e): dick ge- und zei-- 
kochte Speise. Aus mhd. brie, bri (Gen. brieti, 
spätmhd. auch mit starker Flexion), ahd. brio, 
bri m. ; dazu ndl. brij, ags. brnv m. Die Her- 
kunft läßt sich nicht sicher ermitteln, da ein 
genau entsprechendes Wort in einer andern 
idg. Sprache fehlt. Man kann es zu lat. friäre 
«zerreiben, zerbröckeln» stellen, aber auch 
zur Wz. von lat. frlgo «rösten, dörren ». Da 
neben diesem gr. qppÜYUj in derselben Be- 
deutung steht, also ein Wechsel von i und ü 
vorliegt, so kann man auch brauen, brühen, 
braten heranziehen. Im Nhd. nur- mit starker 
Flexion, doch bayr. mit Eintreten des n der 
schwachen Dekl. in den Nom. Brein. ABL. 
breiig, adj., älternhd. breiicht. 

breit, adj. u. adv.: ausgedehnt im Gegen- 
satz der Länge. Mhd.-ahd. breit; dazu asächs. 
bred, ndl. breed, ags. hräd, engl, broad, anord. 



breidr, schwed.-dän. bred, got. braips. Dunkler 
Herkunft. ABL. Breite, f., mhd. breite, 
•dhd. breiii, dazu got.braideit breiten, v.: 
auseinanderdehnen, mhd.-ahd. breiten; dazu 
asächs. bredian, ags. brcedan, anord. breida, 
schwed. breda, dän. brede, got. h'aidjan. 
Breitling, m.: eine Art Weißfische (1564 
Forer 167*^ ist Breiitele «die Bleie»); eine 
Äpfelart (1517 bei Trochus J6^ breydeling). 

^Bremse, f. (PI. -n)-. die große Stechfliege. 
Älternhd. Breme (auch bei Luther, noch bei 
Adelung und Campe als Bräme erwähnt, 
mundai'tlich obd. und md. erhalten) f., mit 
Wechsel des Geschlechts aus mhd. breme, 
brem m. (selten f., wie andd. bremmia mit 
Umlauts -e, auch brceme ist vorauszusetzen, 
vgl. Schweiz. Id. 5, 605), ahd. bremo m., zu 
brummen, ahd. breman und verwandt mit 
lat. fremere dss., gr. ßp^iuoi «brause», vgl. 
Osthoff Morph. Unters. 5, 93 ff., wonach dann 
Breme s. v. a. «Brummer, Bnimmfliege» aus- 
drückt, vgl. elsäss. Brums. Es kann aber 
auch zu ai. bhramaräs m. «Biene » zu bhrämati 
«er schweift umher» gehören. Die weiter 
abgeleitete Form Bremse stammt aus dem 
Ndd., wo andd. brimissa, dazu ags. brinise f. : 
in ndd.-md. Glossaren des 15. u. 16. Jh. er- 
scheint bremse, bromse (1517 bei Trochus H 5^ 
brom.szen), brumse, während die obd. Wörter- 
bücher die Form noch nicht kennen; 1616 
verzeichnet aber Henisch B. neben Bremme 
und 1663 Schottel neben Bräm Brämse, 
Brömse, Brumse, auch Duez, Krämer haben 
B. (Stieler, Ludwig dagegen nicht). 

^Bremse, f. (PI. -n): Nasenklammer zur 
Bändigung wilder Pferde; Vorrichtung zum 
Hemmen an einem Räderwerke mittelst eines 
Kurbelrades. Älternhd. auch Bremes (Alberus 
Dict, R 3*), Brems n. Spätmhd. bremse f. in 
der 1. Bed., zuinickgehend auf mnd.j^/n/iesef., 
premes n., das mit einer s- Ableitung gebildet 
ist von mnd. -ndl. pra^nen «pressen, klemmen», 
dazu mnd.-mndl. prame f. «Druck, Zwang», 
das weiter mit got. anapraggan «bedrängen», 
Tühd. pfrengen «in die Enge bringen, zwängen» 
verwandt ist. In gleicher Bed. findet sich 
bei Kilian bremer, bei Maaler 1561 bremen. 
Die 2. Bed. zunächst im Bergbau (1673 bei 
Berward Berg-Phrases 13 Brems f., Brems- 
rad, 1556 hei G. Agricol-A prembsschuch «har- 
pago»), im 19. Jh. auf Maschinen und Eisen- 
bahnwagen angewendet. ABL. bremsen, v. 
Spätmhd. (bei N. v. Jeroschin) prempzen (für 
bremsen) «zwängen, bändigen». 



285 



Brenke 



Brett 



286 



Brenke, s. ^Brente. 

brennen, v. (Fr'ä.t.bra7mte, Ysirt. gehrannt) : 
dui'ch Feuer versehren; durch Feuer ver- 
zehren machen; Empfindung wie von Feuer 
mitteilen; von Feuer oder wie von Feuer 
ergriffen sein; flammend oder feuerglänzend 
sein. Mhd.-ahd. h. ist nur Faktitiv; dazu 
and. brennian, mnd. (mit Umstellung des r) 
herneii, ags. (ebenso) hcernan, anord. brenna, 
schwed. bränna, dän. brande, got. brannjan. 
Nhd. b. hat aber auch das Intransitivum 
mhd. brinnen (Prät. bran, Part, gebrunnen), 
ahd. brinnan in sich aufgenommen: dazu 
asächs. brinnan, ags. (mit Umstellung beornan, 
uuurd. brinna (dafür- meist brenna), schwed. 
brinna, got. brinnan. Das zweite n ist präsens- 
bildend und wohl aus iv entstanden, Grund- 
form also *brinwö. Es gehört vielleicht zu 
air. brennini «sprudele» und im letzten Grunde 
(mit w-Infix) auch zu lat. fervere. Vgl. auch 
hörnen. Wäkrend Luther brennen auch als 
Intrans. gebraucht (unter ndd. EinfluJJ, schon 
mnd. ist bernen auch intrans. verwendet, ver- 
einzelt auch md. z. B. Elisabeth2239), findet 
sich sonst im 16. u. 17. Jh. noch oft brinnen, 
namentlich bei Oberdeutschen (yerbrunnen 
Opitz 1, 42, entbran Logau 2, 243, gebrunnen 
2, 69, selbst noch entbronnen bei Goethe 
ew. Jude). Das Prät. von brennen lautet 
bei Luther brandte, Part, gebrand, später 
brannte, gehrannt, daneben aber bis gegen 
Ende des 18. Jh. auch brennte, geh'ennt 
(brennte Wieland 18, 123, verbrennt Bürger 
132, gehrennt Goethe 8, 177). ABL. Brenner, 
m. (-6-, Plur. wie Sg.): der absichtlich Feuers- 
brunst verursacht, mhd. brenncere; der etwas 
brennt, z.B. Branntwein; Hii'schkäfer (Luther 
2. Mos. 8, 21 am Rande), weil er angeblich 
Kohlen auf seinen Hörnern in Gebäude trägt; 
Brand in Getreide, an Pflanzen, Bäumen (auch 
bei Luther); Gegenstand an Beleuchtungskör- 
pern. S. auch brenzeln. ZUS. Brennglas, n., 
bei Stieler 1691. Brennessel, f., bei Brunfels 
1530, mhd. dafür eiterne^^el d.i. «Giftnessel». 
Brennpunkt, m., von Harsdöi-fer gebüdet 
(Mathemat. Erquickstunden 1651 1, 301). 

^Brente, f. (PI. -n): kufenartiges hölzernes 
Gefäß mit niedrigem Kande. S]^ätmhd.brentei. 
(auch um 1480 im Voc. ine. teut. d 2'' hrenten 
oder potung [Bottich], «Faß, Kufe, Maß»), ent- 
lehnt aus ital.-mlat. brenta f. «Art Weinfaß». 
Daneben auch Brenke f. und Brenkel (im Voc. 
ine. teut. c 2^ als * vulgariter» neben Brente) n., 
jetzt am Mittel- und Oberrhein. 



-Brente oder Brinte, f. (PL -n): vier- 
eckiges, aus gerösteten Mandeln und Zucker, 
Mehl und Eiweiß bereitetes Gebäck mit ein- 
gedruckter Figur, in Frankfui-t a. M. An- 
gelehnt an brennen «rösten»; aber in Aachen 
(Müller -Weitz 188) Prent, Print {. «Abdruck 
von Blumen oder Figuren», wie ndl. und engl. 
print, dann Pfeflerkuchen , der eine Figur 

j darstellt, zu a&ch. prente «Leinwand diaicken», 

\ ndl. prenten, engl, print, aus airani. preindre, 
von lat. preniere «drücken». 

brenzeln, v.: nach Breimen schmecken 
oder riechen. 1537 bei Dasjpodius hrentzelen 

\ und hrenselen, das Dimin.von älternhd. brenzen 

{ (1664 bei Duez), das von brennen gebildet 

I ist. Daneben bei Stieler 1691 brinzelen. 
ABL. brenzlich, adj. u. adv.: dem Gerüche, 
Geschmack nach angebrannt. Bei Stieler 1691 
hrenzeliclit und hrinzelicht. 

Bresche, f. (PI. -n) -. gewaltsamer Mauer- 

j oder Walibruch einer Befestigung. Aus franz. 

I breche f. «Bruch, Lücke, Scharte», das auf 
ahd. -hrehlia in mürbrehha f. «Mauerbrecher» 
zui'ückgeht. 1617 bei Wallhausen Cox-p. mil. 
189 (vgl. auch Gombert 6, 21); daneben im 

I 17. Jh. Presse f. 

1 Brestel, f.: Erdbeere (Rückert Ges. Ged. 
4, 301). Schwäbisch Bröstel f. und Bräst- 

I ling m.., spätmhd. bresteling «Gartenerdbeere» 
1616 bei Henisch Breßling «weiße Erdbeere»; 

j bei Schmeller- 1, 46 Pröhstling m. «große 
Erdbeere». 

bresthaft, adj.: mit Leibesgebrechen be- 
haftet. Auch preßhaft (s. d.). Mhd. bresthaft 
«mangelhaft», gebüdet von mhd. brest m. 
«Mangel», das auf mhd. bresten «gebrechen» 
beruht. Vgl. Geh esten. 

Brett, n. (-es, PI. -er) : aus einem Baum- 
stamm geschnittenes Holz, das mehr breit 

, als dick ist; Tisch (in den Redensarten: 
ans B. kommen, hoch am Brett sein); Brett- 
spiel (daher die Redensart einen Stein im B. 
haben, d. h. zu seinem Vorteil). Mhd.-ahd. 

I bretn.; dazu ags. bred n., dän. (entlehnt) brcet. 

i Von gleicher Wurzel, nur mit andrer Ab- 
lautsstufe gebildet, -Bord (s. d.). Daneben 
mit Dehnung des Vokals Bret (Goethe Tasso 
3199. 12, 93. Schiller 11, 362. Wall. Lager 
1036 im Reim); die Form ist früher nament- 
lich bei Mitteldeutschen sehr häufig und 
findet sich bei Stieler, Rädlein, Steinbach, 
Adelung angegeben, dagegen hat Luther 
Bret, aber Bretter, die südd. Wörterbücher 
Brett und im 18. Jh. wird diese Form auch 



287 



BreTC 



Brille 



288 



verlangt von Frey er 1737, Gottsched Sprachk. 
^^240 und Heynatz, bei Campe erscheint sie 
als die herrschende. ABL. 'bretteln (Schiller 
Eäuber 2, 3): den langen Puff spielen, bret- 
tern, adj., spätmhd. bretenn (Germ. 28, 361 
von 1432), bei Luther (2. Kön. 4, 10) hrettern 
und (Sir. 29, 29) hretern. ZUS. Brettspiel, 
n., mhd. hretspü n. 

Breve, n. (s, PI. -n und -s): minder 
förmhcher päpstlicher Erlaß. Im 15. Jh. i 
aus mlat. hreve «kurzes Schreiben», besonders | 
«ein päpstliches», dem als Subst. gesetzten! 
N. des lat. Adj. brevis «kurz». Vgl. Brief. \ 

Brevier, n. (-s, PI. -e): Betformelbuch i 
des katholischen Geistlichen. Im 15. Jh. 
hreviere n., aus lat. hreviärmni n., eig. «kurzes 
Verzeichnis», dem als Subst. gesetzten N. 
des lat. Adj. breviärius «kurz gefaßt», ab- 
geleitet von dem auf lat. brevis «kurz» zu- 
mckgehenden lat. breviäre «kurz fassen». 

Brezel, f., Prezel, Bretzel (PI. -n): Back- 
werk in der Gestalt zweier armartig zueinander 
geschlungenen länglichen Ringe. Mhd. brezel 
(auch gedehnt brcezel?), p-ezel, ahd. p-icella f., 
daneben auch breze f. (daher bayr. die Bretzen, 
Schwab. Bretz, Brefzg) und broßzte, ahd. 
brezita, precita f. (daher schwäb. die Bretzet, 
Bretzget), sowie ahd. prezitella f. (daher elsäss. 
die Brettstell). Zugi-unde liegt lat. bracMolum 
n. «Ärmchen», Demin. zu brachium n. «Arm», 
das im Mlat. zu bracellimi, sowie bracitum 
und bracitellum (vgl. ital. bracciatello m. 
«Brezel», franz. brechetelles PI.) umgebildet 
worden sein muß. Xeben Bretzel steht mit 
langem e Brezel, wie von Heynatz Handb. 
und Adelung verlangt wird, außerdem nordd. 
mit anlaut. p Bretzel (so von Freyer 381 
verlangt), Prezel. Südd. und westmd. nur 
mit kurzem Vokal. 

Bricke, f. (PI. -n) -. Art Neunauge. Auch 
Pricke. Aus dem Ndd., wo mnd. pricke f., 
dann auch 1469 im mrhein. Voc. ex quo 
pryecke «cirtis», 1475 im Teuth. pryeke, ndl. 
prik m. Dunklen Ursprungs. 

Brief, m. {-es, PI. -e): schi-iftliche Ur- 
kunde; Zuschrift; zusammengefaltetes Papier- 
blatt. Mhd. brief (Gen. brieves) «Brief, Ur- 
kunde», überhaupt «Geschriebenes», ahd. brief, 
briaf, mit einem (aus lat. e hervorgegangenen) 
ie aus lat. breve n. (s. Breve). Entsprechend 
ndl.briefm., anord. brefw. «Urkunde», schwed. 
bref, dän. brev n. ABL. brieflich, adj. u. 
adv,: mittelst eines Briefes. Ahd. brief lih 
«in Form einer Urkunde, eines Schriftstückes» 



(ebenso 1616 bei Henisch), in der jetzigen 
Bed. aber erst im 18. Jh. Briefschaften, 
PI.: mehrere Briefe oder Schreiben. Bei 
Frisch 1712. ZUS. Briefsteller, m.: der 

Briefe entwirft (bei Stieler 1691); Anweisung 
zum Briefschreiben (Volck v. Wertheim der 
auf neue Manier abgefaßte und allezeit fertige 
Briefsteller 1722). Brieftasche, f., 1491 
im Voc. renim e5". Briefträger, m., mhd. 
brieftreger, m. Briefwechsel, m.: Aus- 
tausch von Briefen. 1644 bei Harsdörffer 
Gespr. Bd. 1, Schutzschrift S. 22. 

Bries, s. Brös-chen. 

Brigade, f. (PI. -n): gi-ößere, von einem 
besondera Generale befehligte Heeresabteilung 
von zwei Regimentern (so zuerst in Gustav 
Adolfs Heer). Aus franz. brigade f. und dies 
aus ital. brigata f., eig. «Gesellschaft», dann 
«Trupp, Rotte, Heerschar», gebildet von ital. 
brigaf. «Zank, Streit, Ungelegenheit, Mühe», 
brigare «zanken, streiten, eifrig streben, 
woraufhin bemüht sein». Zur Zeit des 
30jährigen Krieges entlehnt (Gombert 6, 22 
vom J. 1639). 

Brigänt, m. {en, PI. -en), s. d. folg. 

Brigantine, f. (PI. -n): leichtes Schnell-, 
Jagdschiff. Aus ndl. brigantine (1599 bei 
Kilian), engl, brigantine, franz. brigantin, zu- 
rückgehend auf ital. brigantino m., urspr. 
wohl «Raubschiff», von ital. brigante (daraus 
franz. brigand m.) «unruhiger, gefährlicher 
Mensch, Räuber», das im 18. Jh. ins Deutsche 
entlehnt wurde, Part. Prät. von brigare (s. 
Brigade). Im 16. Jh. entlehnt (1596 bei 
Fronsperger Kriegsb. 1, 128^ die Bergandten, 
1, 135^ Bergantin, 1567 bei Schmidel Reis. 
55, 12 Bergentinschißein). 

Brigg, f. (PI. -s): zweimastiges Kriegs- 
und Lastschiff. Aus dem gleichbed. dän.- 
schwed. brigg m., engl, brig, das aus brigantine 
gekürzt ist. 

brillant, adj. u. adv.: glänzend; prächtig, 
ausgezeichnet. Als Subst. Brillant, m. [-en, 
PI. -en) : eckig geschliffener Edelstein, Glanz- 
edelstein. Aus dem franz. Adj. brillant, eig. 
Part. Prät. von briller, ital. brillare «glänzen, 
funkeln», von gr.-lat. beryllus (s. auch Brille), 
dem Namen eines Edelsteines, dessen Glanz 
und Durchsichtigkeit gerühmt wurde, gr. 
ßrjpuWoc m. f. «ein meergrüner indischer 
Edelstein». Das Adj. und das Subst. 1717 bei 
Nehi'ing. 

Brille, f. (PI. -n)-. verbundene Sehgläser 
füi" beide Augen. Älternhd. bis ins 17. Jh. 



289 



Brimborium 



Brodem 



290 



(z. B. Schupp 1, 72) und noch jetzt mund- 
artlich auch Brill m. Brille f. ist aus dem 
PI. hervorgegangen und kommt schon seit 
dem 15. Jh. (auch bei Luther neben dem M.) 
vor. Mhd. herüle, harille m., im 15. Jh. auch 
hriUe, hrül, ist zunächst der Name eines 
durchsichtigen Edelsteines (s. Beryll und 
brillant). Dazu ndl. bril m. ZUS. Brillen- 
schlange, f.: giftige Schlange mit brülen- 
ähnlicher Zeichnung auf dem Halse. Bei 
Adelung 1774. 

Brimborium, n. (s, PI. -s) -. nichtswerte 
Kleinigkeit, Lappalie (Goethe Faust 2650). 
^lit latinisierter Endung aus dem gleichbed. 
franz. hritnhorion m., nach Hatzfeld-Darmsteter 
Umbildung von lat. breviärium, s. Brevier. 

bringen, v. (Prät. brachte, Part, gebracht) : 
von einem Orte zum andern schaffen, an 
einen Ort tragen oder führen. Mhd. bringen 
(Prät. auch stark branc, PI. brungen, Part. 
gebrungen, häufiger Prät. brähte, Part, bräht). 
ahd. bringan: dazu asächs.bringan, ags.bringan 
(Prät. brang und bröhfe), engl, bring, schwed. 
(entlehnt) bringa, dän. bringe, got. briggan 
(Prät. brähtd). Daneben mit abweichender 
Präsensbildung asächs. brengian, ags. brengan, 
ndl. brengen, auch md. bis in die nhd. Zeit ' 
brengen, von dem das schwache Pi-ät. (got. 
brähta aus *branhta) ausgegangen zu sein \ 
scheint. Zu kymr. he-brwng «herbeibringen», ; 
he-bryngiad «der Herbeiführer», körn, hem- i 
bronk «er wird herbeibringen». Nach Brug- 
mann Idg. Forsch. 12, 154 eine Vermischung 
der Wurzeln idg. bher «tragen», lat. fero, 
gr. qpepiu, got. bairan und enk, gr. ^verKeTv 
«bringen». Das Part. Prät. lautet bei Luther ' 
und noch sehr häufig im 17. Jh. bracht (doch ' 
verlangt Schottel gebracht), dann auch wieder 
bei Kückert 1, 541. 

Brink, m. (-es, PI. -e): erhöhter Gras- 
platz; Grasrain; feuchte Stelle auf einer ^ 
Wiese. Aus dem Xdd., wo mnd. brink m. 
«grasiger Hügel», überhaupt «Hügel, Gras- 
platz, Grasrain»; dazu engl, fcn'wft «äußerster 
Kand, Ufer», schwed. (entlehnt) brink m. 
«steiler Berg», dän. brink «sanft angehender 
Hügel», anord. (mit Assimilation des n an k) 
brekka f. «Hügel» neben bringa f. «gi-asiger j 
Hügel». Da br auf vir zuräckgehen und j 
der Nasal eingeschoben sein kann, läßt sich 
gall. brogae «Acker», Ällobroges, ir. mruig, ! 
bruig «Mark, Landschaft» und mit Ablaut 
lat. rnargo «Rand», d. Mark «Grenze» ver- j 
gleichen, vgl. Walde s. v. Anders Wiede- ! 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



mann Bezz. Btr. 27, 231. Verwandt ist noch 
Brunkel (s. d.). Goethe gebraucht die Foi-m 
Brinken (in Sandbrinken). ZUS. Brink- 
sitzer, m.: Angerhäusler, Halbbauer, Hinter- 
sasse. Aus nd. Brinksitter m. In gleicher 
Bed. Brinkköter, Brinklieger, Brinksasse. 

Brise, f. (PI. -n): kühler (Nord)wind. 
Aus dem gleichbed. franz. biise, span. brisa f., 
ital. brizza, engl, breeze, deren Herkunft un- 
sicher ist. Moderne Entlehnung. 

Brite, m. {-n, PI. -n): Einwohner Eng- 
lands. JIhd. Britte, ahd. Pretto, aus lat. 
Brito, Britto und diese aus dem Keltischen, 
kymrisch Pnjdain, selten Bryt oder Brydein, 
Stammesname, davon das Adj. britisch, 
englisch. ABL. britten, v. : die Engländer 
nachahmen (Goethe 6, 110), dafüi- im 18. Jh. 
auch brittenzen. 

Britsche, f., s. Pritsche. 

Brocke,! (Lessing 1,. 394), meistBrocken, 
m. (-S, PI. wie Sg.): abgebrochenes dickeres 
Stück. Aus mhd. brocke (Gen. brocken), ahd. 
broccho m. , dazu ndl. brok m., mit Ablaut 
zu brechen gebildet. Im Got. das gleichbed. 
gabruka f. An Stelle der schwachen Flexion 
im Mhd. jetzt starke, doch Nom. Sg. älternhd. 
noch Brocke, Brock. ABL. brocken, v.: 
Ln Brocken brechen. Mhd. brocken, ahd. 
brocchön. Davon die dimin. Bildung bröckeln, 
V.: zu kleinen Brocken brechen (bei Frisch 
1712), mit dem Adj. bröckelig, älternhd. 
bröckelicht (1616 bei Henisch bröcklet). 

Brod, s. Brot. 

brodeln, bru (lein (Wieland 19, 362), auch 
prudeln (Goethe Faust 5255 j v.: kochend auf- 
wallen: langsam kochen (intrans.). Aus mhd, 
brodelen, brudelen, das zu spätmhd. (noch jetzt 
hayr.) prod n., ahi.prod, protn. «Brühe», früh- 
nhd. brod «aufsteigende Wasserblase» (1429 hb. 
ord. rerum Bl. 3*) gehört, dazu ags. brodn. 
«Brühe», engl, broth «Fleischbrühe». Ahd. 
prod entspricht ziemlich genau lat. defrntum 
«der eingekochte Most, Mostsaft», thrak. 
ßpöToc, ßpüTov «eine Art Gerstenbier» und 
gehört wohl zu der unter brauen bespro- 
chenen Sippe. B. kann aber auch mit Sprudel, 
sprudeln verwandt sein (vgl. Siebs Kuhns 
Zeitschr. 37, 307), wie denn auch im 17. Jh. 
Brudel als «Sprudel» vorkommt. Ablautend 
schließt sich dann Schweiz, bradle «wallen, 
schmatzen, schwätzen» an. 

Brodem, auch Brodeu, m. (-5, PI. wie 

Sg.): dicker Dunst aus heißer, kochender 
Flüssigkeit; dicker Dunst überhaupt. Die 

19 



291 



Brokat 



Bruch 



292 



Form Broden mit Schwächung des -em zu 
-en auch bei Goethe 1, 214. Nat. Tochter 
1985 u. ö. Mit Verwandlung des ä in 5 
(doch wird Braäem noch 1722 von Freyer 
S. 268 verlangt) aus mhd. brädem «Dunst», 
ahd. hrädam m, «Hauch, Hitze». Verwandt 
ist zunächst ags. brced f. «Dunst, Hauch», 
engl, hreath «Atem» und weiter braten (s. d.). 
ABL. bradmen, v.: dick dunsten, mhd. 
brädmen, ahd. hrädamon. 

Brokat, m. {-es, PI. -e): mit Gold- und 
Silberblumen durchwirktes schweres Seiden- 
zeug. Aus ital. broccato m. (daher franz. 
brocat, brocart m.) von broccare, franz. 
hrocher «stechen, sticken», das auf ital. hrocca, 
iranz. brocke f. «Spieß, hölzerne Nadel, Stick- 
nadel» zurückgeht. 1717 bei Nehring Brocat, 
1721 bei Jablonski Broccat. ABL. Bro- 
katen, adj. 

Brombeere, f. (PI. -w): schwarzblaue 
Frucht des Brombeerstrauches ; dieser Strauch 
selbst, rubus fruticosus. 1537 bei Dasypodius 
Bromheer. Mit Verwandlung des ä in (später 
gekürztes) o aus inhä.bräniber N.Pl. (s. Beere), 
ahd. brämberi «Beere des Brombeerstrauches 
(mhd. bräme m., ahd. bränio m. und bräma f., 
die auch überhaupt «Dornstrauch» bedeuten, 
dazu ndl. braam m. und mit weiterer Ab- 
leitung ags. bremel m., engl, bramhle «Brom- 
beerstrauch»). Vgl. auch Bram. 

Bronnen, Bronn, m. {-s, PI. Bronnen): 
wie Brunnen. In der Dichtersprache seit 
dem Ende des 18. Jh. gebraucht: die Laut- 
entwicklung wie bei Sonne mhd. sunne, ge- 
ronnen mhd. germinen. 

Bronze, f. (PI. -n): bräunliche Metall- 
mischung aus Messing, Zinn und vornehm- 
lich Kupfer; Kunstwerk aus Bronze. Aus 
franz. bronze und dies aus ital. bronzo m., 
das man auf aes Brundisium d. h. Erz aus 
Brindisi, dessen Metallarbeiten berühmt waren, 
zurückführt. Vgl. Berthelot Revue archeo- 
logique 1888, 294, Schrader Reallexikon 203. 
Im Anfang des 18. Jh. entlehnt (1734 bei 
Wolff math. Lex.). 

Brosam, m. {-es, PI. -e), Brosame, f. 

(PI. -n): das inwendige Weiche vom Brote. 
Obd. und dichterisch, fast nur im PI. (das 
M. Brosam von Klopstock u. a. gebraucht). 
Mhd. hrosme (die mundartlichen Formen er- 
weisen langes ö), ahd. hrosania, hrösma f., 
dazu asächs. brosmo m. «Brocken». Zu ags. 
brysan «zen-eiben», brosnian «gebrochen wer- 
den», also eig. «Bröckchen» und weiter zu 



lat. frustuni n. «ein Brocken, Stückchen, 
Bissen», s. Walde s. v. 

Brosche, f. (PI. -n): Vorstecknadel. Aus 
franz. brocke f. «Spieß, Nadel» (s. Brokat). 
Moderne Entlehnung. — hrOSChieren, v.: 
ein Buch nur heften. Aus franz. hrocker 
«stechen, durchstechen». ABL. Broschüre, 
f. (PI. -n): bloß geheftetes Buch mit Um- 
schlag; Schrift von einem oder wenigen Bogen. 
Beide gegen Ende des 18. Jh. entlehnt. 

Brös-chen, n. (-s, PI. wie Sg.): Bmst- 
drüse des Rindes, Kalbes, Lammes. Aus 
dem Md., dafür schwäb. Brüsle, bayr. Brüsel, 
Briesel n., auch nur Bries und verkleinernd 
Bries-cken. Vgl. auch die gleichbed. dän. 
hrissel, schwed. bress in kalvhress. Falls u 
der ursprüngliche Vokal ist, vielleicht mit 
Brosame zu ags. brysan nach dem bröckeUgen 
Aussehen der Drüse. 

Bröselein, n. (Goethe 1, 178. Faust 9592) : 
Brotbröckchen. Aus dem Obd. (1616 bei 
Henisch Brösele), das Dim. zu Brosame, mhd. 
brosemlin n., bei Luther Brosemlen. bröseln, 
V. : bröckeln. Schon im 16. Jh. 

Brot, u. (-es, PI. -e): der aus Mehl und 
Wasser bereitete und gebackene Teig als 
tägliches Nahrungsmittel des Menschen ; (bild- 
lich) Nahrungsbedarf, Nahningspflege; Bienen- 
brot (s. d.). Auch häufig Brod geschrieben; 
das d kann aus westmd. u. ndd. Mundarten 
erklärt werden, beruht aber vielleicht auch 
auf grammatischem Wechsel. Luther hat 
Brot, was auch sonst im Älternhd. über- 
wiegt (doch Brod 1540 bei Alberas Dict.^: 
Brod steht bei Rädlein, Frisch und dann 
bei Adelung, bei andern Brodt. Mhd. brof, 
ahd. hröt, hrötk n.; dazu asächs. hröd, ndl. 
brood, ags. bread, engl, bread, anord. braud, 
schwed.-dän. hröd n., im Got. dafür klaifs 
(s. Laib). WahrscheinUch zu brauen (s. d.) 
zu stellen und im Ablaut zu dem unter 
brodeln besprochenen Brod stehend. ZUS. 
brotlos, adj., bei Henisch 1616. Brotneid, 
m., bei Adelung 1793. 

brotzeln, s. brutzeln. 

Broyhan, m. {-s, PI. -e): Art Weißbier, 
aus Weizen gebraut. Angeblich von Kurt 
Broykakn oder Brnkan 1526 in Hannover 
erfunden. Fischart Garg. 86 führt Brükan 
als ein werdisches Bier auf. 

brr! Interj., Laut zum Stillstehen der 
Pferde ; Laut , des Schauders. 

^ Bruch, m. {-es, PI. Brücke): Handlung 
des Brechens: Gebrochensein: Stelle, wo et- 



293 



Bruch 



brüllen 



294 



was gebrochen ist; Abgebrochenes; Teil eines 
Zahlenganzen (schon 1514 bei Böschensteyn). 
Mhd. bruch, ahd. brüh m., zu brechen. ABL. 
brüchig:, adj., mhd. brüchic. 

■Bruch (mit ü), n., häufiger m. (-es), PI. Bril- 
cher und Brüche) : Sumpfboden ; Sumpfwiese. 
Mhd.bruochn. m., ahd. bruohn., dazu mnd. brök 
n., ndl. broek f., ags. bröc «Bach, Gießbach», 
engl.brook «Bach». Dunkler Herkunft; kaum 
zu brechen, als Ort wo Wasser hei-vorbricht 
oder zu brack (s. d,). Redensart: in die 
Brüche gehen «verloren gehen», eig. «in den 
Sumpf geraten» (vgl. in die Pilze gehen). 
ABL. bruchig, adj., spätmhd. bruochig und 
bruochehf. 

■^ Bruch (mit ?7), f., auch n. (PI. Brüche): 
Art Hosen. Nur noch mimdartlich (Schweiz). 
Mhd. h'uoch f. n., ahd. bruohha f. und bmoh n. ; 
dazu mnd. brök, ndl. broek, ags. bröc f., engl. 
breeches -{ein ¥1.), ariord. brök f., schwed. brok, 
dän. brog «Hose». Dazu ags. brec «Steiß». 
Übereinstimmend mit gall.-lat. bräca f. «Hose», 
afranz. braies, ital. brache PL, das wahrschein- 
lich auf das deutsche Wort zuriickgeht. 
Weiter vergleicht Schrader ZfdW. 1, 238 
lat. suffrägines «Hinterbug der Tiere», so 
daß die Bedeutimg des ags. Wortes am ui-- 
sprünglichsten wäre. Unsicher. 

Brüche, f. (PI. -n)-. Vergehen (Gesetzes- 
bruch); Buße in Geld dafür. Nach dem 
ndd. bröke f., mnd. broke m. (bei J. Moser 
Brüchte m.) «Vergehen, Geldstrafe dafür», das 
zu ^Bruch gehört. Bei Schottel 1663 bruchig. 
brüchig, s. ^Brvch. 

Bruchstück, n. Als Verdeutschung des 
lat. fragmentum in den ersten Jahrzehnten 
des 17. Jh. aufgekommen; schon bei Duez 1642. 

Brücke, f. (PI. -w): über einen Fluß, 
Graben oder eine Schlucht gebauter Weg 
von Holz oder Stein. ]VIhd. brugge, brücke 
und brügge, brücke, ahd. brucka f.: dazu ndl. 
brug, ags. brycg, engl, bridge, anord. hryggja 
«Landungsbrücke, Hafendamm», schwed. 
brygga f., dän. brygge «Bräcke». Im Nord, 
existiert außerdem eine Form ohne Guttural 
anord. brü f. «Brücke», schwed.-dän. bro. Diese 
ist zu abg. brfwi «Brücke, Augenbraue» zu 
stellen, wozu weiter gr. öq)püc m. «Augen- 
braue», und führt auf eine Grundform *brmvi-; 
die Form mit Guttural (got. "^In-ugja) hat 
sich aus dieser entwickelt. Das Wort ist 
also mit «Braue» zu verbinden, wobei aller- 
dings die Bedeutungsentwicklung nicht klar ist. 
Oder es ist als Grundbed. nach dem verwandten 



Schweiz, brügi (brnge bei Maaler 1561) «er- 
höhter Bretterboden, Brettergerüst», die von 
«hölzernes Gerast» anzunehmen (obd. Brück 
auch «breite Liegestatt von Brettern am Ofen, 
Gestell» u. dgl.), vgl. noch Prügel. ABL. 
brücken, v.: eine Brücke oder als Brücke 
bereiten; mit einer Briicke versehen. Mhd. 
brücken, ahd. bnickon; ags. brycgian ist 
«pflastern». 

brudelu, s. brodeln. 

Bruder, m. (s, PI. Brüder): Person 
männlichen Geschlechts, die mit einer andern 
dieselben Eltern oder denselben Vater, die- 
selbe Mutter hat; Person gleichen Amtes oder 
Ordens. Mhd. bruoder (PI. bruoder, erst spät 
brüeder), ahd. bruodar: dazu asächs. bröthar, 
ndl. broede^; ags. brödor, engl, brother, anord. 
bröthir, schwed.-dän. broder, bror m. Über- 
einstimmend mit lat. fräfer, gr. qppdxuup (Mit- 
glied eines Geschlechts), ir. bräthir, aind. 
bhrätä, abg. bratü, lit. bröterelis, arm. eibair 
m. Neben der starken Flexion findet sich 
älternhd. auch die schwache, noch häufig bei 
den Dichtern der schlesischen Schule. ABL. 
brüderlich, adj. u. adv., mhd. bruoderlich. 
brüederlich, ahd. bruodarlih; dazu Brüder- 
lichkeit, f., 1778 bei Lavater Aussichten 4, 
22. Brüderschaft, f. Altemhd. (vom Sing, 
gebildet) Bruderschaft , mhd. bruoder Schaft, 
ahd. bruodar scafi., dazu asächs. bröderskepi m. 

Brühe, f. (PI. -n): zusammengesetzte 
Flüssigkeit, besonders gekochte. Mhd. h'üeje f. 
Von brühen, v.: mit heißer Flüssigkeit be- 
gießen, daß sie einbrennt: (älternhd.) bi-üten 
(bei Luther ausbrüen «ausbrüten» Hiob 39, 
14, auch bei Alberus Dict. Wa2^ und HH 2''). 
Mhd. brüejen, brüen «mit heißem sengen»: 
dazu ndl. broeijen «erwärmen, brüten». Ver- 
wandt mit braten (a. d.), Brodem und brauen. 
S. auch Brut. 

Brühl, m. (-es, PI. -e): mit Gras und 
Büschen bewachsene tiefe Fläche; bebüschte 
tiefe, nasse Sumpfwiese: Sumpf lache. Mhd. 
brüel, ahd. pruil, proil m., dazu mnl. proiel 
«Tiergarten». Aus dem Romanischen, wo ital. 
broglio m. «Küchengarten», prov. bruelh, franz. 
breuil m. «Gebüsch», mlat. broilus, brogilus 
«umzäuntes Gebüsch oder Baumstück, Wäld- 
chen», die wahrscheinlich aus dem Keltischen 
(vgl. breton. bro «Gegend») stammen. 

brüllen, v. : erschütternd schreien, in 
tiefem Ton erschütternd schallen. Mhd. 
brüelen, daher auch älterahd.-obd. brülen und 
noch jetzt mundartlich: im Ablaut zu dialek- 

19* 



295 



brummen 



Brtisch 



296 



tischem hrallen «schi-eien» (s. prahlen) stehend.. 
Die Form mit kurzem ü stammt aus dem 
Md. (1470 in Diefenbachs mlat.-hochd.-böbm. 
Wb. Sp. 186 prüllen, 1482 im Voc. theut. t3* 
prullen, bei Luther hrUllen), dazu ndl. brüllen. 
Nach Bugge Btr. 21, 421 zu lit. Uiäuju 
«brüllen», indem r aus l durch Dissimilation 
entstanden ist. 

brummen, v.: dumpfen Ton von sich 
geben; (in der neuern Umgangssprache) im 
Gefängnis sitzen. Mhd. brummen, dazu ndl. 
bromnien, das zu dem starken V, mhd. brimmen 
(Prät. brani, Part, gebrummen) gehört, zu 
dem es urspr. nur eine abweichende Präsens- 
bildung darstellt, weiter auch zu dem ein- 
faches m zeigenden mhd. bremen, ahd. breman 
«brummen, bmllen» (s. ^Bremse). Man ver- 
gleicht damit lat. fremere «bi-ummen, dumpf 
tönen», gr. ßp^ineiv «dumpf, hohl tönen, 
rauschen», ai. marmaras «rauschend», indem 
man mr als Anlaut annimmt. Vgl. Osthoff 
Morph. Unters. 5, 93 ff. S. auch Bnmft ABL. 
brummein, v., frühnhd. brumlen. brum- 
mig, adj., .1691 bei Stieler fcrMmmicM ZUS. 
Brummeisen, n.: die Maultrommel. Bei 
Eädlein 1711. 

Brunelle, f. (PI. -n): Braunwurz oder 
Gottheil, ein Heilmittel, namentlich gegen 
die Bräune. Spätmhd. brunelle aus franz. 
brunelle f., von ital.-span. bruno, franz. brun 
«braun». 

brünett, adj.: braunhaarig, eig. bräun- 
lich. Substantiviert Brünette, f. (PI. -n): 
Braune, Bräunliche von Gesichtsfarbe und 
Haar. Aus dem franz. brunet (F. brünette), 
ital. brunetto, das mit Diminutivendung ab- 
geleitet ist von franz. brun, ital. bruno «braun». 
In der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt (1646 
bei Moscherosch Philander 2, 208 Brünette). 

Brunft, f.: Äußerung des Begattungs- 
triebes beim Rot- und Schwarzwilde. Mhd. 
brunft f. «Bninstzeit des Hirsches» (ein an- 
dres brunft «Brand» gehört zu brennen). 
Mit Entwicklung eines f (vgl. Zunft, Kunft, 
Vernunft) zu dem unter brutmnen erwähnten 
mhd. brenien, ahd. breman «brummen, brüllen», 
hier vom verlangenden lauten Schreien des 
Wildes zu verstehen. ABL. brunften, v.: 
den Begattungstrieb äußern. 

Brunkel, m. n. (-s): wässeriges Gelände 
mit Graswuchs. In Hessen, am Rhein, im 
Elsaß. Verwandt mit Brink (s. d.). 

Brunn, m. {-es, PI. -en), meist Brunnen, 
m. (-S, PI. wie Sg.): aussprudelnde, zutage 



kommendeQuelle;Quellwasser;Behälter, worin 
sich ausbrechendes Quell wasser sammelt; Harn. 
Mhd. brunne (Gen. brunnen), ahd. brunno m.; 
dazu asächs. brunno, ags. (mit Umstellung 
des r) burna, got. brunna m. Vgl. auch Born. 
Wohl zu brennen zu stellen, als «das Wal- 
lende, Siedende» (vgl. mhd. sot m. «Brunnen», 
zu sieden), oder wurzelverwandt mit gr. 
qpp^ap, Gen. qppdaroc «Brunnen», aus *qppeFap. 
Das urspr. schwache M. hat sich früJmhd. 
in Brunn, Gen. Brunns und Brunn, Brunne, 
Gen. Brunnen geteilt, Luther hat übei-wiegend 
die starken Formen (auch mit dem PI. Brünne), 
seltener die schwachen (im PI. als Mischform 
auch Brünnen). Sonst überwiegt älternhd. 
Brunn, Gen. Brunnen oder Brunnens, in den 
andern Kasus Brunnen; die Form Brunnen 
im Nom. Sg. dringt erst im 18. Jh. durch 
und ist bei Adelung allein angegeben. Jetzt 
ist Brunn, Gen. Brunns (aber im PI. nur 
Brunnen) fast nur poetische Form. ZUS. 
Brunnquell, m. {-s, PI. -en): QueU, woraus 
ein Brunn entsteht; (bildlich) Ursprung. Da- 
für spätmhd. brunnenquelle, bei Luther brunne- 
quelle f., dagegen um 1480 im Voc. ine. teut. 
cd^ brunquel «scaturigo». 

Brünne, f. (PI. -n): Harnisch, Im 19. Jh. 
wieder aufgenommen aus mhd. brünne, brünje, 
brünege, ahd. brunna, brunnia f.; dazu ags. 
(mit Umstellung des r) byrne, anord. brynja, 
got. brunjö f. Wahrscheinlich aus air. bruinne 
«BiTist» entlehnt. 

Bruno, Mannsname. Ahd. Bruno «der 
Braune», das schwach dekl. Mask. des Adj. 
braun (s. d.), 

Brunst, f. (PL Brünste) : großes verzehren- 
des Feuer; innere Glut, Hitze im Menschen; 
Heftigkeit des Geschlechtstriebes. Mhd.-ahd. 
brunst f.; dazu ndl. bronst, got. (nur in Zu- 
sammensetzung) -brunsts f. Zu brennen mit 
Entwicklung eines inneren s (vgl. Grinst, 
Kunst). ABL. brünstig, adj. u. adv., mhd. 
brünstec. 

brunzen, v.: den Harn gehen lassen. 
Nur noch südd. Mhd. brunzen aus älterm 
brunnezen, einer verstärkenden Ableitung von 
mhd. brunnen «harnen», von brunne m., hier 
in der Bed. «Wasser, Harn». 

Brüsch, m. {-es, PL -e): der Mäusedorn, 
ruscus aculeatus. Spätmhd. brüsch, aus franz. 
brusc, ital.-span. brusco ro., die wohl mit vor- 
gesetztem b (vielleicht unter Einwirkung von 
lat. biniscus, bruscum, s. unter brüsk) neben 
ital.-span. rusco m. aus dem lat. Namen rus- 



297 



brüsk 



Bnbe 



298 



cum n. neben ruscus f. hervorgegangen sind 
(andre denken an Zusammenhang mit anord. 
bniskr m. «Haarbüschel»), 

brüsk, adj. u. adv.: barsch, heftig, rück- 
sichtslos. Aus dem gleichbed. franz. hrusque, 
ital. hrusco, die auf ein lat. Adj. hniscv.s 
«knollig» zurückgeführt werden, das aus hrus- 
cum n. «schwammiger Auswuchs am Ahorn- 
baum» erschlossen wird. Bei Sperander 1728 
h~usque. 

Brust, f. (PI. Brüste): Vorderteil des 
Leibes vom Halse bis zum Magen; die Milch- 
drüse der Frau. Mhd.-ahd. b)~ust f.; dazu 
mnd. hurst, borst, ndl. hörst f., got. hnists f. 
PI. (nait konsonantischer Flexion). Femer mit 
andrer Ablautform asächs. hreost, ags. breost 
n., engl, breast, anord. brjöst, schwed. hröst, 
dän. hryst n. Das Wort scheint urspr. die 
Form eines Duals gehabt zu haben. Her- 
kunft unsicher; häufig, aber kaum richtig, 
stellt man Brust zu mhd. brieten «an- 
schwellen, knospen», ags. breotan, anord. brjöta 
«brechen», asächs. &rasftan «knospen», Grund- 
bed. danach «die schwellend Yorbrechende». 
Eher ist air. brü, Gen. bronn (aus *brusö) 
«Bug», bruinne «Brust» vei-wandt. ABL. 
brüsten, refl. v.: eig. die Brust vorstrecken, 
dann (wie «sich in die Brust werfen») stolz 
tun. Mhd. sich brüsten, brüstig, adj. in 
eng-, hoch-, vollbrüstig. Brüstung, f.: bis 
zur Brust reichende Schutzwand. Erst bei 
Adelung 1774. ZUS. Brustbild, n.: Bild 
bis zur Brust, 1557 bei Sleidanus übers, v. 
Stamler 202». Brustfleck, m.: Brustleder, 
Schurzfell. Ahd. brustflech m. «ein die Brust 
bedeckendes priesterliches Gewand», mhd. 
nicht zu belegen, dann bei Henisch 1616 im 
jetzigen Sinn. Brustkern, m.: der stoff- 
haltige, ausgesuchteste Teil an der Brust des 
geschlachteten Rindviehes. Bei Henisch 1616. 
Brustwehr, f.: Schutzwehr, die den Mann 
bis über die Brust, also bis an die Zähne 
deckt. Mhd. brustwer f. n., ahd. brustweri f., 
zusammenges. mit Wehr (s. d.). 

Brut, f. : Hitze zur Ausbildung des Jungen 
im Eie, dann das belebende Sitzen über dem 
Eie; das Ausgebrütete. Mhd. bruot f. (auch 
überhaupt «Hitze»); dazu ndl. broed n., ags. 
bröd f., engl, brood «Brut». Von brühen (s. d.) 
mit Dentalsuffix gebildet. ABL. brüten, 
selten brüten (auszubrüten Uhland 73), v.: 
wärmen, belebend erwärmen d. h. in Hitze 
z\ir Belebung des Eies über diesem sitzen. 
Mhd. brüeten, ahd. bruoten: dazu ndl. broeden, 



ags. bredan, engl, hreed «erzeugen» und brood 
«briiten». Alternhd. und mundartlich dafüi* 
auch brühen (s. d,). brütig, adj.; brütend, 
bebrütet; dumpf, schwül. Mhd. brüetic heißt 
«entbrannt», ags. hrödig, engl, broody «brütend^. 

brutal, adj. u. adv.: ungeschliffen, roh 
und grob im Benehmen. Aus dem gleich- 
bed. franz. brutal, ital. brutale eig. «viehisch, 
unvernünftig», aus vulg.-lat. brUtälis, abge- 
leitet von lat. brütus «imvernünftig». Um 
1600 entlehnt. ABL. Brutalität, f.: Pioh-, 
Grobheit, Flegelei. 1598 bei Albertinus Send- 
schreiben 2, 5^. Xaeh mlat. brutaXitas (Gen. 
brutalitatis) f. 

brüten, brütig, s. Brut 

brutzeln, v.: l. intrans. langsam kochend 
oder bratend leise tönen, 2. trans. in leisem 
Tönen langsam kochen oder braten. Mund- 
artlich in Mitteldeutschland und Schwaben, 
auch prutzeln (Weise Cath. 267 und schon 
im 16. Jh.), brotzeln (Goethe Urfaust 1431, 
Eückert 2, 220), protzein. Das Wort hängt mit 
brodeln (s. d.) zusammen, wie schnitzen mit 
schneiden. Im Obd. dazu das ablautende 
bratzeln (Mörike2, 154), bretzeln ^Tprasseln». 
l)St! Interj., durch die Aufmerksamkeit er- 
regt (Lessing 1, 236) oder Stillschweigen her- 

i vorgerufen werden soll (Maler Müller 1, 801). 

bubbeln, V.: Blasen aufwerfen. Bei Voß 

Ged. 1, 179. Scheinbar lautnachahmendes 

Wort, entsprechend ndl. bobbelen, engl, hubble, 

, schwed. buhhla, dän. hoble, wahrscheinlich aber 

i eine reduplizierte Büdung zu bullern. 

Bube, m. {-n, PI. -n): noch nicht aus- 
gewachsene männliche Person; zuchtloser 
Mensch; nichtswürdiger Mensch. Mhd. (noch 
selten und-erst gegen 1300 auftauchend) buobe, 

I in md. Quellen auch buofe (auch bei Luther 

' friiher Bufe und noch im 18. Jh. Büfchen, 
z. B. Hagedorn Od. 100) m. «Knabe, Diener, 
Troßknecht, zuchtloser Mensch, Spieler»; friih- 
nhd. in der Bed. «zuchtloser, schlechter 
Mensch» sehr gewöhnlich (auch bei Luther), 
in obd. Quellen außerdem in der Bed. «dienen- 
der Knabe», später auch (z. B. bei Fischart) 
in der Bed. «Knabe» schlechtweg, «Sohn», 
die jetzt in der südd. Umgangssprache herrscht 

I (mundartlich auch «Geliebter»). Dazu ndl. 

' boefm. «Schelm», engl, boy «Knabe», schwed. 
bof m. «Spitzbube». Das Wort muß trotz 
seines späten Auftretens als germanisch an- 
gesehen werden (im Ahd. erscheint Bitobo 
als Eigenname), es ist urspr. Kosewort der 
Kindersprache und steht im Ablaut zu mhd. 



299 



Buch 



Buchstab 



3Ö0 



hähe «alte Frau», Schweiz, häbi «Mädchen», 
engl, haby «Kind», Grundform böbö oder bäbä. 
ABL. (von Bube «zuchtloser Mensch» aus- 
gehend) buben, v,: sich wie ein Bube be- 
nehmen, namentlich in kuren und buben. 
Prühnhd. (spätmhd. in verbuoben), auch bei 
Luther. Davon das Demin. bübeln, v.: 
(Schiller 1, 344). Frühnhd., z. B. Murner 
Schelm, 17, 39 bieblen, bei Seb. Brant mit 
fremder Endung bubelieren. BÜbin, f., spät- 
mhd. büebin. bÜbisch, adj., spätmhd. büe- 
bisch. Büberei, f., mhd. buoberie. ZUS. 
Bubenstück, n., frühnhd. (z. B. Murner 
Geuchm. ml^ (Y. 1645), Luther 8, 348 W). 
Buch, n. {-es, PI. Bücher): zu einem 
Ganzen zusammengeheftete Pergament- oder 
Papierblätter; Hauptabteilung eines Werkes; 
24 Bogen Papier. Mhd. buoch (PI. buoch, erst 
später büeclier) n., ahd. buoli n., auch f.; da- 
zu asächs. bök f. n., ndl. boek n., ags. böc f. 
(PI. bec), engl, book, anord. bök f. (PI. boekr), 
schwed. bok f., dän. bog. Ln Got. bedeutet 
der Sg. böka f. «Buchstab» und der PI. bökos 
«Buch, Schrift, Brief»; auch im Ahd.-Asächs.- 
Ags.-Anord. hat öfter der PI. noch die Bed. 
«Buch», die dem Sg. urspi*. nicht zukommt. 
Dieser bezeichnet vielmehr das aus Buchen- 
holz geschnitzte Stäbchen zum Einritzen von 
Runen (s, Buchstab), dann auch das Schi'ift- 
zeichen, den Buchstaben selbst; der PI. nimmt 
die Bed. «Schriftstück» an, die später auch 
auf den Sg. übergeht. Nach Tacitus Germ. 
10 wui'den in der ältesten Zeit unseres Volkes 
die zunächst zu Los und Weissagung ge- 
brauchten geheimnisvollen Runenzeichen in 
Zweigstücke eines fruchttragenden Baumes 
eingeritzt, und zu den fruchttragendenBäumen 
gehörte der Eckern wegen ganz vorzüglich 
die Buche. ABL. buchen, v.: in ein Buch 
eintragen. Neues, erst bei Campe 1807 ver- 
zeichnetes Wort (vielleicht nach dem gleich- 
bed. engl. book). Mhd. buochen «dui-ch ein 
Buch lehren». Bücherei, f.: Büchersamm- 
lung. Bei Krämer 1678, wohl in den Sprach- 
gesellschaften für «Bibliothek» aufgekommen. 
ZTJS. 1) mit dem Sg. Buch: Buchbinder, 
m. Buchdrucker, m. Beide in der 2. Hälfte 
des 15. Jh. (z. B. puchpijifer Städtechron. 11, 
641, Svom J. 1501, buchtrucker Mone Zeitschr. 1, 
311 vom J. 1478). Buchführer,m.: (flüher) 
Buchhändler (so schon 1489, Germ. 28, 361): 
(jetzt) Führer des Geschäftsbuches. Buch- 
halter, m., im 16. Jh. (1562 bei Mathesius 
Sar. 238^). Buchhandel, m., im 17. Jh. 



: (Gombert 7, 16 v. J. 1627). Buchhändler, 
m., 1575 im Theatrum diabolorum am Schluß 
der Vorrede. Buchmacher, m.: der die 
j Aufforderung zur Eingehung von privaten 
Wetten bei Pferderennen (das Buchmachen) 
gewerbsmäßig betreibt, in neuester Zeit nach 
engl, bookmaker. 2) mit dem PI. Bücher: 
Bücherwurm, m., auch Mensch, der sich 
immer mit Büchern beschäftigt (1668 bei 
Erasmus Francisci Oriental. Staats- und Lust- 
garten 1, 1617 'i). 

Buche, f. (PI. -n); der Waldbaum fagus. 
Mhd. buoche, ahd. buohha f.; dazu ndl. beuk 
m., ags. böc (in böctreow) und (mit einer 
Ableitung und damit verbundenem Umlaut) 
bece n, engl, beech, anord. bök f., schwed. bok 
f., dän. bog. Der Lautverschiebung gemäß 
übereinstimmend mit lat. fägus f. «Buche», 
gr. qpriTÖc und cpayöc f. «Speiseeiche». Weiter 
gehört dazu wahrscheinlich kurd. büz «Ulme», 
abg. büzü «Holunder» und bauchen, vielleicht 
auch Bauch. Vgl. Osthoif Bezz. Btr. 29, 249 ff. 
ABL. Buchel oder Büchel, f.: Fx-ucht 
der Buche, Bucheichel, mhd. büechel f. Vgl. 
Eichel, buchen, buchen, adj.: aus Buchen- 
holz bestehend. Mhd. buochm, büechin, ahd. 
bughhin. Auch in den Zusammensetzungen 
Buchenholz, Buchenlatih, mhd. buochm loup. 
ZUS. Buchecker, f.: Buchel. In Glos- 
saren des 15. Jh., bei Diefenbach nov. gl. 339^ 
bucheck'ir vom J. 1420, um 1480 im Voc. ine. 
teut. t7^ puchacker (s. Ecker). Buchfink, 
m.: der sich gern in Buchenwäldern auf- 
haltende Fink, spätmhd. buochvinke m, 

Buchs, m. [-es, PI. -e): immergrünes 
Gartengewächs zur Einfassung der Beete; 
Buchsbaumholz. Mhd. buhs m., aus gr.-lat. 
buxus, gr. TTÜSoc f. «Buchsbaum und Buchs- 
baumholz». ZUS. Buchsbaum, m., mhd.- 
ahd. buhsboum m. 

Büchse, f. (PI. -n): walzenförmiges hohles 
Gefäß als Behälter; Feuergewehr mit ge- 
zogenem Laufe. Mhd. bühse (in der Bed. 
Feuerrohr zum Schießen erst in der 2. Hälfte 
des 14. Jh.), ahd. buhsa f., aus mlat. buxis 
f., gr.-lat. pyxis, gr. ttuEic f. «Büchse aus 
Buchsbaumholz», von gr. ttüEoc, s. Buchs. 

Buchstab und Buchstabe, m. (Gen. 
Buchstabens, PI. Buchstaben): Lautzeichen. 
Mhd. buochstabe (Gen. -stoben), meist aber 
stark buochstap m., ahd. buohstap m.; dazu 
asächs. bökstaf und bökstabo m., ndl. boekstaf 
f., ags. böcstcef, anord. bökstafr m., schwed. 
bokstaf m., dän. bogstav n. Urspr. nichts 



301 



Bncht 



Bückling 



302 



anderes als Stab (Zweigstüok) der Buche, 
auf denen ein Runenzeichen zu Los- und 
Weissagung eingeritzt war. Solche Stäb- 
chen wurden aufs Geratewohl über ein aus- 
gebreitetes weißes Gewand gestreut, sodann 
aufgelesen und jenen Zeichen gemäß gedeutet, 
entweder indem man, wie die Stäbchen nach 
und nach aufgelesen wurden, aus ihnen ein 
Wort zusammensetzte oder auch dem Namen 
jedes Zeichens (Buchstabens) einen Bezug auf 
den fraglichen Gegenstand gab. Im Anord. 
findet sich neben hökstafr auch das einfache 
stafr, wie im Ags. stcef für Buchstabe. Vgl. 
Buch, lesen. Das zugrunde liegende schwache 
M. wird durch Antreten eines s im Gen. 
Sg. zur starken Dekl. übergefühi-t, der Nom. 
Sg. erhält sich im altem Nhd. meist mit 
abgeworfenem e als Buchstah (füi* diese Form 
tritt noch Adelung ein ), während jetzt Buch- 
stabe das Gewöhnliche ist, nm* selten mit 
Antreten des n von den andren Kasus als 
Buchstaben (doch schon vereinzelt bei Luther 
2. Kor. 3, 6); starke Flexion von Buchstah 
kommt vereinzelt vor. ABL. buchstabieren, 
V.: die Buchstaben einer Silbe, eines Wortes 
einzeln aussprechen und zusammensetzen. 
Schon frübnhd. (z. B. bei Luther 8, 294^ 
Jen.), doch daneben ohne die fremde Endung 
auch buchstahen, wie schon mhd. buoch- 
stdhen. buchstäblich, adj. Bei Ludwig 1716, 
ältemhd. dafür huchstabisch. 

Bucht, f. (PI. -en) : Einbiegung des Meeres 
oder eines Sees ins Land; hohlrunde Ein- 
biegung. Aus dem Xdd., mnd. hichf, mnl. 
bochf «Einfriedigung füi's Vieh»*. In der 
1 . Bed. erscheint das Wort zuerst bei Apinus 
1728 und wird dann im 18. Jh. mehrfach, zu- 
nächst als ndd., dann von Adelung als hd. 
(doch voi-züghch in Niedersachsen übliches) 
Wort verzeichnet; die Bed. «Krtimmung, 
Biegung», dann (urspr. i-under) «Verschlag» 
(namentlich in Schweineh.) ist noch jetzt ndd. 
Dazu ndl. bocht f. '< Bucht, Krtimmung/>, engl. 
hought und hight «Bucht, Bug, Krümmung», 
schwed. bukt, dän. btigt m. «Krümmung, Bucht». 
Zu biegen mit Dentalsuffix gebildet, wie Flucht 
zu fliehen. ABL. buchtig, adj. 

Buchweizen, m. (s): MehLfrucht aus 
dem Geschlechte des Wegebreites, das Heide- 
kom (s. d.). Die Pflanze kam erst im 15. .Jh. 
nach Europa und wurde Buchweizen genannt, 
weil die Frucht in ihrer Gestalt der Buch- 
ecker und nach ihrem Geschmacke dem Weizen 
ähnelt. Die Benennung stammt aus dem 



nördlichen Deutschland, sie kommt schon im 
15. Jh. in L'rkunden vor (v. Fischer-Benzon 
altd. Gartenflora S. 170), 1517 verzeichnet 
Trochus zuei-st Buchweiß, 1537 Dasypodius 
Butziceyß, 1561 Maaler Butzweissen, im 17. Jh. 
steht Buchweifzen bei Duez, Krämer u. a. 

^Buckel, f. (PI. -n): erhabene Metallver- 
zierung. Mhd. buckel f. m. «erhabener Erzbe- 
schlag in der Mitte des Schildes», aus dem 
gleichbed. afranz. bocle, nfranz. boucle f., die 
zurückgehen auf lat. buccnla «Backen», dann 
«Erhabenheit, Erhöhung», das Dimin. von 
lat. bucca f. «der (volle, aufgeblasene) Backen». 

"Buckel, m. (-S, PI. wie Sg.): Rücken- 
auswuchs; der Rücken selbst. Früher auch 
Puckel geschrieben, namentlich bei nordd. 
Schriftstellern. Zu hucken ^bücken «biegen», 
also eig. «Krümmung» (nach andern aus 
^Buckel geflossen). Erst frühnhd,, zunächst 
in der 1. Bed. (um 1480 im Voc. ine. teut, 
d4^ bickel. verdinickt für buckel «Höcker», 
1515 bei Hüpfutt" buckel, 1561 bei Maaler das 
Dim. bügkele n. «kleiner hoger»), dann auch 
in der 2. (1546 bei Liliencron 4, 391 der 
puckel Mt sie gejuckt). Das Wort scheint 
aus dem Obd. zu stammen, hat sich später 
auch im Norden festgesetzt, wobei für das 
anl. stimmlose b p gesetzt worden ist. Vgl. 
auch Bühel. ABL. buckelig, bucklig, adj., 
ältemhd. bucklig (um 1480 im Voc. ine. teut. 17'') 
und huckelicht, spätmhd. pugklocht «höckerig». 
Buckelörum, m. : Buckliger (Goethe 1.3,300). 
Aus der rheinischen Umgangssprache, eig. 
Gen. PI. von einem halblat. buckelus. 

bücken, v. : vorwärts niederbiegen. Mhd. 
hucken, bücken. Als Intensi^nim zu biegen 
gebildet. 

Bücking, Bückling, m. (-s, PI. -e): ge- 
räucherter Hering. Spätmhd. bücking (Nümb. 
Polizeiordn. 168 pücking, 14. .Jh.), auch schon 
bückling (um 1480 im Voc. ine. teut. d4*' 
buckling), wie das ndl. bokking m. abgeleitet 
von Bock, weü der Fisch einem Bockshorn 
ähnelt, weshalb er mnl. neben buckinc auch 
boxhoren heißt. 1616 bei Henisch 440 Böck- 
ling (auch Gargantua 80), Bockshering. Mit 
geschwächtem Vokal 1537 bei Dasypodius 
Bicking, 1616 bei Henisch 368 Bickling, Pick- 
ling, in md. Mundarten auch Bittling und 
Bittlich. Vgl. Pickelhering. 

bucklig, s. Buckel. 

Bückling, m. (-S, PI. -e): Verbeugung. 
Von sich bücken. Erst im 17. Jh. l'bei Grim- 
melshausen Simpl. 304). 



303 



buddeln 



Buhle 



304 



buddeln, s. pufteln. 

Bude, f. (PI. -n) : Bretterhütte ; Kramladen ; 
Zimmer (student.). Mhd. (in ostmd. Quellen) 
hüde,buode; dazu mnd.&ö^e, mengl. böße, nengl. 
hoofh «Bude», schwed.-dän. hodf. «Kramladen». 
Zu haue7i, aber mit auffallendem germ. 6 für ü, 
dagegen anord. büä f. «Wohnung, Aufenthalt, 
Zelt, Hütte». Im Nhd. anfangs wenig üblich, 
zuerst bei Krämer 1678. Vgl. auch Baude. | 
ABL. Büdner, m. (s, PI. wie Sg.) : Inhaber 1 
einer Bude; (in Norddeutschland) Häusler. ! 
Büfett, n. (-S, PI. -e) : Kiedenztisch, An- 1 
richte. Schon 1556 Schweiz, puffet n. «An- 
rieht mit silbernen und goldenen Geschirren » 
(Frisius 1347*', Dictionariolum 182^, huffet^o- 
menclator 109^), aus dem gleichbed. franz. 
hu ff et, ital. huffetto m. Unbekannten Ur- 
sprungs, kaum von ital. huffare «aufblasen», 
also eig. pomphaftes, prunkhaftes Ding. 

Büffel, m. (-S, PI. wie Sg.): eine Art 
wilder Ochsen. Spätmhd. hüffel m., aufge- 
nommen aus franz. hufle, das aus ital. Mfolo, 
Mfalo stammt, mlat. Mifalus, gr.-lat. Mibalus, 
gr. ßoüßaXoc m., welches letzte eig. eine afrika- 
nische Ga^ellenart, später eine Art wilder 
Ochsen bedeutet. ABL. büffeln, v.: sehr 
angestrengt arbeiten. Wohl eigentlich Dim.- 
Bildung zu mhd. buffe7i (s. puffen) «schla- 
gen» (vgl. 1571 bei Mathesius Sar. 40** hart 
und lang püflen und schlagen), später aber 
an Büffel angelehnt, was dann auch die Nach- 
bildung ochsen hervorgerufen hat. Schon bei 
Luther hüffelerbeit«h.a,vte, mechanische Arbeit». 
Bug, m. (-es, PI. Büge und Buge) : Stelle, 
wo eine Krümmmig ist; Körperteil mit Wirbel- 
knochen ; breites Vorderteil des Schiffes. IVIbd. 
buoc (PI. büege), ahd. buog m. «das obere Ge- 
lenk des Armes (die Achsel) und der Vorder- 
beine bei den Tieren, das obere Gelenk des 
Schenkels (die Hüfte)»; dazu ndl. boeg «Schiffs- 
bug», ags. bog, böh «Schulter, Arm, Ast», 
engl, bough «Ast» und boio «Schitfsbug», 
anord. bögr «Bug», schwed. bog, auch «Schiffs- 
bug», dän. bov und boug m. «Schiffsbug». 
Übereinstimmend mit aind.&äMs (Jüv^bhäghu) 
«Arm», aw. bäzav- «Arm», gr. irf|xuc m. (für 
*q)rix»Jc) «Bug zwischen den beiden Hörnern 
des Bogens, Ellenbogen, Unterarm», armen. 
bazuk «Ellenbogen». Die Bed. «Schiffsbug» 
stammt aus dem Ndl. (sie beruht wohl auf 
einem Vergleich des Schiffes mit einem Pferde) 
imd ist von hier aus ins Deutsche, wie Eng- 
lische und Skand. gedrungen, sie findet sich 
hd. schon bei Duez 1642. 



Bügel, m, (-S, PI. wie Sg.): ringförmig 
Zusammengekrümmtes. Dem Hd.urspr. fremd, 
mhd. (vereinzelt) bügele f. «Steigbügel», dann 
um 1480im Voc.inc.teut.c4^ &M^eZ«armillus», 
bei Luther bügel und bögel m. «Reif eines 
Kranzes», bei Henisch 1616 bügel, bigel usw. 
Dazu mnd. bogel, ndl. beugel m. «großer me- 
tallner Ring, Steigbügel». Zu biegen. ABL. 
bügeln, V.: (Wäsche, Zeug) glätten durch 
Daräberhinfahren mit dem heißen Glätteisen 
{Bügeleisen). Bei Krämer 1678 bögelen, pögelen, 
bei Stieler 1691 biegelen (biegein auch noch 
bei Goethe 1, 304), bei Steinbach 1734 bügeln. 
Bei Krämer 1678 auch Bögel- oder Pögeleisen 
«Bügeleisen», nach der ringförmigen Krüm- 
mung des Glätteisens benannt. 

bugsieren, v.: (ein Schiff) durch Ruder- 
bote an Tauen vorwärts ziehen. Aus dem 
Ndl., wo jetzt boegseeren, aber bei Kilian 
1599 boechseerden, entlehnt aus portug. puxar 
«ziehen, schleppen», Liebich Btr. 23, 226. Bei 
Ludwig 1716 bogsiren. 

Bugspriet, n. {-es, PI. -e): die über dem 
Vorderteile des Schiffes schräg in die Höhe 
ragende Stange. Aufgenommen aus ndl. boeg- 
sjn'iet f. (auch ins Engl, entlehnt als bow- 
sp'it, ins Schwed. als bogspröte n.), das zu- 
sammengesetzt ist aus boeg «Vorderteil des 
Schiffes» (s. Bug) und spriet f. «schräg gehende 
Segelstange am Mäste» (s. sprießen). Im Hd. 
erscheint das Wort als Buchsbred bei Hulsius 
Schiffarten 11, 85 und ist bei Ludwig 1716 
als Boogspret und Bugspreet verzeichnet. 

Bühel, Bühl, m. {-s, PI. wie Sg.): natür- 
liche Erhöhung des Bodens in einer Ebene, 
mäßiger Hügel ; (bildlich) Auswuchs an Leibes- 
gliedern (bei Musäus Volksm. 4, 106 Ulrich 
mit dem Bühel d. i. der mißwachsenen ver- 
renkten Schulter; schon mhd. Flore 6911). 
Oberdeutsch; Luther und den meisten Wörter- 
büchern fehlend, aber von Wieland gebraucht 
(auch von Goethe 2, 36). Mhd. bühel, ahd. 
buhil m. Mit grammatischem Wechsel zu 
biegen gehörig, s. auch Beule und Buckel. 
Eine oberd. Nebenform ist Pohl m. 

Buhle, m. (-n, PI. -7i): Geliebter. Mhd. 
buole m. «geliebte männliche Person, z.B. naher 
Verwandter, Bruder, Gatte, lieber Freund, 
dann auch auf eine Person weiblichen Ge- 
schlechts bezogen, Gehebte, Beischläferin» (hier- 
für erst spätmhd. auch buole f.); dazu mnd. 
böle m. trauliche Bezeichnung von Verwandten 
oder sonst durch Beruf nahestehenden oder 
befreundeten Personen, Dim. böleken «leib- 



305 



Bnlme 



bnm1)s! bnms! 



306 



liehe Geschwister». Man sieht ia B. eine 
Koseform zu Bruder, die später überhaupt 
in der traulichen Anrede verwandt wurde 
und schließlich die Bed. «Geliebter» (im ge- 
schlechtlichen Sinn) annahm. Entsprechend 
nH.hoelm. undlett. hälelin's, hälin's «Brüdei-- 
chen». ABL. buhlen, v.: mit jem. ein 
Liebesverhältnis haben, dann sich um eine 
Gunst bewerben. Mhd. huolen (auch umh 
eine huolen «sich um ihre Gunst bewerben»). 
Davon Buhler, m. mhd. huolcere, Buhle- 
rin, f. (bei Luther Bulerin) und bnhlerisch, 
adj. (bei Luther hulerisch), sowie Blllllerei, 
spätmhd. hnolrle f.. Blllllscliaft, mhd. huol- 
schaft f. ZUS. Buhldirue, f., 1730 bei Gott- 
sched crit. Dichtkunst 14. 

Bnhne, f. (PI. -n, Goethe Faust 11545): 
gegen das Wasser emchtete Schutzwehr aus 
HolZj Reisig u. dgl. (danach Ufermauerwerk, 
Kai und in Seestädten ein umschlossener Hof, 
in dem die gelöschten Waren so lange auf- 
gehoben werden, bis man sie in den Speicher 
bringt, 1793 bei Röding Wb. der Marine 1, 
411). Mittel- und norddeutsch. Zu hd. Bühne 
«Brettergeiüst». Mnd. hune f. «Fischwehr», 
ndl. hun f., im Hd. vor dem 17. Jh. nicht 
ZU belegen (1641 bei Zesen D. Helikon J. 4^, 
1781 bei Ejndleben aufgeführt). 

Bühne, f. (PI. -n): erhöhter Fußboden 
von Brettern; Brettergerüste; erhöhter Schau- 
platz im Theater und dieses selbst; (dialek- 
tisch auch) Zimmerdecke, Bodem-aum, Spei- 
cher. Mhd. hüne, hün f «erhöhter Fußboden, 
Decke eines Zimmers», um 1480 im Yoc. ine. 
teut. t 8^ pun «solarium», 1482 im Yoc. theut. 
aa'Z'' puny «solarium», puny in einem schiff 
«tabulata»; dazu mnd. hone f. «Fußboden, 
Decke, Söller, Speicher», ndl. heun f. «Fuß- 
boden, Fischbehälter». Vielleicht mit Boden 
verwandt, falls Ausfall eines d vor n ange- 
nommen werden darf. Vgl. Bönhase. ABL. 
bühnen, v. : mit Brettern belegen. Mhd. in 
verhilnen. 

Bukett, u. (-5, PI. -s): Blumenstrauß. 
Das franz. houquet m. «Blumenstrauß», eig. 
«kleiner Busch», Demin. von franz. hois, ital. 
hosco m. «Busch, Wald, Holz», die auf das 
deutsche Busch (s. d.) zurückgehen. Bei 
Wächtler 1711. 

Bulge, f. (PI. -71): Wasserbehälter von 
Leder. Mhd. hulge, ahd. hulga f «lederner 
Sack» (mhd., ebenso mnd. und noch bei Luther 
auch «Woge»). Nicht entlehnt aus dem gleich- 
bed. gall.-lat. hulga, sondern mit diesem Worte 
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



luwerwandt und zu Balg (s. d.) zu stellen: 
also eig. «Schwellung». Dazu noch engl, hulge, 
hilge «Bauch eines Fasses, Schitfsbauch», anord. 
hylgja, schwed. hölja, dän. hölge f. «Woge». 

^Bulle, m. (-n, PI. -n): Zuchtstier. Nord- 
deutsch. Aus dem Ndd., wo mnd. hülle m.: 
dazu ndl. hui, engl, hüll (erweitert hullock 
«junger Ochse», ags. hulbic), altn. holi m. 
Lit. hid'us m. stammt wohl aus dem Deutschen. 
Weitere Anknüpfungen bieten sich mannigfach. 
Von Schulze KZ. 29, 293 zu gr. qpdUoc «Ghed» 
gestellt, vgl. ferner Bezzenberger Bezz. Btr. 19, 
248, Johansson Btr. 15, 225, LTilenbeck Btr. 26, 
290. Abgeleitet ist wohl mhd. hüllen, ahd. huUdn 
«briülen». 1616 bei Henisch verzeichnet. Bei 
Schiller Fiesco 2, 8 Bulle für Bullenheißer (s. d.). 

-Bulle, f. (PI. -n): angehängte Siegel- 
kapsel, dann die damit versehene Urkunde; 
Verordnung mit dem päpstlichen Siegel. Mhd. 
hidle f., aus lat. hullaf. eig. «Wasserblase», dann 
«Knopf, Kugel, Kapsel». Vgl. auch Bill. 

^ Bulle, f: Flasche, s. PuUe. 

Bullenbeißer, m. {-s, PI. wie Sg.): Art 
großer Hunde, die gegen Stiere gehetzt wird 
(bei Steinbach 1734 Bullenheißer , 1719 bei 
Fleming teutscher Jäger 170 Boll-Beißer), nd. 
hullenhiter •. bildUch auf einen grimmig bissigen 
Menschen angewandt (beiLessing 1, 286, Bollen- 
heißer 1729 bei Stoppe Ged. 2, 161). 

Bulleuflnke, m. {-n, PI. -n)-. Ochsen- 
ziemer. 1779 bei Schummel Spitzbart 168. 
Schles. Bullfinke f., zusammenges. aus Bulle 
i «Zuchtstiei"» und nd. Finke «männliches Glied». 

bullern, v.: Blasen werfend geräuschvoll 
aufwallen: ein dumpfes Geräusch machen. 
Wohl nicht entlehnt aus lat. hdläre «Blasen 
werfen, aufsprudeln», sondern lautnachahmen- 
des Wort, zu poltern (s. d.) gehörig, spätmhd. 
hollern neben holdem. Erst bei Heynatz 1795 
und Campe 1807 verzeichnet. 

Bult, m. [-en, PI. -en) und Bülte, f. 
(PI. -n), Bulten, m. {'S, PI. wie Sg.): be- 
wachsener Erdhaufe. Aus dem Ndd., wo mnd. 
hidte m. «Haufe, Hügel, Bündel», ditmars. und 
mark. Biüt, BiUten: dazu ndl. Indt m. «Höcker, 
Geschwulst, Erdhügel». Dunkler Herkimft. 
Ins Hochd. von Voß eingeführt. 

bumbs! bums! Interj. des dumpf schal- 
lenden Aufschiagens oder Falles auf etwas (bei 
I Schiller Kab. 1, 2 humhs, 1767 imBrem.Wb. 1, 
162 hums). Lautnachahmend. Vergleichen läßt 
sich gr.-lat. homhus, gr. ßö|ußoc m. «tiefer, 
dumpfer Ton», das aber nicht als Grundlage 
anzusehen ist. Vgl. 2?Mrnp, Pumpes, auch plump. 

20 



307 



bummeln 



Burg 



308 



bummeln, v. : hangend hin und her schwe- 
ben; im Nichtstun umherschlendern, Ablaut- 
bildung zu bammeln (s. d.). In der 1. Bed. 
von Ludwig 1716 und Frisch 1741 verzeich- 
net, von Voß Ged. 1, 13 gebraucht. Die 
2. Bed. findet sich im 18. Jh. mehrfach in 
ndd. Dialektwörterbüchern und ist erst in 
neuerer Zeit allgemein geworden. Davon 
Bummel, f. (PI. -n): hin und her schwe- 
bendes Anhängsel und Bummel, m.: ge- 
mächlicher Spaziergang, beide der neueren 
Sprache angehörig, wie auch Bummler, m. 
«umherschlendernder Nichtstuer». 

Bund, m. (-es, PI. Bünde): Vereinigung 
zu einem Zwecke; Bindemittel, Kopf binde; 
Kuchen in Form eines Turbans; (gewöhn- 
lich als n.) miteinander Verbundenes. Mhd. 
hunt m. (Gen. hundes) «Fessel, Zusammen- 
gebxmdenes, Bündnis»; dazu ndl. hondva.. Zu 
linden. ABL. Bündel, m. n. {-s, PI. wie 
Sg.): Zusammengebundenes zum Tragen. ]\Ihd. 
hündel n. (auch gehündel, ahd. gibimtili n.); 
dazu ndl. hundel m., ags. hyndele f., engl. 
hundle. Älternhd. auch m. (1541 bei Frisius 
776^ der püntel, auch Stieler und noch Hey- 
natz 1775 setzt das M. an, das Adelung auf 
das Obd. beschränkt, bei Goethe der und das 
Bündel), bei Luther dafür das Bnndlin. 
bündig, adj. : verbindend, fest überzeugend, 
kurz zusammengedrängt und kräftig. Mhd. 
hiindec «verbündet», frühnhd. bündig «ver- 
bindend, kräftig». Bündnis, n.: feste Ver- 
bindung zu einem Zwecke. Spätmhd. bunt- 
nisse n. 

Bundschuh, m. {-es,F\.-e): grober derber 
Schnürschuh mit langen Riemen (Bundriemen), 
Bauernschuh; Meuterei, Empörung. M.h.ä.bunt- 
schuoch m.; da dieser Schuh schon um die 
Mitte des 15. Jh. von den Bauern bei Auf- 
i'uhr als Standes- und Feldzeichen aufge- 
hangen wui'de, so entstand die Bed. «Em- 
pörung» schon am Ende des 15. Jh. 

^Buuge, f. (PI. -n): Trommel; trommel- 
ähnliche Fischreuse. Mhd. bunge, auch mnd. 
bunge, aschwed. bunga f. «Pauke, Trommel». 
Im Ablaut stehend zu engl, bang, anord. banga 
«schlagen». S. Bengel. 

^Bunge, f. (PI. -n): Pflanzenknolle, s. 
Bachbunge. 

Bunkel, m. (-s, PI. wie Sg.): gedrungene, 
kurze, dicke Person. Mhd. bunkel m. Schlag, 
Stoß, Beule, woraus sich die Bed. «bauschige 
Masse,Bündel» und «Kind von kurzem, dickem 
Körperbau» (schweiz. Id. 4, 1380, Schmeller ^ 1, 



394) entwickelten. Von obd. blinken «klopfen, 
stoßen, pauken». Dafür schwäb. Bimkes. 

bunt, adj. u. adv.: mannigfarbig. Bei 
Luther und sonst älternhd. bund, bundt. Mhd. 
bunt (flekt. bunter, nicht blinder) «schwarz 
und weiß getüpfelt oder gefleckt, schwarz 
und weiß gestreift»; dazu nd. bunt, ndl. bont. 
Wegen des in der Flexion beibehaltenen t 
als entlehnt anzusehen, und zwar aus lat. 
pmictus, Part. Perf. Pass. von pungere «ste- 
chen», also eig. «gestochen», dann «punktiert, 
getüpfelt»; ein entsprechender Ausfall eines 
c vor t auch in Tinte (s. d.) aus tincta. 
Nach Heyne stammt es aus den Klöstern, 
wo punctus das mit verschiedenen Farben 
Gestickte bezeichnete. Als Subst. bezeichnet 
mhd. buntn. «mehrfarbiges Pelzwerk» (ebenso 
mnd. bunt n.) im Gegensatz zu grä n. «graues, 
einfarbiges Pelzwerk», weshalb häufig grä 
unde bunt verbunden vorkommt. ZUS. bunt- 
scheckig, adj.: überladen bunt. Gegen 
Ende des 17. Jh. (bei Weise Erzn. 88 bund- 
scheckigt), zunächst wohl von einem mehr- 
farbigen Pferde (Stieler 1691 hat Buntschack 
«buntes Pferd» neben dem Subst. Bunt- 
schäckigkeit, Ludwig 1116 Buntschack «hxmtes 
Pferd»). Buntwerk, n. : geflecktes Pelzwerk, 
mhd. buntiverc n. 

Buuzen, s. Punzen. 

Bürde, f. (PI. -%): Hebe-, Traglast; (bild- 
lich) 'Schwerzutvagendes. Mhd. bürde, ahd. 
burdi f.; dazu anord. byrdr, schwed. börda, 
dän. byrde, got. baurpei f. und mit weiterer 
Ableitung asäcbs. burthinnia, ags. byräen, engl. 
bürden f. Mit Dentalsuffix zu. ahd. beran «tra- 
gen» gebildet, s. Bahre und gebären. ABL. 
bürden, v. : als Last aufladen, mhd. bürden. 

Büre, f. (PI. -"): Bett-, Kissen-, Polster- 
überzug. Aus dem Ndd,, wo mnd, bure 
«Kissenzieche». Das Wort wii'd 1775 von 
Heynatz als Büre verzeichnet und von Voß 
(z. B. Ged. 1, 45) öfter gebraucht. 

Bureau (spr. Büro), n. {-s, PI. -s) : Schreib- 
tisch oder -pult zur Besorgung der Geschäfte ; 
Schreib- und Geschäftsstube. Aus franz. bureau, 
afranz. burel m., urspr. «grobes wollenes Tuch, 
Teppich», dann «ein mit einem solchen Tep- 
piche gedeckter Tisch», weiter «Geschäfts- 
tisch und -stube», abgeleitet von franz. bure f. 
«grobes, wollenes Tuch», das auf lat, btira 
(für burra) f. beruht. Um 1700 entlehnt. 

Burg, f. (P|. -en): befestigter Ort; (früher) 
Stadt (vgl. Bürger). Mhd. bure (PI. bürge), 
ahd. burug, bürg f. «mit Mauern umschlossener 



309 



Bürge 



Bursch 



310 



Ort, Stadt»; dazu asächs. burug, hurg, ndl. hurg, 
ags. hurh (PI. hyrg), engl, horough, anord.- 
schwed.-dän. borg, got. baurgs f. Das spätlat. 
burgus m. nebst ital. horgo, franz. hourg ist 
aus dem (jrerman. entlehnt. Burg entspricht 
den Lauten nach genau air. bri, Akk. brigh 
«Berg, Hügel», das wieder in der Bedeutung 
zu d. Berg stimmt, so daß also Berg und 
Bnrg im Ablaut stünden. Der Bedeutungs- 
wandel erklärt sich daraus, daß man die 
Niederlassungen gern auf Bergen des Schutz- 
bedürfnisses wegen anlegte. Andre, vgl. 
Heyne Deutsche Hausaltertümer 1, 66, stellen 
btirg zu bergen, es wäre dann eme Abstrakt- 
bildung mit der Bedeutung « Schutz, Bergmig». 
Der PI. lautet älternhd. wie mhd. Bürge, 
noch Adelung verlangt diese Form, doch 
kommt schon früher das von ihm als obd. 
bezeichnete schwach flekt. Burgen vor. 

Bürge,- m. (-n, PI. -n): der wofür Sicher- 
heit Leistende. Mhd. bürge, ahd. burigo, 
burgo m.; dazu ndl. borg, ags. borg m. Mit 
borgen zu bergen gebildet, Bürge daher urspi'. 
«wer wofür stehend schont, erhält, vor Schaden 
hütet». ^-BL. l)ürgen, V. : wofür Sicherheit 
leisten, mhd. bürgen. Bürgschaft, f., mhd. 
bürgeschaft f. 

Blirgeiiieister, s. Bürgermeister. 

Bürger, m. (s, PI. wie Sg.): Vollbe- 
rechtigter einer Stadt (Burg), Ortschaft, eines 
Staates; Staatsangehöriger außer dem Adel 
und der Geistlichkeit. Mhd. bürgcere, burgcere, 
ahd. burgäri m. «Stadtbewohner»; aus dem 
Deutschen entlehnt ndl. burger, schwed. bor- 
gare, dän. borger m. Got. mit andrer Endung 
&aurgr/am. «Stadtbewohner». Älternhd. auch 
oft (obd.) Bürger (noch bei Frisch 1741). 
ABL. bürgerlich, adj., spätmhd. bürgerlich. 
Bürgerschaft, f., spätmhd. burger schaft f. 
Bürgertum, n., erst im 19. Jh. gebildet. 
ZUS. Bürgerkrieg, m., im 17. Jh. (Gry- 
phius Trauersp. 424) nach lat. bellum civile. 
Bürgermeister, m., spätmhd. (auch bei 
Luther) burgermeister, daneben aber mhd. 
(mit Burg zusammengesetzt) bürge-, burge- 
meister, die auch älternhd. oft vorkommen 
(Stieler 1691 führt Bürgemeister, Rädlein 1711 
Burgemeister an) und noch von Goethe 
{Burgemeister Faust 846, Herm. u. Dorothea 
4, 21) gebraucht werden. Entlehnt ndl. 
burgemeester, engl, burgomaster. schwed. borg- 
tnästare, franz.bourgmesfre m. Bürgerrecht, 
n., mhd. burgerreht n. Bürgerschule, f., 
bei Campe 1807 als ein neugebildetes Wort, 



die erste Leipziger Bürgerschule wurde 1804 
eröffnet. Bürgerworthalter, m.: Stadt- 
verordnetenvorsteher. In Holstein. 

Burgfriede, m. (-ns, PI. -n): Vertrag 
zu Sicherheit und Rulie des Burggebietes, 
sowie diese Sicherheit und Ruhe selbst; der 
nach seinen Grenzen bezeichnete Burgbezh'k. 
jVIhd. burcvride m. 

Burggraf, m. (-en, PI. -en): erwählter 
Oberherr eines Ganerbenschlosses; Schloß- 
pfleger; (ehedem auch) Stadtvogt. Mhd. 
biircgräve, ahd. burcgrävo m. ZUS. Burg- 
grafschaft, f., mhd. burcgräveschaft f. 

Bürgschaft, s. Bürge. 

Burliliard, Mannesname. Ahd. Burchari. 

burlesk, adj.: possen-, spaßhaft, kui'z- 
weilig. Aus franz. burlesque und dies aus 
ital. burlesco, von ital.-span. burla f. «Posse, 
Spaß, Spott», das auf einem lat. burrula f. 
beruht, Dimin. zu biirra «zottiges Gewand», 
PI. «läppisches Zeug, Possen». BeiSperander 
1728 burlesque. 

Burnus, m. (Gen. Burnusses, PI. ohne 
Endung und Burnusse): Mantel ähnlichen 
Schnittes wie die maurischen weißen wollenen 
Mäntel mit Kappe. In den dreißiger Jahren 
dieses Jh. entlehnt aus franz. btirnous m., 
dies mit span.-port. albornoz (cd ist der arab. 
Artikel) aus arab. burnus «längliche Kappe 
muhamedanischer Mönche, Kleid mit Kapuze». 

Bursch {-en, PI. -en und -e), Bursche 
(-«, PI. -n), m : jrmger lediger Mensch ; Student 
nach dem ersten Studienjahre. Früher auch 
Pursch (Günther 162, Schiller 11, 314). Mit 
Übergang des s in seh nach r, in ähnlicher 
Begi'iffsentwicklung wie bei Frauenzimmer 
(s. d.) hervorgegangen aus Burs, Bursch f. 
«beisammen wohnende Genossenschaft männ- 
licher Personen», das aus mlat. bursa f. (aus 
gl", ßüpca «Fell, Leder», s. Börse, mit dem 
Bursche eig. identisch ist) «Geldbeutel», dann 
«Stiftungskasse zu gemeinsamem Unterhalte 
vornehmlich der Schüler in den königlichen 
Schulen, der Hochschule in Frankreich» (ein 
solcher Stipendiat hieß deshalb ein bursarius), 
endlich s. v. a. zusammenlebende Genossen- 
schaft, besonders eine solche, deren Mitglieder 
aus gemeinsamer Stiftungskasse Unterstützung 
empfangen. Daraus dann schon in der 2. Hälfte 
des 13. Jh. mhd. burse f. «Geldbeutel», dann 
«Kasse», im 15. Jh. auch «zusammenlebende 
Genossenschaft, namentlich studentische, und 
gemeinschaftliches Haus derselben»; im 16. Jh, 
bezeichnet Burs überhaupt eine Schar zu- 

20* 



311 



Bürste 



Büse 



312 



samraenlebender oder auch nur gelegentlich 
zusammengekommener, namentlich junger 
Leute (Dasjrpodius 1537 hat Burß «contu- 
bernium, kriegsleut», ebenso Maaler 1561, 
Berghur ß bei Mathesius Luther 105^, sonst 
ist Btirs auch oft «eine Zechgesellschaft»). In 
der 2. Hälfte des 17. Jh. wird das kollektive 
die Burs, Bursch auch mit dem Prädikat im 
Plural verbunden, z. B. bei Opitz Judith 2, 4, 
Moscherosch Phil. 1, 383, Grimmeishausen 
Simpl. 84, und daraus dann ein Sing, de^^ 
Bursch gefolgert, z.B. Moscherosch Phil. 2, 208, 
neben dem aber die Biirsch sich lange er- 
hält; Duez, Schottel und Krämer kennen nur 
das kollektive Burs, Bursch (doch verzeichnet 
letztrer Burschgen n. «giovanetto»), während 
Stieler 1691 Burs vulgo Bursch als Ehren- 
name der Studenten, dann aber allgemein 
für junger Mensch in Handtverks- , Jäger- 
hursch etc. anführt. Die Flexion ist anfangs 
stark und schwach, PI. meist Bursche, wie 
auch von Adelung und von Heynatz 1775 
verlangt wird (noch bei Goethe Faust 2150), 
jetzt häufiger Burschen. ABL. Burschen- 
schaft, f., die 1815 zur Pflege vaterländischer 
Gesinnung geschlossene Studentenverbindung. 
Davon Burschenschafter, m. hlirschikös, 
adj. u. adv.: studentisch-flott. Um 1700 zu- 
nächst als Adv. mit giiech. Endung -ikoic als 
halbgelehrte Bildung aufgekommen (ältester 
Beleg von 1720 bei Meier Studentenspr. S, 27, 
bei Heynatz 1775 besprochen), dann auch als 
Adj. gebraucht; früher mehr in übler Bed. 
«studentisch-liederlich», Wallensteins Lager 
459, wie studenticos lehen bei Eädlein 1711. 

Bürste, f. (PI. -n): Reinigungswerkzeug 
aus Borstenbüscheln. Mhd. hürste f., von 
Borst, Borste (s. d.) abgeleitet. ABL. bürsten, 
V., auch s. V. a, trinken, gleichsam die Gurgel 
putzen, zugleich unter Einfluß von Burs^= 
«Zechgesellschaft». Schon im 16. Jh., dann 
bes. schwäbisch, z. B. bei ühland 53. 270. 
Eine obszöne noch jetzt übliche Bed. bei 
Kindleben 1781. ZUS. Bürstenbinder, m. 
Redensart: saufen wie die Bürstenbinder (im 
Anschluß an bürsten «trinken»), schon bei 
Fischart Barf. 2255. 

bürtig, adj.: woher der Geburt nach 
seiend (Goethe 11, 66). Noch in eben-, voll- 
bürtig, sonst üblicher gebürtig. Mhd. bürtec, 
ahd. burtig von mhd.-ahd. burt f. «Geburt». 

^Bürzel, m. (-s, PI. wie Sg.): die Pflanze 
portulaca. Mit Wechsel des Geschlechts aus 
mhd. burzel, purzel, ahd. hurzela, purzela f., 



von lat. portulaca, das auch umgestaltet zu 
porcilaca (an porcus «Schwein» angelehnt), 
porcellana (so ital.) erscheint. 

^Bürzel, m. (-s, PI. wie Sg.): kleiner 
dicker Mensch, s. Purzelbaum. 

Bürzel, m. (-S, PI. wie Sg.:) Steißende 
mancher Tiere. Bei Luther 8, 85 Jen. Pirtzel, 
bei Maaler 1561 Bürtzel. Von südd. borzen, 
bei Hans 8acbs pürtzen «hervorstehen», wahr- 
scheinlich abgeleitet von mhd. bürn, ahd. 
burian «in die Höhe halten oder recken». 
(Daher bedeutet B. mundartlich auch «Erd- 
erhöhung»). 

Busch, m. {-es, PI. Büsche) : Strauchwerk, 
sowie diesem vergleichbares. Alternhd. auch 
Pusch (bei Luther, den schlesischen Dichtem 
des 17. Jh., Steinbach 1734, noch jetzt im 
schles. Dialekt). Mhd. husch, bosch, md. auch 
pusch m., ahd. nur in brämälhusc m. «Brom- 
beerbusch»; dazu ndl. bosch n. und bos m., 
engl, bush, schwed, huske m., dän. husk. Ent- 
lehnt aus mlat. buscus, boscus m. «Strauch- 
werk», woher ital. bosco, span.-port. bosque, 
franz. bois m. «Gehölz, Wald», Redensart: 
auf den B. klopfen «Nachrichten etc. aus 
jemand herauszulocken versuchen», eig. «das 
Wild durch Klopfen aus seinen Schlupf- 
winkeln auftreiben». ABL. BÜSChel, m. 
(-5, PI. wie Sg.), bei Luther auch Pusschel 
(2. Mos. 12, 22), mhd. huschet m. buschicht, 
buschig, adj., spätmhd. puscheht. ZUS. 
Buschklepper, m.: wegelagernder Räuber. 
Bei Zesen Jbr. 1, 417 mit ö für e Busch- 
klöpper (so noch bei Frisch 1741), bei Schupp 
1, 305 mehr hd. Buschklöpffer. Es bezeichnet 
eig. den, der durch den Wald reitet, den 
Heckenreiter, denn Klepper (s. d.) ist urspr. 
sowohl «Pferd» als «Reiter». 

^Buse, f. (PI. -n), auch Dim. Bus-chen, 
u,: feine kurze wollige Härchen wie Flaum; 
Pflanzenwolle an den Weidenkätzchen. Ober- 
sächsisch, dazu das gleichbed. Schweiz, busi, 
büseli (Schweiz. Id. 4, 1740) und wohl auch 
nd. Pose f. «Feder». 

"Buse, f. (PI. -n): Katze. Mundartlich, 
so Schweiz, das Demin. Busi, Büsi n., schwäb. 
Busi f. Dazu näd. jms, nd.\. poes, engl, puss, 
dän. puus, norw. puse. Nach dem Lockruf 
für die Katze. ZUS. Busekatze, f. 

Büse, f. (PI. -n): leichtes Fahrzeug, bes. 
zum Heringsfange. 1703 im Zeitungslex. Aus 
ndl. buis f. «Fischerboot»; dazu engl, buss, 
altnord. büza, auch schon mhd, (im Rolands- 
lied) hü^e f. «eine Art Schifl'», ahd. few^o m. 



313 



Büsel 



Butte 



314 



«Seeräuberschiff». Zugrunde liegt mlat. huza 
«größeres Fahrzeug», woher afranz. Jmce, 
husse f., altspan. huzo m. «Ruderschiff». 

Büsel, n. (-S, PI. wie Sg., Goethe Dicht. 
u. Wahrh. 27, 265): kleines Geldstück. Für 
Biesel, Bezeichnung einer franz. Silbermünze 
im Elsaß, aus franz. piece f. «Stück». 

Busen, m. (-s, PI. wie Sg.): Vorderteil 
des menschlichen Leibes vom Halse bis zum 
Magen; Öffnung und bauschiger Teil des 
Kleides davor; Meer-, Seearm. Bei Luther 
hosam, hosem, hosen, bei Alberas Dict. Dd2'^ 
huosam, im 17. Jh. häufig Busem (so noch 
bei Ludwig 1716). Mhd. huosem, auch schon 
huosen, a.h.ä.huo»uni, huosam m., auch «Schoß»; 
dazu asächs. hösom, hösm, ndl. hoezem, afries. 
hösm, ags. hösm «Schoß» m., engl, hosom, im 
Xord. u. Got. fehlend. Dunkler Herkunft. 
Zusammenhang mit Btig ist kaum möglich. 
ABL. busig, adj. in hoch-, vollbusig. ZUS. 
Buseufreund, m.: vertrauter Freimd. Bei 
Ludwig 1716 Busemfreund. 

Bu£, m. (Gen. Busses, PI. Busse): Kuß. 
In der Kindersprache. Bei Luther 5, 268^ 
Jen., schon etwas früher begegnet hussen 
«küssen». Im Bayr. ist Kiiß durch Büß 
ganz verdi'ängt worden. Vgl. engl, huss, \ 
schwed. puss «Kuß», Mit lat. bäsiäre, franz. 1 
haiser besteht kein Zusammenhang, vielleicht 
aber mit ir. hus «Lippe», gäl. hus «Mund». 

Bussard, m. (-s, PI. -e) -. der Mäusefalke. 
Mit engl, huzzard, ndl. huizert m. aus franz. 
husard m., das von lat. hüteo m., dem Namen 
einer Habichtsart, mit der dem deutschen 
-hart nachgebildeten Endung -ard abgeleitet 
ist. Im Mhd. dafür hüsant m. Bei Maaler 
1561 in halbdeutscher Foi^m Bußhart (so 
noch bei Rädlein 1711), bei andern in An- 
lehnung an Aar Bußaar (bei Henisch 1616 
Bußarn, noch Adelung setzt Bußaar an). 

Buße, f. (PI. -n): (kirchliche oder recht- 
liche) Genugtuung wofür. Mhd. huo^e, huo^, 
ahd. huo^a f. «Besserung, Heilung, Abhilfe, 
Vergütung, Buße, Strafe»; dazu asächs. höta 
«Besserung, Heilung», ndl. hoete, afries. höte, 
ags. höt f. «Besserung, Ersatz», engl, hoot 
«Nutzen, Vorteil», anord, höt f. «Besserung, i 
Buße», schwed. hot m., dän. hod, got. höta f. 
«Nutzen». Im Ablaut zu haß, hesser, hest : 
(s. d.) stehend. ABL. büßen, v.: ein Übel, 
heben oder wegschaffen ; wieder cmtmachen, i 
bessern (z. B. die Lücken hiißen) ; genugtun, ; 
namentlich durch Erduldung von Strafe; zur j 
Genugtuung mit Strafe belegen. Mhd. hüe^en, \ 



ahd. &«02fen, auch «ausbessern, flicken, heilen»; 
dazu asächs. hötian, ndl. hoeten, ags. hetan, 
anord. höeta, schwed. höta, dän. höde, got. 
hötjan «nützen». Davon Büßer, m., spät- 
mhd. hüe^er, auch «FHcker», schon ahd. scuoh- 
htw^äri «Schuhflicker». ZUS. bußfertig, 
adj. u. adv.: Buße zu tun bereit; über Be- 
gangenes mit der Absicht dafür genugzutun, 
schmerzerfüllt, mhd. huogvertic. Bußtag, 
m., bei Stieler 1691. 

Bussöle, f. (PI. -«): Magnetbüchs-chen, 
Seekompaß. Das franz. houssole, ital'. hüssola 
f., welches aus mlat. huocula «Büchs-chen», 
von mlat. huxis statt gr.-lat. pyxis, gr. iruEic 
f. «Büchse». 1 7 1 6 in Chi-. Wolffs math. Lex. 268. 

Büste, f. (PI. -n) : aus Stein, Gips, Wachs 
usw. geformtes Brustbild ; Oberkörper bis zur 
Brust. Aus dem gleichbed. franz. huste, ital.- 
span. busto m., die, wenn das Wort urspr. 
das auf dem Grabmal aufgestellte Brastbild 
bedeutet hat, aus lat. hustum u. «Leichenbrand- 
stätte, Grabmal» abgeleitet werden können. 
Im 18. Jh. entlehnt (Wieland Am. 2, 27). 

Butlke, f. (PI. -n): Bude; elende Hütte, 
Das franz. houtique f. «Kramladen», ital. hodega 
f., mit Abfall des anlautenden Vokals aus 
gr.-lat. apofheca f. «Vorratskammer» (s. Apo- 
theke). Im 17. Jh. entlehnt. 

butt, adj.: stumpf; km-z und dick; unan- 
sehnlich klein; stumpfsinnig, dumm. Aus 
dem Ndd., wo hutt «stumpf, plump» und das 
Subst. Butt «kui'zes, dickes Ivind»; ndl. hot 
«stumpf, plump, dumm». Fischart gebraucht 
hott von den Holländern, ebenso führt Henisch 
hot als ndl. Wort an, dagegen Stieler 1691 
und Rädlein 1711 hutt als hd. Wohl zu ahd. 
hö^an, ags, heatan «schlagen» (s, Amboß) zu 
stellen, eig. also «abgeschlagen, abgestoßen». 
Vgl. noch Meringerldg. Forsch. 16, 155, Zupitza 
KZ. 36, 243. Die bedeutungsverwandten span. 
hoto «stumpf», franz. hotte f. «Klumpen», ital, 
hottone, franz. houton m. «Knopf, Knospe» 
gehen auf das Germ, zuiiick. S. auch Butzen. 
ABL. butten, v., auch verhütten (Voß Horaz 
Sat. 1, 3, 46) «im Wachstum zuiückbleiben, 
verknorzen, verkommen». 

^Butte, f. (PI. -n): plattleibiger stumpf- 
köpfischer Seefisch. Bei G. Agricola putte, 
bei Forer S. 50^ Meei'hutt, aus der ndd, Be- 
nennung butte f., ndl. bot f., engl. but. Wohl 
von ndd. hutt, ndl. hot «stumpf». 

^ Butte in Hagebutte, s. d. 

^ Butte und Bütte, f. (PI, -n) : oben offenes 
Daubengefäß; hohes Rücken- Traggefäß von 



315 



Büttel 



büxen 



316 



Dauben. Die umlautlose Form jetzt nament- 
lich in Mitteldeutschland (hei Luther Buffe7i); 
zuweilen wird zwischen Bütte «größrer Zuber» 
und Butte «kleinres Daubengefäß mit Hand- 
griff», namentlich «Rücken- Traggefäß» unter- 
schieden. Mhd. hüte, gekürzt aus hüten, ahd. 
hutin, hutinna f.; dazu ags, hyden f., daneben 
hytt f. «Schlauch», engl, hutt «Faß», anord. 
hytta «Butte», schwed. bytta f., dän. hotte. 
Mit ital. hotte f. «Faß», span.-port. hofa f. 
«Schlauch», franz. hotte f. «Weingefäß» aus 
gr.-mlat. hntina f. «Flasche»; gr. iruTivri, taren- 
tinisch ßurivri f. Vgl. dazu Meringer Idg. 
Forsch. 16, 155. Vgl. auch Bottich, Bouteille. 

Büttel, f. (PI. -n): Flasche. Aus dem 
Ndd., "WO Büttel, Buddel: wohl mit ndl. hottel 
f. aus engl, hottle, das auf mlat. hotilia f. 
(statt *huticula) beruht, woher auch franz. 
houteille f. S. auch Bottelier. 

Büttel, m. (-S, PI. wie Sg.): niedriger 
Gerichtsbote, Häscher. IMlid. hütel, ahd. hutil 
m. «Gerichtsbote, entbietende Gerichtsperson»; 
dazu ndl. he\d (aus beudel), ags. hydel m., engl. 
headle. Mit Bote zu hieten. 

l)Utteln, V.: schäumend sprudeln (Goethe 
33, 73). Aus dem Ndd. (1767 im bremisch- 
ndsächs. Wörterbuch verzeichnet), vielleicht 
lautnachahmend. 

Butter, f. : das aus Milchrahm durch Ab- 
sonderung des Wässerigen gewonnene Fett. 
Im Obd. Butter m. Mhd. huter m. f., spät- 
ahd. hutera f., dazu ndl. hoter f., afries. hutera, 
ags. hutere f., engl, hutter. Entlehnt wohl 
durch Vermittlung der Klöster aus dem gleich- 
bed. gr.-lat. hutyrmn n. (zuerst bei Columella 
6, 12), gr. ßouTupov, das nach Plinius bist, 
nat. 28, 9 aus dem Skythischen stammt und 
an ßoöc f. «Kuh» und xupöc m. «Käse» an- 
gelehnt wurde. Ins Hd. drang das Wort 
von Norden ein und verdrängte die echtahd. 
Benennungen anko m., anka f. (s. Anke), 
kuosmero m. «Kuhschraeer», mhd. auch milch- 
smalz n. ABL. buttern, v.: Butter machen. 
1482 in außputtern (Voc. theut. aa 1 *). ZUS. 
Butterbemnie, s. Bemme. Butterbrot, 

n., bei Duez 1664. Buttermilch, f., mhd. 
hutermilch f. Butterschnitte, f., von Gom- 
bert 7, 16 aus dem J. 1627 belegt. Butter- 
VOgel, m.: Schmetterhng, von dem man 
glaubte, daß er Butter stehle (1517 bei Tro- 
chus H 6* hottervogel); vgl. ndl. hotervlieg 
f., engl, hutterfly. Butterweck, m.: Butter 
in Weck- d, i. Keilform. Mhd. huterivecke 
m. ■ Butterwocbe, f.: die fette Woche vor 



den Fasten; (übertragen) Flitterwoche der 
Neuvermählten. 

Büttner, m. (-s, PI. wie Sg.)-. Böttcher, 
Küfer. In Thüringen, Franken, Oberpfalz usw. 
Mhd. hütencere m., von hüten f. «Bütte» (s. d.). 

Butzen, m. (s, PI. wie Sg.): Klumpen; 
verdickte Feuchtigkeit in Nase, Auge, einem 
Geschwüre; Schnuppe am Licht; Kerngehäuse 
im Obst. Mhd. hiitze m. (selten) «Klumpen», 
dazu auch gehütze n. «Eingeweide», dann 1482 
im. Voc. theut. z 8^ putz in der nasen, putz 
am ohß. Wohl mit der hochd. Verschiebung 
zu ndd. few^^ «abgestumpft, stumpf, kurz und 
dick». Vgl. noch Zupitza KZ. 36, 248. ZVS. 
Butzensclieibe, f. (PI. -n)-. runde, gewöhn- 
lich grüne Fensterscheibe, die in der Mitte 
eine ziemlich starke schlackenartige Erhöhung 
[einen Butzen) hat. ürspr. in Nürnberg ge- 
bräuchliche Bezeichnung. 

Butzenmanu, m. [-es, F], Butzenmänner) -. 
gespenstische, vermummte Schreckgestalt. 
Mhd. das einfache hutze m. «Polter-, Klopf- 
geist, ausgestopfte Menschengestalt, Lai-ve»; 
das zusammenges. Wort erscheint bei Luther 
als Potzmann, bei Alberus Dict. p 1 ^ hutzen- 
man und Hb 3* hotzenman. Mhd. hutze viel- 
leicht zu ahd. hö^an «schlagen» (s. Amboß), 
also «Klopf-, Poltergeist» oder wohl eher 
mit dem vorausgehenden identisch, also eig. 
«kurze, dicke, verkrüppelte Gestalt» (auch das 
schw'eiz. bök ist «Butzenmann» und «Butzen») 
wie noch nhd. Bützel m., obersächs. und 
Schweiz. BUz m. «kleines, unvollkommen ge- 
staltetes Geschöpf», mhd. bützel m. «Wichtel, 
Zwerglein», 

butzig (Rückert 1, 110), s. putzig. 

Butzkopf, m. [-es, PJ. Butzköpfe): der 
Nordkaper (Walfisch). Benannt nach der ab- 
gestumpft aussehenden Schnauze, zu ndd. 
hutt «stumpf». 

Buxe, f. (PI. -n): Hose. Aus dem Ndd., 
wo hoxe, büxe, ndl. bokse f.: daraus entlehnt 
Island, (im PI.) huxur, schwed. byx, ^dän. 
buxe. Von Bock abgeleitet, also eig. «Hose 
von Bocksleder», vgl. engl, buckskins «bock- 
lederne Hose». Helvig 1611 hat Buchsen als 
ndsächs. Wort, ebenso verzeichnet Adelung 
Büchse als ndsächs., 1616 bei Henisch Bixen 
« Pluderhosen, Schitferhosen ». 

büxen, v.: behende heimlich entwenden. 
Aus dem gleichbed. ndd. huxen, ndl. hoksen, 
eig. wohl s, v.^a. «behende ungesehen in die 
Hose (Hosentasche) stecken». Bei Schiller da- 
für bixen in iveggehixt (Räuber 2, 3). 



317 



CslU 



Charivari 



318 



AVörter, die man hier nicht findet, suche man unter K und Z. 



Cafe, s. Kaffee. 

Canaille, f. (PI. -n): niedriger Pöbel; ver- 
ächtlicher Mensch. Aus dem gleichbed. franz. 
Canaille nach ital. canaglia f., eig. «Hunde- 
volk», Kollektiv zu lat. canis «Hund». Im 
17. Jh. ganz geläufig (bei Schupp 1, 427 Canalie, 
bei Stieler 1691 Kanalje); die persönliche Bed. 
schon bei Wächtler 1711. 

CailCan, m. (-5): ein unzüchtiger Tanz. 
Aus franz. cancan, das aus lat. quanquam 
«obwohl». Zunächst wurde es in der Be- 
deutung einer «Universitätsanrede» gebraucht, 
weil diese meist mit quanquam begannen. 
Neue Entlehnung. 

Cerevis, n.: kleine runde Studentenmütze, 
die bei Bierkommersen getragen wii'd. Aus 
lat. cerevtsia, urspr. cervisia f. «Bier». In 
der neuern Studentensprache, abgekürzt aus 
Cerevismütze. 

Chaise, f. (PI. -w): Halbkutsche. Aus 
franz. chaise f. eig. «Stuhl», das urspr. Pariser 
Aussprache statt chaire f. «Lehrstuhl, Stuhl, 
Sessel» aus gr.-lat. cathedra f. (s. Katheder). 
Im 17. Jh. entlehnt. 

Chalzedöu, m. {-s, PL -e) oder Chalce- 
donier, m. (s) : milchbläulicher Halbedelstein. 
Mhd. calcedon, aus gr.-mlat. chalcedonius, d. i. 
lat. achates chalcedoyiius «Achat von Chal- 
cedon» in Kleinasien. 

Chamäleon, n.: farbenwechselnde Ei- 
dechse; (bildlich) ungetreuer Yerstellungs- 
künstler. Aus g]\-lat. chamaeleon, gr. xctM"i- 
Xeoiv m. d. i. «Erdlöwe» (xaiaai «an der Erde», 
\eujv m. «Löwe»). Im 16. Jh, entlehnt (1571 
bei Heyden Plinius 173 Chameleon m., 1595 
bei Hulsius Schiffahrten 1, 17 Chamelion). 
Früher auch als M. (Hagedorn Oden 55, 
Goethe 1, 62). 

Champagner, m. (-s): Schaumwein aus 
der Champagne. Nach franz. vin de Cham- 
pagne, auch bloß Champagne m. Um 1750 
eingebürgert (Goethe Br. 2, 105, bei Aler 1727 
Champagnier wein) . 

Champignon, m. (s, PI. -s): eßbarer 
Feld-, Rasenschwamm. Das franz. Champignon 
m., aus neulat. campinio m., von lat. campus 
m. «Föld». 1715 bei Amaranthes Sp. 1474. 



Champion, m. (s, PI. -s) -. Kämpe, Meister. 
Aus gleichbed. franz. Champion, das auf ein 
vulg.-lat. campio «Kämpfer», abgeleitet von 
campus m. «Feld», zurückgeht. 1710 bei 
Nehring. 

Chaos, n. : verworrene gestaltlose Urmasse 
zur Weltbüdung; Wirrsal. Das gr.-lat. chaos, 
gr. xöoc n. eig. «der gähnende leere maßlose 
Raum», von gr. xaiveiv «gähnen». Im 17. Jh. 
entlehnt. Vgl. Gas. 

Charakter, m. {-s, PI. Charaktere)-, (auf- 
geprägtes) Kennzeichen; eigentümliche Ge- 
sinnungsweise;" Gesinuungsfestigkeit; Titel, 
Rangstellung. Aus gr.-lat. charäcter, gr. 
xapaKTrjp m. «Eingegrabenes, Eingeprägtes, 
Kennzeichen, aufgeprägte Eigentümlichkeit», 
von gl". x«P"cceiv «einritzen, einprägen»; da- 
her schon mhd. kar acter m. «Buchstabe, 
Zauberschrift, Gepräge, Mei'kmal». In der 
2. und 4. Bed. bei Wächtler 1711. ABL. 
charakterisieren, v.: kennzeichnen; be- 
titeln. Aus franz. caracteriser , von gr. 
XapaKxripiZieiv «mit einem Merkmal oder Ge- 
präge versehen, schildern», charakteri- 
stisch, adj. Nach dem gr, Adj. xapaKTripi- 
cTiKöc «bezeichnend». Beide im 18. Jh. auf- 
genommen (1749 bei P^yra und Lange 400 
characteristisch). 

Charge, f. (PI. -n): dienstliche Stellung. 
Aus franz. Charge f. eig. «Last», zu charger 
(s. d. folg.). Im Anfang des 17. Jh. ent- 
lehnt. ABL. chargieren : laden ; belästigen : 
einen Angriff unternehmen. Aus dem gleich- 
bed. franz. charger, von einem mlat, *carri- 
care «auf den Wagen laden, belasten», das 
auf carrus m. «Wagen» zurückgeht. Schon 
1617 im teutschen Michel 8 als charschieren 
angeführt. Das Part, als Subst. der Char- 
gierte, studentischer Würdenträger, bei 
Kluge Wb. d. Studentenspr. aus dem J. 1831 
belegt, dafür 1795 Chargenträger. 

Charivari, n.: Katzenmusik, Aus dem 
gleichbed. franz. charivari m., eig. s. v. a. 
«Polterabend», afranz. (14. Jh.) caribari, chali- 
vali, mlat. charivarium, chalvaricum n. «un- 
harmonische Musik, die einer zur zweiten 
Ehe schreitenden Person gebracht wurde». 



319 



Chaussee 



Chor 



320 



Dunklen Ursprungs (1664 bei Duez franz. 
charivari «Koi^fschmerz», aus dem gleichbed. 
gr. Kapnßapia f., eig. «Schwere des Hauptes»). 
Bei Wächtler 1714. 

Chaussee, f. (PI. -n): Kunststraße. Das 
franz. chaussee aus mlat. calciata «mit Kalk 
gemauerte Straße», dem als Subst. gesetzten 
F. des Part Perf. Pass. von mlat. calciare 
«mit Kalk (lat. calx, G. calcis) aufmauern». 
Um die Mitte des 18. Jh. aufgenommen (1779 
bei Goethe Br. 4, 94) und bei Adelung 1793 
verzeichnet. 

Chauvinfemus, m. : übertriebener Natio- 
nalstolz. Nach franz. chauvinisme m., ein Aus- 
druck der eig. die Schwärmerei für Napoleon 
bezeichnet; er soll auf den Veteranen Nie. 
Chauvin aus Eochefort zurückgehen. 

Chef, m, (-S, PL -s): Oberhaupt, Vorge- 
setzter. Das franz. chef m. , von lat. caput 
n. «Kopf, Haupt». -Im Anfang des 17. Jh. 
entlehnt (1616 bei Wallhausen Kriegsmanual). 

Chemie, f.: Scheidekunst. Aus gr. xn^^i«, 
Nebenform von x"|Lteia f. «Vermischung», das 
auf X'JMoc m. «Saft, Flüssigkeit» zurückgeht. 
Älternhd. meist Chimie, Chyniie (dies noch 
bei Adelung). Vgl. auch Alchimie. ABL. 
Chemiker, m. Aus gr. x^^miköc «die Säfte 
betreifend», chemisch, adj. 

Chemisette, f. (PI, -n): Vorhemdchen. 
Das franz. Chemisette f.. Dem. zu chemise f. 
«Hemd» aus lat. camisia f. 1773 bei Ama- 
ranthes^ 1, 717. 

-chen, Verkleinerungsendung des Sub- 
stantivs. Nach ch und g steht, um den Miß- 
klang zu vermeiden, -eichen, z. B. Bächelchen, 
Trögelchen, vgl. Wilmanns Deutsche Gramm. 
2, 319. Im 16., 17. Jh. auch -ichen, -ichin, 
mhd. -ichin, aber nur in md. Quellen. Da- 
neben auch hd. das unter flämischem Ein- 
fluß eingedrungene -ekin, z. B. gehürektn 
«Bäuerlein». Im altern Nhd. tritt -chen über- 
all hinter -lein zurück, Luther hat in der 
Bibel nur Caninichen und Saltzirichen (Rand- 
glosse zu 4. Mos. 7, 14) «Salzfäßchen», häufiger 
Bildungen auf -ichen in seinen Briefen. Auch 
sonst bei Mittel- und Norddeutschen erscheinen 
anfangs solche Bildungen nur ausnahmsweise 
(Opitz Seelichin, Wäldichin, die Schlesier 
haben sonst fast durchaus -lein, öfter -chen, 
-gen bei Rist, Dach, dann bei Chi'. Weise 
u. a.); unter den Grammatikern hält sie 
Schottel (S. 820 -ichen mag etiva spielweis 
oder sonst im gemeinen Reden schertzivegen 
gebrauchet werden) noch fern, während 1690 



Bödiker S. 132 -chen für die im Hd. üb- 
Hchste Endung erklärt. 

Chenille, f. (PI. -n): Samtschnürchen. 
Das franz. chenille f. «Raupe», dann wegen 
der Ähnlichkeit jene Schnur. 1715 bei Ama- 
ranthes Sp. 344 Chenellen, deutsch Schönellgen. 

Cherub, m. {-s, PI. Cherubim): Thron- 
träger Jehovas. Das hebr. cherüb. Mhd. ent- 
lehnt (aus dem PI.) cherubm m. 

Chiffre, f. (PI. -n)-. Namenszug; Geheim- 
schrift. Das franz. chiffre m. «Zahlzeichen» 
(s. Ziffer), Geheimschrift. Bei Nehring 1710. 

ChigUOn,m. {-s, PI. -s) -. hinaufgeschlagenes 
Nackenhaar; Haarwulst. Das franz. chignon 
m., das auf franz. chaine aus lat. catena f. 
«Kette» zurückgeht. Im spätem 18. Jh. auf- 
genommen (1773 bei Amaranthes'^ 1, 720). 

Chiragra, n. (Schiller Wall. L. 488): Hand- 
gicht. Aus gr.-lat. cMragra, gr. xexpd'xpa f. 
«Handgicht». 

Chirurg, m. (-en, PI. -en): Wundarzt. 
Aus gr.-lat. chirurgus, gr. xeipoupYÖc m. eig. 
«mit der Hand arbeitender Arzt», das als 
Subst. gebrauchte M. des Adj. x^ipoupT^^c 
«mit der Hand arbeitend» (xeip «Hand» und 
eine Bildung von ^pyov «Werk»). Im frühern 
Nhd. meist in lat. Form. ABL. Chirurgie, 
f.: Wundarzneikunst. Aus lat.-gr. chlrurgia, 
gr. xe'poupYia f. «Arbeit mit der Hand, Wund- 
arzneikunst». Schon frühnhd. (Mumer Narr. 
30, 1 Cirurgy). chirurgisch, adj., nach 
gr.-lat. cMrurgiais, gr. xeipoupYiKÖc «zur Hand- 
arbeit, Wundarzneikunst gehörig oder ge- 
schickt». Bei Fischart Bodinus (1586) 137. 

Chlodwig, s. Ludwig. 

Chlothar, s. Lothar. 

Cholera, f. : Brechruhr. Das gr.-lat. cholera, 
gr. xo^^pa f. «Galle, Gallensucht», von gr. 
Xo\r| f. «Galle», Schon spätmhd. colera f. 
«Ruhr», 1727 bei Aler Choler f., vgl. auch 
Koller. ^5L. cholerisch, adj.: zornsüchtig. 
Nach gr.-lat. cholericus, gr. xo^ep"<öc «gallen- 
süchtig». Bei Henisch 1616 cholerisch, 1615 
bei Albertinus Landstörzer 440 kolerisch. 

Chor, m. (-es, PI. Chöre): Sängerkreis; 
vollstimmiger Gesang; hintrer Teil der Kirche; 
Eraporkirche; Schar. Aus gr.-lat. chorus, gr, 
Xopöc m. «Rundtanz, Reigen, Sängerschar», 
im Mlat. auch «Kirchensitz der singenden 
Geistlichen», woraus schon mhd. kör, ahd. 
chor m. «Sängerschar, Geisthchenschar in der 
Kirche, der Kirche hintrer Teil als Sitz der 
singenden Geistlichen». In der neuern Sprache 



321 



Chrestomathie 



Conr 



322 



auch zuweilen Xeutr., namentlich in der letz- 
ten (übertragnen) Bed. ABL. Choral, m. 
(-S, PI. Choräle): "Weise eines Kirchenliedes. 
Aus mlat. choralis «zum Chor gehörig». Früh- 
nhd. (Ringwald getr. Eckh. D 4^), auch bei 
Rot 1571 verzeichnet. Als Xeutr. bei Hage- 
dom Fab. 185. Dazu Choralhuch, 11., 1562 
bei Mathesius 147^ Coralbuch. Chorist, m. 
(-en, PI. -en): zum Singechor eines Theaters 
Gehöriger. Aus mlat. cliorista m. «Chor- 
sänger». Bei Adelung 1774. ZUS. Chor- 
rock, ni.: langes geistliches Amtskleid, ur- 
spr. im Chore der Kirche getragen, iihd. 
korroc m. 

Chrestomathie, f. (PI. -n): Mustersamm- 
lung aus Schriften. Aus gl*. xPn<^T0,ud9eia f. 
«Sammlung des Brauchbarsten aus Schrift- 
stellern», von gr. xpncTÖc «brauchbar» und 
laaGeiv «lernen». Im spätem 18. Jh. aufge- 
nommen. 

Chrisam, n.m. (-5): geweihtes kirchliches 
Salböl. Mhd. krisem, kresem, ahd. chrisamo, 
chresamo m. aus kii-chlich-lat. chrisma n. «Sal- 
bung», im Mlat. «geweihtes Salböl», gr. xpicua 
n. «Salböl». 

^Christ, m. (-es): Christus; Weihnachts- 
geschenk (als Geschenk von Christus). Mhd. 
nach der Aussprache Krist, ahd. Christ, 
asächs. Krist, ags. Crist, anord. Kristr «Chri- 
stus», aus dem kirchlichen gr.-lat. Christus, 
gr. XpicTÖc eig. «der Gesalbte», d. h. der 
vom Königsstamme Davids hei'vorgegangene 
König, von xpieiv «salben». ZUS. Christ- 
abend, m.: der Abend vor "Weihnachten, 
mhd, kristähent m. Christkind, n.: Chri- 
stus als neugebomes Kind; Weihnachtsge- 
schenk. Bei Luther. Christmette, f.: Messe, 
dann Gottesdienst zur Feier der Geburt Christi 
mit AnbiTJch des Christtages. Spätmhd. krist- 
mettin f. Christmonat, m. : Monat des Festes 
der Geburt Christi, Dezember, späimhd.christ- 
män, -mänet. Christtag, m.: Tag zur Feier 
der Geburt Christi, mhd. krisftac m. 

^Christ, m. {-en, PI. -eii): der in Chiisti 
Namen Getaufte. Ältemhd. auch Christe 
(noch Lessing 4, 59, Schiller Räuber 4, 2), 
im 16. Jh. mitunter noch Christen (l. Petr 4, 
16). Mhd. kristen, kristcene, ahd. christäni 
m,, eig. Adj. aus dem kirchlichen gr.-lat. 
christiänus gr. Xpicriavöc «Bekenner Christi» 
(daher die Eigennamen Christian und Chri- 
stine), abgeleitet von gr. Xpicröc (s. ^ Christ). 
Als Adj. asächs, kristin, ags. cristen, anord. 
kristinn. Das "Wort ist im Mhd, zur schwachen 

Weigand, Deutsches Wörterbuch, ö. Aufl. 



Dekl. Übergetreten. ABL. Christenheit, 

f., mhd. kristenheit, ahd. christanheit f., dazu, 
andd. cristinhed i. «Christlicbkeit, Taufe». 
Christentum, n., mhd. kristentuom m. n., 
dazu anord. kristindömr m. Christin, f. 
Mhd. dafür kristen f., doch auch schon kri- 
steninne f. christlich, adj. u. adv., älter- 
nhd. auch christenliclt. Mhd. kristenlich, ahd. 
christanlih. 

Chronik, f.: Zeitbuch. Mhd. krönike, 
kronik f., aus dem gr.-lat. PI. chronica, gr. 
XpoviKci (wobei ßißXia «Bücher», zu ergänzen 
ist) «Zeit- d. i. Geschichtsbücher», PI. des 
Xeutr. von xpoviKÖc «die Zeit betrefiend», 
abgeleitet von xpövoc m. «Zeit», — Chronist, 
m. {-en, PI. -en): der die Zeitereignisse ver- 
zeichnet. Aus nlat. chronista m. Frühnhd. 
(Albertinus weibl. Lustg. 35). — Chrono- 
logie, f.: Zeitkunde. Aus gx*. xpovoX.OYia f. 
«Zeitrechnung», abgeleitet von xpovoXÖYoc 
i «die Zeit berechnend» (-Xotoc zu Xe'-feiv hier 
«berechnen»). Bei "Wächtler 1711. Davon 

chronologisch, adj. 

Chrysolith, m. {-es, PI. -e): gelblich- 
grüner Edelstein. Mhd, chrysolit, crisolit, 
\crisolt m, aus gr.-lat, chrysolithus m, f., gl-. 
XPucöXieoc f. «Goldstein», zusammenges. aus 
xpucöc m, «Gold» und XiOoc m. «Stein». 

Chrysopras, m. {-es, PI, -e): apfelgrüner 
Halbedelstein. Eig. gold-, lauchgi-üner Stein, 
Mhd. crisoprassis , crisoprasse, crisopras m. 
n, aus gi\-lat, chrysoprasiis, gr. xpucöirpacoc, 
zusammenges. aus gr. xpucöc m. «Gold» und 
einer Bildung von irpdcov n. «Lauch». 

Clique, f. (PI, -w): Spießgesellschaft, Das 
franz. clique f., das von cliquer «klatschen» 
(wie cJaque von ciaquer). Im spätem 18. Jh. 
aufgenommen. 

Coupe, n. {-s, PI. -5) : Halbkutsche ; Wagen- 
abteilung. Das franz. coupe m., von couper 
«schneiden, abteilen, hauen», abgeleitet von 
coup m. «Streich, Schlag», das auf gr.-lat. 
colaphus, gr. KÖXaqpoc m. «Faustschlag, Backen- 
streich» zurückgeht. — Coupon, m. {-s, 
PI. -s): Zinsschein, Zinsleiste. Das fx'anz. 
coupon, ital, cupone m., von couper «schnei- 
den». Beides neue Entlehnungen. 

Cour, f.: Hof, Hoftag, Aufwartung bei 
Hofe; höflichkeitsvolle Gunstbewerbung {die 
C. machen). Das franz. coiir f., dies wie ital. 
Corte m. «Hof» zeigt, aus mlat. cortis f, 
«fürstlicher Hof», lat, cors (Gen, cortis) «Hof- 
raum, Hof», füi' älteres cohors f. Bei "Wächt- 
ler 1711. 

21 



323 



Courage 



Dackel 



324 



Courage, f.: Herzhaftigkeit, Mut. Das 
franz. courage, ital. coraggio m,, das eine Ab- 
leitung von franz. coeur, ital. cuore m. (aus 
lat. cor n.) «Herz» ist. Um 1600 entlehnt 
(Wallhausen Corp.mil. 67, Coraß'va. einem Lied 
von 1619 bei Hartmann bist. Volksl. 1, 122). 



Cousin, m. {-s, PI. -s): Vetter. Das franz. 
cousin, ital. cugitio m., zusammengez. aus lat. 
consoh'inus. Cousine, f.: Base. Das franz. 
Cousine, ital. cugina f., aus lat. consobrma f. 
Beide in der ^Vlitte des 17. Jb. aufgenommen 
{Cousin bei Schupp 1, 274). 



D 



^da 1) demonstratives räumliches Adv.: 
an dem Orte. 2) relatives räumliches Adv.: 
wo, nur noch altertümlich und dichterisch. 
Mhd. da, mit Abfall des ausl. r aus dar 
(wie in e «ehe», wä «wo»), ahd. dar; dazu 
asächs. tliar, ndl. daar, afries. ther, ags. pmr, 
engl, there, anord. par, schwed. ther, dän. der, 
got. par. Von dem Stamme des Demonstr. 
der; in der Bildung ist zu vergleichen aind. 
tär-Tii «damals». Älternhd. auch do (durch 
Vermischung mit dem folg. Wort) ; eine Form 
dar (unter Einfluß der Zusammensetzungen 
daran, darauf usw., in denen sich vor Vokal 
das urspr. r erhielt) findet sich nicht nur 
im 17. Jh., z. B. Gryphius Travxersp. 41. 
Lohenstein Rosen 97, sondern noch im 18. 
in hier und dar (Drollinger 44, auch bei 
Rückert Ged. 3, 478), femer von dar (Lessing 
3, 35. Bürger 194). 

"da l) demonstratives Zeitadv.: zu der 
Zeit. 2) relatives Zeitadv.: zu welcher Zeit, 
im Anschluß an Substantive und dann auch 
als Konj.: indem, als. 3) als kausale Konj.: 
weil. Mhd. -ahd. dö und duo; dazu asächs. 
thä, ags.-anord. pä, schwed. da, dän. da. Von 
dem Stamme des Demonstr. der. Die Form 
da setzte sich fest, weil Zusammenfall mit 
dem lokalen ^da eintrat, ältemhd. aber auch 
do, noch im 17. Jh. bei Tob. Hübner. 

dabei, Adv., das auf ein ^S^ahesein hin- 
weist. Älternhd. auch darbei (noch bei 
Steinbach 1734), mhd. därht, däU, ahd. darin, 
asächs. fhärhi, ndl. daarbij , engl, thereby. 
Zusammengerückt aus ^da vmd bei. 

Dach, n. {-es, PI. Dächer): Bedeckung, 
unter der man sich aufhalten kann. Älter- 
nhd. (noch oft im 17. Jh.) auch Tach, mhd. 
dach, später tach, ahd. dah n.; dazu ndl. dak, 
ags. pcec, engl, thatch «Strohdach», anord. 
Jjak, schwed. tak n. Zu lat. tegere «decken», 
wozu tectum n. «Dach» und (im Ablaut mit 
Dach übereinstimmend) toga f. eig. «Hülle», 
gr. T^-foc «Dach», air. tech n. «Haus», ferner 



von einer anlaut. s zeigenden Wurzel, gr. 

' CT^Y^iv «bedecken», c^i^oc n. ct^yi f. «Dach», 
lit. stögas m. «Dach». Redensart: einem zu 
Dache, aufs Dach steigen (bei Kindleben 1781 

I als studentisch verzeichnet) «ihm zu Leibe 

j gehen» (früher zu Dache sein oder sitzen). 
ABL. dachen in ab-, bedachen, mhd. dachen. 

j S. auch decken. ZUS. Dachreiter, m.: 
auf dem Dache sitzendes Türmchen. 1781 

! bei Jacobsson techn. Wb. 1,385^ Dachreuter. 

! Dachstuhl, m.: Dachgebälke, Frühnhd. 
Dachtraufe, f., mhd. dachtroufe f., meist 
dacht rouf m. n. 

Dachs, m. (Gen. Dachses, PI. Dachse 
und seltner Dachse). Mhd.-ahd. dahs, ndl. 
das m. Ins Mlat. entlehnt als taxus, daher 
ital, tasso, span. texon, franz. taisson m. Ge- 
wöhnlich zu mhd. dehsen «den Flachs schwin- 
gen», urspr. aber «schlagen, hauen» gestellt; 
dazu femer aind. taks «behauen, zurecht ma- 
chen», täksä m. «Zimmermann», gr. t^ktujv 
m. «Zimmermann». Das Tier würde dann 
seinen Xamen von seinen kunstvollen Bauten 
erhalten haben. Doch kann natürlich auch 
etwas ganz andres darin stecken. Vgl. auch 
Palander Memoires de la soc. neophil. ä 
Helsingfors 2, 99. 

Dächsei, m. {-s, PI. wie Sg.): Hundeart 
zum Dachsfange. 1719 bei Fleming teutsch. 
Jäger 185'', bei Adelung 1774 Tächsel. Von 
dächsein, v.: nachts den Dachs hetzen und 
fangen. 1763 bei Heppe wohlred. Jäger 91*. 
Dachstuhl, s. Dach. 
Dachtel, f. (PI. -n): Schlag mit flacher 
Hand an den Kopf. Frühnhd. (LTilands 
Volksl. 41, 23), auch Tachtel. Das mhd. 
tahtel, Nebenform von tattel f. «Dattel», in 
spottender Anwendung, wie Feige in Ohr- 
feige, Kuß (wenn auch nui- im Anklang an 
die Frucht) in Kopfnuß, ndl. muilpeer f. 
(Maulbirne), «Maulschelle». 
Dachtraufe, s. Dach. 
Dackel, s. Teckel. 



325 



dadnreli 



Dambocli 



326 



dadurch, adv. Mhd. dar durch, da durch, 
ahd. dar durh. 

dafür, adv., bis ins 17. Jh. auch noch 
darfür. Mhd. dar mir, der vür, da vür, ahd. 
dara fiiri, dar furi. ZUS. d. halten, v.: 
von etwas meinen, wie es sei. In der frühnhd. 
Kanzleisprache (Janssen Frankf. ßeichskorr. 
1, 764). Der Inf. als Subst. Dafürlmlten, n. 

dagegen, adv., älternhd. auch dargegen 
(noch bei Steinbach 1734). Mhd. dar-, der- 
gegene, da gegen, ahd. dara gagani. 

daheim, adv. : zu Hanse. Älternhd. auch 
noch daheime, erweitert daheimen (l. Sana. 
18, 10). Mhd. da heime, ahd. dar keime, s. 
heim. Nach Hejnatz 1796 veraltet und nur 
für die scherzhafte Schreibart zu empfehlen, 
jetzt aber wieder durchaus schriftsprachlich, 
wenn auch in der Umgangssprache nicht 
überall gebräuchlich. 

daher,' adv.: zu dem Orte her (in dahe)'! 
und in der Verbindung mit Verben, aber 
oft mit Zuriicktreten der lokalen Beziehung, 
z. B. daher fahren); von dem Orte her; in- 
folge und durch Wirkung dessen. Mhd. 
da her «bis zu diesem Orte, Zeitpunkte»: 
das auf den Ursprung und Grund hinwei- 
sende daher bei Luther. Älternhd. auch 
daher 0, s. hero. 

dahier, adv. : hier am Orte. Nach Adelung 
1774 oberdeutsch, im Hochd. ungewöhnlich. 

dahin, adv.: von dem Orte weg, mhd. 
da hin (nur noch in der Verbindung mit 
Verben, meist mit Zurücktreten der lokalen 
Beziehung, z.B. d. sein «weg, verloren sein», 
d. schwinden, sterben usw.); zu dem Orte 
hin; zu dem Ziele. 

dahlen, v. : einfältig, albern reden; spiel- 
haft tun, zwecklos tändeln (Goethe 19, 64), 
In der 1. Bed. frühnhd. dalen (Hans Sachs 
Fastn. 83, 109), auch dallen (Seb. Franck 
Sprichw. 2, 80^); hochd. urspr. mit anlaut. t, 
tollen bei Seb. Franck mor. encom. 29^, 
Tallmann \XTi.({ Tallmatz m. «inaniloquus» 1727 
bei Aler 1873% schles. thalen (Günther 241. 436) 
und tallen (Scherffer Grob. 84. 213, Steinbach 
1734); daneben älternhd. im 16. Jh. talmen, 
bei Stieler 1691 dalmen, Schweiz, talmen, 
dalmen neben talen, dalen «einfältig reden», 
thüring. dalmen «tändeln». Vgl. engl, dally 
«tändeln». Dazu im Ablaut ein tillens tellens 
und unnütz gepleuder bei Luther 3, 446* Jen. 
Vielleicht wurzelverwandt mit got. dwals 
«töricht», dwalipa f. «Torheit», dwalmön 
«töricht, verrückt sein», ahd. gitwola f. «Be- 



törung, Ketzerei», ahd. toi, asächs.-ags. dol 
«töricht» (s. tolV). 

Daktylus, m. (PI. Däktylemmä Daktylen) : 
der Versfuß ~^ ^■. Das gr.-lat. däctylus, 
gr. bciKToXoc m. eig. «Finger», weil der Vers- 
fuß den drei Finsrercrliedern versflichen wm-de. 
ABL. daktylisch, adj. 

Dälle, s. Teile. 

Dalles, m.: Unglück, Verderben, Armut. 
In der Judensprache. Eig. «das Totenkleid» 
(als talles schon 1534 bei Franck Weltbuch 
153*'), das am großen Yersöhnungstage an- 
gelegt wurde. Aus hel)r. talith, oder von 
hebr. dallnth «Armut». 

Dallinger, m. (auch Dollinger, Dalcher): 
Henker, Schai-frichter. Ein bereits im An- 
fange des 16. Jh. im Liber vagatonam vor- 
kommendes Gaunerwort, von hebr. täläh 
«aufhängen». 

damalig, adj. Im 17. Jh. (bei Grimmeis- 
hausen Simpl. 10). Von dem älternhd. Adv. 
damal «zu der Zeit», wofür jetzt damals, 
mit mals, mhd. mdles, dem adverbiell ge- 
brauchten Gen. von mhd. mal n. «Zeitpunkt»: 
schon in der frühnhd. Kanzleisprache (donials 
Reichs-Ordnimgen 140^ vom J. 1527). 

Damast, m. {-es, PI. -e)-. Zeugstoff mit 
eingewebten Bildern. Aus ital. damasto neben 
daniasco m., franz. damas ra., d. i. geblümtes 
Seidenzeug von Damaskus (ital. Dawasco, 
franz. Damas) in Syrien. Danach im 15., 
16. Jh. die Formen Damast (dammasf Murner 
Narr. 19, 63), Damaseh (schon um 1400), 
Damascht (bei Mathesius), Damask (mnd., 
bei Ringwald Wahrh. 92 Damaschke), 1596 
bei Fronsperger Kriegsb. 3, 214^ Damaßkat, 
noch bei Schott el 1663 Damaskt. Auch be- 
tont Damast {Dänmast bei Voß Luise 2, 
82. 107). ABL. damasten, adj. Im 16. Jh. 
auch damasken. 

Damaszener, m.(-s): Stahl von Damaskus. 
Abgeleitet von gr.-lat. Damascenus «damas- 
zenisch», von Damaskus in S^^ien. — da- 
masziereu, v. : (vom Stahl) flammend ätzen. 
Nach dem gleichbed. franz. damasquiner, ital. 
damaschinare, abgeleitet von Damascenus, da 
in Damascus zuerst Stahl flammig geätzt 
wurde. Bei Henisch 1616 damaskeneren, bei 
Duez 1664 damaßkieren und damaßkenieren 
(bei Fischart Garg. 295 Damascanirer m.). 

Damhock, m. {-es, PI. Damhöcke): Männ- 
chen des Damw^ildes. Dam- ist mhd. täme 
m. und tum n., ahd. tämo m. und tarn n., 
verkürzt ags. da f., engl, doe «Rehkuh», dän. 

21* 



327 



Dambrett 



Dämmer 



328 



äaa. Von gleichbed. lat. dama m. f., woraus 
mit Wandlung des m in n afranz. daine m. 
(nfranz. daine f. «Damhirschkuh»), ital. daino 
m. «Damhirsch» und daina f. «Damhirsch- 
kuh». Auf diesen roman. Formen beruht 
mhd. tenisch n. «Leder von der Haut des 
Damwilds», im 16. Jh. Tänlein, Dänlein 
(Schmeller ^ 1, 512) «Damhirsch», sowie das 
■/Mssunmenges. Deuhock, auch Dannhock, später 
dui'ch Dambock verdrängt. 

Dambrett, auch Damenbrett, n. {-es, 
PI. -er): Brett zum Damenspiel (s. Dame). 
Bei Duez 1664 Dambrett, hei Rädlein 1711 
Damenbret. 

Dame, f. (PI. -w): vornehme weibliche 
Person; zwei übereinander gesetzte Steine 
im Spiel auf einem in 64 Felder abgeteilten 
Brett (bei Duez 1664 daher D. spielen, eig. 
in oder auf der D. spielen, Goethe 37, 53, 
bei Duez im dam spielen); die Königin in 
der Karte und im Schachspiel. Aus franz. 
dame f. (woraus ital. dama f.), das auf lat. 
domina, mlat. domna beruht. Das Wort 
kommt im Anfang des 17. Jh. auf, wird 
schon 1617 im teutschen Michel 19 als mo- 
disches Fremdwort aufgeführt, 1629 von Opitz 
Ged. 2, 217, 1638 von Zincgref 2, 126, 1642 von 
Homburg Clio C 6, dann von Rist, Logau u. a. 
gebraucht und von Schottel 1663 als deutsch 
verzeichnet. Anfangs daneben auch das ital. 
dama {madamahei Albertinus weibl. Lustg. 131). 

dameln, dämelll,v.: sich kindisch, töricht 
benehmen; im Kopfe verwirrt, unklar sein. 
Aus dem Ndd. In den Wörterbüchern vor 
Campe nicht verzeichnet, aber schon im 16. Jh. 
als dammein belegt, kommt dann seit der 
Mitte des 18. Jh. durch die nordd. Umgangs- 
sprache auf (döm,eln, auch Dömelei bei Hermes 
Sophiens Reise 1, 413, zusammendämmehi bei 
Goethe Jery u. Bat. 18, 20, dammein bei Voß 
Ged. 2, 218; in Norddeutschland unterscheidet 
man heute dämeln in obiger Bed. und dammein 
«spielen, tändeln, scherzen, schäkern»). Ver- 
glichen wird aind. tämjati «ermatten, betäubt 
werden», lat. temulentus «trunken», ahg. tomiti 
«mühen, abquälen», ir. famam« ruhe». ABL. 
dämelig, dämlig, adj.: töricht, gedankenlos. 
Bei Frisch 1741 dämlich. ZUS. Dämelack, 
m. (-s): Dummkopf, Träumer. Verstärkend 
statt der einfachen Bildungen Dämel m. und 
Lack m. «dummer Mensch» (Fulda Id. 249), 
fränk. Lacks m. «ungeschickter großer junger 
Mensch», westf. Lacks m. «LafFe», östr. Lackl 
m. «unbeholfner Mensch». 



Damenbrett, s. Damhrett. 

Damhirsch, m., wie Damhock (s. d.). 
Bei Maaler 1561 Damhirtz, sonst älternhd. 
auch DannJiirsch (noch 1773 von Goethe im 
Götz gebraucht, d. j. Goethe 2, 316). 

damisch, adj.: betäuben, unklaren Geistes 
seiend (dann in übertragener Bed. «unbe- 
holfen, plump und groß» ein damischer Kerl). 
Im 15. Jh. im Oberd. erscheinend (Osw. 
V. Wolkenstein 122, 24 tämisch, Schmeller- 
1, 603 tämisch, temisch neben daumisch, um 
1480 im Voc. ine. teut. r6^ tämisch «hebes, 
ineptus, stultus»), noch jetzt im Baja-. als 
«betäubt, schwindelig, nicht recht bei Sinnen», 
daher wohl nicht zu dem md.-ndd. dämeln, 
dämelig gehörig, doch frühzeitig damit ver- 
mischt, deshalb auch dämlich geschrieben. 
Abgeleitet von mhd.-ahd. toum m. (ou zu ä, 
vgl. Bahm, mhd. roum), vgl. Taumel. 

damit l) adv. : mit dem, mit welchen], 
womit, mhd. da mite, ahd. dar miti 2) konj.: 
in der Absicht daß (bei Luther). Älternhd. 
auch darmit. 

dämlig, s. dameln. 

Damm, m. {-es, PI. Dämme): in die 
Länge aufgeschüttete Erde usw., besonders 
zum Abhalten des Wassers. Älternhd. meist 
Tamm (1507 bei Wilwolt von Schaumburg 80 
tarn, tamh, bei Luther Tham, bei den schle- 
sischen Dichtern Tha^nm, Tamm, diese Form 
auch* bei Stieler 1691, während Schottel 1663 
Damm hat); die Form mit d wird hier aus 
dem Ndd. stammen, findet sich aber auch 
obd. im 16. Jh. Redensart: auf dem Damme 
sein «sich wohl befinden», eig. geschützt 
sein gegen Wassergefahr. Mhd. tarn (Gen. 
tammes) m., dazu mnd.-fries.-engl. dam «Damm», 
anoi'd. dammr m. Von E. Schröder ZfdA. 
42, 66 aus *dahma- erklärt und zu tapfer (s.d.) 
gestellt. ABL. dämmen, v.: dui-ch einen 
Damm aufhalten, hemmen, hindern. Mhd. 
temmen,dLaza ags.demman, got. in faurdammjan 
«verhindern». ZUS. Dammerde, f. (dem 
Damme Festigkeit gebende) fette Erde zu 
Pflanzenwuchs. Bei Frisch 1741. 

dammein, s. dameln. 

dämmen, s. Damm. 

Dämmer, m. (-s), selten n: Übergangs- 
zustaud von Licht zu Dunkel oder von 
Dunkel zu Licht, Zwielicht. Mit dem urspr. 
e entspricht mhd. (bei Nie. v. Jeroschin) 
demere f., ahd. demar n.; das nhd. Wort 
setzt indes wohl nicht diese Formen fort, 
sondern ist in der neuern Dichtersprache 



329 



Dämon 



dappeln 



330 



von dämmern npu gebildet TGoethe hat das 
bei Adelung und Campe noch nicht ver- 
zeichnete Wort seit 1776 gebraucht [d. j. 
Goethe 3, 142, Faust 395], Morgenäämmer 
bei Claudius 4, 121). Verwandt ist zunächst 
asächs. thimm «dunkel» und mhd. dinster, 
ahd. dinstar «finster» (s. d.), weiter noch 
aind. tamräs «finster», tämas n. «Finsternis», 
tämisräf. «Xacht», ]it.famsä f. «Dunkelheit», 
ir. temel «Dunkelheit», lat. fenebrae (aus 
*tenesrae) PI. «Finsternis», dämmern, v.: 
Zwielicht werden. Bei Schott el 1663 demmern, 
früher nicht zu belegen. Davon Dämmerung, 
f. 3»Ihd. (bei Nie. v. Jeroschin) demerunge f., 
ahd. dafür demenunga f. 

Dämon, m. (-s, PI. Dämonen) : böser Geist. 
Von gr.-lat. daemon, gr. bai.uuuv m. «Geist», 
besonders kirchlich s. v. a. «böser Geist». 
Bei Sperander 1728. dämöniscll, adj.: von 
einem bösen Geiste besessen, teuflisch. Nach 
gr.-lat. daemonicus. 

Dampf, m. (-es, PI. Dämpfe): dicker 
Rauch; dick aufsteigende nebelartige Feuch- 
tigkeit: (bUdlich) Bedrängnis, Pein, Angst. 
Mhd. dampf, tampf, ahd. damph m.: dazu 
ndl. daynp, engl, damp «Feuchtigkeit, Dunst», 
anord. dampi m... dän. damp. ^lit Ablaut zu 
dem starken V. dimpfen CPräX. dampf, Part. 
gedumpfen) «rauchen», von Brennendem, wie 
auch von erhitzten Menschen, Tieren usw. 
Die Herkunft ist unsicher. Das .deutsche 
Verb könnte man auf idg. *iemh zurückfühi-en 
und zu gr. äxeußuj «betöre, schädige» stellen. 
Dann müßten aber die nicht hochdeutschen 
"Worte davon getrennt oder als entlehnt an- 
gesehen werden. Ist der Anlaut germ. ä, 
idig.dh, so ließe sich aind. (?a&A«ö^i «beschädigt, 
versehrt, betrügt y^ vergleichen (aus *dhubh), 
doch stimmt dann der auslautende Konsonant 
nicht. Vielleicht liegt eine Vermischung 
zweier Wurzeln vor. ABL. dampfen, v.: 
Dampf von sich geben; Dampf hervorbringen ; 
mittels eines dm-ch Dampf getriebnen Schiffes 
oder Wagens fahren. In der 1. Bed. mhd. 
dempfen, ältemhä. dämpfen. Davon Dampfer, 
m.: Dampfschiff", dampfig, adj., spätmhd. 
temphig (um 1430 tampfg -vaporosus» im 
Voc.inc.teut.reb). Zt^S. Dampfnudel, f., 
bei Stieler 1691 Dämpfnudel. Dampfschiff, 
m. Dampfwagen, m. Neue Bildungen. 

dämpfen, v.: rauchen oder (Feuer) er- 
löschen machen; ersticken machen; unter- 
drückend schwächen; durch Dampf kochen. 
Mhd. dempfen, fempfen, ahd. demphen, femphen 



«erlöschen, ersticken machen, den Atem be- 
nehmen, würgen». Das Faktitiv zu dem 
starken V. mhd. dimpfen (s. Dampf ■. Davon 
Dämpfer, m.: Homspitze oder Blechnapf 
mit Stiel zum Löschen der Lichter (bei 
Adelung 1774): ein Werkzeug, den Ton musi- 
kalischer Instrumente zu mildem, zunächst 
die auf den Steg der Violine gesteckte kleine 
Klammer (1781 bei Jacobsson techn. Wb. 1, 
396*), daher bildlich einen Dämpfer aufsetzen. 

dämpfig, adj.: engbrüstig, schweratmend. 
In frühnhd. Glossaren. Von mhd. dempfe f. 
«Engbrästigkeit», wofüi- frühnhd. auch dampf. 

Dampfnudel, -schiff, -wagen, s. Dampf 

Damwild, n. : Rotwildart mit etwas schau- 
feligem Geweih. S. Damhock. 

danach, darnach, adv.: nach diesem. 
i Mhd. dar nach, da nach., ahd. dara näh, dar näh. 

danieder, darnieder, mhd. da nidere, 
dernider, ahd. dar nidare. 

Daniel, Mannesname, aus hehr. Dämel, 
d. i. «mein Richter ist Gott», zusammenges. 
aus hehr, däm «mein Richter» und el «Starker, 
Gott». 

Dank, m. \-es, PI. -e): anerkennender 
AusdiTick der Verpflichtung wofür. Mhd- 
ahd. danc m.: dazu asächs. thank, ndl. dank, 
afries. thank, ags.ßanc, engl, thanks PL, anord. 
pakkir PL, schwed. tack, dän. tak, goi.ßagks m. 
Die urspr. Bed. ist «Gedanke, Meinung, Ab- 
sicht» (noch in der veralteten Redensart 
ohne meinen D. d. i. Willen), wie sie bei 
denken zugnmde liegt , vgL noch dünken. 
ABL. danken, v., mhd. danken, ahä.danchön: 
dazu asächs. thankön, ndl. danken, ags.pancian, 
engl, thank, anovi. ßakka, schwed. tacka, dän. 
takke. dankhar, adj. u. adv., mhd. danchcere, 
\ ahd. danchäri. Zl'S. danksagen, r., zu- 
sammengeschoben aus mhd. danc sagen. 

dann, adv., weist auf eine Folge in der 
Zeit, der Ordnung. !Mhd. danne imd denne, 
gekürzt dan, den, ahd. danne und denne, 
selten denni; dazu ndl. dan, ags.ßonne.ßcenne, 
engl, fhen «damals». Von dem Stamme des 
demonstrativen Pron. der gebildet. Von denn 
( s. d.), das mit dann urspr. eins ist, scheidet 
sich dieses genauer um die Mitte des 18. Jh. 

dannen, demonstr. Pronominaladv., nur 
! noch in V07i d. «weg von dem Orte, weg 
von da». Mhd. dannän, meist dannen, danne, 
dan, ahd. danana, danän ; dazu asächs. thanan, 
ags. ßanon, engl, (weitergebildet) thence. Von 
dem Stamme des demonstr. Pron. der. 

dappeln, (Goethe 1, 180), s. tappen. 



331 



dar 



dasig 



332 



^dar, altertümliche Nebenform von ^ da 
(s. d.). Außerdem in der Zusammens. mit 
vokaUsch anlautenden Lokaladv., z. B. dar- 
aus, mhd. dar mj, da üß, ahd. dar ng; darin, 
mhd. dar in, da in, ahd. dar in; darunter, 
mhd. dar under, ahd. dar untari. Dies dar- 
erscheint dann auch vor konsonantischem An- 
laut, z. B. ältemhd. darhei, darmit. 

"dar, adv.: dahin, jetzt nur noch in Zu- 
sammensetzungen. Mhd. dare, dar, ahd. dara, 
dazu asächs. fha.r, engl, there. Von dem 
Stamme des demonstr. Fron. der. Mit Verben 
zusammenges.: darhieten, -hingen, -geben usw. 
(mit ausgelassenem Y. bei Schiller Eäuber 1, 2 
auf mich dar). ]\Iit Lokaladv. zusammenges. : 
daran, mhd. dar ane, ahd. dara ana; darein, 
mhd. dar in, ahd. dara in: darüber, mhd. 
dar über, ahd. dara ubiri. Vor konsonan- 
tischem Anlaut ist meist da- dafür einge- 
treten (durch Mischung mit da = ^dar), so 
dagegen, danach, dawider, dazu, dazwischen, 
die älternhd. aber noch mit dar- begegnen, 
wie noch jetzt darnach. 

darben, v. : das Notwendigste entbehren, 
Mangel leiden. !Mhd. darben, ahd. darben; 
dazu asächs. tharbön «entbehren», ags. ^ear- 
fian «ermangeln», got. in gaßarban «sich wo- 
von enthalten», neben dem Adj. ßarbs be- 
dürftig. Zu dürfen. 

Darge, f. (PI. -n): Angel von Messing, 
an die zum Fange der Hechte ein roter Lappen 
gesteckt wird, den dieselben für ein Rotauge 
halten (1692 bei Canitz 118. 59). In der Mark 
Brandenburg, Auch Derge, Terge. Von dar- 
gen, V.: mit der blinkenden Angel und dem 
roten Lappen reizen und fangen, das aus ndd. 
targen, tergen, hd. zergen «reizen, necken», 
von zerren abgeleitet. 

darinnen, drinnen, adv. Am Ende des 
15. Jh. weitergebildet aus drinne, mhd, dar 
inne, ahd. dar inne. 

darlegen, v.: wohin legen, offen wohin 
legen, mhd. dar legen, auch noch bei Luther; 
eröffnen, klarmachen (bei Luther). 

Darlehen, Darlehn, n. (-.s, Fl. wie Sg.) : 
zu Wiedergabe in Benutzung gegebenes Geld. 
1663 bei Schottel 626 Darlehn. Von dar- 
lehnen, wofür jetzt gewöhnlich darleihen, 
das schon in der frühnhd. Kanzleisprache vor- 
kommt (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 781 
vom J. 1509), aber von Adelung 1774 noch 
für obd. erklärt wii'd. 

Darm, m. {-es, Fl. Därme): häutiger 
Schlauch im Leibe zur Aufsaugung des Nah- 



ningssaftes und Abfühning des Unrats. Mhd. 
darm, ahd. darm, daram m.; dazu ndl. darm, 
afries. therm, ags. pearm, anord. Fl. parniar, 
schwed.-dän. tarm m. Verwandt ist gr. Tpfma 
n. «Loch», Tpäjuic f. «After». ZUS. Darm- 
gicht, f.: Leibgrimmen. Mhd. darnigiht f. 
S. Gicht. 

darnach, s. danach. 

daroh, droh, adv.: dar-, worüber, des-, 
weshalb. Mhd. dar obe, da obe, ahd. thär 
oba «darüber». 

Darre, f. (Fl. -n): Ort und Vorrichtung 
(Horde) zum Dörren; Handlung des DöiTcns: 
Krankheit des Ausdorrens (Darrsucht). Mhd. 
darre, ahd. darra f. S, Dörre. 

darstellen, v.: offen wohin stellen (auch 
refl. sich d. «sich öffentlich zeigen»); vor 
Augen stellen (refl. vor Augen sein); zum 
Ausdruck biingen; vergegenwärtigen, schil- 
dern. Bei Luther in der 1. u. 2. Bed. 

dartun, v.: (veraltet) wohin tun; auf- 
wenden, ausgeben (bei Luther); beweisen, 
klarmachen (auch schon fiühnhd.). 

darüber, adv., s. -dar. 

darum, adv.: im Kreise von etwas; in 
Beziehung dar- oder worauf; aus dem Grunde. 
ÄIhd. dar umbe, da umbe, ahd. dar umhi «in 
Beziehung darauf, deshalb». 

darunter, adv., s. ^dar. 

das, Neutr. zu der, eig, identisch mit der 
Konj.* daß (s. d.). 

Dase, f. (Fl. -n): Bremse, blinde Stech- 
fliege. Niederdeutsch. Auch Dassel f. Dunk- 
ler Herkunft, vielleicht zu mhd. dase f. «Un- 
holdin». 

Dasein, n.: Gegenwart, dauernde Wirk- 
lichkeit. Der substantivische Inf. sein mit 
^da. Von Christian Wolff' gebildet. 

daselbst, adv.: an dem Orte. Spätmhd. 
da selbes, daselbs, vereinzelt auch schon da 
selbest, um 1480 im Voc. incip. teut. d 2"^ 
daselbst (Luther hat noch daselbs). 

dasig, adj.: an dem Orte befindlich. Von 
der Partikel da mit einem zwischen den Vo- 
kalen eingeschalteten s gebildet, vgl. hiesig. 
Die Bildung tritt gegen Ende des 15. Jh. 
auf (Decameron 272, 19; 406, 30, vgl. Gom- 
bert 7, 17), bürgert sich aber wenig ein, da 
sie von Stieler 1691 und noch Frisch 1741 
als neugeschaffen bezeichnet wird; Adelung 
und Campe weisen sie den gemeinen Sprech- 
arten, Heynatz 1796 in der schon früher 
vorkommenden Bed. «derselbe» den hochd. 
schreibenden Juden zu. Daneben auch daig. 



333 



daß 



Danm 



334 



daß, konj. !Mlid. da^, ahd. da^, dazu 
asächs. fhat, ags. Jjcef, engl, that, got. ßafa 
mit angetretener Pronominalpartikel ei ßatei. 
Die mit dem Xeutr. das (zu der) identische 
Konj. wird auch in der Schreibung von ihm 
frühnhd. nicht gesondert (für beide das oder 
daß). Die Grammatiker Clajus und Ölinger 
haben ohne Unterscheidung das. Dagegen 
unterscheidet 1561 Maaler das Pronomen und 
den Artikel das von der Konj. daß in der 
Schreibung, die dann entschieden für dieses 
mit ß und jenes mit s 1629 von Werner 
Rechtschreibung S. 74 und 1641 von Schottel 
Sprachkunst S. 212 in der Grammatik fest- 
gesetzt wii'd. 

datieren, s. Datum. 

Datir, m. {-s, PI. -e) -. Fall auf die Frage 
wem? Aus lat. datlvus (nämlich casus) eig. 
c< Geben anzeigender Fall». 

Battel, f. (PI. -n): süße Frucht einer 
Palmenart. Mhd. tatele, tatel f. Wie ital. 
dattüo, Span, datil m, aus gr.-lat. dacfylus, 
gr. bdKTuAoc m. eig. «Finger» und dann der 
fingerartigen Gestalt wegen die «Dattel». Im 
16. Jh. auch Dactel (z. B. 1574 bei Fischart 
Onomastica 85^ Dattilen, Dacteln) und mhd. 
tahtel, woraus unser Dachtel (s. d.). 

dattern, s. tattern. 

Datum, n. (-S, PI. Daten): Zeitangabe 
eines Schreibens. Im 14. Jh. mhd. datum 
n. m. aus lat. datum «gegeben», das ehedem 
in gerichtlichen Aktenstücken vor die An- 
gabe des Tages gesetzt wurde. ABL. da- 
tieren, V. Aus franz. dater, mlat. datare. 
Bei Rot 1571. 

Daube, f. (PI. -n)-. Seitenbrett eines höl- 
zernen Gefäßes. Aus franz. douve, mailändisch 
dova, ital.-mlat. doga f., die auch «Graben», 
sowie «Fassung des Grabens, Seitendaram», 
im Ital. selbst «rings als Einfassung des Kleides 
umlaufender Streifen » bedeuten. Danach wäre 
Daube zunächst «Einfassung des Gefäßes», 
urspr. aber ist mlat. doga geradezu «Gefäß» 
und geht so wohl auf gr. boxr\ f. «Behälter, 
Gefäß» zurück. Auf ital. doga geht mhd. düge, 
Schweiz, (bei Maaler 1561) Dauge, schwälj. 
Faßtauge (württemb.Zollordn.von 1661 Tit. 10, 
vgl. auch Fischer 2, 111), ndl. duig f. «Faß- 
daube» zurück, auf franz. douve «Daube» 
(schon bei Luther, aber bei Keisersberg tauwe, 
bei Mathesius Sar. 119^ taube, bei Aventin 
5, 290, 20 nach dem Bayr.-Öst. taufeJ f ) unser 
Daube. Die Ableitung von mlat. doga be- 
zweifelt Fischer a. a. 0. 



däuchteil, v.: dünken. Hei-vorgegangen 
aus dem Konj. Prät. von dünken, mhd. diuhte, 
gekürzt diuht, was dann als Ind. Präs. ge- 
nommen wird. So schon spätmhd. mich (mir) 
deucht und häufig im 16. Jh. (bei Luther in 
der Bibel nui" Sir. 3.3, 14), zuweilen sogar 
deuchtet. Der Inf. deuchten, däuchten 1616 
bei Henisch und dann häufig in Gramma- 
tiken und Wörterbüchern, da der Zusammen- 
hang mit dünken nicht mehr empfunden wird. 

Daudistel, f.: Gänsedistel. 1429 düdistel 
(lib. ord. rer.), spätahd. düdistel m., dazu ags. 
püßistel m. 

däuen,v. (Claudius 4, 47): verdauen (s. d.). 

^ Dauer, f : Fortbestand. Mhd. vereinzelt 
(bei Xic. V. Jeroschin) dür f., bei Krämer 
1678 Daur, bei Stieler 1691 dagegen Taure, 
bei Christian WolflF Daure. Von dauern, v.: 
fortfahren zu sein. Mhd. (zuerst im 12. Jh. 
und nicht allgemein) türen, düren, wie ndl. 
duren, afries. dv.ria, engl, dure, schwed. dura 
entlehnt aus lat. düräre «fortbestehen». Im 
altem Xhd. nicht häufig, 1562 bei Mathesius 
Sarepta 284^ außtauren, von Henisch 1616 
als dauren verzeichnet, von Stieler 1691 als 
tauren, auch Ludwig 1716 kennt noch tauern. 
ABL. dauerhaft, adj., bei Stieler 1691 tauer- 
haft, dafür 1562 bei Mathesius Sar. 2^ thauer- 
hafftig, bei Henisch 1616 daurhafftig. 

"Dauer, f.: mitleidige Stimmung worüber. 
Xhd. ungewöhnhch (bei Maler Müller 1, 299), 
mhd. türe f. Von dauern, v.: zu Unlust 
und mitleidiger Stimmung bewegen, unper- 
sönlich mich dauert. ^Yhä. mich türet, ver- 
wandt mit tiure «kostbar», also eig. «viel 
kosten, kostbar sein, allzu kostbar sein», was 
dann in die Bedeutungen des «An-dem-Herzen- 
liegens» und dann des «Schmerzlichseins» hin- 
überspielt. Ndd. duren, mengl. douren, sonst 
im Germ, nicht vorhanden. Bei Luther noch 
tauren, während schon Maaler 1561 dauren 
hat; tauern hält sich namentlich bei Schle- 
siem und Obersachsen und \\"ird noch von 
Lessing (l, 133; 6, 107) gebraucht. 

Daum, m. (-es), gewöhnlich Daumen, 
m. (-.s, PI. wie Sg.): der erste Finger. Mhd. 
düme, ahd. dümo m.; dazu ndl. duim, afries. 
thüma, ags.püma, engl, thinnb, schwed. tumme 
m., anord. abgeleitet pümall, ßümalfingr m. 
(dän. tommelfinger). Gewöhnlich als «derstarke, 
dicke» erklärt, zu lat. tumere «schwellen», 
tumulus m. «Hügel», aind. tütumas «stark», 
tumräs «fett». Das urspr. schwache M. hat im 
Nom. Sg. n angenommen, daneben mit Ver- 



335 



Danne 



Decke 



336 



kürzung und Übergang ziir starken Flexion I 
Daum, das im altern Nhd. häufiger, jetzt j 
wesentlich auf die poetische Sprache be- 
schränkt ist. ABL. Däumling, Däumer- 
ling (Goethe 16, 64 u. ö.), m.: Daumen (früh- 
nhd.); Überzug über den Daumen, Finger- 
hut (bei Henisch 1616); daumengroßer d. i. 
allzu kleiner Mensch; Zaunkönig. Entsprechend 
ndl. duimeling, anord. pümlungr m. 

Daune, f. (Fl. -n): weichste Flaumfeder. 
Aus ndd. (schon mnd.) dune f., das mit engl. 
doivn auf anord. dünn m. (schwed. diin, dän. 
dun n.) zumckgeht. Bei Schottel 1663 noch 
mit dem ndd. Vokal Dunen (und Donst), 
das noch heute in der bayrischen und öster- 
reichischen Rechtschreibung gilt, bei Stieler 
1691 auch als Daunen. S. Eiderdaune. 

■"Daus, m.: in Redensarten wie ei der 
Daus!, ivas der Daus!, wie ein Daus, bei 
denen die Bed. «Teufel» durchschimmert. 
Entsprechend nd. de Düs! «der Teufel!», 
engl, the deuce! (deuse), die man entweder 
auf lat. deiis «Gott» oder auf gall.-mlat. dusius 
«aufliegender diu ckender Geist» zurückführt; 
vielleicht ist das Wort aber wie dithmars. 
Deusen, nd. Dukes, Duks, Düker, Deuker, 
hd. Deuster, Deixel u. ähnl. nur eine ver- 
hüllende Entstellung für Teufel. Zuerst im 
16. Jh. bei Ringwald (laut. Warb. 368 gleich- 
wie ein D.) vorkommend. 

^Daus, n. (Gen. Dauses, PL Däuser) : je ein 
Aucre auf einemWürfel; die Zwei der deutschen 
Spielkarte; das As. Alternhd. auch Taus. 
Mhd. tüs, düs, spätahd. düs n., entlehnt aus 
afranz. doues, prov. duas, nfranz. deux «zwei». 

David, Mannsname, aus hebr. David d. i. 
«Geliebter». 

davon, adv. Alternhd. (noch bei Stein- 
bach 1734) auch darvon, mhd. da von. Dazu 
ndl. daarvan. 

Däz, m. (-es, PI. -e): Kopf. Niedriger 
Ausdna ck in Nord- und Mitteldeutschland, 
bei Kleist zerbr. Ki-ug 980 Detz. Wohl aus 
ital. testa, frz. tete f. «Kopf». 

dazumal, adv.: wie damals (s. d.). Aus 
einem mhd. da ze male. In der fmhnhd. Kanzlei- 
sprache {dozemal Janssen Frankf. Reichskorr. 
1, 284 V. J. 1473), auch von Luther gebraucht. 

-de, Ableitungssilbe für Substantiva. Schon 
mhd. -de, das entspricht 1. einem ahd. -ida 
in den Fem. Begierde, Behörde, Beschwe^'de, 
Freude, Gebärde, Gefährde, Liehde. 2, einem 
ahd. -idi in den Neutr. Gebäude, Gehöfte, Ge- 
lübde, Gemachte, Gemälde, Getreide. 



Debatte, f. (PI. -n): Wortgefecht. Aus 
dem gleichbed. franz. debat m., von debattre 
«bestreiten, verhandeln». Im Zeitungslex. 1703 
(noch bei Nieremberger 1753) erscheint wie 
im Franz. Debat, bei Sperander 1728 aber 
mit dem PI. Debatten, aus dem der Sg. De- 
batte als F. gebildet ist. ABL. debattieren, 
V. : in Worten hin- und herstreiten. Schon 
im 17. Jh. z. B. Weise Erznarren 154. 

Debit, m. (-s): Warenabsatz, Vertrieb. 
Aus franz. debit m. «Verkauf», von lat. de- 
bitum «verpflichtet», im Mlat. s. v. a. «Be- 
trieb ». debitieren, v. : verkaufen, vertreiben, 
absetzen. Aus franz. debiter. Bei Nehring 1694. 

Debüt, m. n. {-s, PI. -s): das erste Auf- 
treten auf der Bühne usw. Aus gleichbed. 
franz. debut m. Schon bei Nehring 1710 «d^r 
erste Schuß oder Anfang zu schießen nach 
der Scheibe». 

Dechanef, f.: Amtsbezirk, Wohnung des 
Dekans. Mhd. techanie, techenie f., aus mlat. 
decaniat «Amtswürde eines Vorgesetzten über 
10 Mönche», von lat. decänus (s. Dekan). — 
D^chant oder Dechänt, m. (-en, PI. -e»): 
Obergeistlicher eines Stiftes, Bezirkes. Mhd. 
dechent, techant, ahd. techant m., mit ange- 
tretenem t aus lat. decänus. 

Dechärge, f.: Entlastung, Anerkennung 
der Richtigkeit einer Rechnung. Aus franz. 
gleichbed. dechärge f., zusammengesetzt aus 
de hier soviel wie «ent» und charger «laden». 
Bei Campe 1813. 

Decher, m. {-s, PI. wie Sg.): 10 Stück 
Felle (aber 40 Stück bei russischen Rauch- 
waren). Mhd. techer, mnd. deker, engl, dicker 
m., aus lat. decuria f. «Zehnt». 

Dechsel, f. (PI. -n): Breitbeil, Queraxt, 
Krummhaue. IVfhd. dehse und dehsel, ahd. 
dehsa und dehsala. Obd. meist mask., nd. 
Dessel f. Die Formen Deichsel, Dächsei und 
Dachsbeil beruhen auf falscher Anlehnung an 
Deichsel und Dachs (daher deicliseln, v.: 
mit der Dechsel bearbeiten, zurecht hauen). 
Zu mhd. dehsen «den Flachs schwingen» eig. 
«schlagen», ai. täksati «behaut», lat. texo 
«webe», gr. t^ktuuv m. «Zimmermann». 

Deck, n. (-s) : Verdeck (s. d.). Aus dem 
Ndd.-Ndl. Zuerst 1716 bei Ludwig verzeichnet. 

Decke, f. (PI. -n) -. über etwas Befindliches, 
das es dem Blicke, der Kenntnisnahme ent- 
zieht. ]\Ihd, decke, ahd. decchi, decki f. Von 
decken, V. : zu Entziehung für Wahrnehmung, 
zum Schutz etwas damber oder davor machen. 
Wcidi. decken (Vr'üi.dacte, Vari.gedact, gedecket), 



337 



dedizieren 



degradieren 



338 



ahd, decchen, decken; dazu ndl. deJcken, afries. 
thekka, ags, ßeccan, engl, thatch, anord. ßekja, 
schwed. täcka, dän. däkke. Zu Dach (s. d.), 
mittelst eines ^-Suffixes gebildet. Das Prät, 
dackte (bei Luther deckte, decket) kommt noch 
im 16.U. 17. Jh. zuweilen vor; das VdA'i. geduckt 
hat sich als technischer Ausdi-uck (bei den 
Orgelbauern) erhalten. ABL. Deckel, m. 
(-S, PI. wie Sg.), spätmhd. Deckung, f., 
von Adelung 1793 noch nicht angeführt. 

ZTJS. Deckbette, meist Deckbett n., 1482 

im Voc. theut. e 7*^ deckpef. Deckmantel, 
m., mhd. deckemantel m., auch schon über- 
tragen (vgl. hemänteln). 

dedizieren, v.: \\ädmeu, jemandem zu- 
eignen. Aus dem gleichbed. lat. dedicäre. 
1531 bei Hedio Josephus Ant. 188^ dediciern. 
ABL. DedikatiÖn,f.: Widmung, Zueignung. 
Im 16. Jh. bei Fischart 2, 284 (Km-z) dedi- 
cation, aus lat. dedicätio f. 

deduzieren, v.: durch Schlußfolgerung 
herleiten und dartun. Aus lat, dedücere, eig. 
«herabführen». Schon bei Rot 1571 deducirn. 
ABL. Deduktion, f.: Herleitung dui-ch 
Schlüsse; Beweisführung (Script, rer. Siles. 
4, 256 vom J. 1579 deduction). Aus lat. 
deductio f. 

Defekt, ni. {-es, PI. -e): Mangel worin. 
Aus dem gleichbed. lat. defectus m., von defi- 
cere «fehlen». Bei Rot 1571 Defect (Ger- 
mania 28, 364 ein Beleg von 1531), — De- 
fizit, n. : Ausfall an Geld, Fehlsumme. Aus 
der 3. Sg. Präs. Ind. deficit von deficere. 1729 
in Stoppes Ged. 2, 121 bereits in bildlicher 
Anwendung (Mangel an Körperfülle). 

defensiv, adj.: der Verteidigung dienend. 
Aus dem gleichbed. mlat. defensivus, abge- 
leitet von lat. defensio f. «Verteidigung», von 
defendere «verteidigen». Frühnhd. (1541 bei 
Liliencron 4, 180 defensiven weis). Defen- 
sive, f.: Verteidigung, 1626 bei Stettier 
Schweizerchronik 2, 189^. Defensivkrieg, 
m., 1617 bei Wallhausen Corp, mil. 4, 

defilieren, v.: reihen-, zugweise vorbei- 
marschieren. Aus franz. defiler «in einer 
Reihe hintereinander gehen», von file m. «Fa- 
den, Reihe», das aus lat. filum n. «Faden». 
1703 im Zeitungslex. Davon Defil^e, n. (-s, 
PI. -s): Enge, Engpaß. Aus franz. defile m. 
1703 im Zeitungslex. defilees «enge, verhauene, 
schlammigte Wege». 

definieren, v.: unterscheidend erklären, 
einen Begriff bestimmen. Aus lat, deflnire 
«ab-, begrenzen, im Begriffe bestimmen», wor- 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



aus schon mhd. diffinieren «bestimmen, fest- 
setzen». Definition, f. : Begriffsbestimmung. 
Aus lat. definUio f. Frühnhd. (Luther 5, 
276 *> Jen.), definitiv, adj.: abschheßend, 
unwiderruflich. Aus lat. deßmtnms « bestimmt, 
begrifi'sbestimmt». Bei Wächtler 1711. 

Defizit, s. Defekt. 

deftig, adj.: tüchtig, trefflich. Aus dem 
Xdd. in die hd. Umgangssprache eingedrungen, 
auch ndl. deftig. Zu ags. gedceft «passend», 
engl, deft «niedlich, geschickt», abgeleitet von 
dem V, got. gadahan «passen». Bei Schottel 
1663 verzeichnet. 

^ Degen, m. (-s, PL wie Sg.): tüchtiger 
Kriegsmann. Mhd. degen, ahd. degan m. 
«männhches Kind, Knabe, Diener, Gefolgs- 
mann, tapfrer Kriegstnann, Held»; dazu asächs. 
thegan m. «Knabe, Diener, Mann», ags. ßegn 
«Diener, Mann, Ritter», engl, thayie «Frei- 
herr», anord. ßegn m. «freier Untertan, freier 
Mann». Das Wort bedeutet urspi-. «Knabe» 
und stimmt der Lautverschiebung gemäß mit 
gr. xeKvov n. «Erzeugtes, Kind», zu TiKxeiv 
«erzeugen, gebären». Xicht zu -Degen. Es 
wurde im 15. bis 18. -Jh. nur selten gebraucht 
und Stieler, Steinbach, Frisch führen es nur 
als veraltet auf; 1759 wurde es aber von 
Lessing im Anschluß an Logau empfohlen 
und von ihm (Em. Galotti 1, 4), sowie von 
Wieland, Bürger, Goethe, Schiller (Jungfr. 
V. Orl ProL 3), Uhland, E. M. Arndt usw. 
wieder als edler Ausdruck aufgenommen. 
Aus der Anlehnung an -Degen erklären sich 
Bildungen wie Hau-, Raufdegen. 

^ Degen, m. {-s, PL wie Sg.): Ehren- und 
Standes waffe. Zuei'st im 15. Jlo., aber in der 
Bed. «Dolch», 1507 bei Wilwolt von Schaum 
bürg 124 langer legen; auch von Luther ge 
braucht, aber nicht in der Bibel (Rieht, 3 
16 änderte er stoßdegen in Schwert), bei Dasy 
podius 1537 als dägen «gladiolus» verzeichnet 
Entsprechend franz. dague, ital.-span. daga 
engl, dag, mlat. dagga f., deren Herkunft un- 
sicher ist. Im Älternhd. auch Dege, Deg 
(Tag Gryphius Trauersp, 40). 

degenerieren, v.: ausarten. Aus dem 
gleichbed. lat. degeneräre, vom Adj. degener 
«entartet». Schon bei Rot 1571. 

degradieren, v.: der Würde entsetzen. 
Mhd, degradieren, digradiei'en «der Würde 
entsetzen», namentlich bei Geistlichen, «der 
Weihe benehmen», aus dem gleichbed. mlat. 
degradare, dessen gradare von lat. gradus m. 
«Stufe, Rang». 

22 



339 



dehueu 



deklinieren 



340 



dehnen, v. : in die Länge ziehen, ausein- 
ander ziehen. Mhd. denen, auch dennen, ahd. 
dennen; dazu asächs. thenian, ags. penian, 
anord. J>enja, schwed. tänja, got. panjan (in 
ufpanjan). Verwandt mit gr. reiveiv «spannen», 
aind. tanöti «dehnt, spannt», lat. tendere, 
«spannen» usw. mit reicher Verzweigung. 
S. auch dinsen, Dohne, dünn. ABL. dehn- 
bar, adj., bei Adelung 1774. Dehming, f., 
bei Henisch 1616. 

Deich, m. (-es, PI. -e): Schutzdamm gegen 
Wasser. Mhd. tich, dich m. aus dem gleich- 
bed. mnd.-mnl. dik m. (schon andd. dik), da- 
zu afries. dlk, ags. dik m., engl, dike (auch 
ditch «Abzugsgraben»), anovd. diki n., dän. dige. 
Eig. identisch mit Teich (s. d.), aber in halbndd. 
Lautform (doch älternhd. auch oft Teich, so 
noch beiLudwigl716 und Frisch 1741, während 
das reinndd. Diek bei Schottel 1663 steht 
und auch Ludwig 1716 bekannt ist). ABL. 
deichen, v. : einen Schutzdamm errichten. 

Mndl. diken. ZUS. Deichgraf, Deichgräfe, 

m.: Oberaufseher über das Deich wesen einer 
Landschaft, Deichhauptmann. Norddeutsch, 
1591 bei Spangenberg Adelsspiegel 1, 323 
Teichgrave. Mnd. dikgreve m. S. Graf. 

Deichsel, f. (PI. -n)-. Wagenstange zwi- 
schen den Zugtieren. Mhd. dihsel, ahd. dih- 
sala f.; dazu andd. tMsla, ndl. dissel m., ags. 
ßixl, ßlsl, anord. ßisl f. Grundform *pinhslä 
und daher zu lat. temo (aus *tenxmo) m. 
pr. teansis «Deichsel», aus *tenksis. Vgl. 
noch Osthoff Idg. Forsch. 8, 36. Im altern 
Nhd. die Nebenformen Deistel (auch bei 
Luther) und Deisel. 

deichseln, s. Dechsel. 

^dein, erweitert deiner: Gen. Sg. von 
du (s. d.). Mhd.-ahd. din, asächs.-afries. thin, 
ags.-anord. ßin, got. peina. Seiner Bildung 
nach zu dem possessiven '^dein gehörig. Das 
erweiterte deiner, schon mhd. vereinzelt diner, 
ist bei Luther noch selten (in der Bibel nur 
5. Mos. 13, 17), doch führen es die Gram- 
matiker Ölinger und Clajus neben d. an und 
Schottel gibt der längern Form den Vorzug. 

^dein, besitzanzeigendes Pron, der 2. Per- 
son. Mhd.-ahd. din, asächs.-afries. thm, ags. 
ßin, engl, thy, thine, anord. J)in7i, schwed.-dän. 
din, got. ßeins. Von du (s, d.) abgeleitet. 

deinesgleichen, erstarrte Genetivform, 
mhd. di7ies geliehen. Im Mhd. ist in dhi geliche 
«der dir gleich ist» sowohl das Possessiv als 
das substant. geliche mit Flexion versehen, 
z. B. er vant dinen geliehen. 



deinet- in deinethalhen , -wegen, -willen, 
hervorgegangen aus dem im Frühnhd. noch 
vorkommenden deinent-, mit angetretnem t 
aus deinen, das in deinethalhen (aus deinen 
halben) und deinetwegen (aus deinen ivegen) 
als Dat. PL, in deinetivillen (bei Luther noch 
vmh deinen tvillen) als Akk. Sg. anzusehen ist. 

deinig, adjektivische Bildung, die immer 
den Artikel vor sich hat. Am Ende des 16. 
Jh. entstanden; 1663 bei Schottel S. 541 an- 
geführt, 

Deise, f. (PI -n): Gestell im oder am 
Schornsteine zum Trocknen von Holz oder 
Fleischwaren. Im 15. Jh. thüring. und 1469 
mittelrhein. (Voc. ex quo) deyse, auch mnd, 
deise (Crecelius 260). Jetzt in Hessen, Elsaß, 
Kärnten usw. 

Deist, m. (-en, PI. -en): Gottgläubiger 
ohne OiFenbarungsglauben. Aus engl, deist, 
franz. deiste m., abgeleitet von lat, deus m. 
«Gott», Bei Sperander 1728. Vgl. Ladendorf 
Hist. Schlagwb. 47. ABL. deistisch, adj. 

Deixel, m., Entstellung aus Teufel (s. d.) 
Schon im 17. Jh. 

Dekade, f, (PI. -n): Zahl von 10. Aus 
dem gleichbed. franz. decade f. von gr. bcKclc 
(Gen. beKöboc) f. «Abteilung von 10». Im 
spätem 18. Jh. entlehnt. 

Dekagramm, n,: lO Gramm, Deka- 
meter, n,: 10 Meter. Durch Reichsgesetz 
von 1868 eingeführte Benennungen, entlehnt 
aus franz. decagramme m. und decametre m., 
deren deca aus gr. biKa «zehn». 

Dekan, m. (-s, PI. -e): Obergeistlicher; 
Fakultätsvorstand. Mhd, und spätahd, dechan. 
techan m., aus lat. decänus m. «Vorgesetzter 
von 10, z. B. 10 Mönchen». S. auch Dechant. 
ABL. Dekanat, n.: Amt und Amtsbezii'k 
des Dekans. Aus mlat. decanatus m. Bei 
Wächtler 1711. 

deklamieren, v.-. im Redeton laut vor- 
tragen. Aus lat. declämäre. Schon bei Rot 
1571 declamirn. ABL. Deklamation, f,: 
Redevortrag. Aus lat. declämätio f. 

deklarieren, v.: sich woi-über erklären. 
Schon mhd. declariren (Mon. Boica 43, 401 
vom J. 1381), von lat. decläräre. ABL. De- 
klaration, f. Aus lat. declärätio f. 1495 
Declaration (Reichsordn. 19^). 

deklinieren, v.: nach Zahl (Numerus) 
und Fall (Kasus) biegen. Schon mhd. de- 
cliniren, aus lat. decHnäre eig. «abbiegen». 
ABL. Deklination, f. Aus lat. decllnätio 
f, Frühnhd. (Luther 7, 20^ Jen.). 



341 



dekolletieren 



Demut 



342 



dekolletieren, v.: den Hals entblößen. 
Aus franz. äecolleter, zusammengesetzt aus de, 
lat. dis «weg von, ent-» und collet «Kragen», 
von lat. Collum u. «Hals». Xeue Entlehnung. 

dekorieren, v.: verzieren, schmücken. 
Aus dem gleichbed. lat. decoräre. Schon bei 
Rot 1571. ABL. Dekoration, f.: Verzie- 
rung; Ehrenzeichen. Aus dem lat. decorätio 
f. «Ausschmückung». — Dekorum, n.: 
Wohlanständigkeit, Anstand. Das lat. de- 
cörum n., das Neutr. des Adj. decönis «zier- 
lich, fein, wohlanständig». Im spätem 18. Jh. 
üblich geworden und bei Campe 1811 ver- 
zeichnet. 

Dekret, n. (-es, PI. -e) : gerichtlicher Be- 
scheid; obrigkeitliche Verordnung. Schon 
mhd. decret n., aus lat. decretum n. «Ent- 
scheidung», dem Neutr. des Part. Perf. Pass. 
von decernere «entscheiden». ABL. dekre- 
tieren, -v.: Bescheid erteilen, beschließen. 
Aus mlat. deo'etare. Frühnhd. decretiren 
(Script, rer. Siles. 4, 252 vom J. 1579). 

delektieren, refl. v.: sich woran erfreuen. 
Aus dem gleichbed. lat. deledäre. 1643 im 
Sprachverderb er als modisches Fremdwort 
angeführt. 

delikat, adj.: fein und wohlschmeckend; 
zartfühlend; heiklig. Aus dem gleichbed. 
franz. delicat, das auf lat. delicdfus «üppig, 
verzärtelt, wählerisch» beruht. In der l.Bed. 
1653 bei Harsdörffer mathem. Erquickstun- 
den 3, 563, in der Bed. «heikel» 1598 bei Al- 
bertinus Sendschreiben 1, 114^. ABL. Deli- 
katesse, f.: Leckerei (1668 bei Erasmus 
Francisci ost- u. westind. Staats- und Lust- 
garten 1, 318*); Zartgefühl (bei Weise Erz- 
narren 123). Aus franz. delicatesse f. 

Delinquent, m. {-en, PI. -en): verhafteter 
Verbrecher. Aus lat. delinquens (Gen. delin- 
quentis), dem Part. Präs. von delinquere «sich 
vergehen ». 1626 bei Stettier Schweizerchronik 
2, 496* Delinquant, 1655 bei Abele Gerichts- 
händel 252 Delinquent. 

Delle, s. Teile. 

Delphin, m. (s, PI. -e): eine Walfisch- 
art. Schon mhd. delfm, telfhi, aus gr.-lat. 
delpMnus, gv. be\qpiv m. Bei Schiller 11, 
.270 Neutr. 

Demagög, m. (-en, PI. -en): Volksführer, 
Volksverführer. Aus gr. brmafuuYÖc (bfnuoc 
ra. «Volk», -aYUj-foc zu äyeiv «führen, leiten»). 
Im 18. Jh. entlehnt (bei Heynatz 1775j. ABL. 
Demagogie, f. Aus gr. briua-fuj-fia f. «de- 
magogisch», adj. 



Demant, s. Diamant. 

demnach, adv., das eine Folge anzeigt. 
Fiühnhd., zunächst wohl in der Kanzlei- 
sprache (im 15- Jh. bei Nicl. v. Wyle 352, 
27, ferner 1509 bei Janssen Frankf. Reichs- 
kon-. 2, 763), auch in temporaler «nachher, 
nachdem» und kausaler. Verwendimg «weil», 
doch bei Luther schon in der jetzigen «des- 
halb, mithin, folglich». 

demnächst, adv.: unmittelbar danach; 
in kurzer Zeit. Im 16. Jh. aufkommend 
(Galmy 1588 demnechst). 

demohngeachtet, s. demungeachtet. 

Demokrat, m. (-en, PI. -e«): Anhänger 
der Volksherrschaft. Aus dem gleichbed. 
franz. deniocrate m., das aus gr. briuoRpoireia 
(s. d. folg.) gebildet ist. Im 18. Jh. ent- 
lehnt (Klopstock Oden 171). — Demokratie, 
f.: Volksherrschaft. Aus franz. democratie. 
das auf gr. briuoKpdTeia (bfjiuoc m. «Volk», 
-Kpareia zu Kpareiv «herrschen») beruht. Bei 

Wächtler 1714. demokratisch, adj. 

demolieren, v. : niederreißen, schleifen. 
Aus dem gleichbed. franz. demolir oder auch 
wie dieses aus lat. demö Irre. Bei Krämer 1678 
und fiiiher. 

demonstrieren, v.: hin-, erweisend ver- 
anschaulichen. Aus lat. demonsträre «vor 
Augen stellen, dartun, zeigen, weisen, be- 
haupten». Schon bei Rot 1571 demonstrirn. 
^-Bi. Demonstration, f.: Darlegung; Droh- 
bewegung. Aus lat. demonstratio f. Im 18. Jh. 
entlehnt. demoUStratlT, adj. Aus lat. 
demonsträtivus. Im 18. Jh. entlehnt. Daher 
das Demonstrativ, lat. (pronomen) demon- 
strätivum, das hindeutende Fürwort. 

demungeachtet, Konj., die einen Gegen- 
satz anzeigt «trotzdem». Älternhd. auch in 
der entstellten Form demohngeachtet (noch 
bei Lessing 2, 559). Wohl friih im 17. Jli. 
aufgekommen. 

Demut, f.: Selbsterniedrigung. Mhd. die- 
miiete, diemuot, demuot (mit demselben Laut- 
übergang wie in Demant, s. Diamant), ahd. 
diumuoti, deomuoti f., von dem Adj. ahd. diu- 
muoti, deomuoti, mhd. diemüete, diemuot. de- 
muot, eig. «die Gesinnung eines Dienenden 
habend, demütig, herablassend», das zusammen- 
ges. ist aus ahd. deo, got. pins m. «Knecht, 
Diener» (s. dienen, Dirne) und dem von ahd. 
mMO^« Mut» abgeleiteten Adj. -muoti <!.-vaviiig-». 
Das Wort ist durch das Christentum ge- 
schaffen worden. Die Form Demut (für De- 
müte, Diemüte) dringt xmter Einfluß von Ar- 

22* 



343 



denen 



Depositen 



344 



mut dmch. ABL. demütig, adj., mhd. 
diemüetic, demüetic, spätahd. diemuottg. Da- 
von demütigen, v., mhd. diemüetegen, de- 
müetegen (neben den von dem Subst. abge- 
leiteten diemüeten). 

denen. Dat. PL des demonstrativen und 
relativen der, die, das. Eine im 15. Jh. auf- 
gekommene Erweiterung des mhd. den, ahd. 
dem,, an das die Endung des Dat. PI. noch- 
mals angetreten ist. Vom Demonstr. wird 
jetzt nur noch denen gesetzt, wenn der Dat. 
allein, also substantivisch steht, während älter- 
nhd. bis tief ins 18. Jh. auch mitunter denen 
als Dat. PI. des Artikels erscheint. 

dengeln, v.: kaltes Eisen durch wieder- 
holtes Hämmern schärfen. Mhd. tengeln, auch 
überhaupt «zuschlagen, klopfen», ahd. begegnet \ 
tangeläri m. «Kaltschmied». Zu ahd. tangol m. j 
«Hammer», ferner mhd. tengen (in widertengen) 
«schlagen, klopfen», ags. dencgan «stoßen», 
engl. Ägr «schlagen», anord.dengja «schlagen», i 
aschwed. diunga, schwed. dänga «heftig klop- [ 
fen», dän. dünge «bläuen, prügeln», aus denen 
ein starkes V. ahd. *dingan zu erschließen 
ist. Die zu erwartende Form tengeln noch 
bei Frisch 1741, dengeln (mit der üblichen 
Yertauschung von d und t wie in Daus usw.) 
schon frühzeitig im Obd. 

Denkart, s. denken. 

denken, v. (Prät. dachte, Konj. dächte, 
Part, gedacht): geistestätig sein. Mhd. denJcen 
(Prät. dähte, Konj. dcehte, Part, gedäht), ahd. 
denchen, denken; dazu asächs. thenkian, ndl. 
denken, afries. thenkia, agä.pencan, engl, think, 
&nor ä. ßenkja, schwed. tänka, dän. tanke, got. 
ßagkjan. Mit einem j- Suffix zu derselben 
Wurzel gebildet, zu der auch dünken (s. d.) 
gehört und genau entsprechend lat. tongere 
«nosse, scire», osk. tanginüd «sententia». ABL. 
denkbar, adj. Erst bei Adelung 1793 an- 
geführt. Denker, m. Bei Adelung 1774, 
aber als gezierter Ausdruck empfunden. ZUS. 
Denkart, f.: Eigentümlichkeit des Denkens 
über die sittlichen Verhältnisse, um 1750 
aufgekommen (Wieland Suppl, 2, 106. Her- 
der 1, 15 u. a.), daneben auch Denkungsart 
(1739 bei Liscow 803, bei Lessing 1, 283), 
das von Heynatz 1775 als gewöhnlicher be- 
zeichnet wird, und im 18. Jh. Denkensart 
(Gombert7, 18). Denkfreilieit, f., 1739 bei 
Liscow 809 fg. Denkmal, n. (PL Denk- 
mäler), bei Luther. Denkmünze, f., bei 
Adelung 1774. Denkschrift, f., im 17. Jh. 
gebildet (1716 beiLudwig vei-zeichnet). denk- 



würdig, adj., frühnhd. (Rollenhagen Froschm. 
3, 1, 4). Davon Denkwürdigkeit, im 17. Jh. 
gebildet (vgl. Gombert 7, 19). Denkspruch, 
m., 1663 bei Schottel S. 428. Denkzettel, 
m. Bei Luther Denkzedel noch im urspr. 
Sinn, daneben im 16. Jh. auch schon bildlich. 

denn, Konj., die 1) die Gedankenfolge, 
den Erläuterungsgrund anzeigt, 2) zur Ver- 
gleichung dient, wie «als» nach Kompara- 
tiven, 3) eine Ausnahme bezeichnet in Sätzen 
wie es sei denn. Eig. eins mit dann (s. d.) 
und daher urspr. die Zeitfolge bezeichnend. 
Von dann wird denn um die Mitte des 18. Jh. 
geschieden. 

dennoch, eine den Gegensatz nachdrück- 
lich hervorhebende Konj. Mhd. dannoch, den- 
noch, zusammengeflossen aus ahd. danne noh 
«noch zu dem Zeitpunkt, dann noch, da noch», 
woher schon in mhd. dannoch die Bezeichnung 
des Gegensatzes. 

denunzieren, denuuziieren, v.: zur 
Anzeige bringen. Aus lat. denunciäre an- 
zeigen. Frühnhd. (Reichsordnungen 71 v. J. 
1512). ABL. Denunziant, m. {-en, PL -en): 
Angeber. Aus dem lat. Pai't. Präs. denun- 
cians (Gen. denunciantis). Ein Beleg von 
1703 bei Gombert 8, 3. Denunziation, f.: 
Angeberei, aus dem J. 1554 belegt bei Gom- 
bert 8, 3. Aus lat. denunciätio f. 

Depesche, f. (PL -n): Eilbotschaft, Eil- 
schreiben. Aus dem gleichbed. franz. depeche 
f., ital. dispaccio m., von franz. depecher, 
ital. dispacciare «losmachen, abfertigen». Bei 
Nehi'ing 1710; 1703 im Zeitungslex. Depeches. 

deponieren, v.: niederlegen, bes. zur Auf- 
bewahrung. Aus lat. depönere «ab-, nieder- 
legen». Schon bei Rot 1571. Deponieren 
und Deposition f. waren Ausdrücke für die 
ehemals auf Universitäten übliche Einweihung 
der jungen Studenten in das akademische 
Leben, schon im 16. Jh. als alter Brauch be- 
zeichnet (0. Schade im Weim. Jahrb. Bd. 6). 
— Depositen, PL: in gerichtliche Ver- 
wahrung niedergelegte Gelder; gegen Zinsen 
aufgenommene Handelsgelder. Aus dem PL 
von mlat. depösituni, subst. Neutr. des Part. 
Perf. Pass. depösitus von depönere. Bei Wächt- 
ler 1714 Depositen- Gelder. 

Deportation, f.: Landesverweisung, Ver- 
bannung. Aus lat. deportätio f., von depor- 
täre «verbannen», eig. «wegschaffen». In der 
frähnhd. Rechtssprache (Brant Layenspigel 
dd 10). 

Depositen, s. deponieren. 



345 



deputieren 



dermalen 



346 



deputieren, v. : abordnen. Aus lat. dipu- 
täre «einem etwas bestimmen». Im 16. Jb. 
entlehnt (kursäcbs. Schulordnung von 1580). 
ABL. Deputat, n.: als Anteil Zukommen- 
des, besolduDgsmäJßiges Einkommen. Aus lat. 
deputätmn, dem substantivisch gesetzten Xeutr. 
des Part. Perf. Pass. von äeputäre. Im 16. Jh. 
Deputation, f.: Abordnung; Gesamtheit von 
Abgeordneten. Im 16. Jh. (Germania 29, 350 
ein Beleg vom J. 1569), aus mlat. deputatio f. 

der, die, das, demonstratives und rela- 
tives Pronomen, sowie bestimmter Artikel. 
In der 1. Anwendung mhd.-ahd. der, diu, da^; 
dazu asächs. fhie, thiu, that, ndl. die, die, daf, 
afries. thi, thiu, thet, femer mit abweichen- 
der Form des Xom. Sg. M. und F. ags. se, 
seo, thcet (engl, für alle Geschlechter und 
Kasus unverändert tha{), anord. sä, sü, ßaf 
(schwed.-dän. den M. F., det X.), got. sa, so. 
[pata (in- relativer Verwendung mit -ei ver- 
banden: saei, söei, ßatei). Wie in diesen 
Sprachen ergänzen sich verschiedene Stämme 
in gr. 6 (für *so), x] (für *se, *sä), t6 (aus 
*TÖb), awest. haut', Jiä, tat, aind. sa, sä, tad, da- 
gegen wird wie im Deutschen der eine Stamm 
durchgeführt in lit. täs tä tai, abg. tu, ta, to, 
auch lat. is-te, ista, istiid. S. auch das, denen, 
deren, dero, dessen, deß. 

derart, adv.. Zusammenrückung der Gen. 
«der Art» erst neuerdings als ein Wort er- 
scheinend. ABL. derartig, adj.. Am An- 
fang des 19. Jh. aufkommend (vgl. Gombert 
7, 19), bei Campe 1807 noch nicht ver- 
zeichnet. 

derb, adj. und adv.: zusammengedrängt 
und fest; (bildlich) voU Gewicht und Kraft 
einwirkend, iihd.-ahd. derp ist «ungesäuert», 
ebenso meist ags. peorf, anord. pjarfr: da- 
gegen ist afries. /Äer/" «heftig» (von Schlägen). 
Die jetzige Bed. stammt aus dem Xdd. (mnd. 
derf ist «schlicht»), und erklärt sich durch 
Vermischung mit einem Wort, das dem 
asächs. derii «feindlich, ruchlos» entspricht, 
sie findet sich bei Schottel 1663, dann bei 
Rädlein 1711 und Ludwig 1716, dagegen bei 
Adelung 1774 «nur im gemeinen Leben». 

dereinst, adv.: in später Zukunft. Ver- 
bindung des Gen. der mit einst, wohl unter 
dem Einfluß von dermaleinst, derweil, derzeit, 
oder aus dar eins mit Beschränkung des 
Sinnes auf die Zukunft. Schon bei Luther 
als dereins (auch noch 1722 bei Freyer S. 81), 
dann dereinst (Gryphius Trauersp. 384), Vgl. 
ZfdU. 11,211. ABL. dereinstig, adj., bei 



Adelung 1793 als obd., 1761 bei Moser Herr 
u. Diener 315. 

deren. Gen. Sg. F., sowie Gen. PI. des 
demonstrativen und relativen der, die, das. 
Daneben im Gen. PI. demonstrativ derer. 
Schon in der 2. Hälfte des 15. Jh. erschei- 
nende Ei'weiterungen von der, die aber Liither 
noch nicht gebraucht: derer steht bis ins 
18. Jh. auch für den Artikel, jetzt werden 
beide Fonnen mix substantivisch gesetzt, und 
zwar steht derer für den Gen. Plur., an den 
sich ein Eelativpron. anschließt, und in 
Wendungen wie (?erer von Quitzoiv, deren 
in den übiigen Fällen. 

derenthalben, derentwegen, adv., Zu- 
sammensetzung der erweiterten Form des 
Gen. Sg. F. und des Gen. PL von der, au 
die t angetreten ist, mit den Präp. halben 
und wegen. Schon im 16. Jh. 

derer, s. deren. 

dergestalt, adv.: Ln der Weise, Ver- 
bindung der Gen. Sg. der Gestalt, zunächst 
wohl in der Kanzleisprache (z. B. Janssen 
Frankf. Reichskorr. 2, 802 von 1510). 

dergleichen, Verbindung des Gen. der 
mit dem Adv. gleichen (mhd. geliche mit an- 
getretnem n), demonsti'ativ und relativ, als 
Adv. sowie un biegbares Adj. gebraucht. Seit 
dem 15. Jh. (früher auch dergleich), auch 
bei Luther. 

derhalben, Verbindung des Gen. PI. der 
mit der Präp. halben (s. d.). Frühnhd. (auch 
derhalb). iMhd. derhalb, derhalben «auf dieser 
Seite» ist Verbindung des Aiükels mit dem 
Dat. Sg. von mhd. halbe f. «Seite». 

deri vieren, v.: (ein Wort ab-, herleiten. 
Aus lat. derwäre. Schon bei Rot 1571. ABL. 
Deriratiön, f.: Herleitung. Aus lat. derh 
vätio f. 

der-, die-, dasjenige, Verbindung des 
Artikels mit dem von jene)- abgeleiteten 
jenige. In der frühnhd. Kanzleisprache (Reichs- 
ordnungen 67 V. J. 1507), dann auch bei Luther. 
Das einfachere derjene findet sich im 15. (z. P.. 
bei Xic. V. Wyle) und 16. Jh. 

derlei, aneinandergemckte Gen. Sg. F. 
oder PI., in dem Sinne von «dergleichen», 
doch etwas geringschätziger. Schon mhd. 
der leie (s. lei). 

dermaleinst, Verbindung der Gen. PI. 
der male mit einst. Bei Luther der mal eins 
und der mal einst (Sir. 6, 3). Vgl. noch dereinst. 

dermalen, adv.: zu gegenwärtiger Zeit, 
zusammengerückte Gen. PI. der male mit 



347 



dermaßen 



desto 



348 



angetretenem n. Bei Ludwig 1716. ABL. 
dermalig, adj., 1757 in Meiers Metaphysik 
3, 126, häufig bei Wieland. 

dermaßen, adv.: in der Weise, in dem 
Grade, zusammengerückte Gen. Sg. der maßen 
(in schwacher Flexion), mhd. der mä^e. In 
der frühnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. 
ReichskoiT. 1, 624) und bei Luther üblich. 

dero, in höfischer Anrede erhaltner alter- 
tümlicher Gen. PI. von äe^' und die. Ahd. 
dero, im Alemann, in dieser Form erhalten 
und um 1500 in die allgemeine Kanzleisprache 
eingedrungen (z. B. Janssen Frankf. Reichs- 
koiT. 1, 908), anfangs demonstrativ und relativ, 
später in seinem Gebrauch beschränkt. 

der-, die-, dasselbe: der, die, das und 
kein andrer, keine andre, kein andres. Mhd. 
der selbe, diu selbe, da^ selbe, ahd. de^' selbo, 
diu selba, dag selba, got. das 2s eutr. pafa silbö. 
Die erweiterte Form derselbige kommt seit 
dem 15. Jh. und bei Luther vor. 

derweil, adv.: während der Zeit, zu- 
sammengerückte Gen. Sg. mhd. der wtle. 

Derwisch, m. (-es, PI. -e): mohammeda- 
nischer Mönch. Das pers. derwesch, das eig. 
«arm» bedeutet. Bei Hagedorn raoral. Ged. 
154 Dervis, wie ndl. dervis m., aber schon 
1530 bei Seb. Franck Cronica der Türekey 
H 3 ^. J 2 * Dermschler. 

derzeit, adv.: zu der Zeit, zusammen- 
gerückte Gen. Sg. mhd. der zite. ABL. 
derzeitig, adj., erst im 19. Jh. 

Desem (auch Desemer), m. (-s): Schnell- 
wage. Aus dem Ndd. bei Voß 1, 165. Da- 
neben und urspr. besemer, mnd. auch bisemer, 
mit altn. bisniari m., schwed. besman, dän. 
bisnier aus dem gleichbed. russ. bezmen m. 

desertieren, v.: fahnenflüchtig werden. 
Aus dem gleichbed. franz. deserter von mlat. 
desertare, abgeleitet von lat. deserere «ver- 
lassen». Im 17. Jh. ABL. Deserteur, 
m. (-S, PI. -e): Fahnenflüchtiger. Das franz. 
deserteur m. aus lat. desertor m. Desertion, 
f.: Fahnenflucht. Aus franz. desertion, f. von 
lat. desertio f. 

desfalls, adv.: in diesem Fall, zusammen- 
gerückte Gen. Sg., von Gombert 8, 4 aus 
dem J. 1545 nachgewiesen. J.BL. desfallsig, 
adj. In der neuern Kanzleisprache. 

desgleichen, Verbindung des Gen. des 
mit dem Adv. gleichen (mhd. geliche mit an- 
getretenem w), als Adv. und (wie dergleichen) 
auch als Adj. verwendet. Schon im 15. Jh. 
des glichen. 



deshalb, adv.: eig. von selten (s. halb) 
des im Vorhergehenden Ausgedrückten, in 
der Rücksicht. Ältemhd. deshalben (Nicl. 
v.Wyle 352, 28). Die Form deshalb kommt 
schon im 15. Jh. vor (Janssen Frankf. Reichs- 
korr. 1, 149), dringt aber erst im 18. durch. 

designieren, v. : jemand wozu bezeichnen. 
Aus lat. designäre «bezeichnen». Im 17. Jh. 

despektierlich, adj. und adv.: gering- 
schätzig, verächtlich. Zusammenges. mit 
despektiereu <scliimpfen, verachten», das im 
17. Jh. aus lat. despectäre «herabsehen» ent- 
lehnt wurde (bei Nehring 1694). Bei Spe- 
rander 1728. 

desperat, adj.: verzweifelt. Aus lat. 
desperätus, dem Part.Perf. Pass. von desperäre 
«ohne Hoffnung sein». 1575 bei Fischart 
Garg. 266. ABL. DesperatiÖn, f.: Ver- 
zweiflung. Aus lat. d esper ätio f. Bei Rot 1571. 

Despot, m. [-en, Fl.-€7i): Gewalt-, Zwangs- 
herrscher. Aus gr. becTTÖTJTC m. «Gebieter, 
Herr, unumschränkter Gebieter». Bei Henisch 
1616, als Herrschertitel 1562 bei Mathesius 
Sarepta 116^. ABL. despotisch, adj., bei 
Leibniz deutsche Schriften 1, 231 vom J. 1670. 

deß. Gen. Sg. von der, in der poetischen 
Sprache öfters gesetzt, wo sonst dessen (s. d.) 
gebraucht werden muß. Eig. identisch mit 
des, aber mit Rücksicht auf dessen mit ß 
geschrieben. Fiüher auch meist deßhalb, 
deßivegen usw. und indeß, unterdeß (s. d. d.). 

dessen. Gen. Sg. des alleinstehenden und 
so substantivische Geltung habenden demon- 
strativen und relativen der, das. Im altern 
Nhd. (noch nicht bei Luther) eingetretene 
Verlängening der Form des. Auch in den 
Zusammenschiebimgen dessenthalben, dessent- 
wegen, dessentwillen mit eingeschaltetem /. 

Dessert, n. (-.s, PI. -s, -e)-. Nachtisch. 
Das gleichbed. franz. dessert m. von desservir 
«die Speisen abtragen». In der 2. Hälfte 
des 18. Jh. eingedrungen und bei Kindleben 
1781 aufgeführt. 

destillieren, v.: flüchtige und flüssige 
Teüe wovon durch Wärme in verschlossenem 
Gefäße absondern. Aus lat. destilläre «ab- 
träufeln». Im 15. Jh. (wie auch noch später) 
distillieren (bei Nicl. v. Wyle 88, 9, im Voc. ex 
quo 1469 distileren). ABL. Destillation, f. 

desto, den Verhältnisgrad vor Kompa- 
rativen bezeichnend: um so. Mhd. deste 
(mit komparativischer Endung deste}'), auch 
noch des de, des die, ahd. des diu, was der 
das "Verhältnis des (ji-undes anzeisrende Gen. 



349 



deswegen 



Dezember 



350 



des und der das Verhältnis des Maßes ein- 
schließende Instrumental diu ist. Während 
Luther sich noch der Form deste bedient, 
findet sich sonst im 16. Jh. auch desto, das 
Henisch 1616 aufführt. 

deswegen, adv.: aus dem Beweggrunde, 
Verbindung des Gen. Sg. des mit dem prä- 
positioneilen i.cegen (s. d.). Bei Henisch 1616. 

Deul)e, f.: Diebstahl. Veraltet. 'Slhd.diuhe, 
ahd. diuha f., im Got. piuhi n. S. Dieb. 

Deut, m. (-es, PI. -e): kleinste Münze. 
Aus dem ndl. duit m. \/g Stüber (in Cleve 
"/. Pfennig preuß.), das auf anord. pveit 
«eine kleine Münze» (von ßiita «schneiden») 
zurückgeführt wird. Zuerst bei Ludwig 1716 
(Schottel 1663 hat Dütge, Rädlein 1711 Dwfgre«). 
Vgl. Scherf. 

Deute (Goethe Herm. 7, 202), f., s. Tüte. 

deuten, v. : etwas verständlich machen: 
(erklärenrl) zeigen. Mhd.-ahd. d.iuten; dazu 
ndl. duiden, afries. thioda (in hithiodd), anord. 
ßyda, schwed. fyda, dän. tyde. Urspr. s. v. a. 
volksverständlich machen, in der Volkssprache 
auslegen, abgeleitet von ahd. diof m.n., diota f. 
«Volk» (s. deutsch). ABL. deuteln, v.: 
m gekünstelter Weise auslegen. Bei Luther, 
wie auch Deutelei f Deuter, m. in Stern-, 
Traumdeuter usw . ^Ihd.dädcerem. deutlich, 
adj. und adv.: leicht zu erkennend und zu 
verstehend. Mhd. nur als adv. dudliche (auch 
diutecliche), dazu ndl. du idelijk, während Luther 
auch das Adj. verwendet. Deutung, f., mhd. 
diutunge f. 

deutsch, adj. und adv., dazu substantivisch 

Deutscher m., Deutsche f., sowie Deutsch 

n. «die deutsche Sprache». 'Mhi.dmtischjdiutsch 
u. tiutisch, tnitsch, tiuscJi, dazu asächs. thiudisk, 
ndl. duitsch (daher engl, dutch «holländisch»), 
a.gs.ßeodisc, schwed. (entlehnt^ tysJi, dän. tydsk. 
Im Got. findet sich das Adv. piudiskö «heid- 
nisch» (nach gr. ^Gviköic). Abgeleitet von 
ahd. diot m. n., diota f., asächs. thiod, thioda f., 
ags.peod f., got.piud.at «Volk, Volksstamm»; 
dazu lit. tatitä f., ah*, tuath, osk. touto f. «Volk». 
Die ursprüngliche Bed. des Wortes ist daher: 
dem Volke eigen, volksmäßig, national, und 
zwar st^ht es im Deutschen von dem, was 
unserm Vaterland angehört, zunächst von 
unsrer Sprache als der Volkssprache gegen- 
über der in der Kirche nnd bei den Ge- 
lehrten gebrauchten lateinischen, dann auch 
von unserm Volke (asächs. thiudisca liudi 
«Gennania»). Das auf ahd. diniisc beruhende 
nilat. theodisais. theotiscns kommt schon seit 



788 vor. Vgl. J. Grimm Gramm. 1=^, 13 tf., 
H. Fischer Btr. 18, 203 ff. Im altern Nhd. 
wird deutsch (bei Luther deudsch) und teuf seh 
geschrieben, dies besonders bei Oberdeutschen, 
doch auch bei Mitteldeutschen; teutsch wird 
von Duez, Klrämer, Stieler, Ludwig, Frisch 
angesetzt, während Schottel, Gottsched und 
Adelung sich für deutsch entscheiden. Die 
Schreibung teutsch erhält sich bis ins 19. Jh. 
hinein, verschwindet aber dann, nachdem sie 
J. Grimm (irrtümlich, da doch mhd. tiutsch 
zugrunde liegt) als falsch bekämpft hatte. 
ABL. deutschen, v.: auf deutsch sagen 
(mhd. tiutscheri, noch bei Stieler 1691 teutschen, 
dann durch verdeutschen verdrängt; bei Goethe 
6, 110 teutschen = deutschtümeln). Deutsch- 
heit, f. Bei Stieler 1691, aber erst nach 
1750 in der Bed. «deutsche Art» recht üblich 
geworden (im 15. Jh. bei Osw. v. Wolken- 
stein tiiitschecheit). Deutschtum, n. Erst 
nach 1815 aufgekommen. Dazu (in herab- 
setzendem Sinn) deutsch tibn ein v. und Deutsch- 
tilmelei f. ZUS. Deutschland, n. Im 15. Jli. 
als Zusammensetzung TiutschJand (früher dag 
tiutsche lant, daneben derPlur., z.B. diatsche 
laut im Annolied), doch auch öfter noch mit 
Flexion des 1. Bestandteils (auch bei Luther). 
Vgl. Hildebrand Kleine Sehr. 217. 

DCTlSe, f : Wahl-, Sinnspnich. Aus franz. 
devise, ital. divisa f. «Abteilung, Wahl, Wahl- 
spmch, Unterscheidungszeichen», von lat. 
divisiis, dem Part. Perf. Pass. von lat. dwidere 
«teilen, unterscheiden». Im 16. Jh. entlehnt 
(1564 in der Zimmerschen Chronik; beiFischart 
Garg. 185 nach dem Ital. Divis). 

dCTÖt, adj.: fromm, ergeben. Aus dem 
gleichbed. lat. devötus, eig. Part. Perf. von 
devovere «als Opfer weihen, dahingehen». 
Im 17. Jh. entlehnt. DcTOtiÖn, f.: Frömmig- 
keit, Hingebung. Aus lat. devötio f. Im 
17. Jh. (Grimmeishausen Simpl. 101). 

Dezem, m. f-.s): der Zehnte als Abgabe 
an den Geistlichen. Aus mlat. decimwn n. 
«Zehntabgabe :-, dem Xeutr. des lat. Adj. 
decimus «der zehnte». Schon ohd. dezem^'} m. 
Daher md. Däzen m. «Anteil». 

Dezember, m. (-s): der letzte Monat 
im Jahre. Aas lat. December d. i. «der 
zehnte Monat vom Mäi-z an», von lat. decem 
«zehn». Dafür ahd. (nach der Benennung 
Karls d. Gr.) heilagmanöth, spätmhd. christrnan 
«Christmonat», auch hartmän «Hartmonat» 
(wegen des gefrornen Erdbodens) slahtmun 
«Schlachtmonat» (wegen des Schlachtens der 



351 



Dezennium 



dicht 



352 



Schweine) und wolfmän «Wolfmonat» (weil 
die Wölfin im Winter läufig ist). 

Dezennium, n. (s, PI. Dezennien) : Jahi-- 
zehnt. Baslatdecenniumn. Bei Nehring 1694. 

dezent, adj.: geziemend, wohlanständig. 
Von lat. decens (Gen. decentis), dem als Adj. 
gesetzten Part. Präs. von lat. decere «ge- 
ziemen, gebühren, wohlanstehen». Im 18. Jh. 
entlehnt. Dezeuz, f.: Wohlanständigkeit. 
Aus dem gleichbed. lat. decentia f. 

Dezigramm, n. (-s, PI. -e): ^lo Gramm. 
Durch Reichsgesetz von 1868 aufgenommen 
aus franz. decigramme m., dessen deci- nach 
lat. decimus «der zehnte». 

dezimal, adj.: die Zahl 10 (lat. decem) 
betreffend. Aus mlat. decimalis. 1716 bei 
Wolff math. Lex. Sp. 172 Decimal-Rechnung. 

dezimieren, v.: den zehnten Mann töten. 
Aus dem gleichbed. lat. deciniäre von lat. 
decimus «der zehnte». Im 18. Jh. entlehnt. 

Diadem, n. (-5, PI. -e): Kopf-, Stirnbinde 
als Zeichen der höchsten Würde, Mhd. 
diadem m. Aus gr,-lat, diadenia, gr, bidbrnua n. 
«Binde, Band, persische Binde um den Turban, 
diese Binde als Zeichen königlicher Würde», 
von gr. biabeiv «umbinden». 

Diakon, m. [s oder -en, PI. -en): Hilfs- 
prediger. Aus dem kirchlichen gv. -lat. diäconus 
m, «Kirchendiener, -gehilfe», gr. bicxKovoc m. 
«Diener», Schon mhd. (mit Abschwäehung) 
diaken m. ABL. Diakonissin, f. : Kirchen- 
dienerin zu (Armen- und) Krankenpflege. Aus 
kirchlich-lat, diaconissa f. «Kirchendienerin». 

Dialekt, m, {-es, PI. -e)-. Mundart, Aus 
gr.-lat. dialedus f, «Mundart», gr. bidXeKToc f. 
«Unterredung, Ausdruck, Landessprache, 
Mundart», von biaX^jecGai «sich unterreden, 
redegewandt sein». 1634 bei Spee Trutznachti- 
gall Vorr. der PI. Dialecten. — Dialektik, 
f.: die Kunst gelehrten Streites; Wissenschaft 
der Denkformen, IMhd, dialectike f, aus gleich- 
bed, gr.-lat, dmZed-ica (zu ergänzen ars «Kunst»), 
gr. bia\eKTiKri (nämlich x^x^n «Kunst»), dem 
Fem. des gr.-lat. Adj. dialedicus, gr. bia\eK- 
TiKÖc «zur Unterredung, zum Disputieren 
gehörig». Davon Dialektiker, m,: Kenner 
und Lehrer der Dialektik. 

Dialog, m, (-S, Pl,-e): Wechselgespräch. 
Aus gr.-lat. diälogus m., gT, bidXoYoc f. «philo- 
sophische Unterredung, Zwiegespräch», von 
bxaXiyecQai (s. Dialekt). Beleg von 1621 bei 
Gombert 8, 4. 

Diamant, m, {-s oder -en, PI. -en), ver- 
altet und dichterisch Demant, m. {-s, PI. -e): 



der härteste Edelstein. Mhd. diamant, diemant 
(wora^^s demant hervorgegangen, wie denmot 
aus dienmot) aus ital.-span. diamante, franz. 
diamant m,, die auf gr.-lat. ädamas (Gen. 
adamäntis) beruhen, woher auch mhd.-ahd. 
adamant m. Bei Luther Demand, später setzte 
sich wieder die dem Franz. näherstehende 
Form Diamant durch, ABL. diamanten, 
denianten, adj. 

Diarium, n. {-s, PI. Diarien): Tagebucb, 
Kladde. Aus lat, diärium n. «Tagebuch», 
einer Ableitung von dies «Tag», 1703 im 
Zeitungslex. 

Diarrhoe, f, (PI. -n): Durchfall. Aus 
dem gleichbed, gr.-lat. diarrJioea, gi', bidß|)oia f,, 
von bia^^eiv «durchfließen». Bei Wächtler 1711 
Diarrhee. 

Diät, f.: Lebensordnung; schmale Kost. 
Mit fi-anz. diete, ital. dieta f. aus gr.-lat. diaeta, 
gr, biaira f. «Lebensart, ärztliche Vorschrift 
zur Erhaltung der Gesundheit», Schon früh- 
nhd., in Brants Narrenschiff 38, 3 dyget, im 
Grobianus 3904 Diet, auch bei Bot 1571 ver- 
zeichnet. Auch adjektivisch ein diätes Leben 
bei Nehring 1710, hervorgegangen aus diät 
leben «nach der Diät leben» (1719 bei Fleming 
Jäger 1, 92^). 

Diäten, PI. : Taggelder, Taggebühren, Mit 
franz, diete, ital, dieta i. «Reichstag» von mlat. 
dimta oder dieta f. «Tagreise, Tagsatzung, Tag- 
geld» von lat. dies «Tag» (vgl. mlat, dietim 
«täglich»). 1773 bei Amaranthes'* 1, 862. 

dihbern, v.: reden, angelegentlich be- 
sprechen. Auch döl)ern. Jüdisch-deutsch 
aus hebr. dibber «reden». 

dicht, poetisch auch noch dichte (Goethe 1, 
115, 4, 101), adj. u, adv.: eng zusammenge- 
drängt. Mhd. (bei Nie. v. Jeroschin) dthfe 
(daher bei Burkhard Waldis 3, 94, 165 deicht, 
jetzt noch preuß.-livländ.-estländ.), häufiger 
(auch in obd. Quellen) gedihte als adv, «in 
einem fort, häufig», daraus dann mit ge- 
kürztem Vokal (aus dem Md,) dicht,' bei 
Luther ticht; dazu mnd.-mnl, dichte «stai-k, 
tüchtig», anord. pettr (aus *J)ihtr), dän, tcet, 
engl, tight «dicht». Ob das Wort zu ahd. 
dihan «gedeihen» gehört, das wie gediegen 
(s. d.) zeigt, auch dieBed. «reif, fest, hart und 
so eng beisammen (dicht) werden, trocknen» 
hatte, scheint zweifelhaft. Nach Stokes Bezz. 
Btr. 25, 47 zu ir. techt «geronnen ». Gewöhnlich 
vergleicht man auch lit. tänkus «dicht, dicht 
zusammenstehend», arm. thanjr «dicht» und 
stellt diese zu ai. tanäkti «zieht zusammen, 



353 



dichten 



Diemen 



354 



gerinnt». ABL. Dichte, f., bei Krämer 
1678. dichten, v.: dicht machen, im 16. Jh. 
Dichtigkeit, f., bei Henisch 1616. 

dichten, v.: Yerse machen; überhaupt 
schöpferisch hei-vorb ringen: worauf sinnen 
(in d. und trachten). Mhd. tihten «schriftlich 
abfassen, schriftlich in Yerse fassen, ersinnen 
und zwar künstlerisch», ahd. dihton, tihton 
«in Versen erfinden und schaffend hervor- 
bringen»; dazu ndl. dichten, schwed. (ent- 
lehnt) dikta, dän, digte. Aus lat. dictäre «zum 
Nachschreiben vorsagen (diktieren), nieder- 
schreiben lassen, vorsagend anfertigen, dich- 
ten». Bei Luther noch mit urspiünglichem 
t tichten, ebenso bei den schlesischen Dich- 
tem (noch bei Günther). ABL. Dichter, 
m. (-S, PI. wie Sg.), mhd. tihtcere. Davon 
dichterisch, adj. u. adv. (von Zesen ge- 
braucht, z. B. 1645 in der Adriat. Rose- 
mund 123, s. Gombert 7, 20) und Dichter- 
ling, m.: schlechter Dichter (von Christian 
Wemicke 1697 gebildet). Dichtung, f. mhd. 
tihtunge f. ZUS. Dichtkunst, f., bei Schottel 
S. 447 Tichtekunst. 

dick, adj. u. adv.: stark an Masse. Ver- 
kürzt aus dicke (so noch gewöhnlich bei 
Luther), mhd. dicke (das Adv. auch «oft», 
wie noch jetzt mundartlich), ahd. dicchi, dicki; 
dazu asächs. thikki, ndl. dik, afries. thikke, 
ags. picce, engl, thik, anord. ßykkr, pjokkr, 
schwed. ijok, dän. tyk. Verwandt ist altir. 
tiiig (aus Higu) «dick». Kaum zu gedeihen, 
ahd. dihan, also etwa «zu größerer Körper- 
lichkeit angewachsen», was wegen der Form 
Schwierigkeiten macht. Auch Verwandtschaft 
mit dicht ist nicht sicher. ABL. Dicke, f., 
mhd. dicke, ahd. dicchi, dicki f. dicken, 
V. : dick werden, mhd. dicken, ahd. dicchen, 
dicken ; dick machen (auch in er-, verdicken). 
Dickicht, n. Nach Frisch aus der Jäger- 
sprache aufgenommen, aus der es zuerst 1719 
bei Fleming (teutsch. Jäger 1, 42 Dickigt) 
erscheint, anfangs auch als M. gebraucht 
(Hagedom poet. W. 2, 231, noch 1775 bei 
Heynatz) ; eig. substantivierte Form eines Adj. 
dickicht «etwas dick», bei Henisch 1616 dickigt. 
ZUS. Dickkopf, m.: Kopf großen Umfangs 
(bei Duez 1664) ; Mensch oder Tier mit solchem 
Kopfe ; geistig beschränkter Mensch (im 17. Jh. 
bei Wecklieriin 1, 511); unnachgiebiger, störri- ; 
scher Mensch. 

Dickbein, n.: das Bein von der Hüfte 
bis zum Knie. Bei Stieler 1691. Mit An- 
lehnung an dick entstellt aus Diechbein (im 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



] 14. Jh. diechpain bei Megenberg 144, 35 ist 
«Schenkelknochen»); mhd. diech, ahd. dioh 

I n. «Schenkel» ist sonst veraltet, aber noch 
im Bayr. vorkommend, entsprechend nd. de, 

j ndl. dij, afries. thiach, ags. ßeoh, engl, thigh, 

I anord. ßjö. Es gehört zu lit. taukai «Fett», 
apr. taukis «Schmalz», abg. tukü m. «Fett». 
Didaktik, f.: Lehrkunst; Lehrdichtung. 
Von gr. bibaKTiKri (nämlich xexvri «Kunst»), 
Fem. des Adj. bibaKxiKÖc «zum Unterricht 
gehörig, belehi'end», von bibdcKeiv «belehren». 

I Im 18. Jh. entlehnt, didaktisch, adj.: lehr- 

j haft (Lessing 6, 254). 

Dieb, m. (-es, PI. -e): heimlicher Ent- 
wender fremden Eigentums. Mhd. diep, ahd. 
diob, diub m.; dazu asächs. thiof, ndl. dief, 
afries. thiaf, ags. ßeof, engl, thief, anord. 

pjöfr, schwed. tjuf, dän. tyv, got. piufs, ßiicbs 
m. Dunkler Herkunft. S. auch Deiche. ABL. 
Dieberei, f., mhd. dieberte f. diebisch, 

adj., fiühnhd. (bei Kaisersberg), mhd. dafüi- 
diepHch. diebjo! als Ausmf: haltet den 
iDieb! Mit angetretener Interjektion wie 
I mhd. -ä, z. B. in tüäfenä «Waffen herbei!» 
Ln 15. Jh. ZTJS. Diebstahl, m., mhd. da- 
für diepstäle, diupstäle f., zusammengesetzt 
aus Dieb (ahd. und mhd. dialektisch auch 
diup) und dem im Ahd. erhaltenen stäla f. 
von stelan «stehlen». Das Mask. Diebstahl 
1482 im Vocab. predicantium A a 2^ (geist- 
licher diehstal) und bei Luther. 

Diecb, s. Dickbein. 

Diele, f. (PI. -w): langes Brett; Fußboden; 
Zimmerdecke; Hausflur; Dreschtenne. Mhd. 
dil m, f. und mit J-Suffix abgeleitet dille, 
ahd. dil, dilo m., dili n. tmd dilla (aus *dilja) 
f. «Brett, Bretterwand, Seitenwand des Schiffes, 
brettei'ner Fußboden», mhd. dille auch s. v. a. 
obere Decke des Hauses; dazu mnd. dele f. 
«Brett, Fußboden, Flur», ndl. deel n. «Brett», 
ags. pel n. und abgeleitet ßille f. «Brett», 
anord. pil, pili n. «Bretter-, Scheidewand, 
Getäfel» und ßil ja f. «Ruderbank». Verwandt 
sind lit. tUe f. «Kahn diele», abg. tilon. «Boden», 
die man weiter zu aind. talam n. «Fläche» 
und lat. teliüs f. «Erde» stellt. Die Bedd. 
«Hausflur, Dreschtenne» sind aus dem Ndd. 
aufgenommen ; zuerst bei Ludwig 1716. ABL. 
dielen, v.: (den Fußboden) mit Dielen be- 
schlagen. Mhd. dafür dillen, ahd. dillön (in 
gadilWn), abgeleitet von mhd. dille, ahd. dilla f. 

Diemen, m. oder Dieme, f.: Haufen von 
Stroh oder Getreide. Ndd. (bei Schottel 1663 
Dient f.). S. Feim. 

23 



355 



dieueu 



diesseit 



356 



dienen, v.: jemandes Befehl untergeben 
sein; zu jemandes Zweck oder Nutzen tätig 
sein; als Mittel wozu brauchbar sein. Mhd. 
dienen, ahd. dionön-, dazu asächs. thionön, 
ndl. dienen, afries. thiania, anord. pjöna, 
schwed. tjäna, dän. tjene. Es ist eine Ab- 
leitung von ahd. dio, deo (Gen. diuwes), ags. 
peow, got. pius (Gen. ßiiois m.) «leibeigner 
Diener, Knecht, Sklave», wovon mhd. diu, 
ahd. diu (Gen. dimvi), asächs. thiu, thiuwi, 
ags. peowe, peoiven, anord. ßyr f. «Magd, 
Sklavin». S. auch Demut und Dirne. ABL. 
Diener, m., mhd. diencere. Davon Diene- 
rin, f., mhd. diencerinne, und Dienerschaft, 
f. (bei Henisch 1616). dienlicll, adj.: nütz- 
licb. Bei Luther. 

Dienst, m., mhd. dienest m. n., ahd. dio- 
nost n,; dazu asächs. thionost n., ndl. dienst 
m., anord. ßjönusta f., schwed. tjänst m., dän. 
tjeneste. Von ahd. dionön abgeleitet (wegen 
des Suffixes vgl. Angst). Mhd. dienest be- 
zeichnet auch «die Dienerschaft» und «den 
einzelnen Diener», wie noch jetzt schweize- 
risch (Plur. Diensten, auch nd. Denst m. 
«Diener», bei Voß Dienstin f.). ABL. dienst- 
bar, adj., mhd. dienestbcere. dienstlich, 
adj. u. adv.: dienstbefdssen, mhd. dietiestlich; 
den Dienst betreffend (noch nicht bei Ade- 
lung). ZUS. Diensthote, m.: Knecht oder 
Magd. In frühnhd. Glossaren (Diefenb. 127 '', 
auch Reichs-Ordnung. 72^ v. J. 1512). dienst- 
fertig, adj., bei Krämer 1678. Dienstmann, 
m. [-S, PI. -en), in der altern Sprache mhd. 
dienestman, ahd. dionostman «der dem Ge- 
folgsherm zu Dienst Verpflichtete, Vasall, 
Ministeriale»; dagegen erst nach 1860 (PI. 
Dienstmänner odier Dienstleute) «Packträger». 
dienstwillig, adj., im 16. Jh. (1640 bei 
Comenius 878, aber DienstimlUgkeit schon 
bei Fischart 2, 285 Kurz). 

Dienstag, m. (-s, PI. -e): der dritte Tag 
der Woche. IVIh. spät und selten dienstac, 
dinstac, gewöhnlich zistac, ziestac (daher bei 
Hebel Zistig); dazu afries. tiesdei, ags. ti- 
wesdceg, engl, tuesday, anord. tysdagr, schwed. 
tisdag m., dän. (entstellt) tirsdag. Dies be- 
deutet: der dem Kriegs- und Siegesgott, ahd. 
Zio, ags. Tirv, anord. Tyr geweihte Tag und 
ist eine Nachbildung des lat. dies Martis (wo- 
her franz. mardi). Zio gehört zu gr. Zeüc, 
lat. Juppiter, aind. Djäus «Himmelsgott» (zu 
aind. div «Himmel»). Nach früherer Annahme 
ist Dienstag aus der ndd. Form tiesdag für 
ziestac entstellt (mit Anlehnung an dienen, 



wie auch schon mhd. ziestac zu zinstac ent- 
stellt wurde), doch sprechen dagegen die 
Formen mnd. dingsedach, dinschedach, mnl. 
dinxendacli, dinsendach, mit denen D. jeden- 
falls in Verbindung zu bringen ist. Man 
führt das Wort auf einen Beinamen des 
Zio zurück, den er als Beschirmer der Ge- 
richtstage fühi'te, in latinisierter Form Thingsus 
(zu ahd. dinc «gerichthche Verhandlung», s. 
Ding), dann also aus Dingestag, Dingstag 
(was auch in md. Quellen des 14. bis 16. Jh. 
erscheint). Es hätte sich dann zunächst Dins- 
tag entwickelt, wie auch Luther hat, weiter 
mit Anlehnung an dienen Dienstag. Dafür 
bayr. Ertag, Erclitag, nachweislich im 13. Jh. 
eritac, heritac und erigtac, bei Berthold 
V. Regensburg 1, 54, 16 ergetac, im 14. Jh. 
eretac, ertac und eryntag (mon. ZoD. 3, ur. 187). 

dienstbar, Dienstbote usw., s. Dienst. 

dieser, diese, dieses oder dies (auch 
dieß), das Demonstrativ -Pronomen. Mhd. 
diser (durch Assimilation meist dirre), Fem. 
disiu, Neutr. ditze oder di^ (im 15. Jh. auch 
schon dises), ahd. deser (und therer, diser), 
desiu (disiu), dizi, diz; dazu asächs. these, 
thius, tJiit, ndl. deze, dit, afries. this (thes), 
thius, thit, ags. pes, peos, pis, anord. pessi, 
petta, schwed. denne, denna, detta, dän. denne, 
dette. Aus zwei Stämmen zusammengeflossen, 
dem Demonstrativstamm, der auch in der ent- 
halten ist und emem ebenfalls demonstrativen 
Stamm sa- in got sa, so «der, die» usw. (s. der). 

diesfalls, adv. : in diesem Falle. Zusammen- 
gerückt aus dies Falls, worin dies aus dieses 
gekürzt (wie auch mhd. dis, diss für dises 
steht). 1570 disfals, 1531 ditzfals bei Gom- 
bert 8, 6. diesfällig, adj., ein Kanzleiwort, 
von Gombert 8, 6 aus dem J. 1708 belegt. 

diesjährig, adj.: von diesem Jahre seiend. 
Abgeleitet von dem Akk. Sg. dies Jähr. Schon 
1537 bei Dasypodius dißjärig. 

diesmal, adv., aus dem Akk. Sg. dies Mal. 
Frühnhd., bei Luther dis mal. ABL. dies- 
malig, adj., bei Adelung 1774 als obd.Wort 
(doch schon bei Stieler 1691 dißmalig). 

diesseit, diesseits, adv., dann präp. mit 
Gen.: auf dieser Seite. Mhd. dissit, der Akk. 
Sg. von Seite mhd. ^te mit dem Demonstr. 
diese zusammengeschoben; spätmhd. auch 
schon mit angetretenem genetivischen -s dis- 
seits. Bei Luther disseid (als Präp. mit 
Gen., seltener mit Dat.) und disseids. ABL. 
diesseitig, a'dj., 1626 bei Londorp acta 
publica 2, ISlö''. 



357 



Dietrich 



dingen 



358 



Dietrich, m. (s, PI. -e): Nach-, Diebs- 
schlüssel. Schon spätmhd. dieterich, beiLuther 
dietrich, bei Alberus Dict. Bb. 2^ dietherich. 
Wohl von dem Mannsnamen Dietrich, mhd. 
Dieterich, ahd. Diofrih, latinisiert Theoderi- 
cus (zusammengesetzt aus mhd. diet, ahd. diot 
«Volkx, s. deutsch und -rieh «Herrscher», s. 
rieh), zumal da der Nachschlüssel im Ndd. 
neben Dierken (von Dierk, der ndd.Diminutiv- 
und Koseform von Dietrich, daher schwed. 
dyrk und dän. dirk m. «Nachschlüssel») auch 
Peferketi, d. i. Peterchen heißt. Spätahd. sagte 
man aftershi^el m., mhd. miteslüg^el m., auch 
im 14. Jh. diehslüsseh 

die weil, adv. u. konj.: in der Zeitdauer 
daß; aus der Ursache daß. Die zusammen- 
gerückten Akk. Sg. die wile, ahd. dia ivUa, 
die zunächst als Adv. der Zeitdauer gebraucht 
wurden. Verstäx-kt mhd. alle di-e wile. al die 
wile, woraus miser veraltetes alldieiceil. 

differieren, v.: verschieden sein. Aus 
dem gleichbed. franz. differer, das auf lat. 
diff'erre «auseinandertragen» beruht. Im 16. Jh. 
entlehnt (Rot 1571 hat differirn in der Bed. 
«aufschieben»). ABL. Differenz, f.: Unter- 
schied. Aus lat. differentia f. Schon spätmhd. 

diktieren, v.: in die Feder sagen, zum 
Nachschreiben vorsagen; befehlend zuerkennen. 
Aus lat. dictäre «wiederholt sagen, vorsagen, 
befehlen», abgeleitet von dicere «sprechen». 
Frühnhd. (Reichs-Ordnungen 82 » v. J. 1512). 
ABL. Diktator, m. (-5, PI. -en): unum- 
schränkter Machthaber. Aus lat. dictätor m. 
Frühnhd. (1534 bei Franck Weltb. 75*j. dik- 
tatorisch, adj., Beleg von 1735 bei Gom- 
bert 8, 5. Diktatur, f.: Machthaberwüi-de, 
Hochgewalt. Aus lat. dictätura f. Frühnhd. 
(Sallust M 2»). 

Dilettant, m. (-en, PI. -en): Kunstlieb- 
haber. Aus ital. dilettante, eig. Part. Präs. 
von dilettare «ergötzen, vergnügen», das aus 
dem gleichbed. lat. delecfäre. Um 1750 auf- 
gekommen (bei Wieland Amadis 257, Idris 8 
Dilettante, bei Hermes Soph. Reise 3, 52 als 
* neumodisch» bezeichnet j. 

Dill, ra. (-es, PI. -e): starkriechende, als 
Zutat an Speisen dienende, in Gärten gezogene 
Doldenpflanze, anethum. Mit d für ursprüng- 
liches t (bei Luther noch Till) aus mhd. 
tille f. m. (n.?), ahd. tilli n.: dazu ndl. dille 
f., ags. dile f., engl, dill, schwed. (entlehnt) 
diu m., dän. dild. Dunkler Herkunft. Im 
18. Jh. meist Dille f. (1722 bei Freyer 271 
noch Tille), so bei Heynatz 1775 und Ade- 



lung, der das Mask. Dül (das bei Frisch 1741 
angesetzt ist) für dialektisch erlärt. Das 
Fem. ist heute noch bayr.-österreichisch. 

Dille, f.: Schloßbeschlag um das Schlüssel- 
loch, s. Tnlle. 

Dimension, f. fPl. -en): Ausdehnung. 
Aus lat. dlmensio f. «Abmessung». Bei 
Wächtler 1711. 

Diner, n. {-s, PI. -S): Mittagsmahl. Aus 
dem gleichbed. franz. diner, eig. subst. Inf. 
des V. diner, afranz. disner, disgne); ital. 
disinare, desinare «zu Mittag essen», das 
wahrscheinlich auf ein mlat. *disjejunare «das 
Fasten brechen» (von lat. dis- und jejnnus 
«nüchtern» gebildet j zurückgeht. ABL. 
dinieren, v. : ein Mittagsmahl einnehmen. 
Von franz. diner. Beide im spätem 18. Jh. 
entlehnt. 

Ding:, 11- (-^S, PI. -e, auch -er): (veraltet) 
rechtliche und gerichtliche Verhandlung; An- 
gelegenheit; Gegenstand. Mhd.-ahd. dinc (Gen. 
dingt'S) n.: dazu asächs.-afries. thing, ndl. ding, 
ags. ping n., engl, thing, anord. ping nui- 
«Gerichtsverhandlung, Volksversammlung >-, 
schwed. ting, dän. ting, thing n. (auch in 
Storthing und Folkething ;< Reichstag in Nor- 
wegen und in Dänemark»j; dazu auch lango- 
bard. f/iiw.'c «rechtliche Schenkung». Das Woii: 
wird zu got. peihs n. (aus *pinhs) «Zeit;> zu 
stellen sein, so daß die Bedeutungsentwick- 
lung: Termin, Tagsatzung, rechtliche und ge- 
richtliche Verhandlung gewesen sein ^vird. Es 
würde dann zu lat, tempus n. gehören können, 
wenn man das unregelmäßige j? (für ^w) durch 
Entlehnung des Wortes aus dem Sabinischen 
erklären könnte. Die Bed. < Verhandlung» 
schimmert noch bei dingen (s.d.) durch. Wegen 
der weitern Bedeutungsentwicklung vgl. >SacAe. 
Vgl. auch Dienstcuj und verteidigen. Der PI. 
lautet bei Luther auch Dinger (Luk. 20, 26), 
jetzt nur, wenn das Wort die Bed. «gering- 
wertiger Gegenstand» hat oder herabsetzend 
von Menschen (bes. Mädchen) gebraucht wird, 
z. B. Lessing 1, 222, Wieland 21, 203, Goethe 6, 
258, Schiller 13, 368. Das Dimin. lautet meist 
Dingelchen (bei Rädlein 1711 Dingelgen), im 
PI. auch Dingerchen. S. Dings. 

dingen, v.: woniber verhandeln, insbe- 
sondere über den Preis von etwas; vertrags- 
mäßig für Lohn in Dienste nehmen. Mhd. 
di)igen, ahd. dingön und dingen «vor Gericht 
wofüi- reden, gerichtlich verhandeln, unter- 
handeln, besprechend emen Vertrag schließen, 
vertragsmäßig festsetzen, vertragsmäßig für 

23* 



359 



dingfest 



diskret 



360 



Lohn in Dienste nehmen»; dazu asächs. thingon 
«verhandeln», ndl. di7igen (Prät. dong, Part. 
gedongen «dingen»), afries. thmgia« gerichtlich 
verhandeln», ags. pingian besonders «schlich- 
ten, einen Streit beilegen» und pingan «einen 
Vertrag schließen», anord.pmga «verhandeln», 
besonders «gerichthch». Abgeleitet von Di7ig 
(s. d.). Das V. hat früher nur schwache Flexion, 
im 17. Jh. dringt nach der Ähnlichkeit von 
singen, springen usw. auch starke ein, die 
aber Schottel 1663 noch nicht kennt. Stieler 
1691 indes verzeichnet ich dünge und dingte, 
gedungen und gedingt. Adelungsetzt die starken 
Formen (Prät. düng, jetzt auch dang) als regel- 
mäßig an, doch haben sich die schwachen 
daneben erhalten. 

dingfest, adj.: rechtlich (gerichtlich) in 
Haft gesetzt; überhaupt s. v. a. haltbar fest. 
Wie es scheint, nicht vor 1830 und aufge- 
nommen im Gegensatz zu dem Adj. ding- 
fiüchtig «sich durch Flucht dem Gericht oder 
einer Vertragserfüllung entziehend», mhd. 
dincflühtic. 

dinglich, adj.: was einer Sache zukommt 
im Gegensatze der Person. Erst bei Ade- 
lung 1793. Mhd. dingelich, ahd. ditidih ist 
«gerichtlich», 

Dings, m. f. n., als unbestimmte Bezeich- 
nung einer ungenannten Person oder Sache, 
eines ungenannten Ortes. Hervorgegangen 
aus dem Gen. Sg. von Ding, wenn dies bei 
einem andern Subst. steht, z. B. ein stück 
dings, vil dings. Schon bei Henisch 1616 
als selbständiges Wort angesetzt. 

dinieren, s. Diner. 

Dinkel, m. (-s, PI. wie Sg.): eine Weizen- 
art, Spelz. Mhd. dinkel, ahd. dinchil, dinkil 
m. Dunkler Herkunft. 

Dinte, s. Tinte. 

Diözese, f. (PI. Diözesen): Kirchsprengel, 
Bezirk. Aus gr.-lat. dioecesis f. «Landbezirk», 
im 5. Jh. n. Chr. auch s. v. a. «Kirchsprengel», 
gr. bioiKricic f. «Land-, Gerichtsbezirk». 1703 
im Zeitungslex. Dioeces. 

Diphtliöni?, m. (-es, PI. -e): Zweilaut. 
Aus gr.-lat. diphthongos, gr. bicpBoYToc f. «Zwei- 
laut, Doppelvokal», dem als Subst. gesetzten 
Adj. bicpOoYYoc «zweifach lautend» (b(c «zwei- 
mal» und einer Ableitung von qpGdYT^ceai 
«einen Laut von sich geben»). Schon um 
1522 in Ickelsamers Grammatik p. 44 der PI. 
Diphthongen nach der früher übUchen schwa- 
chen Deklination, 1478 bei Nicl. v. Wyle 351, 
14 des diptongons ai. 



Diplom, n.: Emennungs-, Bestallungsur- 
kunde. Aus gr.-lat. diplöma, gr. biTrXiu^a n. 
«Beglaubigungsschreiben, Gnadenbrief» eig. 
«doppelt Zusammengelegtes», von gr. biTrXoOv 
«doppelt zusammenlegen, falten». Bei Wächt- 
ler 1711, früher Diploma. ABL. Diplomat, 
m. (-en, Ph-en): Staatsgeschäftskundiger, eig. 
der mit Urkunden iimzugehen weiß. Aus 
franz. diplomate m. Davon Diplomatie, f., 
aus franz. diplomatie f., und diplomatisch, 
adj. nach franz. diplomatique. Alle im 18. Jh. 
aufgenommen. 

Diptam, m. (-s, PI. -e): zitronenartig 
riechende Pflanze. Mhd. diptam neben dictam 
m. Aus mlat. diptamus m., verderbt aus gr.- 
lat. dictämnus m., dictamnum n., gr. biKxaiuov 
n., biKTOiLivov n. und biKxaiavoc f. 

direkt, adj. u. adv.: in gerader Richtung 
worauf, stracks, geradezu. Aus lat. directus, 
dem Pai't. Perf. Pass. von dlrigere «gerade 
richten, lenken, leiten». Bei Rot 1571 (bei 
Fisch art Garg. 29 dir echt). Direktion, f.: 
Richtung, Leitung. Aus lat. dnectio f. Direk- 
tor, m. (-S, PI. -en): Leiter, Vorsteher. Aus 
nQviai. director m. Bei Rot 1571. dirigieren, 
V. : lenken, leiten. Aus lat. dirigere (s. oben). 
Bei Rot 1571 dirigirn. 

Dirne, f. (PI. -w): dienende weibliche 
Person; junge unverheiratete weibliche Per- 
son; leichte, feUe Weibsperson. Mit Kürzung 
des Vcrkals (schon bei Luther) aus mhd. dierne, 
ahd. diorna f.; dazu asächs. thiorna, ndl. deern, 
anord. (aus dem Deutschen) perna f. Jeden- 
falls von ahd. deo, got. pius m. «Knecht» 
(s. dienen) abgeleitet; ein vorauszusetzendes 
got. *piwairnö (nach widmvairna m. «Waise», 
eig. «Witwensohn», zu widmvö f. «Witwe») 
könnte die Bed. «Knechtstochter» gehabt 
haben. Nach Adelung im Hochd. fast ver- 
altet, aber von Niederdeutschland und Bayern 
aus, wo es volksüblich ist, gegen Ende des 
18. Jh. wieder in die Schriftsprache einge- 
di'ungen. 

Diskant, m. (-es, PI. -e): höchste Sing- 
stimme. Mhd. discante m. aus mlat. discan- 
tus m., ursprünglich wohl Gesang von zwei 
Stimmen und dann auf die obere beschränkt. 

Diskont, m. und Diskonto, m, (-es), 
Abzug bei Zahlung vor dem Ziele. Aus ital. 
disconto, jetzt sconto m. «Abrechnung, Ab- 
zug», aus einem mlat. discomputus m. (s. 
Konto). La der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt. 

diskret, adj. u. adv.: besonnen unter- 
scheidend, rücksichtsvoll, zurückhaltend. Aus 



361 



disknrieren 



dito 



362 



lat. discretus, dem Part. Prät. Pass. von dis- 
cernere «absondern», Wohl schon im 16. Jh. 
entlehnt (im 17. z. B. bei Logau 2, 14). ABL. 
Diskretion, f.: Eücksichtnahme; Zurück- 
haltung; Gutbefinden. Aus lat. discretio f. 
«Absonderung». Im 16. Jh. (Script, rer. Siles. 
4, 274 vom J. 1581 Discretion). 

diskuri ereil, v. : hin- und heiTeden. Aus 
franz. discourir, das aus lat. disairrere «aus- 
einanderlaufen, sich woiüber ergehen». Um 
1600 gebraucht (Albertinus Kriegsleut Weck- 
uhr 2, 16% aber das Adj. diskuri erlich schon 
bei Fischart Garg. 275). — Diskürs, m. 
(Gen, Diskurses, PI. Diskurse): Untei-redung. 
Aus fr'anz. discours m. «Unterhaltungsge- 
spräch», das aus lat. discursus m. «Bün- und 
Herlaufen». Um 1600 fAlbertinus weibl. 
Lustg. 200 b). 

Dispens, m. (-es, PI. -e): Erlassung. Aus 
'franz. dispense f. Erst im 18. Jh. dispen- 
sieren, v.: austeilen, wovon freisprechen, 
entbinden. Schon mhd. dispensieren, aus lat. 
dispensäre eig. «austeilend abwägen». ABL. 
Dispensation, f.: Erlassung. Aus lat. dis- 
pensätio, woraus schon im 14, Jh. dispen- 
säcie, bei Luther christl. Adel 60 Dispen- 
sation. 

disponieren, v.: anordnen, bestimmen. 
Aus lat. dispönere «in Ordnung bringen, ein- 
richten, bestimmen». Schon bei Rot 1571. 
ABL. Disposition, f.: Anordnung; Stim- 
mung, Geneigtheit. Aus lat. dispositio f. Im 
16. Jh. (Fischart Garg. 169). 

Disput, m. i-es, PI. -e): Wortwechsel, 
Woi-tstreit. Aus franz. dispute, ital. disputa 
f. 1694 bei Nehring (fiüher erscheint dafür 
Disputat, z. B. Albertinus weibl. Lustg. 196). 
disputieren, v. : wissenschaftlich besprechend 
kämpfen: Worte wechselnd streiten. Schon 
mhd. disputierest aus \a.t. disputdre «mit Worten 
auseinandersetzen». ABL. Disputation, f.: 
gelehrtes Streitgespräch. Aus lat. disputätio 
f., woraus schon mhd. disputäzie f. und in 
Ottokars Reimchronik 91352 disputacion. 

Dissertation, f. (PI. -en): Erörtemngs-, 
gelehrte Streitschrift. Aus lat, dissertätio f., 
abgeleitet von dissertäre «auseinandersetzen». 
Bei Rot 1571 Dissertation «lange red». 

Dissident, m. (-en, PI. -en): der nicht 
der Staatskirche angehört. Aus lat. dissi- 
dens, Part. Präs. von dissidere «nicht über- 
einstimmen, getrennt sein». Zuerst 1573 von 
den beiden sich streitenden Religionsparteien, 
seit 1632 Benennung der Nichtkatholiken. 



Dissonanz, f. (PI. -en) : Mißklang. Aus lat. 
dissonantia f., woraus im 15. Jh. dissonantz f. 
Distanz, f. (PI. -en): Abstand. Aus lat. 
distantia f. Bei Rot 1571, 

Distel, f. (PI. -n): eine stachlige Pflanze. 

I Mhd. distel m., ahd, distü m. und distila f. : 

, dazu ndl. distel f., ags. pistel m., engl, thistle, 

' anord. pistill m., schwed. tistel m., dän. tidsel. 

' Wenn distil aus *dihstil entstanden ist, könnte 

I man es zu aind. tiktäs «scharf», gr. cjiZew 

I «stechen» d. stechen stellen. Got. dafür deinö 

f. (in wigadeinö «Wegedistel»). Alternhd. 

auch als Mask. (bei Luther, sowie Rollenhagen 

Froschm. 3, 1, 5). ZUS. Distelfink, m. (-en, 

1 PI. -en) : der Distelsamen fressende Fink, mhd. 

distelvinke, ahd. distilvincho , distilvinko m., 

dazu ndl. distelvink f. Distelkoll)en, m.: 

Blüte und Samenkapsel der Distel, mhd. distel- 

kolhe m. 

Distichon, n. (-s, PI. Distichen): aus 
einem Hexameter und einem Pentameter be- 
stehendes Yerspaar. Das gr.-lat. distichon, 
gr. bicTixov, X. Sg, des Adj. bicxixoc «zwei- 
zeilig». Im 18. Jh. 

I distinguieren, v. : mit Auszeichnung be- 
handeln. Aus lat. distinguere «absondern, 
] ausschmücken». Im 16. Jh. (1524 bei Emser 
j Annot. Ji 7^ in der Bed. «unterscheiden», 1593 
: bei Helber 16 das Part. Prät. disfm^tVf «unter- 
schieden»). Distinktion, f.: Unterscheidung: 
Auszeichnung, Rang, Stand, Aus lat, distinc- 
tio f. «Absonderung, Unterscheidung». Bei 
Luther 8, 135^ Jen. Distinction «Unterschei- 
dung», (vom J. 1543) und schon 1524 bei 
Emser Annot. R 5*. 

Distrikt, m. (-es, PI, -e): Gebiet, Land- 
bezirk. Aus mlat. districtus m. «Gerichts- 
zwang, -gebiet», abgeleitet von lat. distrin- 
' gere. Schon bei Rot 1571. 

Disziplin, f. (PI. -en) : Lehrzweig, Wissen- 
schaft; Zucht und Ordnung, besonders Manns-, 
Schulzucht. In der 1. Bed. 1520 bei Luther 
chnstl. Adel L2% in der 2. Bed. schon mhd. 
discipline f. «geistliche Züchtigung, geistliche 
; Zucht». Aus lat. disciplina f. «Lehre, Wissen- 
schaft, Zucht». 

Dithyrambe, f. (PI. -n): begeisterungs- 
voller Lobgesang. Aus gr.-lat. dithyrämhus, 
gr. biöüpaußoc m., urspr. ein Gesang, dessen 
Gegenstand Bacchus war. Im 18. Jh. (Wil- 
lamov Dithyramben 1763). 

dito, adv.: desgleichen, als Subst.: das 
eben Genannte, Mit franz. dito aus ital. detto 
eig. «das Gesagte», Part. Perf. Pass. von dire 



363 



divers 



Docke 



364 



«sagen». Am Anfang des 16. Jh. üblich (in 
der Augsburger Chronik des W. Kern). 

divers, adj.: verschieden, mancherlei. Aus 
lat. diversus eig. «nach mehreren ßichtung'en 
gekehrt», von divertere. 1703 im Zeitunglex. 

Dividende, f.: Verhältnisanteil an dem 
zu teilenden Gewinste. Aus franz. dividende 
m., das beruht auf lat. dwidendus, dem Part. 
Fut. Pass. von dividere «zerteilen». Im 
spätem 18. Jh. entlehnt, dividieren, v.: 
eine Zahl durch eine andre teilen. Neben 
addieren, multiplizieren 1514 in Böschenstayns 
Rechenbuch A4^ (schon spätmhd. dividieren 
als musikalischer Ausdruck). Aus lat. dwi- 
dere. Division, f.: Zahlenteilung durch 
Untersuchung, wievielmal eine Zahl in einer 
andern enthalten ist: Heei-esteil. Aus lat. 
dwisio f. «Teilung», von dwidere «teilen». 
Die 2. Bed. (nach franz. division f., das am 
Anfang des 18. Jh. aufkam) bei Ludwig 1716. 

Diwan, Divan, m. (s, PI. -s,.-e): (per- 
sischer) Gerichtshof; geheimer Staatsrat des 
Sultans; (morgenländischer) Polstersitz, Sofa. 
Aus franz. divan, ital. divayio m., dies aus arab.- 
pers. diwän «Buch von mehreren Blättern, 
Rechnungsbuch, Schriften Sammlung (Samm- 
lung von Gedichten bei Goethe), Ratsver- 
sammlung, Prachtzimmer mit niedrigen Sofas». 
Im Zeitungslex. 1703 in der 2. Bed., bei Neh- 
ring 1710 «großes Zimmer», die 3. findet sich 
erst im 19. Jh. 

^DÖbel, m. {-s, PI. wie Sg.): dickköpfiger 
Weißfisch. Bei Albems Fab. 19, 154. Im 
Altpreußischen kommt schon im 15. Jh. dube- 
lis «Halbfisch» vor. Vielleicht verglich man 
den dicken Kopf des Fisches einem Zapfen 
(s. d. folg. Art). 

"Döbel, m. (-S, PI. wie Sg,): eingefügter 
Pflock, Zapfen; (mundartlich) Klotz. Obd. 
dafüi- dühel, bayr. düpel. Mit d für ur- 
sprüngHches t und md. ö für ü aus mhd. 
tühel m., ahd. tuhila f., tuhili n. (auch in 
gituhila, gitubüi n.) «Zapfen, Zapfenverbin- 
dung»; dazu engl, dowel und (mit anderm 
Suffix) ndl. deiivik m., vgl. auch schwed. duhh 
m. «Zapfen». Verwandt mit gr. rüqpoc (für 
*0uq)oc) bei Hesjch m. «Keil». Ins Lit. ent- 
lehnt als dnbelis m. «Nagel». 

döbern, s. dibhem. 

doch, Adv. u. Konj. zur Hervorhebung 
einer Entgegensetzung. Mhd. doch, ahd. doh 
mit Küi-zung eines urspr. langen Vokals; da- 
zu asächs. thoh, ndl. doch, ags. ßeah, engl. 
though, anord. ßö, dän. dog (entlehnt), got. 



ßauh «wenigstens, etwa, wohl». Dies ist 
aus der Partikel fau «oder, doch, wenig- 
stens» mit angehängtem h entstanden, das 
dem lat. que, gr. re, ai. ca «und» entspricht. 

Docht, m. (-es, PI. -e): der zum leuch- 
tenden Brennen mit F«tt getränkte Körper 
im Lichte. Mit Verkürzung des zu o ver- 
dumpften Vokals aus mhd.-ahd, täht n. m.; 
dazu anord. ßättr (tt aus hf) m. «Faden, 
Lichtfaden». Man erwartet daher ahd. däht. 
Dazu vielleicht Schweiz, tägel, dägel «brennen- 
der Docht, Licht, Lampe». Dunkler Her- 
kunft. Bei Luther Tocht n. (auch noch 
bei Zachariä Renommist 2, 12), bei Günther 
Dacht, Tacht n., auch jetzt noch zuweilen 
Docht n. Auch die Lautform ist im altem 
Nhd. schwankend: die Länge zeigt sich noch 
in Daacht bei Henisch 1616, auch jetzt noch 
mundartlich Docht; mit dem ursprtinglichen a 
noch im 18. Jh. Dacht (Brockes 9, 55; Lessing 
1, 171 ; 2, 562; Thümmel, Göekingk) und Tacht 
(Günther 379; Haller 5: Voß Ged. 2, 59; 
Büi'ger 124); noch Heynatz 1775 entscheidet 
sich fiii- Dacht, während Adelung nur Docht 
zuläßt. Dacht, Tacht, Tocht aber für mimd- 
artlich erklärt. 

Dock, n. (-S, PI. -s): gemauerter Wasser- 
behälter in einem Hafen oder bei einer Schifi's- 
werft zum Bauen und Ausbessem der Schiff'e. 
Das engl, dock, ndl. dok, dän. dokke, schwed. 
docka f., das vielleicht zurückgeht auf mlat. 
doga, doha f. «Graben, Grabenmauer, Ein- 
fassung eines Wasserbehälters», von gr, bcxn 
f. «Wasserbehälter, Gefäß» (vgl. Daube). Auch 
als Fem. Docke (bei Adelung). 

^Docke, f. (PI. -n): Puppe; (übertragen) 
junges Mädchen; puppenartiges Gewundenes, 
Bündel; rund Gedrechseltes, kurze dicke Säule, 
Zapfen. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. 
tocke (auch in der 3, u. 4. Bed.), ahd. toccha, 
tocka f, «Puppe»; dazu mnd. docke, schwed, 
docka f. Dunkler Herkunft; auch die Grund- 
bed. des Wortes ist unsicher, 

^ Docke, f. (PI. -en): Art eines sehr hohen 
weiblichen Kopfputzes. Mhd. tocke f. aus 
franz. toque f. «Haube, Mütze», ital. tocco m. 
«Reisehut», span. toca f. «Haube». Ob das 
gleichbed. kymrische toc die Grundlage oder 
nicht vielmehr selbst aixs dem Franz. entlehnt 
ist, bleibt unklar. 

^ Docke, f. (PI. -n): Tastenharamer des 
Klaviers. AVohl von ital. tocchare, älterfranz. 
toquer berühren, hier vom Anschlagen an die 
Saiten. Bei Adelmicr 1774. 



365 



Dogge 



Bolman 



366 



Dogge, f. (PI. -n): Art großer englischer 
Hetzhunde. Aus engl, dog, woher auch ndl. 
(log, schwed. dogg, dän. dogge. In der 2. Hälfte 
des 16. Jh. entlehnt, anfangs als schwach- 
flekt. Mask. (Docke bei Fischart Garg. 295, 
341, Dogg' m. noch bei Voß Id. 16, 151) und 
m der Schi-eibung schwankend (Docke noch 
bei Adelung 1793, auch z. B. bei Schiller 11, 
277, während Henisch 1616 dog, dogg, doggen 
m., Schottel 1663 dogge neben dokk m. hat 
und Heynatz 1775 Dogge verlangt). 

Dogma, n. (-S, PI. Dogmen) : Lehrmeinung, 
Lelirsatz. Das gr.-lat. dogma, gi\ böyiaa n., 
abgeleitet von boKeiv «meinen». ABL. Dog- 
mätik, f.: Gebäude der Lehi-satzungen, bes. 
des christlichen Glaubens. Aus gr.-lat. dog- 
ynatica, dem Fem. des gr.-lat. Adj. dogma- 
ticus, gr. boTMctTiKÖc «die Lehrsätze betreffend». 
Beide im 18. Jahrb. 

Dohle, f. (PI. -/i): ein krähenartiger Vogel. 
Mit d für urspi-üngliches t aus mhd. takele, 
zusammengez. täle, ahd. tahala f. (davon ital. 
taccola f; «Elster» zu obd. dachet), abgeleitet 
von dem einfachen (in obd. Mundarten er- 
haltenen) mhd. tahe, ahd. taha f., das wohl 
zu apreuß. doacke «Star» gehört. Daneben 
erscheint mhd. tul, auch fi-ühnhd. häufig 
Tul, Dul. An Zusammenhang von mhd. tul 
mit dem zweiten Bestandteil von lat. mone- 
dula darf man nicht denken, vgl. Niedermann 
Idg. Forsch. 10, 235. Das nhd. Dohle scheint 
beiden Formen zu entsprechen, es kommt 
schon im Spätmhd. als tole, dole f. vor, bei 
Luther als Thole, Dole, 1537 bei Dasypodius 
88^ doli und 316 a Dohl, 1540 bei Alberus 
Dikt. z2*' dol. Doch erhält sich daneben 
die Form mit a (bei Schottel 1663 als Dale, 
Duez 1664 als Thale, Dohle, bei Ludwig 1716 
als Dale, bei Steinbach 1734 als Dahle). 

'Dohne, f (PI. -n): Bügel mit Schlinge 
zum Vogelfange. Eig. gespannter Zweig; 
die Zweiggeschosse an Waldbäumen werden 
zu Bügeln umgebogen, in die man Schlingen 
hängt. Mhd. do7ie, don f. ist «Spannung», 
spätahd. done f. «Spannader, Nerv» (davon 
donen, ahd. donen «sich spannen, strecken»), 
ahd. dona f. «Rebschoß, Schoß, Ranke»; da- 
zu ags. pona m, ßone f. (in celfpona m., odf- 
ßone f. «Alpranke, Geißblatt»). Zu dehnen 
(s. d,). Vgl. die zu gr. xeiveiv «spannen» ge- 
hörigen gr. T^vujv m. «Sehne», lat. temis n. 
«ausgespannte Schnur, Dohne», aind. fäntus 
m. «Schnur», abg. teneto «Strick», lit. tinklas 
«Netz», 



-Dohne, f. (PI. -n)-. Zimmerdecke und 
, bes. Tragebalken derselben. Nur mimdart- 
lich (wetterauisch, oberhessisch usw.). Von 
mhd. don, ahd. dono m. «Ausgespanntes, Decke» 
in mhd. Überdon, ahd. uhardono m. «überge- 
breitetes Tuch, Totentuch». Mit mhd. don 

■ f. «Spannung» (s. ^ Dohne) zu dehnen. 

Doktor, m. (-S, PI. -en): mit der höchsten 
von einer Fakultät erteilten Gelehrtenwüi-de 
Bekleideter ; Arzt. Aus lat, doctor m. « Lehi-er ;>, 
von docire «lehren». In der 2. Bed. schon 
im 16. Jh. (Scheidt Grob. 1259). ABL. dok- 
; torn, V. : den Arzt gebrauchen ; ohne Arzt 
zii heilen versuchen. 

Dokument, n. (-5, PI. -e): urkundhches 

j Beweismittel, Beweisschrift. Aus lat. docu- 

I mentum n. «Beweis», von docere. 1703 im 

' Zeitungslex., der Plur. bei Ludwicr 17 16 

Documenten. 

Dolch, m. [-es, PI. -e): messerartige zwei- 
schneidige Stichwaffe. Um 1500 tolch. tolchen 
(bei Dasypodius 1537 dolch, bei Hans Sachs 
dollich), dazu ndl.-dän. -schwed. dolk m., nicht 
i entlehnt aus dem gleichbed. böhm. und poln. 
j (veraltet) tulich m., vgl. Mikkola Bezz. Btr. 25, 
; 74, vielleicht aus lat, dolo «Art Stock degen», 
I das ins Niederländ, (mndl. dol) und von da 

■ weiter vordrang. Doch macht auch das 
Schwierigkeiten. Eher vielleicht unter dem 
Einfluß des lat. Wortes aus einem deutschen 

i umgestaltet, das in aisl. dälkr m. «Nadel um 

I den Mantel über der Achsel zu befestigen: 

; Dolch Messer», ags. dale, dolc m. vorliegt. 
Alternhd. auch mit schwacher Flexion. 

Dolde, f.: Blumenbüschel. Mit d für 
ursprtingHches t aus mhd. tolde f. m., ahd. 
toldo m. Wohl eines Stammes mit ahd. tola f. 

j «Weintraubenkamm», das -d ist also ableitend. 

I Verglichen wird noch gl", GöXoc f. «Kuppel- 
dach» oder GoiWu) «blühe», GciXoc n. «junger 

, SprößUng, Zweig». Frtihnhd. häufig weiter- 
gebildet tolder, dolder m. (jetzt schwäb.-alem.), 
Dole, f, (PI, -n): unterirdischer Abzugs- 

! graben, Kanal, Im 15. Jh, dol (1482 im Voc. 
theut. f 1^) «Mine», ahd. dola f. «Röhre, Erd- 
röhi'e». Zu gr.cuj\r)v ra. «Rinne, Röhre, Kanal», 

i abg. tulü m. «Köcher», ai. tünas m. «Köcher», 

' vgl, Ehrismann Btr, 20, 60, 

Dolman, m. {-s, PI. -s): schnürenbesetzte 

; Jacke unter dem Pelze des Husaren. Aus 
türk. dölämän «Unterkleid von Tuch». 1645 
bei Zesen Ibrahim 3 Doliman, aber schon 
um 1500 in Quellen zur Geschichte Sieben- 
bürgens (s. Gombert 8, 7). 



367 



Dolmetsch 



Donner 



368 



Dolmetsch, m. [-en, PI. -en, -e): Über- 
setzer. Mit d für ursprüngliches t aus spät- 
mhd, (schon gegen 1300) tohnetsche, tulmet- 
sche m., aufgenommen aus dem gleichbed. 
poln. tiumacz, böhm. tlumad, abg, tlüniaci, 
das auf das Tüi-Msche zurückgeht, dol- 
metschen, V.: aus fremder Sprache in eine 
bekannte übertragen; dui'ch Rede verständ- 
lich machen. Spätmhd. tolmetschen, tulmet- 
schen. Davon Dolmetscher, m. (schon bei 
Luther). Das gleichbed. mhd. tolJce m. geht 
auf lit. tulkas m. «Dolmetscher», abg. tlükü 
m. «Dolmetschung» zurück. 

Dom, m. (-es, PI. -e): bischöfliche Haupt- 
kirche; Kuppelturm. Wie franz. dorne, ital. 
duomo m. entlehnt aus lat. domus f. «Haus», 
hier von Gottes Hause (domus dei), dem 
Tempel, verstanden. Die echtdeutsche Form 
ist Thuni, mhd.-ahd. ttioni, ebenfalls aus lat. ! 
domus entwickelt, aber schon in ahd. Zeit. 
Im altem Nhd. wechseln Thum und Dom j 
(Luther hat nur Timm, aber Henisch 1616 
Dom), noch Frey er 1722 S. 273 setzt Thum 
an. ZUS. Domherr, m. Dafür mhd. tuom- 
herre m. Dompfaffe, m.: (veraltet) Dom- 
geistlicher, mhd. tuompfaffe m.; Blutfink oder 
Gimpel (wegen seines schwarzen Scheitels, 
der der Kappe eines Domgeistlichen ähnelt). 
1557 bei Heußlin 21 ^^ Tlmmpfaff. 

Domäne, f. (PI. -n)-. landesherrliches Gut, 
Krongut. Aus franz. domaine m., das aus 
lat. dominium n. «Hen'schaft worüber, Eigen- 
tum», abgeleitet von dominus m, «Herr, Ge- 
bieter, Besitzer». ImZeitungslex.1703 Domaine. 
Domestlk(e), m. (-n, PI. -n): Diener, 
Dienstbote. Aus franz. gleichbed. domestique, 
das des lat. domesticus «zum Hause gehörig» 
ist. Im 17. Jh. 
Domherr, s. Dom. 

dominieren, v.-. beherrschen. Aus lat. 
dominäri, von dominus m. HeiT. Schon bei 
Rot 1571. 

Dominikaner, m. (-s, PI. wie Sg.) : Mönch 
von dem 1215 gestifteten Orden des heil. 
Dominicus (von lat. dominus «Herr», d, i. 
dem Herrn [Jesu] gehörig). 

Domino, m. (-s, PI. -s): das lange Mas- 
kenkleid; eine Art Spiel. Das ital, und span. 
domino m. «seidener Mantel zum Maskieren, 
eig. verhüllende Winterkleidung des Geist- 
lichen», von lat. dominus m. «Herr», im Mlat. 
auch s. v. a. höherer Geistlicher. Um die 
Mitte des 18. Jh. aufgenommen (Zachariä 
poet. Sehr. 1, 135). 



Domizil, n. (-s, PI. -e): Aufenthaltsort, 
Wohnsitz. Aus lat. domicilium n., von domus 
f. «Haus». Bei Wächtler 1711, Sperander 1728 
noch in lat. Foi-m. 

Domniel (Goethe Faust 4334), s. Rohr- 
dommel. 

Dompfaffe, s. Dom. 

Donlage, Donlege, f. (PI. -n): abhängige 
Richtung eines Ganges, einer Fläche. Berg- 
männischer Ausdi-uck 1562 bei Mathesius 
Sarepta52* danleg, 51^ danlag, 204^ dohnlege, 
bei G. Agricola 1546 donlege). Zusammen- 
gesetzt aus l) dan, don, das wohl mhd. dane, 
ahd. dana in danatrib m. «Forttreiben, Schei- 
dung», dananww/if f. «Hinausnehmen, -tragen», 
das mit dannen zusammenhängt. 2) mhd. 
lege f. «Legung, Lage, Niedersenkung» (bei 
Stieler 1691 Läge f. «Bodenneigung» und das 
Adj. Adv. läge «abwärts sich neigen», mnd. 
lege). 

Donner, m. (-s, PI. wie Sg.): heftig 
schallende Lufterschütterung. Mhd. donei; 
ahd. donar (auch als Name des heidnischen 
rotbärtigen Blitz- und Donnergottes Donar) 
m.; dazu asächs. thuner (nur als Name des 
Gottes Thuner belegt), ndl. donder, afries. 
thuner, ags, panor, engl, thunder, anord. J5örr 
(nur als Name des Donnergottes), dän. (ent- 
lehnt) dunder m. Von einem V., das im Ags. 
ahpunian «donnern» erscheint; vei'wandt mit 
Idt.tonäre «donnern», dazutonitrusm. «Donner», 
weiter aind. tan «tönen, rauschen». ABL. 
donnern, v., mhd. donern, ahd. donarön. 
ZUS. Donnerhart, m.: Hauswurz (die, auf 
das Dach gepflanzt, vor dem Einschlagen des 
Gewitters schützen soll). 1538 in Rößlins 
Ki-äuterbuch \U^ und 1546 bei Bock 142» 
donderhar «barba Jovis». Donnerheseii, 
m.: auf Bäumen gewachsenes (angeblich vom 
Blitz erzeugtes) wirres Strauchwerk, im 17. Jh. 
DonnergUge, m.: Hirschkäfer, nach dem 
Aberglauben, daß in ein Haus, in das ein 
solcher Käfer (schweiz. guege) getragen wird, 
der Blitz schlägt. Dounerkeil, m.: keil- 
förmiger Stein, den das Volk sich vom BHtz 
geschleudert denkt; Blitzstrahl. Bei Luther. 
Donnerschlag, m., mhd. donreslac m. 
Donnerstag, m.: der fünfte Wochentag, 
eig. der dem Gott Donar geweihte Tag. 
Mhd. donerstac, ahd. toniris (d. i. donares) 
tac m.; dazu ndl. donderdag, ags. _piinresd.(Bg, 
engl, thursday, ßchwed.-dän. torsdag m. Eine 
Nachbildung des lat. di&s Jovis. Dafür bayr. 
Pfinztag m., im 13. Jh. bei Berthold v. Regens- 



369 



doppel 



Dorre 



370 



burgl, 58, AipMnztac; durch kirchlich-byzant. 
(got.) Einfloß aus gr. -rreuTTTri (fjuepa) der 
fünfte (Tag). Vgl. Ch-ündonnerstag. 

doppel: eins und das Gleiche mitein- 
ander verbunden (s. doppelt), nur noch in 
Zusammensetzungen wie Doppeladler, m. 
(bei Adelung 1774): Doppelbier, n.: stärker 
gebrautes Bier (im 17. Jh. i: Doppelgänger, 
m.: ein an verschiedenen Orten zugleich er- 
scheinender Mensch (von Jean Paul gebildet, 
Siebenkäs 1, 66); Doppelhakeil, m.: große 
Hakenbüchse, Wallbüchse, die beim Abfeuern 
aufgelegt wurde, im 16. Jh. (^bei Fronsperger 
2, 106*): Doppelpunkt, m.: das Satzzeichen : 
(1641 bei Schottel Sprachkunst 526): Doppel- 
sinn, m.: mehrfacher Sinn (bei Adelung 1774, 
aber das Adj. doppelsinnig schon bei Gry- 
phius Trauerspr. 57); doppelzüngig, adj.: 
von mehrfacher, sich widersprechender Rede 
(bei Heniseh 1616). Davon doppeln, v., 
1475 clevisch diibhelen (Teuthonista 84), 1537 
bei Dasyijodius doppeln, bei Luther u. a. 
dupeln, dvppehx. 

doppeln, V. : mit Würfeln im Brett spielen ; 
im Spiele beträgen. Mhd. toppein «würfeln», 
von toppel m. «Würfelspiel», das aus fi'anz. 
doublet m. (von double «doppelt», s. d.) «Wurf 
mit gleichen Augen». Entsprechend ndl. dob- 
belen, aisländ. dubia, dän. doble. 

doppelt, adj., älterahd. doppel (s. d.). Aus 
franz. double, das auf lat. duplus «zweifach» 
beruht; mhd. vereinzelt daraus dublin (in 
Wolframs Willehalm 410, 21). 1475 clevisch 
im Teuthonista dobbel, dubbel und sonst in 
niederrhein. Quellen, am Anfang des 16. Jh. 
auch hd. dopel, doppel, dupel, duppel (so auch 
bei Luther 6, 846 W), doppel bei Mumer Schelm. 
5, 29. Auch in der Kanzleisprache (Reichs- 
Ordnungen 78* V. J. 1512 duppel). Daneben 
findet sich die Fonn doppelt (wohl tmter 
Einfluß des Part, gedoppelt) schon 1537 bei 
Dasypodius und wird dann z. B. von Ring- 
wald, Rollenhagen, Albertinus gebraucht. Die 
beiden Formen doppel (duppet) und doppelt 
(duppeli) erhalten sich lange nebeneinander: 
die schlesischen Dichter gebrauchen meist 
duppel, auch duppelt; Rädlein 1711 führt noch 
doppel an, Ludwig 1716 dagegen nur doppelt, 
doch ist doppel auch noch später, z. B. von 
Voß, gebraucht worden. 

Dorf, n. {-es, PI. Dörfer) : Ortschaft ohne 

höhern Rang. Mhd.-ahd. dorfn.; dazu asächs,- 

afries. thorp, ndl. dorp, ags. ßorp (auch prop, 

prep), engl, thorp (in Eigennamen) «Dorf», 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. .\afl. 



in der Bed. abweichend anord. porp «Ge- 
höft» (auch «Menschenmenge»), schwed. torp 
«Landgut»; got. ßaftrp n. ist «Bauland, Feld». 
Verwandt sind lat. trdbs f. «Balken», osk. 
tritbüm m. «Gebäude», air. treb «Dorf», umbr. 
trebeit&er verweilt», lit. tröbä f. «Gebäude» mit 
ganz gewöhnlichen Bedeutungsübergängen, 
nämlich von «Haus» zu «Niederlassung», dann 
«die Menge im Dorf». ÄJBL. Dörfer, meist 
Dörfler, m. (-s, PI. wie Sg.): Dorfbewohner. 
Mhd. dorfcere, im 16. Jh. auch dörfler. Vgl. 
auch Tölpel, dörflich, adj., frfihnhd. dorflich. 
Dorfschaft, f., mhd. dorfschaft. 

dorlen, v. (Goethe 5, 179): sich im Kreise 
herumdrehen. Aus dem Thüringischen. Wahr- 
scheinlich mit Ausfall des m aus mhd. tur- 
mein (auch schon turlen), tilrmeln «schwin- 
deln, taumeln». Davon Dorl, m. (-s, PI. 
-e): Kreisel, bei Goethe Drehdorl (5, 193). 
Dorn, m. (-.s, PI. -e?i): stechende Spitze 
an einer Holzpflanze; stachlige Holzpflanze; 
jener Spitze Alinliches. Mhd.-ahd. dorn m; 
dazu asächs.-afries. thorn, ndl. doorn, ags.- 
anord. ^orw, engl, thorn, dän. torn, got.paumus 
m. Der Lautverschiebung gemäß entspricht 
abg. trünü m. «Dom», aind. tJTia- m, n. 
«Grashalm». Der PI. mhd. dorne, ahd. dorna 
lautet im Nhd. seltner Dome (namentlich 
in der poetischen Sprache, z. B. bei Uhland, 
Rückert); Luther, der einmal (Micha 7, 4) 
' den Sg. Dome hat, bildet den PI. Domen 
; (vereinzelt Dornen) und diese Form bleibt 
I auch später gewöhnlich; daneben tritt im 
16. Jb. Dörner auf (Hans Sachs Fastn. 8, 
892; Ringwald tr. Eckh. B%^; Opitz 2, 17 
und die andren Schlesier). ÄJ3L. dornen, 
adj., mhd. dürnin, ahd. durnin: dazu ags. 
pyrnen, got. ßaurneins. doruiclit, adj. mhd. 
nur weitergebildet dornehtic, ahd. dornohti. 
Bei Luther dörnicht, jetzt durch dornig ver- 
drängt, dornig, adj., mhd. dornec, ahd. 
domac, dazu ndl. doomig. Dornicht, n. : 
Domgebüsch. Mit angetretenem t aus mhd. 
dorruich, spätahd. thornahe n. 

Dorothea, Frauenname, aus gr.-lat. Doro- 
I thea, gr. AuupoGea «Geschenk Gottes», von gi\ 
\ büjpov «Gabe, Geschenk» und öeöc m. «Gott». 
i Verkürzt Dortchen. 

Dörre, f. (PI. -n) -. Vomichtung zum Trock- 

I nen. 1469 derre (voc. ex quo). Von dörren, 

•V.: dürr, d. i. ausgetrocknet machen. Mit ö 

I für ursprüngliches e (bei Luther noch derren) 

aus mhd. derren, ahd. derren, darren (aus 

darjan); zugleich geht aber dörren auch auf 

24 



371 



Dorsch 



Douane 



372 



dürren zuiiick, das in md. Mundarten dörren 
ausgesprochen wird, dörren erscheint obd. 
schon im 16. Jh. und findet sich bei Henisch 
1616 angegeben, während Stieler kein dörren 
kennt und Eädlein und Ludwig unter dörren 
avd dürren verweisen; Schotte! 1663 und Frisch 
1741 aber setzen dörren an. Ahd. derren ist 
Faktitiv zu einem starken V., das im Got. 
als pairsan (in gapairsan) «ausgetrocknet 
sein» erscheint. Dies stimmt zu gr. x^pcccGai 
«trocken werden», auch lat. torrere (aus tor- 
ser e) «dörren». Weiter sind verwandt aind. 
frsjati «dürstet», awest. tarsav- «trocken», 
ir. fir, tirim «trocken» u. a. S. auch Darre 
und Durst. — dorren, v.: dürre werden. 
Mhd. dorren, ahd. dorren; dazu asächs. thor- 
rön, ndl. dorren, im Got. dafür gapaursnan, 
eine Inchoativbildung. 

Dorsch, m. (-es, PI. -e): Art Schellfisch 
in der Ostsee. Aus dem Ndd., schon mnd. 
dorsch, dors, 1610 bei Colerus Hausb. 3, 260 
dorst m.; dazu ndl. dorsch, anord. porskr, 
schwed.-dän. torsk m. Dunkler Herkunft, viel- 
leicht zu russ. treskd «Stockfisch». 

Dorsche, f., auch m. (PI. -n) : Kohl-, Salat- 
stengel. MundartHch am Rhein, Schwaben, 
Bayern. Mhd. torse, turse, ahd. torso, turso 
m. «Stengel», wohl entlehnt aus roman. (ital.) 
torso m. «Strunk», das aus gr.-lat. thyrsus, 
tursus, gr. öüpcoc m. «Stengel, Strunk». 

Dort, m. (-es): ährentragendes Unkraut 
im Getreide. Mit d für urspmngliches t aus 
mhd. turt, ahd. turd m.; dazu asächs. durth n. 

dort, vei'längert dorten, demonstratives 
Pronominaladv.: an jenem Orte. Mhd. dort, 
ahd. dorot, in älterer Form darot [tliarot im 
Ludwigslied) «dorthin, dahin»; entsprechend 
asächs. tharod, afries. tJiard «dorthin», sonst 
nicht vorkommend. Das Adv. mhd. dar, 
ahd. dara «dorthin» mit angetretenem -ot, 
das vielleicht zu lat. uta in alnita «irgend 
anders» gehört. Die verlängerte Form dorten 
kommt schon um 1500 vor (Fastnachtssp. 4, 
22). ABL. dortig, adj. Frühnhd. (Aven- 
tin 1, 448, 18 vom J. 1511), aber erst bei 
Adelung 1774 verzeichnet. 

Dose, f.: Büchse mit Deckel zu Tabak, 
Zucker usw. Aus dem Ndd. -Ndl.; schon 1475 
clevisch im Teuthonista dose f. «Behälter zum 
Tragen, Lade, Koffer», ndl. doos und dooze f., 
dazu dän, daase. Schottel 1663 führt Doos 
«capsa» als ndd. an. Stieler 1691, Rädlein 
1711 usw. als Schriftdeutsch Dose. Daneben 
oribt Frisch 1741 Dese «Waschfaß auf drei 



Füßen» an, Adelung Döse: die Form findet 
sich in bayi'.-öst. Mundarten für «Holzgefäß». 
In ostmd. Dialekten deise, teuse «Schachtel, 
Dose». Ursprung und Entwicklung der For- 
men dunkel. 

dösen, v.: in Betäubung sein, gedanken- 
los dasitzen, schlummern. Mit d für urspr. 
t Frühnhd. dosen (Schm eller ^ 1, 548), schon 
im 14. Jh. verdcesen «überhören»; dazu ndd. 
dösen, dän. döse, engl, doze «schläfrig sein, 
schlummern». Obd. dosen, auch dosein, dos- 
men. Verwandt mit Dusel (s. d.). In den 
Wörterbüchern ist das nur der Umgangs- 
sprache angehörige Wort nicht verzeichnet. 
ABL. Döserei, f. (bei Lessing 10, 86 Töse- 
rey). dÖsig,adj. gedankenlos, halb im Schlafe. 

Dosis, f. (PI. Dosen): Gabe Arznei. Aus 
gr.-lat. dosis, gr. böcic f. «Gabe», von bibövai 
«geben». Im 17. Jh. 

Dost, m. (-es) und Dosten, m. (-s) : eine 
majoranartige Pflanze, gr.-lat. origanum ge- 
nannt. Mhd. doste, ahd. dosto, tosto m. u.nd 
tosta f. Urspr. wohl s. v. a. buschartig wach- 
sende Pflanze, denn spätmhd. doste m. «Strauß» 
und bayr. Dosten «Busch, buschartig sich 
Ausbreitendes» sind wohl verwandt. 

Dote, s. Tote. 

dotieren, v. : ausstatten; mit Einkünften 
versehen. Schon mhd. dotieren, aus lat. dö- 
täre «ausstatten», abgeleitet von dös f. (Gen. 
dötis)'«Gahe, Mitgift». ABL. Dotation, f.: 
Ausstattung durch Schenkung; Schenkung. 
Aus mlat. dotatio f. 

■^Dotter, m. (-S, PI. wie Sg.), seltner n.: 
das Gelbe im Ei. Mit d für m-sprünghches 
t (bei Luther noch totter) aus mhd. totere, 
ahd. totoro m. und zusammengesetzt tutarei, 
dazu andd. dodro, ndl. dooier, ags. abgeleitet 
dydring m. Die Grundbed. scheint «Verdickung, 
Klumpen» zu sein; dazu gehört ndl. dot f. 
«Knäuel», ags. dott m., engl, dot «Punkt, 
Fleck» und wohl auch mhd. tutte m. f., ahd. 
tutto m. und tutta f. «Brustwarze». ZUS. 
Dotterblume, f., Name mehrerer dotter- 
gelb blühenden Pflanzen, der Caltha palustris 
(1546 bei Bock 54^), des Löwenzahns (bei 
Bock 100 b), der Trollblume. 

"Dotter, m. (-s): flachsartiges Unki'aut. 
1482 im Voc. theut. gg 7* todter. Dazu engl.- 
dän. dodder, schwed. dodra f. Kaum mit 
^Dotter verwandt (etwa wegen des kleinen 
gelben Samens), 

Donane, f.: Maut: Zollhaus, Zollamt; Ge- 
samtheit der Zollwächter und -beamten. Das 



373 



dozieren 



Drang 



374 



franz. douane, ital. dogäna, span.-port. aduana 
f., das zurückgeht auf arab, dlvän, addlvän 
«Reclinungsbuch, Bureau, Kanzlei, Maut- 
bureau». Bei Sperander 1728. 

dozieren, v.: vorti-agend lehrend. Aus 
lat. docere «lehren». Bei Rot 1571. ABL. 
Dozent, m. i-en, PI. -en): vortragender 
Lehrer einer Hochschule. Aus lat. docens 
(Gen. docentis), dem Part. Präs. von docere 
«lehren». 

Drache, m. : fabelhafte fliegende Schlange : 
Kinderspielzeug. Mit d für urspininghches t 
(durch Einfluß des gi'.-lat. Grundwortes) aus 
mhd. trache, ahd. frahho m., auch mhd. tracke, 
ahd. traccho m.; mit ndl. draak, ags. draca, 
schwed. drake m., dän. drage, entlehnt aus 
gi-.-lat. draco (daneben dracco), gr. bpctKuuv 
m. «fabelhafte große Schlange», lat. auch 
«Kohortenzeichen» in Form eines Drachen, 
vgl. Dragoner. 

Drachme, f. (PI. -n)-. 7^ Lot (4 Gramm). 
Aus gr.-lat. drachnia, gr. bpaxuri f. «Be- 
nennung eines sehr kleinen Gewichtes». 

Dragoman, m. {-s, Pl.-s, -e): Dolmetscher 
bei den Tüi'ken. Aus franz.-span. dragoman, 
ital. dragomanno, mlat. dragumanus, droga- 
mundus (woraus mhd. Trougemunt), die zu- 
inickgeheu auf arab. tardschumän «Ausleger», 
von iardsclianm «übersetzen, dolmetschen». 
Bei Spei'ander 1728. Gleichen ürspiiings, aus 
roman. trucheman, im 14. und 15. Jh. trüfzel- 
niann m. «Dolmetscher». 

Dragoner, m. (-.s, PI. wie Sg.): Art 
leichter Reiter, urspr. ein Fußsoldat, der das 
Pferd zum schnellen Fortkommen braucht. 
Gebildet von franz. dragon m. «Drache» (s. d.), 
also D. eig. Angehöriger einer Schar, in deren 
Standarte sich ein Drachenbild befand. Um 
1600 aufgekommen (1617 bei Wallhauseu Corp. 
mil. 10 Dragoens, im teutschen Michel 22 Tra- 
goner), wähi-end in Frankreich die Arkebusiere 
zu Pferd schon im 16. Jh. dragons hießen. 

Dragün, m. (-s): Kaisersalat, Schlangen- 
kraut, eine als Gewürz an Speisen dienende 
Pflanze. Mit wallen, dragonn, franz. targon 
(daneben estragon ra. aus port. estragqp m.), 
ital. targone m., span. taragona, taragontea, 
dragontea von lat. draco m. «Drache» in der 
Bed. dracünculus wie unsre Pflanze bei Plinius 
heißt. 1712 bei Hübner Naturlex. 430. 

Draht, m. (es, PI. Drähte): zusammen- 
gedrehter dicker Faden; (Gaunersprache) Geld. 
Mit Dehimngs-Ä zu mhd.-ahd. drät m.; dazu 
ndl. draad m., afiies. thred, ags. ßr(ed m. 



«Faden», engl, thread, anord.prädr m., schwed. 
träd m., dän. traad. Zu drehen, formell ge- 
nau gr. xpriTÖc «durchbohrt» entspi'echend. 
ABL. drähtig, adj., in zwei-, dreidrähtig. 

drall, adj.: wohlgedreht; elastisch fest 
(Lessing Nathan 2, 5); hurtig; rasch, munter, 
kräftig und gedrungen aussehend. Aus dem 
Xdd. (schon mnd. dral «rasch sich drehend, 
rasch»), in die Schriftsprache von Lessing 
eingeführt; Adelung erwähnt das Wort nur 
gelegentlich als ein niedersächsisches, Hey- 
natz 1796 spiicht sich dagegen aus, während 
Campe es empfiehlt. Fmher erscheint das 
auch von Adelung verzeichnete ndd. drell, 
z. B. bei Caniz 124 hey deiner liebsten Dr eilen, 
wobei in einer Anmerkung gesagt wird, daß 
man in der Mai'k z. B. sage eine drelle Dirne, 
das ist «ein frisches, derbes Mädchen», auch 
bei Hermes Sophiens Reise 4, 166. Zu 
^drillen. 

Drama, n. (-s, PI. Dramen) : BühnenspieL 
Aus dem gleichbed. gr.-lat. dränia (Gen, drä- 
matis), gr. bpä|ua n., das urspr. s. v. a. «Tat, 
Handlung», abgeleitet von bpäv «tun». In 
der Mitte des 18. Jh. aufgekommen. ABL. 
dramatisch, adj. Xach gr.-lat. drämaticus, 
gr. bpaiiOTiKÖc. Bei Gödeke Giiindriß ^ 3, 226, 
75 vom J. 1676. 

dran, gekürzt aus daran, wie drauf, draus, 
drein, drin, droh, drüben, drüber, dnmter usw. 
aus darauf, daraus, darein usw. AUe diese 
Adverbien sind urspr. Zusammenschiebungen 
des dar, mhd. dar «dahin», oder des dar, 
mhd. dar (vor Adverbien geschwächt dar), 
da, da mit einem Präpositionaladv. Jene dar- 
gingen mhd. auch in tonloses der- über und 
wurden endlich bloßes dr-. So findet sich 
bereits mhd. drane, dran aus derane, darane, 
ahd. därana wad dara ana; drüfe, drüf aus 
dar üfe, dar üf, ahd. dar uf usw. 

Drang, m. {-es): Zudringen, Bedrängnis; 
starkes Getriebensein wozu. Mhd. dranc m. 
«Gedi'änge, Bedrängnis»; dazu ndl. drang m. 
«Gedränge, Drang», ags. ßrong (in geprong 
n.), engl, throng «Gedränge», anord. pröng f. 
«Gedränge», dän. trang «Gedränge, Bedräng- 
nis». Zu dringen. Die 2. Bed. erst bei Ade- 
lung. ABL. Drangsal, f., seltenern. (Bürger, 
Schiller, Goethe usw.), spätrahd. drancsal m., 
wohl von dem später verschwTindenen mhd. 
drangen « drängen» abgeleitet. Davon drang- 
salieren, V. Neue Bildung mit der fremden 
Endung -ieren (nach dem Muster von tribn- 
lieren u. dgl.). 

24* 



375 



drängen 



drei 



376 



drängen v. : di-ingen machen, Drang aus- i^eÄ;Är m., schwed. träck m., dän. dräk n. 
üben. Älternhd. drengen (wie Preyer 1722 Vielleicht verwandt mit gr. xpuE (Gen. rpuföc) 
vorschreibt und noch Lessing 2, 180 hat), mhd. f. «Hefe, ünreinigkeit». Sehr ansprechend 
drengen (häufiger drangen, ahd. drangön, engl, vergleicht Sommer Idg. Forsch. 11, 91 spätlat. 
thronq). Wie anor ä. ßrengja, schwed. ^rängra, , froia «Sau» aus *fro^ja mit unserm Wort. Doch 
dän. tränge das Faktitiv zu dringen. ABL. ; hat gi\ Tpäyoc «Bock» fernzubleiben. Eedens- 
drängeln, v. in frequentativer Bed. Bei art: Dreck am Stecken haben: Unsauberes, 
Campe 1807. Hinterhaltiges in geheimer Absicht. ABL. 

drapieren, V.: mit Gewändern bekleiden. drecMg, adj. Friihnhd. (bei Dasypodius 
Aus dem gleichbed. franz. draper, von drap, 1537, Alberus A A2* hat dreckicht, 1475 cle- 
spätlat. drappus m. «Tuch». ABL. Dra- visch im Teuthonista dreckich). 
perie, f.: Bekleidung der Figuien. Aus drehen, v.: im Kreise bewegen; mittelst 
franz. draperie f. Beides 1712 bei Hübner Kreisbewegung eines Werkzeuges und durch 
Naturlex. 430. Ursprünglich Malerausdruck. Meißel rund formen (drechseln). Mit e für 
drastisch, adj. u. adv.: kräftig wirkend, urspr. öß (schon bei Luther drehen, obd, an- 
Mit -isch gebüdet nach dem gr.-neulat. Adj. fangs dafür dräjen, dräen, drähen, noch bei 
drasticiis «geschwind wii-kend, kräftig wir- Ludwig 1716 drähen), aus mhd. drcejen, drcen, 
kend», gr. bpacTiKÖc urspr. «tätig», dann «kräf- ahd. dräjen, dräen; dazu ndl. draaijen, ags. 
tio- wirksam», abgeleitet von bpäv «tun», prätvan (mit starker Flexion), engl, throw, 
Früher (noch bei Campe 1811) nur von Arz- schwed. (aus dem Deutschen) drej'a, dän.dreje. 
neien crebraucht. | Verwandt sind gr, cuvTpfjcai «durchbohren», 

dränen, s. drohen. ' Tpfiua n. «Loch», xepeTv «bohren, drechseln», 

drauf, draus, s. dran. lat. terehra f. «Bohrer», ir. tarafhar «Bohrer», 

dräuschen, V. : heftig rauschen, besonders abg. treti «reiben». ABL. drehbar, adj. 
von Regen u. dgl. Ein md.-ndd. Wort, ober- Junge Bildung, noch nicht bei Campe 1807. 
Sachs, dreschen, Prov, Sachsen (^räs'cAew, schon Dreher, m. {-s, PI. wie Sg.): Drechsler (in 
bei Hans Sachs dreussen «heftiges Geräusch frühnhd. Glossaren des 15. Jh. bei Diefenb. 
machen», auch ndl. drMWCÄen «rauschen». Viel- 588^); Türgriff (ndd.); langsamer Walzer, 
leicht zu got. driusan, asächs. driosan, ags. drei, Zahlw. Mhd. drt (Xeutr. driu), ahd. 
dreosan «fallen, niederfallen», so daß das V. dri, drte (F. drio, N. drm); dazu asächs. thria, 
urspr. das durch Fallen (z. B. der Eegen- \ ndl. drie, ags. pri, preo, engl, three, anord, 
tropfen) verursachte Geräusch bezeichnete, prlr, schwed.-dän. tre, got. preis (F. prijös, 
Doch wohl eher laut nachahmend, vgl. trat- IST. prija). Der Lautverschiebung gemäß stim- 
schen. Bei Stieler 1691 dreuschen. mend mit lat. tres (N. tria), gr. xpeic, aind. 

draußen, adv.: außerhalb. Gekürzt aus tri- (Xom. M. träjas), abg. trije, lit. tris, 
daraußen, mhd. dar uzen, ahd. dar üg^ana, altir. tri. Bei substant. Gebrauch wird das 
daneben mhd. dar ü§e, ahd. dar üga, woher Wort flektiert N. A. drei, seltner dreie, G. 
unser drauß (auch zusammengezogen mhd. ' dreier, D. dreien; steht es attributiv ohne 
dü^e, daher das volksübliche dauß, 1593 bei Artikel vor einem Subst., so ist beim Gen. 
Helber 30 daussen). die flektierte Form üblich, beim Dat. dagegen 

drechseln, v. : Dreherarbeit machen. Mhd. jetzt veraltet (zu dreien malen Schiller Jungfr. 
drcehseln, mit gekürztem Vokal drehsein, ab- Prol.). Davon Drei, f. : Dreizahl ; 3 Augen 
geleitet von drcehsel, drehsei, ahd. drähsil m. im Würfelspiel; die Ziffer fiü- drei. Schon 
«Drehhandwerker». Dies kann nicht zu (Zre/iew mhd. (in den beiden ersten Bedd.) drie f. 
gestellt werden, dem, wie mhd.-ahd.flra^ zeigt, ABL. Dreier, m. (-5, PI. wie Sg.): Drei- 
urspr. kein h zukommt, sondern gehört zu pfennigstück. Im 15. Jh. Dreiheit, f., mhd. 
einer sonst nicht im Germanischen vertretenen, driheit f. Dreiling, m. (-5, PL -e):ein Maß, 
aus drehen erweitei-ten Wurzel, die lat. tor- der dritte Teil von etwas oder das Dreifache 
gwere «drehen», gr. xp^TTecGai« wenden» zeigen, von etwas (Luther zu Jes. 40, 12 «ein Maß 
ABL. Drechsler, m., spUtmhd. drehsler m. dreier Finger breit»), spätmhd. drUinc m.; 
Dreck, m. {-es, PI. -e, -er) : Um-einigkeit ; Dreipfennigbrötchen. Vgl. auch Drell, Drü- 
als wertlos Verachtetes. Mhd. drec (Gen. lieh, Drilling,, dritte. ZUS. Dreieck, n. 
dreckes) m. «ausgeworfener Unrat von Men- i Mhd. driecke als Adj. dreieinig, adj.: als 
sehen oder Tieren: dazu ndl. drek m., anord. 'ein Wesen, in drei Personen bestehend. Im 



377 



drein 



drillen 



378 



17. Jh., während das dazu gehörige Dreieinig- 1 
Jceit schon mhd. als drieinekeit vorkommt. 
dreierlei, aneinandergerückte Gen. PI. als 
Adv. (s. -lei). dreifach, adj., bei Luther, j 
dreifaltig, dreifältig, adj., mhd. dnval- 
fec. Davon Dreifaltigkeit, mhd. drivalte- j 
keit f. Dreifuß, m.: dreifüßiges G-estell. 
mhd. driinio^ m. Dreimaster, m.: Schilf 
mit drei Masten ; steifer länglich dreieckiger '' 
Hut (bei Campe 1807). dreißig, Zahlw. , 
(s. -zig), mhd. dri^ec, dri^ic, ahd. dri^uc; da- | 
zu asächs. thrltig, ndl. dertig, afries. thntich, ' 
SLgs.prüig, engl.thirty, anord.ßrjätigi, schwed. . 
trettio, dän. tredive, got. ßreis tigjus. Davon ' 
dreiiSigste, Ordinalzahl, mhd. dri^igeste, ahd. ; 
dripcgösto. dreizehn, Zahlw., mhd. drizehen, \ 
ahd. drizehan, ndl. dertien, ags. preotyne, engl. 
thirteen, anord. ßrettän, schwed. tret&n, dän. 
treten. Davon dreizehente, Ordinalzahl, 
mhd. driz-ehende. 

drein, adv. Mhd. drin aus dar tu, ahd. ■ 
dara in. [ 

dreißig, s. drei. | 

dreist, adj. u. adv.: aus Zuversicht und 
Selbstvertrauen fui'chtlos. Aus dem Ndd., 
schon mnd. driste, drtst, asächs. thristi, ndl. j 
driest, ags. priste. Von Kluge unwahrschein- ' 
Hch zu lat. trlstis «traurig» gestellt, vgl. ! 
daorecren Osthoff Parercra 1, 163. Im Hochd. 
erscheint das Wort zuerst 1616 bei Henisch 
760, 59 als dryste, driest, 751, 57 fg. als drieß, j 
dries, driessig, 1663 bei Schott el als driest, I 
dreist, 1691 bei Stieler als drüst, dreist, driest 
(dies ndd. driest noch bei Frisch 1741). Im 

18. Jh. häufig in der Form dreust (zuerst 
1711 bei Rädlein), die von Lessing 3, 307, 
Herder 1, 23, Weiße, Thümmel, Musäus, 
Schiller Fiesko 4, 14 gebraucht wird (auch 
noch bei Goethe Faust 6688 im Reim e7'- ; 
dreiisten); Adelung 1774 und Heynatz 1775^ 
haben dreist. ABL. Dreistigkeit, f. Mnd. j 
dristicheit, gebildet zu dem von drist ab- 
geleiteten Adj. dristich. Stieler 1691 hat 
Driestigkeit, Rädlein 1711 Dreustigkeit. \ 

dreizehen, s. drei. \ 

drell, s. drall. 

Drell, m. (-S, PI. -e): leinenes Gewebe i 
aus dreifachen Fäden. Aus dem Ndd, (mnd. 
im 15. Jh. drei). Vgl. Drillich. D. ist nach [ 
Bnigmann Abb. Sachs. Ges. d. Wiss. 25 No. 5 
S. 34 aus drinal entstanden, entsprechend 
einem ahd. zwinal, zwinel, zivenel «gemellus». 

dreschen, v. Prät. drasch und drosch, | 
Part, gedroschen: mit dem üblichen Werk- 



zeucre die Frucht aus den Hülsen schlafen. 
Mhd. dreschen, ahd. drescan; dazu ndl. dor- 
schen, ags. perscan (beide mit Umstellung 
des r), engl, thrash, thresh auch «prügeln», 
aisl. pryskua, schwed. tröska, dän. tärske, 
got. priskan. Verwandt sind ht. tresinti 
«schlagen» oder trasketi «rasseln», abg. treskü 
«Ki'ach». Vgl. auch die entlehnten ital. tres- 
care, afi-anz. trescher «tanzen», span.-port. 
triscar «mit den Füßen unruhig sein». Die 
Grundbed. scheint also «lärmend mit den 
Füßen stampfen» gewesen zu sein ; das Ge- 
treide wu-rde früher ausgetreten. Das V. 
wird von Voß dröschen geschrieben. Das 
Prät. lautet mhd. drasch, PI. dräschen, da- 
neben (vgl. das im Ahd. belegte dhruscun) 
druschen, nach diesem PI. schon älternhd. 
neben drasch, drusch {drusche Schupp 1, 397) 
und drosch, Schottel S. 582 setzt drasch und 
drosch an, ebenso Stieler und Bödiker, Gott- 
sched und Adelung geben der Form drosch 
den Vorzug, doch hat sich drasch daneben 
erhalten. Zuweilen auch schwache Flexion 
des V., bei Luther im Präs. (Imp. dresche 
Mich. 4, 13), später manchmal im Prät. {dreschte 
Haller Ged. 106). ABL. Drescher, m. {-s, 
PI. wie Sg.), spätmhd. dr escher m. ZUS. 
Dreschflegel, s. Flegel. 

dressieren, v. : abrichten, einschulen. 
Aus franz. dresser, ital. dirizzare, eig. «gerade 
richten, wohin richten», abgeleitet von einem 
aus lat. directus «gerade» abgeleiteten, aber 
nicht nachweisbaren mlat. directiare. Bei 
Sperander 1728. ABL. Dressur, f. Bei 
Campe 1813. 

Driesch, m. n. f. {-es, PI. -e): zu Gras- 
wachs undHutung ungepflügt liegendes Acker- 
land, auch als Adj. driesch «brach». Ein ndd. 
u. rhein. Wort mit anlaat. d für hochd. t 
und schwankendem Vokal. Mndl. driesch, 
1475 clevisch dryesch, mnd. drisch, drisch, 
auch in mrhein. Quellen (Diefenbach-Wülcker 
369, Crecelius 297) drisch, dris, jetzt hessisch 
dreisch (ei aus ie), drisch, schwäb. dreisch, 
nd. dresk, dresch (im brem. Wb. 1, 263 drusk). 
Dunkler Herkunft. ABL. Drieschliug, m.: 
Champignon. \A:loc\ex\^ch.dryeslyng. Häufiger 
Drüschling (1546 bei Bock Druschling «daruml:) 
das sie auff den druschen gern wachsen»). 

d rieseln, s. auch aufdrieseln. 

Drift, s. Tnft. 

^drillen, v.: kreisend hemmbewegen. 
Frühnhd. Ein mhd. *drellen ist aus dem 
starken Part. Prät. gedr ollen «rund gedreht. 



379 



drillen 



droheu 



380 



drall» zu erschließen; es ist wahrscheinlich ! 
aus dredl- entstanden und gehört zu drehen. ' 
Doch ist in drillen wohl noch ein andres 
Wort eingeflossen, das dem däu. trille, schwed. 
trilla «rollen, wälzen», engl, trill entspricht 
(s. Triller) ; dies ist wahrscheinlich aus trizl- < 
entstanden und gehört zu nd.-md. triseln, 
s. aufdrieseln. Häufig trillen geschrieben ; 
(bei Bürger, Voß, Schiller, Rückert). S. auch | 
drall und drollig. 

"drillen, v.: bohren; überlästig plagen, 
quälen, necken. Auch trillen (bes. in der 
2. Bed.). Aus ndd.-ndl, (schon mndl.) drillen 
«bohren», dazu engl, tlirill «bohren», dän. 
(aus dem Nd.) drille, schwed. drilla. Eig. 
mit ^drillen identisch. Die 2. Bed. schon 
im mnd. drillen (auch ndl. und dän.-schwed.); 
sie könnte auch aus drillen «drehen» abge- 
leitet werden, indem sie vielleicht urspr. 
eine Strafe für oferinffe Versfehen, das Ge- 
drehtwerden im Drehkäfig, dem Driller 
(Triller), bezeichnete. ZUS. Drillbohrer, 
m. (-s): mittels einer Schnur in Bewegung 
gesetzter Bohrer der Stein- und Metallarbeiter. 
Aus dem Ndd., auch ndl. drillhoor f. 

^drillen, v.: zum Soldaten einüben. Wohl 
aus ^drillen hervorgegangen. Schon am An- 
fang des 17. Jh. (Soltau Volksl. 2, 298 
V. J. 1606.) So auch ndl. drillen. 

Drillich, Drilch, m. (s, PI. -e): leinenes 
Gewebe aus dreifachen Fäden. Spätmhd. 
drillich m., aus dem mhd. Adj. drillicli, drilch, 
ahd. drilih «dreifach, dreifädmig», das Nach- 
bildung des gleichbed. lat. trilix (Gen. tri- 
licis) ist, vgl. Zwillich. S. auch JDrell. 

^Drilling:, m. (s, PI. -e): zu gleicher 
Zeit mit zwei andern Kindern von einer 
Mutter geborenes Kind; dreiläufiges Jagdge- 
wehr. Nach Zwilling gebildet, bei Stieler 1691, 
während früher Dreiling gesagt wurde, vgl. 
ndl. drieling. Schwed.-dän. trilling wird direkt 
von anord. ßrennr «dreifach» abgeleitet. 

"Drilling, m. (-s, PI. -e): zweischeibiges 
Triebrad einer Mühle. Von ^drillen. Bei 
Adelung 1774. 

drin, adv. Mhd. drin, gekürzt aus dar in, 
ahd. dar inne. Vgl. drein. 

dringen, v. (Prät. drang, Part, gedrungen) : 
mit treibender Gewalt sich bewegen, dann 
sich bewegen machen (wie drängen). Mhd, 
dringen, ahd. dringan; dazu asächs. dringan, 
ndl. dringen, ags. pringan, anord. pryngva, 
got. preihan (aus *ßrinhan). Der Lautver- 
schiebung gemäß übereinstimmend mit lit. 



trenkti «dröhnend stoßen», tranksmas m. 
«dröhnendes Getümmel». Das Prät. mhd, 
dranc, PI. drungen kommt im 17., 18, Jh. 
auch als drung vor. ABL. dringentlicli 
(von dem Part. Präs. gebildet), bei Wieland 
18, 64, von Adelung 1793 noch nicht er- 
wähnt, dringlich, adj. u. adv. Frühnhd, 
(1482 im Voo. theut. f2a). 

driune, adv. (Luther Jer, 32, 43. Goethe 
31, 208). Mhd. drinne, gekürzt aus dar inne, 
ahd. dar inne. Vgl. ^dar und inne, sowie drin. 

drinnen, adv. (schon bei Luther), ge- 
kürzt aus darinnen. Vgl. ^dar und innen, 
mhd. innen, ahd. innana, vinän. 

Drischel, m. {-s, PI. wie Sg.) und f. 
(PI. -n): Dreschflegel. Veraltet (noch jetzt 
obd.). Mhd. drischel, ahd. driscila f., dazu 
ags. perscel m. Von dreschen. 

dritte, Ordnungszahlwort zu drei. Mhd, 
dritte, ahd, dritto; dazu asächs. thriddio, ndl. 
derde, ags. ßridda, engl, third, anord. ßride, 
schwed.-dän. fretZie, got.ßridja. Es entspricht 
genau lat. tertius (aus Hritjos) (gr, rpiToc, 
aind, trtljas weichen etwas ab), oder lit. 
trei'as, abg. tretiji «dritter». Davon drittens, 
adv. Hervorgegangen aus dem schwachen Gen. 
dritten mit angetretenem adverbialischen s. 
Zuerst bei Nieremberger 1753, von Adelung 
aber noch als ein Wort des gemeinen Lebens 
bezeichnet. ZUS. drittehalb, dritthalb 
2^/.,, 'spätmhd. drithalp. Dritteil, gekürzt 
Drittel, n., mhd. dritteil n. 

droben, Raumadv., gekürzt aus dar oben 
(voc. ex quo 1469, dar oben noch bei Herder 
zur Lit. 15, 77). Bei Luthei-, Goethe (l, 93 
da d., 16, 59 dort d.). Dafür mhd. dar obe, 
drobe (s. oben). 

Droge, f. (PI. -n): Spezereiware. Aus 
dem gleichbed. franz. drogue, ital.-span.-port. 
droga f., das gewöhnlich mit engl, drug auf 
das ndl. droog «trocken» zurückgeführt wird, 
also eig. «getrocknete Ware». Um 1600 
entlehnt (Hulsius Schifi'. 9, 42 Drogen). ABL. 
Drogist, m. [-en, PI. -en): Spezereiwaren- 
händler. Aus franz. droguisfe, ital. droghista 
m. Um 1600 {Drogist Hulsius Schift'. 3, 19, 
Triigist Moschei'osch Phil. 1, 344). 

drohen, v. : zu erkennen geben, daß man 
etwas Übles antun wolle. Mit der Nebenform 
dräuen, mhd. drömcen, dreuwe^i, dromoen, 
ahd. drewen, drottwen: dazu asächs. thröön 
(in githröön), ags.prean. Die alte Verbindung 
mit lat. torvus «wild, finster» ist unsicher. 
Eher gehört das Wort zu gr. TirpöiCKeiv 



381 



Drohne 



Drossel 



382 



«verwunden, schädigen». Ygl. noch Karstea 
Beiträge zur germ. Wortkunde 1 ff. Neben 
dieser altem Form wurde auch in engrer 
Anlehnung an das Subst. mhd. (^neben drouwe) 
drö, ahd. (neben drawa, drouwa) drö, droa f. 
(danach bei Rückert 1, 458 altertümelnd 
Drohe f.), mhd. dron, auch schon ahd. dröan 
geschaffen. Luther gebraucht nur dreiven, 
dräuen, was auch sonst im 16. Jh. das ge- 
wöhnliche ist; dron, drohen sind selten (bei 
Dasypodius, Maaler nicht angeführt); Henisch 
kennt auch drohen und im 17. Jh. wird 
diese Form die übhche, doch erhält sich 
dräuen in der poetischen Sprache. ABL. 
Drohimg, f. Mhd. dafür drmicunge f., 
ahd. draivunga, dröunga f. 

Drohne, f. (PI. -n)-. Bienenmännchen, 
Bi-utbiene. Mit o für urspmngliches a aus 
dem Xdd., schon asächs. drän, ags. drän f., 
engl, drone, dän. (aus dem Xdd.) drone. Das 
"Wort kommt schon im 16. Jh. bei Nord- 
deutschen vor (Thronen Eollenhagen Froschm. 
2, 3, 7) und wird von Schottel 1663 als Drone f. 
angesetzt; Stieler, Ludwig, Rädlein, Frisch 
aber kennen diese Form nicht und noch 
Adelung bezeichnet sie als ndd. Die urspr. 
hochd., noch in Österreich und Sachsen üb- 
liche Form des Wortes ist Trene f. (bei 
Das3'podiusl537 tren, bei Maaler 1561 tränm., 
noch bei Adelung Thräne), mhd. trene, tren, 
ahd. treno m., mit asächs. drän ini Ablaut 
stehend. Zu griech. revöprivri f. und xevGpribibv 
m. «eine Bienen- oder Wespenart», dvöprivri 
f. und dvöprjbdiv m. «wilde Biene», lakon. 
öpüjvaE m. «Drohne». 

dröhnen, v.: erschütternd tönen. Aus 
dem Ndd., schon mnd. dronen: dazu ndl. 
dreunen, anord. drynja, das zu drynr, got. 
drunjus m. «Schall» gehört. Weiter ver- 
bindet man gr. Gpfivoc m. «Totenklage, Klage- 
lied», aind. dhränati «tönt» (im Dhätupatha). 
Das Wort dringt im 17. Jh. ins Hochd. ein 
(drönen bei Schupp 1, 20, auch von Schottel 
1663 verzeichnet), ist aber im 18. noch nicht 
völlig eingebürgert: nach Adelung ist es 
nur im Niedersächsischen einheimisch, und 
Kindleben 1781 nimmt es als mundartlichen 
Ausdruck mit auf. 

Drohnng, s. drohen. 

drollig, früher droUicht (Lessmg 1, 106), 
adj. u. adv.: wegen Sonderbarkeit ergötzlich. 
Aus dem gleichbed. ndd. drullig, ndl. drollig, 
abgeleitet von ndl. drol m. «Kegel, Klumpen, 
Knirps, Possenmacher», zu ^drülen «drehen». 



Daraus sind auch entlehnt engl, droll «Schalk», 
franz. dröle «possierlich». Zuerst bei Schottel 
1663 und Krämer 1678 verzeichnet. Ein 
älteres nhd. drollicht {drollet bei Hans Sachs) 
bedeutet «mnd gedreht, rundlich, drall» (^so 
noch bei Geliert 3, 279). Das mhd. trolle, 
trol m. «plumper Mensch, Tölpel, Ungetüm», 
dazu anord. troll, troll n. «Dämon» scheint 
nicht dazu zu gehören, s. auch Trulle. 

Dromedar, m.n. (-s, Pl.-e): einhöckeriges 
Kamel. Mhd. tromedar, dromedar m., aus 
lat. dromedärius m. eig. «Schnelläufer» von 
gi\-lat. dromas (camelus) «Dromedar», gr. 
bpoudc «laufend». S. Trampeltier. 

Drommete, f.: Trompete. Alt und 
dichterisch, bei Luther Dromete, s. Trompete. 
ABL. drommeten, v.: die Trompete blasen. 
Bei Luther. 

Droschke, f. (PI. -n): vien-äderiges Miet- 
fuhrwerk. Aus gleichbed. xnass. droski, poln. 
drozka f. um 1800 übernommen. Ygl. ZfdW. 
8, 124. 879. 

Dröselei, f. (Goethe 5, 178): Tiftelei. 
Von dröseln, s. aufdrieseln. 

Drossard, m. (-s): Drost (s. d.). Das 
ndl. drossaard m. Bei Schiller 7, 217. 

^Drossel, f. (PI. -/*): Art größerer Sing- 
vögel. In der jetzigen Form aus dem Ndd. 
Rhein., schon im 11. Jh. in andd. Glossen 
drossela, mittelrhein. im 11. — 12. Jh. drosla 
(ZfdA. 6, 331. 277), im 15. Jh. im Voc. ex 
quo drossel, drussel, druyssel, 1475 clevisch 
droissel. Die gewöhnliche mhd. Form ist 
droschet, ahd. dröscala f., abgeleitet von ahd. 
drösca f.; hierzu mit abweichendem Vokal 
ags. Prysce f., engl, thrush. Eine 3. Form ist 
mhd. drostel (1482 im Voc. theut. f 3* trostel) 
f., dazu ags.pröstlet., engl. throstle(aus*ßramst) 
vmd ohne das ableitende l (mit abweichendem 
Vokal) anord. pröstr ( Ans'prastu-) m. Im Nhd. 
überwiegt zunächst Drostel (bei Oberdeut- 
schen) und Dröschet, Henisch 1616 hat auch 
Drossel, Schottel 1663 und Stieler 1691 Drossel 
neben Droschel, Ludwig 1716 Drossel neben 
Droschel, Drostel: doch setzt noch Frisch 
1741 Drostel (bei einigen Drossel, Droschel) 
an, das auch noch von Voß (Horaz Ep. 1, 
15, 41) gebraucht wird, während Adelung 
nur Drossel zuläßt. Es besteht wohl Ver- 
wandtschaft mit lat. turdus m., mlat. turdela f. 
«Drossel», lit. sträzdas m. «Drossel». Ver- 
wandtschaft mit gr. CTpoüGoc m. «Sperling» 
ist zweifelhaft. Doch vgl. Solmsen Idg. Forsch. 
13, 138. Indes ist nicht völlig klar, in welchem 



383 



Drossel 



drum 



384 



Verhältnis die deutschen Formen zu diesen 
Worten und untereinander stehen. 

2 Drossel, f. (PI. -n): Kehle. Veraltet. 
Mhd. dru^^el, drü^^el m., von dem gleiehbed. 
mhd. dfOßße f. m., ahd. drog^a f.; dazu ags. 
ßrofu f., engl, throat, auch wie im Hd. weiter- 
gebildet throttle «Kehle». Daneben steht mit 
anlaut. s mhd. stro^ge f. «Kehle», dazu andd. 
strota, ndl. stroot f., auch entlehnt ins Ro- 
manische (ital. strozza f. «Kehle»). ABL. 
drosseln, v. (Lessing 2, 237, Goethe 16, 176. 
49, 1, 88), häufiger erdrosseln, v.: an dem 
Halse würgend töten. Um 1480 im Voc. 
ine. teut. d 5^ droßlen. 

Drost, m. {-en, PI. -enj : Amtshauptmann, 
Landvogt (früher in Hannover). Das ndd. 
droste, spät-altndd. drossete, ndl. drost, afries. 
drusta, latinisiert drossatus, auch anord. 
dröttseti m., übereinstimmend mit dem hd. 
Truchseß (s. d.). S. auch Drossard. ABL. 
Drostei, f.: Bezirk oder Wohnung eines 
Drosten. 

drüben, adv., zu dem gleiehbed. altern 
drüber gebildet nach dem Verhältnis von 
drunten zu drunter. 1711 bei Rädlein. 

drüber, adv., gekürzt aus darüber (s. "dar). 

Druck, m, {-es, PI. -e): Wirkung durch 
Schwere, drängende Kraft; das Auftragen 
einer Schrift mittels der Presse, sowie das 
Aufgetragene selbst. Mhd. druc (Gen. druckes, 
PI. drücke), ahd. druc (Gen. drucches) m. ; dazu 
ndl. druk m., ags. prycc m., schwed. tryck, 
dän. tryk n. Von drücken, v.: durch 
Schwere, drängende Kraft einwirken. Refl. 
sich drücken auch s. v. a. «sich zurückziehend 
gering machen»; «sich still wegbegeben» (aus 
der Studentensprache bei Augustin 1795). 
Daneben drucken, jetzt nur noch vom Auf- 
tragen einer Schrift, von Figui-en, Bildern 
u. dgl. mittels einer Presse (also Bücher, 
Zeuge u. dgl. drucken). Beide Verba gehen 
zurück auf mhd. drucken (obd.), drücken, 
spätmhd. (wie älternhd.) auch trucken, trücken 
ahd. drucchen ; dazu ndl. drukken, ags. ßryccan, 
anord. prykja, schwed. trycka, dän. trykke. 
Drucken ist eine Intensivbildung (vgl. schmü- 
cken zu schmiegen) zu anord. ^r%a «drücken», 
das wohl mit lit. trükti «entzweireißen, 
entzweigehen», träukiti «zerren» zu ver- 
binden ist. Von Büchern steht drücken seit 
1460 — 70 und hat sich in dieser Bed. in 
der obd. Form festgesetzt (daneben anfangs 
drücken), weü die ältesten Druckorte meist 
auf obd. Gebiet gelegen sind. Auch in andrer 



Bed. wird obd. anfangs drucken (trucken) 
gebraucht, md. aber meistens drücken. So 
hat Luther in der Bibel meist drücken, aber 
Prät. druckte, Part, gedruckt, wie auch Clajus 
Gramm. 162 ansetzt. Drucken in der Bed. 
von drücken erscheint noch bei Rädlein 1711, 
Ludwig 1716 und Nieremberger 1753, während 
Frisch 1741 und Adelung wie jetzt unter- 
scheiden. Doch hat noch Goethe öfters 
drucken = drücken gebraucht, altertümelnd 
auch noch Rückert (z. B. 1, 297. 3, 13). ABL. 
1) von drücken: Drücker, m. (-s, PI. wie 
Sg.): Werkzeug zum Drücken. Bei Stieler 
1691, 2) von drucken: Drucker, m. (-s, 
PI. wie Sg.). Bei Brant im NarrenschiflE" 
65, 64 drucker. Davon Druckerei, f. (bei 
Brant 103, 99 truckery f.). 

Drucker, m., als Malerausdruck: Pinsel- 
strich von tiefer, starker Farbe zur nachdrück- 
lichen Hervorhebung, aufgesetzter Schatten. 
Bei Sulzer 1773. 

drucksen, v. (Goethe Jery 12): zurück- 
haltend langsam wozu sein. Als Frequen- 
tativ von drucken = drücken gebildet. Von 
Adelung 1774 als neues Wort aufgeführt. 
ABL. Druckser, m., bei Goethe 1, 143. 

Drude, f. (PI. -n): Hexe, Zauberm, Un- 
holdin. Spätmhd. irute f. (dazu dän. drude, 
goÜänä.druda «liederliches Frauenzimmer»?), 
älternhd. drute, drutte. Falls das anlaut. t 
des mhd. Wortes auf d zuiückgeht (wie in 
tausend) könnte Verwandtschaft bestehen mit 
anord. ßrüdr f. «göttliches Wesen, Walkyre, 
Jungfrau», eig. «gewaltige», zu prüd- (in 
Zusammensetzungen) «Kraft, Macht», ßrüdugr 
«gewaltig», ags.ßrydt «Kraft, Stärke» (auch 
in Zusammensetzungen). Verwandtschaft mit 
traut ist nicht recht wahrscheinlich, ZUS. 
Drudenfuß, m.: dreifaches ineinander ver- 
schlungenes Dreieck als Fünfwinkelzeichen. 
Spätmhd. trutenvuoß m. 

Druder, f. (PI. -n): wie eine Latte zu 
gebrauchende Stange; Dachlatte; Querlatte 
im Weinberg. Am Mittelrhein. Mit d für 
ursprüngliches t aus mhd. truoder (auch drudel 
Weisth. 1, 453 v. J. 1449, bei Alberus Dict. 
Nn. S'' der PL trudeln). Vielleicht aus lat. 
trudis f. «Stange». 

Druide, m. (-w, PI. -n): altkeltischer 
Priester. Aus dem kelt.-lat. PI. drüidae und 
drüides, von keltisch (gälisch) draoi, draoidh, 
druidh «Druide». 

drum, adv., gekürzt aus darum (s. d.), 
schon mhd. drumbe, drumme. 



385 



dnmten 



Duckmäuser 



386 



drunten, adv., gekürzt aus daninten (bei 
Luther 6, 393* Jen. darunden, Jes. 14, 9 drun- 
den), mhd. derunden und ohne auslautendes n 
dar unde, spät.-ahd. diruntini, s. ^dar. 

drunter, adv., gekürzt aus darunter (s. 
^dar\ schon mhd. drunder. 

Drusch, m. {-es, PI. -e und Dräsche): 
Handlung des Dreschens; das Ausgedroschene. 
1776 bei Krünitz 9, 563. 

^Druse, f. (PI. -n) : löcheriges, yei-wittertes 
Erz, leerer Raum im Gestein, dessen Wände 
mit Kristallen bedeckt sind. In der Berg- 
mannsprache des 16. Jh. (1546 bei Georg 
Agricola drusen «Höhlchen der Adern und 
Klüfte», 1562 bei Mathesius Sar. 45^ usw.). 
Wohl zu Drüse gehörig, vgl. Liebich Btr. 
23,226. .-LBi^. drusig, adj. 1557 bei Bechius 
vom Bergkwerck 56 drußig. 

"Druse, f. (PI. -n): in Gestalt kleiner 
Kristalle angeschossenes Gestein, czech. di-uza 
f. 1727 bei Hübner. 

^Druse, f. (PI. -n)-. Geschwüi-; Drüsen- 
geschwulst mit Xasenausfluß des Pfei'des (so 
auch ndl. droes m.). S. Drüse. 

Drüse, f. (PI. -n): schwammiger Körper- 
teil zur Absonderung gewisser Feuchtigkeiten. 
Mhd.-ahd. druos f. (daher unser Druse) imd 
mhd. drüese, ahd. druosi f., auch s. v. a. 
«eichelartige Geschwulst, Beule, Geschwür» 
(daher die Verwünschung daß dich die Drüs! 
«daß dich die Pestbeule, die Pest befalle!»). 
Dunkler Herkunft. JJBL. drüsig, adj. 

Drusen, PI.: Bodensatz, Hefe. Veraltet, 
noch im Alem. Mit d für ursprüngliches t 
aus mhd. truosen, ahd. truosana f. «beim 
Keltern zuerst abfließender Schaum», dann 
«Bodensatz, Hefe»; dazu ndl. (/roesem m., ags. 
drösne f. «Bodensatz, übriggebliebner Rest 
von Gekeltertem, Trester». Verwandt mit 
Trester, s. d. Das gleichbed. engl, dregs, 
apreuß. dragios scheint Ausfall eines h zu 
erweisen. Eine 3. Ablautstufe neben Druse 
und Trester zeigt Schweiz, trost «Überreste 
im Bienenstock», schwäb. tros, trost «Hefe», 
preuß. dross, drost «Hefe, Wachs», 

drusig, s. Druse, drüsig, s. Drüse. 

Dschonke, f. (PI. -n)-. SchiflF. Aus dem 
Chines. 1703 im Zeitungslex. Juncke. 

Dschungel, m. (-s, -n), eigentlich nur 
im Plural Dschungeln. In neuster Zeit durch 
das Englische aus dem indischen jangalas m. 
«menschenleere Gegend» entlehnt. 

du, Personalpronomen der 2. Person. 
Mhd. du (betont du, duo), ahd, du; dazu 

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. 



asächs.-afries. thu, nöl.du, ags.-anord.-got. ^, 
engl, thoii, schwed.-dän. du. Der Lautver- 
schiebung gemäß stimmend zu lat. tu, gr. cu 
(dorisch Tü), aind. tvam, lit. tu, abg. ty. Die 
übrigen Kasus sind: Gen. dein (s. d.); Dat. 
dir, mhd.-ahd. dir (mit r aus s), got. ßus: 
Akk. dich, mhd. dich, ahd. dih, got. ßuk. 

Dual, m. (-5, PI. -e): Bezeichnung des 
Numerus, der die Zweizahl ausdrückt. Aus 
lat. duälis «von zweien, zwei enthaltend», 
zu ergänzen numerus «Zahl». Neuere Ent- 
lehnung. Von lat. duälis ist abgeleitet 
Dualismus, m.: HeiTSchaft von zweien. 
Bei Kant. 

Dublette, f. (PI. -71): Doppelstück, z. B. 

zweimal in demselben Besitze befindliches 

I Stück (Buch usw.), zwei auf einmal erlegte 

I Stück Wild. Aus dem gleichbed. franz. 

doublet m., von double (s. doppel). Im 18. Jh. 

entlehnt. 

Duhlone, f. (PI. -n): eine Goldmünze, 
. Doppeldukaten. Aus dem gleichbed. franz. 
doublon, und dies aus span. doblon m., von 
double (s. doppel). Um 1600 entlehnt (Do- 
I hlone Albertinus weibl. Lustg. 46, Dublone 
1 Zincgi-ef 1, 309). Goethe gebraucht dafür 
I auch Double (12, 8) oder Duhbel (12, 35). 
' Ducht, f. (PI. -en): Ruderbank. See- 
männischer Ausdruck, aus dem Xiederd. ent- 
I lehnt, wo er im mnd. belegt ist. Das cht 
j ist aus ft entstanden. Die hd. Form ist 
I Duft, aus ahd. dofta f. «Ruderbank» (mhd. 
• nicht belegt): dazu mndl. dofte, dochte, anord. 
ßopta f, und die Zusammensetzimgen ahd. 
gidofto, ags. gepofta, an, ßofti m. «Genosse 
I auf der Ruderbank, Genosse». Nach Schade 
I zu lit. tupeti «hocken». Unsicher. 

ducken, v. : jemand niederdrücken; sich 

j niederwärts zusammenbiegen. In dieser Bed. 

häufiger refl, sich d. Mit d für urspriing- 

liches t (noch bei Frisch 1741 tucken) aus 

mhd. tucken, tUcken «eine schnelle Bewecrunor 

j machen, besonders nach unten». Verwandt 

I mit mhd. tüchen «tauchen» (s. d.), zu dem 

j d. Intensivbildung sein wird. Luther ver- 

j wendet ducken und tucken, und auch sonst 

; erscheint ältemhd. oft ein umgelautetes 

ducken, tucken: noch Freyer 271 verlangt 

\ ducken, Adelung hat nur ducken. 

Duckmäuser, auch Tnckmäuser, m. (-s, 
I PI, wie Sg.): hinterlistig Heimlicher; Kopf- 
hänger. Bei Brant NarrenschifF 105, 19 ducket- 
I muser, von dem spätmhd, Verb tockelntüsen 
! «Heimlichkeit treiben», zusammenges. aus 

25 



387 



Duckstein 



dnmm 



388 



dem mit tuckeln (s, d.) zusammengehörigen 
tockel- und einem mhd. mnsen «langsam und 
leise gehen» (s. -mausen). Im 16. Jh. er- 
scheinen die Formen dockmeuser (z. B. bei 
Hans Sachs Fastn. 6, 183) und (mit Anleh- 
nung an Tücke) tückmeuser (Alberus Dialog. 
E 3^), Henisch 1616 hat duckmauser: du ekel-, 
dockehnäuser u. ä. noch jetzt im Schwäb.- 
Alem. ABL. duckmäuserig, auch duck- 
mäiisig, adj. (1669 bei Giimmelshausen Simpl. 
476 dockmäusig). Dafür duckmäusisch bei 
Fischart die Gelehrten 638, tockmeuserisch 
1697 bei Thomasius Schlitten 1, 367. duck- 
mäusern, v., fi-ühnhd. duckmausen {dock- 
mawsent bei Hans Sachs Fab. 204, 104). 

Duckstein, m.: Tuffstein, s. Tuff. 

dudeln, v.: auf einem Blasinstrumente 
schlecht blasen. Wohl gebildet nach poln. 
dudliö «dudeln», von dem PI. dudy «Sack- 
pfeife», 1651 bei Mich. Franck dudeln, bei 
Stieler 1691 dudeln. ABL. Dudelei, f. Im 
18. Jh. Dudeldei, m. {-s): unbedeutende 
Kleinigkeit, Spottgeld. Im 18. Jh. ZUS. 
Dudelsack, m.: Sackpfeife, bei Stieler 1691. 

Duell, n. (-S, PI. -e): Zweikampf. Aus 
dem gleichbed. lat. duellum. In der 1. Hälfte 
des 17. Jh. entlehnt (Moscherosch Phil. 1, 109; 
bei Schottel 1267 als m.). ABL. duellieren, 
refl. V. Aus mlat. duellare. Bei Krämer 1678. 
Duellant, m, (-en, PI. -en): Kämpfer in 
einem Zweikampf. Aus duellans (Gen. duel- 
lantis, dem Part.-Präs. von duellare. 1694 
bei Nehring. 

Duett, n. (-es, PI. -e) : Gesang zu zweien. 
Aus dem gleichbed. ital. duetto m., abgeleitet 
von due «zwei». Bei Adelung 1774. 

duff : matt, glanzlos, dumpf. Bei Campe. 
Niederdeutsch. Dazu ndl. dof. Wahrschein- 
lich mit toben verwandt (s. d. und Duff). 

Düffel, m. (-S, PI. wie Sg.): ein zottiger 
WollenstoflF. Neue Entlehnung aus dem 
gleichbed. ndl.-engl. duffel, das von dem Orte 
Düffel bei Antweqjen seinen Namen hat. 

Duft, m. {-es, PI. Düfte): gefromer Dunst; 
feine Ausdünstung; feiner Geruch. Mit d 
für ursprüngliches t (Rädlein 1711 kennt 
noch tufft f.) aus mhd. tuft m., seltener f. 
«Dunst, Nebel, Reif, an Bäumen usw. han- 
gender gefromer Dunst», alid. einmal duft 
«Frost»; ins Ndd. eingedrungen duft «übler 
Geruch», woher dän. duft «Geruch». Dazu 
anord. dupt n. «Staub», norweg. duft, dyft f. 
«Mehlstaub». Das Wort ist wohl weiter 
verwandt mit aind. dhüpas m. « Rauch ei" werk. 



Rauch»; kaum gehört das Wort zu ndl. dof, 
ndd. duffig «dumpfig, feucht, matt». Vgl. Much 
ZfdW. 2, 286. ABL. duften, früher auch 
duften, V. Mhd. tiiffen (noch bei Rädlein 1711 
tüfften). duftig, adj. Finihnhd. tüftig, düftig. 

düfteln, s. tüfteln. 

Dukaten, m. (-s, PI. wie Sg.): Gold- 
münze. Aus spätmhd. ducate m., von mlat. 
ducatus, ital. ducato m.; der Name daher, 
weil ein italienischer Herzog (ital. duca m.), 
man sagt der König Roger II. von Sizilien, 
als Herzog von Apulien zuerst, und zwar 
1140 diese Münze mit der Inschrift sit tibi, 
Christe, datus, quem tu regis, iste ducatus 
prägen ließ. Früher auch Ducat f. (Giimmels- 
hausen 4, 134 Kurz). 

dulden, v.: -näUig oder ergeben zu- oder 
auf sich lassen. Mhd. dulden, diäten, ahd. 
dulfen, dazu ndl. dulden: abgeleitet von mhd. - 
ahd. dult f. (s. Geduld). Dies geht zurück 
auf mhd. doln, ahd. dolen, dolon «dulden»; 
dazu asächs. tholian, tJiolon, afries. tholia, 
ags. polian, engl, thole. anord. ßola, schwed. 
täla, dän. taale, got. Jmlan. Diese stimmen 
in der Wui'zel überein mit lat. toleräre «er- 
tragen», tuli «ich habe getragen», gr. T\f|vai 
«auf sich nehmen», aind. tuldjati «hebt auf», 
lit. tiUti «schweigen»: die Grundbed. ist 
«tragen, ertragen». ABL. Dulder, m. (-s). 
Erst in der Dichtersprache des spätem 18. Jh. 
(bei Klopstock), bei Adelung 1793 (noch 
nicht 1774) als von einigen neuern Schrift- 
stellern versuchtes Wort angeführt, duld- 
sam, adj. Bei Henisch 1616 dultsam. Dul- 
dung, f. Bei Henisch 1616. 

Dult, f.: Jahrmarkt. Bayrisch. Urspr. 
durch ü-gend ein örtliches Fest (z. B. Kirch- 
weih) veranlaßt oder mit einem solchen in 
Verbindung stehend. jVIhd. tult, ahd. tidd f., 
dazu got. dulps f. «Fest, Feier». Wie sich 
apreuß. tuldlsnan «Fest» dazu verhält, ist 
unklar. 

Dulzinea, f. (PI. Dulzineen und- -s): 
Liebchen, GeUebte, eigentüch der Name der 
Geliebten des Don Quichotte Dulcinea von 
Toboso. Im 18. Jh. eingebüi-gei't. 

dumm, adj. (Komp. (/»»imer, ^vi^.dümmst): 
an Verstand imkräftig, zu Einsicht und 
Kenntnis unfähig; kraftlos, verdorben (Matth. 
5, 13); ärgerlich, unangenehm. Altemhd. 
meist mit ursprünglichem t tumm (tumb) 
imd tJmmm (thumb, bei Luther thum); Stieler, 
Steinbach, Frisch setzen tumm an, das auch 
noch bei Günther 18, Brockes 1, 158, Haller 67 



389 



dninpf 



dunkel 



390 



und zuweilen selbst bei Lessing steht. I»a- 
gegen spricht sich Bödiker Sprachl. für duuim 
aus, dem Rädlein, Ludwig usw. folgen. Mhd. 
himp fflekt. tumher) «unklug, uneirfahi-en 
(ohne Welt- und Menschenkenntnis), unge- 
lehrt», ahd. tump «stumm, taub, stumpfsinnig, 
töricht»; dazu and. ditmfe « dumm, unnütz '>, ndl. 
domh, ags.-engl. dumh, anord. dumbr, schwed.- 
dän. dum, got. diimhs (stummj. Die vertretenen 
Bedd. «taub, stumm» lassen an «stumpfsinnig» 
als Grundbed. denken; als verwandt haben zu 
gelten taiih, toben (s. d.). Aus dem Griech. 
■«-ird TuqpXöc (für *euq)\öcj «blind» verglichen 
(xg\. dazu anord. dumha f. «Xebel, Finsternis», 
eig. Blindheit?). Doch sind auch andere Er- 
klärungen möglich, vgl. J. Schmidt Kritik 65, 
Siebs KZ. 37,^311. ABL. Dummheit, f. 
Mhd. tumpheiti., and. dunqihed. Dümmling, 
m. (-S-, PI. -e). Spätmhd. tummeUng m. ZTJS. 
Dummfeart, m.: Dummkopf (Bürger 323). 
Aus dem Xdd. (1755 bei Richey Idiot. 46 ange- 
führt). Dummerjan, Dummrian, m.: 
Dumiukopf. Bei Seb. Franck Spricbw. 2, 49^^ 
noch in zwei Worten dummer Jan. Jan ist 
die ndd. Form von Johann. Dummkopf, 
m. Bei Nieremberger 1753. 

dumpf, adj. u. adv.: feucht moderig: den 
Schall beengend, tief und gedämpft; (bezüg- 
lich des Gefühlslebens^ ohne klare Besinnung. 
Erst im 17. Jh. (1678 bei Krämer der Komp. 
dumpffer, aber noch nicht bei Schottel 1663 
und Stieler 1691), hervorgegangen aus dem 
altem Xd}. dumpfig, dumpficht, schon im 15. Jh. 
dumjjfig «engbiüstig», 1668 bei Schottel, 1691 
bei Stieler s. v. a. «schimmelig», 1711 bei 
Rädlein «engbrüstig, feucht, schimmeHg», 1716 
bei Ludwig «betäubt, feucht, muffig, heiser», 
auch ndl. dompig «enge, finster, feucht». Dies 
Adj. gehört zu mhd. (bei X. v. Jeroschin) 
dttmpfe m. «Dampf» (vom warmen Blut), ' 
nmd. dumpe «catarrhus», bei Schottel, Stieler 
Dumpf m. «Schimmeb, sowie zu mhd. dumpfen, 
dumpfen «dampfen, ersticken». Zu mhd. 
dimpfen, timpfen und dampf, tampfd. Dampf ). 
Die Grundbed. ist wohl «durch Rauch, Dunst 
beengend, feucht riechend, feucht», dann «eng- 
brüstig», weiter mit IJbertragung auf das 
Gehör «heiser, hohl»; diese Bed. ist Adelung i 
bei dump ficht geläufig, während er sie bei 
dumpf nur aus der neuern Dichtersprache 
kennt. ABL. Dumpfheit, f. Xoch nicht 
bei Adelung 1793, aber von Goethe öfter 
gebraucht, dumpfig, früher auch dumpficht, | 
adj., s. oben. 1 



Dune, s. Daune. 

Düne, f. (PI. -n): Sandhügel an der 
Meeresküste. 1616 bei Henisch Duni. Auf- 
genommen aus dem ndd. düne f., mnd. saiit- 
dune f., ndl. duin m. «Sandhügel»; dazu ags. 
dün f. «Hügel», engl, down «Sandhügel». 
Schon ahd. aus dem Xd. entlehnt düna f. 
«Vorgebh-g». Verwandt ist air. dün «Hügel» 
(aus dem dann zäun [s. d.] entlehnt wii-d i 
und vielleicht gr. 9ic, Gen. öTvöc f. «Sand- 
hügel am Meer». 

Dünung, f. (PI. -en): starke Wellenbe- 
wegung des Meeres bei verhältnismäßig stillem 
Wetter. Aus dem ndd. und weiter aus fries. 
dining «starker AVeUengang der See», ndl. 
deining f. «Brandung, heftige Bewegung der 
See». Herkunft unbekannt. • 

Dung, m. (-es, PI. -et: Stoß' zur Besserung 
des Bodens und zui- Pflanzennahrung. Älter- 
nhd. auch mit dem ui-spiiinglichen t tung. ]Mit 
Wechsel des Geschlechts aus mhd. tunge (auch 
tünget), ahd.tungaf. und tungln f. «Düngung», 
vgl. auch mhd.-ahd. tunc f. «im Wiiiter mit 
Mist bedeckte miterirdisehe Webstätte/ ; dazu 
afries.-ags. düng f., engl, düng «Dünger». Her- 
kunft unsicher. VieDeicht zu gr. Tctqpoc «Grab» 
(aus *9d(poc), lit. dengti «bedecken», vgl. Zu- 
pitza Gutt. 99. Das M. erst bei Steinbach 
1734 (neben dem F. Dung) imd Frisch 1741, 
fi-üher Dung f. (bei Henisch 1616, bei Grim- 
melshausen Simpl. 31 Tung) und das um- 
gelautete Dünge f. (1540 bei Alberus Dict. 
AA2^ düng, noch Rädlein 1711 hat Düng, 
Ludwig 1716 Dünge, das noch von Heynatz 
1796 angefühlt wird). Auffallend ist die 
obd. Nebenform Dumm. ABL. düngen, v., 
ältemhd. auch tüngen (Lohenstein Cleop. 6 ), 
mhd. tungen. tüngen; dazu ags. dyngan, engl. 
düng. Dünger, m. (-s), spätmhd. tunger. 
dunkel, adj. u. adv.: des Lichtes er- 
mangelnd. Bei Luther und sonst ältemhd. 
mit dem ursprünglichen t tunkel (z. B. bei 
den schlesischen Dichtem, noch bei Ludwig 
1716). Mhd. tunkel, ahd. tunchaJ. tunkal: 
dazu anfr. dunkal, schwed.-dän. (entlehnt) 
dunkel. Daneben mit andrem Suffix älter- 
mhd. tunker wie asächs. dunkar, mnd. dunker, 
ndl. donker, afries. diunker, und ohne Ab- 
leitung und mit abweichendem Vokal afries. 
diunk, anord. d^kkr (urspr. dinkwa-). Dunkler 
Herkunft. Vielleicht wurzelvenvandt mit 
aind. dhväntds ::dunkeL , gr. öcivaroc m. «Tod». 
Davon substantiviert Dunkel n., bei Luther 
tunckel n., mhd. dafür tunkel f., ahd. tunchali. 

25* 



391 



Dünkel 



düpieren 



392 



fiiukaU f. ABL. Dunkelheit, f , mhd. 
funkelkeit f. dunkeln, v.: dunkel werden, 
mhd. ttmkeln, alid. tunclmlen. 

Dünkel, m. (-s): herabsehende hohe 
Meinung von sich. Bei Luther diinckel und 
(hmckel, funckel «Bedünken, Einbildung»; 
auch bei Henisch 1616 Dunckel. Die jetzige 
Bed. zuerst bei Schottel 1663, aber erst um 
die Mitte des 18. Jh. allgemein üblich. Ge- 
bildet von mhd, dune m. «Bedünken» (da- 
neben auch dunkel- in dnnkelbilde n., vgl. 
mnd. dunkelgöd «dünkelhaft»), zu dünken (s.d.). 
ABL. dünkelhaft, adj. u. adv. Noch nicht 
bei Adelung 1793, aber 1774 von Klopstock 
gebraucht. dunkeln, v. (Goethe Faust 
2630). 

Dunkelheit, dunkeln, s. dunkel. 

dünken, v. (Prät. auch däuchte, Part. 
gedäuclit): nach Ansehen und Bedenken wahr- 
scheinlich sein, nur unpers. mich (mir) dünkt 
imd refl. sich d.: von sich der Meinung sein. 
Mhd. dünken (im Obd., auch noch frühnhd.), 
dünken, ahd. dünken; dazu and. thunkian, ndl. 
dünken, ags.pijncan, engl, fhink, anord.pykkja, 
schwed. tycka, dän. tykke, got. ßugkjan. Mit 
mhd. dune m. (s. Dünkel) im Ablaut zu denken 
und Dank (s. d.) stehend; verwandt ist lat. 
tongere «kemaen», pränest. tongitio «Kenntnis», 
osk. tanginüd «Meinung». Das Prät. lautet 
mhd. dühte, Konj. diuhte, Part, gedüht, daneben 
auch dünkte, gedünkt Nhd. entwickelt sich 
aus dem Konj.-Prät. deuchte ein Präs. deucht 
(s. däuchten); als dessen Prät. gilt dauchfe, 
das im 18. Jh. veraltet, aber noch von 
Klopstock, Voß, Bürger gebraucht wird, da- 
für dann däuchte, das auch noch als Prät. 
von dünken (neben dünkte) empfunden wird, 
uiid das Part, gedäucht 

dünn, unverkürzt (bei Luther, jetzt na- 
mentUch noch poetisch) dünne, adj. u. adv.: 
von geringer Dicke, von geringemUmfang; (von 
Flüssigkeiten) leicht fließend. Mhd. dünne, ahd. 
dunni; dazu and. thunni, ndl. dun, ags. pynne, 
engl, thin, anord. Jtunnr, schwed. tunn, dän. 
fynd. Der Lautverschiebung gemäß über- 
einstimmend mit lat. tenuis «dünn, zart», 
gr. Tavu- (in Zusammensetzungen) «gestreckt, 
lang, schlank», ravaöc «lang», air. tana, abg. 
tinükn, aind. tam'is «lang, schmal, dünn». 
Zu dehnen (s. d.), also Grundbed. «ausge- 
dehnt». ABL. Dünne, f., mhd. dünne, ahd. 
dunni f. dünnen, v., mhd. dünnen «dünn 
machen» (daneben «dünn sein», ahd. dünnen). 

Duns, m. (-es, PI. -e) : von Gelehrsamkeit 



Aufgeblasener, eig. sich in Grübeleien und 
überfeinen Spitzfindigkeiten gefallender Ge- 
lehrter. Wohl von dem Philosophen Joannes 
Duns Scotns (f 1308), der die auszeichnende 
Benennung doctor suhtüis erhielt. Vgl. engl. 
dunce «Dummkopf», das ebenfalls auf Duns 
Scotus zurückgeht. Ei'st gegen die Mitte 
des 18. Jh. vorkommend. 

dunsen (Voß Ovid Nr. 49, 201), s. auf- 
gedunsen. 

Dunst, m. {-es, PI. Dünste): feine auf- 
steigende in der Luft schwebende Flüssigkeit; 
dicke verdorbene Luft; feinstes Schrot (1727 
bei Hübner); feinstes Mehl. Selten Dunst f. 
(Geliert verm. Schriften 1, 23). Mhd. dunst, 
urspränglicher tunst m., md. auch f. «Aus- 
dünstung, feuchter Dampf», aber ahd. tunisf, 
dunist, dornst m. «üngewitter, Sturm» (noch 
Schweiz, dunst, düst, tust «Wind durch Er- 
schütterung, z. B. von einer Kanonenkugel, 
Lawine, vom Einsturz eines Hauses»). Da 
diese Bed. (Staubwind) als die urspmngliche 
anzusehen ist, wird das Wort auf dieselbe Wz. 
zurückgehen wie aind. dhvaß- «zerstieben», 
dhvastis f. «das Zerstieben». Vgl. Dust. 
Daß Duft dazu gehört (wie mhd. verminst 
neben Vernunft, vernuft steht) ist wegen der 
ahd. Formen nicht wahrscheinlich. ABL. 
dunstig, früher auch dunstig (noch bei Wie- 
land Idris2,53), adj. Mh.d..dunstec «dampfend», 
ahd. (!Mms%«stürmisch». dunsten, dünsten, 

V.: Dunst von sich geben, dampfen; zum 
Dampfen bringen. Mhd. dunsten, dünsten 
nur als Intrans. ZUS. DunstkreiS, m.: 
der einen Himmelskörper zunächst umgebende 
Luftkreis, Atmosphäre. 1754 bei Reimarus 
vornehmste Wahrh. d. natürl. Eel. 259. 

Dunzel, f. (PI. -li): lebhaftes, munteres, 
ausgelassenes Mädchen ; leichtfertiges Mädchen. 
Aus franz. donzelle (und dies aus ital. donzella), 
Span, doncella f., das auf mlat. dom{i)nicella, 
eine diminutive Bildung von doniina f. «Herrin, 
Frau» zuräckgeht. Am Mittelrhein (Maler 
Müller 1, 229). 

Duodez, n. (-es): (urspr.) Format, wenn 
der Bogen in 12 Blätter gefalzt ist, die 
Zwölftelgröße, (jetzt) kleines Format; in 
Zusammensetz, lächerlich klein. Aus lat. in 
duodecimo (duodecimus «der zwölfte»). Bei 
Sperander 1727. 

dupfen, s. tupfen. 

düpieren, v,: täuschen, überlisten. Um- 
bildung von gleichbed. franz. duper, das un- 
bekannter Herkunft ist. Bei Roth 1791. 



393 



dupliereu 



Durchlaucht 



894 



duplieren, v.: verdoppeln. Aus dem 
gleichbed. lat. dupläre. 1478 bei Nicl. v. Wyle 
349, 20. Dazu Dupllk, f. (PI. -m): die 
Entgegnung des Beklagten auf die Replik 
des Klägers. Aus franz. gleichbed. duplique f., 
einer Ableitung von dupliquer, das aus lat. 
duplicäre «verdoppeln» stammt. 1710 bei 
Xehring noch in franz. Form. Duplikat, n. 
(-6-, PI. -e): Abschrift eines Schriftstücks. 
1728 bei Apinus duplicata. Duplum, n. 
{-s, PI. Dupla) : das Doppelte. Aus gleichbed. 
lat. duphim. Davon in duplo*. doppelt. 
Beides 1728 bei Apinus. 

Dur, s. Moll. 

durch, adv. sowie präp. mit Akk. : so, 
daß Trennung da ist; in — hin und aus — 
(z. B. er geht durch die Tür = in die Tür 
hin und aus ihr): von einem Ende bis zum 
andern hin : auf Ursache oder Wirkung von — . 
5Ihd. durch, dur, alid. dunih, durah durh: 
dazu asächs. thurh, ndl. door, deur, ags. ßurh, 
engl, through und thorough «durchaus», da- 
neben mit anderni Ablaut got. pairh, dem 
ahd. fZeWt« durchbohrt» (vgl. derha «r)tfnung») 
entspricht. Wegen der Bed. ist noch got. 
ßairkö f. «Loch, Öhi-» und ahd. durhil, mhd. 
dürhel, dürkel «durchlöchert» heranzuziehen, j 
Falls der auslaut. Guttural in (/. als ableitend 
betrachtet werden kann, ist gr. xepeiv, ropeiv 
«durchbohren», gr. xpdjYA^n f. «Loch, Hölüe» 
als verwandt anzusehen. In der Zusammen- 
setzung hat d. mit Substantiven verbunden 
den Hauptton, z. B. Dnrchgatig, Durchlaß; 
mit Verben verbunden nur dann, wenn es 
von diesen in der Flexion getrennt werden 
kann, z. B. durchbrechen, ich breche durch, 
durchgebrochen usw.; ist es aber untrennbai', 
so ruht der Hauptton auf der Stammsilbe 
des Verbums, das dann im Part.-Prät. ge- 
nicht annimmt, z. B. durchbrechen, ich durch- 
breche, durchbrochen usw. Auch als erstes 
Wort in der Zusammensetzung mit Partikeln, 
hat durch den Hauptton nicht, sondern diese 
erhalten ihn, z. B. durchaus, durchhin usw. 

durchaus, adv.: (veraltet) hindurch und 
auf der andern Seite heraus; bis zum Ende 
(bei Luther); ganz und gar; unter allen Um- 
ständen, schlechterdings (bei Ludwig 1716). 

durchbrennen, v.: mit Brand durch- 
dringen oder durchdrungen werden; davon- 
laufen. Diese Bed. taucht um 1840 in der 
Studentensprache auf (zunächst «die Univer- 
sität verlassen») und ist wenig später auch 
in die Umgangssprache eingedrungen. 



durcheinander, adv., Zusammem-ückung 
von durch und einander (s. d.). Schon bei 
Keisersberg. Davon Durcheinander, n. 
(Schiller Eäuber 2, 3). 

Durchfall, m. (s): die bekannte Krank- 
heit. 1711 bei Rädlein. Von durchfallen, v. : 
durch eine Öffnung fallen; (bei einer Bewer- 
bung usw.) nicht bestehen. Diese Bed., die 
Lessing 8, 413 aus «der gemeinen Spi'ache» 
anführt (auch Adelung 1774 vei'zeichnet sie) 
sreht zuiiick auf die schon fmhnhd. Redens- 
art durch den Korb fallen, was eig. auf den 
Liebhaber, der im Korbe zum Gemach seiner 
Geliebten emporgezogen wii-d, geht (vgl. 
DW. 5, 1802) und die Bed. «bei der Liebes- 
werbung keinen Erfolg haben» hat. 

Durchgänger, m. (s, PI. wie Sg.): Aus- 
reißer. Ursprüngl. von Soldaten, so 1691 bei 
Stieler. Jetzt von Pferden und flott lebenden 
Menschen gebraucht. 

durchgängig, adj. u. adv.: von Anfang 
bis zu Ende, ohne Unterschied. Bei Nierem- 
berger 1753 als Adv. «überall», bei Adelung 
1774 auch als Adj. Nicht das mhd. durch- 
gengic, ahd. duriihgengic «einen Durchgang 
habend», abgeleitet von mhd. durchganc, ahd. 
dnruhganc m., sondern eine jüngere Bildung, 
die sich au durchgehen anlehnt. Älter ist 
das gleichbed. durchgehends, genetivisches 
Adv^ Bei Krämer 1678, 

Durchlaucht, f.: fürstliche Person. Als 
hoher Titel schon zu Anfang des 16. Jh. 
Substantivierung des Adj. durchlaucht: fürst- 
lich erhaben. Dies ist urspr. Pai't, Prät. von 
durchleuchten, mhd. durchliuhten «dui'ch- 
strahlen», Part, durchliuhtet, geküi'zt durch- 
linkt, das seit dem 14. Jh. als Ehrenbeiwort 
iürstlicher Personen für das lat. illustris (das 
in der spätem römischen Zeit Ehrenbezeichnung 
von Beamtenwürden war) steht; daneben 
namentlich md. (mit Einführung des Rüek- 
umlauts) durchlüht. Älternhd. findet sich 
durchleucht und durchlaucht, entsprechend 
beim Subst.; Durchleucht, das noch 1741 von 
Fx-isch angesetzt wird, während es Adelung 1774 
nur «aus einigen Gegenden» kennt, noch bei 
Schiller Kab. 1, 6. ABL. durchlauchtig, adj. 
Mhd. durchliuhtec «durchscheinend, strahlend, 
hellglänzend», spätmhd. durchliuhtig , durch- 
lühtig als Titel, älternhd. auch durchlauchtig 
(1722 bei Freyer 47), durchleuchtig (1741 bei 
Frisch). Davon Durchlauchtigkeit, f. 
'Spidmhd.durchlühtigkeit als Ehrentitel. Später 
durch das einfache Durchlaucht zurückge- 



395 



Durchmesser 



dürr 



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drängt, nach Adelung nur Kanzleiwort (doch 
noch bei Schiller WaU. Lag. 11). 

Durchmesser, m.: eine gerade Linie, 
die eine Figui- in zwei gleiche Teile teilt. 
Als Übersetzung von Diameter m., gr. bid- 
|Li€Tpoc f. 1670 bei Joh. Christoph Sturm 
teutscher Archimedes. 

durchs, zusammengezogen und verschleift 
aus durch das. Mhd. durch ^. dnrche^ aus 
durch da§. 

Durchschlag, m. {-es, PI. Durchschlage) : 
siebartiges Gerät zur Absonderung des Flüs- 
sigen, Feinem vomGröbern: Kopie der Schreib- 
maschine. Spätmhd. durchslag m., von dvrch- 
slahen, ahd. duruhsiahan « durchlöchern, durch- 
drücken». 

Durchschnitt, m. {-es, PI, -e): Durch- 
schneidimg (1561 bei Maaler); eine durch- 
schneidende Linie (Beleg voll 1684 beiGombert 
8, 9), im 17. u. 18. Jh. Durchmesser (1653 bei 
Harsdöröer mathem. Erquickstunden 3, 394); 
Darstellung eines durchschnitten gedachten 
Gegenstandes (bei Ludwig 1716): Mittelzahl, 
Mittelwort (Brockes 3, 233). ABL. durch- 
schnittlich, adj. u. adv. (nach der letzten 
Bed. von Durchschnitt). In der neuern 
Sprache. 

Durchsicht, f.: Blick dm-ch etwas hin- 
durch; zu einem solchen Blick geeigneter 
Ort; prüfendes Durchlesen. Erst bei Stein- 
bach 1734. Gebildet von dem Adj. durch- 
sichtig, mhd. durchsihtec. 

durchstankern, durchstänkern, v.: 
in kleinHcher Weise durchsuchen, eig. durch- 
schnüffeln, durchriechen. S. stankern. Im 
17. Jh. in Mitteldeutschland (z. B. bei Weise 
Hauptverd. 28), aber von Geliert 4, 20 als 
nicht schriftsprachHches Wort geiiigt. 

Durchstecherei, f.: in heimUchem Ein- 
verständnis mit andern bewii'kte Betrügerei. 
Bei Frisch 1741 aus älterer Quelle belegt. 
Von dem älternhd. mit eitlem durchstechen 
(noch bei Lessing 10, 209): mit einem andern 
Betrügerei heimlich verabreden, eig. wohl 
'<die Karten durch Durchstechen kenntlich 
machen», vgl. abkarten. Andre knüpfen an 
die betrügerischen Kniffe der Riemenstecher 
(s. d.) an, die sich auf Jalirmärkten produ- 
zierten. Schon mnd. dorchsfeken hat den 
Sinn «betrügen». 

durchtrieben, adj.: von Anfang bis zu 
Ende bewandert und ausgelernt; aller Schlau- 
heit voll rmd unermüdlich darin. So in 
Bez. auf Böses schon mhd. durchtriben, das 



Part. Prät. von diirchtrtben «durchstreifen, 
durchwandern», dann s. v. a. «geistig durch- 
dringen». 

durchwamsen, s. v. wie dbivamsen (s. d.). 

durchweg (und durchweg), adv.: ohne 
Ausnahme; aUeraal. Zusammemückung der 
Präp. durch mit dem Akk. Sg. Weg, vgl. 
himreg. Das von Adelung 1793 noch nicht 
verzeichnete Wort wird von Heynatz 1796 
als niedersächsisch aufgeführt. 

dürfen, v. (Präs. darf, PI. dürfen, Prät. 
durfte, Konj. dürfte, Part, gedurft): nötig 
haben (noch häufig bei Luther, auch später 
altertümelnd, z. B. Claudiu